Extrovertiertes Intuieren

Extrovertiertes Intuieren, oder kurz NE (englisch: iNtuition Extroverted) ist die Funktion, die uns dabei hilft, die Welt so zu erfassen, wie sie sein könnte, Möglichkeiten wahrzunehmen und verschiedene Blickpunkte annehmen zu können. Die Funktion ist am ausgeprägtesten bei den Typen ENTP und ENFP steht an zweiter Stelle bei deren introvertierten Pendants: INTP und INFP.

Der Unterschied zu Empfindern
Um den Unterschied hervorzuheben, verwende ich statt dem Begriff „Empfinder“ auch gerne den Term „Sensoriker“. Sensoriker nehmen die Welt mit ihren Sinnen wahr: sie sehen, hören, riechen, fühlen und schmecken ihre Umwelt. Natürlich können das auch Intuierer, aber längst nicht so feinfühlig wie die S-Typen. Intuierer leben vielmehr in einer gedanklichen Welt. Das, was sie mit ihren Sinnen wahrnehmen ist für sie eher eine Art Stimulant, etwas, was ihre Vorstellungskraft anregt. Man könnte sagen, dass Sensoriker ihre Umwelt scannen, während die Aufmerksamkeit von Intuierern an einzelnen Dingen kleben bleibt und diese dann interpretiert. Demzufolge entgehen dem Intuierer viele Details, die dem Sensoriker auffallen, allerdings sieht er in den Details, die ihm auffallen, mehr Facetten.

Durch diese unterschiedliche Form der Wahrnehmung der materiellen Welt wird auch die Wahrnehmung der Zeit der verschiedenen Typen beeinflusst. Extrovertierte Sensoriker leben vor allem im Hier und Jetzt, introvertierte Sensoriker mehr in der Vergangenheit. Extrovertierte Intuierer leben sowohl in der Vergangenheit, als auch in der Zukunft, was bedeutet, dass sie zum einen externe Stimuli stets mit bereits aufgenommenen Daten vergleichen und zum anderen, welchen Impakt sie auf die Zukunft haben könnten. Sie sind dabei weniger fixiert auf das, was im unmittelbaren Moment passiert. Durch diese „verkopfte“ Art wirken extrovertierte Intuierer häufig verträumt, geistesabwesend und auch ein wenig skurril.

Durch diese unterschiedliche Wahrnehmung von Umwelt und Zeit ergibt sich häufig auch eine unterschiedliche Weltansicht und so ist es nicht verwunderlich, dass Sensoriker (insbesondere introvertierte Sensoriker) häufig eher konservativere Tendenzen haben, die sich an der Vergangenheit und Traditionen orientieren, bzw. eher leichtfüßig und gefühlt sorgenfrei (insbesondere extrovertierte Sensoriker) durchs Leben gehen, während extrovertierte Intuierer gesellschaftlich häufig eher liberaler eingestellt sind. Zwar hat ihre teils drollig anmutende Art auch häufig etwas Fröhliches an sich, aber verglichen mit Sensorikern neigen sie viel eher dazu, sich in Grübeleien zu verlieren, was im ungünstigen Fall auch zu Depressionen führen kann, für die Sensoriker nicht ganz so anfällig sind.

Der Unterschied zu introvertiertem Intuieren
Wie bereits erwähnt, haben extrovertierte Intuierer einen Hang dazu, sowohl in der Vergangenheit als auch in der Zukunft zu leben. Bei introvertierten Intuierern verschiebt sich das etwas weiter nach vorne, soll heißen, sie leben mehr in der Gegenwart, nehmen also materielle Eindrücke etwas intensiver wahr als ihre extrovertierten Pendants und hängen ihre Gedanken gleichzeitig viel mehr an die Zukunft, während die Vergangenheit eine eher untergeordnete Rolle spielt. Die stärker ausgeprägte Zukunftsbezogenheit macht introvertierte Intuierer zu besseren Langzeitplanern, die einem strikteren Tagesablauf folgen als extrovertierte Intuierer, die sich alle Optionen frei halten wollen.

Introvertierte Intuierer haben zwar auch ihre humorvolle Seite, wenn man sie aber mit extrovertierten Intuierern vergleicht, sind sie generell von eher ernsterem Charakter. Introvertierte Intuierer können prinzipiell zwar gut mit extrovertierten Intuierern umgehen und andersherum, sind jedoch schnell gereizt durch die Sprunghaftigkeit der extrovertierten Intuierer. Diese wiederum empfinden introvertierte Intuierer häufig als zu festgefahren und nicht selten als zu sehr von sich selbst überzeugt.

Gerade in letzterem Punkt liegt der Unterschied, der wahrscheinlich am bemerkbarsten ist: extrovertierte Intuierer halten es in der Regel für ungünstig oder gar gefährlich, eine all zu hohe Meinung von sich selbst zu haben. Sie leben nach dem Motto, dass man nie auslernt, dass es immer neue Blickwinkel zu entdecken gilt und ändern aus diesem Grund auch häufiger ihre Meinung. Introvertierte Intuierer hingegen wechseln langsamer, bzw. seltener ihre Meinung und haben meist mehr Selbstvertrauen. Um ihre nicht selten ambitionierten Pläne und sich selbst auferlegten Maßstäbe zu erreichen, müssen sie das jedoch auch sein, während extrovertierte Intuierer genau deshalb so scharfsinnige Beobachter sind, weil sie alles – einschließlich sich selbst – so kritisch hinterfragen.

Die Vorteile extrovertiertem Intuierens
Extrovertierte Intuierer sind einfallsreich und auf erfrischende Art und Weise unkonventionell. Sie sind gut darin, zwischen den Zeilen zu lesen, da sie aktiv nach versteckten Botschaften suchen und entdecken überall Möglichkeiten, wo andere keine oder nur begrenzte Alternativen sehen. Sie haben einen unternehmerischen Geist und können in einer kindlichen Art und Weise mit ihrer Euphorie auch sehr ansteckend wirken.

Dadurch, dass extrovertierte Intuierer versuchen, eine Situation immer von verschiedenen Winkeln aus zu betrachten, sind sie häufig etwas toleranter als andere Typen. Von Natur aus neugierig können sie sich für die verschiedensten Dinge interessieren, sind dementsprechend nicht selten relativ belesen und können auf eine Vielzahl diverser Hobbies zurückschauen. Sie sind recht anpassungsfähig, was ihre Umgebung angeht, da sie nicht sonderlich viel Wert auf materielle Äußerlichkeiten legen und eher in ihrer Gedankenwelt leben.

Sie sind relativ schwer zu täuschen, da ihr weiter Blickwinkel auch vor den Handlungen, bzw Intentionen ihrer Mitmenschen keinen Halt macht, weshalb sie, trotz ihrer eher liebenswürdigen, lockeren Erscheinung, häufig ein gewisses Misstrauen gegenüber den meisten ihrer Mitmenschen hegen.

Die Nachteile extrovertiertem Intuierens
Eben genannten Punkt kann man auch als Nachteil auslegen – nicht selten leben extrovertierte Intuierer in einem chaotischen Haushalt und tragen schmutzige und/oder abgetragene Kleidung, ohne, dass es ihnen groß auffallen würde. Sie können nur mit Mühe Ordnung halten und sind schlechte Organisatoren – da sie sich jede Option freihalten wollen, tun sie sich schwer damit, feste Termine zu setzen und manchmal sogar, diese einzuhalten.

Man könnte ihnen als Vorteil zusprechen, dass sie schwer zu berechnen sind, aber das gilt auch für sie selbst – sie tun sich schwer damit Entscheidungen zu treffen, wollen diese im Nachhinein oft ändern, weil sie das Gefühl haben, durch ihre Wahl etwas (besseres) verpasst zu haben und sind manchmal regelrecht perplex über ihr Verhalten, wenn sie es in retrospektive betrachten. Oftmals sind sie so überwältigt durch die vielen Optionen, die sich in manchen Augenblicken bieten, dass sie häufig zu gar keinem Entschluss kommen, weshalb es ihnen manchmal sogar hilft, wenn ihre Möglichkeiten nur eingeschränkt sind.

Ihnen fehlt häufig der lange Atem und die Überzeugung ihre oftmals eigentlich guten Ideen tatsächlich umzusetzen – entweder sie verlieren einfach das Interesse oder sie verlieren den Glauben daran, dass ihr Plan tatsächlich das angestrebte Ziel erfüllt. Das macht sie sprunghaft und in manchen Situationen regelrecht unzuverlässig.

Erste/Zweite Funktion NE (ENTP, ENFP, INTP, INFP): 
„Sorry, ich habe bei deinem letzten Satz nicht mehr richtig zugehört. Du hast mich auf eine tolle Idee für eine neue Geschichte gebracht.“

„Was du aber auch machen könntest…“

„Und es gibt wirklich keine andere Möglichkeit? Es muss doch noch eine andere Option geben, wie man das lösen kann…“

„Hm… wenn man lange genug darüber nachdenkt, ist der Antagonist aus diesem Film eigentlich gar nicht mal so böse. Eigentlich will er ja nur…“

„Was? Ich bin nicht kindisch! Das ist nur mein „Ich-hab’s-doch-gewusst“-Tanz! Ha! Ich hab’s doch gewusst!“

Dritte/Vierte Funktion NE (ESTJ, ESFJ, ISTJ, ISFJ): 
„Halt, halt, halt, halt… das sind zu viele Ideen auf einmal.“

„Verdammt! Ich wusste, dass das passieren würde! Nächstes mal sollte ich mich mehr auf mein Bauchgefühl verlassen.“

„Nein, so einfach ist das nicht. Das hängt alles irgendwie miteinander zusammen – wenn man bloß sagen könnte, wie genau…“

„Ja, das ist eine schöne Idee, aber das war’s dann auch schon. Eine schöne Idee, die aber niemals umgesetzt werden kann.“

„Ab und an brauche ich auch mal ein wenig Abwechslung, deshalb reise ich ab und zu – und wenn ich wieder zurück bin, freue ich mich, dass wieder alles wie gewohnt ist.“

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Extrovertiertes Fühlen

Extrovertiertes Fühlen, oder kurz FE (englisch: Feeling Extroverted) ist die Funktion, welche sich in erster Linie auf die eigene Emotionalität bezieht. Die Funktion ist am ausgeprägtesten bei den Typen ENFJ und ESFJ und steht an zweiter Stelle bei deren introvertierten Pendants: INFJ und ISFJ .

Der Unterschied zu Denkern
In vielerlei Hinsicht ist das der offensichtlichste Unterschied zwischen allen Funktionen: während Denker ihre Entscheidungen (versuchen möglichst) unparteiisch und nüchtern zu fällen, sind Fühler allgemein emotional sehr voreingenommen. Wenn ein Denker in einer Führungsposition, insbesondere ein extrovertierter Denker, es mit einem inkompetenten Angestellten zu tun hat, wird er in der Regel wenig Scheu zeigen, diesen zu entlassen, wenn es zum Besten für das Unternehmen ist. Der extrovertierte Fühler tut sich damit um einiges Schwerer, weil er stark mitfühlend und auf persönlicher Ebene wohlwollend ist.

Was sich von dieser Perspektive als Schwäche zeigt, ist auf rein zwischenmenschlicher Seite jedoch meistens eine große Stärke. Andere Menschen fühlen sich insbesondere zu extrovertierten Fühlern stärker hingezogen, als zu Denkern, da FE nach außen hin wie bereits erwähnt wohlwollend, aber auch menschlich, Anteil nehmend wirkt. Man fühlt sich vielleicht nicht zwangsweise verstanden, aber zumindest nicht alleine gelassen. Auch die negativen Stimmungen werden jedoch viel vehementer nach außen getragen. Die Laune eines extrovertierten Fühlers füllt oftmals ganze Räume aus, während der emotionale Zustand eines Denkers häufig im Verborgenen bleibt.

Während TE Effizienz verlangt und TI die Wahrheit, strebt FE vor allem Harmonie an. „Aim to please“ trifft also am ehesten auf extrovertierte Fühler an, was auch daran liegt, dass sie die Stimmung in einer Gruppe viel stärker erfassen und empfinden als jeder andere Typ – selbst introvertierte Fühler fühlen sich häufig überfordert, wenn sie mit mehr als nur einer anderen Person konfrontiert werden. Extrovertierte Fühler lernen durch diese Ausprägung relativ gut, ihre Mitmenschen zumindest oberflächlich zu lesen: hat die andere Person Angst? Ist sie entspannt? Ist sie interessiert, gelangweilt, traurig? Der extrovertierte Fühler wird vielleicht nicht wissen, weshalb sein Gegenüber sich in jenem Zustand befindet, aber zumindest wird er denselben ebenfalls spüren – etwas, das Denkern, insbesondere extrovertierten Denkern schwer fällt.

FE priorisiert dementsprechend Zwischenmenschliches ganz klar vor Effizienz und Logik. Würde man drei Teams miteinander vergleichen, von denen eines von einem extrovertierten Fühler, das zweite von einem extrovertierten Denker und das dritte von einem introvertierten Denker geleitet wird, kann man sich sicher sein, dass das TE-Team, das Team wahrscheinlich schneller erreichen wird, es FE-Team aber genauso wahrscheinlich eine bessere Stimmung/Moral geben wird. Das TI-Team wird während dessen möglicherweise weder ganz fertig noch über einen besonderes ausgeprägten Teamgeist verfügen, aber introvertierte Denker gelten auch nicht als die besten Teamleiter.

Der Unterschied zu introvertierten Fühlern
Während extrovertierte Fühler mitfühlend sind, sind introvertierte Fühler einfühlsam. FE nimmt einen sehr genauen Abdruck der Stimmung seines Gegenübers war und wird ihn auf sich selbst übertragen können, aber immer noch versuchen müssen, zu verstehen, warum sich das Gegenüber so fühlt, wobei die vierte Funktion, TI, hier eine unterstützende Rolle spielt. FI hingegen kann oft nicht anders, als sich automatisch direkt in die Lage des anderen zu versetzen und die Situation aus genau derselben Perspektive zu betrachten. Die emotionale Reaktion kann daher zwar abweichen, aber der introvertierte Fühler wird eher Verständnis aufbringen, als Sympathie (wobei letzteres natürlich nicht ausgeschlossen werden muss).

Extrovertierte Fühler haben also eher eine Einstellung: „Egal, wer du bist, was du durchgemacht hast und wieso – du bist traurig, also bin ich auch traurig“ und bringen, sofern sie ausgeglichene Persönlichkeiten sind, auch eher ein gewisses Grundmaß an Freundlichkeit und Wohlwollen mit, während introvertierte Fühler hier etwas anders eingestellt sind: „Ich kann mich in dich hineinversetzen und erahne, wer du bist, was du durchgemacht hast und kann verstehen, weshalb – du bist traurig und ich weiß, weshalb.“ Ob der introvertierte Fühler nun auch angesteckt wird von der Emotion seines Gegenübers, hängt vom eigenen Wesen und der eigenen Stimmung ab. Die Emotionen sind für introvertierte Fühler nicht unbedingt ansteckend.

Da gerade über diesen Unterschied häufig Unklarheit herrscht, kommt es auch schnell zwischen intro- und extrovertierten Fühlern zu Konflikten: extrovertierte Fühler werfen ihren introvertierten Pendants oft vor, kalt zu sein, da sie nicht die eigentlich erwartete emotionale Reaktion bekommen, während introvertierte Fühler ihnen wiederum vorwerfen, „unecht“ zu sein und deren Gefühle als vorgeheuchelt empfinden. Beide Empfindungen sind jedoch falsch, da der introvertierte Fühler so stark fühlt, wie kein anderer Typ und ihm häufig nur die Fähigkeit fehlt, seine Emotionen auch nach außen hin zu kommunizieren, während der extrovertierte Fühler die Gefühle seiner Umgebung wahrhaftig empfindet. Als triviales, aber dennoch aussagekräftiges Beispiel, kann man aufführen, dass extrovertierte Fühler am ehesten dazu neigen, bei Filmen zu weinen (sofern die Schauspieler überzeugend genug sind) und man ihnen wohl kaum vorwerfen wird, dass das nur gespielt sei.

Die Vorteile extrovertierten Fühlens
Extrovertierte Fühler können Gefühle hervorragend nach außen kommunizieren – auch, wenn sie nicht zwangsläufig selbst empfunden werden. Das macht sie in sozialen Situationen sehr flexibel – sie können sich, sofern sie sich dabei nicht selbst zu sehr unter Stress setzen, stets selbst neu erfinden und diverse Rollen einnehmen, wobei sie dabei durch ihr Harmoniebedürfnis auch eingeschränkt werden. Sie nehmen eher ungern die Rolle des Anklägers, des Spötters oder des Zweiflers ein, sind allerdings umso mehr in ihrem Element, wenn sie andere verteidigen, zwischen Parteien vermitteln oder einfach nur für eine angenehme Stimmung sorgen wollen.

Selbstverständlich kommt ihnen auch die Fähigkeit zu Gute, die Gefühle anderer schnell und präzise zu erfassen und sich dementsprechend auf ihre Umgebung anzupassen. Extrovertierte Fühler sind dementsprechend soziale Chamäleons, welche sich nicht nur ihrer Umgebung anpassen können, sondern ihre Farbmuster auch besonders detailliert erkennen können. Darüber hinaus macht ihre positive Art sie häufig zu kompetenten Motivatoren und durch ihr Gruppenverständnis haben sie ein ausgeprägtes Bewusstsein für Etikette.

Die Nachteile extrovertierten Fühlens
Das starke Harmoniebedürfnis von FE trübt selbstredend das objektive, nüchterne Urteilsvermögen und nicht selten kann es deshalb vorkommen, dass auf lange Sicht falsche Entscheidungen zugunsten von temporärer emotionaler Befriedigung getroffen wurden. Das kann dazu führen, dass das wohlwollende Wesen extrovertierter Fühler schnell ausgenutzt werden kann oder aber sich anderen zu sehr aufdrängt, die eigentlich gar keine Hilfe – oder zumindest nicht die des extrovertierten Fühlers wollen. Extrovertierte Fühler haben das Bedürfnis, von ihrer Umgebung gemocht zu werden und geben viel auf die Meinung anderer – bis zu einem Punkt, dass sie sich selbst emotional abhängig machen können und/oder manipulativ, süchtig nach Aufmerksamkeit und eitel erscheinen oder gar werden können.

Extrovertiertes Fühlen Fühlen an den verschiedenen Stellen

Erste/Zweite Funktion FE (ENFJ, ESFJ, INFJ, ENFJ): 
„Lass uns das gemeinsam machen – zusammen macht es doch auch einfach mehr Spaß!“

„Beruhig dich. Ich bin bei dir, gemeinsam schaffen wir das, okay?“

„Hey, du bist richtig gut darin – voll das Naturtalent, oder?“

„Ich finde, dass du mehr Rücksicht auf andere geben solltest und ich denke, eine Entschuldigung wäre jetzt wirklich angebracht.“

„Ich meine es doch nur gut mit dir, warum siehst du das denn nicht und weist mich ab?“

Dritte/Vierte Funktion FE (ENTP, ESTP, INTP, ISTP): 

„Oh, das… ist scheiße. Ich würde dir ja echt gerne helfen, wenn ich könnte, aber ich weiß nicht wie.“

„Ich verstehe ja, dass du wütend bist, aber nicht, warum du deshalb deinen Verstand ausschaltest und nur noch idiotische Dinge tust.“

„Doch, doch. Ich mag dich. Bist in Ordnung. So und nun genug der Gefühlsduselei, wo waren wir?“

„Wenn du jemanden zum Reden brauchst – ich bin da. Erwarte nicht, dass ich mit dir weinen werde, aber reden ist auf jeden Fall drin, okay?“

„Die Leute halten mich anfangs immer für freundlich und sympathisch – bis sie mich besser kennen lernen, habe ich den Eindruck.“

NPs – Gefangen zwischen Arroganz und selbstkritik-bedingter Untätigkeit?

Das stark ausgeprägte extrovertierte Intuieren ist für ENTPs, ENFPs, INTPs und INFPs Segen und Fluch zugleich. Auf der einen Seite rühmen wir uns für dafür, die Dinge leicht von verschiedenen Blickpunkten aus betrachten zu können. Wenn uns jemand für unser Improvisationstalent lobt, dann denken wir uns mit einem leicht verlegenen Lächeln: „Naja, stimmt, darin bin ich echt gut“. Und wir sprühen nur so vor genialen Ideen und wissen allgemein, so glauben wir zumindest, was ein gutes Konzept ausmacht. Egal, in welchem Fachbereich. Und meistens ist das tatsächlich so.

Jetzt müsste man ja zu dem Schluss kommen, dass wir abgehoben und vollkommen eingebildet seien, aber auf der anderen Seite werden wir durch all die Eindrücke, die wir sammeln auch blockiert. Das, was viele andere zu wenig haben, um produktiv zu sein, haben wir teilweise einfach zu viel, dass es uns fast erstickt. Wir sehen den Reiz in so vielen Hobbies, dass wir sie am liebsten alle gleichzeitig anfangen würden – und zumindest ausprobieren ist oft drin. Und dann entwickelt sich eine heiße, innige Liebe, welche dann jedoch häufig nur von kurzer Dauer ist. Die Gründe dafür sind oftmals dieselben, die uns überhaupt erst dazu gebracht haben, eine neue Tätigkeit, eine neue Idee anzugehen: wir betrachten sie von allen Seiten und sehen dadurch nicht nur potentielle Errungenschaften, sondern auch Möglichkeiten zum Scheitern, Makel an der Grundidee an sich und weshalb die Idee vielleicht gar nach hinten losgehen könnte. Mein letzter Blogeintrag ist schon über einen Monat her – das ist vielleicht der einzige Grund, weshalb ihr diesen hier überhaupt lesen werdet: langsam wird es wirklich einfach mal wieder Zeit, ein Lebenszeichen von mir hören zu lassen. Ich habe meinen inneren Kritiker ausgeschaltet, sonst würde er diesen Blogeintrag alleine schon bis hierher komplett zerrissen haben.

Für viele Nicht-NPs, vor allem für Sensoriker treffen wir mit dieser Problematik häufig auf wenig Verständnis: „Ja, wenn du eine gute Idee hast, dann mach doch einfach, anstatt bloß den ganzen Abend davon zu reden!“, heißt es zunächst, oder, wenn man sich besser kennt: „Wie wäre es, wenn du erst einmal den Plan, den du zuvor hattest durchziehst, bevor du dich auf einen neuen einlässt?“

Und diese konstruktive Kritiken sind beide durchaus berechtigt, aber so einfach ist es nicht. Ich wurde mittlerweile beispielsweise schon so häufig auf meinen Blogroman „Topophobie“ angesprochen und angeschrieben, warum, ich denn nicht weitermachen würde. Warum tue ich es nicht? Weil ich festgestellt habe, dass ich mich total in Nebenplots verrannt habe, das retardierende Moment zu schwach wäre, in dem Sinne, dass die meisten, wenn nicht alle Leser, dieses nicht als einen Wendepunkt wahrnehmen würden und ich schon zu viel Inhalt habe, den ich umschreiben müsste, um das Werk noch zu retten. Sprich: unter meiner Anleitung würde BER oder Stuttgart 21 nie fertig gebaut werden, sondern ich würde die Baustelle einfach verlassen, so, wie sie ist. Und jetzt kommt der springende Punkt: ich würde zu einer neuen Baustelle gehen, dort ein neues Projekt anfangen und die Fehler, die ich zuvor gemacht habe, nicht ein zweites Mal begehen. Dafür Neue. Und dieses Projekt höchstwahrscheinlich wieder verlassen. Und jetzt kommt meine steile Behauptung, was der Grund dafür ist: weil NPs sogar noch anspruchsvoller sind als NJs, die als Perfektionisten so berühmt-berüchtigt sind. Wir NPs sind noch viel schlimmer. Wir verlassen das Boot, noch bevor es überhaupt sinkt, weil es sinken könnte und machen uns an die Arbeit, ein neues zu bauen. Und am Ende sorgt unser Perfektionismus oft genug dafür, dass wir nicht einmal in See stechen.

Das ist dann natürlich enorm schade. Aber hier kommt der springende Punkt: früher oder später ist unser Schiff dann doch fertig. Und dann sind wir stolz darauf und finden keinen (für uns) nennenswerten Makel mehr daran. Wir haben ein wahres Meisterwerk geschaffen, weil wir uns nicht an einer Idee festgeklammert haben, sondern aus jeder nur das Beste behalten und am Ende eine furchterregende Schimäre glänzende Neuheit kreiert haben. NJs haben eine Vision und verfolgen sie bis zum Ende durch.

Jetzt wäre hier nur zu kritisieren, dass „früher oder später“ eigentlich immer „später“ heißt. Ein Problem: wenn wir Ideen mit Liebschaften vergleichen, wie oben, dann könnte man sagen, dass NPs wie draufgängerische Casanovas sind, die sich aber eigentlich nach der wahren Liebe sehnen. Wir lassen uns auf eine Liebschaft nach der anderen ein, hüpfen von Bett zu Bett, wieder zurück zu alten Affären und dann machen wir wieder eine neue, verführerische Bekanntschaft. Während dessen hat ein NJ bereits geheiratet und vier Kinder bekommen.

Und hier kommt eine weitere Komponente hinzu: man kann nur ein „draufgängerischer Casanova“ sein, wenn man sich nicht in seiner Wohnung einsperrt. Und zumindest ideentechnisch tun wir NPs das auch nicht: wir konsumieren Medien in der Regel wie Wasser. Bücher, Filme, Gemälde, Serien, Musik, Spiele – all das inspiriert uns. Und auf unserer Suche nach Inspiration verschlingen wir alles, was uns dabei helfen könnte. Demnach eignen wir uns auch eine regelrechte Bibliothek (unser kleines introvertiertes Empfinden lässt grüßen) an Erfahrungen an – und früher oder später meinen wir auch beurteilen zu können, welcher Film objektiv schlecht sei, warum der Plot eines Romans schlecht aufgebaut ist, warum bestimmte Seriencharaktere uninteressant sind, welche Spielmechaniken langweilig, welche Farben uninspiriert und welche Musik „weichgespülter Mainstreampop“. Schon mal ein Gespräch mit einer Person gehabt, die eure Lieblingsserie zerrissen hat und ihr wolltet nicht mehr weiter sprechen – und zwar, weil sie recht hatte und euch damit den Spaß daran genommen hätte, hättet ihr das Gespräch nicht abgebrochen? Wir NPs mögen tolerant gegenüber Menschen sein – aber wir sind das nicht gegenüber Ideen. Da können die Fetzen fliegen – ohne, dass wir die Absicht haben, dabei jemals persönlich zu werden.

Und nun ein schönes Bild zum Abschluss: stellt euch vor, ein gefürchteter Filmkritiker, der schon hunderte Filme mit seinen Rezensionen zerrissen hat und überall ein Haar in der Suppe findet, wagt sich auf einmal selbst an die Regie. Das sind wir. Und wir zittern wie Espenlaub.

Was Christen von der Band „A Perfect Circle“ lernen können

Ich muss das Album der Band, das heute erschienen ist – und ganz besonders ein Lied, das schon vor einigen Wochen als Single ausgekoppelt wurde unbedingt etwas promoten. „A Perfect Circle“ erfreut sich in Deutschland nicht unbedingt all zu großer Bekanntheit, dabei sollte die Band meiner Meinung nach zumindest jeder schon mal gehört haben.

Man muss ja nicht gleich Fan werden – mir ist bewusst, dass die sehr zynischen Texte nicht jedermanns Sache sind, aber manche Passagen sprechen mir einfach so sehr aus der Seele, dass ich sie am liebsten an die Kirchentüre nageln würde, wie es Luther damals (NICHT) getan hat.

Das Lied „TalkTalk“ deckt – zumindest in meinen Augen – besonders treffend auf, was in unserem angeblich „christlich geprägten Abendland“ so heftig schief läuft. Beziehungsweise nicht läuft.

„You’re waiting on miracles – we’re bleeding out“

Mit diesen Textzeilen beginnt das Lied. Und das ist auf so viele Weisen wahr. Man muss es nicht einmal auf uns Christen beschränken, denn es spricht allgemein für unsere westliche Geisteshaltung im Angesicht der globalen Konflikte, mit denen wir es zu tun haben. Fluchtursachen entstehen nicht ohne Weiteres. Kriege passieren nicht einfach so. Und unser Planet wird ausgeschlachtet und vergewaltigt, als hätten wir noch eine Extrapackung „Erde“ auf Vorrat. All das wird durch Menschen verursacht – und kann nur durch Menschen verhindert werden. Wir wissen das, aber irgendwie tun wir kaum etwas dagegen. Stattdessen warten wir auf Wunder. Oder „unrealistische Zufälle“, wenn wir uns dem Wortschatz eines Atheisten bedienen. Und während wir warten, verbluten Menschen, verblutet die Erde. Metaphorisch und wörtlich gleichermaßen.

Dann geht es mit einer Aussage weiter, die es in sich hat:

„Thoughts and prayers – adorable. Like cake in a crisis. We’re bleeding out.“

So albern der Vergleich ist, so treffend ist er. Wie müde bin ich es, von Politikern die Worte „Wir sind gedanklich und in unseren Gebeten bei den Opfern“ zu hören. Man denke nur an Amerika und die dortigen Waffengesetze in Anbetracht der Waffengewalt, die auch vor Kindern nicht anhält. Wenn wir den Opfern von Krieg und Armut nur unsere Gedanken und Gebete schicken, aber selbst nicht dazu bereit sind, etwas zu tun, dann ist das so hilfreich, wie Kuchen während einer Krise. Hier werden bestimmt die ersten meiner Glaubensgeschwister aufschreien: „Wie kannst du die Macht des Gebetes so herabspielen? Elender Ketzer!“ – bevor man sich jetzt in solche Gedanken verstrickt, erstmal eine Gegenfrage: wenn du für etwas oder jemanden betest, gleichzeitig dazu in der Lage bist, auch deinen eigenen Teil dazu beizutragen, es aber nicht tust – meinst du das Gebet dann wirklich ernst? Und glaubst du, dass ein nicht ernst gemeintes Gebet tatsächlich irgendwelche Wirkungen hat? Nein? Ich auch nicht.

Im Pre-Chorus heißt es: „While you deliberate, bodies accumulate“, was die Strophe eigentlich gut zusammenfasst. Auf den Punkt gebracht und zugespitzt wird die Aussage dann im Refrain:

„Sit and talk like Jesus – try walking like Jesus.“

Das Lied nimmt hier Bezug zu jenen, die ständig einen auf ach so heilig machen, Jesus ganz toll zitieren können, aber erst dazu aufgefordert werden müssen, ihren Worten tatsächlich selbst Folge zu leisten. Jesus hat nicht einfach nur gesprochen. Jesus hat tatsächlich Dinge getan. Es reicht eben nicht, auf der Kanzel große Reden zu schwingen, beziehungsweise diese brav abzunicken. Es reicht nicht jeden Tag seine Stille Zeit zu halten, zu beten, aber dann wie jeder andere Mensch sonst zu leben. Ja – es reicht, das Opfer von Jesus anzunehmen, um deine Seele zu retten. Daran glaube ich auch. Aber das alleine reicht nicht aus, um diese Welt zu einer besseren zu machen. Und wenn wir uns schon „Christ“ an unsere Stirn schreiben, dann sollten wir uns auch der Aufgabe bewusst sein, die Gott uns gegeben hat: verantwortungsvoll miteinander und mit der Erde umzugehen. Und dazu gehören auch Taten.

In diesem Sinne:

„Talk talk talk talk – Get the fuck out of my way!“

Wenn du einfach nur zu denjenigen gehörst, die nur daherreden, aber zu bequem sind, tatsächlich etwas zu tun, dann verschwende meine Zeit nicht weiter.

In der Bridge – wenn man sie so nennen mag – wird eine Aufforderung mehrmals wiederholt:

„Dont be the problem, be the solution.“

sowie

„Talk without works is faith without works is dead“

Ein berühmtes Zitat von Gandhi lautet: „You must be the change you want to see in the world“.  Während Gandhi das Individuum in seinem Zitat erstmal als neutral darstellt, geht die Aussage des Liedes einen Schritt weiter: man kann durchaus selbst zum Problem gehören. Nichtstun bedeutet nicht zwangsläufig, die Rechnung nicht negativ zu beeinträchtigen. Schauen wir uns das Thema Umweltschutz an, um uns zu vergegenwärtigen, wie absurd unsere Lage ist. Wir sind die mit Abstand einfallsreichste und intelligenteste Spezies, die unseren Planeten bewohnt. Wieso bekommen wir es nicht auf die Reihe, den Schaden, den wir auf ihm anrichten, zumindest zu reduzieren?

Meine Frau und ich haben lange nachgedacht, wie verantwortlich es ist, ein Kind in die Welt zu setzen. Nicht nur, was das Kind angeht, das sich ja nicht selbst dazu entscheidet, geboren zu werden. Sondern auch, ob das Kind nun zum Guten oder zum Schlechten auf dieser Welt beiträgt – wir tragen als Eltern sicherlich unseren Teil dazu bei, aber diese Verantwortung überspannt sich nicht über alle Entscheidungen unseres Sohnes. Letztlich waren wir – auch, wenn es gegen die Statisik spricht – optimistisch und hoffen nun darauf, dass wir ihm ein gutes Vorbild sein werden, wenn es darum geht, ein Teil der Lösung zu sein.

Ich bin ernsthaft der Meinung, dass Glaube ohne Taten ein toter, sprich unechter Glaube ist. Die Frage ist natürlich, was jetzt unter der „Tat“ verstanden wird. Mir wurde damals ein Bild eingetrichtert, dass ein Christ, der „gute Taten“ vollbringt, anderen Menschen ganz nach dem Bild der Evangelikalen seinen Glauben näher bringt. Gewiss, als Christ bin ich der Überzeugung, dass die Weiterverbreitung des Evangeliums etwas Wichtiges ist. Aber war es das dann? Und darüber hinaus – nicht jeder ist dafür geeignet, sich auf die Straße zu stellen, Reden zu halten und locker fremde Menschen auf ihren Glauben anzusprechen. Ich habe auch schon Leute erlebt, die das auf äußerst abschreckende Art und Weise getan haben. Außerdem, wie glaubwürdig ist man, wenn man fleißig Jugendarbeit leistet, aber seinen Kindern Produkte kauft, die aus Kinderarbeit stammen? Wie ernst kann man jemanden nehmen, der auf der Straße für Heilung betet, aber Fleisch aus der Massentierhaltung kauft, das mit Antibiotika vollgepumpt ist?

In „TalkTalk“ wird die Antwort, was denn nun in der Tat verstanden wird, im abschließenden Refrain angedeutet:

„Sit and talk like Jesus – try walking like Jesus. Try braving the rain. Try Lifting the Stone. Try Extending a hand. Try walking your talk or get the fuck out of my way.“

Sich ein Beispiel an Jesus nehmen. Er kam nicht nur auf die Erde, um wegen unserer Sünde zu sterben, sondern auch, um uns ein Vorbild zu sein. Und was tat Jesus? Er kümmerte sich um die Ausgestoßenen der Gesellschaft. Um die Armen, Kranken und Schwachen. Während wir Christen häufig in unseren vergleichsmäßigen Palästen wohnen und uns schon schwer damit tun, überhaupt einen Zehnt zu spenden – etwas, was nebenher bemerkt nicht aktiv getan wird, sondern nur verrechnet wird. Machen wir uns doch mal bewusst, wer in Deutschland zu den Ausgestoßenen, Armen, Kranken und Schwachen der Gesellschaft gehört. Jesus würde mit den Flüchtlingen und den „Harzern“ abhängen. Vielleicht lehne ich mich damit für einige weit aus dem Fenster, aber ich bin mir ziemlich sicher, er würde sich für die Rechte der Frauen einsetzen, gegen Kinderarmut- und arbeit, gegen die Unterbezahlung von Pflegepersonal und denjenigen, die Verantwortlich für die Kinderbetreuung- und Erziehung sind.

„Ich bin Christ, ich will mit Politik nichts zu tun haben.“

Tut mir leid, aber du bist mit allem, was du tust, politisch. Alleine, mit welchem Klopapier du dir deinen Hintern abwischst, ist ein politisches Statement. Du liest die Bibel? Ein politisches Statement. Du bist gegen den Verbot religiöser Schriften oder zumindest dieser einen.  Jesus war enorm politisch. Die Politiker legten sich ja letztlich mit ihm an. Ein Politiker verurteilte ihn zu Tode. Den Spruch, du seist unpolitisch kannst du dir also gleich mal streichen. Du bist politisch. Ob du etwas tust oder nicht. Und wenn du Jesus nachfolgen willst, also versuchst, „wie er zu gehen“, dann strecke deine Hand nicht nur nach dem Geld aus, sondern auch nach denjenigen, die deine Hilfe benötigen.

Ja, anstrengend. Das Album heißt nicht umsonst „Eat the Elephant“.

Extrovertiertes Empfinden

Extrovertiertes Empfinden, oder kurz SE (englisch: Sensing Extroverted) ist die Funktion, die uns dabei hilft, die Umwelt möglichst objektiv und in ihren Details wahrzunehmen. Die Funktion ist am ausgeprägtesten bei den Typen ESTP und ESFP steht an zweiter Stelle bei deren introvertierten Pendants: ISTP und ISFP.

Der Unterschied zu Intuierern
Während Intuierer sich vor allem mit Abstraktem beschäftigen, da sich sowohl extrovertiertes als auch introvertiertes Intuieren sehr auf Konzepte und Theoretisches konzentriert, ist das extrovertierte Empfinden sehr praktisch veranlagt. Das liegt daran, dass extrovertiertes Empfinden sich vor allem auf die Dinge fixiert, die sinnlich wahrnehmbar sind. Dementsprechend bewusst und aufmerksam nehmen Menschen mit stark ausgeprägtem SE ihre Umwelt wahr. Dabei fallen ihnen häufig auch Details auf, die anderen, insbesondere eben Intuierern entgehen.

Die Unterschiede werden besonders dann deutlich, wenn man extrovertierte Empfinder mit introvertierten Intuierern vergleicht: erstere sind energisch, voller Tatendrang und gehen mit einer „Das Leben geht weiter“-Einstellung eher unbekümmert durchs Leben, während introvertierte Intuierer sorgfältig die meisten Schritte in ihrem Leben planen und auf alles Vorbereitet sein wollen. In den Augen extrovertierter Empfinder sind solche Menschen eher zu langsam, zu vorsichtig und vor allem viel zu ernst.

Extrovertierte Empfinder und extrovertierte Intuierer wirken auf den ersten Blick häufig relativ ähnlich: beide lassen sich schnell von Neuem begeistern, brauchen viel Abwechslung und wirken locker und umgänglich. Die Unterschiede liegen hier eher im Detail: SE ist aus auf physische Stimuli – körperliche Aktivitäten und Eindrücke statt „geistige“ Aktivitäten, nach denen NE eher sucht. Um ein Beispiel zu nennen: jemand mit stark ausgeprägtem SE wird eher daran interessiert sein, mal Paragliding auszuprobieren oder Tiefseetauchen zu gehen, als ein neues Pen & Paper Spielsystem auszuprobieren. SE ist eher körperlich aktiv als „nerdy“, bei NE ist es genau andersherum. Und wie gesagt – hierbei handelt es sich um Tendenzen. Natürlich gibt es auch Rollenspiel spielende ESTPs und Taucher-ENFPs.

Der Unterschied zu introvertiertem Empfinden
Darauf bin ich bereits auf meiner Beschreibung von introvertiertem Empfinden eingegangen, weshalb ich mich hier etwas kürzer fassen werde. Einer der Hauptunterschiede ist, dass man mit starkem extrovertiertes Empfinden sehr opportunistisch agiert, während introvertiertes Empfinden eher die Vorsicht prägt. S-Typen sind beide sehr aufmerksam und nehmen viele Details in der Welt wahr. Generell gilt für introvertierte Tendenzen (nicht nur auf das Empfinden bezogen), dass sie einen Hang zum Pessimismus haben, die Welt eher als feindselig wahrnehmen, während Extroversion ein eher positives Weltbild fördert und die Lust darauf, mit der Welt zu „verschmelzen“. Das zeigt sich auch beim Empfinden – jemand mit stark ausgeprägtem SE sieht eine Gelegenheit und empfindet sie als einladend und wird eher darauf eingehen, als jemand mit stark ausgeprägtem SI. Solch eine Person erkennt die Situation möglicherweise auch, wird jedoch eher skeptisch sein und sich erst mit gutem Gefühl darauf einlassen können, wenn es bereits Erfahrungen gibt, die der momentanen Situation stark ähneln. Dementsprechend lassen sich extrovertierte Empfinder häufiger auf Risiken ein als introvertierte Empfinder. Ein weiterer Unterschied ist der, dass extrovertierte Empfinder einfach sehr viel neugieriger sind – ohne bösen Absichten (oder über bloße Neugierde hinaus überhaupt irgendwelchen), provozieren extrovertierte Empfinder andere Menschen beispielsweise gerne, einfach, um zu sehen, wie sie reagieren.

Extrovertierte Empfinder müssen ihre introvertierten Pendants wahrscheinlich als sehr merkwürdig erachten: „Wenn ihr Erfahrungen doch genauso sehr schätzt, wie wir – warum habt ihr dann so große Angst davor, neue zu machen?“

Die Vorteile extrovertiertem Empfindens
Menschen, bei denen diese Funktion stark ausgeprägt ist, sind aktiv und aufmerksam. Ersteres bedeutet, dass sie nicht erst stundenlang herum theorisieren, bevor sie etwas anfangen – sie sind auf aus neue Erfahrungen und lernen auch schnell daraus. Folglich leisten sie in vielen Bereichen Pioniersarbeit – sie probieren einfach gerne neue Dinge aus, vor allem, wenn sie aufregend und/oder lukrativ klingen. Da extrovertierte Empfinder sich generell eher weniger mit akademischen Dingen befassen, machen sie häufig einen ungebildeten Eindruck und bei vielen trifft dieser Eindruck auch voll ins Schwarze. Man darf jedoch Bildung nicht mit Intelligenz verwechseln. Extrovertiertes Empfinden fördert die Auffassungsgabe, was dazu führt, dass seine Anwender schnell lernen und extrem anpassungsfähig sind.

Die Anpassungsfähigkeit ist dabei auch der Aufmerksamkeit geschuldet. Auch bei sozialer Interaktion fallen extrovertierten Empfindern schnell die kleinsten Details in Körperhaltung und Mimik auf. Ein zuckendes Augenlid, der Stand, der etwas lockerer wird – all das nimmt der extrovertierte Empfinder genauso wahr, wie die Worte seines Gegenübers.

Die Nachteile extrovertiertem Empfindens
Aller Aktivismus schützt nicht vor Fehlschlägen – statistisch gesehen dürfte ein extrovertierter Empfinder metaphorisch (wahrscheinlich auch wörtlich) viel häufiger in seinem Leben auf die Schnauze fallen, als Typen mit einer anderen bevorzugten Wahrnehmungsfunktion. Sie rappeln sich zwar schnell wieder auf und lassen sich durch Niederlagen nicht entmutigen, aber es darf bezweifelt werden, ob sie immer daraus lernen – und es gibt eben auch Fehltritte, die macht man nur einmal im Leben. Danach kann man sie rein technisch nicht mehr wiederholen.

Extrovertiertes Empfinden scannt zudem zwar äußerst präzise die Oberfläche ab und ist dabei so detailliert wie keine andere wahrnehmende Funktion, aber dementsprechend hoch ist auch die Gefahr, dass seine Anwender auch oberflächlich nach oberflächlichem Maßstab denken. Sind die ausgleichenden Funktionen nicht stark genug ausgeprägt, liegt es nahe, dass ein extrovertierter Empfinder Menschen zum Beispiel vor allem nach Äußerlichkeiten bewertet und/oder (vor allem politisch) leicht manipulierbar ist.

Extrovertiertes Empfinden an den verschiedenen Stellen

Erste/Zweite Funktion SE (ESTP, ESFP, ISTP, ISFP): 
„Bestimmt kann ich das. Schau her – voillá! War gar nicht schwer.“

„Okay, ich hab die Spielregeln verstanden, den Rest lerne ich während dem Spiel. Lass uns aber endlich anfangen!“

„Er ist super angepisst. Hast du sein Gesicht in dem Moment nicht gesehen?“

„Mal sehen, wie die Leute reagieren, wenn ich heute Abend… dieses Kleid anziehen werde!“

„Diese Sportart klingt spannend. Keine Ahnung, ob mein Körper dafür fit genug ist – ein Grund mehr, sie auszuprobieren, nicht wahr?“

Dritte/Vierte Funktion SE (ENTJ, ENFJ, INTJ, INFJ): 
„Das sind zu viele Leute auf einmal… mir entgehen so viele Dinge, weil ich all die Eindrücke nicht schnell genug verarbeiten kann!“

„Sicher, dieser Whiskey ist unverschämt teuer. Aber wenn du ihn probiert hast, wirst du verstehen, warum ich ihn mir dennoch gekauft habe.“

 

„Ich habe eine Vision – und ich werde sie nicht erreichen, indem ich untätig herumsitze. An die Arbeit!“

„Bei all den Gedanken, die ich mir immer mache, brauche ich Bewegung einfach als Ausgleich. Ich fühle mich manchmal erst dadurch richtig lebendig.“

„Ich bin nicht gerne in diesem Restaurant. Das Essen ist zwar gut, aber die Einrichtung jagt mich förmlich nach draußen.“

Introvertiertes Empfinden

Introvertiertes Empfinden, oder kurz SI (englisch: Sensing Introverted) ist die Funktion, die uns dabei hilft, Eindrücke abzuspeichern und darauf zurückzugreifen, demzufolge also auch Informationen aus der Gegenwart mit denen der Vergangenheit zu vergleichen. Die Funktion ist am ausgeprägtesten bei den Typen ISTJ und ISFJ und steht an zweiter Stelle bei deren extrovertierten Pendants: ESTJ und ESFJ.

Der Unterschied zu Intuierern
Das Ziel von SI ist es, die Welt so zu erfassen, wie sie ist und sich zu erinnern, wie sie war. Intuierer hingegen konzentrieren sich vor allem auf das, was sein könnte, also nicht unbedingt so sehr auf die Realität. Im direkten Vergleich wirken Intuierer viel bodenständiger und sachlicher, man könnte auch sagen: nüchterner. Um die wahrnehmenden Funktionen zu beschreiben, ist es sinnvoll, sie bildlich zu vergleichen: während das extrovertierte Intuieren, das sehr auf die Möglichkeiten und verschiedenen Blickwinkel fixiert ist, eher einem Kaleidoskop gleicht, welches die Realität stark verzerrt, ähnelt das introvertierte Intuieren eher einer distanzierten Satellitenansicht, welche ein „Big Picture“, aber keine Details liefert. SI hingegen entspricht eher einem Landschaftsgemälde: es entspringt zwar der direkten Wahrnehmung des Künstlers und ein fremder Beobachter wird die Vorlage nach Betrachten des Bildes wohl auch wieder erkennen, aber es bleibt dennoch ein subjektives Empfinden, das nicht absolut der Realität entspricht. So bleiben auch beim introvertierten Empfinden bestimmte Details hängen, teilweise als harte Fakten, teilweise auch als subjektive Eindrücke.

Dadurch entsteht eine starke: „Ich weiß, was ich gesehen habe!“-Mentalität, die oft in Konflikt gerät mit der Einstellung von Intuierern, die rein sinnlichen Eindrücken eher misstrauen, bzw dazu tendieren, sie im Vergleich zu Ideen und hypothetischen Möglichkeiten gering zuschätzen. Neue Situationen – oder eben auch besagte Ideen und Möglichkeiten bergen für SI immer ein Risiko: auf der einen Seite natürlich die innere Datenbank zu erweitern, auf der anderen Seite die Gefahr, das man in der neuen Situation eben nichts hat, worauf man zurückgreifen kann. Pionierarbeit überlassen Nutzer eines stark ausgeprägten SIs tendenziell lieber anderen. Sobald sie der Meinung sind, genug Erfahrung in einem bestimmten Fachbereich gesammelt zu haben, treten sie in diesem Aspekt jedoch recht selbstbewusst auf.

Der Unterschied zu extrovertiertem Empfinden
Wenn introvertiertes Empfinden ein Maler, bzw sein Gemälde ist, dann widerspiegelt extrovertiertes Empfinden der Linse einer Fotokamera und dem damit geschossenen Bild. Ich behaupte, dass extrovertierte Empfinder das wahrscheinlich realistischste Bild der Ist-Situationen wahrnehmen. Der große Unterschied zum introvertierten Empfinder besteht hauptsächlich daran, dass sie aktiv neue Erfahrungen sammeln wollen, während ihr introvertierter Gegenpart eher dazu neigt, Gewohntes neu-, bzw. wieder entdecken zu wollen. Während SI also eher darauf aus ist, sich in einem vertrauten Umfeld zu bewegen und in diesem zu arbeiten, es zu optimieren und zu pflegen, stürzt sich SE in neue Erlebnisse, ist immer auf der Suche nach frischen Erfahrungen.

Beide Wahrnehmungstypen sind also pragmatisch veranlagt und auf Erfahrungen aus, aber in unterschiedlicher Form. Ein eher alltägliches Beispiel wäre, wenn die SE-Frau ihren Ehemann dazu überreden will, mal in Indien Urlaub zu machen, weil sie es einfach leid ist, jedes Jahr nach Spanien zu fliegen, während ihr SI-Ehemann gerade das so erholsam empfindet: er weiß jedes Jahr, worauf er sich einlässt, muss sich nicht auf ein anderes Klima, anderes Essen, eine andere Sprache und eine andere Kultur einlassen. SI kann in dieser Hinsicht auch stur sein, aber früher oder später wird es sich, wenn die anderen Funktionen ebenfalls gesund entwickelt sind, auch mal auf neue Erfahrungen einlassen, um die Erfahrungsdatenbank auszubauen. Wird ein primärer SI-Nutzer jedoch permanent dazu gezwungen, sich auf neue Dinge einzulassen, kann ihm das sehr auf die Essenz gehen.

Die Vorteile introvertiertem Empfindens
Mit den gut abgespeicherten Informationen besitzen introvertierte Empfinder folglich in der Regel ein gutes Gedächtnis. Da sie Beständigkeit mögen, sind sie Routine nicht abgeneigt und dementsprechend ausdauernd, wenn es darum geht, bestimmte Fähigkeiten und Wissensgebiete auszubauen, bzw. zu vertiefen.

SI ist es wichtig, dass die Dinge richtig angegangen werden, wobei „richtig“ in der Regel auch nicht auf irgendeinem Bauchgefühl, sondern auf üblicherweise vertrauenswürdigen Erfahrungen beruht. Dementsprechend leisten SI häufig einen wertvollen Beitrag in der Gesellschaft, um funktionierende Systeme weiterhin am Laufen zu halten, weil sie die nötige Expertise und Ernsthaftigkeit dafür aufweisen. Was viele andere Typen häufig vergessen: nur, weil man etwas schon oft getan hat, bedeutet das nicht, dass man es deshalb weniger sorgfältig machen muss. In der Regel geben sich introvertierte Empfinder demzufolge nicht mit geringeren Leistungen als „damals“ zufrieden.

In vielerlei Hinsicht bilden primäre SI-Nutzer aus dieser Sicht die Säulen unserer Gesellschaft, die uns bei all den Veränderungen, die auf uns zukommen, einen sicheren Halt bieten können.

Die Nachteile introvertiertem Empfindens
Doch genauso positiv die gerade genannten Aspekte anmuten können, so können sie auch ins Gegenteil verkehren: Konservatismus ist nur solange gut, bis er die Neuerungen blockiert, die tatsächlich Gutes schaffen würden. Bei stark ausgeprägtem SI muss man stets darauf achten, nicht „aus Prinzip“ alles neumodische zu verteufeln und Altes zu lobpreisen. Wie ich schon oben geschildert habe, zeigt das auf Impressionen basierende Bild des Malers nur eine abstrakte Version der Wirklichkeit, nicht jedoch die Wirklichkeit, wie sie tatsächlich ist. So kann es auch sein, dass zwei SI-Nutzer von ein und derselben Erfahrung ein komplett unterschiedliches Bild gemacht haben und sich trotz derselben Funktion der Meinung sind, das der jeweils andere eine völlig falsche Vorstellung von dem habe, was sich „damals“ ereignet hat.

Bei einem zu stark ausgeprägtem SI läuft man zudem Gefahr, sich neuen Erfahrungen komplett abzuschotten und sich in die eigene Welt zurückzuziehen, in der man nur die Informationen (oder Meinungen anderer) akzeptiert, die ins eigene Weltbild passen.

Dementsprechend tut man sich als primärer Empfinder gut daran, sich auch ab und an auf neue Erfahrungen und vor allem auch auf neue Gedankengänge, Ansichten und Ideen einzulassen, auch, wenn es zunächst sehr befremdlich erscheint. Man darf dabei nie vergessen, dass jede geliebte Erfahrung, jede akzeptierte Ideologie und Weltsicht an einem Zeitpunkt im Leben noch etwas komplett Fremdes und Neues war.

Introvertiertes Denken an den verschiedenen Stellen

Erste/Zweite Funktion SI (ISTJ, ISFJ, ESTJ, ESFJ): 
„So haben wir es damals gemacht, so machen wir es heute und werden es auch in Zukunft tun – und damit endet die Diskussion.“

„Moment. Als ich dich vor vier Jahren das letzte Mal besucht habe, hatte dieses Bild noch einen anderen Rahmen.“

„Ich fühle mich dann erst wirklich glücklich, wenn ich mich an die Dinge im Leben halten kann, die wichtig und nachhaltig sind, wie Familie, Freunde und Glaube.“

„Wenn ein Profi es auf diesen Weg macht und damit Erfolg hatte, warum sollte ich es dann anders machen? Ich habe mir jetzt bereits jeden einzelnen Schritt auswendig gemerkt.“

„Solange ich nicht mehr Informationen darüber bekomme, werde ich mich nicht darauf einlassen.“

 

Dritte/Vierte Funktion SI (INTP, INFP, ENTP, ENFP): 
„Wenn wir nicht aus den Fehlern unserer Vergangenheit lernen, werden wir sie nur wiederholen.“

„Oha… diese Straße kenne ich doch! Hier war ich vor vielen Jahren schon einmal und habe genau dieses und jenes getan, ich weiß sogar noch, wie das Wetter war!“

„Ich weiß nicht genau wieso, aber… ich kann und will mich auch eigentlich nicht davon trennen.“

„Weißt du noch, wie es damals war, wenn man als Kind Weihnachten gefeiert hat? Manchmal vermisse ich dieses Gefühl…“

„Wo habe ich nur wieder meinen Schlüssel hingelegt? Ich sollte mir wirklich mal einen regulären Platz dafür überlegen…“

Warum wollen wir keine besseren Menschen sein?

Im Kontext der Überschrift stelle ich direkt die nächste Frage: warum ist es so verpönt, wenn ich Leuten meine Meinung aufdrücken will?

Die Antwort wirkt – vor allem, wenn die Frage so formuliert wurde – relativ offensichtlich: weil ich, Sam, nicht das Anrecht habe, anderen Leuten vorzuschreiben, wie sie zu leben haben. Weil jeder selbst entscheiden kann, wie er zu leben hat.

In vielen Bereichen des Lebens stimme ich da auch zu: du hörst gerne Schlager? Okay, deine Sache. Du findest die Prequels von Star Wars besser als die originale Trilogie? Schwer verständlich, aber damit komme ich schon klar. Du bist homosexuell? Wenn du meinst, ich habe kein Problem damit.

„Was endlich in unsere Köpfe muss: Geld gibt dir keine Legitimation.“

Warum wird mir denn dann nachgesagt, dass ich versuche, anderen meine Meinung aufzudrücken? Wo also versuche ich, Leuten meine Meinung aufzuzwingen? Überall dort, wo die Entscheidungen des Einzelnen sich negativ auf andere Menschen auswirken können. Und das kann eine ganze Menge sein. Um nur ein paar Punkte aufzuzählen:

  • Fleischkonsum
  • Verpackungsverbrauch
  • Schadstoffausstöße
  • Unterstützung von Steuerhinterziehung und Lohnsklaverei durch den Kauf bei:
    • Amazon
    • Ikea
    • Starbucks
  • Unterstützung von Kinderarbeit durch den Kauf bestimmter:
    • Textilien
    • Lebensmittel
    • Elektronikware

Ich könnte die Liste noch viel länger und ausführlicher gestalten – aber es geht mir ums Konzept. Wir können nicht einfach so behaupten: „Ist doch meine Sache! Wie ich lebe, geht sonst niemanden was an!“, wenn wir in einer Welt leben, die so sehr von der Wirtschaft gelenkt wird. Jeder versteht das Prinzip von Nachfrage und Angebot. Wenn du dir einen SUV mit schlechter Umweltbilanz kaufst, dann bleibt es nicht nur dabei, dass du jetzt mit einer Drecksschleuder durch die Gegend fährst, sondern du hast der Automobilindustrie auch signalisiert: bitte weiter so. Stellt noch mehr von den Dingern her, denn offensichtlich werden sie euch abgenommen. Darüber hinaus gehörst du nun zu den Leuten, auf die andere Interessenten zeigen, wenn sie mit dem Argument kommen: „der hat sich doch auch so nen Wagen gekauft!“.

Was endlich in unsere Köpfe muss: Geld gibt dir keine Legitimation. Als wir noch Kinder waren, wurde uns eingebläut, dass wir nicht mit Lebensmitteln spielen sollen. Um mein Argument zu unterstreichen, hoffe ich, dass diese Regel noch in euch sitzt und weiterhin so empfunden wird. Wenn jemand in den Supermarkt geht, Stapelweise Milch und Eier kauft, nur, um danach alles in die Mülltonne zu werfen, dann spricht man doch gemein läufig von „Verschwendung“. War das in Ordnung, nur weil der Typ offenbar genug Geld hatte, um so einen Unsinn zu machen? Gesetzlich ja, wenn er auf Mülltrennung geachtet hat. Moralisch sicherlich nicht, vor allem, wenn man bedenkt, was für eine Hungersnot weltweit herrscht (und das Thema Ethik und Tierhaltung will ich hier erst gar nicht öffnen, auch, wenn es ebenfalls sehr interessant wäre).

Nun kann man sagen, dass man sein Rindersteak doch nicht in die Mülltonne wirft, sondern selbst isst. Stimmt schon, aber wenn man bedenkt, dass man alleine für ein Kilogramm Rindfleisch schon 15.000 Liter Wasser benötigt (und das war nur der Wasserverbrauch…), dann sollte die Frage doch erlaubt sein, warum man nicht auf eine vegetarische Alternative umsteigt.

„Man sollte wenigstens dazu stehen und zugeben können, dass man zu verwöhnt ist.“

Ich stelle hier mal eine dreiste Behauptung auf: Menschen, die… sagen wir, kein Fleisch essen und ihr Auto nur dann benutzen, wenn es wirklich notwendig ist und ansonsten zu Fuß gehen oder öffentliche Verkehrsmittel nutzen, richten an ihrer Umwelt (ergo an ihren Mitmenschen) weniger Schaden an. Eigentlich gar nicht so dreist, die Behauptung, oder? Wenn mir jemand widersprechen will, unten gibt’s die Kommentarfunktion. Wenn wir uns bei der Behauptung also auf einen Nenner einigen können, dann gibt es doch eigentlich nur zwei Begründungen, wenn ein Mensch nicht auch versucht, so zu leben. Die erste Begründung: es ist ihm schlichtweg egal. Andere Menschen, Nachhaltigkeit, die Umwelt sind ihm im Allgemeinen egal. Und die zweite… nein, es gibt nur eine Begründung. Ich wollte gerade schreiben, dass er seinen inneren Schweinehund, seine Gewohnheiten nicht überwinden kann, aber seien wir ehrlich – wenn der Arzt dir die Diagnose ausstellen würde: „Sie leiden an einer seltenen Krankheit, was für sie bedeutet, dass Fleischverzehr den Hirntod herbeiführen wird“, dann würdest du sicherlich nicht sagen: „Aber es schmeckt so gut“ und dir ein Schweineschnitzel braten.

Sicher, es gibt bestimmt einige Individuen da draußen, die tatsächlich glauben, Kinderarbeit sei ja nicht so schlimm und wir hätten auf den Klimawandel keinen Einfluss, aber so gerne ich diskutiere, werde ich es langsam leid, diesen Menschen, die es offensichtlich nicht besser wissen wollen, mehr Aufmerksamkeit als nötig zu widmen. Benennen wir das Kind also beim Namen. Von eben besagten Menschen abgesehen, weiß jeder, dass es viele Punkte gibt, bei denen man das eigene Konsumverhalten zum Wohle einer besseren Welt optimieren könnte. Wenn man es nicht tut, dann sollte man wenigstens dazu stehen und zugeben können, dass man zu verwöhnt ist. Wenn eine Person das erkannt und zugegeben hat, dann höre ich auch auf, auf sie einzureden. Mehr kann ich dann auch nicht tun, wenn ich den gesetzlichen Rahmen nicht verlassen will.

Ich weiß, ich mache mich mit diesem Artikel furchtbar unsympathisch, komme als autoritär und besserwisserisch daher, aber es ist mir wichtig, diese Dinge einmal loszuwerden. Ich mache selbst noch viele Dinge falsch – in meinem Haushalt entsteht beispielsweise immer noch viel zu viel Plastikmüll, weil ich bisher zu bequem war, mich hier und dort nach Alternativen um zusehen oder teilweise einfach keinen Kopf dafür hatte. Ich will das allerdings nicht als permanente Ausrede nutzen. Gerade ich, ein Meister der Prokrastination, habe es geschafft, von einem Tag auf den anderen auf meinen Fleischkonsum und Amazon zu verzichten. Ich bin mir sowas von sicher, dass das auch jeder andere Mensch kann, der auch nur ansatzweise über Willenskraft verfügt. Verzicht sollte eigentlich nicht so schwer sein. Und wenn mir jemand mitteilen kann, wie ich meinen Lebensstil durch weiteren Verzicht – ohne daran selbst Schaden zu nehmen – optimieren könnte, dann bin ich für solche Hinweise dankbar.

„Ohne daran selbst Schaden zu nehmen“ will ich übrigens nochmal hervorheben, um zu Relativieren: Tierversuche sind schrecklich, aber teilweise schrecklich notwendig. Wenn das Überleben von Menschen davon abhängig ist, dann steht von mir das Menschenleben an vorderster Stelle. Aber Kosmetikprodukte? Abgastests an Affen? Ich bitte euch. Und bevor ihr mich als den klassischen Moralapostel verteufelt, definieren wir diesen Begriff zunächst, einverstanden? Ein Moralapostel stellt den Anspruch, alleine zu wissen, was gut ist und sich so aufführt, als wüssten es seine Mitmenschen nicht. Ich bin mir ganz sicher, dass das, was ich hier geschrieben habe, lediglich eine Erinnerung ist – Fakten, die jeder weiß.

Der Moralapostel sagt: „Du weißt es nicht besser, glaube mir, denn ich habe Recht.“

Ich versuche zu sagen: „Wir wissen beide, was Sache ist. Handeln wir nach diesem Wissen.“

„Mein INTP funktioniert nicht mehr“ – Warum dieser Persönlichkeitstyp so viel Unsinn hortet

Es fällt mir teilweise unglaublich schwer, mich von unnützem Krimskrams zu trennen, was dazu führt, dass unser Lagerraum geradezu überquillt. Das Paradoxe an der ganzen Sache: wir INTPs rühmen uns doch dafür, relativ asketisch zu leben, in materieller Hinsicht genügsam. Warum also haben wir so ein Problem damit, unsere Zimmer mit unbrauchbaren Gegenständen vollzumüllen?

In Anbetracht dieses Problemchens: willkommen bei einem weiteren Beitrag zur Serie „Mein INTP funktioniert nicht mehr“! Vielleicht kann ich etwas Aufklärungsarbeit leisten und erklären, warum wir uns in dieser Hinsicht so seltsam verhalten.

Zunächst einmal sollten wir uns ansehen, was INTPs denn eigentlich so horten: bei mir handelt es sich fast ausschließlich um Kinderspielzeug, alte Fachzeitschriften, Briefe, CDs, die ich schon lange nicht mehr höre und Postkarten. Gemeinsamkeiten? Ein Wort: Nostalgie. Jetzt mag man sagen: Moment mal, das „Problem“, wenn man es denn so nennen will, haben doch vor allem auch xSFJ-Typen! Kann sein. Aber eher nicht in dem Ausmaß, dass der Kram in einer Ecke steht und verstaubt, so gut wie nie das Tageslicht erblickt. SJ-Typen haben aufgrund ihres stark ausgeprägten introvertierten Empfindens ebenfalls einen starken Sinn für das Nostalgische. Allerdings viel bewusster und ausgeprägter: sie haben in der Regel einen ausgewählten Platz für ihre Andenken, könnten sofort sagen, wo sich all die Dinge befinden.

Bei INTPs ist das introvertierte Empfinden nicht so stark ausgeprägt, noch weniger ihr Sinn für Hausordnung. Dennoch heben sie ihren Kram auf. Warum? Sie sehen in all den Gegenständen einen Teil ihrer Identität. Würden sie all das wegwerfen, hätten sie die irrationale Angst, ihre Identität und Erinnerungen ebenfalls wegzuwerfen. Mit den eigentlich schwachen, aber überzeugenden Argumenten: „Was? Du wirst doch nicht so herzlos sein und das Stofftier wegwerfen, das dich in deiner Kindheit vom Regal aus beschützt hat!“ oder: „Wenn du dieses alte Schulheft weg wirfst, wirst du vergessen, wie du dich damals im Chemieunterricht gefühlt hast!“, behalten sie ihre Andenken, selbst, wenn sie mit negativen Erinnerungen behaftet sind.

Hier geht introvertiertes Empfinden interessanterweise Hand in Hand mit dem extrovertierten Intuieren: der INTP fragt sich, wenn er sich eventuell überwinden sollte, doch in Betracht zu ziehen, etwas wegzuwerfen, ob man den Gegenstand nicht doch vielleicht noch benötigen könnte? Vielleicht will mein Sohn ja dieses Spielzeug. Vielleicht will ich ja doch nochmal versuchen, Comicfiguren zeichnen zu lernen. Eventuell mache ich mir eine Fotocollage mit alten Kinotickets (als ob ich das je tun würde!).

Auch INFPs teilen dieses Problem ein stückweit, denn auch sie haben oben genannte Funktionen an genau denselben Stellen. Allerdings verfügen sie auch noch über extrovertiertes Denken – sie urteilen häufiger nach dem Nutzen eines Gegenstandes, als man annehmen würde. INTPs analysieren zwar mittels ihres introvertierten Denkens, aber die Erkenntnis alleine, dass man Gegenstände aus irrationalen, praktisch unsinnigen Gründen aufbewahrt, bringt nichts. Im Gegensatz zu TE scheut sich TI eher in die Umwelt einzugreifen und so bekommen INFPs das Problem eher in den Griff als INTPs.

Und gerade, weil es relativ unterbewusst ist und/oder der INTP es möglicherweise abstreiten würde, aus sentimentalen Gründen, Dinge aufzubewahren, kann er hier nicht so klar urteilen, wie SJ-Persönlichkeiten, die ganz klar wissen, was in welcher Hinsicht tatsächlich zu ihrer Identität gehört und Erinnerungen noch deutlicher, noch bildlicher abspeichern und materielle Andenken in gewisser Hinsicht überflüssig machen.

Wichtig ist es also zunächst, sich als INTP über diese Schwäche bewusst zu werden und dementsprechende Schlüsse zu ziehen: wenn wir es so fürchten, die Zeit zu vergessen, an die wir uns jetzt mittels Gegenstände klammern, dann sollten wir uns fragen, ob wir hier nicht vielleicht gerade von Sensorikern lernen können, uns mehr auf das Gegenwärtige zu konzentrieren und das Leben wie es ist zu genießen. Überlegen wir uns: welchen Gegenstand werden wir benötigen, um uns an die Zeit, in der wir hier und jetzt leben, zu erinnern? Oder brauchen wir gar keinen Gegenstand dafür? Solange unser Kopf noch richtig funktioniert, sollte das Erlebnis an sich doch Erinnerung genug sein. Wir INTPs können uns eine Menge vorwerfen, aber nicht, dass wir uns keine Gedanken über Konsequenzen machen oder zu wenig überlegen. In diesem Sinne: Carpe Diem!

„Mein INTP funktioniert nicht mehr!“ – Warum wir Probleme haben, uns emotional auszudrücken

Stell dir vor, du ziehst als Kind mit deinen Eltern um und kommst in eine Schule , in der es Gesangsunterricht seit der ersten Klasse gibt. Die meisten deiner Mitschüler konnten daher ziemlich gut singen und jetzt kommst du, der neue Viertklässler, und musst zum ersten Schultag dein Lieblingslied vorsingen. Zum Kennenlernen, ist die Erklärung. Das sei hier ganz normal und niemand würde dich bewerten.

Es ist nicht so, dass du noch nie gesungen hättest, nur erstens nicht sonderlich viel, zweitens ist es dir auch unangenehm vor anderen Personen zu singen, weil du es auf irrationale Art und Weise als zu intim empfindest und drittens hältst du Singen in der Regel sowieso für ziemlich unnötig. Wenn du etwas mitzuteilen hast, dann kannst du es doch auch einfach sagen, oder noch besser: schreiben.

Jetzt bist zu aber zum Vorsingen gezwungen. Niemand beurteilt dich? Als deine Stimme etwas abknickt, du zu einer ganz blöden Stelle einen kratzigen Hals bekommst und den Text vor lauter Aufregung vergisst, siehst du ein paar vorgehaltene Hände unter deinen Klassenkameraden und sich verengende Augenpaare darüber.

Ungefähr so fühlen sich viele INTPs, wenn es um das Ausdrücken von Emotionen geht. Wir sind uns unserer Emotionen nicht einmal sonderlich bewusst – wie sollen wir etwas ausdrücken, was uns fremd erscheint? Zumal Emotionalität und die von uns so heißgeliebte (was für ein Paradoxon…) Rationalität sich oftmals gegenseitig zu blockieren scheinen, wollen wir lieber gar nichts damit zu tun haben und fühlen uns unwohl, wenn Leute um uns herum anfangen, ihren Gefühlen Ausdruck zu verleihen – zu singen. Erst recht, wenn sie dann erwarten, dass wir in den Chor mit einsteigen.

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Introvertiertes Denken

Introvertiertes Denken, oder kurz TI (englisch: Thinking Introverted) ist die Funktion, die uns dabei hilft, zu analysieren, Konzepte zu erfassen und Daten zu sortieren. Die Funktion ist am ausgeprägtesten bei den Typen INTP und ISTP und steht an zweiter Stelle bei deren extrovertierten Pendants: ENTP und ESTP.

Der Unterschied zu Fühlern
Das Ziel von TI ist es, die Welt zu verstehen. Um dabei jedoch zu einem möglichst objektiven und damit vertrauenswürdigem Ergebnis zu kommen, ist es erforderlich, dass sich der introvertierte Denker als neutraler Beobachter von der Welt ein Stück weit distanziert. TI schert sich insofern wenig für Gefühle und Meinungen, die nicht auf guten Argumenten beruhen und hinterfragt prinzipiell alles. Während Fühler auf gewisse Sicht „involvierter“ sind und ihre Gefühle entweder in die Welt bringen, um diese danach zu formen oder ihre Gefühle von den Einflüssen der Umwelt geformt werden, versucht TI sich von jeglicher Emotionalität zu distanzieren, um rational und logisch zu bleiben. Gleichzeitig versucht TI auch, die eigene, sehr genaue Art auf die Umwelt zu übertragen, was sich zum Beispiel in möglicherweise sehr kleinkarierten Korrekturen und Anmerkungen widerspiegelt. Introvertierte Denker haben damit die Absicht, für Klarheit zu sorgen und auch Mitmenschen ein nüchternes, nicht von Emotionen „vernebeltes“ Bild zu schaffen, bewirken dabei jedoch auch oft, insbesondere bei Fühlern, das Gegenteil: durch Berichtigungen entsteht der Eindruck, der introvertierte Denker versteht alles besser und durch die Hingabe zu objektiven Fakten, nicht aber zu persönlichen Details, werden sie eher wie kalte Maschinen wahrgenommen, weniger als Menschen, denen man zuhören möchte.

Der Unterschied zu extrovertiertem Denken 
TI ist deduktiv – der Begriff „Deduktion“ stammt aus dem Lateinischen und heißt so viel wie „Ableiten“. In der Praxis bedeutet das, dass TI vom Allgemeinen auf das Einzelne ableitet. Dafür ist jedoch zunächst eine allgemeine Regel erforderlich, von der man Ableiten kann. Um es mit einem Beispiel zu beschreiben: eine allgemeine Regel lautet, dass alle Menschen sterblich sind. Sofern Chuck Norris (der Einzelne) ein Mensch ist, ist er demzufolge sterblich. Extrovertiertes Denken funktioniert genau anders herum und will diese allgemeinen Regeln aufstellen, indem es vom Einzelnen auf das Allgemeine ableitet. Dadurch entstehen häufiger Konflikte zwischen Anwendern von TI und Anwendern von TE (Thinking Extroverted).

TI versucht sich aufgrund von Erkenntnissen ein in sich stimmiges Logiksystem aufzubauen. Sobald neue Informationen aufgenommen werden, müssen diese zunächst einmal anhand dieses internen Logiksystems auf ihren Wahrheitsgehalt überprüft werden. Ist das nicht möglich, wird die neue Information als unnütz abgetan, gliedert sie sich jedoch ein, in anderen Worten: macht sie für den introvertierten Denker Sinn im Kontext mit all dem, was er bisher gelernt hat, wird diese neue Information mit ins interne Logiksystem aufgenommen und wird dadurch auch als das „Allgemeine“ wahrgenommen. In den Augen von TE-Anwendern ist dieses Verfahren oft zu pingelig und kleinkariert – dadurch dass alles zunächst auseinander genommen und überprüft werden muss, kommt man zu keinem Ergebnis. Der introvertierte Denker hingegen hält die Urteilsweise von TE für unzuverlässig und ungenau. Zumal ist TI nicht unbedingt so sehr an Ergebnissen und Erfolgen orientiert, sondern vielmehr an objektiven Wahrheiten, während das bei TE genau andersherum ist.

Die Vorteile introvertiertem Denkens
Introvertierte Denker sind neugierig und wollen verstehen, wie Dinge funktionieren. Das sorgt für eine relativ hohe Auffassungsgabe. Mit einem gut ausgeprägten TI versteht man Prinzipien und Konzepte schneller und kann sie sich gut vor dem geistigen Auge verbildlichen. Will man etwas möglichst genau und mit allen Facetten verstehen, macht man selten einen Fehler damit, einen introvertierten Denker zu befragen, der sich im Thema der Wahl gut auskennt.

TI ist zwar nicht so praktisch veranlagt wie das extrovertierte Pendant, da es sich nicht auf vorher festgelegte Ziele konzentriert, aber die Informationen, die durch die deduktive Denkweise erschlossen werden können, haben an sich viel praktisches Potenzial: wenn man Ursache und Wirkung erkannt hat, kann man bis zu einem gewissen Punkt vorhersagen, was bestimmte Handlungen für Konsequenzen haben werden, noch bevor sie ausgeführt wurden.

Die Nachteile introvertiertem Denkens
Eben genannter Vorteil kann sich allerdings auch als Nachteil manifestieren: der introvertierte Denker fühlt sich häufig erst dann sicher zu handeln, wenn er weiß, was er mit seiner Handlung auslösen wird und handelt deshalb manchmal überhaupt nicht, selbst, wenn es eigentlich erforderlich gewesen wäre. In manchen Fällen kann diese Passivität noch als Energieeffizienz abgetan werden, aber auch nur dann, wenn der introvertierte Denker tatsächlich noch rechtzeitig die erforderliche Leistung erbringt, indem er eine bessere Methode dafür verwendet hat.

Durch die unkonventionelle Art, die TI mit sich bringt, geraten introvertierte Denker häufig auch in persönliche Konflikte, die sie paradoxerweise möglichst zu vermeiden wollen: neue Theorien und Methoden werden häufig besonders von eher traditionsbewussten, konservativen Typen abgelehnt, was schnell zu Frust führt, welcher dazu führen kann, dass sich introvertierte Denker von ihrer Umwelt abkapseln, die für sie als „unlogisch“ und „denkfaul“ wahrgenommen wird. Auch erwecken sie wie eingangs erwähnt mit ihrer eher kühlen, sachlichen Art, nicht schnell Sympathien und haben in der Regel wenig Zeit damit verbracht, ihre sozialen Fähigkeiten auszubauen.

Introvertiertes Denken an den verschiedenen Stellen

Erste/Zweite Funktion TI (INTP, ISTP, ENTP, ESTP): 
„Alles lässt sich irgendwie begründen. Es gibt nur Dinge, die wir einfach noch nicht verstehen, weil uns die nötigen Informationen fehlen.“

„Warum machst du das? Das ist doch komplett sinnlos, da steckt überhaupt keine Logik dahinter…“

„Im Grunde genommen ist das ziemlich simpel. Ich kann dir in drei Sätzen die darunterliegenden Prinzipien erklären, worauf das basiert.“

„Och komm. Sei nicht beleidigt. Ja, ich halte deine Idee/Meinung für absoluten Blödsinn, aber das darfst du doch nicht persönlich nehmen!“

„Gib mir nur ein wenig Zeit und ich werde herausfinden, wie das funktioniert.“

Dritte/Vierte Funktion TI (INFJ, ISFJ, ENFJ, ESFJ): 
„Wenn du dich vielleicht etwas genauer ausdrücken könntest, vielleicht verstehe ich dann, was du meinst.“

„Ich habe mich schon immer für verschiedene Sprachen interessiert. Ich wünschte, ich würde mehr von ihnen beherrschen, damit ich mehr Menschen verstehen kann.“

„Ich interessiere mich für Methoden, die meine Arbeitsweise noch effizienter machen.“

„Auch, wenn es manchmal sehr unangenehm ist, bin ich bereit, ein Problem beim Namen zu nennen und zu analysieren, um es zu beheben.“

„Meine Erfahrungen / Ideen würden mir auch nichts nutzen, würde ich mir nicht ab und an die Zeit nehmen, darüber zu reflektieren.“