Mehr als nur so’n Persönlichkeitstest

Zugegeben, ich habe immer zu den Leuten gehört, die gerne aus Jux und Tollerei irgendwelche dämlichen Persönlichkeitstest, alá „Welche Farbe trägt deine Persönlichkeit?“, „Welches Tier spiegelt sich in deinem Charakter wieder“ und „Welches Toilettenpapier bist du?“ gemacht haben. Selbstverständlich habe ich das nicht ernst genommen, jedoch habe ich mich oft gefragt, ob es da nicht doch einen Persönlichkeitstest gibt, den man ernst nehmen kann – einen, der auf einem durchdachten Prinzip basiert. So habe ich mich mit allerlei Zeugs wie dem DISG-Modell oder dem Big Five-Modell auseinandergesetzt- aber auch, wenn interessante Ansätze da waren, war mir das zu oberflächlich, zu allgemein. Man kann ja, so dachte ich mir, in jeder Persönlichkeit gewisse Ansätze erkennen. Irgendwie funktioniert das mit diesem groben Schubladendenken nicht.

Entsprechend groß war meine Skepsis, als ich schließlich auf den Myers-Briggs Type Indicator, kurz: MBTI gestoßen bin. Ich habe einen Onlinetest gemacht und das Ergebnis lautete: „INTJ“ – die Buchstaben stehen für die Eigenschaften „Introvertiert“, „Intuitiv“, „Denkertyp“ und „Planer“ (bzw „Urteiler, wenn man’s genau nimmt, das klingt aber so negativ). Die Texte, die ich mir dann dazu durchgelesen haben, trafen zum größten Teil auch zu, aber irgendwie hatte ich den Eindruck, dass das schon wieder so’n Test war, in dem ganz stark verallgemeinert wurde und man sich in ganz vielen verschiedenen Typen (es gibt immerhin 16!) wiederfinden kann. Ich habe den Test später nochmal gemacht und bekam ein anderes Ergebnis heraus, was meine Ablehnung dann noch verstärkte. Bei näherer Betrachtung stellte ich dann allerdings auch fest, dass es einfach nur die Fragen waren, die zum Teil richtig ungeschickt formuliert waren, während das Konzept dahinter, das auf den Theorien des schweizer Psychiaters Carl Jung basiert, mir recht schlüssig vorkam.

Ich besorgte mir schließlich das Buch „Typologie“, das Jung zu dem Thema verfasst hatte und setzte mich seitdem intensiv mit den sogenannten „kognitiven Funktionen“ auseinander – damit werden unsere Urteilsfunktionen, das Denken und das Fühlen und unsere Wahrnehmungsfunktionen, das Empfinden (Erinnerungen, Sinneswahrnehmungen) und Intuieren (Bauchgefühl, Vorstellungskraft) beschrieben. Und obwohl das Buch, das 1921 erschienen ist, teilweise schon stark veraltet ist, birgt es doch auf jeden Fall immer noch viele interessante Ansätze. Ich verfolgte diese Ansätze weiter und las schließlich „Gifts Differing“, das die „Erfinderin“ des MBTIs, Isabel Myers mit ihrer Mutter, Catherine Briggs geschrieben hatte, damals mit der Absicht, vor allem Frauen, die nach dem Weltkrieg plötzlich dazu gezwungen waren, sich einen Job zu suchen, aber keine Ahnung davon hatten, welcher am besten zu ihnen passte, zu helfen.

Ich hörte in der Zwischenzeit auch viel Schlechtes über den MBTI – berechtigte Kritik, dass der Typentest heute vor allem zur Abzocke verwendet wird (200$ für einen Test, der dir hinterher vier Buchstaben gibt und auf ungeschickt formulierten Fragen basiert), aber als ich das Buch so las und die Erkenntnisse, die ich daraus zog, auch in meinem Umfeld erkannte, stellte ich fest, dass die Theorie dahinter verdammt schlüssig war. Nicht wasserdicht genug, um eine Wissenschaft darzustellen, aber dann wiederum bin ich ohnehin der Meinung, dass das ganze Thema – „Typologie“ mehr eine Philosophie als eine Wissenschaft ist, aber genug, dass man daraus richtig kostbare Einblicke in die eigene Persönlichkeit und mehr Verständnis für andere entnehmen konnte.

Ich beschäftige mich jetzt schon seit gut vier Jahren mit dem Myers-Briggs Type Indicator, bzw viel mehr dem Konzept dahinter (kognitive Funktionen) und habe mittlerweile mein eigenes Testmodell entwickelt, das bisher (und ja, man kann es natürlich nie genau wissen) so gut wie immer richtig lag, soweit man das beurteilen kann. Ich werde, sofern es Leute gibt, die sich dafür interessieren, denn leider gibt es auf deutsch sehr wenige seriöse Quellen über kognitive Funktionen, die auf deutsch sind, in diesem Blog regelmäßig Beiträge über dieses spannende Thema verfassen. Den Sinn über die Funktionentheorie erklären und auch Posts über die einzelnen Persönlichkeitstypen verfassen.

An dieser Stelle will ich auch einen kostenlosen, anonymen Test anbieten. Jeder, der will, kann mich anschreiben (per Mail, PN oder Kommentar) und ich lasse ihm oder ihr den Test zukommen. Die Fragen unterscheiden sich insofern von Onlinetests, dass sie mit Sätzen beantwortet werden müssen und zwar möglichst präzise. Dadurch kann ich sie dann nämlich wiederum möglichst fundiert auswerten und für mein Ergebnis auch eine Begründung, die gut nachvollziehbar ist, schreiben.

Und warum mache ich das? Was springt dabei für mich raus? Erstens will ich meinen eigenen Test verbessern, hoffe dabei auf konstruktive Kritik und Leute, die mich auf Fehler hinweisen, was nach ungefähr zwanzig Tests in meinem Bekannten- und Freundeskreis leider (oder glücklicherweise?) noch nicht passiert ist. Das ist also nicht ganz uneigennützig. Zweitens will ich andere für das Thema begeistern. Ich glaube, dass viele Missverständnisse und dadurch entstehende Konflikte vermieden werden können, wenn man sich selbst und andere besser verstehen kann.

Und

Noch kurz zu den Tests: das dauert seine Zeit, ich habe auch noch Pflichten, die weitaus wichtiger sind, also bitte nicht enttäuscht sein, wenn es dann doch etwas länger dauert. Je nachdem, wie hoch die Anfrage ist, werde ich das Angebot möglicherweise auch wieder zurückziehen. Ihr müsst keine Namen angeben, die Tests werde ich auch nicht online stellen, das heißt, die Ergebnisse bleiben zwischen Proband und Tester und werden nicht an Dritte weitergereicht.

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