ENTJ – Der General

Allgemeine Beschreibung & Klischees

Nach zwei introvertierten, beobachtenden Typen, habe ich mir gedacht, dass es mal Zeit für einen extrovertierten Urteiler wird. Und um einen schönen Kontrast zu bilden, welcher Typ würde sich besser anbieten, als der ENTJ? Der große Feldherr, der skrupellose Konzernboss oder, für Leute, die es gerne etwas abstrakter mögen: die Dampfwalze.

Woher kommen diese (wie immer nicht ganz unberechtigten) Klischees? Schauen wir uns dafür kurz mal seine Präferenzen an. Er ist (E) extrovertiert, zeigt also eher weniger Zurückhaltung gegenüber der Außenwelt, was ihm, vor allem gepaart mit seinem objektiven, eher kopflastigem Weltbild, durch seine (T) Denker- und (J) Urteilerpräferenz als jemanden erscheinen lässt, der kein Problem damit hat, harte Entscheidungen zu treffen, die vollkommen unpersönlich, vielleicht sogar unmenschlich scheinen. Das alles wird durch seinen starken Hang für Visionen durch seine (I) Intuition unterstützt, die ihm etwas, wie einen Tunnelblick gibt.

Damit ich jetzt aber nicht falsch verstanden werde: das ist das Bild, wie ENTJs allgemein – als Konzept – wahrgenommen werden. In der Realität kann das alles ganz anders aussehen. Ausschlaggebend bei der Typologie sind bestimmte Einstellungen, die nicht unbedingt verraten müssen, wie man sich letztlich verhält. Schauen wir uns also an, was an den Klischees so alles Wahres dran ist.

Erste Funktion – Extrovertiertes Denken („Thinking Extroverted, kurz TE“)

Kaum eine andere Funktion gibt so gute Gründe, einen bestimmten Typ als „Urteilertyp“ zu etikettieren. Das stark ausgeprägte extrovertierte Denken gibt dem ENTJ das, was Außenstehende wohl als seine Selbstsicherheit ansehen würden und das kommt nicht von etwa: der ENTJ weiß ganz genau, wie bestimmte Dinge laufen, hat klare Vorstellungen von dem, was möglich und unmöglich ist, was effektiv und was ineffizient ist. Und da diese extrovertierte Funktion seine am stärksten entwickelte ist, hat er auch oft genug den Drang dazu, seine Einsichten anderen mitzuteilen. Oder seine Meinung durchzusetzen. TE ist direkt und das zeigt sich auch darin, wie der ENTJ mit seiner Umwelt umgeht: sachlich, objektiv und eher geschäftlich. Deshalb wirkt er auch oft so buisness-like und unternehmerisch. Zum unternehmerischen komme ich bei der zweiten Funktion nochmal zurück. Ein ENTJ, der weiß, wie er seinen Willen am besten umsetzt, ist aufgrund seiner ersten Funktion auch ein fähiger Anführer – er vermittelt sich klar und autoritär. Die Art, wie er Leute bewegt, ihm zu folgen, ist jedoch nicht von persönlicher, zwischenmenschlicher Natur: er muss sich entweder darauf verlassen, dass seine Begründungen, wieso man etwas erreichen sollte auch wirklich bei jedem zünden. Allerdings, selbst wenn andere seine Vision nicht teilen, der ENTJ kann durch sein barsches, direktes Auftreten auch einschüchternd wirken und andere durch schiere Machtprojektion (selbst, wenn sie faktisch nicht vorhanden ist) dazu bewegen, sich seiner Sache anzuschließen.

Jetzt fragt man sich natürlich: was will der ENTJ eigentlich mit all seiner Willenskraft? Gute Frage, denn jeder Mensch möchte im Detail etwas anderes. TE genießt es allerdings oft, alleine schon als Autoritätsperson anerkannt zu werden, nicht selten lässt ein ENTJ also seine metaphorischen Muskeln spielen, um zu zeigen, wer hier das Alpha ist. Es könnte sein, dass das Bild, das ich jetzt von diesem Typ gemalt habe, ziemlich negativ auf viele andere Leser wirkt, besonders auf die Fühlertypen. Kommt nicht von ungefähr, da das introvertierte Fühlen auch die unterdrückte Funktion des ENTJs ist. Sie ist allerdings vorhanden. Er hat Ideale und steht für sie ein, nur sind sie nicht so klar definiert, wie etwa die eines INFPs. Tatsächlich ist es ihm oftmals eher unangenehm, vor allem in diesem Bezug Selbstreflektion zu betreiben. Das introvertierte Fühlen ist eher wie ein flüchtiger Schatten, der in der Psyche herumspukt. Es ist jedoch nichtsdestotrotz vorhanden und gibt dem ENTJ moralische Richtlinien, die er dann, mit seinem extrovertierten Denken genauer ausarbeitet und festlegt. Viele extrovertierte Denker sind Prinzipienreiter, haben für sich selbst und andere ganz klare Regeln und Gesetze, wenn man sie aber fragt, warum genau sie das für notwendig halten, weichen sie der Frage oft aus oder geben nicht wirklich eindeutige Antworten – was daran liegt, dass dahinter oft teilweise unerkundete oder unausformulierte Ideale und Moralvorstellungen liegen.

Zweite Funktion – Introvertiertes Intuieren („Intuition Introverted, kurz NI“)

Der Tunnelblick von dem ich weiter oben sprach, rührt vom introvertierten Intuieren. Der ENTJ kann sich leicht Dinge vorstellen, die noch nicht sind, aber sein können. Das introvertierte Intuieren gibt Impulse, „Bauchgefühle“, die nach außen vielleicht unzuverlässig wirken, insbesondere, weil sie nicht wirklich auf objektiven Fakten beruhen, doch es ist umso erstaunlicher, dass der ENTJ sich darauf verlässt und nicht selten gute Ergebnisse damit erzielt. Hier kommen wir auch zum unternehmerischen Aspekt des Typs. Im Gegensatz zum ESTJ, dessen Blick eher darauf gerichtet ist, den Status Quo zu erhalten, also die Vergangenheit zu bewahren, ist der ENTJ ein ehrgeiziger Visionär. Er kann sich Zukunftsvorstellungen sehr gut vergegenwärtigen und ist von Natur aus ein Pläneschmieder. Sein NI gibt ihm auch einen Hang zum Symbolismus – und auch diesen verwendet er, um seine Ziele besser erreichen zu können. Er arbeitet viel mit unterschwelligen Botschaften und Bedeutungen, um ein Image zu schaffen, das er braucht, um andere zu überzeugen. Oftmals ist dieses Image absolut übertrieben, wie ein Schatten, den er vergrößert an die Wand wirft, aber erstens ist sich der ENTJ dessen bewusst und arbeitet aktiv daran, diesen Schatten überzeugend aussehen zu lassen und zweitens sind nicht wenige ENTJs sehr begabt darin, die Erwartungshaltung ihrer Mitmenschen aktiv zu beeinflussen. Wenn ein ENTJ zum Beispiel das Ziel verfolgt, Klassensprecher zu werden (ich nehme dieses Beispiel bewusst, weil es ziemlich trivial ist und jeder von uns mal in der Schule war), dann wird er während der Wahl die Aufmerksamkeit seiner Mitschüler bewusst auf seine Stärken lenken („Wir brauchen jemanden, der tatsächlich einen Plan hat und die Meinung der Klasse mit einer lauten, klaren Stimme vertritt!“), diese womöglich überzeichnen und seine Inkompetenzen geschickt überspielen, meistens, indem er gar nicht darauf eingeht. Der ENTJ hat gelernt: wer sich wiederholt, hat Recht. Und auch, wenn er ab und an frustriert über die „Regeln“ ist, wie Menschen funktionieren, benutzt er dieses Wissen als ein Werkzeug, um Größeres zu erreichen.

Unterstützend zu seinen plötzlichen Eingebungen, Vorstellungen und Visionen ist ihm dabei seine dritte Funktion, das extrovertierte Empfinden, welches mit seiner direkten, nüchternen Art ausgleichend wirkt. Zugegeben, vor allem auf Außenstehende kann introvertierte Intuition schon beinahe esoterisch wirken. Das extrovertierte Empfinden hilft dem ENTJ aus seiner Vogelperspektive auch wichtige Details zu bemerken, kleine Veränderungen der Gegenwart. Aus dem Vogelblick wird speziell der Adlerblick. Gleichermaßen hilft die Funktion dem ENTJ auch auf dem Boden zu bleiben, im Sinne davon, auch „Materielles“ genießen zu können, mehr in der Gegenwart zu leben. ENTJs, die das nicht ganz unter Kontrolle haben, können jedoch auch den Hang dazu entwickeln, ausschweifend und hedonistisch zu leben, vor allem diejenigen, die vielleicht Episoden durchgehen mussten, in denen ihre durchdachten Pläne nicht durchgesetzt werden konnten.

Fazit & Beispiele

Wir merken, an den Klischees ist also eine ganze Menge dran, aber wenn man ein Klischee benennt, sollte man es auch erklären können. Wir können damit schließen, dass der ENTJ ein motivierender Visionär, ein charismatischer Anführer, aber auch ein soziales Trampeltier sein kann – tatsächlich ist von seiner Selbstsicherheit in vielen „sozialen“ Situationen auf einmal wie weggeblasen, wenn Effizienz nicht mehr von Bedeutung ist. Angenehm zu wissen: die meisten ENTJ haben jedoch auch eine dicke Haut, solange man ihre Kompetenz nicht in Frage stellt. Sie haben meistens kein Problem damit, als Arschloch bezeichnet zu werden, solange sie als das effiziente Arschloch gelten. Und irgendwo sind sie auch oftmals charmante Arschlöcher, ich weiß nicht, wie sie das hinbekommen…

Die Beispiele, die ich nenne sind wie immer alle mit Vorsicht zu genießen, da ich mir nicht anmaße, alles und jeden mit 100%iger Treffsicherheit identifizieren zu können. Deshalb ziehe ich bei so etwas auch fiktive Personen vor. Ich konnte es mir aber nicht verkneifen, bei diesem Typ auch eine bestimmte historische Persönlichkeit als Beispiel zu benutzen. Hier ein paar Beispielpersonen, die meiner Meinung nach dem ENTJ-Typen angehören:

  • Napoleon Bonaparte (Französischer Kaiser & General)
  • Margaret Thatcher (Ehemalige britische Premierministerin)
  • Light Yagami (Death Note)
  • Prof. Moriarty (BBC’s Sherlock)
  • Prinzessin Leia Organa (Star Wars)
  • Lex Luthor (Superman)
  • Maeve Millay (Westworld)

Verzeihung, nur wenige Beispiele heute. Vielleicht fallen euch ja noch einige ein, nach meiner Beschreibung 😉

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3 thoughts on “ENTJ – Der General

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