INFJ – Der Berater

Allgemeine Beschreibung & Klischees

INFJ, der Liebling der MBTI-Community. Wenn man sich im Internet lange genug mit dem Thema auseinandersetzt, kann man kaum glauben, dass INFJ mit etwa 2% angeblich der Typ ist, der unter der westlichen Bevölkerung am seltensten Vertreten ist. Aber ich traue solchen Statistiken nicht, alleine deshalb schon, weil sie auf Tests mit plumpen „Ja/Nein“ und „Sehr/Überhaupt nicht/neutral“-Fragen basieren. Kommen wir aber zurück zum INFJ.

Mystiker wird dieser Typ genannt, Berater, Guru, Fanatiker, Kontrollfreak, Philanthrop und Visionär. Wenn wir uns die Funktionen ansehen, können wir alleine von den Tendenzen schon festmachen, warum gerade diese Beschreibungen fallen:

Die erste Funktion des INFJs ist das introvertierte Intuieren, was den INFJ introvertiert macht – deshalb wird er auch eher als Berater, denn als Anführer wahrgenommen, auch, wenn sie in leitenden Rollen auch glänzen können. Außerdem sagt introvertiertes Intuieren an erster Stelle ebenfalls aus, dass sie die Tendenz zur Intuition statt zum Empfinden haben. Das heißt, sie sind mehr mit dem „großen Bild“ und Konzepten beschäftigt, als mit (materiellen) Details. Und hieraus entspringt auch das Bild des „entweltlichten“ Gurus und Mystikers. Die zweite Funktion ist das extrovertierte Fühlen, was dem INFJ sowohl die Tendenz Fühler statt Denker, sowie Planer (Urteiler) statt Beobachter einbringt. Daher auch das Bild vom Philanthrop und dem Kontrollfreak.

Nun schauen wir uns diese Dinge aber mal im Detail an.

Erste Funktion – Introvertiertes Intuieren („INtuition Introverted, kurz NI“)

Für den INFJ hängt oft mehr miteinander zusammen, als es für andere den Anschein macht. Sein NI macht aus ihm eine Art „symbolische Denker“, das heißt, fast alles hat für ihn eine tiefere Bedeutung. Wenn jemand gerne und oft zwischen den Zeilen liest, dann dieser Typ – bis zu einem Ausmaß, dass er mehr zwischen den Zeilen liest, als es eigentlich zu lesen gibt. NI ist ebenfalls dafür zuständig, sich Zukunftsvorstellungen zu verbildlichen, daher das Bild des Visionärs. Der INFJ hat oft ganz klare Vorstellungen von dem, was getan werden muss, um die Welt (oder einen Teil davon) zu einem besseren Ort zu machen. Er verbringt zwar die meiste Zeit damit, über Dinge zu grübeln, aber anders als zum Beispiel die Typen mit extrovertierter Intuition, die das ebenfalls tun, hat der INFJ dann auch einen konkreten Plan, den es auszuführen gilt. Man könnte den INFJ also in gewisser Hinsicht als einen verträumten Macher, einen idealistischen Aktivisten bezeichnen.

Dabei gehen sie sehr vorsichtig und planmäßig vor. Während sich vor allem SP-Typen in alle möglichen neuen Erfahrungen stürzen oder zumindest die Tendenz dazu haben, muss möglichst alles, was der INFJ tut, einen Sinn haben. Die Funktion „extrovertiertes Empfinden“, die unbedingt neue (hauptsächlich sinnliche) Erfahrungen machen will, wird aktiv unterdrückt. Das begründet auch, warum viele INFJs so asketisch leben – überschwänglicher Genuss, insbesondere durch Dinge wie Alkohol oder körperliche Freuden, werden eher vermieden, da sie eine Ablenkung darstellen. Es ist schon schwierig genug, in einer nicht perfekten Welt, einen perfekten Plan in die Realität umzusetzen, da muss man sich nicht auch noch berauschen lassen. Zum Teil stammt diese Abneigung jedoch auch daher, da der INFJ weiß, dass er recht anfällig für sinnliche Genüsse sein kann. Sein extrovertiertes Empfinden ist ein wenig wie ein schreiendes Kind, das endlich seine Süßigkeiten will. Aber wehe, wenn es die Leckereien in die Hände bekommt – dann wird gefressen, bis gekotzt wird.

Eine Schwäche von NI liegt darin, dass seine Vorahnungen eben nur das sind: ungenau und subjektiv. Selbst wenn sich viel von dem, was der INFJ „prophezeit“ bewahrheitet, kann er seine Einblicke oft nicht genau erklären, vor allem zum Leidwesen von Denker- oder Empfindertypen, die gerne Fakten haben. Denn das NI fixiert sich nicht auf Fakten, sondern zieht Schlüsse aus Eindrücken und Bauchgefühlen, die er nicht direkt mit anderen teilen kann.

Zweite Funktion – Extrovertiertes Fühlen („Feeling Extroverted, kurz FE“)
Die ganze Sinnfrage zieht sich wie ein roter Faden durch die Persönlichkeit des INFJs. Er wird sich oft die Frage stellen: warum eigentlich? Man kann nun den Eindruck bekommen, dass ein INFJ der typische Nein-Sager ist, aber das stimmt nur zum Teil. Wenn man sich zum Beispiel mit ihm einen Film ansehen will, der absolut leichte Kost ist, also überhaupt nicht anspruchsvoll und eher platt, aber unterhaltsam, muss der INFJ diesen Vorschlag nicht unbedingt ablehnen, selbst, wenn er den Film an sich als reine Zeitverschwendung betrachtet, da er weder seine Pläne nicht vorwärts bringt, noch von inspirierender Natur ist. Möglicherweise wird er jedoch aus Respekt vor der Person, der diese Aktivität vorgeschlagen hat, dennoch zustimmen. Das FE spricht den Mitmenschen nämlich eine enorme Bedeutung zu und hier wird auch der Unterschied zum INTJ deutlich: der INFJ wird von der Motivation angetrieben, anderen Menschen zu helfen. Vor allem im Bezug auf die Entwicklung der Persönlichkeit. Es ist kein Zufall, dass ausgerechnet Carl Jung selbst höchstwahrscheinlich ein INFJ war. INFJ werden nicht umsonst Berater genannt, denn ihr NI fixiert sich vor allem auf ihre Mitmenschen: sie sehen nicht unbedingt die Person, die vor ihnen steht, sondern die Person, die aus ihnen werden kann. Daher ist es auch nicht verwunderlich, dass viele INFJ in der Seelsorge arbeiten, sich für Spiritualität, Philosophie, Religion und Psychologie interessieren.

Im FE liegt auch der große Vorteil, der dem INFJ hilft, seine NI-Visionen durchzusetzen: obwohl er (dank seiner dritten Funktion, dem introvertierten Denken) sehr analytisch und logisch denken kann, versucht er hauptsächlich, andere Menschen durch seine herzliche und einfühlsame Art für sich zu gewinnen. Er nimmt viel Rücksicht auf die Gefühle anderer Menschen, was ihn trotz seiner entschlossenen Art sehr sanft erscheinen lässt. Jedoch erwartet er diese Rücksichtnahme auch von seinen Mitmenschen, weshalb er sich schnell mal gegen den Kopf gestoßen fühlen kann.

Nicht nur das, sondern auch die Tatsache, dass er seine eigenen Bedürfnisse (wie es für ein ausgeprägtes FE typisch ist) im Eifer der Tat schnell vernachlässigt, veranlasst ihn dazu, sich oft zurückziehen zu müssen. Nicht selten kann sich der INFJ nur dann erholen, wenn er für eine gewisse Zeit komplett alleine gelassen wird. Nur weil man charismatisch ist, ein Teamplayer und einem Menschen wichtig sind, bedeutet das nicht, dass man sich ständig von ihnen umgeben lassen muss.

Daher ist es nicht verwunderlich, dass der INFJ, auch, wenn er seiner Umwelt oft eher wie ein „eher stiller Extrovert“ vorkommt, wenige Personen zu haben, die er tatsächlich als enge Freunde bezeichnen würde. Eine Art „inneren Zirkel“ an Menschen, die ihm nahe stehen, vor denen er sich tatsächlich auch richtig öffnen kann. Viele Menschen, selbst die, die möglicherweise viel mit dem INFJ zu tun haben und glauben, ihn gut zu kennen, werden eventuell früher oder später feststellen, dass sie eigentlich kaum etwas über ihn wissen. Der INFJ würde es vielleicht nicht offen zugeben, aber ihm gefällt es auch, von einer Art mysteriösen Aura umgeben zu sein. Noch eher ist es so, dass er sich schnell missverstanden fühlt und es lange Zeit braucht, bis er das Gefühl hat: endlich kapiert mich jemand. Und bei dieser Person kann man sich dann auch endlich mal aussprechen.
Gerade dann wird auch das eher „kalt“ wirkende, analytische Denken (introvertiertes Denken) sichtbar: der INFJ versucht zwar Konflikte zu vermeiden, aber dadurch, dass er viele Dinge überanalysiert, sieht er oft welche, wo überhaupt keine sind.

Fazit & Beispiele
Wie soll ich nun mit einem Fazit schließen? Nun, was wäre angebrachter, als dem klassischen Berater-Typ am Ende selbst mit ein paar Ratschlägen zur Seite zu stehen. Wäre ja eine große Heuchelei, wenn sich ein Lehrer nicht belehren ließe, hihi 🙂

Also! Liebe INFJs (Mit der für meine Verhältnisse herzlichen Anrede appeliere ich an das FE…)! Es ist wunderbar, dass ihr mit euren Überlegungen und Plänen so viel dazu beitragt, die Welt für eure Mitmenschen zu verbessern (Lob kommt da auch ganz gut an, wenn es begründet ist)! Aber achtet bitte auch darauf, dass ihr euer eigenes Wohlergehen nicht komplett aus den Augen verliert. Und dass ihr eure Augen zur Abwechslung auch mal benutzt, denn die Realität sieht oft ein wenig anders aus, als ihr es euch vorstellt. Oder hat sich, während ihr in eurem Schneckenhaus gegrübelt habt und sorgfältig geplant habt, bereits drei Mal verändert. Seid ein wenig mehr bei dem, was ihr gerade tut, dann müsst ihr euch nicht auf dem Weg zur Arbeit immer mit den Zweifeln plagen, ob ihr auch wirklich den Herd ausgeschaltet, das Auto abgeschlossen oder euer Haustier gefüttert habt. Und probiert doch auch mal eine komplett neue Tätigkeit aus. Wann habt ihr so etwas das letzte Mal denn wirklich bereut? Gutes Argument, was? Zieht immer, wenn sich das Gegenüber nicht mehr ganz so recht an Details erinnern kann 😉
Achso, beinahe hätte ich den wichtigen Abschluss vergessen: Ich liebe euch! (Nicht, dass nachher noch ein INFJ sauer auf mich ist…)

Hier noch einige Beispiele berühmter Persönlichkeiten oder fiktiver Figuren, die meiner Meinung nach dem INFJ-Typen angehören:

  • Mahatma Gandhi (Revolutionär)
  • Plato (Philosoph, Sokrates‘ Schüler)
  • Carl G. Jung (Psychiater und Begründer von dem ganzen Kram hier)
  • Adolf Hitler (doch, wirklich, ich kann es begründen!)
  • Yoda (Star Wars)
  • Melisandre (Game of Thrones)
  • Ted Mosby (How I Met Your Mother)
  • Ras Al Ghul (Batman Begins)
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4 thoughts on “INFJ – Der Berater

  1. Was für ein Persönlichkeitstyp bist du? Entschuldige mich im voraus, falls du bereits einen Eintrag darüber geschrieben hast oder ich in diesem etwas überlesen habe. Ich musste den Begriff INFJ auch erst einmal „nachschlagen“ gehört hatte ich gewiss schon einmal von, aber nur recht wage.

    Keine Angst,
    ich bin kein Stalker 😉 es ist heute einfach viel zu heiß draußen, darum sitze ich hier an meinem Schreibtisch und gehe Zerstreuungen nach…wie diese neue Serie 11.22.63 und nebenbei habe ich deine Seite noch im Hintergrund offen.

    Gefällt 1 Person

    1. Keine Sorge, ich würde dich nicht mit einer Stalkerin assoziieren 😉
      Ist doch schmeichelhaft, dass du auf meinem Blog Präsenz zeigst, wenn ich merken würde, dass hier tote Hose wäre, hätte ich ja auch keine Motivation, hier zu schreiben.

      Ich bin ein INTP, habe ich aber auch noch nicht geschrieben. Ich hoffe, das wird nicht all zu deutlich, wenn ich meinen eigenen Persönlichkeitstypen beschreiben werde… ich versuche bei den Beschreibungen möglichst objektiv und distanziert vorzugehen, das fiel mir schon bei meinem extrovertierten Pendant schwer genug.

      Gefällt 1 Person

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