ISFP – Der Künstler

Allgemeine Beschreibung & Klischees
Naturliebhaber/Baumschmuser, Freigeister/Nonkonfirmisten und Künstler/Emo-Hipster. Das sind nur einige der Klischees, die man mit dem ISFP-Typen oft in Verbindung bringt. Der ISFP-Persönlichkeitstyp besteht in folgender Reihenfolge aus den Funktionen Introvertiertes Fühlen, Extrovertiertes Empfinden, Introvertierte Intuition und Extrovertiertes Denken.
Man kann hier auch schon einige Hinweise finden, weshalb die Klischees existieren: Gefühlvolle, selbstinvolvierte Träumer, die gleichzeitig sehr tatenfreudig sind. Man kann hier schon vermuten, dass sich ein ISFP sehr über seine Hobbies identifiziert, da besagte Hobbies dabei helfen, sich selbst in der Welt wieder zu finden und zu verwirklichen – darum auch meine Bezeichnung als „Künstler“.An alle ISFPs: ich hoffe, ihr hört hier nicht schon nickend auf zu lesen, jetzt geht es mit der Analyse nämlich erst richtig los!

Erste Funktion – Introvertiertes Fühlen („Feeling Introverted, kurz FI“)Der ISFP hat ein starkes Bewusstsein dafür, was er für richtig und falsch hält. Sein FI ist ständig drauf und dran, genau das zu bewerten, vor allem, wenn er in Konflikte gerät. Was auch der Grund ist, warum der ISFP Konflikten prinzipiell lieber aus dem Weg geht, über die er noch keine feste Meinung hat. Sobald jedoch eine klare Meinung besteht, kann man davon ausgehen, dass der ISFP lautstark und mit Taten für seine Überzeugung einstehen wird. Sein FI ist so etwas wie ein brennender Antrieb, aus dem er gleichzeitig Unmengen an Energie schöpft, aber auch gleichzeitig viel Energie zehrt, vor allem, wenn keine Möglichkeit besteht, die Gefühle zu verarbeiten. Nicht selten fühlt sich ein ISFP so, als müsse er platzen, weil er so voller Gefühle und/oder Tatendrang ist.

Auch ist es dem ISFP wichtig, sich selbst zu finden und zu verwirklichen. Oft wird diesem Typen bewusst, wie falsch und künstlich angepasst sich die meisten seiner Mitmenschen (vor allem FE-Typen) verhalten und er will keinesfalls so sein. Er will das Unikat sein, das er ist: originell, individuell und authentisch. Oft bemerkt man diese Eigenschaften bereits im Lebensstil eines ISFPs: sie haben ihren eigenen Rhythmus, ihren eigenen Geschmack, der sich wenig durch den ihrer Umwelt beeinflussen lässt, ihre eigenen Werte, ihr eigenes Auftreten. Manch einer mag sie für „grüne Mitläufer“ halten, denn viele von ihnen sind Vegetarier/Veganer, Pazifisten, Naturschutzaktivisten und/oder Tierschützer und dadurch entstehen auch viele der oben genannten Klischees, aber Fakt ist, dass jeder einzelne ISFP eigene Motivationen hat, gewissen Interessensgruppen beizutreten – aber so gut wie niemals ist die Gruppe an sich ein Grund dafür, sondern stets der Zweck, wofür sie einsteht. Einen ISFP als Mitläufer zu bezeichnen, ist so ziemlich das Unpassendste, was mir zu diesem Typen einfällt.

Trotz dieser starken Überzeugungen ist der ISFP jedoch niemand, der versucht, seine eigenen Werte anderen überzustülpen: es geht ihm darum, diese für sich selbst zu finden und demnach die eigene Identität zu festigen. Wenn der ISFP der Meinung ist, dass sich die Menschen in seiner Umgebung falsch verhalten, wird er, wenn er in die Diskussion gerät versuchen, sich nicht von der Lautstärke der möglicherweise erhitzten Teilnehmer mitreißen zu lassen und versuchen, ganz er selbst zu bleiben und niemanden dazu zu drängen, seine Sichtweise anzunehmen. Wenn der ISFP jedoch zu sehr gestresst wird, die von ihm geschätzten Werte mit Füßen getreten werden oder andere Personen seiner Meinung nach unfair behandelt werden, kann es vorkommen, dass seine unterentwickelte Funktion, das extrovertierte Denken (TE) deutlich zum Vorschein kommt. Während es normalerweise eher unterbewusst im Hintergrund arbeitet und Dinge in schwarz und weiß (hauptsächlich allerdings weiß) einteilt, ähnelt es dann auf einmal einer entfesselten Naturgewalt: der sonst immer so ruhige und gefasste ISFP wird in diesen Ausnahmesituationen dann doch recht laut, manchmal sogar ausfällig und insbesondere männliche Vertreter dieses Typs auch physisch aggressiv.
Das eher schwach ausgeprägte TE kann auch zu anderen Problemen führen, wie beispielsweise, dass ein ISFP gerne Warnungen in den Wind schlägt. Die „Ich probiere alles aus und mache meine Erfahrungen selbst“-Devise kann eben auch Unfälle mit sich führen und genau so wenig, wie der ISFP anderen seine Meinung aufdrückt, lässt er sich auch selten andere aufdrücken. In vielen Fällen kann das positiv sein, da er damit eine gewisse Unabhängigkeit bewahrt, aber wenn man das „Einsturzgefahr“-Schild absichtlich übersieht, weil die alte Ruine einfach so schön aussieht und man unbedingt ein paar Fotos von innen schießen will (Fotographie ist auch so eine typische ISFP-Sache), dann täte man manchmal vielleicht gut daran, diese Warnungen nicht in den Wind zu schlagen.

Zweite Funktion – Extrovertiertes Empfinden („Sensing Extroverted, kurz SE“)

Ganz im Gegenteil zum INFP, der die selbe erste und letzte Funktion teilt, aber aufgrund seiner noch verträumteren Natur seinen Protest in der Regel ausschließlich in Worten ausdrückt. Der ISFP ist ein Macher und das sieht man nicht nur in diesen eher unschmeichelhaften Situationen. Während der INFP eine ziemlich verschwommene, undeutliche Vorstellung von seiner tatsächlichen Außenwelt hat, aber dafür ein sehr klares, scharfes Bild von seiner Innenwelt, ist es bei dem ISFP eher andersherum: Das SE bezieht sich auf die tatsächliche Umwelt, auf die Möglichkeiten, die wir darin finden, auf alles, was wir mit unseren Sinnen wahrnehmen können. Das Bild von der Umgebung des ISFPs ist also klarer und realistischer als das des INFPs, sehr viel objektiver. Die innere Welt hingegen ist nicht so klar und deutlich – die Schwäche des ISFPs ist, dass er sich Dinge, die nicht sichtbar vorhanden oder klar beschrieben sind, nur schwer vorstellen kann. Dank seiner pragmatischen Natur macht sich der ISFP diese Schwäche jedoch zum Vorteil, indem er versucht, sein Innenleben nach außen zu tragen – meistens durch verschiedene Formen der Kunst: Musik, Malerei und Tanz sind nur wenige Beispiele, mit denen ein ISFP sich ausdrücken kann. Er legt dabei großen Wert auf Ästhetik. Das Thema „ISFP und Kunst“ ist es wert, näher erläutert zu werden. ISFPs teilen sich mit ihrer Kunst aus, drücken damit Dinge aus, die sie nicht in Worte fassen können. Ihre Kunst drückt weniger bestimmte Meinungen aus – sie ist eher geheimnisvoll, genau so, wie ihre eigene Gefühlswelt (FI) geheimnisvoll für den ISFP ist. Während der INFP seine Gefühle gut beschreiben kann, sie klar und deutlich vor ihm liegen und deshalb viele dieses Typs Schriftsteller oder Politiker sind, findet man unter ISFPs vermehrt Menschen, die mit den „Händen“ arbeiten. Wenn man sie fragt, was sie mit einem Kunstwerk eigentlich beschreiben wollen, kann man mit Antworten wie: „Wenn ich es dir auch einfach so sagen könnte, hätte ich es doch gar nicht kreieren müssen“ rechnen.

ISFPs lieben das Abenteuer. Ihre zweite Funktion treibt sie dazu an, möglichst viel zu erleben und das am besten mit allen Sinnen. Sie reisen gerne und viel, probieren gerne unterschiedlichste Speisen und Getränke aus und gehören tendenziell eher zu den „Ja-Sagern“. Sie haben, genau so, wie alle SE-Typen manchmal Schwierigkeiten damit, lange still zu sitzen, weil sie einfach gerne aktiv sind. Das ist auch der Grund, warum viele ISFPs Probleme mit dem Studium haben oder sich erst gar nicht auf akademische Ausbildungen einlassen: nicht etwa, weil sie weniger klug sind, sondern, weil sie neue Reize benötigen, um bei der Sache zu bleiben. Ich hoffe, dass die ISFP-Leser hier also noch aufmerksam bei der Sache sind…

Ein weiteres Problem, mit dem sich ein ISFP, wie alle SE-Typen herumschlagen muss, ist eine gewisse Kurzsichtigkeit. Zwar ist das introvertierte Intuieren, die Funktion, die sich vor allem mit der Zukunft befasst, an dritter Stelle und damit immer noch relativ bewusst, aber sie wird natürlich nicht so sehr geschätzt, wie das SE, das sich aufs Hier und Jetzt bezieht.

Fazit & Beispiele

Wir können also zusammenfassen, dass der ISFP nicht unbedingt die erste Wahl ist, wenn es darum geht, langfristige Pläne für die Zukunft zu machen oder andere Leute anzuführen. Ihre Stärken liegen darin, die Schönheit in der Welt zu erkennen und uns darauf aufmerksam zu machen, als auch darin, selbst Schönheit in die Welt zu bringen. Während der ISTP ein Auge dafür hat, wie Dinge in der Welt funktionieren, hat der ISFP ein Auge dafür, wie er selbst in der Welt funktioniert und arbeitet stetig daran, sich selbst und das „Wesen“ seiner Umwelt besser kennen zu lernen. Das hört sich schon ziemlich kitschig an, oder? Ist aber nicht so schlimm, ich vermute mal, dass ein ISFP kein Problem mit Kitsch hat, solange es authentischer, unaufgesetzter Kitsch ist.

Und wie immer noch einige Beispiele des ISFP-Typs aus der Realität und der Fiktion:

  • Harry Potter (Harry Potter)
  • Luke Skywalker (Star Wars)
  • Prince (Musiker)
  • Jack Johnson (Musiker)
  • Michael Jackson (Musiker)
  • Jyn Erso (Rogue One)

…es kommen noch weitere Beispiele, versprochen, aber irgendwie ist mein Gehirn momentan auf Leerlauf eingestellt. Und bevor ich nichts poste, nur weil ich erst 5 Beispiele habe…

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5 thoughts on “ISFP – Der Künstler

  1. Wie? Leerlauf? Hört sich nicht danach an 😉 Bin ja nicht der Kategorien-Fan, aber der Beitrag gefällt mir. Obwohl ich bei einigen Dingen gegrübelt habe …
    Schön, dass Du trotz Deines Urlaubs hier anzutreffen bist!
    Liebe Grüße, Julia

    Gefällt 1 Person

  2. Was meinst du mit „obwohl ich bei einigen Dingen gegrübelt habe“? Zählst du dich selbst auch zu diesem Persönlichkeitstyp?

    Ja, das mit den Kategorien ist wie gesagt so eine Sache. Ich denke, die richtige Sichtweise sieht folgendermaßen aus: wenn man überhaupt nicht kategorisiert, hat man nur einen bunten Brei. Man sagt „jeder ist anders, man kann zufällig Ähnlichkeiten haben, aber die Persönlichkeit ist in keiner Weise fassbar“ – damit verallgemeinert man aber meiner Meinung nach am schlimmsten. Wenn man ein funktionierendes Modell hat, das zumindest einen gewissen *Rahmen* gibt und dabei gleichzeitig bedenkt, dass dieser Rahmen nur Einblick in bestimmte Facetten unserer selbst oder unserer Mitmenschen bietet und noch lange nicht alles enthüllt, dann ist das, wie ich finde, eine sehr viel gesündere Einstellung.

    Ja. Seit einer guten Stunde habe ich ganz offiziell frei. Und jetzt wird’s wieder mehr von mir zu lesen geben.
    Auch schön, dich in meinem Blog anzutreffen 🙂

    Gefällt 1 Person

    1. Ich versuche, mich in jeden vorgestellten Typen reinzudenken.
      Deine Einstellung gefällt mir aber sehr gut, eher die Suche nach einem groben Rahmen als das Hämmern in eine Schablone. Das lehne ich nämlich entrüstet ab.
      Aber so, wie Du es beschreibst, finde ich es schön, damit kann ich mich arrangieren 😉
      Glückwunsch zum Urlaub! Haut das hin, mit dem Schreiben, wenn man die Zeit dafür hat? Manchmal entzieht es sich einem ja gerade dann, als wolle es ärgern …
      P.S.: Wenn Du direkt auf meinen Kommentar antwortest, sehe ich das in meinen Benachrichtigungen. So aber, also wenn Du „neu“ kommentierst, bekomme ich das nicht mit. Wäre ja schade …
      Liebe Grüße!

      Gefällt 1 Person

      1. Oh, Verzeihung. In meinem Eifer, habe ich einfach in den leeren Kasten geschrieben und das Kommentar dann abgeschickt. Danke! Hm, das mit dem Schreiben ist so eine Sache, das ist ganz unberechenbar bei mir. Ich habe mit diesem Blog angefangen, da hatte ich auch Ferien, wenn man also von einer Präzedenz ausgeht, müsste ich jetzt kein Problem haben, zu schreiben. Es kommt, denke ich mal, vor allem darauf an, ob ich von außen inspiriert werde! Momentan habe ich zum Beispiel Lust, über alles mögliche zu schreiben – nur nicht an meinem Blogroman oder Kurzgeschichten (was zugegebenermaßen eine größere Einschränkung ist…). Das liegt vor allem daran, dass ich mich wieder heftiger mit der Politik auseinandersetze und mich gleichzeitig in einer theologischen Diskussion befinde, die schon etwas länger anhält. Dementsprechend habe ich eher Muße, über diese Themen zu schreiben.

        Oder über Typologie. Darüber kann ich fast immer schreiben 🙂
        Ja, Schablonen, wie du sie beschreibst, helfen nicht, würde ich ebenfalls ablehnen. Und gleichzeitig ist es unglaublich wertvoll, „gemeinsame Nenner“ in der Typologie zu finden, also Dinge, die auf bestimmte Typen tatsächlich allgemeingültig sind. Nicht, um das Individuum einzuschränken oder es zu bewerten, sondern, um es einfach besser verstehen zu können.

        Es ist mit vielen Dingen so. Meine Frau beschäftigt sich zB ganz intensiv mit gesunder Ernährung und Bewegung. Dabei stellt sie immer wieder fest, wie dämlich es ist, zu sagen: „MAN soll sich so und so ernähren“, weil jeder komplett anders tickt. Gluten beispielsweise ist nicht zwangsläufig schädlich. Für den einen mehr, als für den anderen. Dennoch gibt es einige Dinge, die für fast alles gelten. Wie zum Beispiel, dass Schweinefleisch uns einfach nicht gut tut. Es ist ein regelrechtes Minenfeld. Ich denke, ich werde aber darüber noch einen ausführlichen Post verfassen (im Bezug auf die Typologie, keine Sorge, ich fange nicht *noch* ein neues Thema an!).

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