6 Punkte, die für die Typologie sprechen

Immer wieder, wenn ich mich mit Menschen über die Typologie unterhalte, insbesondere, wenn sie noch nicht so viel darüber wissen, sind sie ihr gegenüber eher ablehnend und skeptisch eingestellt. Während ich eine skeptische, hinterfragende Haltung begrüße, empfinde ich es jedoch als sehr schade, wenn Ablehnung dazu führt, das Thema von vorneherein abzuhaken und zu vergessen. Daher liste ich hier einfach mal die meistgenannten Argumente gegen die Typologie und meine Antworten darauf aus.

1.) Man kann Menschen nicht in Schubladen stecken

Doch, aber dazu benötigt man verdammt große Schubladen. Aber jetzt im ernst, ich kann den Punkt sehr gut verstehen – die wenigsten mögen es, beurteilt zu werden, bevor sie überhaupt „kennengelernt“ wurden. Ich auch nicht. Aber hier muss man einige Dinge klar stellen: man muss eine Person wenigstens ansatzweise kennen, um überhaupt sagen zu können, welcher Typ sie (wahrscheinlich! Dazu in einem späteren Punkt mehr…) ist. Und die Schubladen, in die wir von der Typologie gesteckt werden, sind tatsächlich verdammt geräumig! 16 Typen, ja, das ist zwar eine ganze Menge, aber wir dürfen nicht vergessen, dass die 16 Typen Kombinationen aus nur 4 verschiedenen Funktionen sind, jeweils nach innen und nach außen gekehrt. Das Schöne an dem Modell ist auch: so unterschiedlich verschiedene Typen auch sein mögen, man findet gewisse Teile der eigenen Persönlichkeit auch in der des Gegenübers. Nur ist sie dort nicht so stark ausgeprägt, dafür aber eben wiederum andere. Wenn wir lernen, das Konzept der Typologie eben nur als ein solches zu betrachten: als Konzept, als Rahmen – und nicht als akribisches, pingelig-genaues Gesetz, dann gibt es viel, was wir daraus ziehen können.

2.) Typologie hat keinen Nutzen

Wenn ich das höre, weiß ich nicht, ob ich weinen soll oder lachen. Ich entscheide mich in der Regel für Letzteres: ich kann nur für mich selbst sprechen. Bevor ich mich mit dem Thema auseinandergesetzt habe, tat ich mich unglaublich schwer damit, zu verstehen, warum andere Menschen so handeln, wie sie es eben tun. Es ergab einfach keinen Sinn und das hat mich unglaublich frustriert.
Warum ist er so stur und probiert nichts Neues aus? oder Warum legt sie so großen Wert darauf, dass wir uns alle in der Gruppe unterhalten müssen, wenn wir doch so interessante Einzelgespräche haben?
Aber genauso habe ich mich oft gefragt, was die Leute nur so seltsam an mir empfanden. Ich habe in der Typologie praxisbezogene Antworten gefunden: mit der Theorie im Hinterkopf habe ich Konflikte lösen können, die ich zuvor selbst eher zugespitzt hätte. „Introvertiertes Empfinden legt Wert darauf, alte, bewährte Methoden beizubehalten – wenn ich darauf eingehe, wie wichtig es ist, dass auch die Jugend nicht vergisst, woher unsere kulturellen, musikalischen Wurzeln stammen, kann ich ihn vielleicht doch für meine Seite gewinnen!“ – solche und natürlich viel tiefer gehende Gedanken haben mir schon oft dabei geholfen.

3.) Typologie ist nicht wissenschaftlich fundiert

Absolut richtig. Die Typologie ist keine Wissenschaft, auch, wenn sie vom Begründer der analytischen Psychologie stammt. Es gibt nämlich keine faktischen Beweise für sie. Ich sehe sie dementsprechend eher als eine Philosophie an – man kann sich darüber streiten, ob es tatsächlich so ist, aber das Konzept dahinter, ist an und für sich logisch.

4.) Man kann sich fast nie absolut sicher über den Typen des Gegenübers sein

Und das ist gut so! Aber nur, wenn man sich darüber im Klaren ist. Eine gewisses Grundmisstrauen dem eigenen Urteil gegenüber, ist in den meisten Fällen, auch abseits der Typologie, gesund. Es führt dazu, dass man sich noch genauer mit dem Gegenüber auseinandersetzt. Noch genauer darauf achtet, was die Person eigentlich sagen will, was ihre Motivationen sind, wie sie die Dinge wahrnimmt – wenn man das tut, auch, wenn man glaubt, den Persönlichkeitstyp des Gegenübers bereits zu kennen, dann ist man nicht nur auf dem richtigen Weg, präziser Typen zuordnen zu können, sondern auch, seine Mitmenschen allgemein besser zu verstehen!

5.) Der Mensch verändert sich, damit auch der Persönlichkeitstyp

Diese Antwort wird jetzt sicherlich auch mehreren Leuten sauer aufstoßen: Nein. Aber keine Sorge, ich kann das anhand eines praktischen Beispiels begründen. Ein INTP zum Beispiel zeichnet sich dadurch aus, dass er ein analytischer Denker (1. Funktion: TI) ist, kreativ und abstrakt (2. Funktion: NE), aber nicht unbedingt so gut mit anderen Menschen generell kann (4. Funktion: FE). Im Laufe seiner Kindheit entwickelt er zunächst vor allem seine primären beiden Funktionen. Später, in der Pubertät und im frühen Erwachsenenalter, lernt er oft erst, seine anderen beiden Funktionen zu schätzen. Das kann dazu führen, dass er sich selbst plötzlich als ein „Fühler“ wahrnimmt, dabei entwickelt er einfach nur erste, komplexere Bindungen zu diesem Gefühl. Später relativiert sich das bei einer gesunden Entwicklung wieder. Und im hohen Alter hat man im Idealfall all seine Funktionen so sehr kultiviert, dass ein INTP-Opa beispielsweise eher wie der freundliche Geschichtenerzähler und Freund aller Kinder wirkt, anstatt wie ein zerstreuter, menschenverachtender Professor.

Zum Thema „gesunde Entwicklung“ nur ein paar kurze Sätze, denn das ist nochmal ein Thema für sich: bei einer ungesunden Entwicklung, also, bei traumatischen Vorfällen und anderen Einschränkungen, kann es vorkommen, dass bestimmte Funktionen nicht so entwickelt werden, wie es normalerweise üblich wäre. Wenn ein bestimmter Typ in der Schule beispielsweise ständig gehänselt wurde, ist es gut denkbar, dass er nur seine introvertierten Funktionen richtig entwickeln konnte, weil er Hemmungen hatte, seine extrovertierten Funktionen einzusetzen. Dadurch kann es sein, dass es so wirkt, als hätte er im Erwachsenenalter, in dem er auf einmal, dank eines sicheren sozialen Umfeldes seine Hemmungen überwinden kann, einen anderen Persönlichkeitstyp. Das ist nur eines von vielen Szenarien.

6.) Typologie – oder besser gesagt MBTI – ist die reinste Abzocke und bloß ein dreistes Geschäftsmodell aus Amerika!

Leider ist das in vielen Fällen tatsächlich so. Deshalb nenne ich das Thema auch lieber „Typologie“ als MBTI (Myers-Briggs-Type-Indicator), auch wenn Isabel Myers mit ihrer Mutter Catherine Briggs viele, wertvolle Beiträge zur Theorie geleistet haben. Leider wurde aus dem MBTI tatsächlich ein grober, unpersönlicher Test, der einfach mit „Ja/Nein/Ein bisschen“ zu beantworten ist und viele Leute in den Staaten, in denen das Thema viel populärer ist, melken die MBTI-Kuh bis auf den letzten Tropfen und werfen mit ungenauen Ergebnissen um sich, welche die Leute eher verunsichert und haben oftmals nicht halb so viel Ahnung von der Materie wie… ich. Ich will ja nicht angeben, aber es ist tatsächlich so. Ich gebe auch zu, dass ich mich ein wenig damit rühme, mich mit dem Thema so intensiv beschäftigt zu haben, dies immer noch zu tun und auch in der Praxis anzuwenden. Jetzt kann der Leser natürlich sagen: „Ja, das kann ja jeder von sich behaupten!“ und das ist auch korrekt. Aber im Gegenzug zu vielen anderen Online-Tests und Internetquellen, erkläre ich auch die Hintergründe und das System, auf dem die Typologie basiert. Ich kann es nicht leiden, wenn Leute einander Dinge sagen, wie: „ENTPs mögen Dinosaurier. Es ist einfach so, glaub mir!“. Ich stelle Behauptungen auf, die ich erklären kann. Welche die Typologie erklären kann. Denkt für euch selbst nach, ob die Begründungen für euch auch logisch klingen, aber kauft den Leuten nicht jeden Scheiß ab. Das gilt allerdings auch andersherum: stempelt nicht alles als „jeden Scheiß“ ab, wenn sich jemand die Mühe macht, auch zu begründen, warum seine Theorie stimmig ist, sondern betrachtet und urteilt selbst.

Und eine große Bitte an euch: ich versuche in meiner idealistischen Naivität uns faktenbezogenen, materiellen Deutschen ein Konzept wie die Typologie näher zu bringen! Wenn ihr der Meinung seid, dass dieses Konzept nicht stimmt – wenn auch nur teilweise – dann seid so gut und erklärt das. Ich will eure Gründe hören. Vielleicht auch nur, um mir ein klein wenig Hoffnungen zu machen, dass ich nicht der einzige bin, der noch versucht, zu tatsächliche Gründe zu liefern.

 

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24 thoughts on “6 Punkte, die für die Typologie sprechen

  1. Puuuhh, das ist wieder was schwer Verdauliches in der Mittagspause 😉
    Punkt zwei: Okay. Und beruht das auf Gegenseitigkeit? Wo hat Dein Verständnis Grenzen? Dies zwei Fragen machen mir am meisten zu schaffen … Und der Gedanke, in wie weit Du Dich selbst damit einengst beim Kontakt zu Deinen Mitmenschen.
    Liebe Grüße!

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    1. Klar doch! Von mir gibt es keinen Milchreis zu erwarten!

      „Beruht das auf Gegenseitigkeit?“ Wenn ich deine Frage richtig verstanden habe, dann nein, leider nicht. Denn ich glaube, dass ich leider viel zu oft der einzige bin (das hört sich jetzt ganz schön überheblich an, das ist mir bewusst), der sich darum bemüht, den Gesprächspartner zu verstehen. Tausche das Wort „verstehen“ mit „analysieren“ aus und es hört sich vielleicht weniger überheblich an. Aber es ist auch nicht schlimm. Wenn man weiß, was der andere will, aber nicht andersherum, kann man die eigenen Ziele besser als die des anderen verkaufen. Oder was meintest du mit Gegenseitigkeit?
      Das hört sich jetzt sehr opportunistisch an, richtig? Klar, will ich nicht abstreiten, aber wenn ich selbst auch darauf achte, anderen nicht so sehr auf den Schlips zu treten, dann hat das ja für beide Seiten einen Vorteil. Ich bin mir zum Beispiel über mein eher schwächer ausgeprägtes „extrovertiertes Fühlen“ klar im Bilde, weshalb ich mir oft zweimal überlege, wie ich Kritik an anderen Personen ausübe, wo ich vorher einfach frei Schnauze gesprochen habe.

      „Wo hat mein Verständnis Grenzen?“ Nur, weil ich die Präferenzen kenne, wie ein Mensch bevorzugt wahrnimmt und urteilt, kenne ich die eigentlichen Motivationen und Einsichten von ihnen immer noch nicht. Ich bleibe mal bei mir als Beispiel: ich denke vorzugsweise analytisch und deduktiv und fälle somit meine Urteile. Aber einige Themen machen mich dann doch wiederum sehr emotional/leidenschaftlich und die Entscheidungen, die ich dann fälle, tanzen etwas aus der Reihe, weil sie „Herz-Entscheidungen“ sind. Typologie ist in gewisser Hinsicht eher so etwas wie Statistik. Man kann von bestimmten Dingen ausgehen, aber man darf nie den Fehler machen, sich darüber sicher zu sein. Auch ich überrasche mich selbst noch. Ich habe also, obwohl ich Leute und mich selbst mittlerweile sehr gut einschätzen kann, immer noch Grenzen und die wird es immer geben, egal, wie viele Theorien aufgestellt werden. Es gibt immer mal wieder Situationen, in denen Regeln nicht gelten oder variiert werden.

      „Wie weit schränke ich mich damit selbst beim Kontakt mit meinen Mitmenschen ein?“ Ich würde ja gerne sagen: überhaupt nicht – und wenn man sich das Ergebnis anschaut, nämlich, dass ich, seit ich mich mit Typologie sehr viel mehr für Menschen interessiere, besonders für jene, die ich zuvor als langweilig und bieder gehalten habe, könnte ich das auch unterstreichen.
      …ich wollte jetzt ein Gegenargument bringen… aber ich muss ganz ehrlich sagen, mir ist keines eingefallen. Wenn ich zum Beispiel weiß: „Vor allem Leute mit dem ESFJ-Typus fühlen sich oft von meinen extremen Aussagen auf den Schlips getreten“, dann versuche ich das manchmal bewusst bei Personen, bei denen ich vermute, dass sie zB ESFJs sein könnten, auszureizen. Ich versuche also ein „nettes Gespräch“ einzuleiten, das langsam immer tiefsinniger wird und sich die Meinungen hinter der Fassade von Freundlichkeit und Etikette immer besser herauskristallisiert. Und am Ende philosophiere ich mit jemandem, der sich normalerweise über das Fernsehprogramm, Ikea und Mode unterhält über Dinge wie den Sinn und Unsinn der Todesstrafe, ob die Welt besser dran wäre, wenn die Hälfte der Menschheit auf einen Schlag umkommen würde und die Grenzen von Satire. Ich habe dann dazugelernt, welche Meinungen die Person zu dem Thema hat und kann in künftigen Internetdiskussionen (http://personalitycafe.com/keirsey-temperament-forums/ zB) den ESFJ-Typ verteidigen, dass er durchaus in der Lage ist, sich auch über „tiefsinnigere“ Themen zu unterhalten. Und mein Gesprächspartner hat Einsichten in meine Einstellungen erhalten und vor allem, sich mal wieder mit anderen Dingen beschäftigt. Ich könnte also nicht sagen, inwiefern mich mein Wissen hier einschränkt.
      Aber vielleicht hast du ja ein konkretes Szenario im Kopf, das mir gerade nur nicht einfällt?

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      1. Nun … Es ist ja kein Geheimnis mehr, dass ich dieser ganzen „Typsache“ eher ablehnend gegenüber stehe. Als Argument, dass man sich selbst besser versteht und die Intention hat, das Beste von sich zu zeigen (natürlich nur, wenn der Gegenüber das verdient), finde ich die Rechtfertigung okay. Ansonsten … nein, mir gefällt es einfach nicht.
        Mit Gegenseitigkeit meine ich, dass ausgeglichene Kommunikation immer von beiden Seiten gewünscht werden sollte, die gesamte Interaktion, Zwischenmenschlichkeit. Was bringt mir das, wenn ich alle zu verstehen meine? Rechtfertige ich nicht auch damit ihr Verhalten, auch wenn es mitunter unsozial und sogar verletzend ist? Verstehst Du, ich will mich einfach nicht als Therapeut der ganzen Menschheit sehen.
        Du schreibst, dass Du im Einschätzen von Menschen Grenzen hast, das gibt mir zu verstehen, dass der theoretische Aspekt eine sehr große Rolle für Dich spielt. Doch die Menschen sind nicht theoretisch.
        Und mit dem Einschränken … Es geht um die Erwartungshaltung. Die hast Du, wenn Du für jeden neuen Kontakt eine Schublade parat hast, so groß sie auch sein möge. Ich könnte mir vorstellen, dass viele diese Erwartungshaltung spüren. Selbst, wenn nicht: Was ist mit selbsterfüllender Prophezeiung?
        Verstehe mich nicht falsch, unsere Meinungen driften da auseinander, was auch gut so ist. Ich habe viel mit Menschen zu tun, und auch viel Erfahrungen mit Tests. Ich mag das einfach nicht mehr. Vielleicht habe ich mir auch meinen eigenen Sensor entwickelt, mag sein. Und das ist im Grunde genommen ja wieder ähnlich 🙂
        Auf weitere Diskussionen, liebe Grüße, Julia

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        1. „Ansonsten … nein, mir gefällt es einfach nicht.“ – Okay, darüber kann man nicht diskutieren 😉
          „Was bringt mir das, wenn ich alle zu verstehen meine?“ – Ich vermute, dass du den Wert, den ich selbst den Schlüssen zuspreche, die ich aus der Typologie ziehe, etwas überschätzt. Ich bilde mir nicht ein, dass ich mein Gegenüber verstehe, ich bilde mir ein, dass die *Wahrscheinlichlichkeit* besteht, mein Gegenüber *besser* zu verstehen.

          „Rechtfertige ich nicht auch damit ihr Verhalten, auch wenn es mitunter unsozial und sogar verletzend ist?“ – Erklären bedeutet nicht zwangsläufig Rechtfertigen. Wenn irgendjemand Amok läuft und Menschen über den Haufen schießt, will man ja auch wissen, was den Menschen dazu bewegt hat, um solche Situationen in Zukunft zu vermeiden. Aber nur weil man hinterher sagt: „Aha, das war rechtsextrem motiviert!“, bedeutet das ja nicht, dass die Tat dadurch weniger schlimm wird. Und um mich mit einem praktischen Beispiel auf die Typologie zu beziehen: nur, weil ich weiß, dass mein autoritäres ESTJ-Gegenüber sehr direkt und barsch ist, heißt das nicht, dass ich ihn nicht auch darauf hinweisen sollte, wenn er über die Stränge schlägt.

          „Du schreibst, dass Du im Einschätzen von Menschen Grenzen hast, das gibt mir zu verstehen, dass der theoretische Aspekt eine sehr große Rolle für Dich spielt.“ – Wie kommst du zu dieser Schlussfolgerung? Hast du im Einschätzen von Menschen etwa keine Grenzen?

          „Es geht um die Erwartungshaltung. Die hast Du, wenn Du für jeden neuen Kontakt eine Schublade parat hast, so groß sie auch sein möge. “ – Tatsächlich bin ich immer sehr vorsichtig damit, Personen bestimmte Funktionen zuzuschreiben. Im Internet sowieso, ich wüsste jetzt zum Beispiel beim besten nicht, wo ich dich einordnen würde. Ich bin mir selbst bei einem langjährigen Freund von mir nicht sicher und versuche dann auch nicht krampfhaft, ihm verschiedene Kategorien zuzuordnen, wenn es nicht sehr eindeutig wird. Eine Freundin habe ich zum Beispiel lange Zeit für eine ESFJ gehalten und später bin ich zum Entschluss gekommen, dass ich mit diesem Tipp total daneben lag und sie viel eher eine INFJ ist. Das kommt zwar nicht häufig vor, aber alleine, dass es vorkommt, sollte eigentlich klar machen, dass ich mich in meinen Urteilen festbeiße.

          „Ich könnte mir vorstellen, dass viele diese Erwartungshaltung spüren. Selbst, wenn nicht: Was ist mit selbsterfüllender Prophezeiung?“ – Ich weiß ganz genau, was du meinst, aber bitte führe diesen Gedanken zu Ende. Beschreibe mir bitte ein Beispielszenario, wie das aussehen könnte, denn mir fällt kein realistisches ein.

          „Ich habe viel mit Menschen zu tun, und auch viel Erfahrungen mit Tests. Ich mag das einfach nicht mehr.“ – Ich habe als Pädagoge auch viel mit Menschen zu tun und ebenfalls viele Erfahrungen mit Tests, die ich auch einfach nicht mehr mag. Typologie ist aber in erster Linie kein Test, sondern viel mehr ein philosophisches Konzept. Man kann Tests dazu machen, ja, aber die funktionieren nur, wenn sowohl Tester als auch die zu testende Person Zeit und vor allem Ersterer Aufwand investieren. Oder aber man versucht eben das Konzept zu verstehen.

          Auf weitere Diskussionen immer wieder gerne!

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          1. Okay, weiter geht’s 😉
            Wie jetzt, wenn Dir jemand sagt, es gefällt ihm nicht, wird nicht weiter diskutiert? Also sowas.
            Im Großen und Ganzen ist mir das einfach zu viel Theorie. Auch Du bist sehr theoretisch, was eine völlig wertfreie Anmerkung ist. Zu der komme ich unter anderem, weil Du z.B. das, was ich sage, versuchst anzuordnen, als wären es ein verschlüsselter Code. Es ist aber ein Gesamtkonzept. Schon klar, zitieren und aufschlüsseln ist ein wichtiger Punkt beim Diskutieren, in diesem Maße habe ich dennoch das Gefühl, es schränkt uns dahingehend ein, uns auf den anderen einzulassen. Die Emotionalität fehlt, schließlich reden wir hier über die Menschen, und das, was zwischen ihnen steht. Das Komplexeste, was das Leben zu bieten hat.
            Grenzen … Natürlich gibt es die. Ich bin jedoch noch nie auf die Idee gekommen, sie als solche zu sehen oder zu benennen. Wie komme ich denn dazu? Wenn ich hier mal einen Menschen zitieren darf, den ich sehr, sehr schätze: „Wir müssen uns im Klaren sein, dass im Kopf unseres Gegenübers ein Unsiversum herrscht, genauso wie in unserem selbst.“ Ein Universum hat keine Grenzen. Und wenn es der Mensch haben würde, und das, was sein Bewusstsein ausmacht, würde das mir sehr zu denken geben. Das wäre wirklich schlimm. Warum also nach Grenzen tasten?
            Was ich eher meinte, war das emotinale Einlassen auf die Menschen, die einen umgeben. Ich mache Persönlichkeiten und Sympathien, die ich hege, nicht danach aus, wie gut ich mit jemandem Fakten zusammentragen oder diskutieren kann, sondern wie er mich berührt, bildlich gesprochen.
            Du kannst mich nicht einordnen … Das sagt alles aus, was mir wichtig ist. Ich will nicht eingeordnet werden! Ich will als Mensch wahrgenommen werden, als Individuum mit all meinen Stärken und Schwächen, Spleens und Macken. Ich erlaube mir hier eine gewissen Blauäugigkeit, wenn ich sage, ich gehe immer offen auf Menschen zu, weil ich davon ausgehe, das zurückzubekommen, was ich bereit bin zu geben. Das ist meine Erwartungshaltung. Wenn ich merken würde, da versucht mich einer „einzuordnen“, wäre ich ganz schnell weg. Ich mache mir Sorgen um die Intention dahinter 🙂
            Und jetzt überlege ich, ob ich das hier losschicken soll …
            Puh, reicht erst mal für sieben Uhr morgens.
            Liebe Grüße!

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            1. „Wie jetzt, wenn Dir jemand sagt, es gefällt ihm nicht, wird nicht weiter diskutiert? Also sowas.“ – Aaah, nein! Damit wollte ich nur deutlich machen, dass ich dazu gezwungen bin, deine subjektive Ablehnung einfach zu akzeptieren und man darüber eben nicht diskutieren sollte. So etwas habe ich damals oft genug versucht und bin den Leuten dabei sowas von auf den Schlips getreten (diese Erkenntnis hat nichts mit der Typologie zu tun) 😉

              „Zu der komme ich unter anderem, weil Du z.B. das, was ich sage, versuchst anzuordnen, als wären es ein verschlüsselter Code.“ – Dass ich zitiere und auf einzelne Sätze antworte liegt eigentlich nur daran, dass langsam recht viele Argumente aufgeführt werden und ich auf möglichst jeden deiner Punkte auch eingehen will. Es käme mir respektlos dir gegenüber vor, würde ich das nicht tun. Aber ich habe den Eindruck, dass dir das Zitieren, wie ich es hier betreibe eher unangenehm ist, deshalb lasse ich das weg.

              Hast du das Gefühl, ich würde mich nicht auf dich einlassen? Aber ich gehe doch wie gesagt auf jeden deiner Punkte ein 😛
              Naja, jedenfalls finde ich, dass der Unterschied ob man in einer Diskussion emotional wird, gleichzeitig der ist, ob man diskutiert oder streitet. Und gerade wenn man über so pikante Dinge spricht, vermeide ich es, Emotionalität in die Diskussion mit einzubringen.

              Ich taste nicht nach den Grenzen des „Objekts“, um mich hier psychologisch korrekt auszudrücken, sondern viel mehr nach meinen eigenen Grenzen der Wahrnehmung. Und ich denke da schadet es niemanden, stets die eigenen Grenzen auszuloten und gegebenen Falles zu erweitern. Und was das Universum im Kopf des Gegenübers angeht, ich würde das Zitat so unterstreichen! Ich unterstreiche aber auch die Aussage, die ich schon an vielen Stellen gemacht habe, dass die Typologie nur Facetten der Persönlichkeit abdeckt. Als Musiker, lass es mich mit einem Beispiel erklären: Geigenbau.

              Wenn man einem Kenner eine Geige in die Hand gibt, wird er schon sagen können, welche bestimmten Klangcharakteristiken sie wahrscheinlich haben wird. Das kann er vor allem dann tun, wenn er erkennt, aus welchem Holz die Geige geschnitzt ist, was mit einem geschulten Auge durchaus möglich ist: ich habe keine Ahnung von Geigen und welche Hölzer da verwendet werden, aber als Bassist weiß ich, dass Ahorn zB sehr direkt anspricht und einen harten, klaren Klang hat, Mahagoni hingegen eher warm, rund und dunkel klingt. Der Geigenkenner könnte vielleicht auch noch ein paar weitere Dinge über die Geige und ihren Klang ausdrücken, aber alleine vom Betrachten würde er niemals, nie, nie, nie wissen können, wie sie sich letztlich wirklich anhören wird. Dazu ist das Instrument einfach zu komplex. Ich nenne nur ein Beispiel, weil ich niemanden mit Instrumentenfachkunde langweilen will, aber da gäbe es den Faserverlauf des Holzes. Okay, dann ist die Geige also aus diesem Holz. Das sagt mir ein paar Klangeigenschaften, aber selbst, wenn du mehrere Geigen aus dem selben Holz baust, wird sich jede anders anhören. Selbst, wenn sie alle vom selben Baum kommen! Denn der Faserverlauf wird bei jeder anders sein.
              Genau so ist es mit der Typologie. Man kann erkennen, welche Funktion denn benutzt wird, wenn man erfahren genug daran ist, sie zu erkennen. Man darf und sollte aber sich immer wieder auf neue Erkenntnisse des *Individuums* einlassen, um zu erkennen, wie vielfältig, überraschend und komplex der Charakter des Gegenübers ist. Er besteht aus viel mehr als nur aus verschieden angereihten Funktionen.

              Betrachten wir mich mal. Wenn du mich so in der Diskussion erlebst, kannst du dir dabei vorstellen, ob ich tendenziell eher Urteile mit dem Kopf oder aus dem Bauch heraus treffe? Ob ich eher ein Denker oder ein Fühler bin? Auch, wenn du gegen ein „Einordnen“ bist, hast du mich in der Hinsicht nicht vielleicht schon eingeordnet? Das heißt ja nicht, dass ich nicht für Entschlüsse aus dem Bauchgefühl fähig bin oder nicht in der Lage bin, emotional zu werden. Es heißt nicht umsonst Tendenz.
              Andere Frage: glaubst du, ich nehme, weil ich versuche, meine Theorie über die Typologie im Alltag anzuwenden, meine Mitmenschen nicht mehr als Individuen mit Stärken/Schwächen, Ticks und Macken wahr?

              „Ich erlaube mir hier eine gewissen Blauäugigkeit, wenn ich sage, ich gehe immer offen auf Menschen zu, weil ich davon ausgehe, das zurückzubekommen, was ich bereit bin zu geben.“ – Sorry, hier musste ich zitieren: ich verstehe nicht, inwiefern sich das ändert, wenn man eine Vermutung bzgl des Typs des Gegenübers hat. Nehmen wir mal an, ich habe einen neuen Arbeitskollegen und er hält bei einer Feier, auf der wir uns das erste Mal begegnen eine Rede. Er springt dabei die ganze Zeit von Thema zu Thema und man merkt, dass es ihm sehr wichtig ist, die Dinge von verschiedenen Blickpunkten aus zu betrachten. Du und ich, wir beide würden in diesem Fall diese Beobachtung machen! Der Unterschied wäre, dass ich dazu sagen würde: „Ich glaube, er hat ein recht stark ausgeprägtes extrovertiertes Intuieren“. Wir hätten den selben Input bekommen, wir hätten ihn nur möglicherweise A) anders interpretiert und B) ich benenne ihn. Wenn jemand sich die ganze Zeit verhaspelt und in seinen Unterlagen durchwühlt, dann würde dir doch auch das Wort: „zerstreut“ durch den Kopf gehen. Was ist so schlimm an „extrovertiertes Intuieren“? Bilden wir uns doch nichts ein. Jeder von uns, ordnet permanent seine Mitmenschen ein. Bei einigen ist das ein eher unterbewusster Vorgang, bei anderen etwas aktiver. Selbst, wenn man sagt: „Ja, aber jeder einzelne Mensch bekommt bei mir eine einzelne Schublade! Ich rede mit Sam, also ist das die Sam-Schublade, weil er nirgendwo sonst hineinpasst!“
              Ja… ich passe nirgendwo hinein, nicht mal in eine Sam-Schublade. Das ist alles andersherum. Die INTP-Schublade passt in mich. Und deckt einen winzigen Bruchteil meiner selbst ein. Wenn man weiß, dass ich ein INTP bin, dann kann man mich hier und dort *besser* verstehen. Aber man sollte sich nicht erdreisten zu behaupten, dass man mich versteht. Das tue ich ja selbst nicht. Die Funktionen werden in Schubladen gesteckt.

              Ich bin froh, dass du das losgeschickt hast. Auch, wenn es anstrengend für dich sein sollte, ich finde es sehr anregend, mit dir darüber zu schreiben und bin dir auch sehr dankbar dafür, weil ich dadurch etwas mehr in der Lage bin, das Typologie-Konzept von einem noch kritischeren Standpunkt aus zu betrachten.

              Eine Sache noch zum Schluss. Hätte eigentlich auch hier und dort in den obigen Text gepasst, aber ich will, dass es hier unten steht 🙂
              Ich habe gestern Nacht noch den INTP-Beitrag gepostet, also den Beitrag über meinen Typ. Ich fände es sehr interessant zu wissen, was du darüber denkst, nicht zuletzt, aber besonders, weil ich die Vermutung habe, dass du dich während unserer Diskussion teilweise mehr oder zumindest genau so etwas an meiner Art kratzt, als an der Theorie an sich. Du kannst mir ja mitteilen, ob dir da gewisse Dinge beim Lesen des Beitrages auffallen. Und, ob ich selbst hinterher mehr Sinn für dich ergebe 😉

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              1. Also bei der Geige musste ich lachen. Ich kenne wirklich niemanden, der Mensch und Geige vergleicht.
                Diskutieren ohne Emotionen. Kann ich nicht, Punkt. Nicht bei einem Thema, bei dem es um menschliche Interaktion und ihre Psychologie dahinter geht. Warum sollte ich auch? Ich bin ja direkt betroffen. Und Du auch.
                Dass Du Dich nicht einlässt, habe ich nicht gesagt. Ich habe nur den Eindruck, dass man Theorien, so wie Du sie hier benennst, gern als Schutzschilder anwenden kann. Zu dünnes Eis?
                Ich mag lieber den Menschen ganz, ohne Schilder. Sicher, funktioniert nicht gleich zu Beginn und auch nicht bei flüchtigen Kontakten, aber … Du verstehst, was ich meine, oder? Ich würde … puh, wie formulieren … nicht dazu raten, sich hinter Theorien über die Menschen zu verstecken.
                Weißt Du, nehmen wir mal diese 16 Gruppen, werfen wir sie in einen Topf und rühren. Diese Suppe, die klebt an jedem von uns, mal weniger und mal mehr stark. Ich lasse mich von dem Geschmack überraschen, und Du möchtest gern das Rezept rauskriegen, das Rezept jedes Einzelnen. Ist das korrekt? Dann einigen wir uns darauf 😉
                Oh, diesen letzten Post … das ist mir echt zu lang. So viele Worte über einen Typ Mensch. Hm. Impulsiv würde ich Dir widersprechen, ich kratze mich an Klugscheißern, Besserwissern, Ignoranten und Selbstgefälligen, würde Dich aber da nirgends sehen. Es ist wahrhaftig die Theorie, lieber Sam.
                Und das mit dem Sinn … Also Du wieder. Der Mensch muss Sinn machen. Also damit weiß ich nichts anzufangen. Echt nicht.
                😉

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                1. Ich bin eben originell 🙂
                  Manchmal werden Dinge durch Vergleiche einfach ein bisschen besser verständlich, weil sich beide Gesprächspartner ein neues Bild ansehen und versuchen mit dem eigentlichen Thema in Relation zu setzen. So kann man ganz gut auf einen gemeinsamen Nenner kommen.

                  Was die Emotionen angeht, habe ich ein weiteres gutes Beispiel. Hätte ich mich *nicht* mit dem Thema Typologie auseinander gesetzt, hätte ich dich jetzt überhaupt nicht nachvollziehen können. Dass man die Emotionen beim Diskutieren nicht unterdrücken kann – es ist ja kein persönlicher Angriff. Ich hätte möglicherweise sogar Gedanken gehabt, wie „Klar geht das, man muss sich nur zusammenreißen!“. Mit dem Wissen, dass dafür das Fühlen unterdrückt werden muss und es viele Menschen gibt, die jenes eben stärker ausgeprägt haben, habe ich dafür Verständnis. Und es geht ja auch andersherum: der eine kann das Fühlen nur mit Mühe und Not unterdrücken, ich eben das Analysieren. Das eine hat nicht mehr Daseinsberechtigung als das andere. Da kommen wir schon zu deinem nächsten Punkt: ja, es sollte nie als Schutzschild verwendet werden. Aber machst du das nicht gerade in gewisser Hinsicht selbst? Das soll jetzt nicht wertend klingen, ich habe damit gar kein Problem, aber indem du sagst: „Ich lasse mich von dem Geschmack überraschen, und Du möchtest gern das Rezept rauskriegen, das Rezept jedes Einzelnen“, was man, nebenbei bemerkt, tatsächlich so stehen lassen kann, hast du uns beiden doch auch schon ein Etikett verpasst oder nicht? „Ich bin so, du bist so.“
                  Manchmal stimmt das, manchmal nicht, in diesem Fall eben schon.

                  Ich wage zu behaupten, dass wir alle, ständig am „typisieren“ sind. Blödes Wort. Aber du verstehst schon. Wir sind wie zwei Menschen, die sich Musik anhören (ich mit meinen albernen Beispielen… aber Musik finde ich da sehr schön eigentlich): ich bin der Musikkritiker, der hinterher eine Rezi fürs Magazin schreibt, du bist diejenige, welche die selbe CD sich um ihrer selbst anhört, weil sie eben zufälligerweise auf sie gestoßen ist. Sei es, weil sie im Angebot war, geschenkt wurde, etc. Wir hören uns also beide die CD an. Während ich eifrig am Tippen bin, jedes Instrument raushöre, versuche, die Texte zu analysieren und die Soundqualität beurteile, hörst du einfach nur zu, schließt die Augen und lässt dich auf den Gesamtkontext ein. Am Ende schreibe ich meinen Text fertig. Habe dem Leser die Musik so gut wie möglich beschrieben und doch ist mir klar – tausend Worte können nicht beschreiben, wie sich die CD denn nun tatsächlich angehört hat. Ich kann nur Bruchstücke der Musik beschreiben, nicht jeden einzelnen Ton. Am Ende komme ich zu meiner Konklusio: Die CD ist wundervoll, denn die Lieder berühren, auch, wenn sie schlecht abgemischt und sich teilweise zu ähnlich sind. Ich habe keine Ahnung, was die Texte ausdrücken sollen, aber der melancholische Charakter erfasst mich als Hörer dennoch. Und auch du hast hinterher eine Meinung über die CD, ob du nun willst oder nicht. Vielleicht sagst du: „Okay, ich muss sie mir nochmal anhören“, aber früher oder später kannst du zumindest sagen, ob du sie magst oder nicht. Vielleicht begründest du das, vielleicht auch nicht. Niemand zwingt dich dazu, du schreibst keine Rezension, aber möglicherweise fällt dir auch der melancholische Charakter auf. Möglicherweise bist du der Meinung, dass es sich bei den Texten um das eine Thema handelt, möglicherweise um das andere, möglicherweise, hast du wie ich keine Ahnung. Wir können zum selben Schluss kommen oder auch nicht, da Musik subjektiv ist. Aber es wäre nicht verwunderlich, wenn wir in bestimmten Bereichen zu ähnlichen kommen („Die Lieder hören sich ähnlich an“, „Der Bass ist verdammt interessant“, „Es steht vor allem der Gesang und das Klavier im Vordergrund“) – sonst hätten Musikrezensionen ja auch keine Daseinsberechtigung.

                  Wie, du liest den Text nicht? 😦
                  Ich muss gestehen, ich habe ihn unter anderem wegen dir etwas länger verfasst, weil es mir wichtig war, dass du eine Möglichkeit hast, mich in der Hinsicht einfach besser zu verstehen. Aber ich fürchte, wenn ich ihn so lange lasse, wird ihn tatsächlich niemand lesen. Wenn ich ihn, sagen wir, um ein Drittel kürze, wie sähe es dann aus?

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                  1. Jetzt fühle ich mich geehrt. Natürlich habe ich ihn gelesen, aber nur, weil Du ihn nochmal erwähntest. Sonst finde ich ihn einfach zu lang. Mir erschließt sich der Sinn darin nicht, tausende von Wörtern für eine Beschreibung. .. Lassen wir das. Aber ja, kürzen würde ich gut finden. Ich weiß nicht, ob es mir zusteht, so etwas zu sagen, schließlich brennst Du für dieses Thema und hast besonders Dich selbst im letzten Beitrag gesucht. Ich bin jetzt mal etwas forsch: Ich könnte mir vorstellen, dass Du auf der Suche nach Dir als Persönlichkeit warst, auf der Suche nach Antworten auf Fragen, die sich besonders im Zwischenspiel mit anderen Menschen aufgetan haben. Dadurch, dass Du andere … einordnest, reflektierst Du Dich selbst. Das ist ein ehrenwertes Motiv.
                    Allgemein finde ich, musst Du Dich nicht rechtfertigen oder erklären. Größtenteils verstehe ich Dein Anliegen. Ich möchte es nur eben nicht für mich.
                    Na ja, Du nennst es Etikett, ich nenne es Beobachtung. Ich maße mir mal an, mir dabei relativ sicher zu sein. Und durch meine Nachfrage habe ich ja deutlich gemacht, dass es kein Stempel ist.
                    Interessant, das mit dem Zusammenreißen. Das hätte mir besser gefallen. Seltsam, oder?
                    Ich hätte noch zwei Fragen : inwieweit spielt die Erziehung in Deiner Typologie eine Rolle?
                    Und: Wen unterrichtest Du? Also welche Altersklasse?

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                    1. Schön, dass du dich doch noch dazu durchgerungen hast. Und ich fürchte, ich muss ihn wohl tatsächlich noch sehr stark kürzen. Ich habe ja auch nichts davon, wenn er so lange ist, wie ich es gerne hätte, ihn aber gerade deswegen niemand liest. Ich mache das ja vor allem, um anderen die Typen zu erklären.

                      Ich finde deine Vermutung überhaupt nicht forsch. Ich kam ständig mit Leuten in Konflikte, bzw sehr häufig waren Leute mir gegenüber eingeschnappt, fühlten sich angegriffen, beleidigt, etc, obwohl das nie meine Absicht war. Mich hat das sehr frustriert und ich habe mir echt Sorgen gemacht, ob ich nicht vielleicht tatsächlich ein schlechter Mensch wäre. Habe versucht, mich zu verstellen, aber das löste das Problem nicht, sondern verschärfte es nur noch, weil ich mich dann selbst nicht mal mehr leiden konnte. Bei der Typologie habe ich dann mögliche Antworten gefunden (gerade das Konzept des „extrovertierten Fühlens“ hat mir wahnsinnig geholfen!), die ich versuchte in die Praxis umzusetzen. Und es hat funktioniert. Ich habe einfach darauf geachtet, vor allem das FE bei entsprechenden Personen zu berücksichtigen und die Kommunikation ging viel leichter, ungezwungener. Und das Beste war, ich musste mich dafür nicht einmal verstellen. Ich habe nur angefangen, bestimmte Formulierungen zu vermeiden, mehr auf Zwischenmenschlichkeit zu achten, mehr auf die Gefühle anderer. Es ist schon ein wenig traurig, dass ich das dafür benötigt habe, aber hey, was soll’s, es hat geholfen. Und vor allem war das für mich ein Punkt, an dem ich sagen konnte: „Ich bin okay, so, wie ich bin. Ich habe meine Schwächen und Macken und sollte darauf achten, aber das kann ich auch jetzt bewusster und zielgerichteter tun.“

                      Also: du hast vollkommen Recht. Nicht umsonst ist das Spiegeln in der Pädagogik so eine erfolgreiche Technik.

                      Dass du es besser gefunden hättest, wenn ich das mit dem Zusammenreißen gesagt hätte, finde ich ja sehr interessant. Ich hätte das als ein durch die Blume gesagtes: „Mensch, bist du einfach nur zu faul oder zu blöd dafür?“, bzw ein „Ja, wir sind alle anders, aber DAS kann doch JEDER!“ empfunden. Und solche Meinungen habe ich ja zum Glück auch gar nicht mehr. Aber wahrscheinlich ging es dir vor allem darum, meine emotionale, meine „menschliche“ etwas herauszukitzeln. Denn Gefühle gehören zum Menschen genau so wie Gedankengänge. Zum Teil verberge ich meine Gefühle sogar soweit, dass ich sie manchmal gar nicht richtig wahrnehme, aber zu meiner Achillesverse steht ja im Beitrag mehr als genug.

                      Ich beantworte mal zunächst die Altersfrage. Je nach Kind, manche sind eben schon weiter als andere, schon ab 6 Jahren. Aber auch Jugendliche, junge Erwachsene, Erwachsene und Senioren. Kurz, eigentlich fast jede Altersklasse.

                      Bei Kindern nehme ich das Thema nicht ganz so ernst, da sich im Kindesalter oft erst noch herauskristallisieren muss (für das Kind selbst), welche Funktionen denn bevorzugt werden. Aber auch sonst bin ich da sehr vorsichtig, da die Unterrichtssituation Menschen nur von bestimmter Perspektive zeigt, während andere Facetten verschlossen bleiben, beim einen mehr als beim anderen.
                      Jedoch gibt es einige Dinge in der Typologie, die mir auch sehr beim unterrichten helfen: Intuitive Menschen und Empfindende Menschen haben einen völlig anderen Lernstil. Während Empfinder vor allem gut auswendig lernen können und weniger Probleme mit Routine haben, fällt es ihnen oft schwer, Konzepte und Theorien zu erfassen. Bei Intuitiven ist es genau andersherum, weshalb ich mit ihnen eher freie Liedbegleitung und Improvisation angehe, anstatt akribisches Lernen nach Noten. Wobei ich immer darauf achte, dass es einigermaßen ausgewogen ist. Immerhin sollte man sich nie einseitig entwickeln. Stärken gilt es aber konkret herauszuarbeiten und so haben die Schüler auch mehr Spaß an der Sache.
                      Es gibt natürlich auch Empfinder, die gerne mal ein Lied frei begleiten wollen und andersherum Intuitive, die ein Lied ganz wie im Original Note für Note spielen wollen. Aber auch da ist es hilfreich, die Präferenzen zu kennen. Empfinder arbeiten dann zB gut mit Beispielen und einigen vorgefertigten „Begleit-Schablonen“, mit Intuitiven konzentriere ich mich beim Notenspiel dann zB auch auf den Ausdruck, der wieder viel unabhängiger zu interpretieren ist.

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                    2. Erstmal viele Dank für Deine Offenheit, das ist nicht selbstverständlich.
                      Nun, unter diesen Gesichtspunkten stellt sich diese gnaze Sache tatsächlich etwas verändert dar. Und du hast recht: Ich wollte da etwas „herauskitzeln“. Jeder bringt halt was mit, hm? Im Optimum jeder die Hälfte, auch wenn es zwischendurch immer mal etwas wanken kann.
                      So lange Du nicht das Gefühl hast, Dich zu verstellen, ist ja an der Sache nichts auszusetzen, ein Therapeut würde an dieser Stelle jedoch sehr wahrscheinlich notieren: Sozialverhalten stark kognitiv gesteuert. Auch das ist völlig wertfrei, weil allgemein 😉
                      In wie weit gehst Du denn auf die Menschen zu und forderst das ein, was Du auch ihnen zugestehst: Nämlich Kenntnissnahme und Toleranz sowie Akzeptanz ihrer individuellen „Bestandteile“? Ich hätte an dieser Stelle große Bedenken, dass dieser Part zu klein ist.

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                    3. Wenn ich nicht offen wäre, würde es wahrscheinlich keinen Sinn machen, über dieses Thema zu diskutieren.

                      Der Therapeut dürfte das gerne notieren und wenn er mir das sagen würde, wäre ich damit auch zufrieden: ich finde nicht, dass daran etwas auszusetzen ist, wenn Sozialverhalten stark kognitiv gesteuert wird, sofern Zuneigung und Interesse am Gegenüber nicht nur vorgeheuchelt ist, sondern authentisch und aufrichtig ist. Meiner Meinung nach verhindert so ein Verhalten auch Konflikte.

                      Ich verstehe deine Frage ehrlich gesagt nicht richtig. Nur, dass wir hier nicht aneinander vorbei sprechen: meinst du damit die Frage, wie sehr ich von Menschen Selbstreflektion verlange? Also, dass sie sich selbst vor Augen halten, weshalb sie so und so handeln? Oder wie kann ich das verstehen?

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                    4. Na, dann ist ja gut 😉
                      Hm, eher die Variabel, die sie zur Gleichung beisteuern sollten. Sonst gehst Du ja nur umher und verstehst und wirst nicht verstanden. Mir ist der Aspekt der Ausnutzung zu groß, verstehst Du? Dadurch, dass Du viel hinterfragst (wenn auch unhörbar), bist Du ja oft eine Stütze für Deinen Gegenüber. Wieso sollte er sich nicht anlehnen, anlehnen und anlehnen? Der Mensch ist gern bequem, ganz besonders, wenn es darum geht, sich mit sich selbst auseinanderzusetzen. Und wieso sollte er das tun, wenn Du es ihm so gut abnimmst?
                      Ich weiß, in erster Linie ging und geht es Dir um die Kommunikationsfähigkeiten und die Technik, die helfen kann, diese zu verbessern. Das heißt aber nicht, dass alle so reflektiert und sozioemotional-engagiert durchs Leben gehen. Da habe ich Bedenken, dass Du selbst zu kurz kommst. Ich schätze, da muss man vorsichtig sein. Und wachsam. Moment mal, ich bin doch hier Diejenige, die immer vom Guten im Menschen ausgeht! 😉

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                    5. Achso. Ja, das Problem habe ich in der Tat, aber das liegt auch daran, dass es verhältnismäßig wenige Personen von meinem Typ gibt. Dass ich nicht verstanden werde, bzw wenige Personen daran Interesse hegen, mich verstehen zu wollen, bin ich gewohnt. Viele Menschen, insbesondere FJ-Typen gehen einfach von gewissen Grundmustern aus, die ihrer Auffassung nach von allen Menschen zu erwarten sind, wie zB sich ordentlich zu begrüßen, nicht zu direkt sein, dem anderen stets Vortritt lassen, etc. . Dass ich da anders bin, wird einfach nicht akzeptiert und bei den Beispielen als asozial abgestempelt (was nicht heißt, dass ich anderen nicht den Vortritt lassen würde, aber ich habe daraus kein Prinzip gemacht). Ich versuche gerade in solchen Situationen mein Gegenüber zu analysieren, um mein Verhalten aus anderer Sicht zu erklären. Ja, das ist einseitig. Aber meine Güte, was will ich tun? Mich verbittert von der Gesellschaft abwenden? Mich nur mit Gleichgesinnten einlassen? Da kann ich aber lange suchen. Außerdem wäre das auf Dauer langweilig.

                      Nein, ich bin in der Hinsicht ein naiver Idealist, wobei ich hier gerne „ausgenutzt“ werde: wenn ich anderen Menschen helfe, sich selbst besser zu verstehen, dann ist das meiner Meinung nach auch das Opfer wert. Ich bin nämlich der Überzeugung dass – ganz allgemein und global – Konflikte oft gerade dadurch entstehen, weil man sich selbst nicht gut genug kennt. Außerdem ist es wirklich nicht so, dass sich zig Leute um mich herum versammeln und mich darum bitten, ihnen mehr von ihnen zu erzählen. Dazu bin ich ihnen auf Dauer doch wieder zu direkt und mache keinen Unterschied zwischen negativen und positiven Eigenschaften, was wieder sauer aufstößt.

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                    6. Das mit der Konfliktentstehung unterstreiche ich sofort!
                      Achso, dann bist Du ein unverbesserlicher Weltretter? 😉 Nichts daran auszusetzen. Aber Ausnutzung finde ich nunmal schade. Ich denke tatsächlich, dass es Menschen von Deinem Schlag schwerer haben, und die Ablösung der Gesellschaft mit ihrem ganzen hässlichen Rattenschwanz ist ein Risiko, welches für sie höher sein dürfte.
                      Ich finde es schön, dass wir doch einige gemeinsame Dinge gefunden haben. Und nein, das soll nicht bedeuten, dass ich konfliktscheu bin 😉 Naja, vielleicht ein bisschen …
                      Was macht das Gammeln und Nicht-Denken?

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                    7. Ich hoffe, ich bin verbesserlich und die Welt werde ich nie retten, aber ich kann meinen Teil dazu beitragen, ihren Untergang etwas zu entschleunigen.
                      Das Nicht-Denken hat ansatzweise funktioniert. Das Gammeln nicht so sehr. Habe ein Fahrrad abgeholt, bin 10 km damit nach Hause gefahren, 111 Meter NUR bergauf. Das war die schlimmste Fahrradfahrt, die ich je hatte…

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  2. Also für mich ist das so:
    1. Deine (jaja, ist nicht in dem Sinne „Deine“, aber Du weißt schon …) Typologie ist mir nach wie vor zu kompliziert – 16 Typen aus einer Kombi von vier Funktionen. Hm. Da ist mir die frühere Säfte-Lehre lieber, ein Choleriker und Melancholiker, da kann ich was mit anfangen 🙂
    2. Ich finde Deine Typologie sehr spannend.
    3. Dennoch nehme ich mir offenbar nicht die Zeit, mich da ein wenig einzuarbeiten. Offenbar sträubt sich etwa in mir.
    4. Was sträubt sich? Ich habe nichts gegen Einteilungen und Charakterologie. Vielleicht isses eher so, wie bei diesen Mentalist-und-Co-Ermittlern, die Dir in die Seele sehen. Wäre schon toll, funktioniert aber nicht wirklich so im richigen Leben.
    5. Oder doch?
    6. Ich glaube, letztendlich sträube ich mich gegen die Fixierung auf einen bestimmten Weg. Ein Psychoanalytiker und ein Verhaltenstherapeut – die kommen nie zusammen und denken von ihrer Weisheit als die einzige. Ein NLP-Jünger wird nichts anderes machen. Ein indischer Yogi wird nicht pötzlich esoterische Phantasiereisen mitmachen. Für mich macht es erst die Kombi von allem, bzw. noch nicht mal das, sondern letztlich meine eigene Wahrnehmung, Offenheit oder eben Geschlossenheit einem anderen Menschen gegenüber. Einfühlung, Gesunder Menschenverstand, Empathie, Mitleben – was auch immer. Dafür sind therapeutische Formen für mich ein wunderbares Hilfsmittel, auch Typologien.
    7. Konklusio: Ich finde Deine Typologie sehr spannend, aber letzlich scheint sie mir nicht nützlich/wichtig genug, als dass ich Arbeit in sie investieren würde.
    8. Ich finde es großartig, dass Du darüber schreibst 🙂

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    1. 1.) Von der Säfte-Theorie halte ich wiederum nichts, weil sie auf eine zu simple Art verallgemeinert 🙂 Wenn man sich schon erdreistet, Bereiche der Persönlichkeit in Kategorien zu unterteilen, dann muss es meiner Meinung nach komplex sein.
      2.) Das freut mich. Ich auch!
      3.) War bei mir zunächst auch so. Ich bin anfangs auf Online-MBTI-Tests gestoßen. Als ich gelesen habe, dass da noch viel mehr dahinter steckt, habe ich zuerst auch gedacht: „Ach nee, lasst mich damit in Ruhe. Vier Präferenzen, damit komme ich noch klar, aber dann auch noch diese spezielle Reihenfolge und vier mal zwei Funktionen? Das ist mir zu viel.“
      Aber ich bin dran geblieben. Kann jedoch niemanden verurteilen, der das nicht tut. Allerdings erschließt sich vieles später von selbst! Es ist nicht so kompliziert, wie es zunächst wirkt.
      4.) Mentalist-und-Co-Ermittler benutzen hauptsächlich eine Technik, die sich Cold-Reading nennt. Auch sehr interessant, auch Wahrsager benutzen das. Bin am überlegen auch darüber mal zu schreiben. Das funktioniert tatsächlich! Aber nicht so, wie man es sich vorstellt.
      5.) Doch, funktioniert, aber war ja klar, dass ich das sage oder? Einige Leute haben mir schon gesagt, dass sie es unheimlich finden, dass ich nach bestimmten Gesprächen so viel über sie weiß. Man könnte das auch anderen Eigenschaften zuschreiben, aber ich bin wirklich nicht das Paradebeispiel für einen empathischen Menschen. Und eigentlich kann ich es hier sowieso nicht als Argument bringen, was andere Leute angeblich zu mir gesagt haben, oder? Naja. Entweder man glaubt mir oder nicht, aber am besten ist es immer, die Erfahrung selbst zu machen.
      6.) Kann ich so nicht unterstreichen, also, dass sich alles gegenseitig ausschließt. Aber ja, ich gehöre in gewisser Hinsicht auch zu den Sturköpfen, die sich ziemlich sicher sind, zumindest Teile der Wahrheit entdeckt zu haben.
      7.) Dann freut es mich, dich damit immerhin unterhalten zu können 😉
      8.) Das freut mich ebenfalls zu hören und motiviert mich, damit weiterzumachen, auch, wenn ich bislang noch niemanden überzeugen konnte 😛

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  3. Hi,

    ich hab mir gerade tatsächlich eure komplette Diskussion durchgelesen. Ein typischer NF-NT-Fight? 😉

    @Sam: Durch die Überschrift „Rechtfertigungen“ wirkt der ganze Artikel bzw. die Typologie von Anfang an sehr in die Defensive gedrängt. Eventuell ist das taktisch nicht so klug. Allein vom Bauchgefühl wird das Defensive oft als „schwach“ empfunden, sodass du vermutlich eher auf Ablehnung stoßen wirst (die dadurch nämlich gestärkt wird), wie die bisherigen Kommentare ja auch bestätigen. Inhaltlich kann ich dir aber voll und ganz zustimmen. Habe mir auch gerade deinen INTP-Artikel durchgelesen und fand nicht, dass er gekürzt werden müsste. (Ich würde mich selbst ebenfalls als INTP einordnen – von daher fand ich ihn auch nicht langweilig.)

    Zu Punkt 2. Ich habe von dieser Typologie im Rahmen eines „Karrieremanagement und Mitarbeiterführung“-Seminars erfahren. Offiziell ist der MBTI nicht oft in Verwendung, inoffiziell hingegen schon. Es gibt auch viele interessante Statistiken. Feeling-Typen kommen z.B. fast nie in die obere Unternehmensführung, weil sie zu zartfühlend und irrational („weich und schwach“) sind, was nun mal in bestimmten Kreisen nicht gern gesehen wird. (Angela Merkel ist z.B. auch ganz klar hart T (und J), sonst hätte sie es vermutlich auch nicht zur Bundeskanzlerin geschafft. Gleichzeitig wird ihre Thinking-Präferenz an ihr aber auch häufig kritisiert, denn von Frauen wird gewöhnlich eine Feeling-Präferenz erwartet.) Menschen mit starker P-Ausprägung kommen für gewöhnlich auch nicht in die obersten Karriereetagen, weil sie zu chaotisch sind bzw. zu sehr Anarchismus von sich ausstrahlen, und auch Unentschiedenheit wird oft als Schwäche gesehen und ist eben kein „Alphatierverhalten“. Am meisten Geld verdienen daher (statistisch gesehen) ENTJs und ESTJs.

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    1. Hi Christian!
      Ist gut möglich, wobei ich mich bei Julia mit vagen Vermutungen definitiv zurückhalten werde. Ich befürchte, wenn ich jetzt sagen würde: „Anhand deiner Aussage soundso bist du dieser Typ!“, wäre ich bei ihr unten durch 😉
      Aber ja, ich hatte schon eine ähnliche Diskussion mit einem ENFP (der, nachdem ich ihn mit meiner Vermutung in Bezug auf ihn vertraut gemacht hatte, ganz verzückt darüber war, wie sehr ihn die ENFP-Beschreibung verstand), in der zum Teil die selben Argumentationen auftauchten, daher kann ich deinen Schluss verstehen.

      Du hast vollkommen Recht, wenn es mir darum geht, die Typologie in ein besseres Bild zu rücken, ist die Betitelung sehr ungünstig. In erster Linie wollte ich aber einfach nur Dialoge über das Thema starten – wie man in der Diskussion sehen kann, gibt es dazu nämlich noch viel mehr zu schreiben. Und dazu lud die Überschrift ja förmlich ein. Wobei ich einen ähnlichen Effekt wohl auch mit einem geschickteren Titel erreicht hätte…
      Nun gut. Nachdem ich das ja mittlerweile getan habe, kann ich die Überschrift nochmal editieren.

      Wenn du dich als INTP einordnest, macht es durchaus Sinn, dass du dir den Gesprächsverlauf komplett durchgelesen hast. Ich „schmökere“ manchmal stundenlang in Foren oder bei politischen YouTube-Videos, einfach nur um zu sehen, welche Meinung die Leute so haben und mit welchen Strategien sie diese vertreten. Unterhaltsamer als die beste Seifen-Oper!

      Die Beobachtung habe ich auch schon gemacht! Schön beschrieben. Die Einkommensstatistiken schwanken zwar sehr stark, deshalb beziehe ich mich dabei ungern auf Details, aber vor allem bei ENTJ ist das tatsächlich sehr extrem zu beobachten. Die wenigen ENTJs die ich kenne, sind auch alle entweder tatsächlich wohlhabend oder noch am studieren – aber dafür mit einem enormen Tunnelblick auf beruflichen Erfolg gerichtet. Uns P’lern ist das viel zu anstrengend und bei der ganzen Karrierehatz entgeht einem nebenher auch so viel vom Leben 🙂

      Du bist ja kein Blogger (zumindest nicht auf WordPress) – ich bin jetzt neugierig, wie du auf meinem Blog gelandet bist, das würde mich ja jetzt auch sehr interessieren!

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      1. Hi Sam, ich schulde dir wohl noch eine Antwort.

        Hier http://archiv.omnisophie.com/day_157.html hatte ich mal gelesen, dass Blogger stark überdurchschnittlich oft (~50%) INFPs sind, obwohl dieser Menschentyp im Verhältnis zur Gesamtbevölkerung ja auch wirklich sehr selten ist. Die anderen NF-Typen sind dabei ja noch nicht einmal drin. Im Zweifelsfall also einfach immer auf NF wetten! 😉

        Nein, ein Blogger bin ich nicht. Aber ich durchstreife hin und wieder gerne mal das Netz, bleibe ab und zu mal irgendwo hängen und gebe dann meinen Senf ab.
        Deine Seite ist gut platziert im google-Such-Ranking, wenn man „INTP“ mit der Suchoption „Deutsch“ googelt.
        Mach weiter so: Leute wie du bereichern das Internet. *thumbs up*

        Cheers
        Christian

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