Ankündigungen

Liebe Leser,

Bereits in den vergangenen Tagen ist es sehr ruhig um meinen Blog geworden, trotz Ankündigungen, dass ich ja eigentlich mehr Zeit haben würde. Die hatte ich auch. Aber einmal mehr merke ich, wie verschwenderisch man mit dieser Ressource umgeht, wenn man einmal zu viel davon hat. Ohne einem gewissen Level an Stress kommt bei mir irgendwie kein Input und bevor ich mich zwinge, etwas zu schreiben, was auf qualitativer Sparflamme steht und selber nicht einmal Spaß damit habe, lasse ich es lieber ganz sein.

Das heißt konkret, dass ich wohl erst nach den Sommerferien, hier in Baden-Württemberg also frühestens erst wieder ab dem 12. September wieder aktiv hier schreiben werde. In der Zwischenzeit werde ich wohl ohnehin nicht mehr dazu kommen, da ich meine Eltern in Japan besuchen gehe. In ein paar Tagen geht die große Reise los und ich hoffe, mich dort nochmal kräftig inspirieren zu lassen.

Es tut mir leid, dass ich mich auch nicht mehr in den Blogs meiner lieben Schreiber-Freunde habe sehen lassen, aber wenn ich keine Lust zu schreiben habe, habe ich oft noch weniger Lust zu lesen, weil mich das dann nur frustriert – dann kommen Gedanken, wie „eigentlich könntest du doch jetzt auch selbst schreiben, nicht?“. Liegt aber nicht an mangelndem Interesse. Hab mir jetzt hier und dort einfach mal ein paar Inhalte auf den Kindle Reader gepackt. Die Reise dauert lange genug und bei all dem Input in dieser völlig neuen Umgebung werde ich wahrscheinlich auch Zeit brauchen, mich dann und wann etwas zurückzuziehen. Und ein bisschen angenehme Lektüre ist dann genau das Richtige.

Zu guter Letzt wollte ich noch ankündigen, dass ich, obgleich ich an Topophobie weiterschreiben werde, noch ein weiteres Blogroman-Projekt beginnen werde. Ich weiß, mein innerer Kritiker warnt mich jetzt auch wieder: „You’re all over the place again!“ (so eine hübsche Beschreibung gibt’s dafür leider nicht im Deutschen), aber das wird kein Projekt von ähnlichen Ausmaßen. Genau so, wie ich mal einen physischen Tapetenwechsel brauche, benötige ich den einfach nur auch, was meine Fiktions-Schreibprojekte angeht. Konkret geplant ist eine lose erzählte Serie, sie beginnt absolut in media res und hat auch keine konkret eingeplante Endhaltestelle. Das heißt, das Ding läuft einfach so lange, wie ich Lust und Leser habe (was sich ja gegenseitig beeinflusst).

Inhaltlich will ich nicht all zu viel verraten, zumal ich mein Konzept noch ein wenig ausfeilen will. Nein, Moment, das war gelogen, als wenn ich an Konzepten nur wenig feilen würde… jedenfalls, das, was ich schon verraten kann, ist, dass sich um einen großartigen, berühmten und überhaupt nicht arroganten Helden in einer fiktiven, aber seltsam vertrauten Fantasywelt handeln wird, der mit seinem treuen tapferen Sidekick, einem Meerschweinchen, welches der größte Schwertmeister ist, das besagte Fantasywelt jemals gesehen hat, spannende Abenteuer erlebt. Wird es ihnen gelingen, die rote Flut aufzuhalten, sich gegen den Kult des McStarbörgs zur Wehr zu setzen oder sich gar gegen dunkle Götter behaupten zu können? Wer sich genau so einen Müll schon immer gewünscht hat, der wird bald nicht länger suchen müssen…

Also, bis dann! Ich freu mich auf euch!

„Ist das Leben nicht schön?“

Ich weiß ja nicht wie’s euch geht, aber wenn mir jemand sagt, wie schön doch das Leben ist und dabei selbstgefällig lächelt, dann weiß ich nicht, ob ich wütend oder verdammt wütend sein soll. Nicht unbedingt deshalb, weil es sein kann, dass das Gegenüber gerade vielleicht einfach eine scheiß Zeit durchmacht und es einfach nur ein bisschen rücksichtslos und selbstbezogen daherkommen könnte. Sondern weil das Leben generell nicht schön ist.

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Topophobie – Der lächelnde Tanzbär

Auf einmal machte es „Klick“ und die Show ging los. Das ist wie, wenn man den Fehler gemacht hat, sich in die Achterbahn zu trauen, vor der man am meisten Angst hat: Die Sicherheitsbügel drücken dich an deinen Sitz und die Fahrt geht los. Es gibt kein zurück, auch, wenn du wieder aussteigen willst. Es geht nicht. Du kannst dich nicht einmal umdrehen. Die Zeit wird immer abstrakter: zunächst kommt es dir alles wie eine Ewigkeit vor, danach rast die Situation an dir vorbei und eigentlich ist alles, was du wahrnimmst nur noch die Aufregung. Das Adrenalin, das durch deinen Körper pumpt lässt dich vergessen, wie es sich überhaupt anfühlt, auf festem Boden zu stehen. Man möchte schreien, aber es funktioniert nicht. Die Kehle ist wie zugeschnürt. Schweiß tritt aus. Alles verkrampft.

Ich stand neben mir. Sah zu, wie die Finger über die Tastatur huschten, zitternd, unkontrolliert, mit feinen, winzigen Schweißtropfen. Nathan, der Neue. Der begabte Musiker. Ich beneidete ihn. Schon immer wurde ihm zugesprochen, er hätte eine große Begabung. Er sei etwas ganz Besonderes. So talentiert. Für Großes Vorbestimmt. Hm. Hat er sich da gerade verspielt? Es konnte doch nicht sein, dass sich dieser grandiose Pianist mit seinen Zauberhänden gerade einen Fehler erlaubt hat. Dieses Wort – „Fehler“, es dürfte ihm ja überhaupt ein Fremdwort sein. Nein, nein, Nathan, deiner einer verspielt sich nicht. Spiel weiter. Lass dich nicht von russischen Wunderkindern und internationalen Berühmtheiten einschüchtern. Du gehörst dazu. Das hat man ja damals auch immer gesagt. Halte diese Finger in Bewegung. Ich fragte mich, was wohl passieren würde, wenn sie auf einmal damit aufhören? So ein schnelles Lied… und das Klavier klingt dabei so voll und tragend. So verantwortungsvoll, dieses Lied als Pianist zu begleiten, nicht wahr? Was wäre nur, wenn…

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Die moralische Zwickmühle als Blogger

„Im Übrigen bin ich dafür , den Islam in Deutschland (Europa) zu verbieten und alle Muslime auszuweisen“

„mal ganz ehrlich, sind nicht alle Moslems psychisch krank???“

„Angst. Ich finde es so dermaßen zum K ot zen, dass man als „normaler“ Mensch inzwischen auf der Straße schon fast zusammenzuckt, wenn einem dunkelhäutige Menschen, vorzugsweise junge Männer, entgegen kommen.“

Diese Kommentare kursieren heutzutage auf Yahoo News und erhalten fast ausschließlich Upvotes. Was ist mit unserer Gesellschaft los? Mal davon abgesehen, dass man mit solchen Einstellungen Terrororganisationen direkt in die Hände spielt und Deutschland schlicht und ergreifend einfach nicht mehr funktionieren wird, wären alle Moslems plötzlich weg, was ist das bitte für eine Einstellung seinen Mitmenschen – seinen Nachbarn gegenüber? Aber ich will gar nicht weiter auf diesen Punkt eingehen.

Wenn ich so etwas lese, vor allem, wenn ich eigentlich vorhatte, an meinem Roman weiterzuschreiben, spüre ich schon fast körperliches Unwohlsein. Wie kann ich jetzt anfangen, seichte Unterhaltung zu schreiben? Die Geschichte von irgendeinem Musiker erzählen, der an Bühnenangst leidet und mit einem Auftritt zu kämpfen hat, während so viele meiner Mitbürger so sehr mit ihrer eigenen Dummheit kämpfen müssen? Und von den Menschen, die darunter tatsächlich zu leiden haben ganz zu schweigen.

Ich bekomme kein Geld für’s Bloggen, werde ich auch nicht, und habe es nicht vor. Ich mache das aus rein idealistischen Gründen, wie viele von uns. Wenn es anders wäre, könnte ich mich auch besser rechtfertigen. Aber so? Wenn ich an besagter Geschichte weiterschreibe, kommt es mir so vor, als würde ich an einem ertrinkenden Kind vorbeilaufen, mit der Begründung, ich will mir noch ein Eis kaufen und die Eisdiele hat nur noch fünf Minuten offen.

Man kann sich jetzt darüber streiten, ob ich mich tatsächlich gut mit Worten ausdrücken kann. Ich rede es mir jedenfalls gerne ein, auch, dass ich, zumindest, wenn ich schreibe, Emotionen im Leser entfachen kann. Dann kommt es mir wie eine Verschwendung von Zeit und Mühen vor, wenn ich nicht wenigstens versuche, meine Mitmenschen zu mehr Solidarität anzuregen! Oder wenigstens ein klein wenig zu eigenständigem Denken.

Keine Sorge. Wie in meinem Vorwort versprochen, für die wenigen, die Gefallen an meinem Blogroman finden – und letztlich ja auch für mich – werde ich Topophobie weiterschreiben und auch weiterhin Kurzgeschichten verfassen. Ich habe nicht die Verantwortung, die Welt zur Besinnung zu bringen, so überheblich bin ich nicht. Mir ist total klar, dass ich selbst oft genug nicht richtig nachdenke und ich Denkzettel wie jeder andere auch benötige und das muss ich, das muss sich jeder auch vor Augen halten. Es ist gut, wenn man die Welt auch mit „schönen Künsten“ bereichert. Außerdem kann ein Unterhaltungsblog nicht alles gleichzeitig sein.

Aber ich wollte nur nochmal daran erinnern, dass jeder von uns – insbesondere diejenigen, die gut mit Worten umgehen können – eine Verantwortung trägt, die Gesellschaft kritisch zu hinterfragen! Wenn man die Gabe hat, dann sollte man sie auch für etwas Gutes einsetzen. Diejenigen, die hasserfüllte Parolen durchs Land posaunen, Prediger der Panik und rassistische Demagogen gibt es viel zu viele. Es ist schon lange, lange an der Zeit, dass sich Gegenstimmen erheben. Die Meinungen, die ihr öffentlich kund tut, beeinflussen auch eure Mitmenschen. Eure Meinungen machen einen Unterschied. Bezieht Stellung!

Topophobie – Immer in die Augen schauen

Als die erste Band anfing zu spielen, war das Büffet zwar eröffnet, aber mein Magen fühlte sich so verschlossen an, dass ich es, aus Angst, mich auf der Bühne übergeben zu müssen, nicht einmal anrührte. Die erste Combo bestand aus einer Sängerin, begleitet von Schlagzeug, Kontrabass und Klavier. Und der Pianist verstand etwas von seinem Handwerk. Mir ging der Gedanke durch den Kopf, ihn nach dem Auftritt einfach zu fragen, ob er meinen Part des heutigen Abends einfach übernehmen könne, aber so verkrampft, wie ich gerade an einem der vielen rundlichen Tische saß, merkte ich, dass ich erstmal damit zu kämpfen haben würde, überhaupt aufzustehen. Ich sah mich um und versuchte, anhand der Gesichtsausdrücke im Publikum zu analysieren, was es von der Band hielt. Einige unterhielten sich leise, andere sahen mit gleichgültigem Gesichtsausdruck zu Band, während andere dabei wiederum ein leises Lächeln auf den Lippen hatten. Gefiel es ihnen? Oder schmunzelten sie über die Band, weil sie sie für Amateure hielten? Nach meinem Standard bestand das Quartett keinesfalls aus Amateuren, aber wer wusste schon, was dieses Publikum so gewöhnt war? Und wenn es diesen Pianisten schon für einen Amateur hielt, was…

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