Abenteuer mit Drumpf! (Teil 1)

Donnel biss mit Elan in den Krautburger, dass das Fett nur so herausspritzte und sich auf seinem neuen, goldbestickten, langen grünen Gewand verteilte, welches ihm Mutter erst vor Kurzem zu seinem dreiunddreißigsten Geburtstag geschenkt hatte. Jetzt hatte er genau fünfzehn grüne, goldbestickte Gewänder. Mutter sagte immer, sie würden so gut zu seiner blonden Lockenpracht und den grünen Augen passen. Mutter sagte eine ganze Menge. Auch, dass er kleinere Bissen nehmen solle, da er sonst noch irgendwann an seinem Essen ersticken würde. Donnel grinste in sich hinein, als er einen weiteren Happen nahm und sich seine vollgefetteten Hände an der Kleidung abrieb. Ersticken, das wäre wohl die unwahrscheinlichste Todesursache, wegen der er ins Gras beißen würde. Wenn er nicht durch das Schwert, einen Armbrustbolzen, Untote oder Killerroboter umkommen würde, dann würde ihn diese vermaledeite Krankheit letztlich holen. An einem Krautburger ersticken, pah. Donnel schob sich den Rest seiner Mahlzeit in den Rachen und stand auf.

„Auf geht’s, Kao, lass uns zahlen!“, forderte er das Meerschweinchen auf, das den Gurkenstückchen mit einem Zahnstocher einen Platz in der eisernen Reserve des Nagergebisses verwehren wollte, aber mit Zahnstochern wohl nicht halb so gut umgehen konnte, wie mit dem Langschwert. „Scheiße, ich mach mir mit dieser neuen Erfindung noch mein Zahnfleisch kaputt…“, beschwerte sich Kao, warf den Zahnstocher trotzig auf die Straße neben dem Getränkebecher und setzte seine Arbeit mit der Zunge fort, während Donnel gemütlich durch die gut besuchte Schnellimbiss-Taverne schlenderte. In den letzten Jahren sind sie im ganzen Königreich wie Pilze aus dem Boden geschossen. Das Geheimrezept dabei war einfach: viel Fleisch, geringer Preis. „Halt Moment!“, rief Donnel amüsiert und blieb vor der Kasse stehen. „Ich muss ja gar nicht zahlen! Der Laden gehört ja mir! Haha!“
„Der wird langsam alt, Boss.“
„Aber du fällst immer wieder neu drauf rein, du bist mir zur Kasse gefolgt!“
„Weil ich dafür bezahlt werde, auf dich aufzupassen.“
Donnel lachte, als er die Mac Mäntsch Schnelltaverne verließ. „Ach komm schon, was soll schon pa…“

Er hielt inne und betrachtete misstrauisch die Schreibfeder in der Hand der Kassiererin, die schwere Geldkatze eines Kunden und den Wischmopp einer Reinigungskraft. Alles furchtbar tödliche Mordwaffen in den Händen eines ausgebildeten Meuchelmörders. Nein, da war es als einer der einflussreichsten Personen des Königreiches wohl ganz schlau, sich den besten Schwertkämpfer seiner Generation als Leibgarde zu halten, der ihm selbst im eigenen Restaurant keine Sekunde lang von der Stelle weichen würde.

Zunächst glaubte Donnel ja, diese Idee von Mutter sei aus ihrer übervorsichtigen, fast schon paranoiden Angewohnheit entsprungen, die sie sich selbst schon vor Vaters verfrühtem Ableben angeeignet hatte, aber nachdem Donnel sich selbst mit seinen innovativen Geschäftsideen in die Elite der Händler von Kap Talis katapultiert hatte, waren bereits mehr als vierzig Attentate auf ihn verübt worden. Dass ein einziges Meerschweinchen ihn vor all diesen retten konnte, war entweder der beste Beweis dafür, dass Kao Gomi tatsächlich der beste Schwertkämpfer der Welt oder ein Organisationstalent und gleichzeitig ein Inszenierungskünstler für ausgesprochen überzeugende und dynamische Werbeaktionen war. Beides wusste Donnel zu schätzen, weshalb er Kao gerne an seiner Seite wusste.

„Nein, ist gut, dass du bei mir bleibst. Mutter zahlt dir ja bestimmt ein Vermögen für diesen Job.“
„Ja. Ist auch nur fair so! Erhöhtes Risiko für Arbeitsrisiko, vor allem wenn mein Klient süchtig danach ist, sich in Lebensgefahr zu bringen.“
Donnel seufzte. Ja. Er spürte es bereits. Es war wieder an der Zeit. „Ich sollte mich schleunigst mal auf die Suche nach einem neuen Abenteuer machen. Ich merke wieder, wie meine Finger langsam etwas taub werden. Wenn wir uns nicht beeilen spüre ich bald meine Hände nicht mehr.“
„Wohin geht’s dieses Mal, Boss?“

Donnel verzog den Mund und warf einen Blick in die schmutzigen dunklen Seitengassen der Stadt, befürchtete aber, dass er dort außer streunenden Katzen und Abfall nichts finden würde – keine Diebe, keine Monsterclowns und erst recht kein aufregendes Abenteuer. Es ist schwierig geworden, die Krankheit zu bekämpfen, seitdem er herausgefunden hatte, dass die „Questliste“, die ihm Mutter bis vor zwei Jahren immer aktualisiert hatte, in Wirklichkeit nur aus vorbereiteten Pseudo-Erlebnissen bestand, die einem festen Skript mit bezahlten und ausgebildeten Schauspielern folgten. Auch Kao Gomi war in diese Railroad-Abenteuer, wie das Meerschweinchen sie nannte, eingeweiht, aber Donnel hegte weder ihm noch seiner Mutter Groll, dass sie ihn so lange getäuscht hatten. Ob real oder vorgegaukelt, immerhin hatten ihm diese Railroad-Abenteuer den nötigen Kick verpasst und somit am Leben gehalten.

„Ich weiß es ehrlich gesagt nicht“, gestand Donnel. „Ich bin am überlegen, ob wir wieder einen Ausflug zu den Drachenklippen unternehmen sollten, vielleicht… hm… ohja! Vielleicht… möglicherweise können wir einen Lindwurm bändigen und auf ihm reiten! Hm…“
Sein Blick schweifte in die Ferne. „Hast du eine Idee für ein Logo? Kao, du hast doch ein Auge für solch Ästhetische Angelegenheiten, fällt dir ein Logo ein?“
Das Meerschweinchen fuhr sich mit der Pfote durch das glatte weiß-braune Haar und schaute so verwirrt, wie ein Meerschweinchen eben verwirrt schauen kann.
„Für was?“
„Na für den Drachenexpress! Habe ich doch gerade gesagt. Nicht? Nein? Tut mir leid, ich habe wohl wieder etwas zu schnell mit meinen Ideen gespielt. Ich sollte…“
„Halt, Boss“, unterbrach ihn Kao und hielt warnend die linke Vorderpfote in die Luft, während die andere zum Schwertgriff fuhr. „Hörst du das nicht?“
Die Nase des Schwertmeisters zuckte niedlich und er drehte sich langsam zurück in Richtung Schnelltaverne um.
„Ich höre den hypothetischen Klang klingender Kassen und versuche die Schreie hypothetischer Angestellter zu ignorieren, die Drachen fangen und bändigen sollen…“, antwortete Donnel. „Moment, sind das gerade reale Schreie?“

Hier geht’s zu Teil 2!

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5 thoughts on “Abenteuer mit Drumpf! (Teil 1)

  1. Schön, dass Du wieder da bist!
    Die Geschichte gefällt mir, etwas skurril, viel Abenteuer, und exotische Zutaten. Klingt gut. Hab nur eine Kleinigkeit, die mir missfällt: Nase zuckt niedlich. Das geht nicht 😉
    Bin gespannt, liebe Grüße, Julia

    Gefällt mir

        1. „Niedlich“ ist sowieso ein Streitthema, meine Frau könnte da niedlich ein Liedchen von singen. Wenn ein Schrei hasserfüllt klingt, kann man dann nicht von hasserfülltem Schreien schreiben? Oder wenn jemand gelangweilt in der Nase bohrt von gelangweiltem in der Nase bohren? In Lovecrafts Geschichten ist oft von „abscheulichem Zucken“ die Rede – ich versuche die Welt ein wenig liebenswerter zu beschreiben 😛

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          1. Da kann ich Dir nur mit dem Emo-Lesen kommen. Das fühlt sich für mich holprig an. Und einen hasserfüllten Schrei kann man auch nicht wirklich mit einem niedlichen Zucken vergleichen. Ein Zucken ist unerwartet, fahrig, stakkatisch vielleicht. Niedlich, hm.
            Okay, liebenswerter die Welt … höre ich da ein wenig Sarkasmus heraus? 😉
            Und ja, niedlich ist ein seltsames Wort. Das macht einen Satz automatisch seltsam.

            Gefällt 1 Person

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