Abenteuer mit Drumpf! (Teil 2)

Donnel drehte sich um und sah, dass kreischende Gäste und Angestellte gleichermaßen mit schlackernden Armen aus dem Mac Mäntsch flohen. Hinter ihnen rannte ein gutes halbes Dutzend nackte Personen mit Hackebeilen hinterher. Kao konnte den Schaum vor deren Mäulern, sowie die irrsinnig weit aufgerissenen Augen erkennen und zückte ohne zu zögern sein Schwert, das mit einem klingendem Schhhiiiing aus der Scheide fuhr und in der Mittagssonne aufblitzte.

„Boss, bleib zurück“, wies das Meerschweinchen Donnel in lässigem Tonfall an und trat mit großen breiten Schritten auf das Schlachtfeld zu, auf dem die Nackedeis ihr Blutbad verrichteten. Natürlich blieb Donnel nicht zurück und zog sein Rapier, diese Gelegenheit auf potentielles Sterben wollte er sich nicht entgehen lassen. „Für die Fraaaaaaaaaihaaaaait!“, ließ er laut seinen Schlachtruf ertönen und stürzte sich ins Getümmel. Kao verzog ein genervtes Gesicht, da er so gerne cool mit großen und breiten Schritten das spontan entstandene Feld der Ehre betreten hätte, aber nun seinem Boss mit schnellen, eher unbeholfenen Schritten hinterher trapsen musste, um dessen Sicherheit zu garantieren.

Donnel erschrak etwas, als einer der nackten Irren mit einer Wildheit, die er selbst von einem nackten Irren nicht erwartet hätte, mit einem Hackebeil nach ihm schlug. Er riss gerade noch rechtzeitig sein Rapier hoch und blockte damit die Klinge des Beils ab, die ihm sonst locker den Arm von den Schultern gehauen hätte. Ein unbewaffneter Passant hatte weniger Glück, als ihn eine Flitzerin hechelnd von hinten ansprang und in den Arm biss. Donnel reagierte schnell und stach den ungewollten Fleischrucksack des Passanten in eine vitale Körperzone, dass sich dieser mit schmerzerfülltem Schrei von dem unschuldigen Bürger fallen ließ. Zu spät drehte sich Donnel um, um Zeuge zu werden, wie sein treuer Leibwächter dem Verrückten mit dem Hackebeil mit einem elegantem Unterhau, bei dem das Langschwert einen diagonalen Bogen von unten nach oben beschrieb, die Hände von den Armen abschlug. Der dadurch eher handelsunfähige Ex-Hackebeiler versuchte, unsägliche Laute von sich gebend, mit beinahe bewundernswerter Hingabe und Entschlossenheit mit seinen Armstummeln nach dem Meerschweinchen zu schlagen. Obwohl dieser Schlag wohl wenig bis gar keinen Schaden angerichtet hätte, sprang der Meisterfechter reflexartig zurück und riss die Klinge in derselben Richtung wie sein Kontrahent nach. Mit dem Unterschied, dass dieser eben nicht reflexartig zurück, sondern nach vorne und damit in sein verfrühtes Ableben sprang.

„Boss! Sicher dich erst selbst, bevor du anderen hilfst!“, meckerte Kao und entledigte sich mit einem Mittelhau zwei weiteren wie blind anstürmenden Angreifern und damit anscheinend den letzten von denen, die noch in der Lage dazu waren, anzustürmen.

Donnel zuckte lächelnd mit den Schultern. „Ich habe ein Helfersyndrom, ich kann nicht anders!“, antwortete er und half dem angeknabberten Bürger wieder auf die Beine.

„Danke!“, stammelte dieser. Es stellte sich wortwörtlich als schwer heraus, den beleibten Mac Mäntsch-Besucher wieder auf zu richten, er zählte wohl zu den Stammkunden. Sein blondes, fettiges Haar klebte verschwitzt an der großen Stirn. „Sie… sie kamen wie aus dem Nichts, direkt, nachdem die Lebensmittelkutsche ausgeladen…“

„Aaah!“, rief Donnel erschrocken, als sich eine der Nackten mit einem Messer hinter dem gerade geretteten Mann erhob und schubste der Messerschwingerin mit den mordlustigen Augen den fleischigen Ballast zu, dass das Messer eben dadurch abgefangen und der Angreifer unter dem Gewicht des stolpernden Erneut-Opfers begraben wurde.

„Oh, musste das sein…“, fragte Kao wehleidig, als er bemerkte, dass der dicke Mann sich nicht mehr rührte und verpasste der darunter begrabenen Irren noch einen Gnadenstoß, um sicher zu gehen. „Hättest du ihn nicht mit dem Schwert abwehren können?“

„Ich… war von meinen Handlungsmöglichkeiten überwältigt“, antwortete Donnel, kratzte sich am Kopf und betrachtete die absurde Szene mit Bedauern. Jetzt erst bemerkte er, dass sie die einzigen beiden waren, die noch auf dem Marktplatz standen und der Springbrunnen in der Mitte des Platzes mit den niedlichen pinkelnden Engelchen die einzige Geräuschquelle. Heißt, nachdem die MacMäntsch-Bedienung, die Donnel vor einer Viertelstunde noch den Krautburger servierte unter schwerem Ächzen zusammenbrach und regungslos liegen blieb. Einige Bewohner lugten vorsichtig und mit angsterfülltem Gesicht von innerhalb der vermeintlich sicheren Fachwerkhäuser auf den Marktplatz.

„Keine Sorge, brave Bürger!“, rief Donnel mit selbstbewusster Stimme. „Donnel Drumpf und sein wackerer Sidekick haben euch einmal mehr vor schrecklichem Unheil bewahrt!“

„Zumindest diejenigen, die schnell genug in ihre Häuser flüchten konnten…“, murmelte Kao und betrachtete verdrossen die Toten.

„Sag doch sowas nicht!“, zischte Donnel dem Meerschweinchen zu. „Nur, weil es eine bessere Tat hätte sein können, bedeutet das nicht, dass es keine gute Tat war, die man nicht zu PR-Zwecken verwenden könnte.“

Kao verzog sein Gesicht, Donnel erkannte, dass sein Leibwächter nicht ganz zustimmte, aber klug genug war, sich nicht auf eine Diskussion einzulassen.

„Naja“, meinte Kao. „Dann lass uns mal zu den Drachenklippen gehen.“

„Was?“

Donnel rieb sein Rapier an der bislang noch unblutigen Schürzenseite einer toten Bedienung ab und sicherte es dann wieder an seinem Gürtel. „Willst du nicht wissen, was hier vorgefallen ist? Willst du nicht wissen, warum Leute nackt auf die Straße gerannt sind und andere, angezogene Menschen brutal niedergemetzelt haben?“

„Waren wohl manisch-depressive in einer Mischphase“, murmelte Kao. „Und nein, eigentlich will ich es gar nicht so genau wissen.“

„Tja, Pech gehabt, ich aber!“, lachte Donnel. „Das hört sich nämlich nach einem spannenden Abenteuer an! Wenn das ein Roman wäre, würde ich spätestens jetzt unbedingt wissen wollen, wie es weitergeht!“

Er beugte sich zu einem der toten Angreifer herunter. Erst jetzt hatte er die Gelegenheit, sie genauer zu betrachten. Es waren Männer und Frauen verschiedener Hautfarbe und Statur, aber nun fiel Donnel eine Besonderheit auf. Er fuhr sich fast schon automatisch über das runde Bommelchen seiner dünnen, fingerlangen Antenne, die ihm aus der Stirn wuchs, als ihm auffiel, dass die Angreifer kein Bommelchen, ja nicht einmal eine Antenne hatten! Er spürte ein Kribbeln in seinen Fingerspitzen, was seine Miene wieder aufhellen ließ und wandte sich mit einem verwirrten Grinsen seinem Leibwächter zu.

„Ich glaub‘, ich werd‘ nicht mehr! Kao! Unser Essen hat uns angegriffen!“

Hier geht’s zu Teil ❤

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