Abenteuer mit Drumpf! (Teil 4)

Donnel klopfte an der Holztür des großen, finsteren Steinhauses. Es war nicht allzu schwierig gewesen, Mister Iks‘ Wohnung im Aristokratenviertel zu finden, blöd nur, dass ihr Besitzer nicht öffnete.
„Das ist ja merkwürdig…“, brummte Kao. „Niemand daheim?“
„Gut so! Dann ist er wohl arbeiten, so wie es sein sollte. Ich sollte nicht immer so misstrauisch sein und meinen Angestellten Faulheit vorwerfen.“
Kao sah kurz zu Donnel hoch und nickte zustimmend.
„Dann sollten wir wohl diese Beammaschinerie aufsuchen“, schlug das Meerschweinchen vor. „Was hat es eigentlich mit damit auf sich? Ich habe noch nie etwas davon gehört.“
Donnel klopfte noch einmal an, um sicherzugehen.
„Na, was gibt es da groß zu erzählen? Aus dem Beamapparat fällt das Fleisch heraus und es wird nach…“
„Da fallen Menschen heraus!“, unterbrach ihn Kao. „Und die sterben dann? Einfach so?“
„Ja“, antwortete Donnel knapp. „Ach, weißt du was? Du hast Recht. Hier ist niemand. Gehen wir.“
Kao ließ aber nicht vom Thema ab, als er Donnel hinterher hüpfte.
„Das hört sich aber nicht sehr… wissenschaftlich an! Wie funktioniert das denn?“
„Naja, mittels Beamtechnologie!“
„Und wie funktioniert die?“
„Soll ich denn alles wissen?“, antwortete Donnel gereizt. „Ich bin zwar Experte für eine ganze Menge, aber ich kann nicht von allem eine Ahnung haben. Deshalb suchen wir ja Mister Iks oder etwa nicht?“
Kao verzog seine Äuglein zu Schlitzen.
„Da ist aber keine… Magie im Spiel, oder, Boss?“
Donnel sah seinen Leibwächter gar nicht an, während sie sich in Richtung Steckenpferd-Stallung bewegten.
„Nein, nein.“
„Boss?“
„Nein! Und jetzt halt endlich die Klappe, du tanzendes Wollknäuel!“
„Tut mir leid“, gab Kao kleinlaut zurück. Weil Donnel und er eine eher kumpelhafte Beziehung hatten, vergaß er manchmal, professionell zu sein und keine Fragen zu stellen. Aber ein ungutes Gefühl blieb – jetzt erst recht.

Es gab nur eine Beammaschinerie im Umland von Rabensburg, der südlichsten Stadt Scottylands. Nach Donnels Angaben befand sie sich in dem großen, unheimlichen schwarzen Turm auf dem Gipfel des Berges, dem sie sich vom Feldweg aus näherten. Blitze zuckten klischeehaft durch den Himmel und betonten unnötigerweise die Bedrohlichkeit, die dieses alte Gebäude ausstrahlte. Die Serpentinenstufen, die bis zur Spitze führten und flach genug waren, dass man noch mit dem Steckenpferd hinauffahren konnte, schlängelten sich wie eine Spirale nach oben, dass Donnel rasch übel wurde.
„Meine Güte!“, meckerte er. „Wenn die Fleischsäcke nicht bereits kurz nach ihrer Landung in unserer Dimension sterben würden, dann würden sie spätestens nach der Fahrt ins Tal den Löffel abgegeben haben!“
Er stieg von seinem Gefährt ab.
„Boss, was machst du da?“
„Ich nehme eine Abkürzung“, antwortete Donnel und kraxelte den Berg direkt hoch. „Wenn man für zwei Meter Höhe eine ganze Umrundung braucht, dann gehe ich lieber zu Fuß, bevor ich mir einen Drehwurm einfange!“
Es stellte sich nicht als sonderlich effizient heraus, denn Kao, der weiterhin die spiraligen Serpentinen hochfuhr, war genauso schnell und musste aufpassen, Donnel nicht über die Finger zu fahren, wenn dieser die nächste Ebene des Berges erklomm. Außerdem war Donnel ziemlich erschöpft, als sie an dem großen dunklen Holztor am Fuße des Turmes ankamen, während Kao frisch und munter von seinem Gefährt hüpfte.
Das Tor hatte weder einen Griff, noch Knauf und auch war keine Glocke zum Läuten zu sehen.
„Und wie öffnen wir…“
„Freund“, sprach Donnel genervt und löste damit einen Mechanismus aus, der das Tor mit lautem Rattern und Knirschen öffnete. Donnel seufzte gelangweilt und rieb sich seine Hände.
„Woher weißt du…“
„Die Leute lassen sich nichts Neues mehr einfallen. Was glaubst du, weshalb ich mit meinen Geschäftsideen so erfolgreich bin?“
Donnel wollte eintreten, aber Kao kam ihm zuvor.
„Halt, Boss – lass mich vorgehen, wer weiß, was in diesem finsteren Gemäuer lauert!“

Der Leibwächter hopste zur Türschwelle und zog sein Langschwert. Mitten im Erdgeschoss, etwa zehn Schritte vom Eingang entfernt stand eine mächtige Maschine, die hauptsächlich aus Rohren und Zahnrädern bestand, die sich knatternd und ruckartig bewegten. Sie reichte bis zur Spitze des Turmes. Am Fuße der Maschine befand sich offenbar das Herz des fremdartigen Apparats: ein matt violett leuchtendes, schimmerndes Portal, das schräg Richtung Boden gerichtet war. Wenn man daraus fallen würde, wäre der Sturz zwar nicht tödlich, dafür hing das Portal nicht hoch genug, aber bestimmt unangenehm.
„Was?“, rief Kao entsetzt. „Und du willst mir erzählen, das sei keine Magie?“
„Jetzt beruhige dich!“, sprach Donnel, der dem Meerschweinchen etwas verunsichert folgte und sich misstrauisch im Inneren des Turmes umsah. Er hatte erwartet, hier mehr Leute anzutreffen, aber wie es schien, waren sie die einzigen beiden. Vielleicht befand sich jemand an der Steuerung der Beammaschinerie, die ja offensichtlich aktiv war. Donnel realisierte mit resigniertem Stöhnen, dass eine Wendeltreppe den Weg hinauf bis zur Plattform mit der Steuerung führte.

„Das ist doch Magie!“, meckerte Kao empört weiter. „Und du hast gesagt, das Ding gehört dir und deiner Familie! Seid ihr etwa auch Anhänger des Katzulu?“
Donnel widmete Kao keinen Blick, als er die Wendeltreppe in Angriff nahm. Die Wandfackeln leuchteten, was auch andeutete, dass jemand hier war. Er zog sein Rapier.
„So ein Blödsinn. Kann sein, dass die Beammaschinerie ein klein wenig mit Magie betrieben wird, okay, aber größtenteils ist das einfach nur Technologie.“
Der Apparat begann zu surren und zu zucken, Funken sprühten und Blitze in allen Farben leuchteten auf.
„Ziemlich fortschrittliche Technologie“, ergänzte Donnel.
„Die mir sicher nicht erklären kann, warum Menschen da rausfallen! Boss oder nicht, Boss, aber ich muss jetzt die Wahrheit wissen – wie funktioniert dieses Teil!?“

„HAHAHAHA!“, ertönte plötzlich ein manisches Gelächter, etwa zweihundert Treppenstufen weiter oben. Donnel und Kao hielten inne.
„Hier spricht Donnel Drumpf, Inhaber dieses Turmes! Wer lacht da so finster und bösartig, wie es nur sinistere Schurken zu tun pflegen?“
„ICH!“, kam die Antwort. „Könnt ihr mich noch nicht sehen? Habe ich zu früh gelacht?“
Donnel reckte seinen Kopf nach oben, anscheinend befand sich der amüsierte Mann auf der Steuerungsplattform, von der man allerdings nur den Boden erkennen konnte.
„Ich sehe nichts, nein… Wir brauchen noch ein paar Stufen und müssen noch die Leiter zur Luke nehmen.“
„Aber ihr könnt uns während dessen schon erzählen, was hier vor sich geht!“, rief Kao.
Einige Sekunden lang kam keine Antwort.
„Ihr redet zu laut, ich habe gedacht… nun, das ist ziemlich antiklimatisch, was? Also gut, so will ich euch erzählen, was hier vor sich geht…“

Hier geht’s weiter zu Teil 5!

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