4 Gründe, warum wir Christen nicht ernst genommen werden

Wenn man sich heute als Christ outet, was bedeutet das dann noch? Ich vermisse schon beinahe das spöttische, müde Lächeln oder die sarkastischen Kommentare. Darauf wird gar nicht mehr eingegangen, warum auch? Macht es einen Unterschied? Für mich, klar, meine Seele ist gerettet und alles. Aber sonst so?

In meinen Augen gibt es vor allem vier Punkte, die meiner Beobachtung nach ausschlaggebend für unseren vermeintlichen Status als dämliche Heuchler stehen. Und bevor jetzt einige empört Capslock anschalten und zum Schreiben ansetzen… wenn ich von „wir Christen“ spreche, dann beziehe ich mich selbstredend auf die Mehrheit, nicht auf die individuellen Ausnahmen, die es glücklicherweise gibt und auf die Ansichten über uns, womit ich nicht sage, dass die Ansichten über uns zwangsweise stimmen. Außerdem beziehe ich mich hier explizit auf uns Christen in Deutschland, ich weiß, dass es in anderen Ländern teilweise stark abweichende Haltungen gibt.

1. Keine „Liebesausstrahlung“
Es wird ja oft gepredigt, „Die Liebe Jesu wird durch den Christen ausgestrahlt!“ und „Wir können ja gar nicht anders, als Gottes Liebe durch uns fließen zu lassen!“. Ich will das jetzt nicht abstreiten. Aber nicht jeder Mensch wird mit seiner Bekehrung automatisch zum flauschi Kuschelbären. Man könnte sagen, wenn jemand, der das sowieso schon ist, zum Christ wird, dann wird er zum flauschi super knuddeligen, happy-go-lucky Kuschelbären. Ich war das vorher nicht und bin es auch jetzt nicht – Gott hat ne‘ Menge in mir verändert, aber nach menschlichen Maßstäben in Sachen „Liebesausstrahlung“ habe ich dadurch maximal das Adjektiv“flauschi“ bekommen, wenn überhaupt. Oder, um es abstrakt zu halten: wenn wir das, was wir als „Liebesausstrahlung“ bezeichnen in Werte fassen, dann ist doch auch vor einer Bekehrung nicht jeder Mensch gleich. Vielleicht hatte Bernd zu dem Zeitpunkt einen Wert von 115, aber Rita nur einen Wert von 23. Wenn wir jetzt sagen, Rita nach ihrer Bekehrung auf einmal einen von 100 hat, dann wäre Bernd selbst vor seiner Bekehrung ein Mensch gewesen, der mehr Liebe ausstrahlt als Rita. Versteht ihr?

Wenn jetzt jemand empört aufschreit: „Aber die Liebe Gottes im Menschen kann man nicht in Zahlen messen!“, dann muss ich dem zustimmen. Bei den Bereichen „Herzlichkeit“, „Marathonlächeln“ und „Interesse am letzten Wochenendsausflug meines Gesprächspartners“ geht das allerdings schon, aber sobald wir registrieren, wie wichtig diese Dinge im Gemeindealltag werden, haben wir lange schon wieder vergessen, dass das ja gar nicht die Art von Liebe ist, für die wir eigentlich propagieren. Es kommt aber oft so herüber und dadurch wirken wir verkrampft und oberflächlich.

2.) Der Tellerrand ist die Grenze
Vielleicht einer der nervigsten Punkte, wenn man Nichtchristen fragt, die regelmäßig mit altklugen Sprüchen und Bibelstellen von ihren christlichen Arbeitskollegen, Nachbarn oder Familienangehörigen bombardiert werden. Da hätten wir Dinge, wie: „In Jesaja steht geschrieben, dass Gott seine Arme weit ausgebreitet hält, damit Menschen, die ihn verachten wieder zu ihm umkehren! Das gilt auch für dich! Er wartet auch auf Dich! Es ist allein DEINE Entscheidung, ob DU umkehrst!

Da schwingt ein bisschen das „…Und wenn du’s nicht tust, dann bist du ein Depp und ich brauche mir keine Vorwürfe mehr zu machen“ mit. Oder : „Die gute Saat, die ich und die anderen Geschwister in dir säen, wird aufgehen! Und ich hoffe, es wird dir dann wieder einfallen. So war es bei vielen! Ich segne dich mit offenen Ohren, Augen und mit dem, was Gott dir an Gutem schenken will!
Hallo, geht’s noch?

Ich weiß ja, es ist gut gemeint und alles, aber bitte, bitte, liebe Glaubensgeschwister, versetzt euch mal in die Köpfe eures Gegenübers! Wenn ihr nicht daran glaubt, dass Gott so, wie er in der Bibel steht existiert, was tun Bibelsprüche und Zusprechungen dann? Richtig, am Allerwertesten vorbeigehen. Ich weiß, es ist ein Drang da, über unseren Glauben zu sprechen. Aber bevor ihr den Mund aufmacht, denkt erstmal nach, wie das, was ihr sagt in den Ohren des anderen klingt. Wir leben als Christen quasi in einer anderen Welt, haben dadurch einen anderen Blickpunkt, nennen wir es „Einsichten“, und benutzen manchmal auch ein etwas anderes Vokabular. Man kann doch verstehen, warum man nicht an den Gott der Bibel glaubt, wenn man noch nicht mit ihm lebt, bzw ihn direkt erlebt hat. Machen wir das den Nichtchristen also nicht zum stillen Vorwurf, erinnern wir uns stattdessen besser mal daran, dass wir, jeder einzelne von uns Christen unseren Glauben repräsentiert. Manchmal ist es gar nicht so verwunderlich, warum man mit jenem Glauben nichts zu tun haben will.

3.) Wo bleibt der Unterschied?
Ich habe das bewusst als Frage formuliert, weil ich mich nicht erdreisten will, zu sagen, ein Mensch mache keinen Unterscheid. Jeder macht einen Unterschied. Alleine, weil wir in einer Demokratie leben. Und damit komme ich gleich zum Kern meines Punktes. Wie kommt es, dass keine Christen auf die Straße gehen und gegen die korrupte, gewissenslose „Christlich-Demokratische Union“ demonstrieren, die kein Problem mit Waffenexporten ins Ausland, Kriegstreiberei und Ausbeutung der Unterschicht hat? Schlimmer noch, einige Christen wählen auch noch aktiv so eine Regierung. Aber sich dann beschweren über die Moslems, die nicht offen gegen den IS demonstrieren…

Jetzt könnte man ja damit kommen, dass man sich halt einfach nicht für Politik interessiere, tja, Pech, aber du lebst nun mal in einer Demokratie, der „Herrschaft des Volkes“. Die Verantwortung liegt auch bei dir, ob es dir nun gefällt oder nicht. Die Frage ist nur, interessiert dich dein Volk oder nicht? Und als Christ sollte es noch viel mehr unsere Pflicht sein, für die Schwachen einzustehen und für diejenigen, die eben nicht ihr täglich Brot bekommen, weil ihre Heimat zerbombt wird von den Panzern, die in unserem demokratischen Land hergestellt und verkauft werden! Deren Heimat ins Chaos stürzt, weil sie mit unserer Hilfe entstaatlicht werden. Und auch in unserem eigenen Land herrschen Missstände, die bekämpft werden könnte, wenn wir nicht so ignorant wären. Wenn allein erziehende Mütter zur Tafel gehen müssen, weil das Geld nicht mehr ausreicht, aber sich der Mittelstand stattdessen über Erbschaftssteuern empört, dann läuft hier doch einiges falsch. Ich würde dieses Thema ja gerne noch mehr ausbreiten und würde dabei richtig in Fahrt kommen, aber unter Christen sollte zu diesem Punkt eigentlich schon genug gesagt sein.

Es ist schön zu sehen, dass so viele Hilfsorganisationen von der Kirche aus gestellt werden, so viele Ehrenamtliche Christen sind. Und ja, das ist ein Unterschied! Aber wie edel es auch ist, einmal in der Woche zum Nachbarn unter uns zu gehen und ihm den Boden von unserem Wasserrohrbruch zu wischen, ist es nicht eigentlich unsere Aufgabe, den Rohrbruch mal endlich zu reparieren? Wir sind so viele Christen, fangen wir doch an, etwas zu verändern!

4.) Der Mut fehlt
Möglicherweise ist das die Antwort auf Frage 3. Wir haben Angst, von den anderen ausgestoßen zu werden. So, wie die Moslems, die Angst haben, offen gegen den IS zu protestieren, weil sie nicht wissen, wie ihre Mitmoslems darauf reagieren würden. Wir haben entweder Angst davor, anders zu sein oder davor, unseren Wohlstand (der uns nicht zusteht, egal, wie hart und lange wir arbeiten) oder den unserer Kinder zu Teilen aufzugeben. Das wäre verständlich, immer noch scheiße, aber verständlich, wenn wir keine Christen sind. Wenn wir uns aber als Christen bezeichnen, dann bezeichnen wir uns als Nachfolger von Jesus. Schlechte Neuigkeiten Leute, aber Jesus war sich nicht zu bequem, eitel oder konservativ, das Establishment zu kritisieren, sich vor allen zum Gespött zu machen, indem er unbequeme Wahrheit aussprach oder seine Komfortzone aufzugeben. Achja, und die Kinder werden es schon verkraften, wenn wir nicht jedes Jahr ein mal zum Strand fliegen. Es wird ja nicht gleich von uns verlangt, die eigenen Kinder ans Kreuz zu nageln.

Wir müssen ja nicht gleich mit einem „I Love Jesus“-Shirt ins Büro gehen oder jeden auf der Straße mit „Hast du schon die Gute Nachricht gehört?“ anquatschen. Aber handeln wir nach dem Vorbild von Jesus. Dann werden uns die Leute schon früh genug von alleine anquatschen und wir werden die Gelegenheit haben, uns zu erklären.

Hören wir auf, zu denken, „anders“ sei schlecht. Ja, einige werden so weiterhin denken (Haters gonna hate…) – na und? Johannes, Kapitel 15, Vers 18: „So euch die Welt haßt, so wisset, daß sie mich vor euch gehaßt hat“. Jesus war anders, Jesus war interessant. Wenn ihr nicht interessant sein wollt, dann werdet ihr mit einem echten, authentischen Christsein Probleme bekommen, denn – echt jetzt! – dann seid ihr nicht mehr normal. Und ihr werdet feststellen, wenn ihr durch deine Beziehung zu Jesus interessant seid, dann wird es euch auch nicht mehr so vorkommen, als wenn ihr euren Glauben anderen aufdrängen müsst, um Zeugnis zu geben. Mutige Leute sind spannend. So etwas macht neugierig.

Denkt mach darüber nach. Amen, Shalom chaverim, Peace out.

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13 Antworten auf „4 Gründe, warum wir Christen nicht ernst genommen werden

  1. Mit solch einem Thema hatte ich von deiner Seite aus nun wahrlich nicht gerechnet, ich bin positiv überrascht….auch wenn ich selbst mehr an die Wissenschaft als an Gott glaube, vielleicht aber auch an beide. Es wäre schön, wenn dort jemand wäre…aber ich schweife ab, interessante Worte, danke.

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      1. Weil du ein Mann der FAKTEN bist, zumindest habe ich dich bis jetzt immer so wahrgenommen. Es wäre schön wenn es so etwas wie einen Gott gibt der auf uns aufpasst. Als 10 jährige habe ich die Kinderbibel verschlungen…..immer und immer wieder gelesen. Mich haben die Geschichten fasziniert von Adam und Eva, der Arche Noah oder der Turmbau zu Babel. Ich liebe es an Wunder zu Glauben, Übersinnliches oder andere Wesen dort draußen, aber „Gott“ ist wohl für einen jeden von uns anders und so gar nicht erklärbar.

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        1. Schmeichelhaft. Aber warum schließt es sich aus oder verwundert zumindest, an Gott zu glauben, wenn man ein „Mann der Fakten“ ist? Wissenschaftlich kann man seine Existenz weder widerlegen noch bestätigen. Es haben sich jedenfalls eine ganze Menge Dinge aus der Bibel bewahrheitet, die man so eigentlich nicht hätte wissen können, ich habe schon Lahme wieder gehen gesehen, selber und bei meiner Frau übernatürliche Heilung erlebt und allgemein macht die Bibel für mich mehr Sinn, als zu sagen, das sei alles ein großer Zufall. Aber ich kann es total gut nachvollziehen, wenn man das alles immer noch als zu unwahrscheinlich erachtet und erdreiste mich nicht, generell klüger, weiser oder besser als Andersgläubige zu sein. Nenn mich einen agnostischen Christ, so lustig das auch klingen mag.

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          1. Ich will offen sein, hinterfrage aber auch gerne mal genauer ^^ Nein du hast natürlich recht, das eine schließt das andere nicht aus. Solche Erfahrungen wie du habe ich jedoch noch nie machen dürfen, freue mich natürlich sehr für „Euch“. Religion ein Thema das auf jeden Fall Spaß macht. Jede hat auf seine eigene Art etwas unglaublich anziehendes.

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    1. Hi 🙂 @woandersblog
      Ich bin davon überzeugt dass „dort“ jemand ist … Ich greife jetzt mal deinen Glauben an die Wissenschaft auf. Du bist Dir ja bewusst, dass wir in einer 3D Welt leben und durch diese uns bewegen (4. Dimension)? Physiker sind überzeugt, dass es weit mehr als 5 Dimensionen gibt. (Ist die 5. D nicht die Überwindung von Raum bei unveränderter Zeit ? Beamen/„Tessern“ (aus einem Jugendroman) bzw. Krümmung von Raum? Eine Zeitfalte?)
      Was wenn ich dir sage, dass (weil Gott nichts unmöglich ist), Er diese 4. Dimension überwinden kann – was wir ja nicht können? Das würde zumindest zB erklären warum die Engel bei Jesus Geburt den Hirten „wie aus dem nichts“ erschienen sind. Da würden Menschen heutzutage auch Schiss kriegen und weglaufen. Und Jesus hat selber auch einen Anhaltspunkt (für meine Theorie) geliefert: Er sagte mal „das Reich Gottes ist mitten unter euch!“ was, wenn er einfach eine andere Dimension neben unserer wahrnehmbaren Welt meinte? Klaro, dass die damals das nicht kapiert haben, aber auch heute käme kaum jemand drauf.
      Ich diskutiere hin u wieder mit meinem Dad darüber .. er hat mehr Zeit für Bibelstudium und ich ähnliche und andere Sichtweisen,z.B. mehr Richtung Science und SciFi.
      Was meint ihr..?

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      1. Interessanter Gedanke mit den verschiedenen Dimensionen. Was man meiner Meinung nach aber auch nicht vergessen darf, ist die Tatsache, dass die Evangelien z.B keine Zeugenberichte, sondern traditionell überlieferte Erzählungen sind. Die Details (Ist Jesus tatsächlich in Bethlehem geboren? Kamen Engel zu den Hirten? Hat er Wasser in Wein verwandelt? etc. …) sind meiner Meinung nach definitiv in Frage zu stellen. Es gibt viele Mythen in der Bibel, die vielleicht eher mit introvertiertem Intuieren auf ihre Bedeutung überprüft werden sollten, als mit introvertiertem Denken auf ihre logische Konstistenz im Sinne von: „Wie ist dieses wundersame Ereignis tatsächlich passiert?“
        Ich glaube zum Beispiel nicht, dass Jesus auf dem Wasser ging, dementsprechend mache ich mir auch keine Gedanken darüber, wie so etwas möglich gewesen sein soll.

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        1. Danke Sam.. aber – wirklich jetzt?

          Gott hat da ein super Timing hingelegt: es gab gerade eine Volkszählung;) d h es sollten Aufzeichnungen vorhanden sein. Zu Jesu Tod war Israel eine römische Provinz und auch dort gab es Aufzeichnungen. Die Römer waren da schon ziemlich bürokratisch. Wenn man die Bibel weniger als Märchenbuch und mehr als historisches Sammelsurium von Schriften betrachtet und wirklich wissenschaftlich untersucht, findet man eher Beweise für die Existenz Jesu (zum Beispiel).
          Aber wie kannst du denn Christ sein, ohne Jesus‘ Göttlichkeit als er Mensch gewesen ist (Wunder, die du genannt hast), zu glauben? O_o
          #irritiertguck

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          1. Die Bibel würde ich nicht als Quelle für historische Fakten benutzen, alleine schon aus der Tatsache, dass keiner ihrer Autoren als neutraler Beobachter bezeichnet werden kann.
            Ich gehe nur mal auf die Volkszählung ein, und weshalb es wenig Sinn macht, dass Jesus tatsächlich in Bethlehem geboren wurde, um meinen Punkt zu untermauern:

            Lukas 2,1: „Es begab sich aber zu der Zeit, dass ein Gebot von dem Kaiser Augustus ausging, dass alle Welt geschätzt würde.“
            Alle Welt! Schwer vorstellbar, dass Augustus das tatsächlich aufgetragen hat, wenn man mal an den Aufwand denkt, dass alle Einwohner des gigantischen Reiches durch die Länder in ihre Heimatstädte und wieder zurück zu ihrem Wohnsitz gescheucht werden. Das wäre schon zur heutigen Zeit schwierig, zur damaligen geradezu undurchführbar.

            Ignorieren wir mal aber das „alle Welt“ oder gehen davon aus, dass ich das einfach nur falsch verstanden habe.
            Lukas 2,2: „Und diese Schätzung war die allererste und geschah zur Zeit, da Quirinius Statthalter in Syrien war.“
            Wenn man historische Aufzeichnungen befragt, stellt sich früher oder später tatsächlich heraus, dass es eine Volkszählung des Quirinius in Judäa gab. Das weiß man daher so genau, weil es einen Widerstand gegen die angeordnete Volkszählung gab, aus dem ein Volksaufstand entstanden ist.
            Etwa im Jahre 6 nach Christi Geburt. Die Jahreszahl kann also schon mal nicht stimmen. Aber okay, wir wollen da mal nicht kleinlich sein.

            Die Reise nach Bethlehem war allerdings schon an sich fragwürdig: ohne Grundbesitz in Bethlehem hätte die Reise für Josef wenig Sinn ergeben, weil die besagte Volkszählung von Quirinius nur Grundbesitzer in den Heimatstädten betraf. Sonst hätte er dort Pächter oder Sklaven gehabt, wäre wohlhabend gewesen (dann hätte Maria auch keine Taube –> Armenopfer, sondern ein Lamm geopfert) und die ganze Geschichte mit der Unterkunftssuche wäre nicht notwendig gewesen.
            Und selbst für den unwahrscheinlichen Fall, dass Josef doch irgendwie Grundbesitzer in Bethlehem war, muss man sich doch die Frage stellen: warum soll er seine hochschwangere Maria mitgeschleppt haben? Ihre Anwesenheit war bei einer Steuerschätzung nicht nötig, da die Registrierungspflicht sich stets auf die Familienoberhäupter bezog. Außerdem zogen sich diese Schätzungen über Monate hin, es gab keinen festen Termin, also gab es keinen Grund zu solcher Eile. Dementsprechend wäre eine Reise nach Bethlehem mit Maria fahrlässig von Joseph gewesen.
            Der Weg von Nazareth nach Bethlehem betrug über 100 Kilometer und war davon abgesehen auch gefährlich. Einzelpersonen oder kleine, wehrlose Reisegruppen liefen immer Gefahr, überfallen zu werden, das Gleichnis vom barmherzigen Samariter von Jesus war demnach der Realität nicht all zu fern. Nur an hohen Festtagen konnten sich zum Schutz vor Räubern größere Karawanen bilden. Es ist aber nirgendwo die Rede, dass die Steuerveranlagung an einem der hohen Festtage stattfanden, falls dem nämlich so gewesen wäre, wären sie entweder durch ihre religiöse Pflicht zur Wallfahrt an ihrer politischen Pflicht zur Schätzung oder umgekehrt gehindert worden sein. Allerdings bestand diese religiöse Pflicht für alle – mit einigen wichtigen Ausnahmen: unter anderem eben Frauen.

            Ich könnte jetzt weitermachen, aber ich denke, das sind genug Gründe, warum die Bethlehemsgeburt mal zumindest angezweifelt werden darf. Die Bibel muss eben auch im religiös-politischen Kontext der Autoren gesehen werden und ganz offensichtlich lag Lukas (bzw dem Autoren des Lukasevangeliums) viel daran, Jesus in der „Davidsstadt“ Bethlehem geboren werden zu lassen. Wegen Prophezeiungen und so.

            Und zu deiner Frage: „Aber wie kannst du denn Christ sein, ohne Jesus‘ Göttlichkeit als er Mensch gewesen ist (Wunder, die du genannt hast), zu glauben?“
            Zunächst habe ich hier nicht gesagt, dass ich Jesus all seine biblischen Wunder abspreche. Dass er Kranke geheilt hat, kann sehr gut möglich sein. Wenn man aber anderen religiösen Schriften fair gegenüber ist und ihnen ebenfalls glauben schenkt, dann haben das auch heidnische Priester, Könige und (vor allem römische) Kaiser. Das ist nichts Neues. Und heute gibt es genug „Wunderheilungen“ – auch von Agnostikern/Atheisten, die noch nicht erklärt werden können. Noch nicht, weil wir einfach noch nicht alles verstehen.
            Und ja, klar kann ich Christ sein und nicht an Wunder glauben. Ich fühle mich eher komisch bei dem Gedanken, dass ich an Jesus glaube, *wegen* den vermeintlichen Wundern. Ich meine, welchen Wert hat *Glaube*, wenn ich dafür erstmal Wunder brauche? Das Wichtigste ist nur die Annahme, dass er Gottes Sohn ist, ohne Sünde lebte, für uns am Kreuz starb und ich diese Aussage annehme. Der Rest ist doch völlig egal.

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            1. Ehrlich gesagt : „das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns“ – Jesus ist damit gemeint. Wenn man sich ne was rauspickt aus der Bible und dem christlichen Glauben, dann wird es für mich schwierig, das/den dann als „Christ“ zu bezeichnen. Hey! Ich mache auch Fehler (Sünden), aber die Bibel ist doch die Grundlage für den christlichen Glauben.

              Sitze in der UBahn, daher nachher mehr.

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  2. Oh Mann ! Ich bin über deinen Eintrag über INTP hier auf deinen Blog gekommen und war schon total happy und erleichtert, zu ca. 95% richtig getroffen worden zu sein. Es ist schön, wenn man „verstanden“ wird. Ich hätte diesen Text gern bereits vor 10-20 Jahren gehabt und hätte ihn jedem Menschen, der mit mir nicht klar kam als eine Art „101- Kurzes Handbuch“ in die Hand gedrückt.

    Danke dafür!
    Und jetzt lese ich, dass du Christ bist ! (Danke für die berechtige Kritik/kritischen Kommentare!)
    Ich bin baff. Und ja! Klaro, wieso sollte sich Fakten orientiertes Denken und Christsein gegenseitig ausschließen? Bin selber ein sehr neugieriger, vielseitig interessierter Mensch des weiblichen Geschlechts (LOL, hüstel) und das umfasst Wissenschaft wie Science Fiction. Und über die Wissenschaft kommt man auch wieder zu Gott und nein, Bibel und Wissenschaft schließen sich auch nicht aus, wenn man einfach die Prämisse zugrunde legt: Gott existiert – wie in seinem Wort beschrieben. Ergo (über ein paar gedankliche Schritte) ist Gott der erste und größte Wissenschaftler! Und er hat uns nach seinem Bilde erschaffen – das Gute in uns, nach seinem Bilde, will erschaffen, Wissen aneignen, helfen, schützen. (Ich könnte hier noch ewig weiter schreiben, muss aber wieder weiter arbeiten.. 😉 Tippe auch am Handy .. ggf tauchen hier blöde Tippfehler auf, die mir im Browser am PC sicher nicht passiert wären. 😉 )

    Ich stöbere heute Abend weiter auf deinem Blog! (Auch ein langer Traum von mir Blog/Schriftstellerei!)
    Viele Grüße, cu und live long and prosper!
    Liane

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    1. Hi Liane,
      Freut mich, dass du dich wiederfinden kannst!
      Das Thema „INTP und Christ“ bleibt für mich jeden Tag ein kontroverses, an dem ich mich reibe. Viele Dinge machen einfach keinen Sinn für mich und regen mich (oft gerade deshalb) auf, auf der anderen Seite ist mir klar, dass mein Verstand offensichtliche Grenzen hat und ich nicht alles begreifen kann oder muss.
      Anhand deines Kommentars gehe ich mal davon aus, dass du selbst auch ein INTP bist – nur, ob du dich als Christ siehst oder nicht wird mir nicht ganz klar. Das würde mich schon interessieren, vor allem, weil ich außer mir selbst keinen INTP kenne, der Christ ist.

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      1. Oha 0;-) jetzt hab ich doch glatt am Thema vorbei geschrieben.. doch! Bevor ich wusste, was MBTI bedeutet, war ich schon Christ, bin so aufgewachsen und erzogen – aber meine Entscheidung kam eines Wintertags abends in der Dusche. 2014, glaub ich. Und es lässt sich sehr gut miteinander vereinbaren.
        (Allerdings tippe ich wieder am Handy..) Dass der Mensch Gott nicht erfassen kann, ist völlig normal. Kann ein zwei-Dimensionales Wesen eins aus der 3. Dimension begreifen? Und wir sind 4 dimensional – und Gott ist ewig und kann zeitgleich überall sein (ihn ist nichts unmöglich), wie sollen wir uns ein ewiges/zeitloses Wesen vorstellen können? Darum sollen wir uns keine Bilder machen. Wir würden diese anbeten statt Gott. Ich erkläre Gott seit neuestem gern als eine Kugel mit unbekanntem Radius 😉 wo ist der Anfang, wo das Ende? (Das nur erst mal am Rande, könnte noch stundenlang darüber palavern und dabei .. bin ich immer eine wissenschaftlich interessierte und gebildete INTP 😉 – ich meine ich hatte Bio LK und ein paar Semester Chemie studiert und bin jetzt Patentanwaltsfachangestellte – habe also immer noch indirekt mit Erfindungen zu tun, was die „trockene Büroarbeit“ interessant macht. Privat entspanne ich mit Serien, Filmen, Googlen, Psychologie, singen, malen, tanzen, bissl Fitness, kochen, backen, garteln.. bin sehr gern schöpferisch und kreativ tätig, aber mag auch das genaue arbeiten in meinem Job. Könnte fast schon pedantisch wirken. Wenn ich mich langweile, analysiere ich meine Kollegen. Lol. Aber das hilft zu verstehen.. und: ich überlege mich zum Mediator weiterzubilden…)

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