Die beste Sportart überhaupt

…heißt historisches Langschwertfechten.

Noch nie von gehört? Das ist der Grund, warum ich über dieses für mich eher unübliche Thema schreibe. Nachdem ich vergangenen Samstag auf dem Turnier wieder spannende Gefechte erleben durfte und jetzt immer noch schwärmerisch daran zurückdenke, immer noch mit enormen Muskelkater im ganzen Körper, habe ich mir vorgenommen, meinen Teil dazu beizutragen, diese langsam wieder auflebende Sportart etwas bekannter zu machen. Nicht zuletzt, da die verträumte Autorennische ohnehin sehr affin für diese doch recht romantische Sportart ist.

Historisches Langschwertfechten, was ist das überhaupt? Aus ungefähr 70 deutschsprachigen und weit über 20 europäischen Bild- und Textquellen, wurde die Fechtkunst des 13. bis 17. Jahrhunderts wiederentdeckt und rekonstruiert. Im Titelbild seht ihr eine dieser Abbildungen von Hans Talhoffer, einem Lohnfechter, der im 15. Jahrhundert gelebt hat und als Verfasser von Fechthandschriften sehr wichtig für die Sportart war und wieder geworden ist. Alle Bewegungen, die wir im Unterricht lernen, basieren auf Quellen wie diesen und wurden eigens für die Sportart neu und verständlich definiert.

Gefochten wird, wie man sich denken kann, mit einem Langschwert. Keine Sorge, sie haben weder scharfe Schneide, noch einen spitzen Ort und für Gefechte gibt es entweder eine abgewandelte Form des japanischen Shinais, einem Bambusschwert oder eine sogenannte Feder mit biegsamer Klinge.

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Unser Verein kauft die Stahl-Sportwaffen von Jiri Krondak, einem tschechischen Schmied, der die Langschwerter in echter Handwerkskunst selbst schmiedet.

Beim ganzen Training spielt Authentizität eine große Rolle – nicht im Bezug auf die Gewalt, sonst hätte ich Probleme, überhaupt diesen Bericht zu schreiben, sondern auf die Bewegungen mit dem Schwert. Die Waffe selbst wiegt – das schätzen viele falsch ein – nur 1,5 – 2 Kilogramm und ist damit recht handlich und kann auch ein ganzes Turnier lang verwendet werden, ohne dass einem der Arm abfällt. Jede Bewegung, von den Beinen bis zu den Armen hat ihren Sinn und Zweck, wie es für eine Kampfsportart üblich ist.

Viele in meinem Bekanntenkreis stellen sich unter dem Langschwertfechten verspieltes Herumgefuchtel vor – tatsächlich ist es allerdings eine Sportart, die viel Übung, Konzentration und vor allem saubere Technik verlangt. Mit letzterem tue ich mich manchmal etwas schwer, da mein Kopf schneller denkt, als mein Körper handelt, aber ich als Asthmatiker und Skoliose-Patient (leicht verdrehte Wirbelsäule), merke, dass mir die Sportart unter’m Strich sehr gut tut. Zum einen braucht jeder Mensch Bewegung, aber ich bin niemand, der ins Fitnessstudio gehen und hirnlos für zwei Stunden Gewichte stemmen oder auf dem Laufband rennen würde. Wenn ich meinen inneren Schweinehund schon überwinden muss, Sport zu betreiben, dann muss dieser auch Spaß machen. Und Junge, alleine schon für den steigende Adrenalinspiegel, wenn man gerade noch so einem gut platziertem Unterhau ausweichen konnte, lohnt es sich, dieser Sportart eine Chance zu geben, wenn man beim Anblick eines Schwertes das Kribbeln in den Fingern verspürt, das elegante Stück in die Hand zu nehmen.

Ich fechte mittlerweile seit gut zwei Jahren (wenn man von meinem Backround absieht, in dem ich auch mit Degen und Florett gefochten habe, wobei das zu großen Teilen anders abläuft) und die Begeisterung hat kein bisschen abgenommen. Es macht sowohl Spaß, neue Techniken und Taktiken zu lernen, als auch, sie nach und nach in freien Gefechten zur Anwendung zu bringen. Als Anfänger wird man logischerweise noch nicht mit einer Waffe auf einen Trainingspartner losgelassen, sondern zunächst werden die Basisschläge und die richtige Beinarbeit einstudiert, aber schon das macht ziemlich Spaß.

Und das Beste ist – als Autor, der gerne auch mal den ein oder anderen Schwertkampf portraitiert, ist man in der Lage, diesen auch ganz authentisch und technisch korrekt darzustellen. Oder bei Filmen den Klugscheißer zu spielen und darauf hinzuweisen, wie sinnlos etwaige Drehungen um die eigene Achse oder tumbes Gegeneinanderdrücken der Klingen ist 🙂

Wenn’s euch interessiert, erkundigt euch mal im Internet – bestimmt gibt es auch in eurer Gegend einen Verein, der historisches Fechten anbietet! Und für weitere Fragen stehe auch ich gerne bereit.

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ISFJ – Der Beschützer

Allgemeine Beschreibung & Klischees
Liebevolle Helfer. Spießige Vernunftsmenschen. Engstirnige Spielverderber. Bewahrer der Werte. Das ist die übrigens die pädagogische Sandwich-Methode, wie man Kritik am besten verpackt. Das soll zwar keine Kritik sein, nur eine Auflistung von Klischees, aber ich will ein möglichst ausgeglichenes Bild schaffen, dass sich kein ISFJ (oder jemand, der bestimmte ISFJs besonders gern hat) auf den Schlips getreten fühlt.

Jetzt hatten wir die typischen Bilder, mit denen man einen ISFJ abstempeln könnte, wenn man faul ist, aber wie immer steckt viel mehr dahinter und erfordert auch eine Begründung, um zu verstehen, warum eben genannte positive und negative Eigenschaften denn nun tatsächlich zutreffen.

Erste Funktion – Introvertiertes Empfinden („Sensing Introverted, kurz SI“)
Fangen wir also mit der am stärksten ausgeprägtesten Funktion, dem introvertierten Empfinden, kurz SI an, das S im ISFJ. Wenn man eine allgemeine und oberflächliche Erklärung dafür will, dann kann man „SI“ als eine Art Festplatte betrachten, auf der sämtliche Daten gespeichert werden. Kennt ihr Leute, die sich jeden Blödsinn merken können, bis ins Detail? Ob sie wollen oder nicht? Wird wahrscheinlich jemand mit stark ausgeprägtem SI sein. Was man nun genau unter „jedem Blödsinn“ versteht, ist zwar auch davon abhängig, ob man ein Fühler oder ein Denker ist, aber prinzipiell müsste die Idee klar sein. Jetzt könnte man natürlich auch empört fragen: „Willst du jetzt behaupten, alle SI-Typen haben ein besseres Gedächtnis als die anderen?“

Da kann ich euch beruhigen: nein, nicht zwangsläufig. Wie auch andere SI-Typen misst der ISFJ Erinnerungen, Erfahrungen und gesammelten Fakten tendenziell mehr Bedeutung zu. Zwar ist das introvertierte Denken (TI) als dritte Funktion auch vorhanden, um die gesammelten Daten zu analysieren, aber man verlässt sich mehr auf offensichtliche Wahrheiten, als auf jene, die in der Theorie Sinn machen, aber eventuell unrealistisch umzusetzen sind. Das macht ISFJs vor allem zu Realisten, die versuchen wollen, Idealisten mit ihren verrückten Visionen in die Schranken zu weisen, es sei denn, sie haben wirklich überzeugende Argumente. Daher der Ruf vom „spießigen Vernunftsmenschen“. Es fällt intuitiven Menschen folglich manchmal schwer, den Sinn in diesem Konservatismus zu sehen, allerdings gibt es auch gute Gründe für jenen. Wenn beispielsweise jeder Handwerkslehrling seine Arbeit von Grund auf neu aufgezogen hätte, ohne das Wissen seines Meisters zu berücksichtigen, würden wir wahrscheinlich wesentlich unzufriedener mit unseren Möbeln sein. Um Fortschritt und Weiterentwicklung überhaupt erreichen zu können, ist nämlich zunächst das Etablieren von Standards notwendig, auf dessen Basis dann weitergearbeitet werden kann. Da der ISFJ als Fühler jedoch eher Gefühls- als Sachorientiert ist, trifft das bei ihm in allem Maße auf gesellschaftliche Normen zu, daher das Klischee vom „Bewahrer der Werte“.

Zweite Funktion – Extrovertiertes Fühlen („Feeling Extroverted, kurz FE“)
Die Präferenz zum Fühlen macht sich in der zweiten Funktion, dem extrovertierten Fühlen, kurz FE deutlich. So sind die Regeln und Sitten, die der ISFJ sowohl sich selbst, als auch häufig anderen auferlegt, stets darauf aus, dass sich jeder wohl fühlen kann. Ein reflektierter ISFJ berücksichtigt dabei auch die Tatsache, dass sein Empfinden dabei nicht das Maß der Dinge ist. Wenn zB ein ISFJ, der liebend gern Steak ist, mit einer Gruppe nach einem gemeinsamen Restaurant sucht, wird er seinen Wunsch in ein von ihm sehr geschätztes indisches Restaurant zu gehen, sicherlich nach hinten stellen, wenn sich dabei heraus stellt, dass jemand aus der Gruppe kein Indisch mag. Zum Beispiel ein anderer ISFJ, der schon einmal indisch essen war, das Essen grauenhaft schmeckte und er damit diesen kulinarischen Sektor bereits mit seinem SI bewertet hat. Selbst, wenn sie anderer Meinung sind, halten sich ISFJs allerdings aufgrund ihrer eher vorsichtigen, skeptischen Natur zurück und vermeiden Diskussionen, die aufgrund ihrer FE-Präferenz, die darum bemüht ist, Harmonie zu schaffen und zu bewahren, sehr anstrengend für sie sein können. Sollte es jedoch notwendig sein, so kann man sich darauf einlassen, dass ein ISFJ seine Argumente mittels seines analytischen Denkens (TI) und präziser Aufzählung von Fakten (SI) ein fähiger Diskussionspartner sein kann.

Notwendigkeit entsteht vor allem dann, wenn die Werte, die ein ISFJ als heilig ansieht, angegriffen werden. Welche Werte das sind, wird typischerweise durch das äußere Umfeld bestimmt. Extrovertiertes Fühlen beobachtet wie gesagt scharf die emotionale Umgebung und daher ist ein ISFJ sehr aufmerksam, wenn es darum geht, zu erkennen, wie andere Menschen reagieren. So habe ich beispielsweise beobachten können, dass eine langjährige Freundin von mir, eine ISFJ, die mit Videospielen eigentlich gar nichts abgewinnen kann, sich dennoch auf mehrere gemeinsame Runden Prügelspiele an der Konsole eingelassen hat, da jeder andere anwesende im Freundeskreis seinen Spaß daran hatte. Tatsächlich machte ihr das letztlich (zumindest dem Anschein nach) auch Spaß und sie wurde sogar recht gut darin. Hier liegt die Krux an der ganzen Sache: das eher unterdrückte extrovertierte Intuieren (NE), die vierte Funktion, will tendenziell neue Erfahrungen machen, die dann ebenfalls bewertet und einsortiert werden können, aber durch die konservative Skepsis muss sich der ISFJ genau so wie der ISTJ erst aktiv dazu überwinden. Wenn der Punkt jedoch erreicht ist, kann eine geradezu kindhafte Freude am Neuen geweckt werden, die man vom eher ruhigen Naturell des ISFJs gar nicht gewohnt ist. Es dürfte klar sein, dass dies so gut wie nie außerhalb eines geschützten sozialen Rahmens passiert, weshalb es für den ISFJ umso wichtiger ist, dass er ein stabiles Familienumfeld und gute Freunde hat.

Fazit & Beispiele
Um das zu gewährleisten gibt der ISFJ häufig einen Teil seiner eigenen Identität auf – das gemeinschaftliche Wohl steht über dem individuellen, wenn es keine offensichtliche Alternative gibt. Das mag den Anschein wecken, dass ISFJs häufig Mitläufer sind, jedoch muss man beachten, dass sie auch nur so lange mit dem Strom schwimmen, bis die Meinung der Masse von ihrer eigenen abweicht. Nicht selten entwickelt ein ISFJ daher erst mit steigendem Alter deutlich traditionelle und konservative Züge, da die Werte, für die er einsteht zunächst noch gebildet werden müssen – und die Zeit, in der das passiert ist, mit den Leuten, die ihm zu dem Zeitpunkt wichtig waren, werden ihm stets eine wichtige Erinnerung und Prägung bleiben.

Demnach lässt sich ableiten, dass ISFJler wohl zu den loyalsten der 16 Typen gehören, für die Verbindlichkeit und Bodenständigkeit enorm wichtig sind. Aufgrund ihrer nach außen fühlenden Tendenz sind sie extrem aufopferungsbereit, allerdings tut man gut daran, sich für die Unterstützung eines ISFJs auch dankbar zu zeigen oder ihm klar deutlich zu machen, dass seine Hilfe nicht benötigt wird, aber man das Angebot schätzt. Damit zeigt man, dass man den ISFJ, der sehr sensibel gegenüber der Meinung anderer sein kann und sich dementsprechend auch zum Selbstschutz ab und an isoliert, auch wirklich wahrnimmt und achtet. Jeder braucht Anerkennung und besonders jene, die so viel für die Allgemeinschaft tun (die meisten Menschen, die in der Pflege arbeiten, sind ISFJs), verdienen sie auch.

Hier einige Beispiele von mehr oder weniger bekannten Personen aus Fiktion und der realen Welt:

  • Mutter Theresa (Heiliggesprochene Nonne)
  • Fluttershy (My Little Pony)
  • Kate Middleton (Britische Herzogin, Gattin von Prince William)
  • Sansa Stark (Game of Thrones)
  •  Jorah Mormont (Game of Thrones)
  • Chewbacca… glaube ich zumindest… (Star Wars)
  • John Watson (BBC’s Sherlock)
  • Night Owl (Alan Moore’s Watchmen)
  • Triss Merigold (Die Hexer-Saga)
  • Maid Marian (Disney’s Robin Hood)
  • Jerry Gergich (Parks & Recreation)
  • Ann Perkins (Parks & Recreation)

Auswertung von „Herendir“ – INFP

1. Ein Arbeitskollege, mit dem du gut zurechtkommst, auch wenn ihr nicht befreundet seid, hat vergessen, eine wichtige Aufgabe auf den nächsten Tag zu erledigen, obwohl er eine Woche Zeit dafür hatte. Nun ruft er dich an einem Sonntagnachmittag an, und bittet dich, ihm zu helfen, um noch rechtzeitig fertig zu werden – du hast dich eigentlich auf deine Freizeit gefreut. Ihm zu helfen, würde sicherlich mindestens zwei Stunden Zeit kosten.

Wenn ich tatsächlich „Freizeit“ habe und unter keinerlei Druck stehe, dann definitiv. Habe ich aber beispielsweise etwas konkretes und wichtiges vor (was zwar für einen Sonntag recht unwahrscheinlich ist, aber nicht unmöglich), KÖNNTE es sein, dass ich ihm schonend beibringe, dass es mir momentan nicht wirklich möglich ist, ihm zu helfen, auch wenn mir dies sehr schwer fallen würde.

Sehr bedacht auf den eigenen Gemütszustand – tendenziell introvertiertes Fühlen (FI).

2. Dein Chef teilt dir mit, dass er folgende Woche auf Fortbildung gehen wird und er hat dich damit beauftragt, die Leitung des Geschäfts und damit auch deiner Kollegen in seiner Abwesenheit zu übernehmen. Deine Kollegen sind zuverlässig und auch du bist ein fähiger Mitarbeiter und warst bislang mit deiner momentanen Arbeit nicht überfordert. Wie fühlst du dich mit dieser Verantwortung? Welche Gedanken überkommen dich und was überlegst du dir?

Meine erste Reaktion „Oh Gott.“ Schon beim Lesen dieser Worte spüre ich die Überforderung und die Angst vor Versagen in dieser verantwortungsvollen Aufgabe. Ich bin nun wirklich absolut keine Führungspersönlichkeit und würde mich darin unwohl fühlen. Allerdings habe ich die Aufgabe nun ja einmal bekommen und werde mich dieser auch annehmen. Schließlich soll man sich seinen Ängsten stellen und da ich auf die Zuverlässigkeit der Mitarbeiter zählen kann, wird es vielleicht gar nicht so schwer. Ich würde versuchen, die Situation positiv zu sehen und meinen Chef nicht zu enttäuschen und vielleicht auf die Unterstützung der Mitarbeiter hoffen.

Introvertierte, scheue Haltung, Angst vor Verantwortung und Führung – eher gering ausgeprägtes extrovertiertes Denken (TE). Du meintest, du „hoffst“ auf Unterstützung der Mitarbeiter, willst deinen Chef zeitgleich nicht enttäuschen. Du willst also um keinen Preis jemandem zur Last fallen, diese Einstellung bemerkt man auch sehr häufig bei introvertierten Fühlern.

3. Was sind deine freizeitlichen Interessensgebiete? Begründe, wenn möglich.

Puh, da könnte ich viel erzählen und ich muss sagen, dass ich sehr stark von einer Interesse auf die andere überspringe und mich nur kurzzeitig intensiv damit beschäftige, nur um von einer anderen wieder abgelenkt zu werden. Gut, mit MBTI beschäftige ich mich nun schon eine ganze Weile und lese viel darüber, aber auch das wird immer kurzzeitig von anderen Sachen unterbrochen. Gilt auch für meine Hobbys.
Aber ich rede viel zu lange um den heißen Brei (was ich leider sehr oft tue, btw.). Ich interessiere mich für psychologische Sachen, wie eben MBTI, da ich die menschlichen Intentionen und vor allem meine eigenen gern nachvollziehe und verstehe. Für mich ist das fast wie eine Droge, ich liebe es, mich (und auch andere) einzuschätzen, die Hintergründe von Persönlichkeiten zu erforschen etc.
Auch philosophische Dinge und Religion interessieren mich sehr.
Aber mehr noch packen mich sämtliche fiktionale Welten – ich bin großer Herr der Ringe-Fan, aber das nur an erster Stelle – nachfolgend noch viele weitere ausgedachte Universen.^^
Desweiteren interessiere ich mich für Sprachen, in Verbindung mit Herr der Ringe führte das beispielsweise dazu, dass ich mich lange Zeit mit den Sprachen der Elben beschäftigte.
In Verbindung mit meiner Faszination durch Anime dazu, dass ich anfing, Japanisch zu lernen.
Außerdem schreibe ich Gedichte (welche allgemein als „sehr gut“ bezeichnet werden) und auch Geschichten, allerdings bleibt es bei diesen eher immer nur beim Anfangen und es kommt nie zum Fertigstellen und Beenden dieser, was an verschiedenen Faktoren liegt.
Letztendlich spiele ich periodisch auch mal das ein oder andere PC-Spiel, ich schaue (zu viel) Serien und auch Anime, surfe im Internet, betreibe soziale Netzwerke (wobei, von „Betreiben“ kann hier vielleicht weniger die Rede sein, da ich nur zeitweise aktiv bin), schreibe Tagebuch etc.
Kurz: Ich habe viele Hobbys und Interessen, die dazu führen, dass ich mich mit keiner/keinem wirklich intensiv beschäftige und ich auch manchmal unschlüssig bin, was ich tun soll – offensichtlich ist es in meinem Fall noch die Schule, aber naja … *hust*

Viele Interessen und Hobbies, die nicht „zu Ende geführt“ werden ist ein typisches Merkmal für extrovertiertes Intuieren (NE). Tagebücher werden in der Regel von Intuierern geschrieben (oder von SJ-Typen, die es von ihren Therapeuten empfohlen bekommen, sich aber idR eher schwer damit tun). Gedichte zu schreiben ist vor allem bei FPs  eine beliebte Beschäftigung, da sie die Gefühle auf eine besonders ästhetische Weise ausdrücken können, während NTPs (ich kenne keine NJTs, die so etwas tun), Gedichte eher als gesellschaftliche Kritik in künstlerischem Gewand nutzen. 

4. Stelle dir vor, du müsstest für ein halbes Jahr bei einer anderen Person wohnen – die Umstände sind irrelevant. Stelle dir nun eine fiktive Person vor, bei der du glaubst, dass du gut mit ihr zurecht kommen und dich eventuell sogar mit ihr anfreunden könntest und notiere als Antwort ihre Eigenschaften, die du zu schätzen wüsstest.
Ich hoffe doch, es ist eine weibliche Person – vielleicht entwickelt sich ja was daraus… hehe… Okay, Spaß beiseite.
Ich würde es zu schätzen wissen, wenn diese Person mir meinen persönlichen Freiraum lässt und mich einerseits bei bestimmten Dingen mitentscheiden lässt und mich bei meinen eigenen Entscheidungen unterstützt. Allgemein wäre es wohl hilfreich, wenn diese Person etwas mehr Selbstvertrauen hat als ich. Außerdem wäre es schön, wenn die Person optimistisch ist – auch wenn ich selbst nicht gerade der optimistischste Mensch bin, kann ich übertriebenen Pessimismus nicht ausstehen, insbesondere, wenn dieser mir bei jeder sich bietenden Gelegenheit unter die Nase gerieben wird. Das heißt NICHT, dass mir diese Person nicht ihre Probleme offenbaren darf, im Gegenteil, aber es wäre schön, wenn sich diese Person dann auch helfen lässt und es nicht bei einem selbstbemitleidenden Monolog bleibt. Es wäre im Gegenzug auch schön, wenn diese Person ebenfalls offen für meine eigenen Probleme ist und mir neue Perspektiven eröffnen kann. Weiterhin wäre es schön, wenn diese Person in der Lage ist, mich zu motivieren und mir sprichwörtlich mal „in den Arsch zu treten“, damit ich mich auf wirklich wichtige Aufgaben konzentriere und mir nicht nur Spaß und Vergnügen gönne oder mich zu sehr aus der Realität ausklinke.
Empathie ist mir sehr wichtig, sprich, bitte keine Hasstiraden, Diffamierung und andauerndes Verurteilen (ist mir am wichtigsten von all dem Genannten und dem noch Kommendem, sprich, sei kein Arschloch).
Spontanität – nächstes Stichwort. Manchmal fällt es mir sehr schwer, spontan etwas zu unternehmen – wenn diese Person dahingehend etwas entscheidungsfreudiger ist, wäre das denke ich sehr gut (für mich und meine persönliche Entwicklung, sodass ich nicht immer nur zu Hause herum sitze).
Ich könnte hier sicher noch mehr anführen, aber ich denke, die wichtigsten Sachen habe ich genannt.

Du schärtzt deine eigene Freiheit und Unabhängigkeit, was besonders bei P-Typen ausgeprägt ist. Du musst von außen motiviert werden, dich in die Welt der Dinge und Menschen zu begeben, was auch wieder eine typisch introvertierte Tendenz ist. Auch NE wird wieder deutlich.

5. Tue wie bei Frage 5 dasselbe mit einer ausgedachten Person, von der du glaubst, dass ihr überhaupt nicht miteinander auskommen würdet und notiere von dieser zweiten Person ebenfalls die ausschlaggebenden Merkmale.
Ich denke, dass ich schon bei der vorher beschriebenen Person oft das Gegenteil genannt habe, aber hier dieses Mal in Stichpunkten alles was mir einfällt: – zu pessimistisch, arrogant, nicht empathisch, „ich habe immer Recht“-Mentalität, zu sehr abweichende moralische Ansichten, zu lässig (kann durchaus schön sein, aber wenn die Person NICHTS ernst nehmen kann, komme ich ebenfalls nicht damit klar), zu „realistisch“, beleidigend, intolerant (!!!), selbstverliebt, angeberisch, „böse“. Ich weiß nicht, ob diese Eigenschaften alle in einer Person zusammenfließen können, aber das wäre das worst-case-scenario.

Neben „zu realistisch“ (was eher eine NE-Abneigung ist) und „zu lässig“, wobei du damit wohl eher Gleichgültigkeit meinst, sind das alles typische FI-Feindbilder.

6. Nach was strebst du im Leben und weshalb? Wenn möglich, priorisiere bei mehreren Angaben.
Nach „Glück“, Zufriedenheit und Erfüllung im Job und auch im sozialen Bereich. Ich möchte etwas „sinnvolles“ im Leben tun, was ich nur mir, sondern auch anderen etwas bringt. Ich möchte andere glücklich machen und ihnen Liebe schenken – aber auch bekommen. Eine „Frau fürs Leben“ ist gleichzeitig ein wunderschöner und doch erschreckender Gedanke für mich, da ich mich einerseits sehr stark nach einer Partnerin sehne, aber insbesondere aufgrund meiner Erfahrungen die dadurch entstehenden Einschränkungen fürchte.
Aber eigentlich hasse ich diese Frage, denn ich weiß nichts Konkretes. Ich habe keine klare Vorstellung von der Zukunft und habe auch kein klares Ziel und von Prioritäten kann man beinahe nicht sprechen.

P-Präferenz. „Mal schauen, was das Leben so bringt“. Auch wieder sehr idealistisch.

7. Erinnere dich an eine Zeit, in der du dich richtig gut gefühlt hast. Notiere, weshalb du dich so gefühlt hast.

Es gibt nur eine einzige Woche in meinem Leben, von der ich behaupten kann, dass ich in dieser nur so in Glückseligkeit gebadet habe – als ich meine erste Freundin hatte und bei ihr war, als ich sie das erste Mal traf und ihr meine Liebe schenken konnte, so kitschig das auch klingen mag. Auch wenn diese Beziehung zu diesem später als „Blutegel“ (=Mensch, der die Liebe nur so aus dir heraussaugt und sie in Hass umzuwandeln scheint oder sie absorbiert) identifizierten Menschen eine wichtige und große Rolle in meinem Leben spielte, möchte ich nicht näher darauf eingehen, da mir das dann doch etwas zu persönlich ist.
Ansonsten fühle ich mich immer dann *wirklich* gut, wenn ich mich mit Menschen unterhalten kann, auf die möglichst folgendes zutrifft: 1. Ich empfinde tiefe Zuneigung und Sympathie für sie 2. Ich kann mit ihnen tiefgründige und „gehaltvolle“ Gespräche führen 3. Ich kann mit ihnen Spaß haben und in ihrer Anwesenheit so sein, wie ich bin, ohne darüber nachdenken zu müssen, wie ich auf sie wirke. -> Menschen zu finden, die diese Eigenschaften erfüllen ist unglaublich schwierig, deshalb bin ich froh, solche Menschen (2, auf die alle Punkte zutreffen) zu kennen und solche Momente erleben zu dürfen.

Man muss sich schon sehr anstrengen, um einen introvertierten Fühler dazu zu bringen, dass dieser ein solch generell negatives Bild über einen hat. Dann kann man sich aber leidenschaftlichster Abneigung bewusst sein. 

8. In welchen Situationen fühlst du dich unterlegen? Wann wird deine Selbstsicherheit empfindlich?

Immer dann, wenn ich mich innerhalb von Gruppen befinde. Wirklich „selbstsicher“ bin ich nur, wenn ich für mich allein bin und etwas mache, bei dem ich mir sicher bin, dass ich es kann – und selbst das ist *wirklich* selten. Mein Leben ist von Unsicherheit und (zumindest gefühlter) Unterlegenheit geprägt.

Das Bild ist mittlerweile ziemlich eindeutig – während ISFPs zwar auch Unsicherheiten kennen, sind sie doch viel selbstbewusster als INFPs, was sich auch darin zeigt, dass sie aktiver in ihrer Umgebung sind, während INFPs meistens in ihren Gedanken bleiben, was bei dir der Fall zu sein scheint.

9. Wenn du etwas Neues erlernst, wie kannst du dies am besten bewerkstelligen? Bist du beispielsweise fähiger darin, über Theorien nachzudenken, Dinge auswendig zu lernen oder praktisch mit den Händen anzugehen?

Ich würde sagen, dass mir ersteres immer noch am leichtesten fällt. Auch zweitens geht relativ schnell – auch wenn bezogen eher auf Gedichte, beispielsweise. Etwas „praktisch mit den Händen angehen“ – uff. Darin bin ich absolut unfähig – gefühlt am unfähigsten von allen, die ich kenne. Ich erinnere mich an verschiedene Dinge – spontan fällt mir ein, dass wir in dem Schulfach Literatur einst „Handpüppchen“ basteln sollten und dabei Knöpfe annähen sollten. Mit dieser Situation war ich überfordert as fuck und ich bin kläglich gescheitert. Solche Situationen sind für mich unglaublich überfordernd. Alles was nur annähernd mit Praxis zu tun hat – ich habe beinahe keinen Zugang dazu. Das ist schon in vielen Situationen ÄUSSERST unpraktisch und hochgradig peinlich gewesen.

Hier eine weitere Bestätigung – definitiv kein stark ausgeprägtes extrovertiertes Empfinden (SE). 

10. Wie gehst du generell mit neuen Ideen um? Versuchst du zum Beispiel die Prinzipien dahinter zu erfassen, um zu erkennen, ob sie Sinn machen oder suchst du nach Informationen, Argumenten und Beweisen, die diese Ideen unterstützen?

Beides, aber ich würde beinahe sagen, insbesondere ersteres. Mehr fällt mir dazu gerade nicht ein, ich hoffe, das reicht aus an Information.^^

Passt. Bevorzugung von Intuition.

11. Wie nehmen dich deine Bekannten, Arbeitskollegen, Freunde und Familie wahr, beziehungsweise, wie glaubst du, dass sie dich wahrnehmen? Was wären die (wenn möglich positiven und negativen) Eigenschaften, mit denen sie dich wohl am ehesten beschreiben würden?

Ich bin „nett“„faul“ und ein „Chaot“. So bezeichneten mich viele in meiner Vergangenheit, die mich nicht näher kannten.
Meine Eltern sagen, ich sei „intelligent“ (viele sagen, ich sei intelligent, auch wenn ich das permanent zurückweise, da ich mich selbst nicht für intelligent halte), andere sagen, ich bin zu „sensibel“. Meine Ex sagte, ich „würde nicht in der Realität leben“ und wäre ein „Spießer“ und „absolut unreif“ (mal abgesehen von zahlreichen (weiteren) Beleidigungen, die sie mir an den Kopf warf). Viele sagen, sie empfinden „Wärme“ in meiner Gegenwart und ich hätte eine „unschuldige Aura“ (das sagt meine beste Freundin zumindest). Mein bester Freund meint, ich bin „zu sensibel für die Welt“ und „ich schöpfe mein Potenzial nicht voll aus“. Sämtliche Mädchen, die ich im Internet kennenlernte, meinten, ich sei „süß und knuddelig“ (verdammt, ist mir das peinlich, das hier zu offenbaren.) Meine Schwester sagt oft, ich sei zu „ungeduldig“. Lehrer und Schüler sagten in meiner Vergangenheit, ich sei „anders als die anderen“ und „komisch“. Manche sagen, ich wirke „ruhig“ in ihrer Anwesenheit, andere sagen, ich sei „viel zu unruhig“. (PS: Ich bin tatsächlich ein sehr nervöser Mensch, nur ist das nicht in allen Situationen offensichtlich). Jemand sagte mir mal, das Wort „adorkable“ würde sehr gut zu mir passen. Meine Eltern sagen außerdem, ich sei zu wenig pflichtbewusst und „ungehorsam“ (nicht so direkt, aber ich weiß, dass sie so denken, da ich insbesondere als Jugendlicher sehr selten ihren „Anweisungen“ gefolgt bin). Manche sagen, ich vernachlässige mich selbst zu sehr und wiege mich in Selbstmitleid.

Alleine diese Antwort würde fast schon ausreichen, um dich als INFP zu kennzeichnen. Ich spare mir die Auswertungen der restlichen Antworten, da diese Theorie in diesen ausschließlich bestätigt wird.

12. Mit welchen Eigenschaften würdest du dich selbst wohl am ehesten beschreiben? Was fällt dir an dir selbst auf, was den meisten deiner Mitmenschen entgeht?
Ich bin in sehr vielen Dingen sehr unsicher und unentschieden, ich bin viel zu sensibel und vergesslich, meine Unordnung hat mich schon allzu oft ins Verderben gestürzt (um es etwas überspitzt auszudrücken), ich bin viel zu nervös, unruhig und stelle mich zu selten meinen Ängsten (insbesondere meinen sozialen Phobien). Ich bin zu sehr Stimmungsschwankungen verfallen und viel zu perfektionistisch.
Ich bin sehr vorsichtig und manchmal etwas zu emotional (schnell traurig, aber andererseits lache ich über so ziemlich alles). Ich bin sehr nachdenklich, schnell zu begeistern und sehr neugierig.
Ich würde mich durchaus als „nett“ bezeichnen und ich denke, ich wirke auf die meisten auch sympathisch. Ich kann gut mit Worten umgehen (zumindest, wenn es darum geht, Texte zu verfassen), ich halte mich für vernünftig und einsichtig. Ich bin sehr selbstreflektiert, besitze viel Fantasie und bin so ziemlich immer ehrlich. Ich denke, man kann mir vertrauen und ich kann mich gut in andere Menschen einfühlen.

13. Was löst bei dir enormen Stress aus und wie verhältst du dich daraufhin in der Regel?
Zu viel Druck, überwältigende soziale Situationen und Konflikte. Alles, was mit größeren Gruppen zu tun hat und ich beobachtet werde. Außerdem Schule im Allgemeinen und der damit verbundene Misserfolg.
Bei zu viel Druck prokrastiniere ich entweder intensiv oder ich schaffe es dann endlich mal, etwas zu tun.
Im Allgemeinen steigern sich meine Ängste. Bei Misserfolgen stürze ich oft in ein extremes Stimmungstief, was in seltenen Situationen zu SVV oder wirklich sehr stark pessimistischen Gedanken führt (Zukunftsängste, fühle mich hilflos etc.) Hier wird es schon etwas problematisch und ich weiß, dass ich eventuell mal einen Psychologen aufsuchen sollte.^^

14. Die Fußgängerampel ist rot, aber auf der weiten, übersichtlichen Straße ist links und rechts kein Fahrzeug zu hören oder zu sehen. Was hält dich davon ab, über die rote Ampel zu gehen oder dies nicht zu tun?
Habe ich schon manchmal getan, allerdings eher, wenn mich dabei niemand gesehen hat. Wenn Kinder in der Nähe wären, würde ich es höchstwahrscheinlich unterlassen, es sei denn, ich realisiere das gar nicht. ^^ Prinzipiell mach ich das aber wirklich nur, wenn mich niemand sieht und ich SEHR unter Zeitdruck stehe (was leider sehr oft der Fall ist).

15. Was sind für dich die wichtigsten Werte? Bei welchen glaubst du, dass sie dir wichtiger sind als den meisten anderen Menschen?*
Ehrlichkeit, Treue, Nächstenliebe (*), Optimismus, Authenzitität (*), Toleranz, …

Fazit: Ganz klar INFP. Da du dich ja schon mit dem Thema auseinandergesetzt hast und selbst darüber Bescheid zu wissen scheinst, braucht das, denke ich, auch keine weitere Ausführung, oder? Was man dazu sagen muss – wenn man die Theorie hinter dem MBTI kennt und akzeptiert, dann verändert das bis zu einem gewissen Grad auch die Selbstwahrnehmung und es wird mit stärkeren Kontrasten gezeichnet. Es ist schon ausschlaggebend, dass dein Ergebnis allgemein schon sehr bald klar war. 

 

ENFJ – Der Anführer

Allgemeine Beschreibung & Klischees
Warum eigentlich immer die Klischees am Anfang, wenn so viele doch einfach total übertrieben sind? Weil man sich dann ein besseres Bild machen kann, da es beim Thema Typologie ja um Tendenzen geht. Die Klischees treffen also nicht alle unbedingt zu, sondern geben nur eine Vorstellung von dem, wie man diesen Typ oft wahrnimmt, nicht, wie er tatsächlich ist. Warum schreibe ich das ausgerechnet beim ENFJ? Weil dieser Typ die Tendenz hat, sich schnell angegriffen zu fühlen 🙂

Stereotypische ENFJs sind ständig beschäftigt, wollen 24/7 helfen, wenn es nach ihnen gänge sogar 25/8, sind dabei gleichzeitig ständig gut gelaunt, fröhlich und lieben alles und jeden – da das allerdings unrealistisch ist, wird ihnen gleichzeitig zugesprochen, dass sie bloß ausgesprochen gute Schauspieler sind, hinzu kommt noch das Bild vom Workaholic und dem Kontrollfreak. Solange, bis man mal wieder jemanden braucht, der einen aufpeppelt, den Glauben an die Menschheit und sich selbst wiederherstellt und sagt, wo’s langgeht. Dann sind ENFJs nämlich wieder die großen Vorbilder der gesamten Menschheit. Klingt das anstrengend? Ja? Ich bin so froh, kein ENFJ zu sein… aber ich bin froh, dass es sie gibt. Fangen wir an, zu verstehen, wie sie tendenziell (!!!!!1111einseinself) über die Welt urteilen und sie wahrnehmen.

Erste Funktion – Extrovertiertes Fühlen („Feeling Extroverted, kurz FE“)
Extrovertiertes Fühlen ist die erste Funktion, das heißt, der ENFJ hat einen hoch entwickelten Draht zur Stimmung seiner Mitmenschen um ihn herum. Während jemand mit niedrig entwickeltem FE vielleicht geradeso wahrnimmt, dass jemand traurig ist, weil er oder sie anfängt zu weinen, bemerken ENFJs die emotionale Gefühlslage schon an den kleinsten Nuancen in ihrer Stimme, Mimik und Haltung. Die dritte Funktion, das extrovertierte Empfinden (SE), welches dafür zuständig ist, die unmittelbare physische Welt wahrzunehmen, leistet dabei auch enorme Hilfe und ist möglicherweise der Grund, weshalb eher ENFJs den Ruf als Menschenkenner und „Hobbytherapeuten“ innehaben, denn ESFJs, die zwar ebenfalls ein ausgeprägtes FE haben, aber eher als gute Gastgeber und Versorger bekannt sind. Beide Typen teilen auch einen starken Gemeinschaftsdrang. Nach dem Motto „gemeinsam sind wir stark“, aber eigentlich auch „gemeinsam macht es einfach mehr Spaß“, suchen ENFJs aktiv nach der Gesellschaft anderer Menschen. Mal davon abgesehen, dass ENFJs in der Regel Philanthropen sind, die grundsätzlich zunächst einmal das Gute in ihren Mitmenschen sehen (oder danach suchen), hat das auch ganz praktische Gründe: gemeinsam erreicht man mehr. Und als Idealist ist es dem ENFJ auch wichtig, gemeinsam gesellschaftliche Basen zu errichten, in denen sich jeder wohlfühlen und entfalten kann. Um die (meist hochgestecken) Ziele zu erreichen, ist der ENFJ auch gewillt, einen Großteil seiner Zeit zu opfern, Unmengen von Energie einzubringen und unermüdlich weiter zu machen, selbst, wenn die Umstände noch so düster aussehen.

Hier liegt neben der großen Stärke allerdings auch eine Schwäche: der ENFJ hat diese hohen Erwartungen nicht nur an sich, sondern leider auch häufig an seine Mitmenschen. Es ist eine Sache, wenn er sich selbst völlig verausgabt, eine andere, wenn er auch von seinen Unterstützern verlangt – selbst, wenn das Ziel noch so edel und selbstlos ist. ENFJs wird auch öfters nachgesagt, manipulative und intrigante Züge zu haben. In der Tat haben sie ein Händchen dafür, nicht nur die Stimmung ihrer Mitmenschen zu erkennen, sondern sie auch aktiv zu beeinflussen, was sich alleine darin zeigt, dass ENFJs oft als sehr charmant und charismatisch empfunden werden. Dadurch ist es zwar möglich, schnell viele Mitmenschen auf „ihre Seite“, bzw zu „ihrer Sache“ zu bewegen, aber eine andere, nachhaltige Überzeugung zu schaffen, die ihnen selbst innewohnt. Glücklicherweise haben ENFJs auch eine analytische Seite, wenngleich diese als vierte Funktion relativ schwach ausgeprägt ist: das introvertierte Denken (TI). TI versucht die Dinge unpersönlich zu verstehen und einordnen zu können. Das ist allerdings schwer möglich, wenn sich der ENFJ zeitgleich in seinem aktiven „extrovertierten“ Modus befindet. ENFJs haben trotz ihrem Ruf als Powerbündel auch ein starkes Bedürfnis, sich für gewisse Zeiträume zurückzuziehen – und das ist auch gut so. Denn bei so viel „emotionalem Vorwärtsdenken“ ist es auch wichtig, immer wieder die Richtung zu justieren.

Zweite Funktion – Introvertiertes Intuieren („Intuition Introverted, kurz NI“)
Dazu ist auch das introvertierte Intuieren zuständig, das den Blick aufs ihrer Meinung nach Wesentliche richtet. Ihre zweite Funktion bringt vor allem das Visionäre im ENFJ heraus. Da das introvertierte Intuieren eher darauf fixiert ist, was sein könnte, denn auf das, was tatsächlich ist, lässt sich leicht erklären, weshalb ENFJs stets als Idealisten wahrgenommen werden und sich wahrscheinlich auch selbst als solche wahrnehmen. Diese Funktion ermöglicht es ihnen, Zukunftspläne zu vergegenwärtigen und ist gleichzeitig ein Antrieb für sie. Viele Aktivisten, wie Nelson Mandela oder Martin Luther King sind gute Beispiele, wie eine Vision durch Menschen, die nur stark genug daran glauben, Gestalt annehmen kann. Glaube ist ohnehin ein starkes Leitthema in der Persönlichkeit des ENFJs. Es muss nicht mal der Glaube im religiösen Kontext sein (wobei ich anmerken möchte, dass viele Leiter von Glaubensgemeinschaften ENFJs sind), sondern der Glaube daran, dass Ideale nicht nur im Kopf stattfinden, sondern auch Wirklichkeit werden können. Dieser Optimismus kann durchaus ansteckend sein und gepaart mit ihrer ersten Funktion, FE, ist es nicht verwunderlich, dass ENFJs häufig gute Mentoren und Anführer abgeben. Der gerade angesprochene Glaube zeigt sich auch in einer starken Affinität zu Symbolen. Ein ENFJ liest nicht nur im zwischenmenschlichen Kontext zwischen den Zeilen, sondern tut das auch in anderen Belangen. So haben zum Beispiel Träume für viele ENFJs eine höhere Bedeutung und sie suchen in Büchern, Filmen, Bildern und Musik nach einer tieferen Botschaft. Trotz ihrer sehr aktiven und energisch-fröhlichen Art, haben sie in dieser Hinsicht eine sehr sensible Seite, die sie Aufmerksam für Dinge, oder eher für Gedanken macht, die anderen nicht mal kommen.

Anders als die meisten INFJs, bei denen das introvertierte Intuieren noch stärker ausgeprägt ist, grenzen sich ENFJs allerdings selten für längere Zeit ab. Sowohl ihr extrovertiertes Fühlen, das ihnen das Bedürfnis nach Umgang mit anderen Menschen beschert, als auch das extrovertierte Empfinden, das einen Drang weckt, die physische Welt zu erleben, lässt sie nach einer Weile der Ruhe schnell wieder ausbrechen. Auch wenn gerade genannter Drang eher schwächer und unterbewusst ausgeprägt ist, ist er doch vorhanden und zeigt sich beispielsweise im Umgang mit anderen Menschen. Während zum Beispiel INFJs trotz der Wärme, die sie ebenfalls ausstrahlen eher zurückhaltend und tendenziell vorsichtig sind, sind ENFJs geradezu ein Inbegriff der Herzlichkeit – und dass die wenigsten von ihnen Scheu vor der physischen Welt haben, zeigt sich auch darin, dass sie den Kontakt auch körperlich zu ihren Mitmenschen aufbauen, indem sie zum Beispiel gerne und oft umarmen oder ihren Gesprächspartnern an Arm oder Schulter berühren. Es ist schon amüsant, dass solch gesellige Menschenkenner oft nicht merken, dass es auch Leute gibt, die sich dadurch in ihrer Privatsphäre beschnitten fühlen. Entweder das oder sie sind der Meinung, dass man so andere aus ihrem „Schneckenhaus“ bringen kann. Wer weiß.

Fazit & Beispiele
ENFJs sind vor allem eines: leidenschaftlich, vor allem für ihre Mitnenschen. Ob es nun die eigene Sportmannschaft ist, die politische Partei oder die Dorfgemeinschaft, man kann sich darauf verlassen, dass ein ENFJ dort, wo er aktiv wird, auch ernst an die Sache geht. Dabei muss er nur darauf achten, nicht alles so ernst zu nehmen – weder sich selbst, seine Mitmenschen oder die Umstände. Das kann sonst häufig dazu führen, dass selbst die kleinste Kritik, sei sie nun von außen oder von innen in Form von Zweifel, zu einer richtigen Krise führen kann. Zudem ist selbst die Energie eines ENFJ irgendwann einmal aufgebraucht und dann tut dieser Typ gut daran, mal nicht alles durchplanen zu wollen und auch anderen wenigstens zeitweise das Steuer zu überreichen. Für einen idealistischen Typen, können ENFJs nämlich auch gute Genießer sein und so ist es hin und wieder auch ganz entspannend, sich den ruhigeren Seiten des Lebens zu widmen und zu sehen, dass die Welt nicht untergeht, wenn man sich eine kurze Auszeit von den selbst auferlegten Pflichten nimmt.

Hier ein paar Beispielpersonen, die meiner Meinung nach dem ENFJ-Typen angehören:

  • Martin Luther King (Zivilrechtaktivist)
  • Margaery Tyrell (Game of Thrones)
  • Obi-Wan Kenobi (Star Wars)
  • Leslie Knope (Parks & Recreation)
  • Nelson Mandela (Zivilrechtaktivist / Präsident Südafrikas)
  • Oprah Winfrey (Talkshow Moderatorin)
  • Dr. Neil deGrasse Tyson (Wissenschaftler)
  • Rarity (My Little Pony)
  • Hans (Frozen)

Wir müssen reden!

Die Leute stellen mir ständig Fragen, wie: „Warum diskutierst du eigentlich so gerne?“, „Warum musst du ständig über Politik reden?“ oder „Kannst du nicht einfach mal eine andere Meinung so stehen lassen?“

Ich gehe gleich mal auf die letzte Frage ein: NEIN!!!
Nicht, wenn es um die Zukunft unseres Landes, unserer Kinder und die der ganzen verdammten Welt geht!

Es ist wirklich furchtbar lächerlich, wie wir Deutschen uns über Trumps Wahlsieg empören und schockiert zeigen. Ein alter Freund von mir teilte auf Facebook dazu folgenden Kommentar:

„Heute schauen wir noch besorgt-hämisch in die USA, bis dann 2017 die Bundestagswahl unsere eigene Dummheit entlarvt.“

Und diese Entlarvung wird passieren. Sie ist bereits in unseren Landtagswahlen passiert. Fast überall zweistellige Ergebnisse für die AfD und wir zeigen uns erstaunt über Trump?

„Ja, toll!“, höre ich einige von euch sagen. „Aber was können wir denn dagegen tun? Wir teilen doch schon ganz fleißig Protest-Posts gegen die AfD und den Rechtspopulismus, der in ganz Deutschland zu gedeihen scheint!“
Ja, das ist schön und gut, aber habt ihr euch mal überlegt, wer eure Posts wahrscheinlich NICHT liest? Ich sag’s euch: in der Regel AfD-Wähler, weil ihr mit solchen Idioten wahrscheinlich gar nicht „befreundet“ seid. Und selbst wenn, dann reicht das nicht aus. Wen beeinflusst das? Wer gibt euch die Likes? AfD-Fans? Wohl kaum! Das reicht nicht aus!

Fangt an, mit Leuten, die NICHT der Meinung sind, dass die AfD die Kluft zwischen arm und reich noch erweitern wird, die NICHT glauben, dass die AfD Rassismus schürt, die NICHT glauben, dass wir solidarisch für Menschen in Not einstehen müssen und die NICHT glauben, dass der Gebrauch von Schusswaffen keine Lösung darstellt zu diskutieren!
Euch wird eingetütet, dass in Europa seit 70 Jahren Frieden herrscht, aber das ist nicht wahr: hier herrscht Krieg und zwar ein verdammt heftiger! Und der wird zunächst mit Worten ausgefochten. Schon der preußische Militärtheoretiker Carl von Clausewitz hat gesagt: „Krieg ist eine bloße Fortsetzung von Politik mit anderen Mitteln.“

Jetzt kombinieren wir mal die Tatsache, dass Demokratie „Herrschaft des Volkes“, also auch von DIR, mein lieber Leser bedeutet und die, dass sich immer mehr Leute von rechtspopulistischem Blödsinn einlullen lassen – dann stellt sich doch die Frage, wer in diesem Krieg die Gegenseite darstellt, nicht wahr? „Na, die Politiker, die nicht in der AfD sind!“
Aber ihr auch! Denn ihr seid das Volk (OMG)! Ihr bestimmt, wer gewählt wird, wer die Regierung stellen soll! Das heißt, dass der Wahlzettel des verblendeten AfD-Wählers in deiner Nachbarschaft, in deinem Büro oder in deinem Yoga-Kurs bei der Wahl GENAU SO VIEL Einfluss haben wird, wie dein Wahlzettel!

Demokratie bedeutet nicht nur Herrschaft des Volkes, sondern Demokratie sollte eigentlich auch eine Streitkultur fordern! Fangt an, zu diskutieren! Und selbst, wenn sie noch so blöd und lernresistent sein mögen, es ist schlicht und einfach unsere Pflicht. Wenn wir es nicht tun, wer denn dann? Wer verteidigt uns dann vor der AfD? Wenn ihr von zehn Diskussionen auch nur eine Person überzeugt, dann ist es das Wert gewesen! Es bringt nichts, einfach nur zu jammern. Es bringt nichts, zu sagen: „Also, ich wähle die ja nicht!“. Konfrontiert AfD-Wähler (und wenn es nach mir geht, dann auch CDU/CSU- und FDP-Wähler). Versucht sie zu überzeugen. Das ist aufdringlich, sagt ihr? Das Ideal einer demokratischen Gesellschaft ist es auch, dass man in politischen Fragen aufdringlich sein soll!

Wir müssen reden! Jetzt! In der Mittagspause, beim Familientreff und auch im Internet! Ihr müsst diesen Kampf nicht alleine austragen – bringt auch andere dazu, mitzumachen! Und wenn ihr euch das nächste Mal zu sehr geniert, denkt, dass es doch nichts bringt oder zu gestresst seid, eine Diskussion mit Leuten einzugehen, die dabei sind, mit ihrer Wahlstimme die letzten Hoffnungen auf den Erhalt von Werten wie Gleichheit, Gerechtigkeit und Frieden zu gefährden, dann stellt euch folgende Frage:

Wenn es später noch schlimmer um die Welt stehen wird, als es jetzt bereits der Fall ist, was werdet ihr euren Kindern antworten, wenn sie euch fragen werden, was ihr dagegen getan habt?

Topophobie – Idiotie ist relativ

Als ich aufwachte, lag Manni mit ausgestreckten Armen neben mir im Bett, ich wäre beinahe von der Kante gefallen. Starrsinniger Idiot. Ich wusste, ich habe gestern keine Glanzleistung vollbracht, aber man kann mich doch wenigstens in Ruhe schlafen lassen. Ich schob Mannis Arm von meinem Bauch, stand auf und rieb mir die Augen. Ich fühlte mich, als hätte ich einen Mordskater, aber das lag wahrscheinlich an der abgestandenen Luft im Hotelzimmer und den daraus resultierenden Kopfschmerzen. Die anderen schienen dem Schnarchen zufolge auch noch zu schlafen – da ich nichts Besseres zu tun hatte und mein Magen knurrte, zog ich mich an und ging hinunter in den Speisesaal, um zu schauen, ob etwas zum Frühstück angeboten werden würde. Ich hatte mich gar nicht erkundigt, ob wir auch etwas zu Essen bekommen würden, also ging ich einfach auf gut Glück. An der Kuckucksuhr, die im Treppenhaus hing, konnte ich erkennen, dass es bereits 10:30 Uhr war, aber offensichtlich war das Frühstücksbuffet immer noch offen, als ich den geräumigen, immer noch gut gefüllten Speisesaal betrat. Als ich zu meinem Erstaunen Lukas alleine an einem Tisch sitzen sah, vor ihm ein halb verzehrtes Brötchen, eine Schüssel Müsli, zwei Gläser Saft und ein Croissant, nahm ich das einfach als Bestätigung, dass ich mich auch bedienen durfte. Als ich meinen Teller und die Teetasse gefüllt hatte, sah ich mich nach einem Platz um. Ich wusste nicht, ob es Lukas Recht wäre, wenn ich mich zu ihm setzen würde, also schlenderte ich einfach an ihm vorbei, tat so, als würde ich ihn nicht sehen und verzweifelt nach einem Sitzplatz suchen, obwohl es auch noch andere Tische mit unbesetzten Stühlen gab.

Ein Mann, ebenfalls auf der Suche nach einem Platz kam mir etwas zuvor und wollte sich zu Lukas setzen, der ihn daraufhin scharf anfuhr: „Hey, was soll das? Das ist mein Tisch!“
„Oh, Verzeihung, er sah so frei aus…“
„Und das ist auch gut so. Machen sie sich vom Acker.“
Gut, soviel dazu. Ich bewegte mich weiter.
„Hey, du da, Nat oder so, setz dich ruhig.“
Ich drehte mich um und versuchte, ein erstauntes Gesicht aufzusetzen.
„Oh – hey, Lukas! Eh… auch schon wach, wie?“
„Ein ganz Schneller, was?“
Ich setzte mich, beäugte ihn dabei skeptisch.
„Naja“, fuhr er fort. „Wenigstens kannst du Spielen, das muss man dir lassen.“
„Findest du?“, fragte ich verunsichert. Er sah mich genervt an, schwieg einen Augenblick, schüttelte dann den Kopf.
„Wenn ich etwas nicht leiden kann, dann ist das Fishing for Compliments. Entweder du bist gut oder nicht, fertig. Musst du daraus unbedingt eine Show machen?“
Er meinte das tatsächlich ernst! Ich lächelte und nickte heftig.
„Ja, du hast Recht, sorry. War eine überflüssige Frage. Du hast gestern auch gut gespielt, übrigens!“
„Mhm.“

Lukas schob sich das Crossaint in den Mund und schüttete den Orangensaft in seine Müslischüssel.
„Schmeckt das?“
Er kaute fertig, was eine Weile dauern würde, weshalb ich auch meinen ersten Bissen nahm.
„Soll ich Wasser dazugeben oder was?“, fragte er.
„Naja, es hat hier auch Milch…“
„Ich trinke keine Milch!“, rief er, so laut, dass es der ganze Saal hören konnte.
„Milchtrinker unterstützen das kapitalistische Schweinesystem!“
Ich schob vorsichtig meinen Joghurtbecher hinter die Blumenvase, die zwischen uns stand. Ein paar Leute drehten sich empört zu uns um.
„Ja, guckt nur, ihr fleischfressenden, Milch saufenden Steinzeitmenschen! Wegen euch verschwenderischen Pennern geht die Welt an den Arsch!“
Die Hotelwirtin kam eilig an unseren Tisch und lehnte sich zu Lukas vor.
„Bitte! Unterlassen sie das oder ich bin gezwungen, sie hinauszuwerfen!“
„Jaja“, maulte Lukas wieder leiser und konzentrierte sich dann auf seine Müslischale. Die Hotelwirtin bedachte auch mich mit einem mahnenden Blick, woraufhin ich unschuldig mit den Schultern zuckte und sie sich wieder zurück in die Küche begab.
„Ich… wusste gar nicht, dass du so eine sensible Seite hast“, meinte ich.
„Ich bin nicht sensibel“, schnauzte mich Lukas an. „Menschen sind nur Arschlöcher. Vor allem diejenigen, die viel Geld haben. Also die meisten Leute, die auf unsere Konzerte kommen.“
„Warum spielst du dann vor ihnen?“
„Weil ich Jazz selber mag und das der einzige gottverdammte Weg für mich ist, irgendetwas zu tun, was mir halbwegs Spaß macht und davon leben zu können.“
Meine Mundwinkel zuckten etwas, als ich versuchte, mir ein Lächeln zu verkneifen. Ich hätte nicht geglaubt, dass wir beide uns in mancher Hinsicht so ähnlich wären.
„Noch nie daran gedacht, etwas anderes zu machen?“
„Was denn? Schlagzeuglehrer? Studiomusiker? Bleibt doch das selbe Klientel.“
„Naja, vielleicht etwas, was nicht mit Musik zu tun hat.“
Er sah mich entgeistert an, als hätte ich gerade behauptet, Lars Ulrich sei ein guter Drummer.
„Was? Ich kann ohne Musik nicht leben!“
„Du kannst doch immer noch für dich musizieren, warum…“
„Vergiss es! Ich kann doch nichts anderes!“
„Es ist doch nicht zu spät, auch etwas anderes zu lernen, oder? Wenn es dich nicht glücklich macht?“
„Ich habe meinen Frieden damit geschlossen, dass ich den Feind unterhalte, um selbst am Leben bleiben zu können.“
Ich schmunzelte und sah nachdenklich zur Seite.
„Mit Protestmusik verdient man kein Geld“, meckerte Lukas. „Die Leute wollen das doch gar nicht hören.“

„Was ist mit deiner Band? Als Unterstützer des kapitalistischen Schweinesystems müsstest du uns doch eigentlich auch hassen oder?“
Lukas sah mich eine kurze Weile an und nahm dann einen Löffel Orangensaft-Müsli.
„Ihr seid Idioten“, antwortete er schließlich. „Manni ist ein unreflektierter Schwachkopf. Richard ein selbstverliebter, eitler Pfau, Tillmann markiert einen auf harter Kerl, um zu verbergen, dass er sich die ganze Zeit über aus Angst vor Veränderungen in die Hose scheißt. Und du hast keine Ahnung was du willst und bist ein kleiner Schisser.“
„Ich… schätze es, wenn man ehrlich mit mir ist“, würgte ich heraus und lief rot an. Weniger aus Zorn über die dreiste Bemerkung, sondern über ihren Wahrheitsgehalt und die Tatsache, dass man das so leicht merken konnte. Lukas ignorierte meine Wertschätzung.
„Aber es gibt noch viel größere Idioten als euch, im Vergleich ist es also immer noch angenehmer mit euch abzuhängen, als mit jemand anderem. Nimm das als Kompliment.“
„Tue ich… wissen die anderen, dass du so über sie denkst?“
„Klar, alle außer Richard, er denkt, ich würde ihn lieben.“
„Und sie haben kein Problem damit?“
„Keine Ahnung. Interessiert mich nicht. Die Band funktioniert doch trotzdem, oder?“
Etwas brummte und Lukas kramte sein Smartphone aus der Hosentasche.
„Arschloch…“, knurrte er und stand auf.
„Was ist?“
„Ich muss fremde Leute im Internet beleidigen, die nicht mit mir einer Meinung sind. Der hier hat mir doch tatsächlich widersprochen. Bis später, wird ein guter Gig heute Abend.“
„Bis später…“

Ich wunderte mich darüber, wie schnell einem Menschen sympathisch werden konnten. Als sich Lukas entfernt hatte, zog ich die Jogurtschüssel wieder zu mir und beendete mein Kapitalismus-unterstützendes Frühstück. Ja, es wird ein guter Gig, heute Abend, dachte ich mir. Die Anspannung war wie weggeblasen. Es wäre mir allerdings ohnehin egal gewesen, denn ich beschloss, dass der kommende Auftritt mein letzter mit den Major Five werden würde. Ich hoffte nur, dass mir ein guter Grund einfallen würde, den auch die anderen verstehen würden.

ESFP – Der Partylöwe

Allgemeine Beschreibung & Klischees
Sie sind einerseits energiegeladene Stimmungsbomben und gleichzeitig scheinen sie manchmal die einzigen Menschen zu sein, die das Geheimnis, sich mal so richtig entspannen zu können, enthüllt haben. Dabei gelten sie zum einen als die unterhaltsamsten Spaßmacher und andererseits als die penetrantesten Nervensägen. Als unglaublich scharfsinnig und seltsamerweise auch als oberflächlich und einfach gestrickt. Was denn jetzt?

Versuchen wir mit dieser Analyse herauszufinden, woher all diese Widersprüche stammen und wie der Typ „ESFP“ sich erklären lässt.

Fangen wir mit den vier Lettern an. „E“ steht für extrovertiert, was bei keinem Typ so heraussticht, wie dem ESFP. Sie haben keine Angst vor fremden Menschen, neue Erfahrungen locken sie und sie sagen stets das, was sie gerade auf dem Herzen haben. „Was sie auf dem Herzen haben“ war die beabsichtigte Wortwahl, denn sie sind Fühler. Sie gehen danach, was sich richtig für sie anfühlt, nicht nach dem, was die Welt mit ihren Gesetzen und Regeln ihnen sagt, was man auch in ihrer laissez-fairen P-Präferenz erkennen kann: sie leben in den Tag hinein und schauen, was er so bringen wird, halten sich die Optionen offen, weil sie auf keinen Fall etwas verpassen wollen, indem sie sich an langweilige Pläne halten. Und das „S“ steht für „Sensing“, bedeutet, sie sind sensorische Menschen, die im Hier und Jetzt leben – das Leben findet in dieser Sekunde statt. Die Vergangenheit ist passé und wenn man sich auf die Zukunft fixiert, geht einem die Gegenwart flöten. Gehen wir am besten gleich genauer auf dieses „Sensing“ ein…

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Fast fertig! Eure Wünsche?

…mit den Typenbeschreibungen, nicht mit den Romanprojekten, die gerade weinend in der Ecke gelassen werden. Das liegt zum einen daran, dass mir gerade die Feinfühligkeit für Belletristik fehlt, während mir die ganze Typengeschichte recht locker von den Fingern geht und zum anderem auch daran, dass der ganze Krams laut Statistik auch irgendwie öfters gelesen wird.

Jetzt bin ich mit den Beschreibungen zu 75% fertig – ehrlich gesagt habe ich daran gezweifelt, dass ich das tatsächlich bis zum Ende durchziehe, als ich damit angefangen habe, aber jetzt wäre es selbst für meine Verhältnisse lächerlich, die Arbeit an dem Projekt einzustellen.

Wie man dem Titel dieses kleinen Posts entnehmen kann, biete ich darüber hinaus noch an, auf spezielle Wünsche einzugehen. Ist ja auch bald Weihnachten und so. Besagte Wünsche würden sich dann auf das Thema Typologie beziehen. Wie man sich denken kann, „type“ ich sehr gerne und das auch hobbymäßig. Und wie man in meinen Posts über die verschiedenen Typen auch sehen kann, ordne ich sowohl berühmte Persönlichkeiten, als auch fiktive Figuren in diese Typen ein. Allerdings begründe ich das nicht wirklich. Dabei ist sowas ziemlich spannend. Finde ich zumindest. Und im englischsprachigen Raum gibt es auch enorm viele Blogs, die sich genau damit befassen. Hier kommt ihr ins Spiel: welchen Charakter aus Film, Serie, Comic, Roman hättet ihr gerne analysiert?

Bis ich mit den letzten vier Beschreibungen fertig bin, werde ich eure Vorschläge sammeln, damit ich danach ein paar „Portraits“ zeichnen kann, mit denen die einzelnen Typen vielleicht etwas verständlicher werden.

Außerdem könnt ihr euch auf Posts freuen, die Themen behandeln, wie: „Wie unterscheiden sich die Geschlechter in den Typen?“ oder eher etwas humoristische, nicht ganz ernst zu nehmende Beiträge wie: „Wie verhalten sich die einzelnen Typen beim Einkaufen / ersten Date / Filmabend mit Freunden?“

Bin gespannt auf eure Vorschläge! 🙂

ESTJ – Der Aufseher

Allgemeine Beschreibung & Klischees
ESTJs gelten als konservative Leistungsmenschen,  die sich akribisch an Regeln und Vorschriften halten, als Workaholics, die ihre Selbstkritik auch auf andere übertragen, man achtet sie als treue Seelen, Bewahrer von Traditionen, Loyalisten und verachtet sie als oberflächliche Wichtigtuer und paranoide Geizkragen. Was ist wahr daran? Wo verstehen wir sie (oder sie selbst sich) falsch? Diese Typenbeschreibung soll etwas Licht ins Dunkel bringen und erörtern, wie Wahrnehmung und Urteil dieses Typs zusammenarbeiten und sich von anderen unterscheidet.

Zunächst schauen wir uns an, was „ESTJ“ überhaupt bedeutet: „E“ es steht für extrovertiert, das heißt, er hat wenig Scheu vor anderen Menschen und braucht nicht so viel Zeit für sich alleine, wie Introverten, um sich geistig zu erholen. „S“ steht für „Sensing“, also „empfindend“ – er nimmt die Welt nüchtern mit seinen Sinnen wahr, so wie sie ist und kann als knallharter Pragmatiker mit verträumten Gedankenspielereien weniger anfangen. „T“ steht für „Thinking“, auf deutsch „denkend“, was ihn als jemanden kennzeichnet, der versucht, Entscheidungen eher unpersönlich und objektiv zu treffen, während „J“ = „Judging“, also „urteilend“ ihn zu den Typen erklärt, die klare Vorstellungen von der Welt, wie sie ist und wie sie sein sollte haben, anders, als die eher alles anzweifelnden P-Typen.

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Die Doppelmoral von TTIP/CETA-Protesten – What about EPA?

Bevor mich jetzt jemand falsch versteht – ich bin kein Freund von CETA & TTIP. Ich bin allgemein kein Freund von Freihandelsabkommen.
Was ich aber als enorm lächerlich empfinde, ist, dass wir jetzt erst Großdemonstrationen zustande bringen und polternd ihre Stimme gegen CETA & TTIP erheben. Warum tun wir das überhaupt, mal vom zeitlichen Aspekt abgesehen? Weil es uns betrifft. Weil wir dieses Mal Angst haben, selbst einen Nachteil davon haben, während sich andere auf unsere Kosten einen Vorteil ergattern.
Klar, das verstehe ich. Man will sich ja nicht ausnehmen lassen. Aber welche Doppelmoral ist das, dass wir nicht gegen Freihandelsabkommen protestieren, bei denen wir andere schonungslos ausnehmen?
Ich meine, wenn die reichen Vereinigten Staaten das reiche Europa ausbeuten, hm, ja, das ist blöd, aber es ist nicht unbedingt eine soziale Tragödie. Was ist aber, wenn wir Europäer Entwicklungsländer in Afrika ausbeuten, die bereits zu Zeiten des Imperialismus von Europa ausgebeutet wurden? Genug um den heißen Brei gesprochen: schauen wir uns mal die ECONOMIC PARTNERSHIP AGREEMENTS (EPA) an – darüber wird viel zu selten gesprochen.
Die EPA fordert Afrika auf, die eigenen Märkte bis zu 83 Prozent für europäische Importe zu öffnen und zugleich schrittweise Zölle und Gebühren abzuschaffen. Was bedeutet das? Nehmen wir mal ein Beispiel – unsere Milchproduktion. Wir haben einen enormen Überschuss und kalkulieren auch mit diesem. Wir brauchen die überschüssige Milch nicht mehr, also exportieren wir sie unter anderem nach Afrika zu Preisen, die so niedrig sind, dass die örtlichen Milchbauern nicht mehr mithalten können. Das selbe mit unseren Fleischresten – wir essen in Deutschland nur die Hühnerbrust. Mal überlegt, wohin der ganze andere Rest kommt? Nach Afrika. Zu billigen Preisen, mit denen die dortigen Hühnerhalter auch nicht mehr mithalten können. Als Gegenleistung behalten die afrikanische Unternehmen wiederum zollfreien Zugang zum europäischen Markt, damit die geschädigte Wirtschaft wieder aufgebaut werden kann. Mal davon abgesehen, dass das Erpressung ist, da Afrikas Wirtschaft auf den zollfreien Zugang angewiesen ist – mit den deutschen Preisen mithalten kann sie dann immer noch nicht.
Jetzt mag man natürlich sagen: je mehr die EU nach Afrika exportiert, desto mehr muss sie auch aus Afrika importieren, weil die Exportgüter in der afrikanischen Währung bezahlt werden (und selbst da bin ich mir nicht ganz so sicher) – ein EU-Unternehmen säße also nach seinem Export auf der afrikanischen Währung und wenn er diese irgendwie nutzen will, müsste er wiederum in Afrika einkaufen. Und davon profitiert die afrikanische Wirtschaft natürlich.
Nun. Natürlich ist deutscher Export an den Import gebunden, aber afrikanisches Geld zu erhalten bedeutet ja nicht automatisch, davon auch afrikanische Ware kaufen zu müssen. Deutschland kann ja auch afrikanische Unternehmen mit afrikanischer Währung aufkaufen, Grundstücke, etc. …
Man könnte natürlich auch sagen, aber hey, die Afrikaner freuen sich doch über erschwingliche, importierte Milch! Kann sein, aber das ist kein nachhaltiger Vorteil für sie. Was auf Dauer entsteht, ist eine immer stärker wachsende Abhängigkeit von der EU. Schauen wir uns das ein wenig genauer an: immer mehr afrikanische Unternehmen müssen Arbeiter entlassen, um mit der europäischen Konkurrenz zumindest teilweise mitziehen zu können oder Löhne kürzen. Einige müssen komplett dicht machen. Dann freuen sie sich natürlich darüber, dass sie unsere billige Milch kaufen können, weil für inländische Milch das Geld ja mit der neuen, schlechteren Situation gar nicht mehr ausreicht. Das führt wiederum dazu, dass die Nachfrage nach EU-Milch steigt, die Nachfrage nach inländisch produzierter Milch sinkt. So sieht das afrikanische Wirtschaftswachstum, welches die EPA propagiert aber nicht aus.
Nicht die EU bleibt auf afrikanischer Währung sitzen, sondern immer mehr afrikanische Unternehmen auf ihren Waren. Immer mehr Afrikaner werden arbeitslos. Dazu gibt es auch noch einen sechsminütigen Clip  von der ARD, der das Thema auch nochmal anschneidet, sehr sehenswert.
Ich zitiere mal UN-Wirtschaftsexperte für Ostafrika, Andrew Mold, der sich mit dem Thema noch besser auskennt als ich: „Die afrikanischen Länder können mit einer Wirtschaft wie der Deutschen nicht konkurrieren. Das führt dazu, dass durch den Freihandel und die EU-Importe bestehende Industrien gefährdet werden und zukünftige Industrien gar nicht erst entstehen, weil sie dem Wettbewerb mit der EU ausgesetzt sind.“
Da frage ich mich wirklich: warum werden deutsche Bauern sogar noch subventioniert, wenn sie zB nach Afrika exportieren? Die afrikanischen Unternehmen können doch so schon nicht mit der europäischen Konkurrenz mithalten. Wenn wir uns mal die Wirtschaftsgeschichte anschauen, dann sehen wir ja auch, dass die heutigen industriellen Großmächte, wie zum Beispiel die Vereinigten Staaten nicht durch Freihandel groß geworden sind, sondern weil sie ihre Märkte lange Zeit mit hohen Schutzzöllen abgegrenzt haben, teilweise sogar bis zu 50%.
Gut, ab den 50ern wurden die dann auch herabgesetzt, aber da war die US-Wirtschaft schon so mächtig, dass die Konkurrenz nicht mehr wirklich eine Gefahr darstellte. Afrika soll aber mit der EPA weitestgehend ohne Schutzzölle zurechtkommen, obwohl das im Grunde genommen der einzige Weg wäre, sich gegen die gigantische EU-Wirtschaft behaupten zu können. Warum erlauben wir den Entwicklungsländern also nicht, ihre Produkte zollfrei zu exportieren?

Das ist eiskalt berechnende Interessenspolitik. Die EU wird reicher und Afrika ausgeblutet.
Wir brauchen uns nicht wundern, wenn bald berechtigterweise eine weitere Flüchtlingswelle von Wirtschaftsflüchtlingen aus Afrika zu uns strömen werden. Ich bin zwar einer, der gerne sagt: hab ich’s nicht gesagt? In dieser Hinsicht würde ich mich aber sehr freuen, mit meiner Prognose falsch zu liegen. Also, bitte: wenn ihr Argumente habt, die EPA in ein besseres Licht rücken können, dann klärt mich auf. Ich irre mich hier gerne. Sehr gerne.

Ist ja schon extrem, wenn sogar CDU-Politiker sich gegen das EPA-Freihandelsabkommen aus Gewissensgründen aussprechen…