ESFP – Der Partylöwe

Allgemeine Beschreibung & Klischees
Sie sind einerseits energiegeladene Stimmungsbomben und gleichzeitig scheinen sie manchmal die einzigen Menschen zu sein, die das Geheimnis, sich mal so richtig entspannen zu können, enthüllt haben. Dabei gelten sie zum einen als die unterhaltsamsten Spaßmacher und andererseits als die penetrantesten Nervensägen. Als unglaublich scharfsinnig und seltsamerweise auch als oberflächlich und einfach gestrickt. Was denn jetzt?

Versuchen wir mit dieser Analyse herauszufinden, woher all diese Widersprüche stammen und wie der Typ „ESFP“ sich erklären lässt.

Fangen wir mit den vier Lettern an. „E“ steht für extrovertiert, was bei keinem Typ so heraussticht, wie dem ESFP. Sie haben keine Angst vor fremden Menschen, neue Erfahrungen locken sie und sie sagen stets das, was sie gerade auf dem Herzen haben. „Was sie auf dem Herzen haben“ war die beabsichtigte Wortwahl, denn sie sind Fühler. Sie gehen danach, was sich richtig für sie anfühlt, nicht nach dem, was die Welt mit ihren Gesetzen und Regeln ihnen sagt, was man auch in ihrer laissez-fairen P-Präferenz erkennen kann: sie leben in den Tag hinein und schauen, was er so bringen wird, halten sich die Optionen offen, weil sie auf keinen Fall etwas verpassen wollen, indem sie sich an langweilige Pläne halten. Und das „S“ steht für „Sensing“, bedeutet, sie sind sensorische Menschen, die im Hier und Jetzt leben – das Leben findet in dieser Sekunde statt. Die Vergangenheit ist passé und wenn man sich auf die Zukunft fixiert, geht einem die Gegenwart flöten. Gehen wir am besten gleich genauer auf dieses „Sensing“ ein…

Erste Funktion – Extrovertiertes Empfinden(„Sensing Extroverted, kurz SE“)
Wie eben beschrieben geht es beim Empfinden darum, im Moment zu leben. Das Leben ist zu kurz, als das man es nicht genießen sollte. Während der pflichtbewusste ESTJ zum Beispiel nach dem Motto geht: „Work hard, play harder“ und in gewisser Hinsicht auch zum ESFP passt, der Dinge, wenn er sie schon anpackt, auch leidenschaftlich anpackt, würde dessen Motto eher heißen: „Arbeit muss Spaß machen“ – wenn das gewährleistet ist, ist der ESFP in der Lage, gewaltige Kraftakte aufzubringen. Nicht selten ist dieser Typ daher in der Unterhaltungsbranche zu finden. Schauspieler, Künstler, Musiker, auch Sportler gehören häufig diesem Typ an. Ihre Leidenschaften zum Beruf zu machen, das ist ein großes Ziel, das sie getreu einem anderen Motto, „Lebe deinen Traum“, rigoros verfolgen.

Dabei lassen sie sich nicht von pessimistischen Prognosen in die Irre leiten. Man ist seines eigenen Glückes Schmied. Auch, wenn es nur sehr schwach ausgeprägt ist, zeigt sich hier die vierte und am schwächsten entwickelte Funktion, das introvertierte Intuieren. Davon nehmen sie zwar den Blick auf ein langfristiges Ziel an: „Profimusiker werden“, „in der Elitetanzschule aufgenommen zu werden“, etc., allerdings sind diese Ziele darüber hinaus eher weniger klar definiert und der Weg, wie man dorthin gelangt auch nicht eindeutig. Viel mehr hat SE einen opportunistischen Charakter: ergibt sich eine Gelegenheit, wird diese sofort ergriffen. ESFPs sind extrem aufmerksam, was man ihnen bei ihrer Quirligkeit oft zunächst gar nicht zutrauen würde. Das zeigt sich zum Beispiel darin, dass sie kleinste Veränderungen in der Mimik ihres Gegenübers erkennen können und einen ausgeprägten Sinn für Ästhetik haben. Dabei sind sie in einer kindlichen Art und Weise sehr direkt und trauen sich, offensichtliche Dinge anzusprechen, die sich sonst kaum einer traut, anzusprechen – selten mit negativen Auswirkungen für sie. In gewisser Weise ist diese kindliche Art auch der Grund, weshalb sie häufig so beliebt sind. Sie genießen eine Form der Narrenfreiheit, wobei es töricht wäre, sie als Narren zu bezeichnen, da sie über einen überaus ausgeprägten Scharfsinn verfügen, der ihnen Einblicke eröffnet, die anderen oftmals verborgen bleiben, aber dazu später.

Das stark ausgeprägte extrovertierte Empfinden ist neben den offensichtlichen Vorteilen jedoch auch mit Nachteilen behaftet: ESFPs empfinden es als ermüdend und anstrengend, lange sitzen zu bleiben. Sie sind der Inbegriff eines „Zappelphilipps“, der stets den Drang zu Bewegung hat. Einer der Gründe, weshalb sie die Schule oftmals eher negativ in Erinnerung haben und auch selten akademische Karrierepfade einschlagen – nicht etwa, weil sie zu blöd dafür wären, wie ihnen oftmals unterstellt wird, sondern einfach aus dem Grund, dass sie nicht gerne stundenlang in einem Zimmer sitzen und lesen. Sie wollen die Welt weniger mit Hilfe von Büchern und altklugen Vorlesungen kennen lernen, sondern sie selbst entdecken.

Zweite Funktion – Introvertiertes Fühlen („Feeling Introverted, kurz FI“)
Soviel zur Wahrnehmung – wie bewertet der ESFP die Dinge, die er aufgenommen hat? Hier kommt sein introvertiertes Fühlen ins Spiel. FI ist dafür zuständig, Dinge nach eigenem Empfinden zu bewerten und beantwortet dabei weniger die Frage: „Was macht Sinn?“ sondern vielmehr „Was begehre ich?“. Sprich, der innere Kompass des ESFP ist auf das ausgerichtet, was er gerade zu brauchen meint. Um das Bild ein wenig zu verdeutlichen: ein ESFP-Musiker beispielsweise fühlt sich zur Musik hingezogen, weil sie ihm gute Gefühle gibt. Natürlich legt er Wert darauf, dass er von der Musik leben kann, aber der materielle Ertrag davon, selbst der ideelle, wenn seine Musik bestimmte Botschaften erhält, ist erstmal zweitrangig. Er steht meistens gerne im Mittelpunkt, aber nicht etwa, weil er ein selbstverliebter Show-off ist, sondern, weil er gerne andere Menschen mit seiner Freude an der Musik ansteckt: es macht mehr Spaß gemeinsam die Musik zu zelebrieren, als alleine.

Das ist ein oftmals falsch verstandener Punkt – ESFPs stehen gerne im Rampenlicht, aber sie sind in der Regel keine eingebildeten Diven, sondern, trotz des oftmals überzeichnet scheinenden Auftretens sehr bodenständige Menschen. ESFPs lassen sich fast genau so gerne unterhalten, wie sie selbst unterhalten, es geht ihnen in erster Linie einfach nur darum, dass man eine gute Zeit hat. Hieraus entsteht schnell der Eindruck, dass der ESFP oberflächlich ist und nicht an Konsequenzen denkt. Wenn wir uns allerdings anschauen, wie viele ESFPs sich teilzeitlich und nicht wenige sogar vollzeitlich für Menschen-, Tier- und/oder Umweltrechtsorganisationen einsetzen, dann merken wir, dass sie in der Regel einen ziemlich ausgeprägten Sinn für gegenwärtige Probleme haben.

Das liegt auch daran, dass ihr extrovertiertes Denken, „TE“, ihnen ganz klar zeigt, wie bestimmte Dinge in der Welt laufen. Als dritte Funktion ist TE zwar nicht sonderlich stark ausgeprägt, was sich auch darin zeigt, dass ein ESFP selten gerne Leiterschaftsrollen annimmt, womit zB ESTJs und ENTJs keine Probleme haben, aber zumindest für Dinge, die simple Beweise haben, die sehr offensichtlich sind, wie zum Beispiel die globale Erwärmung oder die Grausamkeiten der Massentierhaltung , ziehen ESFPs auch rasch Entschlüsse für sich. Ein anderer Typ könnte dann mit Argumenten kommen, der noch tiefer in die Materie eingeht und versucht, Ausnahmen in Einzelfällen zu bewerten (wie es introvertierte Denker oft machen), aber für ESFPs zählen die ganz eindeutigen Fakten. Ihr TE sieht sich das Ergebnis an, die Entstehungsdetails sind oft weniger wichtig, stattdessen bewertet der ESFP das TE-gefilterte Ergebnis letztendlich mit seinem introvertierten Fühlen. Es ist also schön und gut, wenn du mit tollen, komplexen Argumenten kommst, dass Massentierhaltung zB wichtig in einzelnen Wirtschaftsfragen ist – der Tierschützer-ESFP, der diese Angelegenheit moralisch bewertet, sieht am Ende nur die grausame Behandlung in der Massentierhaltung. Durch diese Einstellung können ESFPs auch ausdauernd ihre Ziele verfolgen, bei denen sich andere entweder durch Energiemangel oder Überzeugungsmangel (durch ständiges Hinterfragen der Motive) aus der Bahn bringen lassen würden. Diese Bewertungstendenzen können in besagtem Beispiel etwas Gutes sein, aber, wenn ungesund ausgelebt auch zu paranoidem Verhalten führen oder, untypisch für P-Typen, zu übereiltem Urteilen.

Fazit & Beispiele
Das bedeutet nicht, dass ESFPs zwangsläufig Veganer sind, sondern sollte nur oberflächlich verbildlichen, mit welchen Prozessen der ESFP an seine Entscheidungen herantritt. Wir fassen zusammen: ESFPs sind in gewissem Sinne Hedonisten aus Prinzip. Selbst, wenn sie von Zweiflern und schlechten Umständen umgeben sind, können sie wie kaum ein anderer immer noch gute Laune aufbringen, das Leben bejahen und anderen zeigen, wie man es ihnen nachmachen kann. Sie sind, u.a. aufgrund ihrer mangelnden Langzeitkonzentration zwar denkbar schlecht für unpersönliche administrative Aufgaben geeignet (alleine dieser Satz dürfte sich für sie anhören wie Kreide auf der Tafel), aber haben ein Händchen dafür, andere Menschen zu begeistern. Der Archetyp des praktisch veranlagten, mutigen Helden, der für das Gute kämpft, trifft auf den ESFP am Besten zu. Zu Zeiten der Globalisierung, in der komplexe Zusammenhänge und der tiefere Kontext jedoch eine wichtige Rolle spielen, ist es wichtig, dass besagte Helden auch oft genug innehalten und über ihren Kurs nachdenken, bevor sie am Ende die Prinzessin getötet und den Drachen befreit haben.

ESFP-Beispiele:

  • Tigger (Winnie Pooh)
  • Anna (Frozen)
  • Joey (Friends)
  • Joffrey Baratheon (Game of Thrones)
  • Jaime Lannister (Game of Thrones)
  • Jesse Pinkman (Breaking Bad)
  • Misa Amane (Death Note)
  • Balu (Dschungelbuch)
  • Ron Weasley (Harry Potter)
  • Jaime Oliver (Starkoch)
  • Miley Cyrus (Sängerin)
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