ENFJ – Der Anführer

Allgemeine Beschreibung & Klischees
Warum eigentlich immer die Klischees am Anfang, wenn so viele doch einfach total übertrieben sind? Weil man sich dann ein besseres Bild machen kann, da es beim Thema Typologie ja um Tendenzen geht. Die Klischees treffen also nicht alle unbedingt zu, sondern geben nur eine Vorstellung von dem, wie man diesen Typ oft wahrnimmt, nicht, wie er tatsächlich ist. Warum schreibe ich das ausgerechnet beim ENFJ? Weil dieser Typ die Tendenz hat, sich schnell angegriffen zu fühlen 🙂

Stereotypische ENFJs sind ständig beschäftigt, wollen 24/7 helfen, wenn es nach ihnen gänge sogar 25/8, sind dabei gleichzeitig ständig gut gelaunt, fröhlich und lieben alles und jeden – da das allerdings unrealistisch ist, wird ihnen gleichzeitig zugesprochen, dass sie bloß ausgesprochen gute Schauspieler sind, hinzu kommt noch das Bild vom Workaholic und dem Kontrollfreak. Solange, bis man mal wieder jemanden braucht, der einen aufpeppelt, den Glauben an die Menschheit und sich selbst wiederherstellt und sagt, wo’s langgeht. Dann sind ENFJs nämlich wieder die großen Vorbilder der gesamten Menschheit. Klingt das anstrengend? Ja? Ich bin so froh, kein ENFJ zu sein… aber ich bin froh, dass es sie gibt. Fangen wir an, zu verstehen, wie sie tendenziell (!!!!!1111einseinself) über die Welt urteilen und sie wahrnehmen.

Erste Funktion – Extrovertiertes Fühlen („Feeling Extroverted, kurz FE“)
Extrovertiertes Fühlen ist die erste Funktion, das heißt, der ENFJ hat einen hoch entwickelten Draht zur Stimmung seiner Mitmenschen um ihn herum. Während jemand mit niedrig entwickeltem FE vielleicht geradeso wahrnimmt, dass jemand traurig ist, weil er oder sie anfängt zu weinen, bemerken ENFJs die emotionale Gefühlslage schon an den kleinsten Nuancen in ihrer Stimme, Mimik und Haltung. Die dritte Funktion, das extrovertierte Empfinden (SE), welches dafür zuständig ist, die unmittelbare physische Welt wahrzunehmen, leistet dabei auch enorme Hilfe und ist möglicherweise der Grund, weshalb eher ENFJs den Ruf als Menschenkenner und „Hobbytherapeuten“ innehaben, denn ESFJs, die zwar ebenfalls ein ausgeprägtes FE haben, aber eher als gute Gastgeber und Versorger bekannt sind. Beide Typen teilen auch einen starken Gemeinschaftsdrang. Nach dem Motto „gemeinsam sind wir stark“, aber eigentlich auch „gemeinsam macht es einfach mehr Spaß“, suchen ENFJs aktiv nach der Gesellschaft anderer Menschen. Mal davon abgesehen, dass ENFJs in der Regel Philanthropen sind, die grundsätzlich zunächst einmal das Gute in ihren Mitmenschen sehen (oder danach suchen), hat das auch ganz praktische Gründe: gemeinsam erreicht man mehr. Und als Idealist ist es dem ENFJ auch wichtig, gemeinsam gesellschaftliche Basen zu errichten, in denen sich jeder wohlfühlen und entfalten kann. Um die (meist hochgestecken) Ziele zu erreichen, ist der ENFJ auch gewillt, einen Großteil seiner Zeit zu opfern, Unmengen von Energie einzubringen und unermüdlich weiter zu machen, selbst, wenn die Umstände noch so düster aussehen.

Hier liegt neben der großen Stärke allerdings auch eine Schwäche: der ENFJ hat diese hohen Erwartungen nicht nur an sich, sondern leider auch häufig an seine Mitmenschen. Es ist eine Sache, wenn er sich selbst völlig verausgabt, eine andere, wenn er auch von seinen Unterstützern verlangt – selbst, wenn das Ziel noch so edel und selbstlos ist. ENFJs wird auch öfters nachgesagt, manipulative und intrigante Züge zu haben. In der Tat haben sie ein Händchen dafür, nicht nur die Stimmung ihrer Mitmenschen zu erkennen, sondern sie auch aktiv zu beeinflussen, was sich alleine darin zeigt, dass ENFJs oft als sehr charmant und charismatisch empfunden werden. Dadurch ist es zwar möglich, schnell viele Mitmenschen auf „ihre Seite“, bzw zu „ihrer Sache“ zu bewegen, aber eine andere, nachhaltige Überzeugung zu schaffen, die ihnen selbst innewohnt. Glücklicherweise haben ENFJs auch eine analytische Seite, wenngleich diese als vierte Funktion relativ schwach ausgeprägt ist: das introvertierte Denken (TI). TI versucht die Dinge unpersönlich zu verstehen und einordnen zu können. Das ist allerdings schwer möglich, wenn sich der ENFJ zeitgleich in seinem aktiven „extrovertierten“ Modus befindet. ENFJs haben trotz ihrem Ruf als Powerbündel auch ein starkes Bedürfnis, sich für gewisse Zeiträume zurückzuziehen – und das ist auch gut so. Denn bei so viel „emotionalem Vorwärtsdenken“ ist es auch wichtig, immer wieder die Richtung zu justieren.

Zweite Funktion – Introvertiertes Intuieren („Intuition Introverted, kurz NI“)
Dazu ist auch das introvertierte Intuieren zuständig, das den Blick aufs ihrer Meinung nach Wesentliche richtet. Ihre zweite Funktion bringt vor allem das Visionäre im ENFJ heraus. Da das introvertierte Intuieren eher darauf fixiert ist, was sein könnte, denn auf das, was tatsächlich ist, lässt sich leicht erklären, weshalb ENFJs stets als Idealisten wahrgenommen werden und sich wahrscheinlich auch selbst als solche wahrnehmen. Diese Funktion ermöglicht es ihnen, Zukunftspläne zu vergegenwärtigen und ist gleichzeitig ein Antrieb für sie. Viele Aktivisten, wie Nelson Mandela oder Martin Luther King sind gute Beispiele, wie eine Vision durch Menschen, die nur stark genug daran glauben, Gestalt annehmen kann. Glaube ist ohnehin ein starkes Leitthema in der Persönlichkeit des ENFJs. Es muss nicht mal der Glaube im religiösen Kontext sein (wobei ich anmerken möchte, dass viele Leiter von Glaubensgemeinschaften ENFJs sind), sondern der Glaube daran, dass Ideale nicht nur im Kopf stattfinden, sondern auch Wirklichkeit werden können. Dieser Optimismus kann durchaus ansteckend sein und gepaart mit ihrer ersten Funktion, FE, ist es nicht verwunderlich, dass ENFJs häufig gute Mentoren und Anführer abgeben. Der gerade angesprochene Glaube zeigt sich auch in einer starken Affinität zu Symbolen. Ein ENFJ liest nicht nur im zwischenmenschlichen Kontext zwischen den Zeilen, sondern tut das auch in anderen Belangen. So haben zum Beispiel Träume für viele ENFJs eine höhere Bedeutung und sie suchen in Büchern, Filmen, Bildern und Musik nach einer tieferen Botschaft. Trotz ihrer sehr aktiven und energisch-fröhlichen Art, haben sie in dieser Hinsicht eine sehr sensible Seite, die sie Aufmerksam für Dinge, oder eher für Gedanken macht, die anderen nicht mal kommen.

Anders als die meisten INFJs, bei denen das introvertierte Intuieren noch stärker ausgeprägt ist, grenzen sich ENFJs allerdings selten für längere Zeit ab. Sowohl ihr extrovertiertes Fühlen, das ihnen das Bedürfnis nach Umgang mit anderen Menschen beschert, als auch das extrovertierte Empfinden, das einen Drang weckt, die physische Welt zu erleben, lässt sie nach einer Weile der Ruhe schnell wieder ausbrechen. Auch wenn gerade genannter Drang eher schwächer und unterbewusst ausgeprägt ist, ist er doch vorhanden und zeigt sich beispielsweise im Umgang mit anderen Menschen. Während zum Beispiel INFJs trotz der Wärme, die sie ebenfalls ausstrahlen eher zurückhaltend und tendenziell vorsichtig sind, sind ENFJs geradezu ein Inbegriff der Herzlichkeit – und dass die wenigsten von ihnen Scheu vor der physischen Welt haben, zeigt sich auch darin, dass sie den Kontakt auch körperlich zu ihren Mitmenschen aufbauen, indem sie zum Beispiel gerne und oft umarmen oder ihren Gesprächspartnern an Arm oder Schulter berühren. Es ist schon amüsant, dass solch gesellige Menschenkenner oft nicht merken, dass es auch Leute gibt, die sich dadurch in ihrer Privatsphäre beschnitten fühlen. Entweder das oder sie sind der Meinung, dass man so andere aus ihrem „Schneckenhaus“ bringen kann. Wer weiß.

Fazit & Beispiele
ENFJs sind vor allem eines: leidenschaftlich, vor allem für ihre Mitnenschen. Ob es nun die eigene Sportmannschaft ist, die politische Partei oder die Dorfgemeinschaft, man kann sich darauf verlassen, dass ein ENFJ dort, wo er aktiv wird, auch ernst an die Sache geht. Dabei muss er nur darauf achten, nicht alles so ernst zu nehmen – weder sich selbst, seine Mitmenschen oder die Umstände. Das kann sonst häufig dazu führen, dass selbst die kleinste Kritik, sei sie nun von außen oder von innen in Form von Zweifel, zu einer richtigen Krise führen kann. Zudem ist selbst die Energie eines ENFJ irgendwann einmal aufgebraucht und dann tut dieser Typ gut daran, mal nicht alles durchplanen zu wollen und auch anderen wenigstens zeitweise das Steuer zu überreichen. Für einen idealistischen Typen, können ENFJs nämlich auch gute Genießer sein und so ist es hin und wieder auch ganz entspannend, sich den ruhigeren Seiten des Lebens zu widmen und zu sehen, dass die Welt nicht untergeht, wenn man sich eine kurze Auszeit von den selbst auferlegten Pflichten nimmt.

Hier ein paar Beispielpersonen, die meiner Meinung nach dem ENFJ-Typen angehören:

  • Martin Luther King (Zivilrechtaktivist)
  • Margaery Tyrell (Game of Thrones)
  • Obi-Wan Kenobi (Star Wars)
  • Leslie Knope (Parks & Recreation)
  • Nelson Mandela (Zivilrechtaktivist / Präsident Südafrikas)
  • Oprah Winfrey (Talkshow Moderatorin)
  • Dr. Neil deGrasse Tyson (Wissenschaftler)
  • Rarity (My Little Pony)
  • Hans (Frozen)
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