Die beste Sportart überhaupt

…heißt historisches Langschwertfechten.

Noch nie von gehört? Das ist der Grund, warum ich über dieses für mich eher unübliche Thema schreibe. Nachdem ich vergangenen Samstag auf dem Turnier wieder spannende Gefechte erleben durfte und jetzt immer noch schwärmerisch daran zurückdenke, immer noch mit enormen Muskelkater im ganzen Körper, habe ich mir vorgenommen, meinen Teil dazu beizutragen, diese langsam wieder auflebende Sportart etwas bekannter zu machen. Nicht zuletzt, da die verträumte Autorennische ohnehin sehr affin für diese doch recht romantische Sportart ist.

Historisches Langschwertfechten, was ist das überhaupt? Aus ungefähr 70 deutschsprachigen und weit über 20 europäischen Bild- und Textquellen, wurde die Fechtkunst des 13. bis 17. Jahrhunderts wiederentdeckt und rekonstruiert. Im Titelbild seht ihr eine dieser Abbildungen von Hans Talhoffer, einem Lohnfechter, der im 15. Jahrhundert gelebt hat und als Verfasser von Fechthandschriften sehr wichtig für die Sportart war und wieder geworden ist. Alle Bewegungen, die wir im Unterricht lernen, basieren auf Quellen wie diesen und wurden eigens für die Sportart neu und verständlich definiert.

Gefochten wird, wie man sich denken kann, mit einem Langschwert. Keine Sorge, sie haben weder scharfe Schneide, noch einen spitzen Ort und für Gefechte gibt es entweder eine abgewandelte Form des japanischen Shinais, einem Bambusschwert oder eine sogenannte Feder mit biegsamer Klinge.

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Unser Verein kauft die Stahl-Sportwaffen von Jiri Krondak, einem tschechischen Schmied, der die Langschwerter in echter Handwerkskunst selbst schmiedet.

Beim ganzen Training spielt Authentizität eine große Rolle – nicht im Bezug auf die Gewalt, sonst hätte ich Probleme, überhaupt diesen Bericht zu schreiben, sondern auf die Bewegungen mit dem Schwert. Die Waffe selbst wiegt – das schätzen viele falsch ein – nur 1,5 – 2 Kilogramm und ist damit recht handlich und kann auch ein ganzes Turnier lang verwendet werden, ohne dass einem der Arm abfällt. Jede Bewegung, von den Beinen bis zu den Armen hat ihren Sinn und Zweck, wie es für eine Kampfsportart üblich ist.

Viele in meinem Bekanntenkreis stellen sich unter dem Langschwertfechten verspieltes Herumgefuchtel vor – tatsächlich ist es allerdings eine Sportart, die viel Übung, Konzentration und vor allem saubere Technik verlangt. Mit letzterem tue ich mich manchmal etwas schwer, da mein Kopf schneller denkt, als mein Körper handelt, aber ich als Asthmatiker und Skoliose-Patient (leicht verdrehte Wirbelsäule), merke, dass mir die Sportart unter’m Strich sehr gut tut. Zum einen braucht jeder Mensch Bewegung, aber ich bin niemand, der ins Fitnessstudio gehen und hirnlos für zwei Stunden Gewichte stemmen oder auf dem Laufband rennen würde. Wenn ich meinen inneren Schweinehund schon überwinden muss, Sport zu betreiben, dann muss dieser auch Spaß machen. Und Junge, alleine schon für den steigende Adrenalinspiegel, wenn man gerade noch so einem gut platziertem Unterhau ausweichen konnte, lohnt es sich, dieser Sportart eine Chance zu geben, wenn man beim Anblick eines Schwertes das Kribbeln in den Fingern verspürt, das elegante Stück in die Hand zu nehmen.

Ich fechte mittlerweile seit gut zwei Jahren (wenn man von meinem Backround absieht, in dem ich auch mit Degen und Florett gefochten habe, wobei das zu großen Teilen anders abläuft) und die Begeisterung hat kein bisschen abgenommen. Es macht sowohl Spaß, neue Techniken und Taktiken zu lernen, als auch, sie nach und nach in freien Gefechten zur Anwendung zu bringen. Als Anfänger wird man logischerweise noch nicht mit einer Waffe auf einen Trainingspartner losgelassen, sondern zunächst werden die Basisschläge und die richtige Beinarbeit einstudiert, aber schon das macht ziemlich Spaß.

Und das Beste ist – als Autor, der gerne auch mal den ein oder anderen Schwertkampf portraitiert, ist man in der Lage, diesen auch ganz authentisch und technisch korrekt darzustellen. Oder bei Filmen den Klugscheißer zu spielen und darauf hinzuweisen, wie sinnlos etwaige Drehungen um die eigene Achse oder tumbes Gegeneinanderdrücken der Klingen ist 🙂

Wenn’s euch interessiert, erkundigt euch mal im Internet – bestimmt gibt es auch in eurer Gegend einen Verein, der historisches Fechten anbietet! Und für weitere Fragen stehe auch ich gerne bereit.

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