ESTP – Der Draufgänger

Allgemeine Beschreibung & Klischees
Gerissene Mistkerle. Und auch noch stolz darauf. Theoretisch könnten wir es dabei belassen, die ESTPs – die mich kennen würden das nicht mal als Beleidigung auffassen. Aber der Vollständigkeit halber – und weil ESTPs als klassische Extroverten kein Problem damit haben, im Rampenlicht zu stehen, will ich genauer auf den Typ eingehen.

Zunächst einmal klären wir schnell, für was die Kürzel in „ESTP“ überhaupt stehen.

E, das bedeutet Extrovertiert. Also eine Persönlichkeit, die sich tendenziell ihrer Umgebung öffnet und Energie in der Interaktion bezieht, nicht so viel Zeit für sich alleine braucht.

S, das steht für Sensing, also Empfindend. Empfindend heißt, dass die Persönlichkeit weniger in der Welt der Gedanken lebt, sondern im Hier und Jetzt fundiert ist. Also eher ein Realist, denn ein Idealist.

T steht kurz für Thinking, also Denkend. Der Denker fällt Urteile anhand dessen, was wahr und unwahr ist, weniger danach, was moralisch richtig und falsch ist. Anders ausgedrückt könnte man auch sagen, er interessiert sich eher für Dinge, als für Menschen und ist ein tendenziell objektiver Denker, während Fühler eher subjektiv denken.

P bedeutet Perceiving, der Charakter ist dementsprechend ein Beobachter. Im Gegensatz zu den Urteilertypen lässt er das Leben auf sich zukommen und handelt eher reaktionär, anstatt die Initiative zu ergreifen, bevor er überhaupt weiß, was genau los ist.

Erste Funktion – Extrovertiertes Empfinden („Sensing Extroverted, kurz SE“)
Der ESTP ist wahrscheinlich von allen 16 Persönlichkeitstypen wahrscheinlich der, welcher die Welt mit dem klarsten Blick betrachtet. Klar, damit meine ich nüchtern: während intuitive Menschen nicht das Hier und Jetzt, sondern, das, was sein könnte sehen und introvertiertes Empfinder laufende Erfahrungen immerzu mit der Vergangenheit vergleichen, sieht der ESTP stets direkt das, was sich unmittelbar in der Gegenwart befindet. Das mag im ein oder anderen vielleicht das Bild eines tumben Hedonisten hervorrufen, in der Realität glänzt der ESTP aber häufig durch, nennen wir es: spontane Brillanz. Wenn er vor die Aufgabe gestellt wird, in einem riesigen Labyrinth aus Beton einen Schatz zu finden, schnappt er sich eine Leiter und balanciert über die Wände. Wie auch sein introvertiertes Pendant, der ISTP, behält der ESTP auch in Krisensituationen einen kühlen Kopf – anders als der ISTP wird er darüber hinaus jedoch auch sofort zur Aktion schreiten. Es kann sein, dass man damit auf die Schnauze fällt, aber dann hat man daraus immerhin gelernt und das nächste Mal könnte es schon anders aussehen. ESTPs leben ihr Leben also ganz nach dem Motto: „Wer nicht wagt, der nicht gewinnt“. Außerdem wäre es ihnen viel zu langweilig, nicht zu handeln.

Wenn ein Typ den Ruf „Opportunist“ verdient, dann ist es der ESTP, dem dank seines stark ausgeprägtem SE fast nichts entgeht. Kleinste Veränderungen, wie ein kurz zuckender Mundwinkel im Gegenüber oder die leisesten Geräusche fallen ihm meist früher als anderen Typen, was daran liegt, dass er so sehr auf das Hier und Jetzt fixiert ist.

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Deshalb schießen sie auch als erstes.

Diese offensichtliche Stärke hat jedoch auch einen Nachteil – denn in der Konzentration auf die Gegenwart, hat man weniger „Denkkapazität“ in Bezug auf langfristige Folgen. Das zeigt sich in der vierten, nur schwach entwickelten Funktion des ESTPs, dem introvertierten Intuieren (NI), das auf Kosten eines dominanten SE unterdrückt wird. Zum einen hat der ESTP oftmals ganz offensichtlich keinen Sinn für Abstraktes. So findet man kaum ESTPs, die sich gerne mit Geisteswissenschaften auseinandersetzen. Ohnehin ist stundenlanges Herumsitzen und lesen so überhaupt nicht ihr Ding. Das heißt nicht, dass sie nicht lernfähig sind – in der Wirtschaft tummeln sich viele erfolgreiche ESTPs und die haben ihr Handwerk auch gelernt. Der Unterschied ist, dass ESTPs in der Praxis gelernt haben. Meistens schneiden sie in der Schule dementsprechend nicht so gut, in der „Schule des Lebens“ jedoch umso besser ab. Sie sind keine Theoretiker und erst recht keine, die sich mit langwierigen Gedankenspielen auseinandersetzen. Langwierigkeit ist ohnehin ein Tabuwort für SE-fokussierte Typen. Sobald sie das Interesse an einem Thema verlieren, kann man damit rechnen, dass sie bei der nächsten Gelegenheit abspringen.

Zweite Funktion – Introvertiertes Denken („Thinking Introverted, kurz TI“)
Wahrnehmung ist die eine Sache – wie man die Informationen verarbeitet und was man mit ihnen anstellt, eine ganz andere. Hier kommt die zweite Funktion, das TI ins Spiel. TI beschäftigt sich damit, Umstände und Daten zu analysieren und das nicht anhand von akademischen Gesetzlichkeiten, sondern a priori, das bedeutet nicht auf Basis von Erfahrungen und Lehren, sondern aus dem Verstand heraus. Das, gekoppelt mit der enormen Auffassungsgabe, die mit dem SE einherkommt, ist der Grund für die „Bauernschläue“, wie man sie umgangssprachlich nennt, die dem ESTP innewohnt. Um auf das Beispiel mit dem Labyrinth zurückzukommen: andere überlegen sich, wie sie sich am schnellsten durch das Labyrinth bewegen können, aber handeln dabei nur innerhalb der Regeln, die ihnen ihre Erfahrungen gegeben haben: die Labyrinthmauern zu erklimmen, darauf würden sie entweder nicht kommen, oder, für den seltenen Falle, dass doch, diese Aktion als eine Mogelei ansehen. Für ESTPs sind die Grenzen zwischen dem was erlaubt und verboten ist, sehr verwaschen. Wenn er keinen Sinn in Verboten sieht und weiß, wie er Konsequenzen vermeiden kann, die daraus entstünden, wenn er sie brechen würde, dann wird ihn kaum etwas davon abhalten, die Regeln zu ignorieren. Es geht ihm dabei allerdings nicht darum, zu rebellieren, sondern nur, selbst effektiver zu sein.

Man könnte jetzt zu dem Schluss kommen, dass ESTPs rücksichtslose Halunken wären, die niemand leiden kann. Weit gefehlt. Sie haben einen selbstbewussten Charme an sich, bei dem es schwer fällt, sie nicht zu mögen. Woher kommt das? Ihre dritte Funktion, das extrovertierte Fühlen orientiert sich an der Stimmung von ihren Mitmenschen. Zwar ist diese Funktion nicht so stark ausgeprägt, wie etwa bei einem ESFJ, was sich darin zeigt, dass der ESTP eher oberflächliche Emotionen sieht, aber – vor allem gemeinsam mit extrovertiertem Empfinden, der Funktion, die wie gesagt auch kleinste Veränderungen in Mimik und Körperhaltung wahrnimmt, erfasst der ESTP schnell, was eine Menschengruppe zum Beispiel zum Lachen bringen kann. Nicht nur unbedingt durch absurde Beobachtungen, die sonst niemand zu benennen scheint, sondern auch durch Wortspiele. Dabei ist er sehr direkt, aber macht das so offensichtlich, dass meistens nur Leute, die ihn noch nicht lange kennen, sich von ihm dadurch auf den Schlips getreten fühlen. Die anderen wissen seine Direktheit entweder zu schätzen oder gehen dem ESTP von vorneherein aus dem Weg. Wobei das eher weniger Personen sind: letztlich schätzt der ESTP nämlich auch gute Gesellschaft und auch, wenn es möglicherweise einige Vertreter des Typs nicht gerne zugeben – es gibt auch Zeiten, in denen er sich wirklich herzerwärmend darum bemüht, dass ihn seine Mitmenschen mögen. Meistens mit Erfolg, wenn auch oft eher auf oberflächlicher Basis. Aber für engere Bindungen braucht ein ESTP auch erstmal wirklich einen Haufen guter Gründe.

Fazit & Beispiele
All die benannten Kombinationen machen aus dem ESTP einen fähigen Geschäftsmann, bzw eine fähige Geschäftsfrau. Auch im übertragenden Sinne. Er weiß, was er will und wer es ihm geben kann. Gleichzeitig weiß er, wie er sich vermarkten kann, beziehungsweise, was sein Gegenüber gerne im Austausch hätte. Dabei kann er seine Angebote stets so formulieren, dass sie für ihn den momentan bestmöglichen Ausgang bieten. Das „gefährliche“ bei ESTPs ist, dass sie nicht halb so manipulativ wirken, wie sie in Wirklichkeit sind. Gleichzeitig sind ESTPs häufig erstaunlicherweise ziemlich naiv und lassen sich relativ leicht ködern – ihr klarer Blick auf das Momentane verwehrt ihnen, wie bereits erwähnt auch die Sicht auf Konsequenzen, die eventuell noch fern in der Zukunft liegen. Aber selbst, wenn sich der ESTP in Problemen verstrickt – was schnell mal passieren kann, bei jemandem, der auch viel wagt – so schnell, kann er sich auch wieder aus den Konflikten befreien.

Der ESTP wird vor allem dann gebraucht, wenn Wagemut und Aktionsbereitschaft gefordert werden. Im Gegensatz zum ESTJ, der auch beide Eigenschaften aufbringen kann, ist der ESTP jedoch eher ein Pionier, der unberührte Pfade einschlägt, die noch nie vor ihm jemand betreten hat. Das mag zwar anfangs riskanter erscheinen, wenn es was zu holen gibt, ist die Belohnung jedoch um so größer.

ESTP-Beispiele:

  • Rainbow Dash (My Little Pony)
  • Tuco Salamanca (Breaking Bad)
  • Donald Trump (Designierter Präsident der Vereinigten Staaten)
  • Han Solo (Star Wars)
  • Duke Nukem (Videospiel-Ikone)
  • Robert Baratheon (Game of Thrones)
  • Oberyn Martell (Game of Thrones)
  • The Comedian (Watchmen)
  • George S. Patton (General des 2. Weltkrieges)
  • Tyler Durden (Fight Club)
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2 thoughts on “ESTP – Der Draufgänger

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