Projekt: Vegetarismus (6. Monat)

Der aufmerksame Leser hat vielleicht bemerkt, dass das „Pseudo“ aus dem Pseudo-Vegetarismus mittlerweile verschwunden ist. Nachdem mich Cordula (Hier ihr Blog) dazu angeregt hat, mich mal darüber zu erkundigen, was Fischfang mit unserem Planeten macht und wie grausam man mit den Fischen umgeht (was mir eigentlich schon immer klar war), habe ich auch einfach keine Lust mehr auf Fisch gehabt.

Es tut mir wirklich leid, dass ich nicht schon früher zu diesem Thema weiter geschrieben habe, irgendwo war’s doch auch recht spannend und auch ab und an eine Herausforderung, aber erstens habe ich meistens vergessen darüber zu schreiben und wenn ich gerade mal daran gedacht habe, dann hatte ich entweder keine Zeit oder… ich geb’s zu, oder ich war zu bequem. So, hier aber meine gefühlte Zusammenfassung über das vergangene halbe Jahr (so in etwa) in Bezug auf meine Fleischabstinenz.

Nur soviel vorweg, damit es auch jeder weiß, auch diejenigen, die es eigentlich nicht interessiert und diesen Beitrag nur überfliegen: es war leichter als erwartet.

Es war leichter als erwartet, richtig. Die schwierigsten Momente waren jene, wenn der Geruch von Rindsteak in der Luft lag, aber die Momente waren seit jeher schwierig, denn ein gutes Stück Rind ist (zurecht) teuer (nicht genug) und das hat mich auch schon als Fleischesser gequält, wenn mein „einmal im Monat“-Steak schon passé war. Dementsprechend hat sich da nicht ganz so viel geändert. Wenn ich Lust hatte auf Fleisch, habe ich eben was anderes gegessen, was auch geschmeckt hat. Und ich habe so viele tolle, vegetarische Gerichte kennen-, sowie einzelne Zutaten mehr zu schätzen gelernt, nicht zuletzt dank meiner wunderbaren Frau, die ja schon seit über zehn Jahren Vegetarierin und eine tolle Köchin ist.

Es war dann schwierig, wenn es auf Veranstaltungen und Feiern Fleisch im Überfluss und kostenlos für alle Gäste und Mitarbeiter gab. Ich habe mich sogar ein klein wenig schlecht gefühlt, weil ich wusste, dass bei einigen Events Fleisch übrig bleiben und weggeworfen werden würde. Ich hatte allerdings zwei gute Gründe, nicht doch zuzuschlagen. Erstens wollte ich nicht „rückfällig“ werden. Es kann sehr, sehr gut möglich sein, dass mir die meisten Fleischgerichte nach wie vor schmecken und wenn ich „ab und an“ mal Fleisch esse, dann kann ich mich ob meiner Inkonsequenz irgendwie auch nicht ernst nehmen.

Was ich mich auch fragte: warum wurde überhaupt so viel Fleisch gekauft? Einfache Antwort: weil man auch keinen Fleischesser damit vergraulen wollte, indem man ihm vegetarische Gerichte anbietet, weil das Fleisch eben alle ist. Wenn nun noch zehn Portionen übrig sind, dann denken die Veranstalter nächstes Mal eher darüber nach, vielleicht weniger Fleisch zu kaufen, als wenn ich eine von den zehn übrigen Portionen esse. Dann läge die Gefahr ja näher, dass Leute fleischlos satt werden müssten. Die Sache mit Angebot/Nachfrage existiert auch jenseits des Supermarkts, das darf man nicht vergessen.

Nun, jetzt interessieren sich bestimmt einige Leute dafür, wie es mir „denn nun so damit geht“. Auch, wenn ich hier ganz offen für einen vegetarischen Lebensstil werben will, will ich ganz ehrlich sein: ich wurde öfters krank. Vorerst. Kann zum einen daran liegen, dass die Grippewelle dieses Jahr echt heftig war, zum anderen aber auch daran, dass ich nicht mehr ständig mit Antibiotika vollgepumptes Fleisch verzehrt habe und mein Körper auf einmal ein bisschen mehr Selbstverantwortung übernehmen musste. Jedenfalls – die Grippesaison ist größtenteils vorüber und ich bin gesund und munter. Vor allem munter darüber, dass ich – und das auch schon während des Winters – auch nicht mehr so müde war. Ich habe mich häufig nach dem Essen enorm müde gefühlt, jetzt nicht mehr. Tatsächlich fühle ich mich nach einem Teller mit gebratenem Gemüse und gut gewürztem Reis (z.B.) jetzt noch aktiver. Und das ist tatsächlich der Punkt, den ich ganz besonders betonen will – ich habe den Eindruck, dass der Fleischkonsum meine Konzentrationsfähigkeit eingeschränkt hat. Ich meine, kann sein, dass ich’s mir auch nur einbilde oder durch meine Einstellung ausgelöst wurde. Unter’m Strich kann ich trotzdem behaupten: seit ich Vegetarier bin, ist meine Leistungsfähigkeit gestiegen. Wäre doch mal nen Versuch wert, dass ihr das auch ausprobiert oder? Ich meine, ihr könnt danach ja wieder nach Herzenslust tote Tiere essen, aber wenn das tatsächlich hilft, könntet ihr ja zumindest, wenn z.B. wichtige Prüfungen anstehen euren Ernährungsplan umstellen.

Und damit ich nicht aufdringlich, arrogant und belehrend wirke, höre ich hier auf, bevor ich den Moralhammer heraushole, der auch gute Gründe hat, auf Fleisch zu verzichten. Aber mal im Ernst, was würde das auch bringen. Ich habe auch lange genug gebraucht und Bevormundung, Tadel und Moralpredigten hätten meine Umstellung nicht beschleunigt. Tatsächlich war ich da einfach nur zu bequem und ganz bewusst ignorant für das Leid anderer und die Konsequenzen für unseren Plane… okay. Ich halt die Klappe.

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