Introvertiertes Empfinden

Introvertiertes Empfinden, oder kurz SI (englisch: Sensing Introverted) ist die Funktion, die uns dabei hilft, Eindrücke abzuspeichern und darauf zurückzugreifen, demzufolge also auch Informationen aus der Gegenwart mit denen der Vergangenheit zu vergleichen. Die Funktion ist am ausgeprägtesten bei den Typen ISTJ und ISFJ und steht an zweiter Stelle bei deren extrovertierten Pendants: ESTJ und ESFJ.

Der Unterschied zu Intuierern
Das Ziel von SI ist es, die Welt so zu erfassen, wie sie ist und sich zu erinnern, wie sie war. Intuierer hingegen konzentrieren sich vor allem auf das, was sein könnte, also nicht unbedingt so sehr auf die Realität. Im direkten Vergleich wirken Intuierer viel bodenständiger und sachlicher, man könnte auch sagen: nüchterner. Um die wahrnehmenden Funktionen zu beschreiben, ist es sinnvoll, sie bildlich zu vergleichen: während das extrovertierte Intuieren, das sehr auf die Möglichkeiten und verschiedenen Blickwinkel fixiert ist, eher einem Kaleidoskop gleicht, welches die Realität stark verzerrt, ähnelt das introvertierte Intuieren eher einer distanzierten Satellitenansicht, welche ein „Big Picture“, aber keine Details liefert. SI hingegen entspricht eher einem Landschaftsgemälde: es entspringt zwar der direkten Wahrnehmung des Künstlers und ein fremder Beobachter wird die Vorlage nach Betrachten des Bildes wohl auch wieder erkennen, aber es bleibt dennoch ein subjektives Empfinden, das nicht absolut der Realität entspricht. So bleiben auch beim introvertierten Empfinden bestimmte Details hängen, teilweise als harte Fakten, teilweise auch als subjektive Eindrücke.

Dadurch entsteht eine starke: „Ich weiß, was ich gesehen habe!“-Mentalität, die oft in Konflikt gerät mit der Einstellung von Intuierern, die rein sinnlichen Eindrücken eher misstrauen, bzw dazu tendieren, sie im Vergleich zu Ideen und hypothetischen Möglichkeiten gering zuschätzen. Neue Situationen – oder eben auch besagte Ideen und Möglichkeiten bergen für SI immer ein Risiko: auf der einen Seite natürlich die innere Datenbank zu erweitern, auf der anderen Seite die Gefahr, das man in der neuen Situation eben nichts hat, worauf man zurückgreifen kann. Pionierarbeit überlassen Nutzer eines stark ausgeprägten SIs tendenziell lieber anderen. Sobald sie der Meinung sind, genug Erfahrung in einem bestimmten Fachbereich gesammelt zu haben, treten sie in diesem Aspekt jedoch recht selbstbewusst auf.

Der Unterschied zu extrovertiertem Empfinden
Wenn introvertiertes Empfinden ein Maler, bzw sein Gemälde ist, dann widerspiegelt extrovertiertes Empfinden der Linse einer Fotokamera und dem damit geschossenen Bild. Ich behaupte, dass extrovertierte Empfinder das wahrscheinlich realistischste Bild der Ist-Situationen wahrnehmen. Der große Unterschied zum introvertierten Empfinder besteht hauptsächlich daran, dass sie aktiv neue Erfahrungen sammeln wollen, während ihr introvertierter Gegenpart eher dazu neigt, Gewohntes neu-, bzw. wieder entdecken zu wollen. Während SI also eher darauf aus ist, sich in einem vertrauten Umfeld zu bewegen und in diesem zu arbeiten, es zu optimieren und zu pflegen, stürzt sich SE in neue Erlebnisse, ist immer auf der Suche nach frischen Erfahrungen.

Beide Wahrnehmungstypen sind also pragmatisch veranlagt und auf Erfahrungen aus, aber in unterschiedlicher Form. Ein eher alltägliches Beispiel wäre, wenn die SE-Frau ihren Ehemann dazu überreden will, mal in Indien Urlaub zu machen, weil sie es einfach leid ist, jedes Jahr nach Spanien zu fliegen, während ihr SI-Ehemann gerade das so erholsam empfindet: er weiß jedes Jahr, worauf er sich einlässt, muss sich nicht auf ein anderes Klima, anderes Essen, eine andere Sprache und eine andere Kultur einlassen. SI kann in dieser Hinsicht auch stur sein, aber früher oder später wird es sich, wenn die anderen Funktionen ebenfalls gesund entwickelt sind, auch mal auf neue Erfahrungen einlassen, um die Erfahrungsdatenbank auszubauen. Wird ein primärer SI-Nutzer jedoch permanent dazu gezwungen, sich auf neue Dinge einzulassen, kann ihm das sehr auf die Essenz gehen.

Die Vorteile introvertiertem Empfindens
Mit den gut abgespeicherten Informationen besitzen introvertierte Empfinder folglich in der Regel ein gutes Gedächtnis. Da sie Beständigkeit mögen, sind sie Routine nicht abgeneigt und dementsprechend ausdauernd, wenn es darum geht, bestimmte Fähigkeiten und Wissensgebiete auszubauen, bzw. zu vertiefen.

SI ist es wichtig, dass die Dinge richtig angegangen werden, wobei „richtig“ in der Regel auch nicht auf irgendeinem Bauchgefühl, sondern auf üblicherweise vertrauenswürdigen Erfahrungen beruht. Dementsprechend leisten SI häufig einen wertvollen Beitrag in der Gesellschaft, um funktionierende Systeme weiterhin am Laufen zu halten, weil sie die nötige Expertise und Ernsthaftigkeit dafür aufweisen. Was viele andere Typen häufig vergessen: nur, weil man etwas schon oft getan hat, bedeutet das nicht, dass man es deshalb weniger sorgfältig machen muss. In der Regel geben sich introvertierte Empfinder demzufolge nicht mit geringeren Leistungen als „damals“ zufrieden.

In vielerlei Hinsicht bilden primäre SI-Nutzer aus dieser Sicht die Säulen unserer Gesellschaft, die uns bei all den Veränderungen, die auf uns zukommen, einen sicheren Halt bieten können.

Die Nachteile introvertiertem Empfindens
Doch genauso positiv die gerade genannten Aspekte anmuten können, so können sie auch ins Gegenteil verkehren: Konservatismus ist nur solange gut, bis er die Neuerungen blockiert, die tatsächlich Gutes schaffen würden. Bei stark ausgeprägtem SI muss man stets darauf achten, nicht „aus Prinzip“ alles neumodische zu verteufeln und Altes zu lobpreisen. Wie ich schon oben geschildert habe, zeigt das auf Impressionen basierende Bild des Malers nur eine abstrakte Version der Wirklichkeit, nicht jedoch die Wirklichkeit, wie sie tatsächlich ist. So kann es auch sein, dass zwei SI-Nutzer von ein und derselben Erfahrung ein komplett unterschiedliches Bild gemacht haben und sich trotz derselben Funktion der Meinung sind, das der jeweils andere eine völlig falsche Vorstellung von dem habe, was sich „damals“ ereignet hat.

Bei einem zu stark ausgeprägtem SI läuft man zudem Gefahr, sich neuen Erfahrungen komplett abzuschotten und sich in die eigene Welt zurückzuziehen, in der man nur die Informationen (oder Meinungen anderer) akzeptiert, die ins eigene Weltbild passen.

Dementsprechend tut man sich als primärer Empfinder gut daran, sich auch ab und an auf neue Erfahrungen und vor allem auch auf neue Gedankengänge, Ansichten und Ideen einzulassen, auch, wenn es zunächst sehr befremdlich erscheint. Man darf dabei nie vergessen, dass jede geliebte Erfahrung, jede akzeptierte Ideologie und Weltsicht an einem Zeitpunkt im Leben noch etwas komplett Fremdes und Neues war.

Introvertiertes Empfinden an den verschiedenen Stellen

Erste/Zweite Funktion SI (ISTJ, ISFJ, ESTJ, ESFJ): 
„So haben wir es damals gemacht, so machen wir es heute und werden es auch in Zukunft tun – und damit endet die Diskussion.“

„Moment. Als ich dich vor vier Jahren das letzte Mal besucht habe, hatte dieses Bild noch einen anderen Rahmen.“

„Ich fühle mich dann erst wirklich glücklich, wenn ich mich an die Dinge im Leben halten kann, die wichtig und nachhaltig sind, wie Familie, Freunde und Glaube.“

„Wenn ein Profi es auf diesen Weg macht und damit Erfolg hatte, warum sollte ich es dann anders machen? Ich habe mir jetzt bereits jeden einzelnen Schritt auswendig gemerkt.“

„Solange ich nicht mehr Informationen darüber bekomme, werde ich mich nicht darauf einlassen.“

 

Dritte/Vierte Funktion SI (INTP, INFP, ENTP, ENFP): 
„Wenn wir nicht aus den Fehlern unserer Vergangenheit lernen, werden wir sie nur wiederholen.“

„Oha… diese Straße kenne ich doch! Hier war ich vor vielen Jahren schon einmal und habe genau dieses und jenes getan, ich weiß sogar noch, wie das Wetter war!“

„Ich weiß nicht genau wieso, aber… ich kann und will mich auch eigentlich nicht davon trennen.“

„Weißt du noch, wie es damals war, wenn man als Kind Weihnachten gefeiert hat? Manchmal vermisse ich dieses Gefühl…“

„Wo habe ich nur wieder meinen Schlüssel hingelegt? Ich sollte mir wirklich mal einen regulären Platz dafür überlegen…“

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Warum wollen wir keine besseren Menschen sein?

Im Kontext der Überschrift stelle ich direkt die nächste Frage: warum ist es so verpönt, wenn ich Leuten meine Meinung aufdrücken will?

Die Antwort wirkt – vor allem, wenn die Frage so formuliert wurde – relativ offensichtlich: weil ich, Sam, nicht das Anrecht habe, anderen Leuten vorzuschreiben, wie sie zu leben haben. Weil jeder selbst entscheiden kann, wie er zu leben hat.

In vielen Bereichen des Lebens stimme ich da auch zu: du hörst gerne Schlager? Okay, deine Sache. Du findest die Prequels von Star Wars besser als die originale Trilogie? Schwer verständlich, aber damit komme ich schon klar. Du bist homosexuell? Wenn du meinst, ich habe kein Problem damit.

„Was endlich in unsere Köpfe muss: Geld gibt dir keine Legitimation.“

Warum wird mir denn dann nachgesagt, dass ich versuche, anderen meine Meinung aufzudrücken? Wo also versuche ich, Leuten meine Meinung aufzuzwingen? Überall dort, wo die Entscheidungen des Einzelnen sich negativ auf andere Menschen auswirken können. Und das kann eine ganze Menge sein. Um nur ein paar Punkte aufzuzählen:

  • Fleischkonsum
  • Verpackungsverbrauch
  • Schadstoffausstöße
  • Unterstützung von Steuerhinterziehung und Lohnsklaverei durch den Kauf bei:
    • Amazon
    • Ikea
    • Starbucks
  • Unterstützung von Kinderarbeit durch den Kauf bestimmter:
    • Textilien
    • Lebensmittel
    • Elektronikware

Ich könnte die Liste noch viel länger und ausführlicher gestalten – aber es geht mir ums Konzept. Wir können nicht einfach so behaupten: „Ist doch meine Sache! Wie ich lebe, geht sonst niemanden was an!“, wenn wir in einer Welt leben, die so sehr von der Wirtschaft gelenkt wird. Jeder versteht das Prinzip von Nachfrage und Angebot. Wenn du dir einen SUV mit schlechter Umweltbilanz kaufst, dann bleibt es nicht nur dabei, dass du jetzt mit einer Drecksschleuder durch die Gegend fährst, sondern du hast der Automobilindustrie auch signalisiert: bitte weiter so. Stellt noch mehr von den Dingern her, denn offensichtlich werden sie euch abgenommen. Darüber hinaus gehörst du nun zu den Leuten, auf die andere Interessenten zeigen, wenn sie mit dem Argument kommen: „der hat sich doch auch so nen Wagen gekauft!“.

Was endlich in unsere Köpfe muss: Geld gibt dir keine Legitimation. Als wir noch Kinder waren, wurde uns eingebläut, dass wir nicht mit Lebensmitteln spielen sollen. Um mein Argument zu unterstreichen, hoffe ich, dass diese Regel noch in euch sitzt und weiterhin so empfunden wird. Wenn jemand in den Supermarkt geht, Stapelweise Milch und Eier kauft, nur, um danach alles in die Mülltonne zu werfen, dann spricht man doch gemein läufig von „Verschwendung“. War das in Ordnung, nur weil der Typ offenbar genug Geld hatte, um so einen Unsinn zu machen? Gesetzlich ja, wenn er auf Mülltrennung geachtet hat. Moralisch sicherlich nicht, vor allem, wenn man bedenkt, was für eine Hungersnot weltweit herrscht (und das Thema Ethik und Tierhaltung will ich hier erst gar nicht öffnen, auch, wenn es ebenfalls sehr interessant wäre).

Nun kann man sagen, dass man sein Rindersteak doch nicht in die Mülltonne wirft, sondern selbst isst. Stimmt schon, aber wenn man bedenkt, dass man alleine für ein Kilogramm Rindfleisch schon 15.000 Liter Wasser benötigt (und das war nur der Wasserverbrauch…), dann sollte die Frage doch erlaubt sein, warum man nicht auf eine vegetarische Alternative umsteigt.

„Man sollte wenigstens dazu stehen und zugeben können, dass man zu verwöhnt ist.“

Ich stelle hier mal eine dreiste Behauptung auf: Menschen, die… sagen wir, kein Fleisch essen und ihr Auto nur dann benutzen, wenn es wirklich notwendig ist und ansonsten zu Fuß gehen oder öffentliche Verkehrsmittel nutzen, richten an ihrer Umwelt (ergo an ihren Mitmenschen) weniger Schaden an. Eigentlich gar nicht so dreist, die Behauptung, oder? Wenn mir jemand widersprechen will, unten gibt’s die Kommentarfunktion. Wenn wir uns bei der Behauptung also auf einen Nenner einigen können, dann gibt es doch eigentlich nur zwei Begründungen, wenn ein Mensch nicht auch versucht, so zu leben. Die erste Begründung: es ist ihm schlichtweg egal. Andere Menschen, Nachhaltigkeit, die Umwelt sind ihm im Allgemeinen egal. Und die zweite… nein, es gibt nur eine Begründung. Ich wollte gerade schreiben, dass er seinen inneren Schweinehund, seine Gewohnheiten nicht überwinden kann, aber seien wir ehrlich – wenn der Arzt dir die Diagnose ausstellen würde: „Sie leiden an einer seltenen Krankheit, was für sie bedeutet, dass Fleischverzehr den Hirntod herbeiführen wird“, dann würdest du sicherlich nicht sagen: „Aber es schmeckt so gut“ und dir ein Schweineschnitzel braten.

Sicher, es gibt bestimmt einige Individuen da draußen, die tatsächlich glauben, Kinderarbeit sei ja nicht so schlimm und wir hätten auf den Klimawandel keinen Einfluss, aber so gerne ich diskutiere, werde ich es langsam leid, diesen Menschen, die es offensichtlich nicht besser wissen wollen, mehr Aufmerksamkeit als nötig zu widmen. Benennen wir das Kind also beim Namen. Von eben besagten Menschen abgesehen, weiß jeder, dass es viele Punkte gibt, bei denen man das eigene Konsumverhalten zum Wohle einer besseren Welt optimieren könnte. Wenn man es nicht tut, dann sollte man wenigstens dazu stehen und zugeben können, dass man zu verwöhnt ist. Wenn eine Person das erkannt und zugegeben hat, dann höre ich auch auf, auf sie einzureden. Mehr kann ich dann auch nicht tun, wenn ich den gesetzlichen Rahmen nicht verlassen will.

Ich weiß, ich mache mich mit diesem Artikel furchtbar unsympathisch, komme als autoritär und besserwisserisch daher, aber es ist mir wichtig, diese Dinge einmal loszuwerden. Ich mache selbst noch viele Dinge falsch – in meinem Haushalt entsteht beispielsweise immer noch viel zu viel Plastikmüll, weil ich bisher zu bequem war, mich hier und dort nach Alternativen um zusehen oder teilweise einfach keinen Kopf dafür hatte. Ich will das allerdings nicht als permanente Ausrede nutzen. Gerade ich, ein Meister der Prokrastination, habe es geschafft, von einem Tag auf den anderen auf meinen Fleischkonsum und Amazon zu verzichten. Ich bin mir sowas von sicher, dass das auch jeder andere Mensch kann, der auch nur ansatzweise über Willenskraft verfügt. Verzicht sollte eigentlich nicht so schwer sein. Und wenn mir jemand mitteilen kann, wie ich meinen Lebensstil durch weiteren Verzicht – ohne daran selbst Schaden zu nehmen – optimieren könnte, dann bin ich für solche Hinweise dankbar.

„Ohne daran selbst Schaden zu nehmen“ will ich übrigens nochmal hervorheben, um zu Relativieren: Tierversuche sind schrecklich, aber teilweise schrecklich notwendig. Wenn das Überleben von Menschen davon abhängig ist, dann steht von mir das Menschenleben an vorderster Stelle. Aber Kosmetikprodukte? Abgastests an Affen? Ich bitte euch. Und bevor ihr mich als den klassischen Moralapostel verteufelt, definieren wir diesen Begriff zunächst, einverstanden? Ein Moralapostel stellt den Anspruch, alleine zu wissen, was gut ist und sich so aufführt, als wüssten es seine Mitmenschen nicht. Ich bin mir ganz sicher, dass das, was ich hier geschrieben habe, lediglich eine Erinnerung ist – Fakten, die jeder weiß.

Der Moralapostel sagt: „Du weißt es nicht besser, glaube mir, denn ich habe Recht.“

Ich versuche zu sagen: „Wir wissen beide, was Sache ist. Handeln wir nach diesem Wissen.“

„Mein INTP funktioniert nicht mehr“ – Warum dieser Persönlichkeitstyp so viel Unsinn hortet

Es fällt mir teilweise unglaublich schwer, mich von unnützem Krimskrams zu trennen, was dazu führt, dass unser Lagerraum geradezu überquillt. Das Paradoxe an der ganzen Sache: wir INTPs rühmen uns doch dafür, relativ asketisch zu leben, in materieller Hinsicht genügsam. Warum also haben wir so ein Problem damit, unsere Zimmer mit unbrauchbaren Gegenständen vollzumüllen?

In Anbetracht dieses Problemchens: willkommen bei einem weiteren Beitrag zur Serie „Mein INTP funktioniert nicht mehr“! Vielleicht kann ich etwas Aufklärungsarbeit leisten und erklären, warum wir uns in dieser Hinsicht so seltsam verhalten.

Zunächst einmal sollten wir uns ansehen, was INTPs denn eigentlich so horten: bei mir handelt es sich fast ausschließlich um Kinderspielzeug, alte Fachzeitschriften, Briefe, CDs, die ich schon lange nicht mehr höre und Postkarten. Gemeinsamkeiten? Ein Wort: Nostalgie. Jetzt mag man sagen: Moment mal, das „Problem“, wenn man es denn so nennen will, haben doch vor allem auch xSFJ-Typen! Kann sein. Aber eher nicht in dem Ausmaß, dass der Kram in einer Ecke steht und verstaubt, so gut wie nie das Tageslicht erblickt. SJ-Typen haben aufgrund ihres stark ausgeprägten introvertierten Empfindens ebenfalls einen starken Sinn für das Nostalgische. Allerdings viel bewusster und ausgeprägter: sie haben in der Regel einen ausgewählten Platz für ihre Andenken, könnten sofort sagen, wo sich all die Dinge befinden.

Bei INTPs ist das introvertierte Empfinden nicht so stark ausgeprägt, noch weniger ihr Sinn für Hausordnung. Dennoch heben sie ihren Kram auf. Warum? Sie sehen in all den Gegenständen einen Teil ihrer Identität. Würden sie all das wegwerfen, hätten sie die irrationale Angst, ihre Identität und Erinnerungen ebenfalls wegzuwerfen. Mit den eigentlich schwachen, aber überzeugenden Argumenten: „Was? Du wirst doch nicht so herzlos sein und das Stofftier wegwerfen, das dich in deiner Kindheit vom Regal aus beschützt hat!“ oder: „Wenn du dieses alte Schulheft weg wirfst, wirst du vergessen, wie du dich damals im Chemieunterricht gefühlt hast!“, behalten sie ihre Andenken, selbst, wenn sie mit negativen Erinnerungen behaftet sind.

Hier geht introvertiertes Empfinden interessanterweise Hand in Hand mit dem extrovertierten Intuieren: der INTP fragt sich, wenn er sich eventuell überwinden sollte, doch in Betracht zu ziehen, etwas wegzuwerfen, ob man den Gegenstand nicht doch vielleicht noch benötigen könnte? Vielleicht will mein Sohn ja dieses Spielzeug. Vielleicht will ich ja doch nochmal versuchen, Comicfiguren zeichnen zu lernen. Eventuell mache ich mir eine Fotocollage mit alten Kinotickets (als ob ich das je tun würde!).

Auch INFPs teilen dieses Problem ein stückweit, denn auch sie haben oben genannte Funktionen an genau denselben Stellen. Allerdings verfügen sie auch noch über extrovertiertes Denken – sie urteilen häufiger nach dem Nutzen eines Gegenstandes, als man annehmen würde. INTPs analysieren zwar mittels ihres introvertierten Denkens, aber die Erkenntnis alleine, dass man Gegenstände aus irrationalen, praktisch unsinnigen Gründen aufbewahrt, bringt nichts. Im Gegensatz zu TE scheut sich TI eher in die Umwelt einzugreifen und so bekommen INFPs das Problem eher in den Griff als INTPs.

Und gerade, weil es relativ unterbewusst ist und/oder der INTP es möglicherweise abstreiten würde, aus sentimentalen Gründen, Dinge aufzubewahren, kann er hier nicht so klar urteilen, wie SJ-Persönlichkeiten, die ganz klar wissen, was in welcher Hinsicht tatsächlich zu ihrer Identität gehört und Erinnerungen noch deutlicher, noch bildlicher abspeichern und materielle Andenken in gewisser Hinsicht überflüssig machen.

Wichtig ist es also zunächst, sich als INTP über diese Schwäche bewusst zu werden und dementsprechende Schlüsse zu ziehen: wenn wir es so fürchten, die Zeit zu vergessen, an die wir uns jetzt mittels Gegenstände klammern, dann sollten wir uns fragen, ob wir hier nicht vielleicht gerade von Sensorikern lernen können, uns mehr auf das Gegenwärtige zu konzentrieren und das Leben wie es ist zu genießen. Überlegen wir uns: welchen Gegenstand werden wir benötigen, um uns an die Zeit, in der wir hier und jetzt leben, zu erinnern? Oder brauchen wir gar keinen Gegenstand dafür? Solange unser Kopf noch richtig funktioniert, sollte das Erlebnis an sich doch Erinnerung genug sein. Wir INTPs können uns eine Menge vorwerfen, aber nicht, dass wir uns keine Gedanken über Konsequenzen machen oder zu wenig überlegen. In diesem Sinne: Carpe Diem!