Extrovertiertes Empfinden

Extrovertiertes Empfinden, oder kurz SE (englisch: Sensing Extroverted) ist die Funktion, die uns dabei hilft, die Umwelt möglichst objektiv und in ihren Details wahrzunehmen. Die Funktion ist am ausgeprägtesten bei den Typen ESTP und ESFP steht an zweiter Stelle bei deren introvertierten Pendants: ISTP und ISFP.

Der Unterschied zu Intuierern
Während Intuierer sich vor allem mit Abstraktem beschäftigen, da sich sowohl extrovertiertes als auch introvertiertes Intuieren sehr auf Konzepte und Theoretisches konzentriert, ist das extrovertierte Empfinden sehr praktisch veranlagt. Das liegt daran, dass extrovertiertes Empfinden sich vor allem auf die Dinge fixiert, die sinnlich wahrnehmbar sind. Dementsprechend bewusst und aufmerksam nehmen Menschen mit stark ausgeprägtem SE ihre Umwelt wahr. Dabei fallen ihnen häufig auch Details auf, die anderen, insbesondere eben Intuierern entgehen.

Die Unterschiede werden besonders dann deutlich, wenn man extrovertierte Empfinder mit introvertierten Intuierern vergleicht: erstere sind energisch, voller Tatendrang und gehen mit einer „Das Leben geht weiter“-Einstellung eher unbekümmert durchs Leben, während introvertierte Intuierer sorgfältig die meisten Schritte in ihrem Leben planen und auf alles Vorbereitet sein wollen. In den Augen extrovertierter Empfinder sind solche Menschen eher zu langsam, zu vorsichtig und vor allem viel zu ernst.

Extrovertierte Empfinder und extrovertierte Intuierer wirken auf den ersten Blick häufig relativ ähnlich: beide lassen sich schnell von Neuem begeistern, brauchen viel Abwechslung und wirken locker und umgänglich. Die Unterschiede liegen hier eher im Detail: SE ist aus auf physische Stimuli – körperliche Aktivitäten und Eindrücke statt „geistige“ Aktivitäten, nach denen NE eher sucht. Um ein Beispiel zu nennen: jemand mit stark ausgeprägtem SE wird eher daran interessiert sein, mal Paragliding auszuprobieren oder Tiefseetauchen zu gehen, als ein neues Pen & Paper Spielsystem auszuprobieren. SE ist eher körperlich aktiv als „nerdy“, bei NE ist es genau andersherum. Und wie gesagt – hierbei handelt es sich um Tendenzen. Natürlich gibt es auch Rollenspiel spielende ESTPs und Taucher-ENFPs.

Der Unterschied zu introvertiertem Empfinden
Darauf bin ich bereits auf meiner Beschreibung von introvertiertem Empfinden eingegangen, weshalb ich mich hier etwas kürzer fassen werde. Einer der Hauptunterschiede ist, dass man mit starkem extrovertiertes Empfinden sehr opportunistisch agiert, während introvertiertes Empfinden eher die Vorsicht prägt. S-Typen sind beide sehr aufmerksam und nehmen viele Details in der Welt wahr. Generell gilt für introvertierte Tendenzen (nicht nur auf das Empfinden bezogen), dass sie einen Hang zum Pessimismus haben, die Welt eher als feindselig wahrnehmen, während Extroversion ein eher positives Weltbild fördert und die Lust darauf, mit der Welt zu „verschmelzen“. Das zeigt sich auch beim Empfinden – jemand mit stark ausgeprägtem SE sieht eine Gelegenheit und empfindet sie als einladend und wird eher darauf eingehen, als jemand mit stark ausgeprägtem SI. Solch eine Person erkennt die Situation möglicherweise auch, wird jedoch eher skeptisch sein und sich erst mit gutem Gefühl darauf einlassen können, wenn es bereits Erfahrungen gibt, die der momentanen Situation stark ähneln. Dementsprechend lassen sich extrovertierte Empfinder häufiger auf Risiken ein als introvertierte Empfinder. Ein weiterer Unterschied ist der, dass extrovertierte Empfinder einfach sehr viel neugieriger sind – ohne bösen Absichten (oder über bloße Neugierde hinaus überhaupt irgendwelchen), provozieren extrovertierte Empfinder andere Menschen beispielsweise gerne, einfach, um zu sehen, wie sie reagieren.

Extrovertierte Empfinder müssen ihre introvertierten Pendants wahrscheinlich als sehr merkwürdig erachten: „Wenn ihr Erfahrungen doch genauso sehr schätzt, wie wir – warum habt ihr dann so große Angst davor, neue zu machen?“

Die Vorteile extrovertiertem Empfindens
Menschen, bei denen diese Funktion stark ausgeprägt ist, sind aktiv und aufmerksam. Ersteres bedeutet, dass sie nicht erst stundenlang herum theorisieren, bevor sie etwas anfangen – sie sind auf aus neue Erfahrungen und lernen auch schnell daraus. Folglich leisten sie in vielen Bereichen Pioniersarbeit – sie probieren einfach gerne neue Dinge aus, vor allem, wenn sie aufregend und/oder lukrativ klingen. Da extrovertierte Empfinder sich generell eher weniger mit akademischen Dingen befassen, machen sie häufig einen ungebildeten Eindruck und bei vielen trifft dieser Eindruck auch voll ins Schwarze. Man darf jedoch Bildung nicht mit Intelligenz verwechseln. Extrovertiertes Empfinden fördert die Auffassungsgabe, was dazu führt, dass seine Anwender schnell lernen und extrem anpassungsfähig sind.

Die Anpassungsfähigkeit ist dabei auch der Aufmerksamkeit geschuldet. Auch bei sozialer Interaktion fallen extrovertierten Empfindern schnell die kleinsten Details in Körperhaltung und Mimik auf. Ein zuckendes Augenlid, der Stand, der etwas lockerer wird – all das nimmt der extrovertierte Empfinder genauso wahr, wie die Worte seines Gegenübers.

Die Nachteile extrovertiertem Empfindens
Aller Aktivismus schützt nicht vor Fehlschlägen – statistisch gesehen dürfte ein extrovertierter Empfinder metaphorisch (wahrscheinlich auch wörtlich) viel häufiger in seinem Leben auf die Schnauze fallen, als Typen mit einer anderen bevorzugten Wahrnehmungsfunktion. Sie rappeln sich zwar schnell wieder auf und lassen sich durch Niederlagen nicht entmutigen, aber es darf bezweifelt werden, ob sie immer daraus lernen – und es gibt eben auch Fehltritte, die macht man nur einmal im Leben. Danach kann man sie rein technisch nicht mehr wiederholen.

Extrovertiertes Empfinden scannt zudem zwar äußerst präzise die Oberfläche ab und ist dabei so detailliert wie keine andere wahrnehmende Funktion, aber dementsprechend hoch ist auch die Gefahr, dass seine Anwender auch oberflächlich nach oberflächlichem Maßstab denken. Sind die ausgleichenden Funktionen nicht stark genug ausgeprägt, liegt es nahe, dass ein extrovertierter Empfinder Menschen zum Beispiel vor allem nach Äußerlichkeiten bewertet und/oder (vor allem politisch) leicht manipulierbar ist.

Extrovertiertes Empfinden an den verschiedenen Stellen

Erste/Zweite Funktion SE (ESTP, ESFP, ISTP, ISFP): 
„Bestimmt kann ich das. Schau her – voillá! War gar nicht schwer.“

„Okay, ich hab die Spielregeln verstanden, den Rest lerne ich während dem Spiel. Lass uns aber endlich anfangen!“

„Er ist super angepisst. Hast du sein Gesicht in dem Moment nicht gesehen?“

„Mal sehen, wie die Leute reagieren, wenn ich heute Abend… dieses Kleid anziehen werde!“

„Diese Sportart klingt spannend. Keine Ahnung, ob mein Körper dafür fit genug ist – ein Grund mehr, sie auszuprobieren, nicht wahr?“

Dritte/Vierte Funktion SE (ENTJ, ENFJ, INTJ, INFJ): 
„Das sind zu viele Leute auf einmal… mir entgehen so viele Dinge, weil ich all die Eindrücke nicht schnell genug verarbeiten kann!“

„Sicher, dieser Whiskey ist unverschämt teuer. Aber wenn du ihn probiert hast, wirst du verstehen, warum ich ihn mir dennoch gekauft habe.“

 

„Ich habe eine Vision – und ich werde sie nicht erreichen, indem ich untätig herumsitze. An die Arbeit!“

„Bei all den Gedanken, die ich mir immer mache, brauche ich Bewegung einfach als Ausgleich. Ich fühle mich manchmal erst dadurch richtig lebendig.“

„Ich bin nicht gerne in diesem Restaurant. Das Essen ist zwar gut, aber die Einrichtung jagt mich förmlich nach draußen.“

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