Wo ich *nicht* mit der Linken übereinstimme

Wie ich ja schon öfters erwähnt habe, gehöre ich zur Linkspartei. Gerade zu Zeiten wie diesen, wenn die Bundestagswahl ansteht und mein Diskussionsbedarf ausnahmsweise sogar annähernd gedeckt ist, merke ich, wie schnell pauschalisiert wird. „Du bist ein Linker, also […]“ – so beginnen auffällig viele Sätze meiner geliebten Diskussionspartner und ganz offen gestanden, langsam nervt es mich, mich immer wiederholen zu müssen.

Deshalb – in erster Linie für besagte Diskussionspartner – und in zweiter für meine regulären Leser, denn ich habe schon lange nichts mehr gebloggt – hier eine Zusammenfassung, mit welchen Positionen der Partei „Die Linke“ ich nicht übereinstimme.

Bevor ihr jetzt allerdings weiter lest, will ich noch etwas Wichtiges sagen: meiner Meinung nach sind die genannten Punkte wirklich das geringere Übel. Bei so gut wie allen anderen Positionen gehe ich mit der Linken konform und will hier auch nochmal deutlich empfehlen, dass sie meiner Meinung nach die mit Abstand beste Wahl ist, wenn man sich ein gerechtes und nachhaltiges Deutschland wünscht.

Continue reading „Wo ich *nicht* mit der Linken übereinstimme“

Advertisements

Topophobie – Kein Eis für Tanja

Der Film war richtig, richtig mies und selbst das IMDb-Rating von Fünf Komma Neun Punkten war noch viel zu gut für diesen billigen Streifen. Er hatte keinen nennenswerten Plot und die Dialoge waren so bescheuert, dass man den Schauspielern ihre Lustlosigkeit schon beinahe verzeihen mochte. Tanja lachte mehrmals trocken auf, wenn irgendwelche Szenen eigentlich hätten dramatisch sein müssen und niemand der anderen elf Kinobesucher beschwerte sich darüber. Einige gingen schon nach der ersten halben Stunde. Zu etwa dieser Zeit begann Nayara die Fehler des Films zu kommentieren, etwas, was normalerweise ich tat. Nur hatte ich zu diesem Zeitpunkt das Gefühl, dass ich mir das nicht erlauben konnte, war ich doch derjenige gewesen, der „unbedingt“ den Film ansehen wollte.

Continue reading „Topophobie – Kein Eis für Tanja“

Topophobie – Nicht so der singende Typ

An der Haltestelle im Herzen Ledringens stieg ich mit meiner Gitarre aus. Nayara hatte glücklicherweise nicht bemerkt, dass ich sie mit mir trug. Ich hatte das schon befürchtet und mir die Ausrede zusammengelegt, dass sie eine Reparatur benötigen würde und ich sie deshalb mit zum Musikladen nahm. Nun konnte ich mir diese Begründung noch für später aufheben. Es war ein schöner, warmer Septembermorgen. Ich schlenderte durch die Altstadt, konnte mir Zeit lassen, da ich mich mit dem alten Rob erst in einer halben Stunde treffen würde und ging bewusst langsam durch die Straßen. Wie schön es hier doch war, wenn man sich die Zeit nahm, die alten, bunten Fachwerkhäuser zu bewundern, die verträumten Gassen, das Kopfsteinpflaster, die altmodischen Straßenlaternen und den Duft von Brötchen, der aus den Bäckereien auf offene Straße strömte. Meine Laune wurde nur wieder etwas getrübt, als ich an einer solchen Bäckerei vorbeiging und einen Blick ins Schaufenster warf. Lauter leckere Köstlichkeiten, doch waren sie alle übertrieben teuer. Ich ging seufzend weiter, musste bei meinem Tempo allerdings aufpassen, nicht von den beschäftigten Menschen, die auf ihrem Weg zur Arbeit waren über den Haufen gerannt zu werden. War ich gestern früh auch noch so? Der Blick stur geradeaus, die Gedanken nur auf die Arbeit, die anstand fixiert? Schwer vorstellbar. Ich hatte es nie eilig, den vermaledeiten Laden zu betreten. Der Besitzer, Herr Kettner hat nie ein Problem damit gehabt, dass ich regelmäßig ein paar Minuten zu spät kam. Er hatte nur ein Problem mit dem ganzen Rest, was mich anging. Meine Gedanken schwankten irgendwo zwischen „Er hat ja schon irgendwo Recht gehabt, ich bin nicht der beste Verkäufer“ und „Bin ich froh, nicht mehr in diesem Schuppen arbeiten zu müssen“. Meine Gedanken einigten sich schlussendlich auf „Als mieser Verkäufer bin ich froh, nicht mehr in diesem Schuppen arbeiten zu müssen“, aber irgendwo rief noch eine winzige Stimme, dass ich mich schämen sollte und jetzt in riesigen, finanziellen Schwierigkeiten stecken würde. Nun, aber gegen genau dieses Problem unternahm ich ja gerade etwas.

Continue reading „Topophobie – Nicht so der singende Typ“

Stolz

Nicht alle Menschen haben die Ausdauer, an ihren Träumen festzuhalten. Einem Traum temporär nachzueifern und ein Ideal zu verfolgen, ist etwas, das jeder kann, aber es ist die Fähigkeit nicht abzulassen, die den Unterschied macht. An einem Traum festzuhalten bedeutet, dass man sich an Entbehrungen gewöhnen, Willenskraft aufbringen und Standhaftigkeit beweisen muss. Sanara besaß diese Fähigkeit und das war der Grund, der sie so tief in die Scheiße zog.

Continue reading „Stolz“

Topophobie – Der Alte Rob

Das war es. Mehr musste nicht gesagt werden – ich sagte nichts mehr und ging. Nicht, weil ich beleidigt war oder die Lust am Diskutieren verloren hätte. Es gab nichts zum Diskutieren. Ich richtete mehr Schaden als Gewinne an, das war einfach eine Tatsache. Meine melodramatische Seite wühlte sich aus mir hervor und versuchte mir einzureden, dass ich diese Aussage auch auf meine ganze Existenz beziehen könnte, aber ich konnte sie mit glücklicherweise wieder niederringen. Ich richtete keine Gewinne an, mochte ja sein, dachte ich mir, aber ich hätte auch nicht gewusst, was ich denn überhaupt gewinnen wollen würde. Ich war weder auf aus ein großes, schickes Haus mit Swimming Pool, noch auf eine Anstellung bei irgendeinem Orchester oder einer Band. Natürlich, es war gut, dass mich die Major Five genommen hatten, aber ich riss mich jetzt auch nicht sonderlich um den Posten. Und was den Schaden anging, fielen mir nur finanzielle Schäden auf und durch die kam ich irgendwie immer hinweg. Mal davon abgesehen, dass ich gerade meinen ohnehin beschissenen Job verloren hatte, sagte ich mir selbst, ging es mir doch prima. Ich schlenderte pfeifend durch die Straße. Die strahlende Sonne schuf einen herrlich warmen, klaren Herbsttag und ich genoss den Geruch von welkenden Blättern, der durch den Wind zog. Ich schloss meinen MP3-Player an und ließ die Musik laufen. Es war noch die Musik darauf, die ich mir bis zum auditiven Erbrechen reingezogen habe, um das Genre besser zu verstehen und vertrauter mit der Musik zu werden. Jazzstandards, die mit jedem Mal anhören langweiliger wurden, dudelten sedierend wie Aufzugsmusik durch die Kopfhörer. Mir wurde klar, dass ich dennoch nie so gut spielen würde, wie Keith Jarret, Oscar Peterson oder Duke Ellington. Ich bewunderte sie und verachtete sie gleichermaßen. In diesem Moment verachtete ich sie aber größtenteils.

Continue reading „Topophobie – Der Alte Rob“

Topophobie – Der Wilde Vagabund

Wir saßen im Dubliner, unserer Lieblingskneipe in der ganzen Stadt, nicht zuletzt, weil die rustikale Einrichtung mit den ganzen alten Holzmöbeln, die dämmrige Beleuchtung, sowie die irische Folkmusik zu einer gemütlichen Atmosphäre beitrugen, sondern auch, weil die Auswahl an Biersorten betrachtlich und die Preise erstaunlich fair waren. Ehrlich gesagt wunderte ich mich, dass Leon mit in den Irish Pub kam. Erstens trank er keinen Alkohol und zweitens unternahm er in der Regel abseits der Bandprobe nie etwas mit uns. Er unternahm grundsätzlich selten irgendetwas, das nicht irgendeinem höheren Zweck diente und Besuche in die Kneipe gehörten grundsätzlich dazu. Wir lernten uns damals noch während dem Studium kennen, als er bereits im vierten und ich im zweiten Semester war. Nachdem er mich zufälligerweise einmal an der Universität üben gehört hat, kam er auf den Gedanken, mit mir eine Band zu gründen und hat mir seine Idee gleich vorgeschlagen. Eine Art Poprock/Klassikband. Coversongs mit klassischem Einschlag, um das Studium mit Gigs besser finanzieren zu können. Mit nichts, so sagte er damals, macht man schneller leichte Kohle, wie mit billigen Coversongs. Und wenn man die auch noch originell präsentieren würde, sowieso. Ich habe darin eine Gelegenheit gesehen, meinen besten Freund Felix wieder etwas regelmäßig zu sehen, der schon mit sieben Jahren angefangen hatte, Schlagzeug zu spielen. Zwar nur als Hobby, aber dafür solide. Wir nahmen noch Florian, einen Kommilitonen von Leon als Sänger mit an Bord, wobei Leon ihn nach einem halben Jahr wieder aus der Band warf. Florian verlangte, mit der Begründung, er sei der Sänger und damit der Frontmann, einen größeren Anteil unserer Gage für sich, was für Leon schon Grund genug war, ihn rauszuwerfen. Ich hatte kein Problem damit, da ich Florian ohnehin nicht gut leiden konnte und im Nachhinein hatte ich schon doppelt kein Problem damit, da wir während der Suche nach einem neuen Sänger auf Nayara trafen. Sie brachte zwar das Problem mit, dass sie sich nach einem Jahr weigerte, Cover zu machen, weil sie selbst leidenschaftliche Songwriterin war, aber da ihre Lieder wirklich gut waren und keine Lust auf einen neuen Sängerwechsel hatten, akzeptierten wir das.

Continue reading „Topophobie – Der Wilde Vagabund“