Wo ich *nicht* mit der Linken übereinstimme

Wie ich ja schon öfters erwähnt habe, gehöre ich zur Linkspartei. Gerade zu Zeiten wie diesen, wenn die Bundestagswahl ansteht und mein Diskussionsbedarf ausnahmsweise sogar annähernd gedeckt ist, merke ich, wie schnell pauschalisiert wird. „Du bist ein Linker, also […]“ – so beginnen auffällig viele Sätze meiner geliebten Diskussionspartner und ganz offen gestanden, langsam nervt es mich, mich immer wiederholen zu müssen.

Deshalb – in erster Linie für besagte Diskussionspartner – und in zweiter für meine regulären Leser, denn ich habe schon lange nichts mehr gebloggt – hier eine Zusammenfassung, mit welchen Positionen der Partei „Die Linke“ ich nicht übereinstimme.

Bevor ihr jetzt allerdings weiter lest, will ich noch etwas Wichtiges sagen: meiner Meinung nach sind die genannten Punkte wirklich das geringere Übel. Bei so gut wie allen anderen Positionen gehe ich mit der Linken konform und will hier auch nochmal deutlich empfehlen, dass sie meiner Meinung nach die mit Abstand beste Wahl ist, wenn man sich ein gerechtes und nachhaltiges Deutschland wünscht.

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Topophobie – Traditionswähler

Nayara und ich waren auf dem Weg zu Felix und Alina. Ich hätte mir zwar gerne noch eine Strategie ausgedacht, wie wir das Gespräch genau angehen wollen, aber Nayara war der festen Überzeugung gewesen, dass es besser wäre, das Gespräch ganz ungezwungen und damit auch ganz ohne Plan anzugehen. Bevor ich meine Erwiderung auch nur zu Ende aussprechen konnte, fragte sie mich, wer denn von uns besser darin wäre, mit Menschen umzugehen, was mich zum Schweigen brachte. Es war ein unfaires Argument, das sie immer Mal wieder einbrachte, weil es eben tatsächlich so war, dass sie – allgemein – besser mit Menschen umgehen konnte, als ich. In diesen Momenten fragte ich mich manchmal, mit was ich denn überhaupt gut umgehen konnte, aber das konnte ich dann auch nicht sagen, weil mir Nayara sonst wieder eine Standpauke über ein realistisches Selbstbewusstsein und Depressionen gehalten hätte. Die ich nicht nötig hatte. Denn ich hatte weder ein unrealistisches Selbstbewusstsein – ich empfand es nur als hilfreich, sich über die eigenen Schwächen bewusst zu sein, noch litt ich an Depressionen. Ich litt nur hin und wieder an der Realität, doch wer tut das nicht?
Ich sagte schon gar nichts mehr, doch Nayara sprach weiter und strich mir dabei sanft über die Wange.
„Ich kann zwar besser allgemein mit Menschen umgehen, aber dafür kann kein Mensch besser mit mir umgehen, als du.“
„Ja, weil es dich nicht zweimal gibt“, scherzte ich trocken und sah sie belustigt an. Sie dachte einen Moment lang nach und schüttelte dann mit einem Anflug von Ekel ihren Kopf.
„Nein, selbst wenn“, antwortete sie. „Ich würde mich ständig mit mir streiten.“
„Zum Beispiel darüber, wer von euch zweien besser mit Menschen umgehen kann?“

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Topophobie – Nicht so der singende Typ

An der Haltestelle im Herzen Ledringens stieg ich mit meiner Gitarre aus. Nayara hatte glücklicherweise nicht bemerkt, dass ich sie mit mir trug. Ich hatte das schon befürchtet und mir die Ausrede zusammengelegt, dass sie eine Reparatur benötigen würde und ich sie deshalb mit zum Musikladen nahm. Nun konnte ich mir diese Begründung noch für später aufheben. Es war ein schöner, warmer Septembermorgen. Ich schlenderte durch die Altstadt, konnte mir Zeit lassen, da ich mich mit dem alten Rob erst in einer halben Stunde treffen würde und ging bewusst langsam durch die Straßen. Wie schön es hier doch war, wenn man sich die Zeit nahm, die alten, bunten Fachwerkhäuser zu bewundern, die verträumten Gassen, das Kopfsteinpflaster, die altmodischen Straßenlaternen und den Duft von Brötchen, der aus den Bäckereien auf offene Straße strömte. Meine Laune wurde nur wieder etwas getrübt, als ich an einer solchen Bäckerei vorbeiging und einen Blick ins Schaufenster warf. Lauter leckere Köstlichkeiten, doch waren sie alle übertrieben teuer. Ich ging seufzend weiter, musste bei meinem Tempo allerdings aufpassen, nicht von den beschäftigten Menschen, die auf ihrem Weg zur Arbeit waren über den Haufen gerannt zu werden. War ich gestern früh auch noch so? Der Blick stur geradeaus, die Gedanken nur auf die Arbeit, die anstand fixiert? Schwer vorstellbar. Ich hatte es nie eilig, den vermaledeiten Laden zu betreten. Der Besitzer, Herr Kettner hat nie ein Problem damit gehabt, dass ich regelmäßig ein paar Minuten zu spät kam. Er hatte nur ein Problem mit dem ganzen Rest, was mich anging. Meine Gedanken schwankten irgendwo zwischen „Er hat ja schon irgendwo Recht gehabt, ich bin nicht der beste Verkäufer“ und „Bin ich froh, nicht mehr in diesem Schuppen arbeiten zu müssen“. Meine Gedanken einigten sich schlussendlich auf „Als mieser Verkäufer bin ich froh, nicht mehr in diesem Schuppen arbeiten zu müssen“, aber irgendwo rief noch eine winzige Stimme, dass ich mich schämen sollte und jetzt in riesigen, finanziellen Schwierigkeiten stecken würde. Nun, aber gegen genau dieses Problem unternahm ich ja gerade etwas.

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Topophobie – Unerwarteter Besuch

Bis 18:00 Uhr hätte ich normalerweise noch im Musikladen gearbeitet. Bis dahin machte ich mir Gedanken darüber, ob ich Nayara einfach erzählen sollte, dass ich meinen Job schon wieder verloren habe, oder es einfach für mich behielt. Es war nicht so, dass sie mir jemals einen spontanen Überraschungsbesuch bereitet hat, da sie selbst zu ähnlichen Zeiten arbeiten war. Und nachdem ich für die vergangenen drei Stunden einen Straßenmusiker beobachtet und immer mal wieder mit Stielaugen das Geld in seinem Gitarrenkoffer gezählt hatte, kam ich zu dem Ergebnis, dass sich das Gehalt eines Straßenkünstlers nur marginal von dem eines Instrumentenfachhändlers unterschied. Natürlich würde ich das Geld auch noch durch zwei teilen müssen, allerdings würden der alte Robert und ich auch doppelt so gut spielen und singen, als mein Beobachtungsobjekt. Und dementsprechend, hoffentlich, auch doppelt so viel Geld bekommen. Ich kam zu dem Entschluss, dass ich zumindest für den Rest des Monats, den ich ja noch bezahlt wurde, nichts sagen würde. Vielleicht lief es gut, vielleicht musste Nayara überhaupt nichts davon erfahren. Ich hatte etwas Bauchschmerzen bei dem Gedanken, ihr das zu verheimlichen, gerade ich, der sich stets für Ehrlichkeit und Direktheit rühmte. Aber ein schlimmeres Gefühl als nur Bauchschmerzen überkamen mich, wenn ich daran dachte, ihr zu erzählen, dass ich einen weiteren Job losgeworden bin. Schon wieder versagt habe. Ich nahm mir vor, mich ab dem nächsten Tag auch nach einem anderen Job zu erkundigen. Sollte es mit dem Straßenmusizieren nicht funktionieren, konnte ich einfach mit etwas anderem anfangen und Nayara erzählen, ich hätte für einen besseren Job den alten im Musikladen gekündigt. Im Idealfall würde es einfach mit den Major Five funktionieren. Es war mittlerweile 19:00 Uhr und ich machte mich auf zur S-Bahnhaltestelle. Ich seufzte, als ich mich auf die kalte Holzbank setzte. So viel zum Thema Ehrlichkeit, dachte ich mir. Ich versuchte mir einzureden, dass ich kein schlechtes Gewissen zu haben brauchte, wenn ich meine Freundin ja nicht anlog. Ich enthielt ihr lediglich Informationen vor, die vollkommen irrelevant waren, wenn sich unterm Strich nichts ändern würde.

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