Bist du ein mündiger Verbraucher?

Die Frage ist bewusst provokativ – und um nicht vom hohen Ross herabzupredigen, will ich gleich Eines vorwegnehmen: ich bin es jedenfalls nicht. Ich mache eine Menge falsch. Viel unbewusst und viel auch in wissentlich. Kann man mich dafür tadeln? Nunja, wer ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein. Mich höflich und frei von Wertung auf bestimmte Fehltritte hinweisen ist wiederum ist eine ganz andere Geschichte. Dinge, die ich heute bewusst falsch mache, nagen eventuell lange genug an meinem Gewissen, dass ich sie morgen richtig (oder zumindest richtiger) angehe. Oder ich habe am nächsten Tag genug Kraft und/oder Zeit dafür, mich besser zu verhalten und mache eine gute Angewohnheit daraus. Aber ich muss erst einmal wissen, um nach neuen Erkenntnissen handeln zu können. Viele Dinge überraschen und sind alleine, weil sie so erstaunlich sind bereits wissenswert. Hier sind einige solcher Informationen:

Wusstest du, dass in einem Kilogramm Rindfleisch, mal ganz abgesehen von der benötigten Weidefläche und der Arbeit, die ein Farmer zu leisten hat, um die 15.000 Liter Wasser erforderlich sind? Bei so hohen Zahlen fällt es einem schwer, sich vorzustellen, wie viel das eigentlich ist: mehr als zehn gefüllte Badewannen Wasser. Und das ist nur das Wasser. Weideland, Getreide und Arbeitskraft braucht das Kilogramm Rindfleisch ebenfalls.

Wusstest du, dass Kohlekraftwerke für 7% des gesamten Wasserverbrauchs verantwortlich sind? Davon könnte man eine Milliarde Menschen mit Wasser versorgen. Wusstest du, dass du standardmäßig Strom über einen Kohlekraftanbieter erhältst, bis du auf eine Alternative wechselst?

Wusstest du, dass jährlich über 200 Millionen Tonnen Plastik hergestellt werden? Auf einer Fläche, so groß wie Zentraleuropa schwimmt im Pazifik ein Meer aus Plastik. Müssen wir tatsächlich in Plastik abgepacktes Obst und Gemüse kaufen? Plastikflaschen? Plastik scheint uns überall im Alltag zu begleiten, aber es gibt in der Regel genügend alternative Optionen, bei denen wir die Nachfrage an Plastikprodukten verringern können.

Wusstest du, dass der durchschnittliche deutsche Haushalt jährlich mittlerweile mindestens 21 Kilogramm Elektroschrott wegwirft? Wir können auch versuchen, Dinge zu reparieren, statt sie wegzuwerfen. Nicht immer auf das neueste Mobilfunkgerät anspringen, wenn das alte doch auch noch funktionstüchtig ist. Oder Haushaltsgeräte kaufen, die vielleicht ein wenig teurer sind, aber dafür langlebiger. Am Ende ist es doch so auch weniger umständlich. Vor allem, wenn man weiter und global denkt.

Es geht weiter. Es gibt viele Dinge, die ich hier noch aufzählen könnte, aber ich will dich nicht mit Informationen erschlagen. Ich will dir zeigen, dass es sich lohnt, über alles, was du tust, nachzudenken. Was brauchst du tatsächlich? Wo kannst du besser investieren? Worauf kannst du verzichten?

Wir tappen im Dunkeln, gehen naiv wie Kinder durch den Supermarkt und wissen die meiste Zeit gar nicht, welchen Schaden wir anrichten. Unmündig eben. Aber wir können zumindest anfangen, erwachsen zu werden, auch, wenn der Prozess es erfordert, inne zuhalten und zu reflektieren. Sich zu bilden. Auf Dinge zu verzichten. Aber es lohnt sich. Wir haben keine Ersatz-Erde übrig, auf die wir zugreifen können, wenn wir diese zerstört haben. Um zu mündigen Vebrauchern zu werden, zu reifen Konsumenten, müssen wir nicht perfekt sein – aber wir können alleine schon beim Versuch, es zu werden, eine unglaubliche Menge erreichen!
Das Argument „wir können nicht alles richtig machen, also versuch ich es erst gar nicht“ zieht nicht. Wenn zwei Leute, die monatlich z.B. 500 Gramm Rindfleisch essen auf die Hälfte verzichten, dann ist das von den Zahlen her genau so, als hätte einer von beiden gänzlich auf Rindfleisch verzichtet.
Hoffentlich versuchst du gemeinsam mit mir gemeinsam das Ideal anzustreben. Wir werden Fehler machen, wir werden hier und dort mal nachgeben und uns wieder aufrappeln müssen – aber hoffentlich nie aufgeben. Und am Ende werden wir zu denjenigen gehören, die gekämpft haben.

Quellen:
https://www.welt.de/wissenschaft/article6012574/Ein-Kilo-Rindfleisch-kostet-15-000-Liter-Wasser.html

https://www.greenpeace.de/presse/presseerklaerungen/greenpeace-report-kohlekraftwerke-verbrauchen-trinkwasser-fuer-eine

https://www.verbraucherzentrale.de/kunststoffe?i=6

https://www.welt.de/wissenschaft/article701251/Riesige-Flaeche-Plastikmuell-schwimmt-im-Pazifik.html

https://de.statista.com/infografik/2278/elektroschrott-aufkommen-in-ausgewaehlten-laendern/

Projekt: Vegetarismus (6. Monat)

Der aufmerksame Leser hat vielleicht bemerkt, dass das „Pseudo“ aus dem Pseudo-Vegetarismus mittlerweile verschwunden ist. Nachdem mich Cordula (Hier ihr Blog) dazu angeregt hat, mich mal darüber zu erkundigen, was Fischfang mit unserem Planeten macht und wie grausam man mit den Fischen umgeht (was mir eigentlich schon immer klar war), habe ich auch einfach keine Lust mehr auf Fisch gehabt.

Es tut mir wirklich leid, dass ich nicht schon früher zu diesem Thema weiter geschrieben habe, irgendwo war’s doch auch recht spannend und auch ab und an eine Herausforderung, aber erstens habe ich meistens vergessen darüber zu schreiben und wenn ich gerade mal daran gedacht habe, dann hatte ich entweder keine Zeit oder… ich geb’s zu, oder ich war zu bequem. So, hier aber meine gefühlte Zusammenfassung über das vergangene halbe Jahr (so in etwa) in Bezug auf meine Fleischabstinenz.

Nur soviel vorweg, damit es auch jeder weiß, auch diejenigen, die es eigentlich nicht interessiert und diesen Beitrag nur überfliegen: es war leichter als erwartet.

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Typologie – Typische Feindbilder

Man müsste ja eigentlich meinen, dass einen Fühlertypen vor allem Denkertypen aufregen, und Empfindertypen gerade Intuitiven gegenüber Unverständnis entgegenbringen.

Der amerikanische Psychologe John Beebe hat die Theorie aufgestellt, dass das jeweils extrovertierte/introvertierte Pendant der ersten Funktion ein gewisses Feindbild in uns weckt. Er nannte es den „Antagonisten“. Ich will auf diese Theorie ein wenig tiefer eingehen und sie von meinem Blickpunkt aus beleuchten.

Man kann den Konflikt zwischen der extrovertierten und der jeweils entsprechenden introvertierten Funktion auch Flügelkampf nennen. Nehmen wir zum Beispiel das Fühlen. Sowohl introvertiert als auch extrovertiert beachtet es vor allem emotionale Komponente und legt Wert auf rücksichtsvollen Umgang miteinander. Nur sind die Mittel, wie man das eigentlich gemeinsame Ziel erreicht eben sehr unterschiedlich.

Dabei kann man grundsätzlich festhalten, dass die introvertierte Funktion der extrovertierten misstraut, sie für vorschnell, unvorsichtig und oberflächlich abtut. So könnte es einen introvertierten Intuierer beispielsweise stören, dass der extrovertierte Intuierer bei einem eigentlich interessanten Gespräch, ständig das Thema wechselt und so verhindert, dass man über ein Thema eingehend und detailliert diskutieren kann. Im Gegensatz dazu empfindet die extrovertierte Funktion die introvertierte als zu träge, überkritisch und pingelig. So stört es einen extrovertierten Denker beispielweise schnell, wenn der introvertierte ihn bei der Auslegung eines Planes ständig unterbricht und auf die Makel hinweist, die in den Augen des extrovertierten Denkers von vollkommen trivialer und irrelevanter Natur sind. Der introvertierte Denker hingegen muss alleine schon gegen das Verlangen ankämpfen, nicht bereits aus Prinzip auf Ungereimtheiten und Verallgemeinerungen hinzuweisen.

Es ist schwer zu hassen, was man nicht versteht, man kann höchstens Angst davor haben oder verwirrt sein. Das Prinzip kennen wir aus der Fiktion. Wenn der Antagonist ein fremdes Wesen aus dem All ist, das nicht mal unsere Sprache spricht oder eine grässliche Geistererscheinung, dann wünschen wir ihm zwar nichts Gutes, aber von Hass zu sprechen, wäre zu viel. Viel mehr hassen wir den tyrannischen Despoten, der seine Macht zu seinem eigenen Wohle ausnutzt und seine Untergebenen missbraucht. Den sadistischen Mörder, der Freude daran hat, seine Opfer zu quälen. Hier finden wir allerdings einen Kontext, für das Handeln, das wir verurteilen, das wir nachvollziehen können. Wir verstünden – rein theoretisch, warum wir so handeln könnten, entscheiden uns aber dagegen. Die Fähigkeit, sich dagegen zu entscheiden sprechen wir auch dem entsprechenden Antagonisten zu und das ist in der Regel die Quelle für wahre Antipathie.

Ich will damit nicht sagen, dass ein Denker etwa nicht dazu in der Lage sei, einen Fühler nachvollziehen zu können, aber diese Tendenz steht ihm nicht so nahe. Wenn ich als INTP höre, dass jemand eine geniale Serie nicht sehen will, weil sie ihn emotional zu sehr aufwirbelt, dann ist es nicht so, dass ich diese Begründung nicht begreife. Ich kann sie nur nicht nachempfinden und daher rechtfertigt der Denkprozess „ich bin eben anders“ die Begründung. Wenn jetzt aber jemand sagt: „Ich mag diese Serie nicht, weil sie sich mit langweiligen Details aufhält und nicht zur Sache kommt“, obwohl ich gerade die Tatsache mag, dass sie nicht oberflächlich ist und sich Zeit lässt, den Plot zu entwickeln, dann gibt es für mich eher einen Grund, Einspruch zu erheben, weil das genau der Punkt ist, weshalb ich sie schätze.

Für alle, die Listen mögen, hier eine Zusammenfassung, welche Typen nach dieser Theorie in der Regel besonders aufpassen müssen, nicht mit dem entsprechend anderen Typ in einen Konflikt zu geraten:

INTP / ISTP mit ENTJ / ESTJ

INFP / ISFP mit ENFJ / ESFJ

INTJ / INFJ mit ENTP / ENFP

ISTJ / ISFJ mit ESTP / ESFP

Das können wir in abgeschwächter Form auch bei unserer zweiten Funktion bemerken. Wenn zum Beispiel ein ESTJ, dessen zweite Funktion introvertiertes Empfinden ist, das grundsätzlich eher zu Vorsicht rät und auf die Erfahrung der Vergangenheit zurückgreifen will, mit einem ESTP zusammenarbeiten muss, dessen primäre Funktion das extrovertierte Empfinden ist, das im Moment lebt, aktiv, risikofreudig und manchmal ungeduldig ist, dann kann das auch schnell zu Konflikten führen.

Wie geht es euch damit? Ich persönlich merke jedenfalls, dass ich als INTP häufiger mit extrovertiertem Denken als mit Fühlertendenzen anecke. Wenn ihr Fragen dazu habt oder mit dieser Aussage nicht ganz einverstanden habt, lasst mich beides wissen!

Projekt: Pseudo-Vegetarismus (1. Monat)

In gewisser Hinsicht ist mein Leben eine Abfolge von verschiedenen Projekten, dieser Blog ist ein schönes Schaubild dafür. Nun ein weiteres ehrgeiziges Projekt: ich will aufhören, Fleisch zu essen. Vegetarier werden.

Ich habe etwas über einem Monat damit angefangen, aber um es nicht unnötig kompliziert zu machen, sage ich jetzt einfach: ab November habe ich aufgehört, Fleisch zu essen. Ich habe davor auch schon meinen Fleischkonsum stark eingedämmt, aber ungefähr drei Mal die Woche Gerichte mit Fleisch (Flammkuchen mit Speck, Maultauschen, Brot mit Pfefferbeißern) genommen, ungefähr alle zwei Woche ein gutes Stück Rindersteak. Ich bin ganz ehrlich. Alleine, wenn ich das alles aufzähle, läuft mir wieder das Wasser im Mund zusammen. Das habe ich von heute auf morgen eingestellt – eine ziemliche Herausforderung, sehr spannend für mich. Vielleicht auch für euch, deshalb dokumentiere ich das auch. Eventuell spielt auch jemand von euch Lesern mit den Gedanken, auf Fleisch zu verzichten und wir können uns diese Gewohnheit gemeinsam abgewöhnen, bzw. es hilft, wenn man sieht, dass man da gerade nicht alleine durchgeht.

Wieso eigentlich? Ehrlich gesagt, alleine mein letzter Satz mit Phrasen wie „da muss man durchgehen“, ist abscheulich. Ich bin 26 Jahre alt und habe mein ganzes Leben Fleisch gegessen. Mir war klar, dass Tiere dafür sterben mussten, aber das nahm ich in Kauf. Jeder in meiner Familie tat das selbe. Es war also eine Art Gewohnheit, die man nicht hinterfragte und dazu verdammt lecker schmeckt. Mit 19 habe ich meine Ehefrau kennen gelernt, die schon ewig Vegetarierin ist. Sie hat mich nie versucht, ebenfalls dazu zu bringen, mich auch nie verurteilt dafür, dass ich Fleisch esse. Manchmal habe ich mich ein klein wenig über sie lustig gemacht. Nie ernsthaft, sie hat es mir auch nicht wirklich übel genommen. Ich habe sie auch andererseits offen für ihren Vegetarismus bewundert, da ja eigentlich nichts verwerflich daran ist – aber ich war der Meinung, es sei doch schon „etwas extrem“. Offen gestanden schäme ich mich heute für mein Verhalten. Auch sich „ein bisschen“ über Vegetarismus lustig zu machen, ist absolut heuchlerisch, vor allem, wenn man Fleisch aus der Massentierhaltung isst, was ich getan habe. Dazu gehört nicht nur das halbe Kilo Putenfleisch für 2,50€, sondern natürlich auch in der Regel die Salami und der Schinken vom Pizzabelag oder die Weißwurst. Jetzt habe ich immer noch nicht wirklich die Frage beantwortet: während ich an meiner Kurzgeschichte „Abenteuer mit Drumpf“ schrieb, welche sich, wenn auch nur scherzhaft, mit der Frage beschäftigt, ob es gerechtfertigt ist, Menschen zu essen, wenn diese aus einer anderen, unbekannten Dimension stammen und sich nicht mitteilen können, habe ich mich gefragt: mit welcher Berechtigung töten wir noch Tiere? In Indien ernährt sich fast die gesamte Bevölkerung vegetarisch und die ist im Schnitt gesünder als wir, reichen, verwöhnten Deutschen! Wir sind lange über den Punkt hinaus, an dem wir auf Tierverzehr angewiesen sind. Wie rechtfertigen wir diese Massentötung? Ich will kein Teil mehr an dieser grausamen und obendrein umweltzerstörerischen Industrie mehr sein. Als Konsument bin ich mit verantwortlich.

Also keine Sorge. Das wird kein „ihr Fleischesser seid doch alle Scheiße“-Post, in der Position befinde ich mich gar nicht. Zumal ich immer noch Fisch esse, was dem ein oder anderen immer noch als sehr heuchlerisch anmuten mag, sind Fische doch auch Tiere. Aber erstens, ich denke, ich fange schon ziemlich direkt an und irgendwo sollte man sich auch realistische Ziele setzen. Wir sprechen hier davon, jahrzehntelange (Ess-)Gewohnheiten zu bekämpfen. Zweitens schadet die Fischzucht der Umwelt nicht so stark, wie die Viehzucht (was sich als falsch erwiesen hat – danke für die Info, Cordula!). Und drittens, zugegeben ein sehr schwacher Punkt, kenne ich einfach noch nicht so viele vegetarische Gerichte, die mir schmecken, mit denen ich mich auch ausgewogen ernähren kann. Das wird aber mit der Zeit kommen, es werden bereits immer mehr. Alleine in der indischen und der libanischen Küche habe ich bisher schon viele richtig leckere Gerichte für mich entdecken können, die der fleischhaltigen Küche in Nichts nachstehen.

Richtig schwierig wurde es, als ich mit meiner Mutter, die aus Japan zu Besuch kam, indisch essen war. Sie hat sich Lammfleisch bestellt und hatte Probleme damit, ihre Portion aufzuessen. Ich habe mir eigentlich nur vorgenommen, insofern auf Fleisch zu verzichten, als dass ich die Nachfrage nicht erhöhen würde. Hätte ich von ihr gegessen, hätte ich das dadurch nicht getan. Das Lamm war ohnehin bereits bestellt. Allerdings wollte ich nicht „rückfällig“ werden, ihr wisst, was ich meine. Es würde mir ja immer noch sehr gut schmecken und beim nächsten Gang durch den Supermarkt würde ich mir dann evtll. eher denken: „Meine Güte, jetzt kaufste dir halt mal ein Lammfilet, als wenn das groß was ändern würde! Schmeckt doch gut und du isst es ja nicht mehr so häufig!“
In diesem Bewusstsein habe ich abgelehnt und meiner Mutter vorgeschlagen, dass ich den Rest ihres Fladenbrotes und Gemüses esse. Es war wirklich nur noch ein Happen, eigentlich ziemlich lächerlich und so wurde alles verputzt, ohne dass ich wieder Tier gegessen habe.

Ansonsten war es erstaunlich einfach. Der Kampf findet meistens im Supermarkt statt, oder wenn ich auswärts essen muss. Aber glücklicherweise habe ich in Ludwigsburg diesen tollen libanesischen Imbiss (El-Mina Falafel, Seestraße 9) entdeckt, dass Letzteres kein Problem darstellt. Und im Supermarkt muss ich einfach nur genauer hinschauen. Hatte schonmal Blätterteig mit Käse-Schinken-Füllung in den Händen (ich brauche jetzt ein bisschen mehr zu essen und bei meiner Figur kann ich’s mir erlauben, abends noch einen Snack zu mir zu nehmen), bis ich merkte, dass der Schinken da drin ja auch Fleisch war. Wie blöd eigentlich. Aber es ist wirklich nicht ganz so leicht. Wenn man aber wirklich bewusst einkaufen geht und sich stets die Frage stellt: „Warum eigentlich?“, dann geht das. Ich kann also sagen, der erste Monat war erstaunlich easy. Jetzt kommt allerdings die Weihnachtssaison. Wo Verwandte en masse Fleisch einkaufen und erwarten, dass alles gegessen wird. Ich freue mich schon auf die Telefonate, in denen ich Bescheid gebe, dass ich mir meinen eigenen Fraß mitbringe. Ich kann ja so gut und rücksichtsvoll mit Menschen umgehen… Hilfe.

Die Doppelmoral von TTIP/CETA-Protesten – What about EPA?

Bevor mich jetzt jemand falsch versteht – ich bin kein Freund von CETA & TTIP. Ich bin allgemein kein Freund von Freihandelsabkommen.
Was ich aber als enorm lächerlich empfinde, ist, dass wir jetzt erst Großdemonstrationen zustande bringen und polternd ihre Stimme gegen CETA & TTIP erheben. Warum tun wir das überhaupt, mal vom zeitlichen Aspekt abgesehen? Weil es uns betrifft. Weil wir dieses Mal Angst haben, selbst einen Nachteil davon haben, während sich andere auf unsere Kosten einen Vorteil ergattern.
Klar, das verstehe ich. Man will sich ja nicht ausnehmen lassen. Aber welche Doppelmoral ist das, dass wir nicht gegen Freihandelsabkommen protestieren, bei denen wir andere schonungslos ausnehmen?
Ich meine, wenn die reichen Vereinigten Staaten das reiche Europa ausbeuten, hm, ja, das ist blöd, aber es ist nicht unbedingt eine soziale Tragödie. Was ist aber, wenn wir Europäer Entwicklungsländer in Afrika ausbeuten, die bereits zu Zeiten des Imperialismus von Europa ausgebeutet wurden? Genug um den heißen Brei gesprochen: schauen wir uns mal die ECONOMIC PARTNERSHIP AGREEMENTS (EPA) an – darüber wird viel zu selten gesprochen.
Die EPA fordert Afrika auf, die eigenen Märkte bis zu 83 Prozent für europäische Importe zu öffnen und zugleich schrittweise Zölle und Gebühren abzuschaffen. Was bedeutet das? Nehmen wir mal ein Beispiel – unsere Milchproduktion. Wir haben einen enormen Überschuss und kalkulieren auch mit diesem. Wir brauchen die überschüssige Milch nicht mehr, also exportieren wir sie unter anderem nach Afrika zu Preisen, die so niedrig sind, dass die örtlichen Milchbauern nicht mehr mithalten können. Das selbe mit unseren Fleischresten – wir essen in Deutschland nur die Hühnerbrust. Mal überlegt, wohin der ganze andere Rest kommt? Nach Afrika. Zu billigen Preisen, mit denen die dortigen Hühnerhalter auch nicht mehr mithalten können. Als Gegenleistung behalten die afrikanische Unternehmen wiederum zollfreien Zugang zum europäischen Markt, damit die geschädigte Wirtschaft wieder aufgebaut werden kann. Mal davon abgesehen, dass das Erpressung ist, da Afrikas Wirtschaft auf den zollfreien Zugang angewiesen ist – mit den deutschen Preisen mithalten kann sie dann immer noch nicht.
Jetzt mag man natürlich sagen: je mehr die EU nach Afrika exportiert, desto mehr muss sie auch aus Afrika importieren, weil die Exportgüter in der afrikanischen Währung bezahlt werden (und selbst da bin ich mir nicht ganz so sicher) – ein EU-Unternehmen säße also nach seinem Export auf der afrikanischen Währung und wenn er diese irgendwie nutzen will, müsste er wiederum in Afrika einkaufen. Und davon profitiert die afrikanische Wirtschaft natürlich.
Nun. Natürlich ist deutscher Export an den Import gebunden, aber afrikanisches Geld zu erhalten bedeutet ja nicht automatisch, davon auch afrikanische Ware kaufen zu müssen. Deutschland kann ja auch afrikanische Unternehmen mit afrikanischer Währung aufkaufen, Grundstücke, etc. …
Man könnte natürlich auch sagen, aber hey, die Afrikaner freuen sich doch über erschwingliche, importierte Milch! Kann sein, aber das ist kein nachhaltiger Vorteil für sie. Was auf Dauer entsteht, ist eine immer stärker wachsende Abhängigkeit von der EU. Schauen wir uns das ein wenig genauer an: immer mehr afrikanische Unternehmen müssen Arbeiter entlassen, um mit der europäischen Konkurrenz zumindest teilweise mitziehen zu können oder Löhne kürzen. Einige müssen komplett dicht machen. Dann freuen sie sich natürlich darüber, dass sie unsere billige Milch kaufen können, weil für inländische Milch das Geld ja mit der neuen, schlechteren Situation gar nicht mehr ausreicht. Das führt wiederum dazu, dass die Nachfrage nach EU-Milch steigt, die Nachfrage nach inländisch produzierter Milch sinkt. So sieht das afrikanische Wirtschaftswachstum, welches die EPA propagiert aber nicht aus.
Nicht die EU bleibt auf afrikanischer Währung sitzen, sondern immer mehr afrikanische Unternehmen auf ihren Waren. Immer mehr Afrikaner werden arbeitslos. Dazu gibt es auch noch einen sechsminütigen Clip  von der ARD, der das Thema auch nochmal anschneidet, sehr sehenswert.
Ich zitiere mal UN-Wirtschaftsexperte für Ostafrika, Andrew Mold, der sich mit dem Thema noch besser auskennt als ich: „Die afrikanischen Länder können mit einer Wirtschaft wie der Deutschen nicht konkurrieren. Das führt dazu, dass durch den Freihandel und die EU-Importe bestehende Industrien gefährdet werden und zukünftige Industrien gar nicht erst entstehen, weil sie dem Wettbewerb mit der EU ausgesetzt sind.“
Da frage ich mich wirklich: warum werden deutsche Bauern sogar noch subventioniert, wenn sie zB nach Afrika exportieren? Die afrikanischen Unternehmen können doch so schon nicht mit der europäischen Konkurrenz mithalten. Wenn wir uns mal die Wirtschaftsgeschichte anschauen, dann sehen wir ja auch, dass die heutigen industriellen Großmächte, wie zum Beispiel die Vereinigten Staaten nicht durch Freihandel groß geworden sind, sondern weil sie ihre Märkte lange Zeit mit hohen Schutzzöllen abgegrenzt haben, teilweise sogar bis zu 50%.
Gut, ab den 50ern wurden die dann auch herabgesetzt, aber da war die US-Wirtschaft schon so mächtig, dass die Konkurrenz nicht mehr wirklich eine Gefahr darstellte. Afrika soll aber mit der EPA weitestgehend ohne Schutzzölle zurechtkommen, obwohl das im Grunde genommen der einzige Weg wäre, sich gegen die gigantische EU-Wirtschaft behaupten zu können. Warum erlauben wir den Entwicklungsländern also nicht, ihre Produkte zollfrei zu exportieren?

Das ist eiskalt berechnende Interessenspolitik. Die EU wird reicher und Afrika ausgeblutet.
Wir brauchen uns nicht wundern, wenn bald berechtigterweise eine weitere Flüchtlingswelle von Wirtschaftsflüchtlingen aus Afrika zu uns strömen werden. Ich bin zwar einer, der gerne sagt: hab ich’s nicht gesagt? In dieser Hinsicht würde ich mich aber sehr freuen, mit meiner Prognose falsch zu liegen. Also, bitte: wenn ihr Argumente habt, die EPA in ein besseres Licht rücken können, dann klärt mich auf. Ich irre mich hier gerne. Sehr gerne.

Ist ja schon extrem, wenn sogar CDU-Politiker sich gegen das EPA-Freihandelsabkommen aus Gewissensgründen aussprechen…

Abenteuer mit Drumpf! (Teil 5)

„Ein moralisches Grauen! Tagein, Tagaus purzeln unschuldige Menschen aus diesen Maschinen!“, wetterte Mister Iks.
„Sie haben keine Antennen, sie sind keine Menschen“, korrigierte Donnel.
„Na schön! Lebewesen! Kreaturen, die fühlen können! Die Empfindsam für Angst und Schmerzen sind!“
Die Stimme des Mannes überschlug sich. „Und wir TÖTEN sie, verspeisen sie! Mit welcher Berechtigung tun wir das, hä?“
„Sie fallen doch schon tot aus der Maschine, regt euch nicht so sehr darüber auf. Wer seid ihr überhaupt?“
„Nein, sie sterben dadurch, dass wir die Maschine benutzen!“, kreischte der Mann. „Und ich, Mister Iks, der so viel Schuld auf sich genommen hat, diese katzulischen Maschinen im Schuss zu halten, habe endlich einen Weg gefunden, diesn Makel abzuschalten!“
„Mister Iks! Aber… ich verstehe nicht! Ihr bekommt doch einen Batzen Geld als Gehalt!“
„Geld, pah!“, schnaubte Mister Iks verächtlich. „Damit kann man vieles zufrieden stellen, aber nicht das Gewissen!“

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4 Gründe, warum wir Christen nicht ernst genommen werden

Wenn man sich heute als Christ outet, was bedeutet das dann noch? Ich vermisse schon beinahe das spöttische, müde Lächeln oder die sarkastischen Kommentare. Darauf wird gar nicht mehr eingegangen, warum auch? Macht es einen Unterschied? Für mich, klar, meine Seele ist gerettet und alles. Aber sonst so?

In meinen Augen gibt es vor allem vier Punkte, die meiner Beobachtung nach ausschlaggebend für unseren vermeintlichen Status als dämliche Heuchler stehen. Und bevor jetzt einige empört Capslock anschalten und zum Schreiben ansetzen… wenn ich von „wir Christen“ spreche, dann beziehe ich mich selbstredend auf die Mehrheit, nicht auf die individuellen Ausnahmen, die es glücklicherweise gibt und auf die Ansichten über uns, womit ich nicht sage, dass die Ansichten über uns zwangsweise stimmen. Außerdem beziehe ich mich hier explizit auf uns Christen in Deutschland, ich weiß, dass es in anderen Ländern teilweise stark abweichende Haltungen gibt.

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„Ist das Leben nicht schön?“

Ich weiß ja nicht wie’s euch geht, aber wenn mir jemand sagt, wie schön doch das Leben ist und dabei selbstgefällig lächelt, dann weiß ich nicht, ob ich wütend oder verdammt wütend sein soll. Nicht unbedingt deshalb, weil es sein kann, dass das Gegenüber gerade vielleicht einfach eine scheiß Zeit durchmacht und es einfach nur ein bisschen rücksichtslos und selbstbezogen daherkommen könnte. Sondern weil das Leben generell nicht schön ist.

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Die moralische Zwickmühle als Blogger

„Im Übrigen bin ich dafür , den Islam in Deutschland (Europa) zu verbieten und alle Muslime auszuweisen“

„mal ganz ehrlich, sind nicht alle Moslems psychisch krank???“

„Angst. Ich finde es so dermaßen zum K ot zen, dass man als „normaler“ Mensch inzwischen auf der Straße schon fast zusammenzuckt, wenn einem dunkelhäutige Menschen, vorzugsweise junge Männer, entgegen kommen.“

Diese Kommentare kursieren heutzutage auf Yahoo News und erhalten fast ausschließlich Upvotes. Was ist mit unserer Gesellschaft los? Mal davon abgesehen, dass man mit solchen Einstellungen Terrororganisationen direkt in die Hände spielt und Deutschland schlicht und ergreifend einfach nicht mehr funktionieren wird, wären alle Moslems plötzlich weg, was ist das bitte für eine Einstellung seinen Mitmenschen – seinen Nachbarn gegenüber? Aber ich will gar nicht weiter auf diesen Punkt eingehen.

Wenn ich so etwas lese, vor allem, wenn ich eigentlich vorhatte, an meinem Roman weiterzuschreiben, spüre ich schon fast körperliches Unwohlsein. Wie kann ich jetzt anfangen, seichte Unterhaltung zu schreiben? Die Geschichte von irgendeinem Musiker erzählen, der an Bühnenangst leidet und mit einem Auftritt zu kämpfen hat, während so viele meiner Mitbürger so sehr mit ihrer eigenen Dummheit kämpfen müssen? Und von den Menschen, die darunter tatsächlich zu leiden haben ganz zu schweigen.

Ich bekomme kein Geld für’s Bloggen, werde ich auch nicht, und habe es nicht vor. Ich mache das aus rein idealistischen Gründen, wie viele von uns. Wenn es anders wäre, könnte ich mich auch besser rechtfertigen. Aber so? Wenn ich an besagter Geschichte weiterschreibe, kommt es mir so vor, als würde ich an einem ertrinkenden Kind vorbeilaufen, mit der Begründung, ich will mir noch ein Eis kaufen und die Eisdiele hat nur noch fünf Minuten offen.

Man kann sich jetzt darüber streiten, ob ich mich tatsächlich gut mit Worten ausdrücken kann. Ich rede es mir jedenfalls gerne ein, auch, dass ich, zumindest, wenn ich schreibe, Emotionen im Leser entfachen kann. Dann kommt es mir wie eine Verschwendung von Zeit und Mühen vor, wenn ich nicht wenigstens versuche, meine Mitmenschen zu mehr Solidarität anzuregen! Oder wenigstens ein klein wenig zu eigenständigem Denken.

Keine Sorge. Wie in meinem Vorwort versprochen, für die wenigen, die Gefallen an meinem Blogroman finden – und letztlich ja auch für mich – werde ich Topophobie weiterschreiben und auch weiterhin Kurzgeschichten verfassen. Ich habe nicht die Verantwortung, die Welt zur Besinnung zu bringen, so überheblich bin ich nicht. Mir ist total klar, dass ich selbst oft genug nicht richtig nachdenke und ich Denkzettel wie jeder andere auch benötige und das muss ich, das muss sich jeder auch vor Augen halten. Es ist gut, wenn man die Welt auch mit „schönen Künsten“ bereichert. Außerdem kann ein Unterhaltungsblog nicht alles gleichzeitig sein.

Aber ich wollte nur nochmal daran erinnern, dass jeder von uns – insbesondere diejenigen, die gut mit Worten umgehen können – eine Verantwortung trägt, die Gesellschaft kritisch zu hinterfragen! Wenn man die Gabe hat, dann sollte man sie auch für etwas Gutes einsetzen. Diejenigen, die hasserfüllte Parolen durchs Land posaunen, Prediger der Panik und rassistische Demagogen gibt es viel zu viele. Es ist schon lange, lange an der Zeit, dass sich Gegenstimmen erheben. Die Meinungen, die ihr öffentlich kund tut, beeinflussen auch eure Mitmenschen. Eure Meinungen machen einen Unterschied. Bezieht Stellung!

INTP – Der Grübler

 

Allgemeine Beschreibung & Klischees

Nerd, Innovator, zerstreuter Professor, Philosoph, realitätsferner Theoretiker, Gedankenarchitekt und Internetjunkie. In meiner Serie über die Typen ist der INTP tatsächlich ein ziemlich besonderer Typ. Nicht, weil er an sich wichtiger oder generell besonderer als alle anderen ist, sondern, weil ich selbst diesem Typen angehöre. Ich habe mir ja überlegt, ob ich das komplett geheim halten soll, aber eigentlich würde das meiner Philosophie komplett widersprechen, dass die Typologie dabei helfen soll, dass wir uns gegenseitig besser verstehen. Deshalb: ICH BIN EIN INTP! Und das ist auch voll okay!

So, eines vorneweg: der Post ist länger als die über die anderen Typen. Warum ist das so? Nun, einfach, weil ich diesen Typen am besten kenne und daher am meisten darüber schreiben kann. Könnte ich über andere Typen nicht noch mehr schreiben? Ja, das könnte ich. Aber ich glaube, dann wären die Beiträge zu lang. Aber dieses eine Mal will ich zeigen, wie detailliert eine Typenanalyse sein kann. Und welcher Typ bietet sich dafür besser an, als der eigene? Ich habe mir dafür auch einige externe Quellen zu Hilfe gezogen, um einfach noch weitere Facetten einzublenden. Aber das mache ich ja bei dem Thema allgemein. Also, bevor ich hier die Lorbeeren dafür einheimse, wie detailliert und komplex das alles ist, will ich nochmal erwähnen: diese ganzen Theorien stammen (leider) nicht von mir!

Ich hoffe, dass sich in kommender Zeit ein weiterer INTP hierher verirrt und dann mit Capslock bezeugen kann: „JA MANN! DAS BIN SOWAS VON ICH!“ – um zu beweisen, dass das nicht einfach nur eine Beschreibung von mir selbst ist, sondern tatsächlich allgemeingültig auf INTPs, so sauer das auch einigen Personen aufstoßen mag. Glaubt mir. Bei all den Details, die ich hier auffahren werde, ist immer noch so unendlich viel Platz für Individualität vorhanden, das ist kein böses Schubladendenken. Selbst, wenn ihr nicht viel von dem ganzen Typologie-Zeug haltet – für die Fiktionsschreiber unter euch, ihr könnt diese Konzepte auch einfach als Inspiration für Charakterkonzepte benutzen. Oder aber, vielleicht findet ihr auch einfach nur den Autor dieses Blogs interessant und wollt mehr über ihn und seine narzisstischen Züge wissen. Okay, es wird Zeit, anzufangen.

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