Bist du ein mündiger Verbraucher?

Die Frage ist bewusst provokativ – und um nicht vom hohen Ross herabzupredigen, will ich gleich Eines vorwegnehmen: ich bin es jedenfalls nicht. Ich mache eine Menge falsch. Viel unbewusst und viel auch in wissentlich. Kann man mich dafür tadeln? Nunja, wer ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein. Mich höflich und frei von Wertung auf bestimmte Fehltritte hinweisen ist wiederum ist eine ganz andere Geschichte. Dinge, die ich heute bewusst falsch mache, nagen eventuell lange genug an meinem Gewissen, dass ich sie morgen richtig (oder zumindest richtiger) angehe. Oder ich habe am nächsten Tag genug Kraft und/oder Zeit dafür, mich besser zu verhalten und mache eine gute Angewohnheit daraus. Aber ich muss erst einmal wissen, um nach neuen Erkenntnissen handeln zu können. Viele Dinge überraschen und sind alleine, weil sie so erstaunlich sind bereits wissenswert. Hier sind einige solcher Informationen:

Wusstest du, dass in einem Kilogramm Rindfleisch, mal ganz abgesehen von der benötigten Weidefläche und der Arbeit, die ein Farmer zu leisten hat, um die 15.000 Liter Wasser erforderlich sind? Bei so hohen Zahlen fällt es einem schwer, sich vorzustellen, wie viel das eigentlich ist: mehr als zehn gefüllte Badewannen Wasser. Und das ist nur das Wasser. Weideland, Getreide und Arbeitskraft braucht das Kilogramm Rindfleisch ebenfalls.

Wusstest du, dass Kohlekraftwerke für 7% des gesamten Wasserverbrauchs verantwortlich sind? Davon könnte man eine Milliarde Menschen mit Wasser versorgen. Wusstest du, dass du standardmäßig Strom über einen Kohlekraftanbieter erhältst, bis du auf eine Alternative wechselst?

Wusstest du, dass jährlich über 200 Millionen Tonnen Plastik hergestellt werden? Auf einer Fläche, so groß wie Zentraleuropa schwimmt im Pazifik ein Meer aus Plastik. Müssen wir tatsächlich in Plastik abgepacktes Obst und Gemüse kaufen? Plastikflaschen? Plastik scheint uns überall im Alltag zu begleiten, aber es gibt in der Regel genügend alternative Optionen, bei denen wir die Nachfrage an Plastikprodukten verringern können.

Wusstest du, dass der durchschnittliche deutsche Haushalt jährlich mittlerweile mindestens 21 Kilogramm Elektroschrott wegwirft? Wir können auch versuchen, Dinge zu reparieren, statt sie wegzuwerfen. Nicht immer auf das neueste Mobilfunkgerät anspringen, wenn das alte doch auch noch funktionstüchtig ist. Oder Haushaltsgeräte kaufen, die vielleicht ein wenig teurer sind, aber dafür langlebiger. Am Ende ist es doch so auch weniger umständlich. Vor allem, wenn man weiter und global denkt.

Es geht weiter. Es gibt viele Dinge, die ich hier noch aufzählen könnte, aber ich will dich nicht mit Informationen erschlagen. Ich will dir zeigen, dass es sich lohnt, über alles, was du tust, nachzudenken. Was brauchst du tatsächlich? Wo kannst du besser investieren? Worauf kannst du verzichten?

Wir tappen im Dunkeln, gehen naiv wie Kinder durch den Supermarkt und wissen die meiste Zeit gar nicht, welchen Schaden wir anrichten. Unmündig eben. Aber wir können zumindest anfangen, erwachsen zu werden, auch, wenn der Prozess es erfordert, inne zuhalten und zu reflektieren. Sich zu bilden. Auf Dinge zu verzichten. Aber es lohnt sich. Wir haben keine Ersatz-Erde übrig, auf die wir zugreifen können, wenn wir diese zerstört haben. Um zu mündigen Vebrauchern zu werden, zu reifen Konsumenten, müssen wir nicht perfekt sein – aber wir können alleine schon beim Versuch, es zu werden, eine unglaubliche Menge erreichen!
Das Argument „wir können nicht alles richtig machen, also versuch ich es erst gar nicht“ zieht nicht. Wenn zwei Leute, die monatlich z.B. 500 Gramm Rindfleisch essen auf die Hälfte verzichten, dann ist das von den Zahlen her genau so, als hätte einer von beiden gänzlich auf Rindfleisch verzichtet.
Hoffentlich versuchst du gemeinsam mit mir gemeinsam das Ideal anzustreben. Wir werden Fehler machen, wir werden hier und dort mal nachgeben und uns wieder aufrappeln müssen – aber hoffentlich nie aufgeben. Und am Ende werden wir zu denjenigen gehören, die gekämpft haben.

Quellen:
https://www.welt.de/wissenschaft/article6012574/Ein-Kilo-Rindfleisch-kostet-15-000-Liter-Wasser.html

https://www.greenpeace.de/presse/presseerklaerungen/greenpeace-report-kohlekraftwerke-verbrauchen-trinkwasser-fuer-eine

https://www.verbraucherzentrale.de/kunststoffe?i=6

https://www.welt.de/wissenschaft/article701251/Riesige-Flaeche-Plastikmuell-schwimmt-im-Pazifik.html

https://de.statista.com/infografik/2278/elektroschrott-aufkommen-in-ausgewaehlten-laendern/

Donnel Drumpf & die Truhe des Bösen (Teil 1)

Kao wischte sich seufzend das Blut von der Klinge. Er hatte ein schlechtes Gewissen, dass es ihm schon fast Spaß gemacht hatte, die Gewerkschafter niederzumähen. Doch irgendwo im Gefecht begann bei ihm stets der Punkt, an dem er sich gehen ließ und die Bedeutung seiner Taten irgendwo in den Hinterkopf seines Meerschweinchenschädels zurückgedrängt wurden, während (etwas weiter vorne im Kopf) plötzlich bunte Clowns zu pulsierender Musik und rot blinkendem Licht „Töten! Töten!“ riefen und dazu atemberaubende Breakdance-Einlagen vollführten. Es war wie mit einer durchzechten Nacht. Zunächst hatte man Spaß, danach war das Gefühl der Reue da und der Mageninhalt war auf dem Boden verteilt. Nur war es nicht Kaos Mageninhalt. Und nicht nur der Inhalt. Er steckte sein Langschwert zurück in die Scheide und wandte sich schweren Herzens von der Fabrik ab.

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Projekt: Vegetarismus (6. Monat)

Der aufmerksame Leser hat vielleicht bemerkt, dass das „Pseudo“ aus dem Pseudo-Vegetarismus mittlerweile verschwunden ist. Nachdem mich Cordula (Hier ihr Blog) dazu angeregt hat, mich mal darüber zu erkundigen, was Fischfang mit unserem Planeten macht und wie grausam man mit den Fischen umgeht (was mir eigentlich schon immer klar war), habe ich auch einfach keine Lust mehr auf Fisch gehabt.

Es tut mir wirklich leid, dass ich nicht schon früher zu diesem Thema weiter geschrieben habe, irgendwo war’s doch auch recht spannend und auch ab und an eine Herausforderung, aber erstens habe ich meistens vergessen darüber zu schreiben und wenn ich gerade mal daran gedacht habe, dann hatte ich entweder keine Zeit oder… ich geb’s zu, oder ich war zu bequem. So, hier aber meine gefühlte Zusammenfassung über das vergangene halbe Jahr (so in etwa) in Bezug auf meine Fleischabstinenz.

Nur soviel vorweg, damit es auch jeder weiß, auch diejenigen, die es eigentlich nicht interessiert und diesen Beitrag nur überfliegen: es war leichter als erwartet.

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Geschlechterrollen & Typologie

Man kann und sollte nicht abstreiten, dass wir auch heute in Europa, das sich generell gerne als aufgeklärt und modern betrachtet, trotz aller emanzipatorischen Bewegungen immer noch klar definierte Geschlechterrollen haben. Wie stark, das hängt von verschiedenen Faktoren ab, so ist die Rolle der Frau, die sich um die Kinder und das Heim kümmert, zum Beispiel tendenziell eher in einem schwäbischen Dorf ausgeprägt, als in Berlin.

Dennoch dürfte immer noch jeder verstehen, was, in Bezug auf Persönlichkeit die Klischees von Mann & Frau ausmachen. Stereotypische Aussagen, wie: „Frauen sind einfach empathischer als Männer“ oder „Männer können besser einparken“ müsste ja jeder schon einmal gehört haben. Meine Frau wurde zum Beispiel mal gefragt, ob sie mal bei einer großen Veranstaltung, bei der ich mitgewirkt habe, auf eine Gruppe von Kindern aufpassen könne, mit der Begründung: „das könne sie ja bestimmt gut“. Der Veranstalter, die sie angefragt hat konnte sich bei der Begründung allerdings nicht auf irgendwelche Erfahrungen berufen, meine Frau und er kannten sich nämlich kaum. Er ging einfach mal davon aus – und ich vermute stark, das lag an der Kombination, dass meine Frau zum einen eher in sich gekehrt ist, also nicht unbedingt eine Persönlichkeit, die Kinder erschreckt und zum anderen eben eine Frau ist.

Isabel Myers, die gemeinsam mit ihrer Mutter die MBTI-Theorie aufgestellt hat, hat viele Statistiken erstellt, unter anderem auch, wie die Verhältnisse in der Typologie zwischen den Geschlechtern aussehen. Interessant ist dabei, dass in jenen Statistiken alle Präferenzen ziemlich ausgeglichen sind, außer der Fühler/Denker-Präferenz. So sind unter Frauen deutlich mehr Fühler ausgemacht worden und unter Männern mehr Denker. Ich will mich nicht so weit aus dem Fenster lehnen und die Statistiken grundsätzlich in Frage stellen – auch, wenn es gute Gründe dafür gibt, denn Tests in solchen Massen kann ich einfach nicht als wissenschaftliche Fakten ansehen. Ich glaube, um seinen Typen zu finden, benötigt es schon mehr, als 50 Ja/Nein Fragen. Aber, um zurück zum Thema zu kommen, es gibt traditionelle Bilder von Männern und Frauen und sollten die Statistiken wahr sein, dann würden diese die klassischen Persönlichkeitsrollen unterstützen: die Frau als mitfühlende Seele, die den Mann aufpeppelt und versteht, die gut und gefühlsbetont mit Kindern umgehen kann und dem Mann, der zwar nicht so gut in zwischenmenschlichem Quarks und Gefühlszeug ist, aber davon Ahnung vom „Rest der Welt“ hat und mit diesen Kenntnissen Frau und Kinder ernährt.

Solche Klischees haben allerdings Potential überaus schädlich zu sein für Männer mit Fühler-Präferenz und Frauen mit Denker-Präferenz. Es kann in ihnen das Gefühl entstehen, dass sie nicht normal seien, bzw dem Anspruch, den die Gesellschaft an sie hat, nicht gerecht werden. Jene Männer haben das Gefühl, sie müssen ihre Emotionen zurückstellen und die Frauen werden auf geschäftlicher Ebene nicht richtig ernst genommen. Glücklicherweise gibt es einige gesellschaftliche und wirtschaftliche Veränderungen, die gerade letzteres Problem etwas auszuhebeln versuchen, aber das Bild bleibt trotzdem in dem Archetyp der Frau verwurzelt. Eine unsichere Denkerfrau kann, selbst, wenn sie es zum Beispiel in eine einflussreiche Führungsetage geschafft hat, immer noch glauben, sie sei keine richtige Frau, weil sie „gewisse weibliche Seiten“ nicht habe.

Ich vermute, dass das Problem vor allem bei SJ-Typen auftritt. Zur kurzen Erklärung: SJ-Typen (ISFJ, ESFJ, ISTJ und ESTJ) sind Typen, die allgemein als „Bewahrer“ angesehen werden können und konservative Züge haben, das heißt, dass sie dazu neigen, bewährtes zu Bestätigen und Traditionen, Werte und Normen ihrer Eltern, bzw ihres akzeptierten Erziehungsumfeldes zu übernehmen. Dementsprechend greifen traditionelle Rollen noch stärker bei diesen Typen, da nach innen gerichtetes Empfinden (die S-Präferenz bei SJ) in verschiedene Kategorien einordnet, während nach außen gerichtetes Urteilen, sowohl Fühlen als auch Denken, sich an Normen orientiert. Insbesondere diese Typen kommen also, wenn sie eine geschlechteruntypische Fühler- oder Denkertendenz haben, in einen Rollenkonflikt. So wird Leistungsorientierung und Durchsetzungsvermögen eher maskulin eingeordnet, was zum Beispiel eigentlich natürliche Persönlichkeitszüge einer ESTJ-Frau wären. Da sie aber vom Bild geprägt sein könnte, Frauen müssten einfühlsam sein und gefühlsbetont, kann es dazu führen, dass sie krampfhaft versucht, ihre eigentlich schwach ausgeprägte Seite, in ihrem Fall das introvertierte Fühlen nach außen zu kehren. Das mag zwar auf der einen Seite auch positiv klingen, da besagte Frau an ihrer „natürlichen Schwäche“ feilt, aber eine Persönlichkeit – und dem wird jeder Psychologe zustimmen, egal, was er von der Typologie hält – kann sich nur gesund entwickeln, wenn sie nicht unterdrückt wird, alleine schon, weil es einem ESTJ viel mehr Energie kostet, die fühlende Seite herauszukehren, als die Fakten orientierte und vorwärtsgerichtete. Es kann demnach passieren, dass sich viele STJ-Frauen auf ersten Blick eher in einem Typ wiederfinden, der introvertiertes Fühlen repräsentiert, also zum Beispiel ISFP oder INFP, sich darin dann auch noch bestätigt fühlen und weiter in den Identitäts-Teufelskreislauf geraten. Noch ein Grund mehr, Online-Tests, die einfach nur auf maschinell ausgewerteten Analysen basieren, eher zu misstrauen.

Ich könnte nun auch noch Beispiele zu umgekehrten Fällen, wie männlichen ESFJs erklären, aber ich denke, die Problematik dürfte klar sein. Außerdem möchte ich nicht ausschließen, dass auch andere Typen, nicht nur SJs von diesem Rollenkonflikt betroffen sind – nur dieser wahrscheinlich am intensivsten. Ich mache mich womöglich etwas unbeliebt mit dieser These, deshalb will ich vorweg versichern, dass das nicht wertend gemeint ist: ich vermute, dass es auch einige Homosexuelle und Transvestiten gibt, die eventuell eine andere sexuelle Ausrichtung hätten, wenn sie nicht ständig von der Gesellschaft vermittelt bekommen hätten, was als „typisch weiblich“ und als „typisch männlich“ gilt. Ich denke nämlich auch, dass es kein Zufall ist, dass zum Beispiel viele schwule Männer recht emotional wirken, viele diese Seite ja geradezu zelebrieren, während Lesben im Ruf stehen, häufig einen auf „dicke Hose“ zu machen und (zumindest meiner beschränkten Erfahrung nach) recht selbstbewusst auftreten. Man sollte mich auch nicht falsch verstehen – ich bin nicht der Meinung, dass jede/r Homosexuelle in dieses Muster passt. So wird es beispielsweise bestimmt auch zB Lesben mit Fühler- und Schwule mit Denkertendenz geben und sicherlich hat es auch noch andere Gründe für Homosexualität. Ich glaube nur, dass es zumindest nicht wenige „Rollenflüchtige“ gibt, die sich aufgrund gesellschaftlicher Normen in einer bestimmten sexuellen Orientierung „zuhause“ fühlen und das Gefühl haben, sich dort auch richtig entfalten zu können.

Um mit einem weniger brisanten Fazit zu schließen, dem sich wohl jeder anschließen kann, bin ich der Meinung, dass es wichtig ist, über sich selbst nachzudenken, sich selbst besser kennen und verstehen zu versuchen und letztlich auch zu akzeptieren. Bringen wir dem Karpfen doch nicht bei zu fliegen und der Amsel zu schwimmen. Traditionelle Rollenverteilungen mögen damals in vielerlei Hinsicht ihre Gründe gehabt haben, man kann ja auch nicht leugnen, dass Mann und Frau sich auch biologisch schlicht und einfach unterscheiden, aber gerade in unserer heutigen Gesellschaft müssen wir uns nicht mehr darauf festsetzen. Wenn ein Mann Emotionen zeigt und eine Frau sachorientierte Objektivität, ist das nicht unmännlich oder unweiblich. Es sollte aber auch nicht lobend auf den Podest gestellt werden, weil damit wieder die „Besonderheit“ von etwas hervorgehoben wird, was mittlerweile eigentlich als absolute Normalität gelten sollte. Typologisches Denken sollte genau so wenig zum Monopol der Männer gemacht werden, wie typologisches Fühlen zu dem der Frauen.

Wir müssen reden!

Die Leute stellen mir ständig Fragen, wie: „Warum diskutierst du eigentlich so gerne?“, „Warum musst du ständig über Politik reden?“ oder „Kannst du nicht einfach mal eine andere Meinung so stehen lassen?“

Ich gehe gleich mal auf die letzte Frage ein: NEIN!!!
Nicht, wenn es um die Zukunft unseres Landes, unserer Kinder und die der ganzen verdammten Welt geht!

Es ist wirklich furchtbar lächerlich, wie wir Deutschen uns über Trumps Wahlsieg empören und schockiert zeigen. Ein alter Freund von mir teilte auf Facebook dazu folgenden Kommentar:

„Heute schauen wir noch besorgt-hämisch in die USA, bis dann 2017 die Bundestagswahl unsere eigene Dummheit entlarvt.“

Und diese Entlarvung wird passieren. Sie ist bereits in unseren Landtagswahlen passiert. Fast überall zweistellige Ergebnisse für die AfD und wir zeigen uns erstaunt über Trump?

„Ja, toll!“, höre ich einige von euch sagen. „Aber was können wir denn dagegen tun? Wir teilen doch schon ganz fleißig Protest-Posts gegen die AfD und den Rechtspopulismus, der in ganz Deutschland zu gedeihen scheint!“
Ja, das ist schön und gut, aber habt ihr euch mal überlegt, wer eure Posts wahrscheinlich NICHT liest? Ich sag’s euch: in der Regel AfD-Wähler, weil ihr mit solchen Idioten wahrscheinlich gar nicht „befreundet“ seid. Und selbst wenn, dann reicht das nicht aus. Wen beeinflusst das? Wer gibt euch die Likes? AfD-Fans? Wohl kaum! Das reicht nicht aus!

Fangt an, mit Leuten, die NICHT der Meinung sind, dass die AfD die Kluft zwischen arm und reich noch erweitern wird, die NICHT glauben, dass die AfD Rassismus schürt, die NICHT glauben, dass wir solidarisch für Menschen in Not einstehen müssen und die NICHT glauben, dass der Gebrauch von Schusswaffen keine Lösung darstellt zu diskutieren!
Euch wird eingetütet, dass in Europa seit 70 Jahren Frieden herrscht, aber das ist nicht wahr: hier herrscht Krieg und zwar ein verdammt heftiger! Und der wird zunächst mit Worten ausgefochten. Schon der preußische Militärtheoretiker Carl von Clausewitz hat gesagt: „Krieg ist eine bloße Fortsetzung von Politik mit anderen Mitteln.“

Jetzt kombinieren wir mal die Tatsache, dass Demokratie „Herrschaft des Volkes“, also auch von DIR, mein lieber Leser bedeutet und die, dass sich immer mehr Leute von rechtspopulistischem Blödsinn einlullen lassen – dann stellt sich doch die Frage, wer in diesem Krieg die Gegenseite darstellt, nicht wahr? „Na, die Politiker, die nicht in der AfD sind!“
Aber ihr auch! Denn ihr seid das Volk (OMG)! Ihr bestimmt, wer gewählt wird, wer die Regierung stellen soll! Das heißt, dass der Wahlzettel des verblendeten AfD-Wählers in deiner Nachbarschaft, in deinem Büro oder in deinem Yoga-Kurs bei der Wahl GENAU SO VIEL Einfluss haben wird, wie dein Wahlzettel!

Demokratie bedeutet nicht nur Herrschaft des Volkes, sondern Demokratie sollte eigentlich auch eine Streitkultur fordern! Fangt an, zu diskutieren! Und selbst, wenn sie noch so blöd und lernresistent sein mögen, es ist schlicht und einfach unsere Pflicht. Wenn wir es nicht tun, wer denn dann? Wer verteidigt uns dann vor der AfD? Wenn ihr von zehn Diskussionen auch nur eine Person überzeugt, dann ist es das Wert gewesen! Es bringt nichts, einfach nur zu jammern. Es bringt nichts, zu sagen: „Also, ich wähle die ja nicht!“. Konfrontiert AfD-Wähler (und wenn es nach mir geht, dann auch CDU/CSU- und FDP-Wähler). Versucht sie zu überzeugen. Das ist aufdringlich, sagt ihr? Das Ideal einer demokratischen Gesellschaft ist es auch, dass man in politischen Fragen aufdringlich sein soll!

Wir müssen reden! Jetzt! In der Mittagspause, beim Familientreff und auch im Internet! Ihr müsst diesen Kampf nicht alleine austragen – bringt auch andere dazu, mitzumachen! Und wenn ihr euch das nächste Mal zu sehr geniert, denkt, dass es doch nichts bringt oder zu gestresst seid, eine Diskussion mit Leuten einzugehen, die dabei sind, mit ihrer Wahlstimme die letzten Hoffnungen auf den Erhalt von Werten wie Gleichheit, Gerechtigkeit und Frieden zu gefährden, dann stellt euch folgende Frage:

Wenn es später noch schlimmer um die Welt stehen wird, als es jetzt bereits der Fall ist, was werdet ihr euren Kindern antworten, wenn sie euch fragen werden, was ihr dagegen getan habt?

Die Doppelmoral von TTIP/CETA-Protesten – What about EPA?

Bevor mich jetzt jemand falsch versteht – ich bin kein Freund von CETA & TTIP. Ich bin allgemein kein Freund von Freihandelsabkommen.
Was ich aber als enorm lächerlich empfinde, ist, dass wir jetzt erst Großdemonstrationen zustande bringen und polternd ihre Stimme gegen CETA & TTIP erheben. Warum tun wir das überhaupt, mal vom zeitlichen Aspekt abgesehen? Weil es uns betrifft. Weil wir dieses Mal Angst haben, selbst einen Nachteil davon haben, während sich andere auf unsere Kosten einen Vorteil ergattern.
Klar, das verstehe ich. Man will sich ja nicht ausnehmen lassen. Aber welche Doppelmoral ist das, dass wir nicht gegen Freihandelsabkommen protestieren, bei denen wir andere schonungslos ausnehmen?
Ich meine, wenn die reichen Vereinigten Staaten das reiche Europa ausbeuten, hm, ja, das ist blöd, aber es ist nicht unbedingt eine soziale Tragödie. Was ist aber, wenn wir Europäer Entwicklungsländer in Afrika ausbeuten, die bereits zu Zeiten des Imperialismus von Europa ausgebeutet wurden? Genug um den heißen Brei gesprochen: schauen wir uns mal die ECONOMIC PARTNERSHIP AGREEMENTS (EPA) an – darüber wird viel zu selten gesprochen.
Die EPA fordert Afrika auf, die eigenen Märkte bis zu 83 Prozent für europäische Importe zu öffnen und zugleich schrittweise Zölle und Gebühren abzuschaffen. Was bedeutet das? Nehmen wir mal ein Beispiel – unsere Milchproduktion. Wir haben einen enormen Überschuss und kalkulieren auch mit diesem. Wir brauchen die überschüssige Milch nicht mehr, also exportieren wir sie unter anderem nach Afrika zu Preisen, die so niedrig sind, dass die örtlichen Milchbauern nicht mehr mithalten können. Das selbe mit unseren Fleischresten – wir essen in Deutschland nur die Hühnerbrust. Mal überlegt, wohin der ganze andere Rest kommt? Nach Afrika. Zu billigen Preisen, mit denen die dortigen Hühnerhalter auch nicht mehr mithalten können. Als Gegenleistung behalten die afrikanische Unternehmen wiederum zollfreien Zugang zum europäischen Markt, damit die geschädigte Wirtschaft wieder aufgebaut werden kann. Mal davon abgesehen, dass das Erpressung ist, da Afrikas Wirtschaft auf den zollfreien Zugang angewiesen ist – mit den deutschen Preisen mithalten kann sie dann immer noch nicht.
Jetzt mag man natürlich sagen: je mehr die EU nach Afrika exportiert, desto mehr muss sie auch aus Afrika importieren, weil die Exportgüter in der afrikanischen Währung bezahlt werden (und selbst da bin ich mir nicht ganz so sicher) – ein EU-Unternehmen säße also nach seinem Export auf der afrikanischen Währung und wenn er diese irgendwie nutzen will, müsste er wiederum in Afrika einkaufen. Und davon profitiert die afrikanische Wirtschaft natürlich.
Nun. Natürlich ist deutscher Export an den Import gebunden, aber afrikanisches Geld zu erhalten bedeutet ja nicht automatisch, davon auch afrikanische Ware kaufen zu müssen. Deutschland kann ja auch afrikanische Unternehmen mit afrikanischer Währung aufkaufen, Grundstücke, etc. …
Man könnte natürlich auch sagen, aber hey, die Afrikaner freuen sich doch über erschwingliche, importierte Milch! Kann sein, aber das ist kein nachhaltiger Vorteil für sie. Was auf Dauer entsteht, ist eine immer stärker wachsende Abhängigkeit von der EU. Schauen wir uns das ein wenig genauer an: immer mehr afrikanische Unternehmen müssen Arbeiter entlassen, um mit der europäischen Konkurrenz zumindest teilweise mitziehen zu können oder Löhne kürzen. Einige müssen komplett dicht machen. Dann freuen sie sich natürlich darüber, dass sie unsere billige Milch kaufen können, weil für inländische Milch das Geld ja mit der neuen, schlechteren Situation gar nicht mehr ausreicht. Das führt wiederum dazu, dass die Nachfrage nach EU-Milch steigt, die Nachfrage nach inländisch produzierter Milch sinkt. So sieht das afrikanische Wirtschaftswachstum, welches die EPA propagiert aber nicht aus.
Nicht die EU bleibt auf afrikanischer Währung sitzen, sondern immer mehr afrikanische Unternehmen auf ihren Waren. Immer mehr Afrikaner werden arbeitslos. Dazu gibt es auch noch einen sechsminütigen Clip  von der ARD, der das Thema auch nochmal anschneidet, sehr sehenswert.
Ich zitiere mal UN-Wirtschaftsexperte für Ostafrika, Andrew Mold, der sich mit dem Thema noch besser auskennt als ich: „Die afrikanischen Länder können mit einer Wirtschaft wie der Deutschen nicht konkurrieren. Das führt dazu, dass durch den Freihandel und die EU-Importe bestehende Industrien gefährdet werden und zukünftige Industrien gar nicht erst entstehen, weil sie dem Wettbewerb mit der EU ausgesetzt sind.“
Da frage ich mich wirklich: warum werden deutsche Bauern sogar noch subventioniert, wenn sie zB nach Afrika exportieren? Die afrikanischen Unternehmen können doch so schon nicht mit der europäischen Konkurrenz mithalten. Wenn wir uns mal die Wirtschaftsgeschichte anschauen, dann sehen wir ja auch, dass die heutigen industriellen Großmächte, wie zum Beispiel die Vereinigten Staaten nicht durch Freihandel groß geworden sind, sondern weil sie ihre Märkte lange Zeit mit hohen Schutzzöllen abgegrenzt haben, teilweise sogar bis zu 50%.
Gut, ab den 50ern wurden die dann auch herabgesetzt, aber da war die US-Wirtschaft schon so mächtig, dass die Konkurrenz nicht mehr wirklich eine Gefahr darstellte. Afrika soll aber mit der EPA weitestgehend ohne Schutzzölle zurechtkommen, obwohl das im Grunde genommen der einzige Weg wäre, sich gegen die gigantische EU-Wirtschaft behaupten zu können. Warum erlauben wir den Entwicklungsländern also nicht, ihre Produkte zollfrei zu exportieren?

Das ist eiskalt berechnende Interessenspolitik. Die EU wird reicher und Afrika ausgeblutet.
Wir brauchen uns nicht wundern, wenn bald berechtigterweise eine weitere Flüchtlingswelle von Wirtschaftsflüchtlingen aus Afrika zu uns strömen werden. Ich bin zwar einer, der gerne sagt: hab ich’s nicht gesagt? In dieser Hinsicht würde ich mich aber sehr freuen, mit meiner Prognose falsch zu liegen. Also, bitte: wenn ihr Argumente habt, die EPA in ein besseres Licht rücken können, dann klärt mich auf. Ich irre mich hier gerne. Sehr gerne.

Ist ja schon extrem, wenn sogar CDU-Politiker sich gegen das EPA-Freihandelsabkommen aus Gewissensgründen aussprechen…

Abenteuer mit Drumpf! (Teil 5)

„Ein moralisches Grauen! Tagein, Tagaus purzeln unschuldige Menschen aus diesen Maschinen!“, wetterte Mister Iks.
„Sie haben keine Antennen, sie sind keine Menschen“, korrigierte Donnel.
„Na schön! Lebewesen! Kreaturen, die fühlen können! Die Empfindsam für Angst und Schmerzen sind!“
Die Stimme des Mannes überschlug sich. „Und wir TÖTEN sie, verspeisen sie! Mit welcher Berechtigung tun wir das, hä?“
„Sie fallen doch schon tot aus der Maschine, regt euch nicht so sehr darüber auf. Wer seid ihr überhaupt?“
„Nein, sie sterben dadurch, dass wir die Maschine benutzen!“, kreischte der Mann. „Und ich, Mister Iks, der so viel Schuld auf sich genommen hat, diese katzulischen Maschinen im Schuss zu halten, habe endlich einen Weg gefunden, diesn Makel abzuschalten!“
„Mister Iks! Aber… ich verstehe nicht! Ihr bekommt doch einen Batzen Geld als Gehalt!“
„Geld, pah!“, schnaubte Mister Iks verächtlich. „Damit kann man vieles zufrieden stellen, aber nicht das Gewissen!“

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4 Gründe, warum wir Christen nicht ernst genommen werden

Wenn man sich heute als Christ outet, was bedeutet das dann noch? Ich vermisse schon beinahe das spöttische, müde Lächeln oder die sarkastischen Kommentare. Darauf wird gar nicht mehr eingegangen, warum auch? Macht es einen Unterschied? Für mich, klar, meine Seele ist gerettet und alles. Aber sonst so?

In meinen Augen gibt es vor allem vier Punkte, die meiner Beobachtung nach ausschlaggebend für unseren vermeintlichen Status als dämliche Heuchler stehen. Und bevor jetzt einige empört Capslock anschalten und zum Schreiben ansetzen… wenn ich von „wir Christen“ spreche, dann beziehe ich mich selbstredend auf die Mehrheit, nicht auf die individuellen Ausnahmen, die es glücklicherweise gibt und auf die Ansichten über uns, womit ich nicht sage, dass die Ansichten über uns zwangsweise stimmen. Außerdem beziehe ich mich hier explizit auf uns Christen in Deutschland, ich weiß, dass es in anderen Ländern teilweise stark abweichende Haltungen gibt.

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„Ist das Leben nicht schön?“

Ich weiß ja nicht wie’s euch geht, aber wenn mir jemand sagt, wie schön doch das Leben ist und dabei selbstgefällig lächelt, dann weiß ich nicht, ob ich wütend oder verdammt wütend sein soll. Nicht unbedingt deshalb, weil es sein kann, dass das Gegenüber gerade vielleicht einfach eine scheiß Zeit durchmacht und es einfach nur ein bisschen rücksichtslos und selbstbezogen daherkommen könnte. Sondern weil das Leben generell nicht schön ist.

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Die moralische Zwickmühle als Blogger

„Im Übrigen bin ich dafür , den Islam in Deutschland (Europa) zu verbieten und alle Muslime auszuweisen“

„mal ganz ehrlich, sind nicht alle Moslems psychisch krank???“

„Angst. Ich finde es so dermaßen zum K ot zen, dass man als „normaler“ Mensch inzwischen auf der Straße schon fast zusammenzuckt, wenn einem dunkelhäutige Menschen, vorzugsweise junge Männer, entgegen kommen.“

Diese Kommentare kursieren heutzutage auf Yahoo News und erhalten fast ausschließlich Upvotes. Was ist mit unserer Gesellschaft los? Mal davon abgesehen, dass man mit solchen Einstellungen Terrororganisationen direkt in die Hände spielt und Deutschland schlicht und ergreifend einfach nicht mehr funktionieren wird, wären alle Moslems plötzlich weg, was ist das bitte für eine Einstellung seinen Mitmenschen – seinen Nachbarn gegenüber? Aber ich will gar nicht weiter auf diesen Punkt eingehen.

Wenn ich so etwas lese, vor allem, wenn ich eigentlich vorhatte, an meinem Roman weiterzuschreiben, spüre ich schon fast körperliches Unwohlsein. Wie kann ich jetzt anfangen, seichte Unterhaltung zu schreiben? Die Geschichte von irgendeinem Musiker erzählen, der an Bühnenangst leidet und mit einem Auftritt zu kämpfen hat, während so viele meiner Mitbürger so sehr mit ihrer eigenen Dummheit kämpfen müssen? Und von den Menschen, die darunter tatsächlich zu leiden haben ganz zu schweigen.

Ich bekomme kein Geld für’s Bloggen, werde ich auch nicht, und habe es nicht vor. Ich mache das aus rein idealistischen Gründen, wie viele von uns. Wenn es anders wäre, könnte ich mich auch besser rechtfertigen. Aber so? Wenn ich an besagter Geschichte weiterschreibe, kommt es mir so vor, als würde ich an einem ertrinkenden Kind vorbeilaufen, mit der Begründung, ich will mir noch ein Eis kaufen und die Eisdiele hat nur noch fünf Minuten offen.

Man kann sich jetzt darüber streiten, ob ich mich tatsächlich gut mit Worten ausdrücken kann. Ich rede es mir jedenfalls gerne ein, auch, dass ich, zumindest, wenn ich schreibe, Emotionen im Leser entfachen kann. Dann kommt es mir wie eine Verschwendung von Zeit und Mühen vor, wenn ich nicht wenigstens versuche, meine Mitmenschen zu mehr Solidarität anzuregen! Oder wenigstens ein klein wenig zu eigenständigem Denken.

Keine Sorge. Wie in meinem Vorwort versprochen, für die wenigen, die Gefallen an meinem Blogroman finden – und letztlich ja auch für mich – werde ich Topophobie weiterschreiben und auch weiterhin Kurzgeschichten verfassen. Ich habe nicht die Verantwortung, die Welt zur Besinnung zu bringen, so überheblich bin ich nicht. Mir ist total klar, dass ich selbst oft genug nicht richtig nachdenke und ich Denkzettel wie jeder andere auch benötige und das muss ich, das muss sich jeder auch vor Augen halten. Es ist gut, wenn man die Welt auch mit „schönen Künsten“ bereichert. Außerdem kann ein Unterhaltungsblog nicht alles gleichzeitig sein.

Aber ich wollte nur nochmal daran erinnern, dass jeder von uns – insbesondere diejenigen, die gut mit Worten umgehen können – eine Verantwortung trägt, die Gesellschaft kritisch zu hinterfragen! Wenn man die Gabe hat, dann sollte man sie auch für etwas Gutes einsetzen. Diejenigen, die hasserfüllte Parolen durchs Land posaunen, Prediger der Panik und rassistische Demagogen gibt es viel zu viele. Es ist schon lange, lange an der Zeit, dass sich Gegenstimmen erheben. Die Meinungen, die ihr öffentlich kund tut, beeinflussen auch eure Mitmenschen. Eure Meinungen machen einen Unterschied. Bezieht Stellung!