Topophobie – Mehr, bitte!

Ich hätte ja gerne noch eine ausführliche Schilderung gehabt, was meine neue Band so von der Musik meiner alten Band hielt, aber nachdem ich meinen MP3-Player wieder  an mich genommen hatte, beschäftigte sich die Unterhaltung mehr oder weniger nur noch mit der pseudo-wissenschaftlichen Behauptung, dass sich die Attraktivität einer Frau bereits an ihrer Gesangsstimme ablesen würde. Was natürlich absoluter Quatsch war, alleine schon, wenn man bedenkt, dass ein heftiger Gesichtsausschlag sich wohl nur in den allerwenigsten Fällen auf die Stimmbänder auswirken würde. Die Diskussion wurde etwas hitziger, da vor allem Manni und Richard immer noch der festen und eigentlich unbegründeten Meinung waren, dass an der Behauptung etwas dran war. Und ich machte mir auf einmal mehr Gedanken darum, die beiden Idioten von ihrem Irrglauben abzuleiten, als in Erfahrung zu bringen, was sie denn sonst noch so von den Aufnahmen hielten. Vielleicht war das so aber auch besser. Das Konzert stand an und ich konnte nichts gebrauchen, was meinem aufs musikalische bezogene Selbstbewusstsein einen Knacks verpassen könnte. Als Besserwisser betrachtet zu werden, war ich gewohnt und hatte ehrlich gesagt auch nichts dagegen. Ich meine, ich weiß Dinge eben oftmals besser, das ist keine Arroganz, das ist einfach eine rein objektive Tatsache. Und wenn ich mal etwas nicht besser weiß, dann komme ich damit auch klar. Nach einer Weile jedenfalls.

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Topophobie – Mitarbeiter des Monats

Es ging mir hundsmiserabel, als ich am nächsten Tag im Musikladen „Klangwelten“ arbeiten war. Nayara und ich sind am vergangenen Abend nach nur einem Bier und einer Schale Pommes schon nach aufgebrochen, während Leon mit einer attraktiven Brünette Bekanntschaft geschlossen hat und vorhatte, noch eine Weile zu bleiben. Er war ein gutaussehender, stattlicher junger Mann, stets so schick gekleidet, dass es schon fast elitär wirkte und bei vielen der Damen kam das wohl auch gut an. Bei jenen, die weniger auf ein halbes Kilo Haargel in seinen dunkelbraunen, zur Seite gekämmten Haaren standen eher weniger, aber Leon machte sich aus Misserfolgen selten etwas. Nayara versuchte auf dem Heimweg halbherzig eine Konversation mit mir anzufangen, aber ich hatte furchtbare Kopfschmerzen und versuchte einfach nur, mich auf gar nichts zu konzentrieren, an gar nichts zu denken. Mit mäßigem Erfolg. Mir ging der Text von „The Wild Rover für den Rest des Abends einfach nicht mehr aus dem Kopf. Auch am nächsten Tag, als ich in der Tastenabteilung gelangweilt auf einem der Klavierhocker saß, geisterte er mitsamt Melodie durch meine Gedanken und marterte mich.
No, nay, never, no more will I play the wild rover no never, no more…
„Entschuldigung?!“

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