Was Christen von der Band „A Perfect Circle“ lernen können

Ich muss das Album der Band, das heute erschienen ist – und ganz besonders ein Lied, das schon vor einigen Wochen als Single ausgekoppelt wurde unbedingt etwas promoten. „A Perfect Circle“ erfreut sich in Deutschland nicht unbedingt all zu großer Bekanntheit, dabei sollte die Band meiner Meinung nach zumindest jeder schon mal gehört haben.

Man muss ja nicht gleich Fan werden – mir ist bewusst, dass die sehr zynischen Texte nicht jedermanns Sache sind, aber manche Passagen sprechen mir einfach so sehr aus der Seele, dass ich sie am liebsten an die Kirchentüre nageln würde, wie es Luther damals (NICHT) getan hat.

Das Lied „TalkTalk“ deckt – zumindest in meinen Augen – besonders treffend auf, was in unserem angeblich „christlich geprägten Abendland“ so heftig schief läuft. Beziehungsweise nicht läuft.

„You’re waiting on miracles – we’re bleeding out“

Mit diesen Textzeilen beginnt das Lied. Und das ist auf so viele Weisen wahr. Man muss es nicht einmal auf uns Christen beschränken, denn es spricht allgemein für unsere westliche Geisteshaltung im Angesicht der globalen Konflikte, mit denen wir es zu tun haben. Fluchtursachen entstehen nicht ohne Weiteres. Kriege passieren nicht einfach so. Und unser Planet wird ausgeschlachtet und vergewaltigt, als hätten wir noch eine Extrapackung „Erde“ auf Vorrat. All das wird durch Menschen verursacht – und kann nur durch Menschen verhindert werden. Wir wissen das, aber irgendwie tun wir kaum etwas dagegen. Stattdessen warten wir auf Wunder. Oder „unrealistische Zufälle“, wenn wir uns dem Wortschatz eines Atheisten bedienen. Und während wir warten, verbluten Menschen, verblutet die Erde. Metaphorisch und wörtlich gleichermaßen.

Dann geht es mit einer Aussage weiter, die es in sich hat:

„Thoughts and prayers – adorable. Like cake in a crisis. We’re bleeding out.“

So albern der Vergleich ist, so treffend ist er. Wie müde bin ich es, von Politikern die Worte „Wir sind gedanklich und in unseren Gebeten bei den Opfern“ zu hören. Man denke nur an Amerika und die dortigen Waffengesetze in Anbetracht der Waffengewalt, die auch vor Kindern nicht anhält. Wenn wir den Opfern von Krieg und Armut nur unsere Gedanken und Gebete schicken, aber selbst nicht dazu bereit sind, etwas zu tun, dann ist das so hilfreich, wie Kuchen während einer Krise. Hier werden bestimmt die ersten meiner Glaubensgeschwister aufschreien: „Wie kannst du die Macht des Gebetes so herabspielen? Elender Ketzer!“ – bevor man sich jetzt in solche Gedanken verstrickt, erstmal eine Gegenfrage: wenn du für etwas oder jemanden betest, gleichzeitig dazu in der Lage bist, auch deinen eigenen Teil dazu beizutragen, es aber nicht tust – meinst du das Gebet dann wirklich ernst? Und glaubst du, dass ein nicht ernst gemeintes Gebet tatsächlich irgendwelche Wirkungen hat? Nein? Ich auch nicht.

Im Pre-Chorus heißt es: „While you deliberate, bodies accumulate“, was die Strophe eigentlich gut zusammenfasst. Auf den Punkt gebracht und zugespitzt wird die Aussage dann im Refrain:

„Sit and talk like Jesus – try walking like Jesus.“

Das Lied nimmt hier Bezug zu jenen, die ständig einen auf ach so heilig machen, Jesus ganz toll zitieren können, aber erst dazu aufgefordert werden müssen, ihren Worten tatsächlich selbst Folge zu leisten. Jesus hat nicht einfach nur gesprochen. Jesus hat tatsächlich Dinge getan. Es reicht eben nicht, auf der Kanzel große Reden zu schwingen, beziehungsweise diese brav abzunicken. Es reicht nicht jeden Tag seine Stille Zeit zu halten, zu beten, aber dann wie jeder andere Mensch sonst zu leben. Ja – es reicht, das Opfer von Jesus anzunehmen, um deine Seele zu retten. Daran glaube ich auch. Aber das alleine reicht nicht aus, um diese Welt zu einer besseren zu machen. Und wenn wir uns schon „Christ“ an unsere Stirn schreiben, dann sollten wir uns auch der Aufgabe bewusst sein, die Gott uns gegeben hat: verantwortungsvoll miteinander und mit der Erde umzugehen. Und dazu gehören auch Taten.

In diesem Sinne:

„Talk talk talk talk – Get the fuck out of my way!“

Wenn du einfach nur zu denjenigen gehörst, die nur daherreden, aber zu bequem sind, tatsächlich etwas zu tun, dann verschwende meine Zeit nicht weiter.

In der Bridge – wenn man sie so nennen mag – wird eine Aufforderung mehrmals wiederholt:

„Dont be the problem, be the solution.“

sowie

„Talk without works is faith without works is dead“

Ein berühmtes Zitat von Gandhi lautet: „You must be the change you want to see in the world“.  Während Gandhi das Individuum in seinem Zitat erstmal als neutral darstellt, geht die Aussage des Liedes einen Schritt weiter: man kann durchaus selbst zum Problem gehören. Nichtstun bedeutet nicht zwangsläufig, die Rechnung nicht negativ zu beeinträchtigen. Schauen wir uns das Thema Umweltschutz an, um uns zu vergegenwärtigen, wie absurd unsere Lage ist. Wir sind die mit Abstand einfallsreichste und intelligenteste Spezies, die unseren Planeten bewohnt. Wieso bekommen wir es nicht auf die Reihe, den Schaden, den wir auf ihm anrichten, zumindest zu reduzieren?

Meine Frau und ich haben lange nachgedacht, wie verantwortlich es ist, ein Kind in die Welt zu setzen. Nicht nur, was das Kind angeht, das sich ja nicht selbst dazu entscheidet, geboren zu werden. Sondern auch, ob das Kind nun zum Guten oder zum Schlechten auf dieser Welt beiträgt – wir tragen als Eltern sicherlich unseren Teil dazu bei, aber diese Verantwortung überspannt sich nicht über alle Entscheidungen unseres Sohnes. Letztlich waren wir – auch, wenn es gegen die Statisik spricht – optimistisch und hoffen nun darauf, dass wir ihm ein gutes Vorbild sein werden, wenn es darum geht, ein Teil der Lösung zu sein.

Ich bin ernsthaft der Meinung, dass Glaube ohne Taten ein toter, sprich unechter Glaube ist. Die Frage ist natürlich, was jetzt unter der „Tat“ verstanden wird. Mir wurde damals ein Bild eingetrichtert, dass ein Christ, der „gute Taten“ vollbringt, anderen Menschen ganz nach dem Bild der Evangelikalen seinen Glauben näher bringt. Gewiss, als Christ bin ich der Überzeugung, dass die Weiterverbreitung des Evangeliums etwas Wichtiges ist. Aber war es das dann? Und darüber hinaus – nicht jeder ist dafür geeignet, sich auf die Straße zu stellen, Reden zu halten und locker fremde Menschen auf ihren Glauben anzusprechen. Ich habe auch schon Leute erlebt, die das auf äußerst abschreckende Art und Weise getan haben. Außerdem, wie glaubwürdig ist man, wenn man fleißig Jugendarbeit leistet, aber seinen Kindern Produkte kauft, die aus Kinderarbeit stammen? Wie ernst kann man jemanden nehmen, der auf der Straße für Heilung betet, aber Fleisch aus der Massentierhaltung kauft, das mit Antibiotika vollgepumpt ist?

In „TalkTalk“ wird die Antwort, was denn nun in der Tat verstanden wird, im abschließenden Refrain angedeutet:

„Sit and talk like Jesus – try walking like Jesus. Try braving the rain. Try Lifting the Stone. Try Extending a hand. Try walking your talk or get the fuck out of my way.“

Sich ein Beispiel an Jesus nehmen. Er kam nicht nur auf die Erde, um wegen unserer Sünde zu sterben, sondern auch, um uns ein Vorbild zu sein. Und was tat Jesus? Er kümmerte sich um die Ausgestoßenen der Gesellschaft. Um die Armen, Kranken und Schwachen. Während wir Christen häufig in unseren vergleichsmäßigen Palästen wohnen und uns schon schwer damit tun, überhaupt einen Zehnt zu spenden – etwas, was nebenher bemerkt nicht aktiv getan wird, sondern nur verrechnet wird. Machen wir uns doch mal bewusst, wer in Deutschland zu den Ausgestoßenen, Armen, Kranken und Schwachen der Gesellschaft gehört. Jesus würde mit den Flüchtlingen und den „Harzern“ abhängen. Vielleicht lehne ich mich damit für einige weit aus dem Fenster, aber ich bin mir ziemlich sicher, er würde sich für die Rechte der Frauen einsetzen, gegen Kinderarmut- und arbeit, gegen die Unterbezahlung von Pflegepersonal und denjenigen, die Verantwortlich für die Kinderbetreuung- und Erziehung sind.

„Ich bin Christ, ich will mit Politik nichts zu tun haben.“

Tut mir leid, aber du bist mit allem, was du tust, politisch. Alleine, mit welchem Klopapier du dir deinen Hintern abwischst, ist ein politisches Statement. Du liest die Bibel? Ein politisches Statement. Du bist gegen den Verbot religiöser Schriften oder zumindest dieser einen.  Jesus war enorm politisch. Die Politiker legten sich ja letztlich mit ihm an. Ein Politiker verurteilte ihn zu Tode. Den Spruch, du seist unpolitisch kannst du dir also gleich mal streichen. Du bist politisch. Ob du etwas tust oder nicht. Und wenn du Jesus nachfolgen willst, also versuchst, „wie er zu gehen“, dann strecke deine Hand nicht nur nach dem Geld aus, sondern auch nach denjenigen, die deine Hilfe benötigen.

Ja, anstrengend. Das Album heißt nicht umsonst „Eat the Elephant“.

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Extrovertiertes Denken

Extrovertiertes Denken, oder kurz TE (englisch: Thinking Extroverted) ist die Funktion, die uns dabei hilft, zu organisieren, nach Effizienz zu ordnen und Projekte zum Abschluss zu bringen. Die Funktion ist am ausgeprägtesten bei den Typen ENTJ und ESTJ und steht an zweiter Stelle bei deren introvertierten Pendants: INTJ und ISTJ.

Der Unterschied zu Fühlern
Menschen, bei denen diese Funktion sehr stark ausgeprägt ist, haben meistens die Fähigkeit, ihre Entscheidungen objektiv und unpersönlich zu treffen. Je nachdem, von welchem Licht aus man sie betrachtet, wirken sie damit gerecht oder kalt (oder beides auf einmal). Bei jedem Entschluss, den wir treffen, spielt auch unser Bauchgefühl eine Rolle, unter Umständen auch Beziehungen zu eventuell betroffenen Personen. TE hilft dabei, diese subjektiven Elemente von den Fakten zu trennen und so zu einem „nüchternen Ergebnis“ zu kommen, das auf Logik basiert. Gerade Menschen, die eher Fühlertypen sind und „persönlich“ denken, haben des Öfteren ein Problem damit, mit dieser Art zurecht zu kommen und halten stark ausgeprägtes TE häufig für Unfreundlichkeit. Damit hat das nichts zu tun, viel mehr geht es darum, das bestmöglichste Ergebnis zu erzielen und jeden gerecht zu behandeln. Extrovertierte Denker ergreifen in den meisten Fällen nur dann Partei, wenn sie der Meinung sind, dass es so am besten für alle ist. Natürlich spielt es auch für sie eine Rolle, ob sie damit unter Umständen Freunden, Nachbarn, Kollegen und/oder Familienangehörigen auf den Schlips treten, aber sie stecken das, sollte es der Fall sein, von allen Typen noch am ehesten weg. Viel mehr würden sie sich schlecht fühlen, wenn sie Entscheidungen aufgrund von Emotionalität statt aufgrund logischer Fakten getroffen hätten.

Der Unterschied zu introvertiertem Denken 
TE ist induktiv – induktives Denken könnte man auch als verallgemeinerndes Denken bezeichnen: TE leitet vom Einzelnen auf das Allgemeine ab. Besser verständlich wird das durch ein Beispiel: Stellen wir uns vor, wir würden als Expeditionsteam durch ein bislang so gut wie unerforschtes Dschungelgebiet streifen und dort einen Affen einer bislang unbekannte Affengattung antreffen, die grün-schwarz gestreift ist. Angenommen dieser Affe wäre höchst aggressiv, würde uns sofort angreifen und wir würden den nächsten, grün-schwarz gestreiften Affen, auch, wenn er vielleicht davon abgesehen etwas anders aussieht  gleich mit einem Betäubungsgewehr niederschießen, dann wäre das eine Handlung durch induktives Denken gewesen. Wir haben durch induktiven Erkenntnisgewinn (grün-schwarz gestreifte Affen sind gefährlich) eine neue Regel aufgestellt (bei grün-schwarz gestreiften Affen sofort defensiv reagieren).

Im Gegenteil dazu steht deduktives, beziehungsweise introvertiertes Denken. Hätten wir deduktiv geurteilt, hätten wir gesagt: „EIN schwarz-grün gestreifter Affe war aggressiv, aber das muss nicht auf alle schwarz-grün gestreiften Affen zutreffen. Lass uns beobachten, wie dieser auf uns reagiert.“
Durch diese unterschiedlichen Denkweisen entstehen auch schnell Konflikte. Der extrovertierte Denker hält deduktives Denken an und für sich zwar auch für sinnvoll, aber nur in begrenztem Maße. In dem letzten von mir genannten Beispiel wäre es wahrscheinlich, dass der extrovertierte Denker kritisieren würde, die Sicherheit der Expedition zu gefährden. Er ist zwar bereit dazu, seine Meinung und seine Regeln zu ändern, aber nur, wenn es auch handfeste Fakten, sprich: Beweise gibt, die ihn dazu veranlassen.

Die Vorteile extrovertiertem Denkens
Dadurch, dass TE Details nur dann Aufmerksamkeit schenkt, wenn sie für das System als Ganzes relevant sind, arbeitet er in der Regel sehr effizient und zielorientiert. Gibt man verschiedenen Typen dieselbe Aufgabe, ist es wahrscheinlich, dass ein extrovertierter Denker die Aufgabe als erstes abschließt. Das heißt nicht, dass er schlampig arbeitet, viel mehr lässt er sich nicht von Kleinigkeiten aufhalten. „Just do it“ ist ein typisches TE-Motto.

Wie bereits angedeutet bedeutet ein stark ausgeprägtes TE auch häufig, dass der Gerechtigkeitssinn entsprechend ausgeprägt ist. Das bedeutet in diesem Sinne, dass Leute nach ihren Taten behandelt werden, nicht danach, ob man sie gut leiden kann oder nicht. Ein Kind mit stark ausgeprägtem TE, das im Schulsport eine Fußballmannschaft zusammenstellt, sucht sich wohl eher die besten Fußballer und nicht die besten Freunde aus, weil es will, dass das eigene Team gewinnt, nicht unbedingt, dass im Team eine freundschaftliche Atmosphäre herrscht und in den meisten Fällen geht diese Rechnung dann auch auf.

Die Nachteile extrovertiertem Denkens
Wie man sich bereits denken kann, ist TE nicht die optimalste Funktion, wenn es um zwischenmenschliche Angelegenheiten geht. Viele Eltern mit ausgeprägtem TE haben, um es bildlich zu halten, Schwierigkeiten damit, ihr Kind zu trösten und auch, wenn sie es gut meinen, hört man von ihnen häufig Sprüche wie: „Komm schon, so schlimm ist das nicht!“ oder „Hör auf zu weinen, Jungen weinen nicht!“. Das klingt hart, ist aber in den meisten Fällen nicht böse gemeint. Im Gegenteil versuchen sie damit sogar zu helfen und wenn sie, nachdem ihr Einsatz keine positive Wirkung zeigt gereizt sind, dann ärgern sie sich, sofern sie sich über ihre Schwäche bewusst sind, eher über ihre eigene Unzulänglichkeit, als über das weinende Kind.

TE will Struktur und Ordnung schaffen und wenn es das mit dem Anwender getan hat, dann neigt es dazu, den extrovertierten Denker dazu zu drängen, dasselbe auch mit seiner Umwelt zu tun. Nur gibt es Menschen, die sich ungern etwas von anderen sagen lassen und manchmal weiß der extrovertierte Denker es eben auch nicht besser und sollte vielleicht lieber seine Meinung für sich behalten. Neben dem Ordnungsdrang kann auch die Regeltreue und übermäßiges induktives Denken ein Hindernis von TE sein: nur, weil etwas bereits zehnmal funktioniert hat, darf man sich nicht unbedingt darauf verlassen, dass es auch ein elftes Mal funktioniert. Der Ärger ist häufig groß, wenn eine Regel, die man für unumstößlich gehalten hat und auf die man baute, sich plötzlich als fehlerhaft erweist und man in dem ein oder anderen Fall dem pingeligen introvertierten Denker Recht geben muss, als er meinte: „Das kannst du nicht so verallgemeinern“.

Extrovertiertes Denken an den verschiedenen Stellen

Erste/Zweite Funktion TE (ENTJ, ESTJ, INTJ, ISTJ): 
„Das sind die Fakten, hier ist mein Plan. Macht, was ich euch sage und wir bekommen das ohne Probleme hin.“

„Beherrsche deine Emotionen und du kannst alles schaffen oder lernen. Zu schwierig oder zu kompliziert gibt es nicht.“

„Das ist meine Verantwortung, das kannst du nicht übernehmen, weil man diese Arbeit von mir erwartet.“

„Der Erfolg unseres Produkts wird an Zahlen gemessen, nicht daran, ob die Leute es mögen oder nicht.“

„Drei Stunden habe ich bereits gearbeitet und bin nun zur Hälfte fertig. Ich bin also in drei weiteren Stunden damit fertig. Spätestens. Du kannst dich darauf verlassen – wie immer.“

Dritte/Vierte Funktion TE (ENFP, ESFP, INFP, ISFP): 
„Ich weiß, dass es so ist oder zumindest darüber gehört/gelesen zu haben, aber ich kann mich beim besten Willen nicht erinnern, woher ich diese Information habe.“

„Nein. So nicht. Das fühlt sich falsch an, das geht anders. Ich kann dir nicht sagen, wie es richtig geht, aber so jedenfalls nicht.“

„Naja, ganz so unorganisiert bin ich nicht. Schau, ich habe meine Kleidung nach Farben sortiert!“

„Entweder Yetis existieren oder sie existieren nicht. Und momentan sprechen die Fakten dafür, dass es keine gibt, also sollten wir davon ausgehen, dass sie nicht existieren. Außerdem ist diese ganze Diskussion sinnlos.“

„Wahrscheinlich sollte ich mir einen Terminplan machen, auch, wenn ich so etwas hasse und Schwierigkeiten habe, ihn einzuhalten. Aber wenn ich es nicht zumindest versuche, gehe ich noch in all dem Chaos unter.“

 

Die 16 Typen und typische Berufe (P)

Den ersten Teil hatten wir ja bereits hier abgehandelt. Nun geht es um die Beobachter-Typen (Perceiving Types „P“).

ISTP & ESTP
STPs sehen durch ihr stark ausgeprägtes extrovertiertes Empfinden (SE) die Dinge noch am ehesten, wie sie im Hier und Jetzt sind und können durch ihre nüchterne Art auch in brenzligen Situationen einen kühlen Kopf bewahren. Das können unter Umständen zwar auch STJs sehr gut, aber im Gegensatz zu diesen können STPs auch mit ungewohnten, neuen Konflikten in der Regel gut umgehen. Ihr hoch ausgeprägtes SE verleiht ihnen einen Gespür für Gelegenheiten, für Details, die sonst nur wenige wahrnehmen und so ist es nicht ganz so erstaunlich, dass es auch viele STP-Unternehmer gibt. Auch unter Profisportlern findet man viele STPs, aber auch SFPs, da im Sport das extrovertierte Empfinden ausgelebt werden kann.

Es gibt allerdings mehr ESTPs unter diesen, die eher als People-Pleaser gelten als ihr introvertierter Geschwistertyp. Dementsprechend sind ESTPs auch besser darin, ihre Produkte, bzw sich selbst als Person zu vermarkten. Wie auch die ISTPs sind sie sehr gut geeignet für technische Berufe, in denen man direkt Hand anlegen kann, bevorzugen in der Regel aber Berufe, in denen man mit anderen Menschen arbeitet. Wie auch ESFPs sind ESTPs gerne dort, wo wirklich etwas los ist. Da sie dabei gleichzeitig auch einen kühlen Kopf bewahren können, sind sie zum Beispiel bei der Feuerwehr oder im Militär geschätzte Mitarbeiter, also bei Berufen, wo die meisten anderen schnell mal den Kopf verlieren. Wichtig ist hierbei nur, dass der ESTP sich Disziplin antrainiert.

Der ISTP hingegen arbeitet generell lieber alleine und genießt seine Unabhängigkeit. Viele ISTPs sind Freiberufler – Techniker und Analytiker sind zum Beispiel Berufe, die ihnen von Natur aus liegen. Interessant ist für ISTPs auch der Beruf des Piloten, der viel von der Welt sieht, hauptsächlich mit einer Maschine kommuniziert und dafür auch noch recht gut bezahlt wird.

INTP & ENTP
NTPs haben hohe Ansprüche, was ihre Arbeit angeht – sie muss abwechslungsreich sein, weil ihr extrovertiertes Intuieren (NE) sonst nicht mitmacht, dabei muss sie gleichzeitig eine Herausforderung darstellen, aber nicht zu viel Zeit einnehmen, da NTPs viel Wert auf Unabhängigkeit legen, und am besten ist es, wenn sie gleichzeitig auch noch ein Interessensgebiet anspricht. Klingt unmöglich, ist es aber nicht, da NTPs eine Menge Interessen haben. Die anderen drei Elemente (Abwechslung, Herausforderung, Unabhängigkeit) können zwar in der Regel nicht allesamt vollkommen befriedigt werden, aber es gibt einige Jobs, die das dennoch erlauben.

ENTPs haben soziale Fertigkeiten, die ihrem introvertierten Geschwistertypen eher fehlt, weshalb man auch häufiger ENTPs als Unternehmer antrifft. Ihre visionären Ideen hören sich aus ihrem Munde oftmals sehr erfolgsversprechend an und können es – wenn man genug Durchhaltevermögen mitbringt und natürlich das nötige Quäntchen Glück, sogar erfolgreich sein. Da sie von Natur aus neugierig, gesprächig und scharfsinnig sind, sollte man sich auch nicht wundern, dass der Job des Journalisten/Reporters viele ENTPs angezogen hat. Auch Anwälte können viel mit den Fähigkeiten eines ENTPs anfangen, die versuchen müssen, die Wahrheit von einem für ihren Mandanten möglichst positiven Licht erscheinen zu lassen.

INTPs strengt der Umgang mit anderen Menschen mehr an, weshalb sie eher nach Arbeit suchen, die sich mehr auf Dinge konzentriert. Gerade im geisteswissenschaftlichen Bereich findet man sie häufig in der Forschung, aber auch ab und an als Dozent. Denn, wenn sie ihre sozialen Hemmungen überwunden haben, können INTPs auch hervorragende Lehrer sein, vorausgesetzt, sie haben beim ausüben ihrer Tätigkeit genügend Freiraum für eigene Ideen. In der MBTI-Community wird der INTP auch Architekt genannt – was in Anbetracht der Anforderung von logischem, systematischem Denken (TI) und Vorstellungskraft (NE) ebenfalls Sinn macht. Während ENTPs eher gut im Reden sind, ziehen es INTPs eher vor, im Stillen zu schreiben.

ISFP & ESFP
„Künstler“ gibt es zwar bei jedem Persönlichkeitstyp, aber keiner spiegelt den Archetyp eines Künstlers so treffend wieder, wie der ISFP und der ESFP. Sie drücken ihre Gefühlswelt eher mit ihrem Körper, ihren Händen, ihrer Stimme aus, als mit Worten. Ihr extrovertiertes Empfinden gibt ihnen einen direkten Draht zur physischen Welt um sie herum und stattet sie mit einem praxisbezogenen Einfallsreichtum aus.

ESFPs stehen gerne im Rampenlicht – allerdings weniger, um sich zu profilieren, sondern eher, um ihre positive Energie mit anderen zu teilen. Sie wollen den Moment auskosten, genießen – und es wäre doch dämlich, wenn man das nicht auch mit anderen teilen könnte, nicht wahr? Dementsprechend findet man beispielsweise unter Musikern viele ESFPs. Nicht wenige suchen auch in der Karriere als Sportler ihr Glück – beispielsweise als Tänzer. Da sie gerne auf andere Menschen zugehen und einen ansteckenden Optimismus haben, eignen sie sich auch gut als Verkäufer.

ISFPs haben zwar auch einen Hang zu Musik, sind aber nicht unbedingt die geborenen „Rampensäue“. Ihnen ist es zwar auch wichtig, handgreiflich aktiv zu werden, aber dafür brauchen sie nicht unbedingt viele Menschen, mit denen sie dabei interagieren können. Der Beruf des Designers oder des Kunstmalers sind beispielsweise typische ISFP-Berufe, denn hier können sie ihrem introvertierten Fühlen direkt in der physischen Welt Ausdruck verleihen. Ihre praktische Art, gepaart mit ihrem sensiblen und einfühlsamen Wesen gibt ihnen hier ähnliche berufliche Vorlieben wie von ISFJs: auch in Pflegeberufen oder in der Kinderbetreuung sind häufig ISFPs zu finden.

INFP & ENFP
Weil es mir ehrlich gesagt schwer fällt, NFPs Berufen zuzuordnen – was auch der Grund ist, warum ihr so lange auf diesen Beitrag warten musstet – fass ich mich lieber kurz, bevor ihr gar nichts bekommt. Meine Schwierigkeit, NFPs Berufen zuzuordnen, liegt darin, dass sie auf der einen Seite sehr begeisterungsfähig, auf der anderen allerdings wieder äußerst sprunghaft sind. In meinen Augen sind sie daher am schwierigsten auf bestimmte Berufe festzunageln, weil man NFPs auch häufig Berufe ausüben sieht, die man tendenziell eher als unüblich für die Persönlichkeit erachten würde.

Was jedoch ein wieder kehrendes Muster ist: NFPs werden nicht zu Unrecht diplomatische Fähigkeiten zugesprochen, was zum einen an ihrem NE-bedingten Einfallsreichtum und zum anderen an ihrem FI-geschuldeten Einfühlungsvermögen liegt. Beide Typen können für gewöhnlich gut mit Worten umgehen – viele Autoren sind beispielsweise NFPs (Hemingway, Tolkien). Auch Musik, die tendenziell eher Text lastig ist, stammt oft von NFP-Musikern. Man findet sie aber häufig auch in Geisteswissenschaftlichen Bereichen.

ENFPs sind Projektmenschen, das heißt, sie verabscheuen Routine und arbeiten gerne an unterschiedlichen Dingen, mit unterschiedlichen Menschen. Sie sind eher gut im Konzipieren, als darin, Projekte auch selbst in die Hand zu nehmen und auch langweilige Details zu Ende zu führen. INFPs hingegen arbeiten lieber alleine oder zumindest mit wenigen Menschen. Sie fühlen sich häufig überfordert, wenn sie mit vielen verschiedenen Menschen auf einmal interagieren müssen. Beide Typen haben, wie bereits erwähnt auch einen Hang für die Sprache, wobei ENFPs lieber reden, INFPs hingegen Wörter lieber schreiben.

 

 

Typologie – Typische Feindbilder

Man müsste ja eigentlich meinen, dass einen Fühlertypen vor allem Denkertypen aufregen, und Empfindertypen gerade Intuitiven gegenüber Unverständnis entgegenbringen.

Der amerikanische Psychologe John Beebe hat die Theorie aufgestellt, dass das jeweils extrovertierte/introvertierte Pendant der ersten Funktion ein gewisses Feindbild in uns weckt. Er nannte es den „Antagonisten“. Ich will auf diese Theorie ein wenig tiefer eingehen und sie von meinem Blickpunkt aus beleuchten.

Man kann den Konflikt zwischen der extrovertierten und der jeweils entsprechenden introvertierten Funktion auch Flügelkampf nennen. Nehmen wir zum Beispiel das Fühlen. Sowohl introvertiert als auch extrovertiert beachtet es vor allem emotionale Komponente und legt Wert auf rücksichtsvollen Umgang miteinander. Nur sind die Mittel, wie man das eigentlich gemeinsame Ziel erreicht eben sehr unterschiedlich.

Dabei kann man grundsätzlich festhalten, dass die introvertierte Funktion der extrovertierten misstraut, sie für vorschnell, unvorsichtig und oberflächlich abtut. So könnte es einen introvertierten Intuierer beispielsweise stören, dass der extrovertierte Intuierer bei einem eigentlich interessanten Gespräch, ständig das Thema wechselt und so verhindert, dass man über ein Thema eingehend und detailliert diskutieren kann. Im Gegensatz dazu empfindet die extrovertierte Funktion die introvertierte als zu träge, überkritisch und pingelig. So stört es einen extrovertierten Denker beispielweise schnell, wenn der introvertierte ihn bei der Auslegung eines Planes ständig unterbricht und auf die Makel hinweist, die in den Augen des extrovertierten Denkers von vollkommen trivialer und irrelevanter Natur sind. Der introvertierte Denker hingegen muss alleine schon gegen das Verlangen ankämpfen, nicht bereits aus Prinzip auf Ungereimtheiten und Verallgemeinerungen hinzuweisen.

Es ist schwer zu hassen, was man nicht versteht, man kann höchstens Angst davor haben oder verwirrt sein. Das Prinzip kennen wir aus der Fiktion. Wenn der Antagonist ein fremdes Wesen aus dem All ist, das nicht mal unsere Sprache spricht oder eine grässliche Geistererscheinung, dann wünschen wir ihm zwar nichts Gutes, aber von Hass zu sprechen, wäre zu viel. Viel mehr hassen wir den tyrannischen Despoten, der seine Macht zu seinem eigenen Wohle ausnutzt und seine Untergebenen missbraucht. Den sadistischen Mörder, der Freude daran hat, seine Opfer zu quälen. Hier finden wir allerdings einen Kontext, für das Handeln, das wir verurteilen, das wir nachvollziehen können. Wir verstünden – rein theoretisch, warum wir so handeln könnten, entscheiden uns aber dagegen. Die Fähigkeit, sich dagegen zu entscheiden sprechen wir auch dem entsprechenden Antagonisten zu und das ist in der Regel die Quelle für wahre Antipathie.

Ich will damit nicht sagen, dass ein Denker etwa nicht dazu in der Lage sei, einen Fühler nachvollziehen zu können, aber diese Tendenz steht ihm nicht so nahe. Wenn ich als INTP höre, dass jemand eine geniale Serie nicht sehen will, weil sie ihn emotional zu sehr aufwirbelt, dann ist es nicht so, dass ich diese Begründung nicht begreife. Ich kann sie nur nicht nachempfinden und daher rechtfertigt der Denkprozess „ich bin eben anders“ die Begründung. Wenn jetzt aber jemand sagt: „Ich mag diese Serie nicht, weil sie sich mit langweiligen Details aufhält und nicht zur Sache kommt“, obwohl ich gerade die Tatsache mag, dass sie nicht oberflächlich ist und sich Zeit lässt, den Plot zu entwickeln, dann gibt es für mich eher einen Grund, Einspruch zu erheben, weil das genau der Punkt ist, weshalb ich sie schätze.

Für alle, die Listen mögen, hier eine Zusammenfassung, welche Typen nach dieser Theorie in der Regel besonders aufpassen müssen, nicht mit dem entsprechend anderen Typ in einen Konflikt zu geraten:

INTP / ISTP mit ENTJ / ESTJ

INFP / ISFP mit ENFJ / ESFJ

INTJ / INFJ mit ENTP / ENFP

ISTJ / ISFJ mit ESTP / ESFP

Das können wir in abgeschwächter Form auch bei unserer zweiten Funktion bemerken. Wenn zum Beispiel ein ESTJ, dessen zweite Funktion introvertiertes Empfinden ist, das grundsätzlich eher zu Vorsicht rät und auf die Erfahrung der Vergangenheit zurückgreifen will, mit einem ESTP zusammenarbeiten muss, dessen primäre Funktion das extrovertierte Empfinden ist, das im Moment lebt, aktiv, risikofreudig und manchmal ungeduldig ist, dann kann das auch schnell zu Konflikten führen.

Wie geht es euch damit? Ich persönlich merke jedenfalls, dass ich als INTP häufiger mit extrovertiertem Denken als mit Fühlertendenzen anecke. Wenn ihr Fragen dazu habt oder mit dieser Aussage nicht ganz einverstanden habt, lasst mich beides wissen!

Funktionen bei anderen erkennen (Teil 2 von 2)

Extrovertiertes Empfinden (ESFP, ISFP, ESTP, ISTP)
Von allen extrovertierten Funktionen erkennt man SE am wenigsten an den Worten und am meisten an den Taten. Sie sind oft diejenigen, die sich als erstes vom Platz erheben, die sich am gemeinsamen Esstisch als erstes bedienen, die als erstes etwas tun, wenn alle andere noch am überlegen sind, wie etwas getan werden sollte. Wagemut ist etwas, was man dem extrovertierten Empfinder von allen anderen Typen am ehesten zuschreiben kann.

Wenn man sie jedoch anhand von Worten erkennen will, dann hat man damit am ehesten Glück, dass sie einfach sagen, was ihnen in den Sinn kommt. Sie denken nicht lange darüber nach, wie ihre Worte von anderen empfunden werden könnten, sondern machen ihre Gedanken für andere klar ersichtlich. Klarheit ist hierbei das treffende Stichwort: so, wie sie auch selbst versuchen, das Leben möglichst klar zu sehen und zu erleben, wollen sie auch selbst für andere sein.

Anders als extrovertierte Denker sind sie nicht so sehr am Ergebnis interessiert, sondern mehr am Entstehungsprozess. Eine Eigenschaft, die sie sich mit extrovertierten Intuierern teilen, ist die Kreativität. Diese bezieht sich allerdings mehr auf das, was sich unmittelbar in Zeit und Raum befindet, während extrovertierte Intuierer ihre Kreativität mehr mit Ideen und Wörtern ausdrücken. Beide kommen mit den verrücktesten Ideen an, aber Empfinden bezieht sich dabei mehr auf die materielle Ebene.

Typische SE-Zitate:

  • „Ja, Mann! Lass uns das bauen!“
  • „Du weißt erst dann wirklich, dass es unmöglich ist, wenn du es versucht hast.“
  • „Viel Spaß beim Reden, wir sehen uns am Ziel.“
  • „Lebe den Moment!“
  • „Darf ich mal? Kann ich jetzt?“
  • „Der Weg ist das Ziel!“
  • „Ich übe nicht, weil ich besser werden will, sondern weil es mir Spaß macht!“
  • „Mir ist langweilig, lass uns was machen.“
  • „Wollen wir jetzt uns jetzt nur darüber unterhalten oder tatsächlich auch etwas tun?“
  • „Man muss das Leben auch genießen können.“

Extrovertiertes Intuieren (ENFP, INFP, ENTP, INTP)
Man erkennt extrovertierte Intuierer, vor allem die eher in sich gekehrten von ihnen (INFP & INTP) an ihrer häufigen Geistesabwesenheit. Sie sind oft unaufmerksam, verträumt und wirken, vor allem, wenn sie sich in einem sicheren, privaten Rahmen befinden, in dem sie sich wohl fühlen, oft sehr kindisch. Während jedoch auch extrovertierte Empfinder häufig einen kindischen, verspielten Eindruck machen, sind extrovertierte Intuierer hingegen Idealisten, während der andere Typ eher den Realisten einzuordnen ist. Wie auch extrovertierten Empfindern spricht man ihnen Einfallsreichtum zu, allerdings weniger, was praktische, sofort umsetzbare Ideen angeht, sondern mehr jene auf intellektueller Schiene.

Fängt man an, von Themen zu sprechen, die den extrovertierten Intuierer interessiert, leuchten seine Augen auf und er hat plötzlich eine ganze Menge (mehr) zu sagen, manchmal sogar zu dem Ausmaß, dass er überhaupt nicht mehr aufhört, zu reden. Von allen Funktionen ist NE am meisten an Konzepten interessiert, selbst, wenn diese schwammig sind und nur wenig mit der Realität zu tun haben. Bei Denkern äußert sich das insbesondere im Aufstellen absurd wirkender Theorien, bei Fühlern in leidenschaftlichem Idealismus.

Auch wecken NE-Typen schnell das Bild einer schusseligen, geistesabwesenden Person, was aber auch eine gewisse Liebenswürdigkeit weckt. Ihre Gedanken sind stetig in Bewegung und nicht selten machen sie dadurch einen hibbeligen Eindruck. Sie haben häufig damit zu kämpfen, Termine einzuhalten, Ordnung zu bewahren und sich an Details zu erinnern. Wenn im Urlaub jemand die Zahnbürste vergessen, aber sonst allen möglichen Unsinn eingepackt hat – die Chancen stehen gut, dass es ein extrovertierter Intuierer ist.

Typische NE-Zitate:

  • „Es ist zwar völlig unrealistisch, aber stell dir mal vor, […]“
  • „Verdammt, ich habe schon wieder vergessen, was ich dir eigentlich sagen wollte…“
  • „Lass uns etwas Neues ausprobieren!“
  • „Man muss aber auch die andere Seite betrachten!“
  • „Ich kann mich nicht entscheiden! Soll ich Erdbeere und Stracciatella oder Stracciatella und Málaga nehmen? Und welche Kugel soll nach unten?“
  • „Ich hoffe, ich werde nie so ein langweiliger Spießer…“
  • „Das ist keine Unordnung, das ist geordnetes Chaos.“
  • „Wo habe ich schon wieder meinen Schlüssel hingelegt?“
  • „Wenn du dir eine Superfähigkeit aussuchen könntest, welche wäre das dann?“
  • „Ich habe eine Idee, willst du mir sagen, was du davon hältst?“

 

Funktionen bei anderen erkennen (Teil 1 von 2)

Typologie sollte jedoch nicht ausschließlich dabei helfen, die eigene Persönlichkeit besser kennen zulernen und einschätzen zu können, sondern auch die von Mitmenschen. Zum einen hilft das, zu erkennen, was wir eigentlich bei unserem Gegenüber so sehr zu schätzen wissen. Oder im Gegenteil: mit welchen konkreten Eigenschaften wir uns überfordert oder abgestoßen fühlen. Zum anderen kann ein besseres Verständnis Missverständnisse vermeiden und bessere Zusammenarbeit ermöglichen. Wie erkennen wir aber die Funktionen bei unseren Mitmenschen, wenn wir uns schon so schwer damit tun, sie bei uns selbst eindeutig zu finden?

Manchen fällt es sogar leichter, Funktionen bei anderen als bei sich selbst zu entdecken. Fremdbeobachtung setzt immer andere Maßstäbe als Eigenbeobachtung voraus und ein kritischer Blick auf sich selbst kann sich tatsächlich bei der ein oder anderen Person als schwieriger erweisen, als der auf andere. Dennoch sollte man keine voreiligen Schlüsse ziehen. Wenn man vorschnell eine Person einem bestimmten Typen zuordnet, kann das sogar für noch mehr Missverständnisse sorgen und damit für mehr Frustration. Daher empfehle ich, beim Einordnen von anderen Personen sehr vorsichtig und langsam vorzugehen.

Dabei gilt, dass introvertierte Funktionen in der Regel um einiges schwieriger zu erkennen sind, als extrovertierte. Die Erklärung dafür liegt auf der Hand – introvertierte Funktionen spielen sich im Inneren der Person ab, während sie durch ihre extrovertierte Funktion in der Welt in Aktion treten. Wer gut hinhört, kann in den Aussagen eines anderen auch introvertierte Funktionen heraushören, aber einfacher ist es in der Regel damit, zumindest bei der extrovertierten Funktion anzusetzen.

Extrovertiertes Denken (ESTJ, ISTJ, ENTJ, INTJ)
Extrovertiertes Denken erkennt man gut daran, dass die Person wenig Scheu an den Tag legt. Zwar mag es (z.B. im Falle von ISTJ und INT) sein, dass sie als Introverten prinzipiell zurückgezogen sind, aber das liegt weniger daran, dass sie etwa schüchtern wären, als viel mehr daran, dass sie den Sinn darin, mit der Außenwelt in Kontakt zu treten, im Moment nicht sehen oder noch am überlegen sind, wie sie ihre Gedanken am besten formulieren könnten. Ist die Funktion besonders stark ausgeprägt, kann man ziemlich sicher davon ausgehen, dass die Person ihre Meinung frei äußern wird und keine Angst vor Widerspruch hat. Sollte ihr jemand Gegenargumente liefern, sind häufige Reaktionen darauf entweder weitere Punkte, die ihren eigenen Standpunkt weiter unterstützen oder ein rigoroses Abschmettern der Gegenargumentation.

Extrovertierte Denker beziehen sich häufig darauf, was allgemein als anerkannt gilt und was Leute, die sie im betroffenen Fachgebiet als kompetent einordnen ihrerseits für eine Meinung abgegeben haben. Letzteres trifft besonders auf extrovertierte Denker mit introvertiertem Denker zu. Ein Beispielzitat wäre: „Nein, das ist nicht so. Mein Onkel ist Professor für dieses Fach und unterrichtet das an der Universität. Er sagt selbst, dass es sich anders verhält, als du behauptest. Was sagst du da? Ja, schön, deine Begründung mag für dich Sinn ergeben, aber ich wage doch sehr stark zu bezweifeln, dass du dich mit dem Thema besser auskennst als mein Onkel, der das studiert hat.“

Extrovertierte Denker sind sehr an Zahlen und Fakten interessiert. Abstrakten Denkvorgängen, Ausflüge ins Hypothetische misstrauen sie eher. Wenn eine junge Frau ihrem TE-Vater mitteilt, sie habe jemanden kennengelernt, ist eine typische Reaktion von diesem, dass er zunächst fragt, wie alt die Person sei und als was sie arbeitet. Sie sind weniger daran interessiert, wie Personen reagieren, viel mehr daran, wie sie in Aktion treten. Sie sind weniger am Prozess interessiert, sondern mehr am Ergebnis. Sie sind stolz auf Errungenschaften, die nicht nur für sie selbst, sondern auch für den Rest der Welt ersichtlich sind, weshalb sie beispielsweise viel Wert auf Titel, Auszeichnungen und Preise legen.

Weitere typische TE-Zitate:

  • „Du hast dich angestrengt, sagst du? Deine Note sagt da aber etwas ganz Anderes.“
  • „Lass mich das mal machen, ich weiß, wie das geht.“
  • „Das kann doch nicht so schwierig sein – tu’s einfach!“
  • „Weißt du, entweder, man kann stundenlang darüber nachdenken und nichts tun, oder man macht es einfach und erreicht dabei sogar etwas.“
  • „Geld regiert die Welt – das ist die hässliche Wahrheit.“
  • „Die Welt ist nicht so kompliziert, wie du glaubst.“
  • „Erst die Arbeit, dann das Vergnügen.“
  • „Die Leute müssen lernen, mehr Verantwortung zu übernehmen.“
  • „Nur, weil es sich unangenehm anfühlt, bedeutet das nicht, dass es sich ändern muss.“
  • „Es gibt nur eine Richtung. Vorwärts.“

Extrovertiertes Fühlen (ESFJ, ISFJ, ENFJ, INFJ)
Diese Funktion ist möglicherweise am einfachsten zu erkennen, wenn man weiß, wo man hinschauen muss. Während zwar alle extrovertierten Fühlertypen sich für Herzlichkeit auszeichnen (also auch ESFPs und ENFPs), tun das extrovertierte Fühler vor allem aus einer Verpflichtung heraus, die sie in sich spüren. Sie haben den Eindruck, dass es zum guten Ton gehört und von ihnen erwartet wird, freundlich und höflich zu sein, während das bei ESFPs und ENFPs eher aus einer Laune heraus passiert. So sind extrovertierte Fühle eher noch dazu in der Lage, freundlich zu bleiben, auch, wenn sie selbst unfreundlich behandelt werden, als introvertierte Fühler.

FE hat den starken Drang, andere zu erfreuen. Das Prinzip des Schenkens wird daher vor allem von extrovertierten Fühlern sehr hoch geschätzt – nicht nur, was materielle Geschenke angeht, sondern auch, die Investition von Zeit und Mühen in eine Person. Das bemerkt man vor allem dann, wenn der extrovertierte Fühler dadurch gekränkt ist, dass er nicht helfen kann, oder, schlimmer noch, seine Hilfe nicht erwünscht ist. Den Spruch: „Ich will doch nur dein Bestes!“, darf man extrovertierten Fühlern in der Regel glauben und kommt meistens auch von ihnen. Was dabei „das Beste“ ist, wird meistens von dem gesellschaftlichen Umfeld des extrovertierten Fühlers bestimmt.

Extrovertierte Fühler haben einen starken Sinn für Gemeinschaft und das bemerkt man vor allem im privaten Umfeld. Wenn sie nicht unbedingt selbst ein wichtiges Gespräch unter vier Augen führen müssen, werden sie auf einer Familienfeier eher unglücklich damit sein, wenn sich Grüppchen bilden, die sich voneinander abspalten. Sie sind selbst bereit, Kompromisse einzugehen und sich auf Dinge einzulassen, die sie selbst nicht so sehr mögen, wenn sie dadurch die Gruppe zusammenhalten.

Typische FE-Zitate:

  • „Freundschaft/Familie ist das Wichtigste im Leben.“
  • „Die Sorgen anderer sind auch meine Sorgen.“
  • „Warum fällt es diesen Leuten so schwer, freundlich zu sein?“
  • „Eine Hand wäscht die andere!“
  • „Lass uns das doch gemeinsam machen! Zusammen sind wir stark!“
  • „Wie kann man sich nur über so viele andere Menschen hinwegsetzen?“
  • „Danke für die Einladung! Wer kommt noch alles?“
  • „Es ist mir sehr wichtig, dass ihr euch wohl fühlt.“
  • „Denk doch nicht immer nur an dich!“
  • „Meinst du, ich habe einen guten Eindruck bei ihnen hinterlassen? Meinst du, sie mögen mich?“

Link zu Teil 2

Westworld – Maeve Millay (ENTJ)

Filmehype? Rogue One, Check. Politikerhype? Donald Trump, Check. Serienhype? Warum nicht weitermachen? HBO’s Serienerfolg „Westworld“ ist ja momentan in aller Munde. Nicht zu unrecht, wie ich finde, da diese Serie erfrischende, neue Aspekte in die Serienwelt bringt. Die Frage, was macht Menschlichkeit aus und wo verschwimmt der Unterschied zwischen Mensch und Künstlicher Intelligenz wird in der futuristischen Dramaserie in den Vordergrund gestellt – klar, dass das gefundenes Fressen für mich bietet. An dieser Stelle wäre noch eine Warnung angebracht: VORSICHT, SPOILER!!!

So. Wer sich dadurch nicht abschrecken lässt oder die erste Staffel der Serie bereits gesehen hat, möge weiterlesen.

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Selbsterkenntnis ist der erste Schritt zur Besserung (Teil 2)

Extrovertiertes Empfinden / Introvertiertes Intuieren
Der extrovertierte Empfinder ist ein kühner Draufgänger, der vor wenig zurückschreckt. Er betritt neue Pfade, die vor ihm noch niemand ging und leistet damit für die Gesellschaft wertvolle Pionierarbeit. Sein Fokus liegt auf dem Gegenwärtigen und dementsprechend kann er sich gut auf das, was sich im Moment abspielt konzentrieren. Es verhält sich bildlich gesprochen wie mit einem Kurzsichtigen. Denn so klar das Hier und Jetzt auch sein mag, so unbedeutend ist für den extrovertierten Empfinder die Zukunft, wenn sich seine Persönlichkeit ungesund entwickelt hat. Er geht Geschäfte ein, bei denen er zwar jetzt profitieren mag, ihn aber später unverhältnismäßig viel kosten werden. Da ihm seine Freiheit so wichtig ist, will er sich nicht durch Zukünftiges einschränken lassen. Dieses reaktionäre Verhalten kann im schlimmsten Falle dazu führen, dass er seine Zukunft komplett verbaut. Ironischerweise wird er sich dann in einer Situation wiederfinden, in der der extrovertierte Empfinder fast überhaupt keine Handlungsfreiheit besitzt. Während es auf der einen Hand zwar ein Segen ist, die Gegenwart in vollen Zügen genießen zu können, kann sich ungezügelter Hedonismus oder furchtlose Risikobereitschaft auf lange Sicht als enorm kostspielig erweisen. Die unterdrückte Funktion ist hier das introvertierte Intuieren, das sich mit der Vorhersehung von Ereignissen beschäftigt, die noch nicht passiert sind. Ein extrovertierter Empfinder, der diese Funktion zu stark unterdrückt, hat schlicht keine Geduld und/oder sieht den Sinn darin nicht, Gegenwärtiges für die Zukunft aufzugeben. Ganz wie in der Fabel vom Grashüpfer, der sich im Sommer über die hart arbeitenden Ameisen lustig macht, die sich auf den Winter vorbereiten und in selbigem erfriert, da er sich nicht vorbereitet hat.

Während der extrovertierte Empfinder bildlich gesehen einen Unfall baut, weil er das Stop-Schild nicht beachtet hat, ist das Dilemma des introvertierten Intuierer, dass er Angst davor hat, überhaupt weiterzufahren. Überhaupt haben introvertierte Intuierer einen engen Bezug zu Symbolik und sind demnach abstrakte Denker, die keine Schwierigkeiten damit haben, Dinge miteinander zu verknüpfen. Dementsprechend sind sie auch sehr auf die Zukunft fixiert, ähnlich wie die Ameise aus besagter Fabel, die ihr gegenwärtiges Wohl zugunsten ihrer Zukunft ausgibt. Wenn das introvertierte Intuieren zu unausgeglichen entwickelt ist, dass das extrovertierte Empfinden zu sehr unterdrückt wird, dann haben wir jedoch das Bild von der Ameise, die an Überanstrengung stirbt und es dadurch nicht einmal lebend in den Winter schafft. Man kann also sagen, wo der extrovertierte Empfinder Gefahr läuft kurzsichtig zu sein, ist der introvertierte Intuierer dem Risiko ausgesetzt, an Weitsichtigkeit zu leiden. Die Tragik bei seiner Zukunftszentriertheit ist, dass er die Früchte seiner Vorbereitungen nicht genießen werden kann, wenn er seinem extrovertierten Empfinden nicht ein wenig Platz zum Entwickeln lässt. Denn, ist er in der Zukunft angekommen, hat sich diese in die Gegenwart verwandelt, die zugunsten der nächsten Zukunft aufgegeben werden muss. Introvertierten Intuierern, die sich ungesund entwickelt haben, ist nicht bewusst, dass alles im Leben – und auch das Leben selbst, ein Verfallsdatum besitzt. Und wenn sie nicht lernen, sich auch mal gehen lassen zu können, werden all ihre Anstrengungen letztlich vergebens sein.

Extrovertiertes Intuieren / Introvertiertes Empfinden
Der extrovertierte Intuierer hat ein besonderes Talent dafür, Möglichkeiten zu entdecken. Dementsprechend ist er besonders begabt darin, zwischen den Zeilen lesen zu können und immer eine weitere Alternative zu finden, wenn andere glauben, es geht nicht mehr weiter. Seine größte Stärke ist jedoch auch seine größte Schwäche, wenn er sich nicht auf seine schwächer ausgeprägten Funktionen einlässt. Denn dann wird der extrovertierte Intuierer stets den Weg des geringsten Widerstands wählen. Was sich zunächst wie ein weiterer Vorteil anhören mag, kann sich bei näherem Hinsehen als ausgesprochen fatal erweisen: dass der einfachste Weg nicht immer der beste ist, liegt auf der Hand. Beachtet man die Tatsache, dass der extrovertierte Intuierer fast immer etwas Anderes zu tun findet, als das, was er im Moment eigentlich tun sollte, lässt sich schnell ableiten, dass es nicht von ungefähr kommt, dass extrovertierte Intuierer Schwierigkeiten damit haben, Projekte abzuschließen. Sie springen von einer Tätigkeit zur nächsten. Solange die Funktionen noch ausgeglichen entwickelt sind, mag das zu gesunder Abwechslung führen, aber es passiert schnell, dass jene Sprunghaftigkeit zur Gewohnheit wird und letztlich echten Fortschritt verwehrt. Die unterdrückte Funktion ist hier das introvertierte Empfinden, das ein Bestreben nach Beständigkeit entwickelt. Der extrovertierte Intuierer, der diese Funktion unterdrückt, ist jedoch zu schnell von Dingen, die dauerhaft sind gelangweilt – zu schnell erregen Nebensächlichkeiten seine Aufmerksamkeit. Ausdauer ist hier das Stichwort. Wenn der extrovertierte Intuierer seinem introvertierten Empfinden keinen Raum zur Entfaltung bietet, wird er im schlimmsten Fall nicht einmal den Sinn darin sehen, an einer Aufgabe festzuhalten.

Dem introvertierten Empfinder hingegen ist Sprunghaftigkeit schon fast ein Fremdwort. Er legt großen Wert auf Nachhaltigkeit, ähnlich wie der introvertierte Intuierer. Jedoch ist der introvertierte Empfinder eher auf die Vergangenheit fixiert – er lernt aus Erfahrungen und ist mit einem Baum zu vergleichen, der tiefe Wurzeln schlägt, um sicher in die Höhe wachsen zu können. Problematisch wird es nur, wenn der introvertierte Empfinder nur noch damit beschäftigt ist, Wurzeln schlagen zu lassen, aber sich nicht über die Oberfläche traut, aus Angst vor Neuem und Veränderung. Unterdrückt er sein extrovertiertes Intuieren, steht er Neuem gegenüber so skeptisch gegenüber, dass er es überhaupt nicht mehr zulässt. In diesem Fall stellt sich ein lähmender Stillstand in seinem Leben ein, da er ohne neuem Input eben auch keine weiteren Erfahrungen machen kann. Und während introvertierte Empfinder zwar viel Zeit und Rückzug brauchen, um neue Erfahrungen verarbeiten zu können, wachsen sie letztlich daran. Wie eine Pflanze darf man sie nicht mit Wasser ersticken, aber führt man einer Pflanze überhaupt keines mehr zu, verkümmert sie. Paradoxerweise müssen sie also ihrem extrovertierten Intuieren, welches neue Erfahrungen sammeln und die Dinge aus verschiedenen Perspektiven betrachten will, zumindest einige Freiheiten einräumen, damit ihre bevorzugte Funktion überhaupt ordentlich arbeiten kann. Im schlimmsten Falle wird aus dem introvertierten Empfinder sonst jemand, der wie ein Ertrinkender an der Vergangenheit festhält und nicht bereit dazu ist, unvermeidliche Veränderungen zu akzeptieren.

Letztendlich kann man sagen, dass ein wichtiger Schritt zur Selbstoptimierung der ist, vor allem die schwächer ausgeprägten Funktionen zu akzeptieren. Warum das uns manchmal so schwer fällt, liegt daran, dass wir Angst davor haben. Jene Funktionen fühlen sich unserem Wesen in vielen Fällen so entgegengesetzt an, dass wir fast schon physisches Unwohlsein beim bloßen Gedanken daran empfinden, uns auf sie einzulassen. Dabei ist genau das erforderlich, um sich ausgewogen entwickeln zu können. Konflikte entstehen seltener dadurch, dass wir nicht in der Lage sind, andere zu verstehen, sondern, weil wir sie nicht verstehen wollen. Denn das würde in einem Extremfall bedeuten, dass wir unsere Prinzipien zu einem Teil aufgeben müssten. Es ist hier schwierig, direkt bei sich selbst anzusetzen und zu versuchen, sich komplett aus eigener Kraft zu verändern. Der Verstand wird in Form der übermächtigen Funktion immer wieder Gründe finden, sich nicht zu verändern, die sich plausibel anhören. Einfacher geht es vor allem durch Wertschätzung. Dem INTJ, dem es schwer fällt, die Gegenwart zu genießen, wird dies leichter fallen, wenn er sieht, wie sehr der ESFP seine Freizeit genießen kann, während dieser Bewunderung für das beständige Durchhaltevermögen des INTJs aufbringen kann. Dem ISTP wird es möglicherweise leichter fallen, sich aus seiner Isolation herauszuziehen, wenn er erkennt, wie der ENFJ den Alltag seiner Mitmenschen durch aufrichtige Herzlichkeit ein wenig aufzuhellen vermag, während der ENFJ vom ISTP lernen kann, dass sich die Suche nach grundlegenden Wahrheiten lohnen kann, wenn er sieht, wie praktisch diese Wahrheiten in der Realität umzusetzen sind.

Kinder & Typologie

Interessant ist die Frage, inwiefern Kinder, deren Persönlichkeit sich erst entwickelt und gefestigt werden muss, überhaupt einzuordnen sind – oder ob man sie überhaupt einordnen kann. In der Regel kann man das bis zu einem gewissen Punkt, aber, wenn man sich schon bei Erwachsenen nie absolut sicher sein kann, sollte man das bei Kindern noch viel weniger sein. Inwiefern lässt sich die Typologie also auch auf Kinder anwenden?

Wie bereits erwähnt, verfügt jeder Mensch über einen sogenannten Primaten, also die Funktion, die am stärksten ausgeprägt ist und dementsprechend häufig und natürlich zum Einsatz kommt. In meiner pädagogischen Tätigkeit habe ich bei einigen Kindern, mit denen ich arbeite, auch den Primaten ausmachen können.

Extrovertiertes Denken
Kinder mit stark ausgeprägtem extrovertierten Denken sind sehr lebendig, laut und alles andere als schüchtern. Zwar erscheinen sie häufig als frech, aber tun sie das eher, um auszuloten, was sie sich bei verschiedenen Personen erlauben können, beziehungsweise, um hierarchische Gesellschaftsstrukturen erkennen zu können und weniger, um einfach nur Spaß an Dreistigkeiten zu haben. Sie nehmen in Kindergruppen häufig die Rolle des Anführers an oder versuchen das zumindest. Sie zeichnen sich durch einen starken Willen aus und man weiß bei ihnen schnell, woran man ist, was sie wollen und wie die Welt ihrer Meinung nach tickt. Sie schauen zu Erwachsenen hoch und sind, trotz des manchmal rebellischen Verhaltens in gewisser Weise sehr autoritätsgläubig, insofern, dass sie Dinge, die ein (ernst zu nehmender) Erwachsener sagt, nur sehr selten in Frage stellen.

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Geschlechterrollen & Typologie

Man kann und sollte nicht abstreiten, dass wir auch heute in Europa, das sich generell gerne als aufgeklärt und modern betrachtet, trotz aller emanzipatorischen Bewegungen immer noch klar definierte Geschlechterrollen haben. Wie stark, das hängt von verschiedenen Faktoren ab, so ist die Rolle der Frau, die sich um die Kinder und das Heim kümmert, zum Beispiel tendenziell eher in einem schwäbischen Dorf ausgeprägt, als in Berlin.

Dennoch dürfte immer noch jeder verstehen, was, in Bezug auf Persönlichkeit die Klischees von Mann & Frau ausmachen. Stereotypische Aussagen, wie: „Frauen sind einfach empathischer als Männer“ oder „Männer können besser einparken“ müsste ja jeder schon einmal gehört haben. Meine Frau wurde zum Beispiel mal gefragt, ob sie mal bei einer großen Veranstaltung, bei der ich mitgewirkt habe, auf eine Gruppe von Kindern aufpassen könne, mit der Begründung: „das könne sie ja bestimmt gut“. Der Veranstalter, die sie angefragt hat konnte sich bei der Begründung allerdings nicht auf irgendwelche Erfahrungen berufen, meine Frau und er kannten sich nämlich kaum. Er ging einfach mal davon aus – und ich vermute stark, das lag an der Kombination, dass meine Frau zum einen eher in sich gekehrt ist, also nicht unbedingt eine Persönlichkeit, die Kinder erschreckt und zum anderen eben eine Frau ist.

Isabel Myers, die gemeinsam mit ihrer Mutter die MBTI-Theorie aufgestellt hat, hat viele Statistiken erstellt, unter anderem auch, wie die Verhältnisse in der Typologie zwischen den Geschlechtern aussehen. Interessant ist dabei, dass in jenen Statistiken alle Präferenzen ziemlich ausgeglichen sind, außer der Fühler/Denker-Präferenz. So sind unter Frauen deutlich mehr Fühler ausgemacht worden und unter Männern mehr Denker. Ich will mich nicht so weit aus dem Fenster lehnen und die Statistiken grundsätzlich in Frage stellen – auch, wenn es gute Gründe dafür gibt, denn Tests in solchen Massen kann ich einfach nicht als wissenschaftliche Fakten ansehen. Ich glaube, um seinen Typen zu finden, benötigt es schon mehr, als 50 Ja/Nein Fragen. Aber, um zurück zum Thema zu kommen, es gibt traditionelle Bilder von Männern und Frauen und sollten die Statistiken wahr sein, dann würden diese die klassischen Persönlichkeitsrollen unterstützen: die Frau als mitfühlende Seele, die den Mann aufpeppelt und versteht, die gut und gefühlsbetont mit Kindern umgehen kann und dem Mann, der zwar nicht so gut in zwischenmenschlichem Quarks und Gefühlszeug ist, aber davon Ahnung vom „Rest der Welt“ hat und mit diesen Kenntnissen Frau und Kinder ernährt.

Solche Klischees haben allerdings Potential überaus schädlich zu sein für Männer mit Fühler-Präferenz und Frauen mit Denker-Präferenz. Es kann in ihnen das Gefühl entstehen, dass sie nicht normal seien, bzw dem Anspruch, den die Gesellschaft an sie hat, nicht gerecht werden. Jene Männer haben das Gefühl, sie müssen ihre Emotionen zurückstellen und die Frauen werden auf geschäftlicher Ebene nicht richtig ernst genommen. Glücklicherweise gibt es einige gesellschaftliche und wirtschaftliche Veränderungen, die gerade letzteres Problem etwas auszuhebeln versuchen, aber das Bild bleibt trotzdem in dem Archetyp der Frau verwurzelt. Eine unsichere Denkerfrau kann, selbst, wenn sie es zum Beispiel in eine einflussreiche Führungsetage geschafft hat, immer noch glauben, sie sei keine richtige Frau, weil sie „gewisse weibliche Seiten“ nicht habe.

Ich vermute, dass das Problem vor allem bei SJ-Typen auftritt. Zur kurzen Erklärung: SJ-Typen (ISFJ, ESFJ, ISTJ und ESTJ) sind Typen, die allgemein als „Bewahrer“ angesehen werden können und konservative Züge haben, das heißt, dass sie dazu neigen, bewährtes zu Bestätigen und Traditionen, Werte und Normen ihrer Eltern, bzw ihres akzeptierten Erziehungsumfeldes zu übernehmen. Dementsprechend greifen traditionelle Rollen noch stärker bei diesen Typen, da nach innen gerichtetes Empfinden (die S-Präferenz bei SJ) in verschiedene Kategorien einordnet, während nach außen gerichtetes Urteilen, sowohl Fühlen als auch Denken, sich an Normen orientiert. Insbesondere diese Typen kommen also, wenn sie eine geschlechteruntypische Fühler- oder Denkertendenz haben, in einen Rollenkonflikt. So wird Leistungsorientierung und Durchsetzungsvermögen eher maskulin eingeordnet, was zum Beispiel eigentlich natürliche Persönlichkeitszüge einer ESTJ-Frau wären. Da sie aber vom Bild geprägt sein könnte, Frauen müssten einfühlsam sein und gefühlsbetont, kann es dazu führen, dass sie krampfhaft versucht, ihre eigentlich schwach ausgeprägte Seite, in ihrem Fall das introvertierte Fühlen nach außen zu kehren. Das mag zwar auf der einen Seite auch positiv klingen, da besagte Frau an ihrer „natürlichen Schwäche“ feilt, aber eine Persönlichkeit – und dem wird jeder Psychologe zustimmen, egal, was er von der Typologie hält – kann sich nur gesund entwickeln, wenn sie nicht unterdrückt wird, alleine schon, weil es einem ESTJ viel mehr Energie kostet, die fühlende Seite herauszukehren, als die Fakten orientierte und vorwärtsgerichtete. Es kann demnach passieren, dass sich viele STJ-Frauen auf ersten Blick eher in einem Typ wiederfinden, der introvertiertes Fühlen repräsentiert, also zum Beispiel ISFP oder INFP, sich darin dann auch noch bestätigt fühlen und weiter in den Identitäts-Teufelskreislauf geraten. Noch ein Grund mehr, Online-Tests, die einfach nur auf maschinell ausgewerteten Analysen basieren, eher zu misstrauen.

Ich könnte nun auch noch Beispiele zu umgekehrten Fällen, wie männlichen ESFJs erklären, aber ich denke, die Problematik dürfte klar sein. Außerdem möchte ich nicht ausschließen, dass auch andere Typen, nicht nur SJs von diesem Rollenkonflikt betroffen sind – nur dieser wahrscheinlich am intensivsten. Ich mache mich womöglich etwas unbeliebt mit dieser These, deshalb will ich vorweg versichern, dass das nicht wertend gemeint ist: ich vermute, dass es auch einige Homosexuelle und Transvestiten gibt, die eventuell eine andere sexuelle Ausrichtung hätten, wenn sie nicht ständig von der Gesellschaft vermittelt bekommen hätten, was als „typisch weiblich“ und als „typisch männlich“ gilt. Ich denke nämlich auch, dass es kein Zufall ist, dass zum Beispiel viele schwule Männer recht emotional wirken, viele diese Seite ja geradezu zelebrieren, während Lesben im Ruf stehen, häufig einen auf „dicke Hose“ zu machen und (zumindest meiner beschränkten Erfahrung nach) recht selbstbewusst auftreten. Man sollte mich auch nicht falsch verstehen – ich bin nicht der Meinung, dass jede/r Homosexuelle in dieses Muster passt. So wird es beispielsweise bestimmt auch zB Lesben mit Fühler- und Schwule mit Denkertendenz geben und sicherlich hat es auch noch andere Gründe für Homosexualität. Ich glaube nur, dass es zumindest nicht wenige „Rollenflüchtige“ gibt, die sich aufgrund gesellschaftlicher Normen in einer bestimmten sexuellen Orientierung „zuhause“ fühlen und das Gefühl haben, sich dort auch richtig entfalten zu können.

Um mit einem weniger brisanten Fazit zu schließen, dem sich wohl jeder anschließen kann, bin ich der Meinung, dass es wichtig ist, über sich selbst nachzudenken, sich selbst besser kennen und verstehen zu versuchen und letztlich auch zu akzeptieren. Bringen wir dem Karpfen doch nicht bei zu fliegen und der Amsel zu schwimmen. Traditionelle Rollenverteilungen mögen damals in vielerlei Hinsicht ihre Gründe gehabt haben, man kann ja auch nicht leugnen, dass Mann und Frau sich auch biologisch schlicht und einfach unterscheiden, aber gerade in unserer heutigen Gesellschaft müssen wir uns nicht mehr darauf festsetzen. Wenn ein Mann Emotionen zeigt und eine Frau sachorientierte Objektivität, ist das nicht unmännlich oder unweiblich. Es sollte aber auch nicht lobend auf den Podest gestellt werden, weil damit wieder die „Besonderheit“ von etwas hervorgehoben wird, was mittlerweile eigentlich als absolute Normalität gelten sollte. Typologisches Denken sollte genau so wenig zum Monopol der Männer gemacht werden, wie typologisches Fühlen zu dem der Frauen.