Game of Thrones – Cersei Lannister (ESFJ)

Nachdem ich hier schon ein erschrockenes „Nie im Leben ist Cersei ein ESFJ!“ gelesen habe, dachte ich mir, ich begründe mal, wie ich zu meiner Vermutung komme. ESFJs werden von vielen Internetcommunities, die hauptsächlich aus Introverten und Intuierern besteht, häufig auch zu unrecht verurteilt und über einen Kamm geschert – man muss sich immer vor Augen halten, dass zwei Personen des selben Persönlichkeitstyps immer noch komplett unterschiedlich sein können, denn auch Generation, Geschlecht, Kultur, Intelligenz und Lebenserfahrung spielen eine große Rolle. Dementsprechend: ja, ESFJs sind nicht immer kuschelfreudige Gastgeber, die dich mit Herzlichkeit geradezu erschlagen und dir jeden Wunsch von den Lippen ablesen wollen. Manchmal sind es auch durchtriebene Manipulatoren. Und wenn man Pech hat, beides. Genug aber der Einleitung, legen wir direkt mal los.

Erste Funktion – Extrovertiertes Fühlen

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Cersei weiß, wann, wo und zu wem sie etwas zu sagen hat und das dürfte auch der Grund sein, warum sie sich trotz all den Feinden, die sie sich im Laufe der Geschichte gemacht hat, immer noch relativ gut in Kings Landing schlägt. Mit ihrer ersten Funktion, dem extr. Fühlen, erfasst sie schnell die Stimmung der anderen und ist viel mehr damit beschäftigt, zu analysieren, was andere von ihr denken, als was sie von sich selbst denkt. Selbstreflektion, wie man es von introvertierten Fühlern erwarten würde – wie beispielsweise ihrem Bruder Jaime (ESFP), sucht man bei ihr vergeblich, was ein Indiz für einen ungesund entwickelten ESFJs ist: wenn jemand nicht deiner Meinung ist, sich nicht an gesellschaftlichen Normen hält (und du weißt natürlich, welche das sind) oder dir schlicht und ergreifend unsympathisch ist, dann gibst du dich entweder nicht mit dieser Person ab oder du versuchst ihr, deinen Willen aufzuzwingen.

Insbesondere die Cersei aus den Romanen weiß, wie man Männer um den Finger wickelt und nutzt dieses Wissen auch geschickt aus, um an ihre Ziele zu kommen. Extrovertierte Fühler wissen allgemein häufig, welche Fäden sie ziehen müssen, um sich bei anderen beliebt zu machen und sind wahre Künstler darin, Sympathien für Personen vorzuspielen, die sie eigentlich nicht leiden können, was sie gleichzeitig zu geschickten Manipulatoren machen kann. Im späteren Verlauf der Handlung wirft Cersei auch viele dieser Masken ab, enthüllt ihre wahre Meinung gegenüber jenen, die ihr ihrer Meinung nach nicht mehr gefährlich werden können, bzw. keinen Nutzen mehr für sie haben.

Davon abgesehen könnte man sie zwar auch für eine extrovertierte Denkerin mit unterdrücktem FI halten, ein weiterer Punkt, der jedoch für extrovertiertes Fühlen spricht, ist, dass sie sich ständig von Ja-Sagern umgibt, die ihre Ansichten nach zumindest nach außen hin auch teilen. Extrovertierte Fühler sehnen sich nach Bestätigung von außen und sind schnell gekränkt, wenn sie nicht kommt. Sie gibt es wahrscheinlich nicht gerne zu, aber Cersei ist auch nicht gerne alleine – wenn ihr Bruder nicht ihr Bett wärmt, dann ihr Cousin Lancel oder ihre Spionin Taena Merryweather.

 

Zweite Funktion – Introvertiertes Empfinden

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Cersei ist vielleicht nicht originell, aber sie hat ein Faible für Running Gags

Cersei vergisst nichts und ist von ihren Erinnerungen getrieben. So verfolgt sie schon seit ihrer Kindheit die Vision der Wahrsagerin, vergisst kein Unrecht, das ihr angetan wurde – im Gegenteil, ihre Rachegelüste verzehren sie geradezu, und sie vergleicht sich stets mit ihrem De Facto Vorgänger, ihrem Vater Tywin Lannister (INTJ).

Man könnte schnell zur Vermutung kommen, dass sie introvertiertes Intuieren nutzt, aber dafür denkt sie zu pragmatisch, sucht nicht nach Symbolen oder versteckten Bedeitungen, sondern nimmt Dinge eher wörtlich. Sie verlässt sich lieber auf Erfahrung als auf Ahnungen und bei all ihrer Planung wird das auch bemerkbar. Selbst bei ihrem, wenn man es so sehen will, größtem Coup, als sie ihre Rivalin Maegary und den High Sparrow buchstäblich in die Luft jagt, hat sie diesen Schachzug im Grunde genommen von ihrem verhassten Bruder Tyrion übernommen und auf ihre Situation angewandt: eine Falle mit Wildfeuer. Sie zitiert häufig die „klugen Sprüche“ ihres Vaters und auch, wenn sie zu seinen Lebzeiten nicht immer einer Meinung mit ihm war, akzeptierte sie ihn stets als höchste Autoritätsperson, während ihr kleiner Bruder immer das „kleine Monster“ blieb. Diese Form des unflexiblen Schubladendenkens ist auch ein Anzeichen von einer ungesunden Entwicklung bei ESFJs, in diesem Falle speziell einer ungesunden Entwicklung des introvertierten Empfindens.

Dritte Funktion – Extrovertiertes Intuieren

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Auch, wenn es nicht ihre am stärksten ausgeprägteste Funktion ist, hilft das extrovertierte Intuieren Cersei dabei, hier und dort auch zwischen den Zeilen lesen zu können – hätte sie diese Fähigkeit überhaupt nicht, würde sie nicht so lange vom Nektar der Macht kosten können. Die Erfahrungen, die ihr  introvertiertes Empfinden sammelt, sowie die Eindrücke ihrer Umwelt durch extrovertiertes Fühlen werden durch ihr extrovertiertes Intuieren miteinander verknüpft und auf die gegenwärtige Situation angewendet. In vielerlei Hinsicht agieren sie und ihr kleiner Bruder (ENTP), der sie selben Funktionen hat, wie sie, gar nicht mal so sehr unterschiedlich, nur bezieht sich Cersei mehr auf ihre Erfahrungen und versucht es, das Risiko so weit wie es geht zu meiden. Auf der anderen Seite zeigt sich allerdings auch ihre dritte Funktion als nicht gesund ausbalanciert und häufig schleicht sich daher auch eine gewisse NE-geschuldete Paranoia in ihr Urteil, so sieht sie in fast jedem Unheil, das ihr widerfährt, die Finger von Tyrion.

Vierte Funktion – Introvertiertes Denken

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Cersei versucht verzweifelt, genauso ruhig kalkulierend wie ihr Vater vorzugehen und ausgerechnet ihre schwächste Funktion, das introvertierte Denken, ist ihr dabei noch die größte Hilfe. Problematisch wird es nur, wenn ihr narzisstisches extrovertiertes Fühlen in den Weg kommt und objektive Analysen dadurch verfälscht. Sie braucht viel Zeit für sich alleine, um ihre Gedanken ordnen und letztlich auch formulieren zu können. Nicht in jeder Hinsicht steht das extrovertierte Fühlen dem introvertierten Denken jedoch im Weg, so ist Cersei relativ geschickt darin, die Motive von ihren Mitmenschen zu erkennen und auszunutzen.

Es ist wahrscheinlich kein Zufall, dass sie später einen absolut archetypischen INTP-Nerd, den exilierten Maester Qyburn, zu ihrem wichtigsten Berater ernennt. Tatsächlich wurde sie seitdem gefühlt um einiges gefährlicher, da der Maester ihre schwächste Funktion durch seine Ratschläge und Ideen ausgleicht, bzw. unterstützt.

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Die 16 Typen und typische Berufe (P)

Den ersten Teil hatten wir ja bereits hier abgehandelt. Nun geht es um die Beobachter-Typen (Perceiving Types „P“).

ISTP & ESTP
STPs sehen durch ihr stark ausgeprägtes extrovertiertes Empfinden (SE) die Dinge noch am ehesten, wie sie im Hier und Jetzt sind und können durch ihre nüchterne Art auch in brenzligen Situationen einen kühlen Kopf bewahren. Das können unter Umständen zwar auch STJs sehr gut, aber im Gegensatz zu diesen können STPs auch mit ungewohnten, neuen Konflikten in der Regel gut umgehen. Ihr hoch ausgeprägtes SE verleiht ihnen einen Gespür für Gelegenheiten, für Details, die sonst nur wenige wahrnehmen und so ist es nicht ganz so erstaunlich, dass es auch viele STP-Unternehmer gibt. Auch unter Profisportlern findet man viele STPs, aber auch SFPs, da im Sport das extrovertierte Empfinden ausgelebt werden kann.

Es gibt allerdings mehr ESTPs unter diesen, die eher als People-Pleaser gelten als ihr introvertierter Geschwistertyp. Dementsprechend sind ESTPs auch besser darin, ihre Produkte, bzw sich selbst als Person zu vermarkten. Wie auch die ISTPs sind sie sehr gut geeignet für technische Berufe, in denen man direkt Hand anlegen kann, bevorzugen in der Regel aber Berufe, in denen man mit anderen Menschen arbeitet. Wie auch ESFPs sind ESTPs gerne dort, wo wirklich etwas los ist. Da sie dabei gleichzeitig auch einen kühlen Kopf bewahren können, sind sie zum Beispiel bei der Feuerwehr oder im Militär geschätzte Mitarbeiter, also bei Berufen, wo die meisten anderen schnell mal den Kopf verlieren. Wichtig ist hierbei nur, dass der ESTP sich Disziplin antrainiert.

Der ISTP hingegen arbeitet generell lieber alleine und genießt seine Unabhängigkeit. Viele ISTPs sind Freiberufler – Techniker und Analytiker sind zum Beispiel Berufe, die ihnen von Natur aus liegen. Interessant ist für ISTPs auch der Beruf des Piloten, der viel von der Welt sieht, hauptsächlich mit einer Maschine kommuniziert und dafür auch noch recht gut bezahlt wird.

INTP & ENTP
NTPs haben hohe Ansprüche, was ihre Arbeit angeht – sie muss abwechslungsreich sein, weil ihr extrovertiertes Intuieren (NE) sonst nicht mitmacht, dabei muss sie gleichzeitig eine Herausforderung darstellen, aber nicht zu viel Zeit einnehmen, da NTPs viel Wert auf Unabhängigkeit legen, und am besten ist es, wenn sie gleichzeitig auch noch ein Interessensgebiet anspricht. Klingt unmöglich, ist es aber nicht, da NTPs eine Menge Interessen haben. Die anderen drei Elemente (Abwechslung, Herausforderung, Unabhängigkeit) können zwar in der Regel nicht allesamt vollkommen befriedigt werden, aber es gibt einige Jobs, die das dennoch erlauben.

ENTPs haben soziale Fertigkeiten, die ihrem introvertierten Geschwistertypen eher fehlt, weshalb man auch häufiger ENTPs als Unternehmer antrifft. Ihre visionären Ideen hören sich aus ihrem Munde oftmals sehr erfolgsversprechend an und können es – wenn man genug Durchhaltevermögen mitbringt und natürlich das nötige Quäntchen Glück, sogar erfolgreich sein. Da sie von Natur aus neugierig, gesprächig und scharfsinnig sind, sollte man sich auch nicht wundern, dass der Job des Journalisten/Reporters viele ENTPs angezogen hat. Auch Anwälte können viel mit den Fähigkeiten eines ENTPs anfangen, die versuchen müssen, die Wahrheit von einem für ihren Mandanten möglichst positiven Licht erscheinen zu lassen.

INTPs strengt der Umgang mit anderen Menschen mehr an, weshalb sie eher nach Arbeit suchen, die sich mehr auf Dinge konzentriert. Gerade im geisteswissenschaftlichen Bereich findet man sie häufig in der Forschung, aber auch ab und an als Dozent. Denn, wenn sie ihre sozialen Hemmungen überwunden haben, können INTPs auch hervorragende Lehrer sein, vorausgesetzt, sie haben beim ausüben ihrer Tätigkeit genügend Freiraum für eigene Ideen. In der MBTI-Community wird der INTP auch Architekt genannt – was in Anbetracht der Anforderung von logischem, systematischem Denken (TI) und Vorstellungskraft (NE) ebenfalls Sinn macht. Während ENTPs eher gut im Reden sind, ziehen es INTPs eher vor, im Stillen zu schreiben.

ISFP & ESFP
„Künstler“ gibt es zwar bei jedem Persönlichkeitstyp, aber keiner spiegelt den Archetyp eines Künstlers so treffend wieder, wie der ISFP und der ESFP. Sie drücken ihre Gefühlswelt eher mit ihrem Körper, ihren Händen, ihrer Stimme aus, als mit Worten. Ihr extrovertiertes Empfinden gibt ihnen einen direkten Draht zur physischen Welt um sie herum und stattet sie mit einem praxisbezogenen Einfallsreichtum aus.

ESFPs stehen gerne im Rampenlicht – allerdings weniger, um sich zu profilieren, sondern eher, um ihre positive Energie mit anderen zu teilen. Sie wollen den Moment auskosten, genießen – und es wäre doch dämlich, wenn man das nicht auch mit anderen teilen könnte, nicht wahr? Dementsprechend findet man beispielsweise unter Musikern viele ESFPs. Nicht wenige suchen auch in der Karriere als Sportler ihr Glück – beispielsweise als Tänzer. Da sie gerne auf andere Menschen zugehen und einen ansteckenden Optimismus haben, eignen sie sich auch gut als Verkäufer.

ISFPs haben zwar auch einen Hang zu Musik, sind aber nicht unbedingt die geborenen „Rampensäue“. Ihnen ist es zwar auch wichtig, handgreiflich aktiv zu werden, aber dafür brauchen sie nicht unbedingt viele Menschen, mit denen sie dabei interagieren können. Der Beruf des Designers oder des Kunstmalers sind beispielsweise typische ISFP-Berufe, denn hier können sie ihrem introvertierten Fühlen direkt in der physischen Welt Ausdruck verleihen. Ihre praktische Art, gepaart mit ihrem sensiblen und einfühlsamen Wesen gibt ihnen hier ähnliche berufliche Vorlieben wie von ISFJs: auch in Pflegeberufen oder in der Kinderbetreuung sind häufig ISFPs zu finden.

INFP & ENFP
Weil es mir ehrlich gesagt schwer fällt, NFPs Berufen zuzuordnen – was auch der Grund ist, warum ihr so lange auf diesen Beitrag warten musstet – fass ich mich lieber kurz, bevor ihr gar nichts bekommt. Meine Schwierigkeit, NFPs Berufen zuzuordnen, liegt darin, dass sie auf der einen Seite sehr begeisterungsfähig, auf der anderen allerdings wieder äußerst sprunghaft sind. In meinen Augen sind sie daher am schwierigsten auf bestimmte Berufe festzunageln, weil man NFPs auch häufig Berufe ausüben sieht, die man tendenziell eher als unüblich für die Persönlichkeit erachten würde.

Was jedoch ein wieder kehrendes Muster ist: NFPs werden nicht zu Unrecht diplomatische Fähigkeiten zugesprochen, was zum einen an ihrem NE-bedingten Einfallsreichtum und zum anderen an ihrem FI-geschuldeten Einfühlungsvermögen liegt. Beide Typen können für gewöhnlich gut mit Worten umgehen – viele Autoren sind beispielsweise NFPs (Hemingway, Tolkien). Auch Musik, die tendenziell eher Text lastig ist, stammt oft von NFP-Musikern. Man findet sie aber häufig auch in Geisteswissenschaftlichen Bereichen.

ENFPs sind Projektmenschen, das heißt, sie verabscheuen Routine und arbeiten gerne an unterschiedlichen Dingen, mit unterschiedlichen Menschen. Sie sind eher gut im Konzipieren, als darin, Projekte auch selbst in die Hand zu nehmen und auch langweilige Details zu Ende zu führen. INFPs hingegen arbeiten lieber alleine oder zumindest mit wenigen Menschen. Sie fühlen sich häufig überfordert, wenn sie mit vielen verschiedenen Menschen auf einmal interagieren müssen. Beide Typen haben, wie bereits erwähnt auch einen Hang für die Sprache, wobei ENFPs lieber reden, INFPs hingegen Wörter lieber schreiben.

 

 

Wo ich *nicht* mit der Linken übereinstimme

Wie ich ja schon öfters erwähnt habe, gehöre ich zur Linkspartei. Gerade zu Zeiten wie diesen, wenn die Bundestagswahl ansteht und mein Diskussionsbedarf ausnahmsweise sogar annähernd gedeckt ist, merke ich, wie schnell pauschalisiert wird. „Du bist ein Linker, also […]“ – so beginnen auffällig viele Sätze meiner geliebten Diskussionspartner und ganz offen gestanden, langsam nervt es mich, mich immer wiederholen zu müssen.

Deshalb – in erster Linie für besagte Diskussionspartner – und in zweiter für meine regulären Leser, denn ich habe schon lange nichts mehr gebloggt – hier eine Zusammenfassung, mit welchen Positionen der Partei „Die Linke“ ich nicht übereinstimme.

Bevor ihr jetzt allerdings weiter lest, will ich noch etwas Wichtiges sagen: meiner Meinung nach sind die genannten Punkte wirklich das geringere Übel. Bei so gut wie allen anderen Positionen gehe ich mit der Linken konform und will hier auch nochmal deutlich empfehlen, dass sie meiner Meinung nach die mit Abstand beste Wahl ist, wenn man sich ein gerechtes und nachhaltiges Deutschland wünscht.

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Wenn unser Kind dann auf der Welt ist…

…und es sind nur noch knapp vier Monate bis dahin, dann werde ich zusehen, dass es nach allen Regeln der deutschen Kunst erzogen wird, damit es sich in unserer Heimat wohlfühlen kann und schön angepasst ist.

Die Menge und Qualität des Essens wird sich dann später in der Leistung wiederspiegeln: eine 4 in Mathe? Hier hast du zwei Scheiben Toastbrot mit einem großen Blatt Salat. Die Gesellschaft soll wieder etwas tun, für ihr täglich Brot und nicht, wie ein Parasit vom Geld des schwer schaffenden Steuerzahlers leben! Aber bevor jetzt jemand verächtlich die Nase rümpft – die Noten sind natürlich relativ. Eine 4 in Mathe bedeutet Toast mit Salat, wenn es im Gymnasium ist. In der Hauptschule wird das bereits das Höchste der Gefühle sein. Ich will nicht, dass mein Kind so desillusioniert, wie unsere Gesellschaft sein wird: natürlich ist sozialer Aufstieg möglich! Du musst nur hart genug arbeiten! Und wenn es eine geistige Behinderung hat, fragst du mich? Na und? Forrest Gump hat ein erfolgreiches Unternehmen gegründet! Und nicht nur das. Was? Ist mir doch egal, dass Forrest Gump fiktiv ist. Wichtig ist die Ideologie, die hinter dem Film steckt: keine Ausreden. Wer nicht erfolgreich ist, der ist selbst schuld.

Und schiebe mögliches Versagen dann bloß nicht auf die Eltern – weder die finanziellen Mittel, noch der Bildungsstand oder die Zeit der Eltern fürs Kind spielen eine ernst zunehmende Rolle beim Werdegang des Nachzüglers. Nur, weil ich ein dummes, asoziales Arschloch bin, bedeutet das nicht, dass mein Kind dadurch weniger Chancen im Leben haben wird.

Oh – und besonders interessant wird es, sollte dann ein kleines Geschwisterchen kommen. Ich werde nicht den Fehler machen, den so viele Eltern tun – denn wie heuchlerisch ist es, seine Kinder „gleich zu behandeln“? Gleichheit ist eine sozialistische Lüge. Niemand ist gleich – jeder ist individuell, bringt individuelle Leistung und wird entsprechend individuell behandelt! Tendenziell werden Mädchen weniger Taschengeld bekommen, sonst wird später die große Ernüchterung kommen, dass es im „echten Leben“ (umgangssprachlich für „Berufsleben“) ja anders sei. Das größte Zimmer bekommt aber trotzdem das Kind, das die besten Leistungen erbringt. Das andere zieht in den Geräteraum. Und wehe, jemand sagt dann, das sei unmenschlich. Wir werden die Geräte, die davor dort standen ja auch irgendwohin räumen müssen. Das kostet genauso Platz, wie sozialer Wohnungsbau Geld kostet, das eigentlich dafür ausgegeben werden sollte, unsere Leistungsträger noch mehr zu fördern. Aber nur, weil ich kein Gutmensch bin, bin ich ja nur ein Schlechtmensch, kein Unmensch.

Und deshalb werde ich am 24. September CDU, FDP oder AfD wählen, damit mein Kind meine Erziehung im späteren Leben dann auch praktisch umsetzen kann. SPD und Grüne könnte man sich mittlerweile auch überlegen, langsam scheinen sie auch zu verstehen, wie der Hase hier läuft.

Aber auf keinen Fall wähle ich die Linke.

*Ironiemodus aus. Und ich habe nicht einmal über das Gesundheitssystem geschrieben.

 

 

Bist du ein mündiger Verbraucher?

Die Frage ist bewusst provokativ – und um nicht vom hohen Ross herabzupredigen, will ich gleich Eines vorwegnehmen: ich bin es jedenfalls nicht. Ich mache eine Menge falsch. Viel unbewusst und viel auch in wissentlich. Kann man mich dafür tadeln? Nunja, wer ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein. Mich höflich und frei von Wertung auf bestimmte Fehltritte hinweisen ist wiederum ist eine ganz andere Geschichte. Dinge, die ich heute bewusst falsch mache, nagen eventuell lange genug an meinem Gewissen, dass ich sie morgen richtig (oder zumindest richtiger) angehe. Oder ich habe am nächsten Tag genug Kraft und/oder Zeit dafür, mich besser zu verhalten und mache eine gute Angewohnheit daraus. Aber ich muss erst einmal wissen, um nach neuen Erkenntnissen handeln zu können. Viele Dinge überraschen und sind alleine, weil sie so erstaunlich sind bereits wissenswert. Hier sind einige solcher Informationen:

Wusstest du, dass in einem Kilogramm Rindfleisch, mal ganz abgesehen von der benötigten Weidefläche und der Arbeit, die ein Farmer zu leisten hat, um die 15.000 Liter Wasser erforderlich sind? Bei so hohen Zahlen fällt es einem schwer, sich vorzustellen, wie viel das eigentlich ist: mehr als zehn gefüllte Badewannen Wasser. Und das ist nur das Wasser. Weideland, Getreide und Arbeitskraft braucht das Kilogramm Rindfleisch ebenfalls.

Wusstest du, dass Kohlekraftwerke für 7% des gesamten Wasserverbrauchs verantwortlich sind? Davon könnte man eine Milliarde Menschen mit Wasser versorgen. Wusstest du, dass du standardmäßig Strom über einen Kohlekraftanbieter erhältst, bis du auf eine Alternative wechselst?

Wusstest du, dass jährlich über 200 Millionen Tonnen Plastik hergestellt werden? Auf einer Fläche, so groß wie Zentraleuropa schwimmt im Pazifik ein Meer aus Plastik. Müssen wir tatsächlich in Plastik abgepacktes Obst und Gemüse kaufen? Plastikflaschen? Plastik scheint uns überall im Alltag zu begleiten, aber es gibt in der Regel genügend alternative Optionen, bei denen wir die Nachfrage an Plastikprodukten verringern können.

Wusstest du, dass der durchschnittliche deutsche Haushalt jährlich mittlerweile mindestens 21 Kilogramm Elektroschrott wegwirft? Wir können auch versuchen, Dinge zu reparieren, statt sie wegzuwerfen. Nicht immer auf das neueste Mobilfunkgerät anspringen, wenn das alte doch auch noch funktionstüchtig ist. Oder Haushaltsgeräte kaufen, die vielleicht ein wenig teurer sind, aber dafür langlebiger. Am Ende ist es doch so auch weniger umständlich. Vor allem, wenn man weiter und global denkt.

Es geht weiter. Es gibt viele Dinge, die ich hier noch aufzählen könnte, aber ich will dich nicht mit Informationen erschlagen. Ich will dir zeigen, dass es sich lohnt, über alles, was du tust, nachzudenken. Was brauchst du tatsächlich? Wo kannst du besser investieren? Worauf kannst du verzichten?

Wir tappen im Dunkeln, gehen naiv wie Kinder durch den Supermarkt und wissen die meiste Zeit gar nicht, welchen Schaden wir anrichten. Unmündig eben. Aber wir können zumindest anfangen, erwachsen zu werden, auch, wenn der Prozess es erfordert, inne zuhalten und zu reflektieren. Sich zu bilden. Auf Dinge zu verzichten. Aber es lohnt sich. Wir haben keine Ersatz-Erde übrig, auf die wir zugreifen können, wenn wir diese zerstört haben. Um zu mündigen Vebrauchern zu werden, zu reifen Konsumenten, müssen wir nicht perfekt sein – aber wir können alleine schon beim Versuch, es zu werden, eine unglaubliche Menge erreichen!
Das Argument „wir können nicht alles richtig machen, also versuch ich es erst gar nicht“ zieht nicht. Wenn zwei Leute, die monatlich z.B. 500 Gramm Rindfleisch essen auf die Hälfte verzichten, dann ist das von den Zahlen her genau so, als hätte einer von beiden gänzlich auf Rindfleisch verzichtet.
Hoffentlich versuchst du gemeinsam mit mir gemeinsam das Ideal anzustreben. Wir werden Fehler machen, wir werden hier und dort mal nachgeben und uns wieder aufrappeln müssen – aber hoffentlich nie aufgeben. Und am Ende werden wir zu denjenigen gehören, die gekämpft haben.

Quellen:
https://www.welt.de/wissenschaft/article6012574/Ein-Kilo-Rindfleisch-kostet-15-000-Liter-Wasser.html

https://www.greenpeace.de/presse/presseerklaerungen/greenpeace-report-kohlekraftwerke-verbrauchen-trinkwasser-fuer-eine

https://www.verbraucherzentrale.de/kunststoffe?i=6

https://www.welt.de/wissenschaft/article701251/Riesige-Flaeche-Plastikmuell-schwimmt-im-Pazifik.html

https://de.statista.com/infografik/2278/elektroschrott-aufkommen-in-ausgewaehlten-laendern/

Projekt: Vegetarismus (6. Monat)

Der aufmerksame Leser hat vielleicht bemerkt, dass das „Pseudo“ aus dem Pseudo-Vegetarismus mittlerweile verschwunden ist. Nachdem mich Cordula (Hier ihr Blog) dazu angeregt hat, mich mal darüber zu erkundigen, was Fischfang mit unserem Planeten macht und wie grausam man mit den Fischen umgeht (was mir eigentlich schon immer klar war), habe ich auch einfach keine Lust mehr auf Fisch gehabt.

Es tut mir wirklich leid, dass ich nicht schon früher zu diesem Thema weiter geschrieben habe, irgendwo war’s doch auch recht spannend und auch ab und an eine Herausforderung, aber erstens habe ich meistens vergessen darüber zu schreiben und wenn ich gerade mal daran gedacht habe, dann hatte ich entweder keine Zeit oder… ich geb’s zu, oder ich war zu bequem. So, hier aber meine gefühlte Zusammenfassung über das vergangene halbe Jahr (so in etwa) in Bezug auf meine Fleischabstinenz.

Nur soviel vorweg, damit es auch jeder weiß, auch diejenigen, die es eigentlich nicht interessiert und diesen Beitrag nur überfliegen: es war leichter als erwartet.

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Die 16 Typen und typische Berufe (J)

Nachdem jetzt schon mehrere Male die Frage aufkam, welche Berufe denn zu welchem Typ passen, wage ich mich an das zugegebenermaßen sehr ambitionierte Projekt, jedem Persönlichkeitstyp verschiedene Beispiel(!)berufe zuzuordnen, die typisch für sie sind. Mitsamt einer knappen Erklärung, wie ich darauf komme.

Ich will hier noch kurz betonen, dass es sich nicht um eine Empfehlung handelt, dafür bin ich definitiv nicht der richtige Ansprechspartner. Man muss bedenken, dass sich alle Menschen, auch diejenigen, die den gleichen Typ haben, voneinander unterscheiden, andere Hintergründe und Eigenarten haben, so dass es durchaus vorkommen kann, dass sich ein Typ entgegen aller Erwartungen sehr wohl an einem für ihn „untypischen“ Arbeitsplatz fühlt. Ich bin zum Beispiel sehr glücklich mit meinem Job als Musiklehrer, der permanent Umgang mit Mitmenschen erfordert, obwohl das laut meiner Typenbeschreibung als sehr anstrengend und daher ungünstig gilt. Es ist eine Herausforderung, aber nichts woran ich mich persönlich nicht gewöhnen konnte und vor allem etwas, woran ich wachsen konnte und immer noch kann. Wenn also ein INTJ gerne Krankenpfleger oder ein ISFP Philosophiestudent werden will, dann werde ich nicht sagen: „Um Gottes Willen, bloß nicht!“. Ich würde dann auf die Herausforderungen deuten, aber hinterher auch betonen: „Mach dir bewusst, dass es dich auf die Probe stellen wird, aber wenn es dein Traum ist, dann versuch es auf jeden Fall!“

In diesem Falle. Viel Spaß beim Lesen!

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Der Herr der Ringe – Gandalf (INTJ)

INTJs werden, insbesondere, wenn es um fiktive Charaktere geht, gerne die Rollen der fiesen Schurken zugewiesen, die finstere Pläne schmieden, um die Weltherrschaft an sich zu reißen. Um dieses Klischee zu brechen, habe ich mich dazu entschieden, unseren liebsten, pfeiferauchenden Magier als Gegenbeispiel zu verwenden: Gandalf. Egal, ob grau oder weiß, auch, wenn er nach seinem Date mit dem Balrog hier und dort ein wenig anderes drauf ist – selbst eine Reinkarnation spült einen Persönlichkeitstypen offensichtlich nicht fort.

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„Mein INTP funktioniert nicht mehr“ – Warum dieser Persönlichkeitstyp so „socially awkward“ ist

Es liegt nicht daran, dass wir INTPs nicht etwa an anderen Menschen interessiert sind. Wir interessieren uns nur von einem anderen Standpunkt aus, der allerdings von den meisten Mitmenschen nicht wahrgenommen oder falsch verstanden wird. Wir halten uns ungern mit Höflichkeitsformeln und Etikette auf, etwas, was wir eher als lästig und durch und durch als oberflächlich betrachten. Als ich meine Tätigkeit als Musikschullehrer begann, war ich dazu gezwungen, meine Smalltalk-Fähigkeiten zumindest auszubauen und mehr auf soziale Normen zu achten. Daher bin ich jetzt dazu in der Lage, diesen Konfliktpunkt – INTPs und Kommunikation – etwas differenzierter anzugehen.

Ich weiß, ihr liebt alle Beispiele und die folgen auch noch, aber bevor ich welche bringe, werde ich erstmal die grundsätzlichen Schwierigkeiten schildern, die ein INTP im sozialen Umgang hat.

Wir sind Denkertypen und das ganz schön ausgeprägt. Wir sind uns manchmal selbst nicht darüber bewusst, wie wichtig uns Logik ist. Alles muss Sinn ergeben, alles muss erklärbar sein. Wir sind neugierig, wenn wir etwas nicht verstehen, also stellen wir unangenehme Fragen, ohne uns über die emotionalen Konsequenzen, die in der Frage mitschwingen könnten, Gedanken zu machen. Das bedeutet auch umgekehrt, dass wir emotionalen Kontext oft einfach übersehen oder tatsächlich sogar knallhart ignorieren, wenn wir merken, dass unser Gegenüber nicht dazu in der Lage oder im Stande ist, diesen verständlich zu erklären. Wir wollen zum Kern der Sache.

Das heißt nicht, dass wir eiskalte, unempathische Wesen sind! Wenn wir dazu in der Lage sind und wir sehen, dass es auch wirklich sinnvoll ist, helfen wir unseren Mitmenschen gerne, auch, wenn, was uns selbst angeht, allerhöchstens das Gewissen davon profitieren könnte. Aber im „wenn es auch wirklich sinnvoll ist“ liegt der Hase begraben. Wir sind nicht dazu bereit, Anstrengungen auf uns zu nehmen, wenn wir nicht wirklich wissen, wozu eigentlich. Und „Anstrengungen“ sind für uns selbst nette Gesten wie Umarmungen.

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Die Area-of-Effect-Lösung für’s Umarmen: einfach winken!

Weil ich weiß, wie kurz die Aufmerksamkeitsspanne des gemeinen Lesers sein kann, komme ich direkt zum praktischen Beispiel. Damit ihr aber auch wirklich davon etwas habt, bzw. die INTPs in eurem Umfeld, gebe ich unter jedem Beispiel auch noch eine Erklärung, warum sich der INTP wahrscheinlich so, wie im Beispiel verhalten hat.

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Adolf Hitler – INFJ

Dieser Beitrag könnte nun einigen INFJ sauer aufstoßen, weil sie sich in ein schlechtes Licht gerückt fühlen könnten, aber im Grunde genommen ist es nur konsequent, wenn man verdeutlicht bekommt, dass jeder Persönlichkeitstyp auch seine schwarzen Schafe hervorbringt. Ich könnte ja auch darüber schreiben, wie toll Mahatma Gandhi oder Martin Luther King, beide höchstwahrscheinlich INFJs waren, aber ganz ehrlich, zum einen ist es hilfreich, die Funktionen auch in Personen zu erkennen, für die man keine Sympathien übrig hat, zum anderen ist das manchmal – und wie ich finde, auch in diesem Falle – interessanter.

Also. Here we go. Hitler war ein INFJ und hier ist meine Analyse. Wenn jemand nicht zustimmt, bin ich gespannt auf Argumente.

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