Wo ich *nicht* mit der Linken übereinstimme

Wie ich ja schon öfters erwähnt habe, gehöre ich zur Linkspartei. Gerade zu Zeiten wie diesen, wenn die Bundestagswahl ansteht und mein Diskussionsbedarf ausnahmsweise sogar annähernd gedeckt ist, merke ich, wie schnell pauschalisiert wird. „Du bist ein Linker, also […]“ – so beginnen auffällig viele Sätze meiner geliebten Diskussionspartner und ganz offen gestanden, langsam nervt es mich, mich immer wiederholen zu müssen.

Deshalb – in erster Linie für besagte Diskussionspartner – und in zweiter für meine regulären Leser, denn ich habe schon lange nichts mehr gebloggt – hier eine Zusammenfassung, mit welchen Positionen der Partei „Die Linke“ ich nicht übereinstimme.

Bevor ihr jetzt allerdings weiter lest, will ich noch etwas Wichtiges sagen: meiner Meinung nach sind die genannten Punkte wirklich das geringere Übel. Bei so gut wie allen anderen Positionen gehe ich mit der Linken konform und will hier auch nochmal deutlich empfehlen, dass sie meiner Meinung nach die mit Abstand beste Wahl ist, wenn man sich ein gerechtes und nachhaltiges Deutschland wünscht.

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Wenn unser Kind dann auf der Welt ist…

…und es sind nur noch knapp vier Monate bis dahin, dann werde ich zusehen, dass es nach allen Regeln der deutschen Kunst erzogen wird, damit es sich in unserer Heimat wohlfühlen kann und schön angepasst ist.

Die Menge und Qualität des Essens wird sich dann später in der Leistung wiederspiegeln: eine 4 in Mathe? Hier hast du zwei Scheiben Toastbrot mit einem großen Blatt Salat. Die Gesellschaft soll wieder etwas tun, für ihr täglich Brot und nicht, wie ein Parasit vom Geld des schwer schaffenden Steuerzahlers leben! Aber bevor jetzt jemand verächtlich die Nase rümpft – die Noten sind natürlich relativ. Eine 4 in Mathe bedeutet Toast mit Salat, wenn es im Gymnasium ist. In der Hauptschule wird das bereits das Höchste der Gefühle sein. Ich will nicht, dass mein Kind so desillusioniert, wie unsere Gesellschaft sein wird: natürlich ist sozialer Aufstieg möglich! Du musst nur hart genug arbeiten! Und wenn es eine geistige Behinderung hat, fragst du mich? Na und? Forrest Gump hat ein erfolgreiches Unternehmen gegründet! Und nicht nur das. Was? Ist mir doch egal, dass Forrest Gump fiktiv ist. Wichtig ist die Ideologie, die hinter dem Film steckt: keine Ausreden. Wer nicht erfolgreich ist, der ist selbst schuld.

Und schiebe mögliches Versagen dann bloß nicht auf die Eltern – weder die finanziellen Mittel, noch der Bildungsstand oder die Zeit der Eltern fürs Kind spielen eine ernst zunehmende Rolle beim Werdegang des Nachzüglers. Nur, weil ich ein dummes, asoziales Arschloch bin, bedeutet das nicht, dass mein Kind dadurch weniger Chancen im Leben haben wird.

Oh – und besonders interessant wird es, sollte dann ein kleines Geschwisterchen kommen. Ich werde nicht den Fehler machen, den so viele Eltern tun – denn wie heuchlerisch ist es, seine Kinder „gleich zu behandeln“? Gleichheit ist eine sozialistische Lüge. Niemand ist gleich – jeder ist individuell, bringt individuelle Leistung und wird entsprechend individuell behandelt! Tendenziell werden Mädchen weniger Taschengeld bekommen, sonst wird später die große Ernüchterung kommen, dass es im „echten Leben“ (umgangssprachlich für „Berufsleben“) ja anders sei. Das größte Zimmer bekommt aber trotzdem das Kind, das die besten Leistungen erbringt. Das andere zieht in den Geräteraum. Und wehe, jemand sagt dann, das sei unmenschlich. Wir werden die Geräte, die davor dort standen ja auch irgendwohin räumen müssen. Das kostet genauso Platz, wie sozialer Wohnungsbau Geld kostet, das eigentlich dafür ausgegeben werden sollte, unsere Leistungsträger noch mehr zu fördern. Aber nur, weil ich kein Gutmensch bin, bin ich ja nur ein Schlechtmensch, kein Unmensch.

Und deshalb werde ich am 24. September CDU, FDP oder AfD wählen, damit mein Kind meine Erziehung im späteren Leben dann auch praktisch umsetzen kann. SPD und Grüne könnte man sich mittlerweile auch überlegen, langsam scheinen sie auch zu verstehen, wie der Hase hier läuft.

Aber auf keinen Fall wähle ich die Linke.

*Ironiemodus aus. Und ich habe nicht einmal über das Gesundheitssystem geschrieben.

 

 

Bist du ein mündiger Verbraucher?

Die Frage ist bewusst provokativ – und um nicht vom hohen Ross herabzupredigen, will ich gleich Eines vorwegnehmen: ich bin es jedenfalls nicht. Ich mache eine Menge falsch. Viel unbewusst und viel auch in wissentlich. Kann man mich dafür tadeln? Nunja, wer ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein. Mich höflich und frei von Wertung auf bestimmte Fehltritte hinweisen ist wiederum ist eine ganz andere Geschichte. Dinge, die ich heute bewusst falsch mache, nagen eventuell lange genug an meinem Gewissen, dass ich sie morgen richtig (oder zumindest richtiger) angehe. Oder ich habe am nächsten Tag genug Kraft und/oder Zeit dafür, mich besser zu verhalten und mache eine gute Angewohnheit daraus. Aber ich muss erst einmal wissen, um nach neuen Erkenntnissen handeln zu können. Viele Dinge überraschen und sind alleine, weil sie so erstaunlich sind bereits wissenswert. Hier sind einige solcher Informationen:

Wusstest du, dass in einem Kilogramm Rindfleisch, mal ganz abgesehen von der benötigten Weidefläche und der Arbeit, die ein Farmer zu leisten hat, um die 15.000 Liter Wasser erforderlich sind? Bei so hohen Zahlen fällt es einem schwer, sich vorzustellen, wie viel das eigentlich ist: mehr als zehn gefüllte Badewannen Wasser. Und das ist nur das Wasser. Weideland, Getreide und Arbeitskraft braucht das Kilogramm Rindfleisch ebenfalls.

Wusstest du, dass Kohlekraftwerke für 7% des gesamten Wasserverbrauchs verantwortlich sind? Davon könnte man eine Milliarde Menschen mit Wasser versorgen. Wusstest du, dass du standardmäßig Strom über einen Kohlekraftanbieter erhältst, bis du auf eine Alternative wechselst?

Wusstest du, dass jährlich über 200 Millionen Tonnen Plastik hergestellt werden? Auf einer Fläche, so groß wie Zentraleuropa schwimmt im Pazifik ein Meer aus Plastik. Müssen wir tatsächlich in Plastik abgepacktes Obst und Gemüse kaufen? Plastikflaschen? Plastik scheint uns überall im Alltag zu begleiten, aber es gibt in der Regel genügend alternative Optionen, bei denen wir die Nachfrage an Plastikprodukten verringern können.

Wusstest du, dass der durchschnittliche deutsche Haushalt jährlich mittlerweile mindestens 21 Kilogramm Elektroschrott wegwirft? Wir können auch versuchen, Dinge zu reparieren, statt sie wegzuwerfen. Nicht immer auf das neueste Mobilfunkgerät anspringen, wenn das alte doch auch noch funktionstüchtig ist. Oder Haushaltsgeräte kaufen, die vielleicht ein wenig teurer sind, aber dafür langlebiger. Am Ende ist es doch so auch weniger umständlich. Vor allem, wenn man weiter und global denkt.

Es geht weiter. Es gibt viele Dinge, die ich hier noch aufzählen könnte, aber ich will dich nicht mit Informationen erschlagen. Ich will dir zeigen, dass es sich lohnt, über alles, was du tust, nachzudenken. Was brauchst du tatsächlich? Wo kannst du besser investieren? Worauf kannst du verzichten?

Wir tappen im Dunkeln, gehen naiv wie Kinder durch den Supermarkt und wissen die meiste Zeit gar nicht, welchen Schaden wir anrichten. Unmündig eben. Aber wir können zumindest anfangen, erwachsen zu werden, auch, wenn der Prozess es erfordert, inne zuhalten und zu reflektieren. Sich zu bilden. Auf Dinge zu verzichten. Aber es lohnt sich. Wir haben keine Ersatz-Erde übrig, auf die wir zugreifen können, wenn wir diese zerstört haben. Um zu mündigen Vebrauchern zu werden, zu reifen Konsumenten, müssen wir nicht perfekt sein – aber wir können alleine schon beim Versuch, es zu werden, eine unglaubliche Menge erreichen!
Das Argument „wir können nicht alles richtig machen, also versuch ich es erst gar nicht“ zieht nicht. Wenn zwei Leute, die monatlich z.B. 500 Gramm Rindfleisch essen auf die Hälfte verzichten, dann ist das von den Zahlen her genau so, als hätte einer von beiden gänzlich auf Rindfleisch verzichtet.
Hoffentlich versuchst du gemeinsam mit mir gemeinsam das Ideal anzustreben. Wir werden Fehler machen, wir werden hier und dort mal nachgeben und uns wieder aufrappeln müssen – aber hoffentlich nie aufgeben. Und am Ende werden wir zu denjenigen gehören, die gekämpft haben.

Quellen:
https://www.welt.de/wissenschaft/article6012574/Ein-Kilo-Rindfleisch-kostet-15-000-Liter-Wasser.html

https://www.greenpeace.de/presse/presseerklaerungen/greenpeace-report-kohlekraftwerke-verbrauchen-trinkwasser-fuer-eine

https://www.verbraucherzentrale.de/kunststoffe?i=6

https://www.welt.de/wissenschaft/article701251/Riesige-Flaeche-Plastikmuell-schwimmt-im-Pazifik.html

https://de.statista.com/infografik/2278/elektroschrott-aufkommen-in-ausgewaehlten-laendern/

Die 16 Typen und typische Berufe (J)

Nachdem jetzt schon mehrere Male die Frage aufkam, welche Berufe denn zu welchem Typ passen, wage ich mich an das zugegebenermaßen sehr ambitionierte Projekt, jedem Persönlichkeitstyp verschiedene Beispiel(!)berufe zuzuordnen, die typisch für sie sind. Mitsamt einer knappen Erklärung, wie ich darauf komme.

Ich will hier noch kurz betonen, dass es sich nicht um eine Empfehlung handelt, dafür bin ich definitiv nicht der richtige Ansprechspartner. Man muss bedenken, dass sich alle Menschen, auch diejenigen, die den gleichen Typ haben, voneinander unterscheiden, andere Hintergründe und Eigenarten haben, so dass es durchaus vorkommen kann, dass sich ein Typ entgegen aller Erwartungen sehr wohl an einem für ihn „untypischen“ Arbeitsplatz fühlt. Ich bin zum Beispiel sehr glücklich mit meinem Job als Musiklehrer, der permanent Umgang mit Mitmenschen erfordert, obwohl das laut meiner Typenbeschreibung als sehr anstrengend und daher ungünstig gilt. Es ist eine Herausforderung, aber nichts woran ich mich persönlich nicht gewöhnen konnte und vor allem etwas, woran ich wachsen konnte und immer noch kann. Wenn also ein INTJ gerne Krankenpfleger oder ein ISFP Philosophiestudent werden will, dann werde ich nicht sagen: „Um Gottes Willen, bloß nicht!“. Ich würde dann auf die Herausforderungen deuten, aber hinterher auch betonen: „Mach dir bewusst, dass es dich auf die Probe stellen wird, aber wenn es dein Traum ist, dann versuch es auf jeden Fall!“

In diesem Falle. Viel Spaß beim Lesen!

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Der Herr der Ringe – Gandalf (INTJ)

INTJs werden, insbesondere, wenn es um fiktive Charaktere geht, gerne die Rollen der fiesen Schurken zugewiesen, die finstere Pläne schmieden, um die Weltherrschaft an sich zu reißen. Um dieses Klischee zu brechen, habe ich mich dazu entschieden, unseren liebsten, pfeiferauchenden Magier als Gegenbeispiel zu verwenden: Gandalf. Egal, ob grau oder weiß, auch, wenn er nach seinem Date mit dem Balrog hier und dort ein wenig anderes drauf ist – selbst eine Reinkarnation spült einen Persönlichkeitstypen offensichtlich nicht fort.

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„Mein INTP funktioniert nicht mehr“ – Warum dieser Persönlichkeitstyp als faul gilt

Ich wollte unbedingt mal wieder etwas posten, aber habe gerade absolut keinen Nerv für Prosa, daher darf ich euch mit einem weiteren INTP-Artikel beglücken. „Na toll!“, mag nun der ein oder andere sagen. „Ich weiß doch gar nicht mehr wirklich (wenn ich es jemals wusste), was ein INTP ist!“

Kurze Erklärung – ein INTP , das ist einer von 16  Persönlichkeitstypen, zu dem ich mich zähle. Und da es uns leider nur sehr selten gibt und wir zumal eher zurückhaltende Menschen (?) sind, werden wir häufig missverstanden.

Da ich zur Zeit enooorm frustriert darüber bin, wie häufig das passiert und Situationen, die für alle Beteiligten blöd sind vermieden werden könnten, wenn man mich besser verstehen würde, fange ich jetzt einfach mal mit einer Serie „Mein INTP funktioniert nicht mehr“ an. Weil ich sehr egozentrisch bin. Und bevor Vorwürfe kommen – die Situationen könnten natürlich auch vermieden werden, wenn ich andere besser verstehen würde, das ist doch auch klar. Was glaubt ihr, warum ich mich so intensiv mit dem Thema beschäftige?

Also. Zur Titelfrage: warum gelten wir INTPs als faul?

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Typologie – Typische Feindbilder

Man müsste ja eigentlich meinen, dass einen Fühlertypen vor allem Denkertypen aufregen, und Empfindertypen gerade Intuitiven gegenüber Unverständnis entgegenbringen.

Der amerikanische Psychologe John Beebe hat die Theorie aufgestellt, dass das jeweils extrovertierte/introvertierte Pendant der ersten Funktion ein gewisses Feindbild in uns weckt. Er nannte es den „Antagonisten“. Ich will auf diese Theorie ein wenig tiefer eingehen und sie von meinem Blickpunkt aus beleuchten.

Man kann den Konflikt zwischen der extrovertierten und der jeweils entsprechenden introvertierten Funktion auch Flügelkampf nennen. Nehmen wir zum Beispiel das Fühlen. Sowohl introvertiert als auch extrovertiert beachtet es vor allem emotionale Komponente und legt Wert auf rücksichtsvollen Umgang miteinander. Nur sind die Mittel, wie man das eigentlich gemeinsame Ziel erreicht eben sehr unterschiedlich.

Dabei kann man grundsätzlich festhalten, dass die introvertierte Funktion der extrovertierten misstraut, sie für vorschnell, unvorsichtig und oberflächlich abtut. So könnte es einen introvertierten Intuierer beispielsweise stören, dass der extrovertierte Intuierer bei einem eigentlich interessanten Gespräch, ständig das Thema wechselt und so verhindert, dass man über ein Thema eingehend und detailliert diskutieren kann. Im Gegensatz dazu empfindet die extrovertierte Funktion die introvertierte als zu träge, überkritisch und pingelig. So stört es einen extrovertierten Denker beispielweise schnell, wenn der introvertierte ihn bei der Auslegung eines Planes ständig unterbricht und auf die Makel hinweist, die in den Augen des extrovertierten Denkers von vollkommen trivialer und irrelevanter Natur sind. Der introvertierte Denker hingegen muss alleine schon gegen das Verlangen ankämpfen, nicht bereits aus Prinzip auf Ungereimtheiten und Verallgemeinerungen hinzuweisen.

Es ist schwer zu hassen, was man nicht versteht, man kann höchstens Angst davor haben oder verwirrt sein. Das Prinzip kennen wir aus der Fiktion. Wenn der Antagonist ein fremdes Wesen aus dem All ist, das nicht mal unsere Sprache spricht oder eine grässliche Geistererscheinung, dann wünschen wir ihm zwar nichts Gutes, aber von Hass zu sprechen, wäre zu viel. Viel mehr hassen wir den tyrannischen Despoten, der seine Macht zu seinem eigenen Wohle ausnutzt und seine Untergebenen missbraucht. Den sadistischen Mörder, der Freude daran hat, seine Opfer zu quälen. Hier finden wir allerdings einen Kontext, für das Handeln, das wir verurteilen, das wir nachvollziehen können. Wir verstünden – rein theoretisch, warum wir so handeln könnten, entscheiden uns aber dagegen. Die Fähigkeit, sich dagegen zu entscheiden sprechen wir auch dem entsprechenden Antagonisten zu und das ist in der Regel die Quelle für wahre Antipathie.

Ich will damit nicht sagen, dass ein Denker etwa nicht dazu in der Lage sei, einen Fühler nachvollziehen zu können, aber diese Tendenz steht ihm nicht so nahe. Wenn ich als INTP höre, dass jemand eine geniale Serie nicht sehen will, weil sie ihn emotional zu sehr aufwirbelt, dann ist es nicht so, dass ich diese Begründung nicht begreife. Ich kann sie nur nicht nachempfinden und daher rechtfertigt der Denkprozess „ich bin eben anders“ die Begründung. Wenn jetzt aber jemand sagt: „Ich mag diese Serie nicht, weil sie sich mit langweiligen Details aufhält und nicht zur Sache kommt“, obwohl ich gerade die Tatsache mag, dass sie nicht oberflächlich ist und sich Zeit lässt, den Plot zu entwickeln, dann gibt es für mich eher einen Grund, Einspruch zu erheben, weil das genau der Punkt ist, weshalb ich sie schätze.

Für alle, die Listen mögen, hier eine Zusammenfassung, welche Typen nach dieser Theorie in der Regel besonders aufpassen müssen, nicht mit dem entsprechend anderen Typ in einen Konflikt zu geraten:

INTP / ISTP mit ENTJ / ESTJ

INFP / ISFP mit ENFJ / ESFJ

INTJ / INFJ mit ENTP / ENFP

ISTJ / ISFJ mit ESTP / ESFP

Das können wir in abgeschwächter Form auch bei unserer zweiten Funktion bemerken. Wenn zum Beispiel ein ESTJ, dessen zweite Funktion introvertiertes Empfinden ist, das grundsätzlich eher zu Vorsicht rät und auf die Erfahrung der Vergangenheit zurückgreifen will, mit einem ESTP zusammenarbeiten muss, dessen primäre Funktion das extrovertierte Empfinden ist, das im Moment lebt, aktiv, risikofreudig und manchmal ungeduldig ist, dann kann das auch schnell zu Konflikten führen.

Wie geht es euch damit? Ich persönlich merke jedenfalls, dass ich als INTP häufiger mit extrovertiertem Denken als mit Fühlertendenzen anecke. Wenn ihr Fragen dazu habt oder mit dieser Aussage nicht ganz einverstanden habt, lasst mich beides wissen!

Selbsterkenntnis ist der erste Schritt zur Besserung (Teil 1)

Es ist schön und gut, all diese Dinge über die Typenlehre zu wissen – es hat jedoch keinen Nutzen, wenn man dieses Wissen nicht auch in der Praxis anwenden kann. Bevor das jedoch möglich ist, sollte man sich jedoch bewusstmachen, wo die eigenen Stärken und Schwächen liegen. Während die Typenbeschreibungen dieses Thema zwar schon angesprochen haben, will ich nochmal die einzelnen Funktionen und die daraufhin jeweils unterdrückten Funktionen ansprechen, um die potentiell negativen Eigenschaften konkret zu betonen.

Extrovertiertes Denken / Introvertiertes Fühlen
Extrovertierte Denker sind als ergebnisorientierte Menschen entsprechend pflichtbewusst. Sie können gut einordnen, was besser oder schlechter funktioniert. Sie können mittels ihres scharfen Verstandes gut Fakten ordnen. Das und ihr starker Wille, bzw. ihre dominante Persönlichkeit, eignen sich daher gut dazu, um Führungsrollen einzunehmen. Jedoch nur, solange diese Empathie nicht voraussetzen. Hier liegt auch eines der größten Probleme bei extrovertierten Denkern – sie werden oft als kalt, unfreundlich und herrisch empfunden und haben in der Tat häufig Schwierigkeiten damit, die Gefühle anderer zu lesen. Dass sie sich auch schwer damit tun, ihren eigenen Gefühlen genügend Beachtung zu schenken, ist ein vielleicht sogar noch größeres Problem. Wenn sie ihr introvertiertes Fühlen zu sehr unterdrücken, kann das darin resultieren, dass sie in den Augen ihres Umfelds ihre Menschlichkeit und Sympathie verlieren und/oder sich ein irrationales Gefühl der Unzufriedenheit breitmacht, dessen Ursprung der extrovertierte Denker nicht ausmachen kann. Da Gefühle verhindern, objektive und unparteiische Entscheidungen zu treffen, werden sie von einem übermächtigen extrovertierten Denken im Keim erstickt. Das Missachten eigener Bedürfnisse kann unter anderem in einem Burnout enden. Wenn diese Funktion zu stark und unausgeglichen ausgeprägt ist, kann es auch vorkommen, dass der extrovertierte Denker nur noch seine eigene Meinung als die Richtige ansieht und jeglichen Widerspruch von vorneherein als unlogisch abstempelt, ohne ihn zuvor richtig betrachtet zu haben. Er fängt an, immer mehr in Extremen, in Schwarz-Weiß zu denken, während Graustufen mehr und mehr ausgeblendet werden. Dadurch wird der extrovertierte Denker im Extremfall zu einem störrischen Besserwisser, der sich neuen Ansichten und damit letztlich auch Informationen gegenüber verschließt.

Introvertierte Fühler hingegen haben eine sehr sensible, einfühlsame Seite. Selten wird man ihnen Herrschsucht oder mangelndes Einfühlungsvermögen vorwerfen. Dadurch, dass Moral für sie eine solch große Rolle spielt, werden sie in den wenigsten Fällen Entscheidungen treffen, die irgendeiner Person schaden könnten. Hier liegt jedoch auch ein potentielles Problem: dadurch, dass bei Entscheidungen jeglicher Art sehr häufig irgendjemand Nachteile in Kauf nehmen muss, tun sich introvertierte Fühler schwer damit, überhaupt welche zu treffen. Es gibt zu viele Dinge abzuwägen und selbst, wenn ein „geringeres Übel“ gewählt wurde, weil eine Wahl einfach von Nöten war, hat der introvertierte Fühler hinterher ein schlechtes Gewissen, das ihn auf Dauer plagt. Während der extrovertierte Denker sich also mit dem Problem konfrontiert sehen kann, nur noch in Schwarz und Weiß zu sehen, ist bei einem ungesund entwickelten introvertierten Fühler die Welt hauptsächlich komplett dunkelgrau. Das führt dazu, dass er sich mit jeder noch so kleinen Entscheidung überfordert fühlt, versucht, Verantwortung – und letztlich der Welt im Ganzen zu entfliehen. Die Fähigkeit, rational zu urteilen wird bedeutend schwer, in manchen Fällen soweit, dass der introvertierte Fühler keinen Sinn mehr in allem sieht und Logik komplett über Bord wirft. In diesen extremen Situationen verhält er sich nur noch instinktiv.

Extrovertiertes Fühlen / Introvertiertes Denken
Extrovertierte Fühler können gut die Stimmungen anderer erfassen, sich auf andere Menschen einstellen und sind von Natur aus herzlich und freundlich. Sie sind hilfsbereit bis zu einem selbst aufopferndem Grad, was gleichzeitig auch ihre Achillesverse ist. Da sie sich so sehr über ihr soziales Umfeld identifizieren, geben sie zwangsläufig einen Teil ihrer eigenen Identität auf. Wenn diese Tendenz überhand gewinnt, lebt der extrovertierte Fühler nur noch für andere Menschen und vergisst sich dabei komplett selbst. Wie auch beim extrovertierten Fühler birgt diese Neigung Gefahr für ein Burnout Syndrom. Die eigenen Bedürfnisse werden nicht mehr beachtet. Darüber hinaus tun sich extrovertierte Fühler häufig schwer, objektiv nach der Wahrheit zu suchen. Ein zu stark ausgeprägtes extrovertiertes Fühlen kann darin resultieren, dass die betroffene Person sich einen Flickenteppich aus Weltanschauungen und moralischen Einstellungen zusammenbasteln, basierend auf den Werten und Ansichten ihrer Mitmenschen. Da extrovertierte Fühler jedoch in der Regel mit vielen Menschen Umgang pflegen, sind es dementsprechend viele Werte und Ansichten, die miteinander in Einklang gebracht werden müssen. Extrovertierte Fühler, die in dieser Hinsicht ihre analytische Seite, das introvertierte Denken so stark unterdrücken, haben selten eine fundierte eigene Meinung, die auch kritischem Hinterfragen standhalten kann, was im schlimmsten Falle dazu führen kann, dass, sobald sie sich ihren „Flickenteppich“ zusammengenäht haben, keinen Menschen gegenüber mehr öffnen können, die andere Ansichten vertreten – oder schlimmer noch, ihre eigenen in Frage stellen.

Genau andersherum verhält es sich bei introvertierten Denkern. Von Natur aus analytische, tiefgründige Persönlichkeiten, versuchen sie stets, den Kern der Tatsachen zu erfassen, also tieferliegende Wahrheiten zu erkennen. Dadurch lassen sie sich nicht von Äußerlichkeiten ablenken und legen dementsprechend wenig Wert auf oberflächliche Dinge. Das ist gleichzeitig ihre große Schwäche, denn ein Haus besteht nun einmal nicht nur aus seinem Grundgerüst und der Pfirsich nicht nur aus seinem Kern. Ihr Verlangen, immer eine Erklärung für alles finden zu müssen mag zwar auf Objekte bezogen weitgehend unproblematisch sein, nicht jedoch, wenn sie mit anderen Menschen konfrontiert werden, deren Verhalten für sie keinen Sinn ergibt. Die stetige Suche nach einem Sinn und der Wahrheit kann ein unausgeglichen stark entwickeltes introvertiertes Fühlen schnell frustrieren, weil auch ein introvertierter Denker nicht immer in der Lage ist, alles erklären zu können. Das führt schnell zu einem ungesunden Zynismus und kann sich in schlimmsten Falle zu Arroganz entwickeln – Personen, die in den Augen des introvertierten Denkers ihr Handeln nicht logisch erklären können, werden schlicht und ergreifend als dumm abgestempelt. Wie der ungesund entwickelte extrovertierte Denker wird dadurch ein unrealistisches Überlegenheitsgefühl gefördert, das sich beim introvertierten Denker jedoch so zeigt, dass er sich zunehmend aus der Welt zurückzieht. Er selbst erklärt es sich damit, dass ihn niemand versteht und die Welt den Wert der Wahrheit nicht versteht und somit selbst seiner Aufmerksamkeit nicht würdig ist, tiefer gehend hat er jedoch Angst davor, zugeben zu müssen, dass sich nicht auf alles eine eindeutige Antwort finden lässt.

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Kinder & Typologie

Interessant ist die Frage, inwiefern Kinder, deren Persönlichkeit sich erst entwickelt und gefestigt werden muss, überhaupt einzuordnen sind – oder ob man sie überhaupt einordnen kann. In der Regel kann man das bis zu einem gewissen Punkt, aber, wenn man sich schon bei Erwachsenen nie absolut sicher sein kann, sollte man das bei Kindern noch viel weniger sein. Inwiefern lässt sich die Typologie also auch auf Kinder anwenden?

Wie bereits erwähnt, verfügt jeder Mensch über einen sogenannten Primaten, also die Funktion, die am stärksten ausgeprägt ist und dementsprechend häufig und natürlich zum Einsatz kommt. In meiner pädagogischen Tätigkeit habe ich bei einigen Kindern, mit denen ich arbeite, auch den Primaten ausmachen können.

Extrovertiertes Denken
Kinder mit stark ausgeprägtem extrovertierten Denken sind sehr lebendig, laut und alles andere als schüchtern. Zwar erscheinen sie häufig als frech, aber tun sie das eher, um auszuloten, was sie sich bei verschiedenen Personen erlauben können, beziehungsweise, um hierarchische Gesellschaftsstrukturen erkennen zu können und weniger, um einfach nur Spaß an Dreistigkeiten zu haben. Sie nehmen in Kindergruppen häufig die Rolle des Anführers an oder versuchen das zumindest. Sie zeichnen sich durch einen starken Willen aus und man weiß bei ihnen schnell, woran man ist, was sie wollen und wie die Welt ihrer Meinung nach tickt. Sie schauen zu Erwachsenen hoch und sind, trotz des manchmal rebellischen Verhaltens in gewisser Weise sehr autoritätsgläubig, insofern, dass sie Dinge, die ein (ernst zu nehmender) Erwachsener sagt, nur sehr selten in Frage stellen.

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ESTP – Der Draufgänger

Allgemeine Beschreibung & Klischees
Gerissene Mistkerle. Und auch noch stolz darauf. Theoretisch könnten wir es dabei belassen, die ESTPs – die mich kennen würden das nicht mal als Beleidigung auffassen. Aber der Vollständigkeit halber – und weil ESTPs als klassische Extroverten kein Problem damit haben, im Rampenlicht zu stehen, will ich genauer auf den Typ eingehen.

Zunächst einmal klären wir schnell, für was die Kürzel in „ESTP“ überhaupt stehen.

E, das bedeutet Extrovertiert. Also eine Persönlichkeit, die sich tendenziell ihrer Umgebung öffnet und Energie in der Interaktion bezieht, nicht so viel Zeit für sich alleine braucht.

S, das steht für Sensing, also Empfindend. Empfindend heißt, dass die Persönlichkeit weniger in der Welt der Gedanken lebt, sondern im Hier und Jetzt fundiert ist. Also eher ein Realist, denn ein Idealist.

T steht kurz für Thinking, also Denkend. Der Denker fällt Urteile anhand dessen, was wahr und unwahr ist, weniger danach, was moralisch richtig und falsch ist. Anders ausgedrückt könnte man auch sagen, er interessiert sich eher für Dinge, als für Menschen und ist ein tendenziell objektiver Denker, während Fühler eher subjektiv denken.

P bedeutet Perceiving, der Charakter ist dementsprechend ein Beobachter. Im Gegensatz zu den Urteilertypen lässt er das Leben auf sich zukommen und handelt eher reaktionär, anstatt die Initiative zu ergreifen, bevor er überhaupt weiß, was genau los ist.

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