Die 16 Typen und typische Berufe (J)

Nachdem jetzt schon mehrere Male die Frage aufkam, welche Berufe denn zu welchem Typ passen, wage ich mich an das zugegebenermaßen sehr ambitionierte Projekt, jedem Persönlichkeitstyp verschiedene Beispiel(!)berufe zuzuordnen, die typisch für sie sind. Mitsamt einer knappen Erklärung, wie ich darauf komme.

Ich will hier noch kurz betonen, dass es sich nicht um eine Empfehlung handelt, dafür bin ich definitiv nicht der richtige Ansprechspartner. Man muss bedenken, dass sich alle Menschen, auch diejenigen, die den gleichen Typ haben, voneinander unterscheiden, andere Hintergründe und Eigenarten haben, so dass es durchaus vorkommen kann, dass sich ein Typ entgegen aller Erwartungen sehr wohl an einem für ihn „untypischen“ Arbeitsplatz fühlt. Ich bin zum Beispiel sehr glücklich mit meinem Job als Musiklehrer, der permanent Umgang mit Mitmenschen erfordert, obwohl das laut meiner Typenbeschreibung als sehr anstrengend und daher ungünstig gilt. Es ist eine Herausforderung, aber nichts woran ich mich persönlich nicht gewöhnen konnte und vor allem etwas, woran ich wachsen konnte und immer noch kann. Wenn also ein INTJ gerne Krankenpfleger oder ein ISFP Philosophiestudent werden will, dann werde ich nicht sagen: „Um Gottes Willen, bloß nicht!“. Ich würde dann auf die Herausforderungen deuten, aber hinterher auch betonen: „Mach dir bewusst, dass es dich auf die Probe stellen wird, aber wenn es dein Traum ist, dann versuch es auf jeden Fall!“

In diesem Falle. Viel Spaß beim Lesen!

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Typologie – Typische Feindbilder

Man müsste ja eigentlich meinen, dass einen Fühlertypen vor allem Denkertypen aufregen, und Empfindertypen gerade Intuitiven gegenüber Unverständnis entgegenbringen.

Der amerikanische Psychologe John Beebe hat die Theorie aufgestellt, dass das jeweils extrovertierte/introvertierte Pendant der ersten Funktion ein gewisses Feindbild in uns weckt. Er nannte es den „Antagonisten“. Ich will auf diese Theorie ein wenig tiefer eingehen und sie von meinem Blickpunkt aus beleuchten.

Man kann den Konflikt zwischen der extrovertierten und der jeweils entsprechenden introvertierten Funktion auch Flügelkampf nennen. Nehmen wir zum Beispiel das Fühlen. Sowohl introvertiert als auch extrovertiert beachtet es vor allem emotionale Komponente und legt Wert auf rücksichtsvollen Umgang miteinander. Nur sind die Mittel, wie man das eigentlich gemeinsame Ziel erreicht eben sehr unterschiedlich.

Dabei kann man grundsätzlich festhalten, dass die introvertierte Funktion der extrovertierten misstraut, sie für vorschnell, unvorsichtig und oberflächlich abtut. So könnte es einen introvertierten Intuierer beispielsweise stören, dass der extrovertierte Intuierer bei einem eigentlich interessanten Gespräch, ständig das Thema wechselt und so verhindert, dass man über ein Thema eingehend und detailliert diskutieren kann. Im Gegensatz dazu empfindet die extrovertierte Funktion die introvertierte als zu träge, überkritisch und pingelig. So stört es einen extrovertierten Denker beispielweise schnell, wenn der introvertierte ihn bei der Auslegung eines Planes ständig unterbricht und auf die Makel hinweist, die in den Augen des extrovertierten Denkers von vollkommen trivialer und irrelevanter Natur sind. Der introvertierte Denker hingegen muss alleine schon gegen das Verlangen ankämpfen, nicht bereits aus Prinzip auf Ungereimtheiten und Verallgemeinerungen hinzuweisen.

Es ist schwer zu hassen, was man nicht versteht, man kann höchstens Angst davor haben oder verwirrt sein. Das Prinzip kennen wir aus der Fiktion. Wenn der Antagonist ein fremdes Wesen aus dem All ist, das nicht mal unsere Sprache spricht oder eine grässliche Geistererscheinung, dann wünschen wir ihm zwar nichts Gutes, aber von Hass zu sprechen, wäre zu viel. Viel mehr hassen wir den tyrannischen Despoten, der seine Macht zu seinem eigenen Wohle ausnutzt und seine Untergebenen missbraucht. Den sadistischen Mörder, der Freude daran hat, seine Opfer zu quälen. Hier finden wir allerdings einen Kontext, für das Handeln, das wir verurteilen, das wir nachvollziehen können. Wir verstünden – rein theoretisch, warum wir so handeln könnten, entscheiden uns aber dagegen. Die Fähigkeit, sich dagegen zu entscheiden sprechen wir auch dem entsprechenden Antagonisten zu und das ist in der Regel die Quelle für wahre Antipathie.

Ich will damit nicht sagen, dass ein Denker etwa nicht dazu in der Lage sei, einen Fühler nachvollziehen zu können, aber diese Tendenz steht ihm nicht so nahe. Wenn ich als INTP höre, dass jemand eine geniale Serie nicht sehen will, weil sie ihn emotional zu sehr aufwirbelt, dann ist es nicht so, dass ich diese Begründung nicht begreife. Ich kann sie nur nicht nachempfinden und daher rechtfertigt der Denkprozess „ich bin eben anders“ die Begründung. Wenn jetzt aber jemand sagt: „Ich mag diese Serie nicht, weil sie sich mit langweiligen Details aufhält und nicht zur Sache kommt“, obwohl ich gerade die Tatsache mag, dass sie nicht oberflächlich ist und sich Zeit lässt, den Plot zu entwickeln, dann gibt es für mich eher einen Grund, Einspruch zu erheben, weil das genau der Punkt ist, weshalb ich sie schätze.

Für alle, die Listen mögen, hier eine Zusammenfassung, welche Typen nach dieser Theorie in der Regel besonders aufpassen müssen, nicht mit dem entsprechend anderen Typ in einen Konflikt zu geraten:

INTP / ISTP mit ENTJ / ESTJ

INFP / ISFP mit ENFJ / ESFJ

INTJ / INFJ mit ENTP / ENFP

ISTJ / ISFJ mit ESTP / ESFP

Das können wir in abgeschwächter Form auch bei unserer zweiten Funktion bemerken. Wenn zum Beispiel ein ESTJ, dessen zweite Funktion introvertiertes Empfinden ist, das grundsätzlich eher zu Vorsicht rät und auf die Erfahrung der Vergangenheit zurückgreifen will, mit einem ESTP zusammenarbeiten muss, dessen primäre Funktion das extrovertierte Empfinden ist, das im Moment lebt, aktiv, risikofreudig und manchmal ungeduldig ist, dann kann das auch schnell zu Konflikten führen.

Wie geht es euch damit? Ich persönlich merke jedenfalls, dass ich als INTP häufiger mit extrovertiertem Denken als mit Fühlertendenzen anecke. Wenn ihr Fragen dazu habt oder mit dieser Aussage nicht ganz einverstanden habt, lasst mich beides wissen!

Funktionen bei anderen erkennen (Teil 1 von 2)

Typologie sollte jedoch nicht ausschließlich dabei helfen, die eigene Persönlichkeit besser kennen zulernen und einschätzen zu können, sondern auch die von Mitmenschen. Zum einen hilft das, zu erkennen, was wir eigentlich bei unserem Gegenüber so sehr zu schätzen wissen. Oder im Gegenteil: mit welchen konkreten Eigenschaften wir uns überfordert oder abgestoßen fühlen. Zum anderen kann ein besseres Verständnis Missverständnisse vermeiden und bessere Zusammenarbeit ermöglichen. Wie erkennen wir aber die Funktionen bei unseren Mitmenschen, wenn wir uns schon so schwer damit tun, sie bei uns selbst eindeutig zu finden?

Manchen fällt es sogar leichter, Funktionen bei anderen als bei sich selbst zu entdecken. Fremdbeobachtung setzt immer andere Maßstäbe als Eigenbeobachtung voraus und ein kritischer Blick auf sich selbst kann sich tatsächlich bei der ein oder anderen Person als schwieriger erweisen, als der auf andere. Dennoch sollte man keine voreiligen Schlüsse ziehen. Wenn man vorschnell eine Person einem bestimmten Typen zuordnet, kann das sogar für noch mehr Missverständnisse sorgen und damit für mehr Frustration. Daher empfehle ich, beim Einordnen von anderen Personen sehr vorsichtig und langsam vorzugehen.

Dabei gilt, dass introvertierte Funktionen in der Regel um einiges schwieriger zu erkennen sind, als extrovertierte. Die Erklärung dafür liegt auf der Hand – introvertierte Funktionen spielen sich im Inneren der Person ab, während sie durch ihre extrovertierte Funktion in der Welt in Aktion treten. Wer gut hinhört, kann in den Aussagen eines anderen auch introvertierte Funktionen heraushören, aber einfacher ist es in der Regel damit, zumindest bei der extrovertierten Funktion anzusetzen.

Extrovertiertes Denken (ESTJ, ISTJ, ENTJ, INTJ)
Extrovertiertes Denken erkennt man gut daran, dass die Person wenig Scheu an den Tag legt. Zwar mag es (z.B. im Falle von ISTJ und INT) sein, dass sie als Introverten prinzipiell zurückgezogen sind, aber das liegt weniger daran, dass sie etwa schüchtern wären, als viel mehr daran, dass sie den Sinn darin, mit der Außenwelt in Kontakt zu treten, im Moment nicht sehen oder noch am überlegen sind, wie sie ihre Gedanken am besten formulieren könnten. Ist die Funktion besonders stark ausgeprägt, kann man ziemlich sicher davon ausgehen, dass die Person ihre Meinung frei äußern wird und keine Angst vor Widerspruch hat. Sollte ihr jemand Gegenargumente liefern, sind häufige Reaktionen darauf entweder weitere Punkte, die ihren eigenen Standpunkt weiter unterstützen oder ein rigoroses Abschmettern der Gegenargumentation.

Extrovertierte Denker beziehen sich häufig darauf, was allgemein als anerkannt gilt und was Leute, die sie im betroffenen Fachgebiet als kompetent einordnen ihrerseits für eine Meinung abgegeben haben. Letzteres trifft besonders auf extrovertierte Denker mit introvertiertem Denker zu. Ein Beispielzitat wäre: „Nein, das ist nicht so. Mein Onkel ist Professor für dieses Fach und unterrichtet das an der Universität. Er sagt selbst, dass es sich anders verhält, als du behauptest. Was sagst du da? Ja, schön, deine Begründung mag für dich Sinn ergeben, aber ich wage doch sehr stark zu bezweifeln, dass du dich mit dem Thema besser auskennst als mein Onkel, der das studiert hat.“

Extrovertierte Denker sind sehr an Zahlen und Fakten interessiert. Abstrakten Denkvorgängen, Ausflüge ins Hypothetische misstrauen sie eher. Wenn eine junge Frau ihrem TE-Vater mitteilt, sie habe jemanden kennengelernt, ist eine typische Reaktion von diesem, dass er zunächst fragt, wie alt die Person sei und als was sie arbeitet. Sie sind weniger daran interessiert, wie Personen reagieren, viel mehr daran, wie sie in Aktion treten. Sie sind weniger am Prozess interessiert, sondern mehr am Ergebnis. Sie sind stolz auf Errungenschaften, die nicht nur für sie selbst, sondern auch für den Rest der Welt ersichtlich sind, weshalb sie beispielsweise viel Wert auf Titel, Auszeichnungen und Preise legen.

Weitere typische TE-Zitate:

  • „Du hast dich angestrengt, sagst du? Deine Note sagt da aber etwas ganz Anderes.“
  • „Lass mich das mal machen, ich weiß, wie das geht.“
  • „Das kann doch nicht so schwierig sein – tu’s einfach!“
  • „Weißt du, entweder, man kann stundenlang darüber nachdenken und nichts tun, oder man macht es einfach und erreicht dabei sogar etwas.“
  • „Geld regiert die Welt – das ist die hässliche Wahrheit.“
  • „Die Welt ist nicht so kompliziert, wie du glaubst.“
  • „Erst die Arbeit, dann das Vergnügen.“
  • „Die Leute müssen lernen, mehr Verantwortung zu übernehmen.“
  • „Nur, weil es sich unangenehm anfühlt, bedeutet das nicht, dass es sich ändern muss.“
  • „Es gibt nur eine Richtung. Vorwärts.“

Extrovertiertes Fühlen (ESFJ, ISFJ, ENFJ, INFJ)
Diese Funktion ist möglicherweise am einfachsten zu erkennen, wenn man weiß, wo man hinschauen muss. Während zwar alle extrovertierten Fühlertypen sich für Herzlichkeit auszeichnen (also auch ESFPs und ENFPs), tun das extrovertierte Fühler vor allem aus einer Verpflichtung heraus, die sie in sich spüren. Sie haben den Eindruck, dass es zum guten Ton gehört und von ihnen erwartet wird, freundlich und höflich zu sein, während das bei ESFPs und ENFPs eher aus einer Laune heraus passiert. So sind extrovertierte Fühle eher noch dazu in der Lage, freundlich zu bleiben, auch, wenn sie selbst unfreundlich behandelt werden, als introvertierte Fühler.

FE hat den starken Drang, andere zu erfreuen. Das Prinzip des Schenkens wird daher vor allem von extrovertierten Fühlern sehr hoch geschätzt – nicht nur, was materielle Geschenke angeht, sondern auch, die Investition von Zeit und Mühen in eine Person. Das bemerkt man vor allem dann, wenn der extrovertierte Fühler dadurch gekränkt ist, dass er nicht helfen kann, oder, schlimmer noch, seine Hilfe nicht erwünscht ist. Den Spruch: „Ich will doch nur dein Bestes!“, darf man extrovertierten Fühlern in der Regel glauben und kommt meistens auch von ihnen. Was dabei „das Beste“ ist, wird meistens von dem gesellschaftlichen Umfeld des extrovertierten Fühlers bestimmt.

Extrovertierte Fühler haben einen starken Sinn für Gemeinschaft und das bemerkt man vor allem im privaten Umfeld. Wenn sie nicht unbedingt selbst ein wichtiges Gespräch unter vier Augen führen müssen, werden sie auf einer Familienfeier eher unglücklich damit sein, wenn sich Grüppchen bilden, die sich voneinander abspalten. Sie sind selbst bereit, Kompromisse einzugehen und sich auf Dinge einzulassen, die sie selbst nicht so sehr mögen, wenn sie dadurch die Gruppe zusammenhalten.

Typische FE-Zitate:

  • „Freundschaft/Familie ist das Wichtigste im Leben.“
  • „Die Sorgen anderer sind auch meine Sorgen.“
  • „Warum fällt es diesen Leuten so schwer, freundlich zu sein?“
  • „Eine Hand wäscht die andere!“
  • „Lass uns das doch gemeinsam machen! Zusammen sind wir stark!“
  • „Wie kann man sich nur über so viele andere Menschen hinwegsetzen?“
  • „Danke für die Einladung! Wer kommt noch alles?“
  • „Es ist mir sehr wichtig, dass ihr euch wohl fühlt.“
  • „Denk doch nicht immer nur an dich!“
  • „Meinst du, ich habe einen guten Eindruck bei ihnen hinterlassen? Meinst du, sie mögen mich?“

Link zu Teil 2

Westworld – Maeve Millay (ENTJ)

Filmehype? Rogue One, Check. Politikerhype? Donald Trump, Check. Serienhype? Warum nicht weitermachen? HBO’s Serienerfolg „Westworld“ ist ja momentan in aller Munde. Nicht zu unrecht, wie ich finde, da diese Serie erfrischende, neue Aspekte in die Serienwelt bringt. Die Frage, was macht Menschlichkeit aus und wo verschwimmt der Unterschied zwischen Mensch und Künstlicher Intelligenz wird in der futuristischen Dramaserie in den Vordergrund gestellt – klar, dass das gefundenes Fressen für mich bietet. An dieser Stelle wäre noch eine Warnung angebracht: VORSICHT, SPOILER!!!

So. Wer sich dadurch nicht abschrecken lässt oder die erste Staffel der Serie bereits gesehen hat, möge weiterlesen.

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Selbsterkenntnis ist der erste Schritt zur Besserung (Teil 1)

Es ist schön und gut, all diese Dinge über die Typenlehre zu wissen – es hat jedoch keinen Nutzen, wenn man dieses Wissen nicht auch in der Praxis anwenden kann. Bevor das jedoch möglich ist, sollte man sich jedoch bewusstmachen, wo die eigenen Stärken und Schwächen liegen. Während die Typenbeschreibungen dieses Thema zwar schon angesprochen haben, will ich nochmal die einzelnen Funktionen und die daraufhin jeweils unterdrückten Funktionen ansprechen, um die potentiell negativen Eigenschaften konkret zu betonen.

Extrovertiertes Denken / Introvertiertes Fühlen
Extrovertierte Denker sind als ergebnisorientierte Menschen entsprechend pflichtbewusst. Sie können gut einordnen, was besser oder schlechter funktioniert. Sie können mittels ihres scharfen Verstandes gut Fakten ordnen. Das und ihr starker Wille, bzw. ihre dominante Persönlichkeit, eignen sich daher gut dazu, um Führungsrollen einzunehmen. Jedoch nur, solange diese Empathie nicht voraussetzen. Hier liegt auch eines der größten Probleme bei extrovertierten Denkern – sie werden oft als kalt, unfreundlich und herrisch empfunden und haben in der Tat häufig Schwierigkeiten damit, die Gefühle anderer zu lesen. Dass sie sich auch schwer damit tun, ihren eigenen Gefühlen genügend Beachtung zu schenken, ist ein vielleicht sogar noch größeres Problem. Wenn sie ihr introvertiertes Fühlen zu sehr unterdrücken, kann das darin resultieren, dass sie in den Augen ihres Umfelds ihre Menschlichkeit und Sympathie verlieren und/oder sich ein irrationales Gefühl der Unzufriedenheit breitmacht, dessen Ursprung der extrovertierte Denker nicht ausmachen kann. Da Gefühle verhindern, objektive und unparteiische Entscheidungen zu treffen, werden sie von einem übermächtigen extrovertierten Denken im Keim erstickt. Das Missachten eigener Bedürfnisse kann unter anderem in einem Burnout enden. Wenn diese Funktion zu stark und unausgeglichen ausgeprägt ist, kann es auch vorkommen, dass der extrovertierte Denker nur noch seine eigene Meinung als die Richtige ansieht und jeglichen Widerspruch von vorneherein als unlogisch abstempelt, ohne ihn zuvor richtig betrachtet zu haben. Er fängt an, immer mehr in Extremen, in Schwarz-Weiß zu denken, während Graustufen mehr und mehr ausgeblendet werden. Dadurch wird der extrovertierte Denker im Extremfall zu einem störrischen Besserwisser, der sich neuen Ansichten und damit letztlich auch Informationen gegenüber verschließt.

Introvertierte Fühler hingegen haben eine sehr sensible, einfühlsame Seite. Selten wird man ihnen Herrschsucht oder mangelndes Einfühlungsvermögen vorwerfen. Dadurch, dass Moral für sie eine solch große Rolle spielt, werden sie in den wenigsten Fällen Entscheidungen treffen, die irgendeiner Person schaden könnten. Hier liegt jedoch auch ein potentielles Problem: dadurch, dass bei Entscheidungen jeglicher Art sehr häufig irgendjemand Nachteile in Kauf nehmen muss, tun sich introvertierte Fühler schwer damit, überhaupt welche zu treffen. Es gibt zu viele Dinge abzuwägen und selbst, wenn ein „geringeres Übel“ gewählt wurde, weil eine Wahl einfach von Nöten war, hat der introvertierte Fühler hinterher ein schlechtes Gewissen, das ihn auf Dauer plagt. Während der extrovertierte Denker sich also mit dem Problem konfrontiert sehen kann, nur noch in Schwarz und Weiß zu sehen, ist bei einem ungesund entwickelten introvertierten Fühler die Welt hauptsächlich komplett dunkelgrau. Das führt dazu, dass er sich mit jeder noch so kleinen Entscheidung überfordert fühlt, versucht, Verantwortung – und letztlich der Welt im Ganzen zu entfliehen. Die Fähigkeit, rational zu urteilen wird bedeutend schwer, in manchen Fällen soweit, dass der introvertierte Fühler keinen Sinn mehr in allem sieht und Logik komplett über Bord wirft. In diesen extremen Situationen verhält er sich nur noch instinktiv.

Extrovertiertes Fühlen / Introvertiertes Denken
Extrovertierte Fühler können gut die Stimmungen anderer erfassen, sich auf andere Menschen einstellen und sind von Natur aus herzlich und freundlich. Sie sind hilfsbereit bis zu einem selbst aufopferndem Grad, was gleichzeitig auch ihre Achillesverse ist. Da sie sich so sehr über ihr soziales Umfeld identifizieren, geben sie zwangsläufig einen Teil ihrer eigenen Identität auf. Wenn diese Tendenz überhand gewinnt, lebt der extrovertierte Fühler nur noch für andere Menschen und vergisst sich dabei komplett selbst. Wie auch beim extrovertierten Fühler birgt diese Neigung Gefahr für ein Burnout Syndrom. Die eigenen Bedürfnisse werden nicht mehr beachtet. Darüber hinaus tun sich extrovertierte Fühler häufig schwer, objektiv nach der Wahrheit zu suchen. Ein zu stark ausgeprägtes extrovertiertes Fühlen kann darin resultieren, dass die betroffene Person sich einen Flickenteppich aus Weltanschauungen und moralischen Einstellungen zusammenbasteln, basierend auf den Werten und Ansichten ihrer Mitmenschen. Da extrovertierte Fühler jedoch in der Regel mit vielen Menschen Umgang pflegen, sind es dementsprechend viele Werte und Ansichten, die miteinander in Einklang gebracht werden müssen. Extrovertierte Fühler, die in dieser Hinsicht ihre analytische Seite, das introvertierte Denken so stark unterdrücken, haben selten eine fundierte eigene Meinung, die auch kritischem Hinterfragen standhalten kann, was im schlimmsten Falle dazu führen kann, dass, sobald sie sich ihren „Flickenteppich“ zusammengenäht haben, keinen Menschen gegenüber mehr öffnen können, die andere Ansichten vertreten – oder schlimmer noch, ihre eigenen in Frage stellen.

Genau andersherum verhält es sich bei introvertierten Denkern. Von Natur aus analytische, tiefgründige Persönlichkeiten, versuchen sie stets, den Kern der Tatsachen zu erfassen, also tieferliegende Wahrheiten zu erkennen. Dadurch lassen sie sich nicht von Äußerlichkeiten ablenken und legen dementsprechend wenig Wert auf oberflächliche Dinge. Das ist gleichzeitig ihre große Schwäche, denn ein Haus besteht nun einmal nicht nur aus seinem Grundgerüst und der Pfirsich nicht nur aus seinem Kern. Ihr Verlangen, immer eine Erklärung für alles finden zu müssen mag zwar auf Objekte bezogen weitgehend unproblematisch sein, nicht jedoch, wenn sie mit anderen Menschen konfrontiert werden, deren Verhalten für sie keinen Sinn ergibt. Die stetige Suche nach einem Sinn und der Wahrheit kann ein unausgeglichen stark entwickeltes introvertiertes Fühlen schnell frustrieren, weil auch ein introvertierter Denker nicht immer in der Lage ist, alles erklären zu können. Das führt schnell zu einem ungesunden Zynismus und kann sich in schlimmsten Falle zu Arroganz entwickeln – Personen, die in den Augen des introvertierten Denkers ihr Handeln nicht logisch erklären können, werden schlicht und ergreifend als dumm abgestempelt. Wie der ungesund entwickelte extrovertierte Denker wird dadurch ein unrealistisches Überlegenheitsgefühl gefördert, das sich beim introvertierten Denker jedoch so zeigt, dass er sich zunehmend aus der Welt zurückzieht. Er selbst erklärt es sich damit, dass ihn niemand versteht und die Welt den Wert der Wahrheit nicht versteht und somit selbst seiner Aufmerksamkeit nicht würdig ist, tiefer gehend hat er jedoch Angst davor, zugeben zu müssen, dass sich nicht auf alles eine eindeutige Antwort finden lässt.

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Kinder & Typologie

Interessant ist die Frage, inwiefern Kinder, deren Persönlichkeit sich erst entwickelt und gefestigt werden muss, überhaupt einzuordnen sind – oder ob man sie überhaupt einordnen kann. In der Regel kann man das bis zu einem gewissen Punkt, aber, wenn man sich schon bei Erwachsenen nie absolut sicher sein kann, sollte man das bei Kindern noch viel weniger sein. Inwiefern lässt sich die Typologie also auch auf Kinder anwenden?

Wie bereits erwähnt, verfügt jeder Mensch über einen sogenannten Primaten, also die Funktion, die am stärksten ausgeprägt ist und dementsprechend häufig und natürlich zum Einsatz kommt. In meiner pädagogischen Tätigkeit habe ich bei einigen Kindern, mit denen ich arbeite, auch den Primaten ausmachen können.

Extrovertiertes Denken
Kinder mit stark ausgeprägtem extrovertierten Denken sind sehr lebendig, laut und alles andere als schüchtern. Zwar erscheinen sie häufig als frech, aber tun sie das eher, um auszuloten, was sie sich bei verschiedenen Personen erlauben können, beziehungsweise, um hierarchische Gesellschaftsstrukturen erkennen zu können und weniger, um einfach nur Spaß an Dreistigkeiten zu haben. Sie nehmen in Kindergruppen häufig die Rolle des Anführers an oder versuchen das zumindest. Sie zeichnen sich durch einen starken Willen aus und man weiß bei ihnen schnell, woran man ist, was sie wollen und wie die Welt ihrer Meinung nach tickt. Sie schauen zu Erwachsenen hoch und sind, trotz des manchmal rebellischen Verhaltens in gewisser Weise sehr autoritätsgläubig, insofern, dass sie Dinge, die ein (ernst zu nehmender) Erwachsener sagt, nur sehr selten in Frage stellen.

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ENTJ – Der General

Allgemeine Beschreibung & Klischees

Nach zwei introvertierten, beobachtenden Typen, habe ich mir gedacht, dass es mal Zeit für einen extrovertierten Urteiler wird. Und um einen schönen Kontrast zu bilden, welcher Typ würde sich besser anbieten, als der ENTJ? Der große Feldherr, der skrupellose Konzernboss oder, für Leute, die es gerne etwas abstrakter mögen: die Dampfwalze.

Woher kommen diese (wie immer nicht ganz unberechtigten) Klischees? Schauen wir uns dafür kurz mal seine Präferenzen an. Er ist (E) extrovertiert, zeigt also eher weniger Zurückhaltung gegenüber der Außenwelt, was ihm, vor allem gepaart mit seinem objektiven, eher kopflastigem Weltbild, durch seine (T) Denker- und (J) Urteilerpräferenz als jemanden erscheinen lässt, der kein Problem damit hat, harte Entscheidungen zu treffen, die vollkommen unpersönlich, vielleicht sogar unmenschlich scheinen. Das alles wird durch seinen starken Hang für Visionen durch seine (I) Intuition unterstützt, die ihm etwas, wie einen Tunnelblick gibt.

Damit ich jetzt aber nicht falsch verstanden werde: das ist das Bild, wie ENTJs allgemein – als Konzept – wahrgenommen werden. In der Realität kann das alles ganz anders aussehen. Ausschlaggebend bei der Typologie sind bestimmte Einstellungen, die nicht unbedingt verraten müssen, wie man sich letztlich verhält. Schauen wir uns also an, was an den Klischees so alles Wahres dran ist.

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