Die 16 Typen als Fantasy(Rollenspiel-)helden

Ihr könnt so froh sein, auf diesen Artikel gestoßen zu sein, denn nun werdet ihr endlich erfahren, welche Rollenspielklasse in einem Fantasysetting aufgrund eurer Persönlichkeit am besten zu euch passt! Uuui!

Okay. Das ist jetzt nicht wirklich ernst zunehmen und nur als kleine, unterhaltsame Lektüre am Rande gedacht, eigentlich sollte ich so etwas alleine schon bei der Überschrift ja nicht erwähnen. Übrigens – ich stütze mich hier auf kein bestimmtes Rollenspielmodul wie Dungeons & Dragons, Das Schwarze Auge oder dergleichen – das sind einfach nur Archetypen, wie ich sie mir vorstelle. Möglicherweise weicht meine Vorstellung eines Mönchs also stark von eurem ab.

Genug des Geplänkels! Stürzen wir uns ins Abenteuer! Aber wer geht als was?

ENFJ– Paladin
Der strahlende Held! Der Verteidiger der Tugenden! Stets mit einem gewinnenden Lächeln auf den Lippen ermutigt er seine treuen Mitstreiter zu Höchstleistungen – aber nicht nur durch bloßes Gerede, oh nein! Die Rüstung des ENFJ-Paladins ist zwar hochglanzpoliert, aber hat in der Tat ihre Schrammen und Kerben, denn dieser mutige Anführer stürmt als inspirierendes Vorbild an vorderster Spitze in die Schlacht.

Besondere Fähigkeit: „Schwert der Ehre“ – Sobald die Ehre des ENFJ-Paladins in irgendeiner Weise angegriffen wird, brennt sein Langschwert auf und verursacht zusätzlichen Flammenschaden. Niemand stellt seine Ideale in Frage, geht’s noch?!

INFPDruide
Der INFP-Druide sieht mehr als der Rest seiner Gefährten – er kann nicht nur mit Tieren und Pflanzen kommunizieren, er spricht zur Welt selbst, sieht ihr Leiden und versucht, es selbst aufopferungsvoll zu mindern. Dafür ist er bereit, seine Isolation aufzugeben und mit einer Gruppe bunt zusammengewürfelten Abenteurern zu ziehen. Und während diese ihn anfangs noch für einen seltsamen Kauz halten, stellen sie bald fest, dass der INFP ein wahrer Freund ist, der sie selbst besser kennen lernt, als sie sich selbst.

Besondere Fähigkeit: „Verwandlung“ – Manchmal wird es dem INFP-Druiden einfach zu viel und er kann sich in ein Tier seiner Wahl verwandeln, zum Beispiel in eine Maus, um sich schleunigst zu verkriechen. Oder aber in einen wütenden Tiger, wenn er wirklich die Schnauze voll hat. Irritierte Blicke seiner Gefährten garantiert.

INTP– Zauberin
Man lernt nie aus. Nach diesem Motto lebt die INTP-Zauberin. Sie bricht nicht des Ruhmes oder des Geldes wegen auf ins Abenteuer, sondern, um mehr über die Welt zu erfahren und ihr Wissen in praktischer Anwendung austesten zu können. Ihre ohnehin mächtigen Zauber sind ihr dabei nie perfekt genug und nicht selten ist sie ein wenig enttäuscht darüber, dass ihre Gefährten ihren archaischen (wenn auch nützlichen) Feuerballzauber viel eindrucksvoller finden, als ihren verzauberten Hut, der fast alle gängigen Tavernenlieder singen kann! Hallo?!

Besondere Fähigkeit: „Die Stolze Wortstreiterin“ – Die INTP-Zauberin erhält während einer Diskussion über ihr Fachgebiet Bonuswürfel. Ganz gleich, ob sie bessere Argumente hat oder nicht, hinterher glaubt sie so oder so, dass sie die Diskussion „gewonnen“ hätte und erhält für den Rest des Tages einen Buff auf ihre Willenskraft.

ENTP Trickster
Der charmante Betrüger, dem man nicht lange böse sein kann. Mit flinker Zunge redet der ENTP-Trickster sich genau so schnell wieder aus Schwierigkeiten, wie er in sie hineingerät. Und wenn das doch nicht reicht, beherrscht er Illusionszauber wie kein Zweiter und kann sich mit Wurfmessern auch zur Wehr setzen. Die meisten seiner Gefährten sind sich trotz aller gemeinsam bestandener Gefahren oft immer noch nicht sicher, ob man ihm wirklich trauen kann, doch trotz all der Lügen und Neckereien trägt der ENTP-Trickster sein Herz am rechten Fleck.

Besondere Fähigkeit: „Zauber der vierten Wand“ – Manche Charaktere erklären ihn mitseiner Theorie, dass sie eigentlich alle in einer Fantasiewelt leben für eine verrückte Verschwörungstheoretikerin, aber ahnen nicht, wie nah der ENTP-Trickster der Wahrheit kommt. Mit seinem Zauber, der die vierte Wand durchbricht, kann er die Würfel am Spieltisch einer anderen Dimension so beeinflussen, dass sie zu seinen Gunsten fallen.

ENTJDämonenbeschwörerin
Ja, Dämonenbeschwören ist schwarze Magie und das ist verboten. Ja, im Grunde genommen versklavt die ENTJ-Dämonenbeschwörerin an sich unschuldige, wenn auch grässliche, furchterregende Wesen, indem sie diese einfach aus einer anderen Sphäre reißt und ihnen ihren Willen aufknechtet. Und ja, meistens ist sie damit nicht einmal sonderlich subtil und ihre dämonischen Sklaven richten nicht selten ein Blutbad an. Na und? Die ENTJ-Dämonenbeschwörerin weiß, dass Effizienz keinen Platz für Ästhetik hat und der Zweck die Mittel heiligt.

Besondere Fähigkeit: „Club der Untoten Dichter“ – Aufgrund ihrer Mitgliedschaft in einem dunklen, eigentlich verbotenen Orden, kennt die ENTJ-Dämonenbeschwörerin alle Erzschurken beim Vornamen, mit einigen trifft sie sich sogar nach wie vor zum Satansbibelkreis. Durch diese Verbindungen hat sie Einblicke in die Denkart ihrer Gegenspieler und erhält einmal pro Abenteuer vom Spielleiter Informationen über die ein wichtiges Detail deren Pläne.

INTJ– Schwertmagier
Für den INTJ-Schwertmagier wäre es zu simpel, sich wie der Barbar einfach nur mit einem Schwert ins Abenteuer zu stürzen und zu unpraktisch, wie die Zauberin wochenlang Bücher zu lesen, ohne dabei etwas Praktisches geschaffen zu haben, also kombiniert er das Beste aus beiden Welten, um so mit Disziplin und Geduld eines Tages zum effizientesten Abenteurer aller Zeiten zu werden. Der INTJ-Schwertmagier denkt immer schon zwei Schritte voraus, was ihn meistens in eine vorteilhafte Position bringt. Er ist sich jedoch auch bewusst, dass die mächtigsten Gegenspieler das auch tun, weshalb er es für ein notwendiges Übel erachtet, sich mit anderen Abenteurern zusammenzuschließen, die wie die letzten Trottel durch dunkle Katakomben trampeln, aber es dementsprechend auch gewohnt sind, spontan zu handeln.

Besondere Fähigkeit: „Einmal mit Profis arbeiten“ – Jedes Mal, wenn der INTJ (mal wieder) der einzige in der Gruppe ist, der noch kampftauglich ist, regt er sich so dermaßen über die Inkompetenz seiner Mitstreiter auf, dass er bis zum Ende des Kampfes Bonuswürfel auf seinen Angriffsschaden erhält.

ESTP– Söldnerin
Die ESTP-Söldnerin behauptet ständig, sie würde all die Abenteuer und ihre Risiken nur wegen dem Geld auf sich nehmen. Aber das stimmt natürlich nicht. Sie liebt den Reiz der Gefahr, die Herausforderung im Kampf, in dem sie ihre Fähigkeiten mit denen anderer messen kann und naja – wenn sie dabei noch Geld verdient, um davon ein größeres Schwert, Alkohol und den Eintritt ins Freudenhaus bezahlen zu können, warum nicht? Ihre Gefährten schätzen die ESTP-Söldnerin nicht nur für ihre enorme Kampfkraft, sondern auch für ihr lockeres, einnehmendes Wesen.

Besondere Fähigkeit: „Gewinnendes Lächeln“ – Die Söldnerin kann einmal pro Abenteuer ihr gewinnendes Lächeln einsetzen, um sich und ihre Gefährten aus einer kniffligen sozialen Situation, die in eine Kampfsituation umschwingen könnte (z.B. beim Stehlen/Falschspielen/Einbruch erwischt) zu bringen. War nicht so gemeint! War nur ein Missverständnis!

ISTP– Schurkin
Hat sich da gerade etwas im Schatten bewegt? Hat da jemand meinen Geldbeutel vom Gürtel geschnitten? Blitzt da gerade eine geschärfte Klinge im Dunkel auf? Bei all den schmutzigen Tricks, welche die ISTP-Schurkin verwendet, könnte man sich fragen, ob man sie tatsächlich als Heldin bezeichnen kann (alleine wegen der Professionsbeschreibung, nicht wahr?), aber ihre Gefährten wissen es besser. Hin und wieder landen selbst die ehrenhaftesten Abenteurer wegen eines dummen Missverständnisses hinter Gittern und wie könnten sie dann noch ihre Heldentaten vollbringen, wenn nicht die ISTP-Schurkin sie mit ihren praktischen Fähigkeiten wieder ausbrechen könnte?

Besondere Fähigkeit: „Nerven aus Stahl“ – Die ISTP-Schurkin lässt sich eigentlich durch gar nichts beeindrucken, was meistens eher schade ist. Wenn der bösartige Magier jedoch einen Zauberspruch der Angst über die Gruppe legt, ist das für die ISTP-Schurkin von Vorteil: sie erhält Bonuswürfel auf den Resistenzwurf.

ESFP– Barde
Der ESFP-Barde liebt das Rampenlicht. Der liebenswürdige Entertainer mag seinen Gefährten zwar hin und wieder auf den Geist gehen, aber letzten Endes muss es doch jemanden geben, der die Heldentaten der Gruppe aufzeichnet und für die Nachwelt festhält. Außerdem hat er auch eine ganz praktische Seite: im Kampf ermutigt er seine getreuen Mitstreiter durch inspirierende Lieder – oder zerrt mit grässlichen Kakophonien an den Nerven seiner Gegner. Und wie schlimm die Lage auch sein mag – der ESFP-Barde weiß, wie er die Gemüter wieder erhellen kann und trägt viel zur Gruppenmoral bei.

Besondere Fähigkeit: „Hier spielt die Musik!“ – Wenn sich der ESFP-Barde unbeachtet fühlt, kann er sich in Rage versetzen – er bekommt einen Wutanfall und kann mit einem Charisma-Wurf versuchen, die Aufmerksamkeit der Gegner auf sich zu ziehen. Wofür kleidet er sich so extravagant, wenn er sich dann ausgerechnet von der popligen ISTP-Schurkin die Show stehlen lässt?

ISFP– Waldläuferin
Seite an Seite mit ihrem Wolfshund streift die ISFP-Waldläuferin durch das dichte Dickicht. Sie liebt die Abgeschiedenheit, die Natur und ihre Freiheit, auf der anderen Seite ist sie auch stets auf der Suche nach neuen Abenteuern – ansonsten hätte sie sich dieser bunt zusammengewürfelten Truppe wohl nie angeschlossen. Trotz ihrer eher einzelgängerischen Art sieht sie diese jedoch nun als ihre Freunde an und würde alles tun, sie zu beschützen. Und ihre Gefährten sind auch froh, sie zu haben, um sie durch die dunklen Wälder zu führen, Fallen zu entdecken und Feinde mit Pfeil und Bogen auf Distanz zu halten.

Besondere Fähigkeit: „Surfender Schütze“ – Die ISFP-Waldläuferin sieht generell wunderbar beim Schießen aus, aber vor allem dann, wenn sie dabei auf etwas surft. Wenn sie auf einer Anhöhe (Treppe, Hügel, Berg, Dach, Drachenkopf) steht, kann sie mit einer gelungenen Gewandtheitsprobe einen beliebigen Gegenstand (Schild, Bratpfanne, Schaukelpferd) benutzen, um diese Anhöhe hinunterzusurfen. Während dessen kann sie auf wundersame Art und Weise zwei Pfeile pro Runde verschießen.

ESTJ– Barbar
Seine Gefährten fragen sich manchmal zurecht, warum der er sich nicht einfach ein neues, leichteres und ergonimischeres Schwert holt – aber wozu auch? Der ESTJ-Barbar schwingt sein gigantisches Bastardschwert schon seit er vier Jahre alt ist – und das mit äußerster Effizienz. Er ist der Mann fürs Grobe – wenn Türen eingetreten, Felsbrocken zur Seite geschoben oder Schädel gespaltet werden müssen, dann steht der ESTJ-Barbar mit Freuden bereit. Und genau so hart und intensiv, wie er kämpft, feiert er nach einem bestandenen Abenteuer mit seinen Freunden, Alkohol und Dirnen. Das ist das wahre Leben. Warum sollte er etwas daran ändern?

Besondere Fähigkeit: „Wahrer der Alten Wege“ – Wenn irgendjemand das konservative Weltbild des ESTJ-Barbaren hinterfragt, kann er sich in einen Berserkerrausch begeben. Sagte ich „kann“? Nein, ihm bleibt gar nichts anderes übrig. Er ignoriert bis zum Ende des Kampfes Nachteile durch Wunden genau so gekonnt wie er gute Argumente für den Fortschritt ignorieren kann.

ISTJ– Alchemistin
Noch ein Tropfen… noch ein einziger. Fertig. Und nun genau drei Stunden ruhen lassen. Hört sich langweilig an? Ist es auch, aber wenn du siehst, was das Gemisch der ISTJ-Alchemistin für eine Explosion abwirft, wenn sie es auf ihre Gegner wirft, dann wirst du aufhören, sie dafür zu kritisieren. Ja, sie mag manchmal sehr pedantisch wirken, hält sich so strikt an den Kodex der Alchemistengilde, dass es ihren Gefährten Kopfschmerzen bereitet, aber am Ende ist jeder froh, solch eine zuverlässige und kompetente Begleiterin an seiner Seite zu wissen. Auch, wenn ihre Tränke nicht ganz so mächtig wie die der Hexe sind, ist es zur Abwechslung doch ganz gut, wenn man auch weiß, dass ein Gegengift im kritischen Moment tatsächlich das Gift neutralisiert, anstatt Flügel wachsen zu lassen.

Besondere Fähigkeit: Keine. Die ISTJ-Alchemistin ist einfach ein bisschen langweilig, aber sie findet das total in Ordnung. Ihre Bomben machen das wieder wett, wer braucht da besondere Fähigkeiten?

ISFJ– Kleriker
Der ISFJ-Kleriker dient seinen Schutzbefohlenen mit solcher Hingabe, dass es erstaunlich anmutet, dass seine Gottheit für ihn sogar noch über seinen Gefährten steht. Seine Tugendhaftigkeit steht dem des Paladin in nichts nach, doch anders, als sein kampfeslustiger Glaubensbruder, meidet der ISFJ-Kleriker es, im Mittelpunkt zu stehen und gibt sich damit zufrieden, im Stillen dort zu helfen, wo er kann. Gerade für seine natürliche Bescheidenheit – und natürlich auch für seine Heilkünste – schätzen ihn seine Gefährten sehr.

Besondere Fähigkeit: „Der Kuchen“ – Der ISFJ-Kleriker kann zwischen den Abenteuern Kuchen backen und in einer geeigneten Tupperware mitnehmen. Gerne teilt er ihn mit seinen Freunden und die ganze Gruppe regeneriert für die Rast doppelt so viele Gesundheitspunkte.

ESFJ– Gastwirtin
Die ESFJ-Gastwirtin ist viel zu verantwortungsvoll, ihre Schenke einfach unbehütet stehen zu lassen, aber da sie ständig von Abenteurern umgeben ist, kann man sie schon fast zu einer der ihren erklären. Und in gewisser Hinsicht – die Taverne vor all den liebenswürdigen, aber raufsüchtigen, diebischen, lauten, betrunkenen und mitunter wirklich gefährlichen Abenteurern zu schützen, das ist mindestens genau so gefährlich, wie eine Drachenjagd. Aber die ESFJ-Gastwirtin macht das gerne. Sie weiß, womit sie jeden einzelnen ihrer Gäste zufrieden stellen kann, hat immer ein volles Lager und mit all den Geschichten, die sie zu hören bekommen hat, steht sie mit ihrer Erzählkunst mit dem Barden in einer freundschaftlichen Konkurrenz.

Besondere Fähigkeit: „Ihr räumt das aber wieder auf, ja?!“ – Mit einer erfolgreichen Charismaprobe gelingt es der Gastwirtin doch tatsächlich, ihre Kunden dazu zu bringen, den Saustall, den sie verursacht haben, auch wieder aufzuräumen.

ENFP– Hexe
Warum fliegt die ENFP-Hexe auf einem Besen umher? Weil sie es kann. Und weil es lustig ist. Und weil man so viel von der Welt sehen kann. Und ihre mächtigen Tränke? Mehr oder weniger Zufall. Ihr war eben danach, mal einen Cocktail aus Krötenaugen, Graberde und Minotaurenhoden zu trinken. Wer hätte wissen können, dass sie sich dadurch unsterblich in einen dieser Abenteurer verlieben würde? Aber so etwas passiert ihr auch ohne Zaubertrank. Wer mit der ENFP-Hexe reist, hat das Abenteuer bereits gefunden.

Besondere Fähigkeit: „Emotionen über Logik“ – Mit einem mächtigen Eventualitäts-Zauber durchbricht die Hexe jegliche Naturgesetze (oder interpretiert sie um) und verbiegt so die Essenz der Realität zu ihrem Vorteil. Dadurch verwandeln sich Pfeile in Bonbons, Säbelzahntiger in Nyan Cats und alle Anwesenden haben auf einmal eine invertierte Persönlichkeit – leider erträgt eine ISTJ-Hexe solche chaotischen Zustände nicht lange, dass dieser entsprechend schnell wieder aufgehoben wird.

INFJMönch
Askese und Leidenschaft. Übermenschliche Ideale und Bescheidenheit. Friedfertigkeit und Tödlichkeit. Der INFJ-Mönch wahrt die Balance zwischen all diesen Eigenschaften. Er ist selbst diszipliniert und weise. Weltfremd? Nein. Nur zurückgezogen. Er weiß nur zu gut, wie seine Zeitgenossen ticken und ist erstaunlich umgänglich für einen einsamen Eremiten. Er verschreibt sich nur Idealen, die weit über das physische Auge hinausgehen und verfolgt sie mit besonnender Hartnäckigkeit.

Besondere Fähigkeit: „Serenität des Wassers“ – Der INFJ-Mönch konzentriert sich auf seine Meditationstechnik und alles um ihn herum verschwindet und wird angesichts der wirklich wichtigen Dinge des Universums irrelevant. Ein Speer in seiner Seite? Egal, macht ihm nichts. Gefährten, die ihm ständig mit demselben Gelaber auf die Nerven gehen? Egal, sie werden schon klar kommen. Besonders hochstufige Mönche können Monate in diesem Zustand verbringen und müssen derweil nicht einmal Nahrung zu sich nehmen.

Die herausragendsten (eher positiven) Eigenschaften der 16 Typen

Häufig gibt es zwischen den 16 Typen Überschneidungen bei Qualitäten und Schwächen. Aber welche sind die Eigenschaften, die bei den Typen jeweils ausgeprägter sind, als bei allen anderen? Mit diesem Thema habe ich mich auseinandergesetzt und bin zu interessanten (und streitbaren) Schlüssen gekommen. Natürlich sind die Eigenschaften nicht exklusiv – auch ein INFJ kann höflich und ein ESFP abenteuerlustig sein, aber hier soll es wirklich um die jeweilige Nummer 1 gehen: auf welchen Typen trifft diese Eigenschaft am meisten zu?

ISTJ: Gründlich
Wenn ein ISTJ eine Aufgabe annimmt, wird er ihr in der Regel aufs Wort genau nachgehen. Kaum ein Typ hat solch ein Auge für Details, wie ein ISTJ. Mit dem typisch starken Pflichtbewusstsein ausgestattet wird der ISTJ auch bei langwierigen Aufgaben Kleinigkeiten beachten. Für ihn gibt es kein „ein bisschen falsch“, sondern nur ein „korrekt erledigt“ oder „unfertig“.

ESTJ: Fleißig
Vielleicht nicht ganz so gründlich, aber dafür umso eifriger, wird ein ESTJ sich an die Arbeit machen. Dieser Typ hat vielleicht nicht immer ein langfristiges Ziel vor Augen, aber wenn er sich etwas vorgenommen hat, dann wird es auch durchgezogen – und wenn noch so viel Schweiß und Tränen fließen müssen. Work hard, play hard.

ISFJ: Höflich
Immer darauf bedacht, niemandem auf den Schlips zu treten, überlegen sich ISFJs in aller Regel zweimal, welche Worte in welcher Situation am angemessensten sind. Von allen Typen kennen sie sich in der Regel am besten mit sozialer Etikette aus und verstehen es wie kein anderer, anständig und respektvoll und zugleich herzlich zu sein.

ESFJ: Hilfsbereit
Bei vielen ESFJs könnte man meinen, dass „Helfen“ für sie ein ganz allgemeines Hobby ist. Selbst, wenn für sie nichts (außer einem guten Gefühl im Herzen) dabei herausspringt, werden sie Umwege gehen, um auch fremde Menschen zu unterstützen. Wenn es sich bei den Hilfsbedürftigen dann auch noch um Freunde/Familie handelt, kennt ihre Selbstlosigkeit nur wenige Grenzen.

INTJ: Ehrgeizig
Kaum ein Typ steckt sich so hohe Ziele wie der INTJ. Vielleicht haben sie nicht dieselbe Energie wie ESTJs oder ENTJs, aber ihre Ausdauer, an einem Ziel festzuhalten, das andere möglicherweise noch gar nicht begreifen können und ihre sorgfältige Planung, wie ihre anspruchsvollen Maßstäbe zu erreichen sind, machen das mehr als wett.

ENTJ: Willensstark
Durchsetzungsfähig, autoritär und optimistisch sind ENTJs nicht selten geborene Führungspersönlichkeiten. Sie sind Meister darin, die Effizienz in anderen Menschen und Dingen einordnen und so einsetzen zu können, dass ihr Vorhaben verwirklicht werden kann. Man kann sich über die Sinnhaftigkeit ihrer Ziele streiten, aber zumindest werden sie eines: erfüllt.

INFJ: Visionär
Ähnlich wie INTJs stecken sich INFJs anspruchsvolle Ziele, jedoch sind die der INFJs von eher transzendenterer und idealistischerer Natur. Sie sehen die Zusammenhänge vor allem in gesellschaftlichen Aspekten und verbinden ihren Weitblick mit ihrer Fähigkeit, Stimmungen aufzugreifen und sich zu Nutze zu machen. Ihre Pläne gehen weit über ihre eigene Person hinaus.

ENFJ: Motivierend
ENFJs sehen das Beste in ihren Mitmenschen und brauchen diesen Blogpost dementsprechend wahrscheinlich gar nicht. Nicht nur das, sie sind auch besonders fähig darin, die Stärken in anderen zu aktivieren, zu fördern und in die richtigen Bahnen zu weisen, indem sie mit ihrem Optimismus von den Schwächen ablenken und die Gedanken auf ein gemeinsames Ziel richten.

ISTP: Cool
Wenn alles in Flammen steht, in Chaos versinkt und Panik ausbricht, werden ISTPs immer noch einen kühlen Kopf bewahren. Kaum etwas lässt sie aus der Ruhe bringen. Während selbst ISTJs bei nie dagewesenen Konflikten ins Schwitzen geraten, sehen ISTPs darin häufig eher eine Herausforderung. Analysieren, anpacken, überwältigen – fertig. Niemand macht das so lässig wie ein ISTP.

ESTP: Mutig
Während andere Risiken eher aus dem Weg gehen, sucht der ESTP danach. Anpassungsfähig und aufmerksam finden ESTPs besser als jeder andere Persönlichkeitstyp selbst in turbulenten Situationen die vielversprechendsten Möglichkeiten und gehen auch direkt darauf ein. Andere gehen vielleicht überlegter vor, aber wohin sie auch gehen: ein ESTP war immer vor ihnen da.

ISFP: Verspielt
Es gibt zwar mit Sicherheit Typen, die als schrulliger gelte, aber mit verspielt beziehe ich mich darauf, dass ISFPs am ehesten in den Aktivitäten, die sie tun, eine Art Spiel, schon fast eine Art Hobby-/Freizeitbeschäftigung sehen können. So können sie selbst für die banalsten Dinge eine kindliche Freude aufbringen und sich immer wieder auf neue „Abenteuer“ einlassen und ihren Horizont erweitern.

ESFP: Ausdrucksstark
Man könnte es auch als „natürliches Charisma“ bezeichnen: ESFPs verstellen sich (in der Regel) nicht, sondern bringen ihre Gefühle ganz authentisch nach außen. Man muss nicht einmal die selbe Sprache wie sie sprechen, alleine schon mit Ton, Gestik, Mimik und Körperhaltung können sie ihre Emotionen nach außen kanalisieren – nicht selten findet man ESFPs daher auch auf der Bühne vor.

INTP: Skeptisch
INTPs sind bekannt dafür, kritische Fragen zu stellen – zum einen, weil sie sich tatsächlich interessieren und zum anderen, weil sie sich trauen, auch gesellschaftlich sensiblere Themen anzusprechen. Dabei bleiben sie in der Regel objektiv nüchtern und können dadurch auch sehr reflektierte und unvoreingenommene Entscheidungen treffen.

ENTP: Listig
ENTPs sind Meister darin, Fakten plausibel umzuinterpretieren und die Wahrheit so sehr zu verbiegen, ohne, dass man ihnen anhängen könnte, zu lügen. Kombiniert mit ihrem Einfallsreichtum und ihren (nicht nach außen offensichtlichen) empathischen Fähigkeiten macht das ENTPs zum listigsten aller Typen.

INFP: Eigenartig
Während man „eigenartig“ vielleicht nicht allgemein als eine positive Beschreibung durchgehen lässt, tun das INFPs schon: sie wollen nicht so sein, wie andere und tun das auch sehr erfolgreich. Eines kann man von INFPs dementsprechend nicht behaupten: dass sie so sind, wie alle anderen und nur eine billige Kopie. INFPs stehen dazu, wer sie sind, so seltsam sie auch sein mögen.

ENFP: Mitreißend
ENFPs haben ein sensibles Gespür für Möglichkeiten – ob sie jetzt praktisch umsetzbar sind oder nur Traumschlösser sind, ihre Fantasie hat einen ansteckenden Charakter, dem man sich nur kaum entziehen kann. ENFPs haben ein Händchen dafür, selbst in ihren nüchternsten Mitmenschen einen Funken von Interesse für Neues zu wecken.

Als die xSxJ’s das Internet überfielen

Ein kurzes Vorwort: diesen Blogbeitrag widme ich Marcel, der SJs über alles zu hassen scheint. Allerdings – auch, wenn ich hier sehr kritisch über vier Persönlichkeitstypen schreibe, ich will hier nicht die Gesamtheit aller SJs über einen Kamm scheren oder diese Persönlichkeitstypen generell schlecht reden. Ich beziehe mich hier nur auf bestimmte Phänomene im Internet, die mir einfach schon sehr häufig aufgefallen sind.

Das Internet war, soweit ich mich als Digital Native daran erinnern kann, immer ein skurriler, wundersamer Ort voller Absurditäten, fragwürdiger Informationen (willkommen auf meinem Blog!) und schrulliger Gestalten. Dass es so zu einem solch unglaublich hasserfüllten internationalen Jammerkasten wurde, ist jedoch eine Entwicklung, die sich meiner Beobachtung nach erst in der vergangenen Dekade vollzogen hat. Ich will mich jetzt nicht auf politische Instrumentalisierungen des Internets mit Pepe dem Frosch und Trump festbeißen, sondern, damit auch politisch uninteressierte mitlesen können, auf den Bereich der Unterhaltungsmedien. Um genauer zu sein, auf Star Wars und Game of Thrones konzentrieren, um ein gutes Beispiel für die Entwicklung des WorldWideWebs zu haben.

Es sei gesagt, dass ich kein großer Fan der Prequel-Trilogie von Star Wars (Episode I-III) bin und tatsächlich auch selbst zu den unerträglichen Leuten gehöre, die sagen: „Die OT (Episode IV-VI) ist immer noch am besten!“, sowie „A Song of Ice and Fire, also die Bücher auf denen Game of Thrones basiert, sind viel besser als die Serie!“ und „Ab Staffel 5 hat GoT sowieso sehr an Qualität verloren, weil es jetzt nicht mal mehr auf den viel besseren Büchern basiert“. ABER. Interessanterweise gehöre ich auch zu den Leuten, welche die neuen Star Wars Filme, sowie die jüngsten Game of Thrones Folgen in Schutz nehmen.

Und ich will dabei jetzt auch gar nicht so sehr auf meine persönlichen Gründe eingehen, warum irgendetwas aus genannten Filmen/Serien gut oder schlecht ist, das können wir gerne auf die Kommentarsektion verlegen, sondern auf die Beobachtung des Verhaltens im Internet. Insbesondere Episode 8 – The Last Jedi erregte bei vielen „Fans“ großen Unmut. Woran lag das nun? Es gibt hunderte von Videos auf YouTube, in denen wütende Vlogger sich beschweren, wie ihre Kindheit/Jugend in dem Film auf einmal auseinander genommen wird. Es gibt viele Gründe, warum das so ist, aber einer der meistgenannten ist der Folgende. Achso. Spoilerwarnung. Wer den Krams noch nicht gesehen hat und das noch vorhat, sollte vielleicht nicht weiterlesen. Ansonsten, viel Spaß, unten geht’s weiter.

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Warum Online-(MBTI-)Tests kritisch zu betrachten sind

Das Thema kam in den Kommentaren jetzt schon häufiger vor, daher habe ich beschlossen, einen Beitrag dazu zu verfassen.

Online-Tests zum MBTI sind meistens unsere ersten Berührungspunkte mit dem Thema gewesen, zumindest war es bei mir so. Man liest etwas über diese 16 Typen, ist sich aber in der Regel zunächst zu bequem, sich da wirklich ernsthaft einzulesen – verständlich, da man ja noch nicht weiß, was man überhaupt von diesem ganzen Konzept halten soll.

Meistens liegen die Tests auch nicht komplett daneben, zumindest nicht, wenn man im Nachhinein sagt: „Naja, nur ein Buchstabe hat nicht gepasst“. Ich habe ihn mal als 17-jähriger gemacht, da kam INFP heraus, vergessen und gute drei Jahre später nochmal gemacht und INTJ als Ergebnis erhalten. Zumindest das mit dem introvertiert und intuitiv schien also gestimmt zu haben. Aber das ist auch das Problem – es geht um Buchstaben, nicht wirklich um die Funktionen.

Um mein Problem an meinem Beispiel zu erklären: Mein Testergebnis als INTJ war sich ziemlich sicher darüber, dass ich „I“, „N“ und „T“ war, das „J“ war da schon etwas schwieriger: da ich Tendenzen zur Unordnung habe, aber diese immer wieder angehe und zeitweise „überwinde“, konnte ich – zumindest zu diesem Zeitpunkt – viele Fragen, bei denen es eben um Ordnung geht, eine „J“-Antwort geben – ich war dann ungefähr „53% Judging“ laut Test.

Und hier fängt der Blödsinn meiner Meinung nach an. Die Fragen gehen nur in zwei Richtungen und dazu noch in die Falschen. Nehmen wir ein Beispiel aus der relativ bekannten Seite „16personalities“: „Organisiert zu sein ist Ihnen wichtiger, als anpassungsfähig zu sein.“

Hier kann man nun angeben, wie sehr die Antwort zutrifft, sogar in sieben Abstufungen. Die geben dir aber am Ende einfach nur eine Unterschiedliche Anzahl an Punkten auf dein „J“ oder dein „P“-Konto. Wenn du hier z.B. „Ja +3“ angibst, gibt es einfach 3 Punkte auf dein „J“, wenn du „Nein -1“ angibst, gibt es 1 Punkt auf dein „P“.

Die erste Schwierigkeit, die ich hier sehe, fangen schon da an, dass die Frage falsch interpretiert werden kann. Was genau versteht man hier als anpassungsfähig und in welchem Kontext? Ich hätte jetzt „Ja“ angegeben, weil ich „anpassungsfähig“ aus meinem Bauchgefühl in sozialen Kontext gesetzt hätte, was definitiv nicht der Fall bei mir ist. Ich habe darauf nie sonderlich großen Wert gelegt und kann das auch nicht so gut. Organisiert sein hingegen will ich, auch, wenn ich damit auch hin und wieder Probleme habe. So ausgelegt könnte man sagen, gäbe diese Frage „T“ -oder „F“-Punkte. Jemand anderes könnte die Frage so auslegen, wie sie (wahrscheinlich) gemeint ist: hältst du dich lieber an stramme Abläufe und Routine oder bist du lieber flexibel und entscheidest spontan?

Nehmen wir an, das ist die Interpretation, die sich der Autor gedacht hat, kommen wir zum nächsten Problem: gerade, was „Judging“ und „Perceiving“ angeht, sind wir oft das eine, streben aber nach dem anderen. J-Personen sind zwar oft organisiert, aber sehnen sich danach, manchmal auch einfach mal etwas entspannter zu sein. „P“-Personen leben meistens in den Tag hinein, viele ihrer Konflikte entstehen aber auch aus ihrer laissez fairen Haltung und wenn sie ein wenig reflektiert sind, versuchen sie auch dagegen zu arbeiten. Darüber hinaus bestimmen „J und P“ im Grunde genommen nicht nur über eine Funktion, sondern gleich über alle, weil es letztlich festlegt, ob die Funktionen introvertiert oder extrovertiert sind.

Ich bin ein INTP (eine gute Frage wäre hier: „Wieso bist du dir da so sicher?“, aber dazu später) und habe daher die Funktionen „Introvertiertes Denken“, „Extrovertiertes Intuieren“, „Introvertiertes Empfinden“ und „Extrovertiertes Fühlen.“. Wie erwähnt war mein Ergebnis allerdings „INTJ“, was bedeutet, dass mein Denken extrovertiert, mein Intuieren introvertiert, mein Empfinden extrovertiert und mein Fühlen introvertiert war. Es stimmte also keine einzige Funktion. Dieser kleine Buchstabe „J“ machte also im Grunde genommen alles falsch.

Das dritte Problem ist die Sache mit der Ehrlichkeit. Am Ende sind zwar alle Typen gleich viel wert und keiner ist besser als der andere (nur subjektiv, nicht wahr, Marcel?), aber viele Leute sind doch sehr stark durch ihr Umfeld und ihre Geschichte geprägt, wenn es um Tugenden geht. Wenn man in einer Familie aus Geisteswissenschaftlern aufwächst, ist es sehr gut möglich, dass vor allem intuitive Funktionen geschätzt und gefördert wurden, wenn man vor allem Sportler als Freunde hat (warum auch immer, vielleicht gab es einfach zufälligerweise keine anderen), kann man wiederum den Eindruck vermittelt bekommen, extrovertiertes Empfinden sei „die wichtigste Funktion“. Man könnte noch weitere Beispiele aufführen, aber ich denke, der Kern der Problematik ist klar: wenn wir die Fragen beantworten, kann es sein, dass wir in bestimmte Richtungen tendieren zu antworten, weil wir (eventuell unterbewusst) das Gefühl haben, unsere Gesellschaft will, dass wir uns nach einem bestimmten Schema verhalten und dem beugen wir uns – oder auch nicht und wir klicken genau deshalb das andere Ergebnis an, selbst, wenn es eigentlich falsch ist.

Jetzt brennt wahrscheinlich die Frage: wie soll es denn dann gehen? Durch ein Verstehen der acht Funktionen. Dadurch werden im Grunde genommen die drei Probleme umgangen. Man hat hier eigentlich gar keine Möglichkeit, die Funktionen in falschem Kontext zu sehen, weil sie allgemeingültige Konzepte sind. Klar, wenn du z.B. ein ENFP bist und dich über die denkenden Funktionen informierst, dann könnte es sein, dass du beide komisch findest, dich bei beiden gleichermaßen wiederfindest oder eben überhaupt nicht, aber spätestens, wenn du über extrovertiertes Intuieren, deine erste Funktion liest, sollte der große: „Moment Mal, das bin doch ich!“-Effekt kommen. Ich bin jetzt einfach mal so arrogant und behaupte, wenn man jeden meiner Artikel über die einzelnen Funktionen gelesen hat und sich in keinem davon verstärkt wiederfinden konnte, dann man die ganze Sache mit den Funktionen noch nicht richtig verstanden.

So ging es mir dann auch, als ich immer wieder „INTJ“- und „INTP-„Ergebnisse, je nach Tagesform erhielt und daraufhin einfach mal Jungs‘ „Typologie“ gelesen habe: ich habe festgestellt, dass ich bei der Beschreibung von introvertiertem Denken ständig kichern musste, weil es so zutreffend war und bei der Beschreibung von extrovertiertem Denken häufiger die Nase rümpfen musste, weil mir die Art, so zu urteilen überhaupt nicht zusagte. Wohlgemerkt habe ich zu dem Zeitpunkt noch nicht gewusst, welche Funktion mit welchem Typ genau verknüpft war, ich habe also bewertet, aber nur die Funktion an sich, nicht in irgendeinem voreingenommenen Kontext.

Wenn man eine Funktion entdeckt hat, die wie die Faust aufs Auge passt, ist der Weg zur vollständigen Analyse nicht weit – war es eine introvertierte Funktion, ist die zweite eben extrovertiert und andersherum, selbes gilt für urteilend und wahrnehmend. In meinem Fall gab es also nur noch zwei Optionen für meine zweite Funktion, die da waren: extrovertiertes Intuieren und extrovertiertes Empfinden, was mir sehr leicht viel, zu sagen, was eher auf mich zutraf. Ein ehemaliger Bandkollege (ESTP) hat öfters mal die Bemerkung und Anspielung zu Obelix, der als Kind in den Zaubertrank gefallen ist, fallen lassen, ich sei als Kind in einen LSD-Topf gefallen, weil ich ständig so „seltsame Ideen“ hätte – bei der Anekdote will ich noch erwähnen, dass Fremdwahrnehmungen zwar nicht immer treffend sein müssen, aber die Eigenwahrnehmung in vielen Fällen gut ergänzen können. Ich habe als Kind schon immer gerne eigene (Karten-)Spiele entwickelt, Romane geschrieben und Musikstücke komponiert, was eher weniger für extrovertiertes Empfinden steht – hätte ich das gehabt, wäre ich wohl viel mehr draußen gewesen, Sport gemacht und hätte zwar vielleicht nicht unbedingt Musikstücke komponiert, aber dafür bei meiner Leidenschaft für Musik wahrscheinlich viel mehr gespielt.

Wenn die beiden Funktionen und ihre Reihenfolge geklärt sind, ist automatisch auch der Typ geklärt. Die Methode ist natürlich auch nicht perfekt und man kann immer noch ziemlich daneben liegen (TI/FI und TE/FE sind erfahrungsgemäß häufig noch Unsicherheitsquellen in der Selbstanalyse, da sich diese Funktionen ähnlicher sind, als man annehmen würde), aber man fährt sicherer als bei ominösen Onlinetests, die auf sehr viele verschiedene Weisen ausgelegt werden können und hinterher eigentlich noch nichts erklärt haben.

Ich fürchte, ich habe noch nicht alles abgedeckt, aber dafür gibt es ja die Kommentarfunktion. Gerne lasse ich mich – wie immer – auf Diskussionen mit euch zu diesem Thema ein 😉

Extrovertiertes Fühlen

Extrovertiertes Fühlen, oder kurz FE (englisch: Feeling Extroverted) ist die Funktion, welche sich in erster Linie auf die eigene Emotionalität bezieht. Die Funktion ist am ausgeprägtesten bei den Typen ENFJ und ESFJ und steht an zweiter Stelle bei deren introvertierten Pendants: INFJ und ISFJ .

Der Unterschied zu Denkern
In vielerlei Hinsicht ist das der offensichtlichste Unterschied zwischen allen Funktionen: während Denker ihre Entscheidungen (versuchen möglichst) unparteiisch und nüchtern zu fällen, sind Fühler allgemein emotional sehr voreingenommen. Wenn ein Denker in einer Führungsposition, insbesondere ein extrovertierter Denker, es mit einem inkompetenten Angestellten zu tun hat, wird er in der Regel wenig Scheu zeigen, diesen zu entlassen, wenn es zum Besten für das Unternehmen ist. Der extrovertierte Fühler tut sich damit um einiges Schwerer, weil er stark mitfühlend und auf persönlicher Ebene wohlwollend ist.

Was sich von dieser Perspektive als Schwäche zeigt, ist auf rein zwischenmenschlicher Seite jedoch meistens eine große Stärke. Andere Menschen fühlen sich insbesondere zu extrovertierten Fühlern stärker hingezogen, als zu Denkern, da FE nach außen hin wie bereits erwähnt wohlwollend, aber auch menschlich, Anteil nehmend wirkt. Man fühlt sich vielleicht nicht zwangsweise verstanden, aber zumindest nicht alleine gelassen. Auch die negativen Stimmungen werden jedoch viel vehementer nach außen getragen. Die Laune eines extrovertierten Fühlers füllt oftmals ganze Räume aus, während der emotionale Zustand eines Denkers häufig im Verborgenen bleibt.

Während TE Effizienz verlangt und TI die Wahrheit, strebt FE vor allem Harmonie an. „Aim to please“ trifft also am ehesten auf extrovertierte Fühler an, was auch daran liegt, dass sie die Stimmung in einer Gruppe viel stärker erfassen und empfinden als jeder andere Typ – selbst introvertierte Fühler fühlen sich häufig überfordert, wenn sie mit mehr als nur einer anderen Person konfrontiert werden. Extrovertierte Fühler lernen durch diese Ausprägung relativ gut, ihre Mitmenschen zumindest oberflächlich zu lesen: hat die andere Person Angst? Ist sie entspannt? Ist sie interessiert, gelangweilt, traurig? Der extrovertierte Fühler wird vielleicht nicht wissen, weshalb sein Gegenüber sich in jenem Zustand befindet, aber zumindest wird er denselben ebenfalls spüren – etwas, das Denkern, insbesondere extrovertierten Denkern schwer fällt.

FE priorisiert dementsprechend Zwischenmenschliches ganz klar vor Effizienz und Logik. Würde man drei Teams miteinander vergleichen, von denen eines von einem extrovertierten Fühler, das zweite von einem extrovertierten Denker und das dritte von einem introvertierten Denker geleitet wird, kann man sich sicher sein, dass das TE-Team, das Team wahrscheinlich schneller erreichen wird, es FE-Team aber genauso wahrscheinlich eine bessere Stimmung/Moral geben wird. Das TI-Team wird während dessen möglicherweise weder ganz fertig noch über einen besonderes ausgeprägten Teamgeist verfügen, aber introvertierte Denker gelten auch nicht als die besten Teamleiter.

Der Unterschied zu introvertierten Fühlern
Während extrovertierte Fühler mitfühlend sind, sind introvertierte Fühler einfühlsam. FE nimmt einen sehr genauen Abdruck der Stimmung seines Gegenübers war und wird ihn auf sich selbst übertragen können, aber immer noch versuchen müssen, zu verstehen, warum sich das Gegenüber so fühlt, wobei die vierte Funktion, TI, hier eine unterstützende Rolle spielt. FI hingegen kann oft nicht anders, als sich automatisch direkt in die Lage des anderen zu versetzen und die Situation aus genau derselben Perspektive zu betrachten. Die emotionale Reaktion kann daher zwar abweichen, aber der introvertierte Fühler wird eher Verständnis aufbringen, als Sympathie (wobei letzteres natürlich nicht ausgeschlossen werden muss).

Extrovertierte Fühler haben also eher eine Einstellung: „Egal, wer du bist, was du durchgemacht hast und wieso – du bist traurig, also bin ich auch traurig“ und bringen, sofern sie ausgeglichene Persönlichkeiten sind, auch eher ein gewisses Grundmaß an Freundlichkeit und Wohlwollen mit, während introvertierte Fühler hier etwas anders eingestellt sind: „Ich kann mich in dich hineinversetzen und erahne, wer du bist, was du durchgemacht hast und kann verstehen, weshalb – du bist traurig und ich weiß, weshalb.“ Ob der introvertierte Fühler nun auch angesteckt wird von der Emotion seines Gegenübers, hängt vom eigenen Wesen und der eigenen Stimmung ab. Die Emotionen sind für introvertierte Fühler nicht unbedingt ansteckend.

Da gerade über diesen Unterschied häufig Unklarheit herrscht, kommt es auch schnell zwischen intro- und extrovertierten Fühlern zu Konflikten: extrovertierte Fühler werfen ihren introvertierten Pendants oft vor, kalt zu sein, da sie nicht die eigentlich erwartete emotionale Reaktion bekommen, während introvertierte Fühler ihnen wiederum vorwerfen, „unecht“ zu sein und deren Gefühle als vorgeheuchelt empfinden. Beide Empfindungen sind jedoch falsch, da der introvertierte Fühler so stark fühlt, wie kein anderer Typ und ihm häufig nur die Fähigkeit fehlt, seine Emotionen auch nach außen hin zu kommunizieren, während der extrovertierte Fühler die Gefühle seiner Umgebung wahrhaftig empfindet. Als triviales, aber dennoch aussagekräftiges Beispiel, kann man aufführen, dass extrovertierte Fühler am ehesten dazu neigen, bei Filmen zu weinen (sofern die Schauspieler überzeugend genug sind) und man ihnen wohl kaum vorwerfen wird, dass das nur gespielt sei.

Die Vorteile extrovertierten Fühlens
Extrovertierte Fühler können Gefühle hervorragend nach außen kommunizieren – auch, wenn sie nicht zwangsläufig selbst empfunden werden. Das macht sie in sozialen Situationen sehr flexibel – sie können sich, sofern sie sich dabei nicht selbst zu sehr unter Stress setzen, stets selbst neu erfinden und diverse Rollen einnehmen, wobei sie dabei durch ihr Harmoniebedürfnis auch eingeschränkt werden. Sie nehmen eher ungern die Rolle des Anklägers, des Spötters oder des Zweiflers ein, sind allerdings umso mehr in ihrem Element, wenn sie andere verteidigen, zwischen Parteien vermitteln oder einfach nur für eine angenehme Stimmung sorgen wollen.

Selbstverständlich kommt ihnen auch die Fähigkeit zu Gute, die Gefühle anderer schnell und präzise zu erfassen und sich dementsprechend auf ihre Umgebung anzupassen. Extrovertierte Fühler sind dementsprechend soziale Chamäleons, welche sich nicht nur ihrer Umgebung anpassen können, sondern ihre Farbmuster auch besonders detailliert erkennen können. Darüber hinaus macht ihre positive Art sie häufig zu kompetenten Motivatoren und durch ihr Gruppenverständnis haben sie ein ausgeprägtes Bewusstsein für Etikette.

Die Nachteile extrovertierten Fühlens
Das starke Harmoniebedürfnis von FE trübt selbstredend das objektive, nüchterne Urteilsvermögen und nicht selten kann es deshalb vorkommen, dass auf lange Sicht falsche Entscheidungen zugunsten von temporärer emotionaler Befriedigung getroffen wurden. Das kann dazu führen, dass das wohlwollende Wesen extrovertierter Fühler schnell ausgenutzt werden kann oder aber sich anderen zu sehr aufdrängt, die eigentlich gar keine Hilfe – oder zumindest nicht die des extrovertierten Fühlers wollen. Extrovertierte Fühler haben das Bedürfnis, von ihrer Umgebung gemocht zu werden und geben viel auf die Meinung anderer – bis zu einem Punkt, dass sie sich selbst emotional abhängig machen können und/oder manipulativ, süchtig nach Aufmerksamkeit und eitel erscheinen oder gar werden können.

Extrovertiertes Fühlen Fühlen an den verschiedenen Stellen

Erste/Zweite Funktion FE (ENFJ, ESFJ, INFJ, ENFJ): 
„Lass uns das gemeinsam machen – zusammen macht es doch auch einfach mehr Spaß!“

„Beruhig dich. Ich bin bei dir, gemeinsam schaffen wir das, okay?“

„Hey, du bist richtig gut darin – voll das Naturtalent, oder?“

„Ich finde, dass du mehr Rücksicht auf andere geben solltest und ich denke, eine Entschuldigung wäre jetzt wirklich angebracht.“

„Ich meine es doch nur gut mit dir, warum siehst du das denn nicht und weist mich ab?“

Dritte/Vierte Funktion FE (ENTP, ESTP, INTP, ISTP): 

„Oh, das… ist scheiße. Ich würde dir ja echt gerne helfen, wenn ich könnte, aber ich weiß nicht wie.“

„Ich verstehe ja, dass du wütend bist, aber nicht, warum du deshalb deinen Verstand ausschaltest und nur noch idiotische Dinge tust.“

„Doch, doch. Ich mag dich. Bist in Ordnung. So und nun genug der Gefühlsduselei, wo waren wir?“

„Wenn du jemanden zum Reden brauchst – ich bin da. Erwarte nicht, dass ich mit dir weinen werde, aber reden ist auf jeden Fall drin, okay?“

„Die Leute halten mich anfangs immer für freundlich und sympathisch – bis sie mich besser kennen lernen, habe ich den Eindruck.“

Introvertiertes Empfinden

Introvertiertes Empfinden, oder kurz SI (englisch: Sensing Introverted) ist die Funktion, die uns dabei hilft, Eindrücke abzuspeichern und darauf zurückzugreifen, demzufolge also auch Informationen aus der Gegenwart mit denen der Vergangenheit zu vergleichen. Die Funktion ist am ausgeprägtesten bei den Typen ISTJ und ISFJ und steht an zweiter Stelle bei deren extrovertierten Pendants: ESTJ und ESFJ.

Der Unterschied zu Intuierern
Das Ziel von SI ist es, die Welt so zu erfassen, wie sie ist und sich zu erinnern, wie sie war. Intuierer hingegen konzentrieren sich vor allem auf das, was sein könnte, also nicht unbedingt so sehr auf die Realität. Im direkten Vergleich wirken Intuierer viel bodenständiger und sachlicher, man könnte auch sagen: nüchterner. Um die wahrnehmenden Funktionen zu beschreiben, ist es sinnvoll, sie bildlich zu vergleichen: während das extrovertierte Intuieren, das sehr auf die Möglichkeiten und verschiedenen Blickwinkel fixiert ist, eher einem Kaleidoskop gleicht, welches die Realität stark verzerrt, ähnelt das introvertierte Intuieren eher einer distanzierten Satellitenansicht, welche ein „Big Picture“, aber keine Details liefert. SI hingegen entspricht eher einem Landschaftsgemälde: es entspringt zwar der direkten Wahrnehmung des Künstlers und ein fremder Beobachter wird die Vorlage nach Betrachten des Bildes wohl auch wieder erkennen, aber es bleibt dennoch ein subjektives Empfinden, das nicht absolut der Realität entspricht. So bleiben auch beim introvertierten Empfinden bestimmte Details hängen, teilweise als harte Fakten, teilweise auch als subjektive Eindrücke.

Dadurch entsteht eine starke: „Ich weiß, was ich gesehen habe!“-Mentalität, die oft in Konflikt gerät mit der Einstellung von Intuierern, die rein sinnlichen Eindrücken eher misstrauen, bzw dazu tendieren, sie im Vergleich zu Ideen und hypothetischen Möglichkeiten gering zuschätzen. Neue Situationen – oder eben auch besagte Ideen und Möglichkeiten bergen für SI immer ein Risiko: auf der einen Seite natürlich die innere Datenbank zu erweitern, auf der anderen Seite die Gefahr, das man in der neuen Situation eben nichts hat, worauf man zurückgreifen kann. Pionierarbeit überlassen Nutzer eines stark ausgeprägten SIs tendenziell lieber anderen. Sobald sie der Meinung sind, genug Erfahrung in einem bestimmten Fachbereich gesammelt zu haben, treten sie in diesem Aspekt jedoch recht selbstbewusst auf.

Der Unterschied zu extrovertiertem Empfinden
Wenn introvertiertes Empfinden ein Maler, bzw sein Gemälde ist, dann widerspiegelt extrovertiertes Empfinden der Linse einer Fotokamera und dem damit geschossenen Bild. Ich behaupte, dass extrovertierte Empfinder das wahrscheinlich realistischste Bild der Ist-Situationen wahrnehmen. Der große Unterschied zum introvertierten Empfinder besteht hauptsächlich daran, dass sie aktiv neue Erfahrungen sammeln wollen, während ihr introvertierter Gegenpart eher dazu neigt, Gewohntes neu-, bzw. wieder entdecken zu wollen. Während SI also eher darauf aus ist, sich in einem vertrauten Umfeld zu bewegen und in diesem zu arbeiten, es zu optimieren und zu pflegen, stürzt sich SE in neue Erlebnisse, ist immer auf der Suche nach frischen Erfahrungen.

Beide Wahrnehmungstypen sind also pragmatisch veranlagt und auf Erfahrungen aus, aber in unterschiedlicher Form. Ein eher alltägliches Beispiel wäre, wenn die SE-Frau ihren Ehemann dazu überreden will, mal in Indien Urlaub zu machen, weil sie es einfach leid ist, jedes Jahr nach Spanien zu fliegen, während ihr SI-Ehemann gerade das so erholsam empfindet: er weiß jedes Jahr, worauf er sich einlässt, muss sich nicht auf ein anderes Klima, anderes Essen, eine andere Sprache und eine andere Kultur einlassen. SI kann in dieser Hinsicht auch stur sein, aber früher oder später wird es sich, wenn die anderen Funktionen ebenfalls gesund entwickelt sind, auch mal auf neue Erfahrungen einlassen, um die Erfahrungsdatenbank auszubauen. Wird ein primärer SI-Nutzer jedoch permanent dazu gezwungen, sich auf neue Dinge einzulassen, kann ihm das sehr auf die Essenz gehen.

Die Vorteile introvertiertem Empfindens
Mit den gut abgespeicherten Informationen besitzen introvertierte Empfinder folglich in der Regel ein gutes Gedächtnis. Da sie Beständigkeit mögen, sind sie Routine nicht abgeneigt und dementsprechend ausdauernd, wenn es darum geht, bestimmte Fähigkeiten und Wissensgebiete auszubauen, bzw. zu vertiefen.

SI ist es wichtig, dass die Dinge richtig angegangen werden, wobei „richtig“ in der Regel auch nicht auf irgendeinem Bauchgefühl, sondern auf üblicherweise vertrauenswürdigen Erfahrungen beruht. Dementsprechend leisten SI häufig einen wertvollen Beitrag in der Gesellschaft, um funktionierende Systeme weiterhin am Laufen zu halten, weil sie die nötige Expertise und Ernsthaftigkeit dafür aufweisen. Was viele andere Typen häufig vergessen: nur, weil man etwas schon oft getan hat, bedeutet das nicht, dass man es deshalb weniger sorgfältig machen muss. In der Regel geben sich introvertierte Empfinder demzufolge nicht mit geringeren Leistungen als „damals“ zufrieden.

In vielerlei Hinsicht bilden primäre SI-Nutzer aus dieser Sicht die Säulen unserer Gesellschaft, die uns bei all den Veränderungen, die auf uns zukommen, einen sicheren Halt bieten können.

Die Nachteile introvertiertem Empfindens
Doch genauso positiv die gerade genannten Aspekte anmuten können, so können sie auch ins Gegenteil verkehren: Konservatismus ist nur solange gut, bis er die Neuerungen blockiert, die tatsächlich Gutes schaffen würden. Bei stark ausgeprägtem SI muss man stets darauf achten, nicht „aus Prinzip“ alles neumodische zu verteufeln und Altes zu lobpreisen. Wie ich schon oben geschildert habe, zeigt das auf Impressionen basierende Bild des Malers nur eine abstrakte Version der Wirklichkeit, nicht jedoch die Wirklichkeit, wie sie tatsächlich ist. So kann es auch sein, dass zwei SI-Nutzer von ein und derselben Erfahrung ein komplett unterschiedliches Bild gemacht haben und sich trotz derselben Funktion der Meinung sind, das der jeweils andere eine völlig falsche Vorstellung von dem habe, was sich „damals“ ereignet hat.

Bei einem zu stark ausgeprägtem SI läuft man zudem Gefahr, sich neuen Erfahrungen komplett abzuschotten und sich in die eigene Welt zurückzuziehen, in der man nur die Informationen (oder Meinungen anderer) akzeptiert, die ins eigene Weltbild passen.

Dementsprechend tut man sich als primärer Empfinder gut daran, sich auch ab und an auf neue Erfahrungen und vor allem auch auf neue Gedankengänge, Ansichten und Ideen einzulassen, auch, wenn es zunächst sehr befremdlich erscheint. Man darf dabei nie vergessen, dass jede geliebte Erfahrung, jede akzeptierte Ideologie und Weltsicht an einem Zeitpunkt im Leben noch etwas komplett Fremdes und Neues war.

Introvertiertes Empfinden an den verschiedenen Stellen

Erste/Zweite Funktion SI (ISTJ, ISFJ, ESTJ, ESFJ): 
„So haben wir es damals gemacht, so machen wir es heute und werden es auch in Zukunft tun – und damit endet die Diskussion.“

„Moment. Als ich dich vor vier Jahren das letzte Mal besucht habe, hatte dieses Bild noch einen anderen Rahmen.“

„Ich fühle mich dann erst wirklich glücklich, wenn ich mich an die Dinge im Leben halten kann, die wichtig und nachhaltig sind, wie Familie, Freunde und Glaube.“

„Wenn ein Profi es auf diesen Weg macht und damit Erfolg hatte, warum sollte ich es dann anders machen? Ich habe mir jetzt bereits jeden einzelnen Schritt auswendig gemerkt.“

„Solange ich nicht mehr Informationen darüber bekomme, werde ich mich nicht darauf einlassen.“

 

Dritte/Vierte Funktion SI (INTP, INFP, ENTP, ENFP): 
„Wenn wir nicht aus den Fehlern unserer Vergangenheit lernen, werden wir sie nur wiederholen.“

„Oha… diese Straße kenne ich doch! Hier war ich vor vielen Jahren schon einmal und habe genau dieses und jenes getan, ich weiß sogar noch, wie das Wetter war!“

„Ich weiß nicht genau wieso, aber… ich kann und will mich auch eigentlich nicht davon trennen.“

„Weißt du noch, wie es damals war, wenn man als Kind Weihnachten gefeiert hat? Manchmal vermisse ich dieses Gefühl…“

„Wo habe ich nur wieder meinen Schlüssel hingelegt? Ich sollte mir wirklich mal einen regulären Platz dafür überlegen…“

„Mein INTP funktioniert nicht mehr“ – Warum dieser Persönlichkeitstyp so viel Unsinn hortet

Es fällt mir teilweise unglaublich schwer, mich von unnützem Krimskrams zu trennen, was dazu führt, dass unser Lagerraum geradezu überquillt. Das Paradoxe an der ganzen Sache: wir INTPs rühmen uns doch dafür, relativ asketisch zu leben, in materieller Hinsicht genügsam. Warum also haben wir so ein Problem damit, unsere Zimmer mit unbrauchbaren Gegenständen vollzumüllen?

In Anbetracht dieses Problemchens: willkommen bei einem weiteren Beitrag zur Serie „Mein INTP funktioniert nicht mehr“! Vielleicht kann ich etwas Aufklärungsarbeit leisten und erklären, warum wir uns in dieser Hinsicht so seltsam verhalten.

Zunächst einmal sollten wir uns ansehen, was INTPs denn eigentlich so horten: bei mir handelt es sich fast ausschließlich um Kinderspielzeug, alte Fachzeitschriften, Briefe, CDs, die ich schon lange nicht mehr höre und Postkarten. Gemeinsamkeiten? Ein Wort: Nostalgie. Jetzt mag man sagen: Moment mal, das „Problem“, wenn man es denn so nennen will, haben doch vor allem auch xSFJ-Typen! Kann sein. Aber eher nicht in dem Ausmaß, dass der Kram in einer Ecke steht und verstaubt, so gut wie nie das Tageslicht erblickt. SJ-Typen haben aufgrund ihres stark ausgeprägten introvertierten Empfindens ebenfalls einen starken Sinn für das Nostalgische. Allerdings viel bewusster und ausgeprägter: sie haben in der Regel einen ausgewählten Platz für ihre Andenken, könnten sofort sagen, wo sich all die Dinge befinden.

Bei INTPs ist das introvertierte Empfinden nicht so stark ausgeprägt, noch weniger ihr Sinn für Hausordnung. Dennoch heben sie ihren Kram auf. Warum? Sie sehen in all den Gegenständen einen Teil ihrer Identität. Würden sie all das wegwerfen, hätten sie die irrationale Angst, ihre Identität und Erinnerungen ebenfalls wegzuwerfen. Mit den eigentlich schwachen, aber überzeugenden Argumenten: „Was? Du wirst doch nicht so herzlos sein und das Stofftier wegwerfen, das dich in deiner Kindheit vom Regal aus beschützt hat!“ oder: „Wenn du dieses alte Schulheft weg wirfst, wirst du vergessen, wie du dich damals im Chemieunterricht gefühlt hast!“, behalten sie ihre Andenken, selbst, wenn sie mit negativen Erinnerungen behaftet sind.

Hier geht introvertiertes Empfinden interessanterweise Hand in Hand mit dem extrovertierten Intuieren: der INTP fragt sich, wenn er sich eventuell überwinden sollte, doch in Betracht zu ziehen, etwas wegzuwerfen, ob man den Gegenstand nicht doch vielleicht noch benötigen könnte? Vielleicht will mein Sohn ja dieses Spielzeug. Vielleicht will ich ja doch nochmal versuchen, Comicfiguren zeichnen zu lernen. Eventuell mache ich mir eine Fotocollage mit alten Kinotickets (als ob ich das je tun würde!).

Auch INFPs teilen dieses Problem ein stückweit, denn auch sie haben oben genannte Funktionen an genau denselben Stellen. Allerdings verfügen sie auch noch über extrovertiertes Denken – sie urteilen häufiger nach dem Nutzen eines Gegenstandes, als man annehmen würde. INTPs analysieren zwar mittels ihres introvertierten Denkens, aber die Erkenntnis alleine, dass man Gegenstände aus irrationalen, praktisch unsinnigen Gründen aufbewahrt, bringt nichts. Im Gegensatz zu TE scheut sich TI eher in die Umwelt einzugreifen und so bekommen INFPs das Problem eher in den Griff als INTPs.

Und gerade, weil es relativ unterbewusst ist und/oder der INTP es möglicherweise abstreiten würde, aus sentimentalen Gründen, Dinge aufzubewahren, kann er hier nicht so klar urteilen, wie SJ-Persönlichkeiten, die ganz klar wissen, was in welcher Hinsicht tatsächlich zu ihrer Identität gehört und Erinnerungen noch deutlicher, noch bildlicher abspeichern und materielle Andenken in gewisser Hinsicht überflüssig machen.

Wichtig ist es also zunächst, sich als INTP über diese Schwäche bewusst zu werden und dementsprechende Schlüsse zu ziehen: wenn wir es so fürchten, die Zeit zu vergessen, an die wir uns jetzt mittels Gegenstände klammern, dann sollten wir uns fragen, ob wir hier nicht vielleicht gerade von Sensorikern lernen können, uns mehr auf das Gegenwärtige zu konzentrieren und das Leben wie es ist zu genießen. Überlegen wir uns: welchen Gegenstand werden wir benötigen, um uns an die Zeit, in der wir hier und jetzt leben, zu erinnern? Oder brauchen wir gar keinen Gegenstand dafür? Solange unser Kopf noch richtig funktioniert, sollte das Erlebnis an sich doch Erinnerung genug sein. Wir INTPs können uns eine Menge vorwerfen, aber nicht, dass wir uns keine Gedanken über Konsequenzen machen oder zu wenig überlegen. In diesem Sinne: Carpe Diem!

Game of Thrones – Cersei Lannister (ESFJ)

Nachdem ich hier schon ein erschrockenes „Nie im Leben ist Cersei ein ESFJ!“ gelesen habe, dachte ich mir, ich begründe mal, wie ich zu meiner Vermutung komme. ESFJs werden von vielen Internetcommunities, die hauptsächlich aus Introverten und Intuierern besteht, häufig auch zu unrecht verurteilt und über einen Kamm geschert – man muss sich immer vor Augen halten, dass zwei Personen des selben Persönlichkeitstyps immer noch komplett unterschiedlich sein können, denn auch Generation, Geschlecht, Kultur, Intelligenz und Lebenserfahrung spielen eine große Rolle. Dementsprechend: ja, ESFJs sind nicht immer kuschelfreudige Gastgeber, die dich mit Herzlichkeit geradezu erschlagen und dir jeden Wunsch von den Lippen ablesen wollen. Manchmal sind es auch durchtriebene Manipulatoren. Und wenn man Pech hat, beides. Genug aber der Einleitung, legen wir direkt mal los.

Erste Funktion – Extrovertiertes Fühlen

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Cersei weiß, wann, wo und zu wem sie etwas zu sagen hat und das dürfte auch der Grund sein, warum sie sich trotz all den Feinden, die sie sich im Laufe der Geschichte gemacht hat, immer noch relativ gut in Kings Landing schlägt. Mit ihrer ersten Funktion, dem extr. Fühlen, erfasst sie schnell die Stimmung der anderen und ist viel mehr damit beschäftigt, zu analysieren, was andere von ihr denken, als was sie von sich selbst denkt. Selbstreflektion, wie man es von introvertierten Fühlern erwarten würde – wie beispielsweise ihrem Bruder Jaime (ESFP), sucht man bei ihr vergeblich, was ein Indiz für einen ungesund entwickelten ESFJs ist: wenn jemand nicht deiner Meinung ist, sich nicht an gesellschaftlichen Normen hält (und du weißt natürlich, welche das sind) oder dir schlicht und ergreifend unsympathisch ist, dann gibst du dich entweder nicht mit dieser Person ab oder du versuchst ihr, deinen Willen aufzuzwingen.

Insbesondere die Cersei aus den Romanen weiß, wie man Männer um den Finger wickelt und nutzt dieses Wissen auch geschickt aus, um an ihre Ziele zu kommen. Extrovertierte Fühler wissen allgemein häufig, welche Fäden sie ziehen müssen, um sich bei anderen beliebt zu machen und sind wahre Künstler darin, Sympathien für Personen vorzuspielen, die sie eigentlich nicht leiden können, was sie gleichzeitig zu geschickten Manipulatoren machen kann. Im späteren Verlauf der Handlung wirft Cersei auch viele dieser Masken ab, enthüllt ihre wahre Meinung gegenüber jenen, die ihr ihrer Meinung nach nicht mehr gefährlich werden können, bzw. keinen Nutzen mehr für sie haben.

Davon abgesehen könnte man sie zwar auch für eine extrovertierte Denkerin mit unterdrücktem FI halten, ein weiterer Punkt, der jedoch für extrovertiertes Fühlen spricht, ist, dass sie sich ständig von Ja-Sagern umgibt, die ihre Ansichten nach zumindest nach außen hin auch teilen. Extrovertierte Fühler sehnen sich nach Bestätigung von außen und sind schnell gekränkt, wenn sie nicht kommt. Sie gibt es wahrscheinlich nicht gerne zu, aber Cersei ist auch nicht gerne alleine – wenn ihr Bruder nicht ihr Bett wärmt, dann ihr Cousin Lancel oder ihre Spionin Taena Merryweather.

 

Zweite Funktion – Introvertiertes Empfinden

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Cersei ist vielleicht nicht originell, aber sie hat ein Faible für Running Gags

Cersei vergisst nichts und ist von ihren Erinnerungen getrieben. So verfolgt sie schon seit ihrer Kindheit die Vision der Wahrsagerin, vergisst kein Unrecht, das ihr angetan wurde – im Gegenteil, ihre Rachegelüste verzehren sie geradezu, und sie vergleicht sich stets mit ihrem De Facto Vorgänger, ihrem Vater Tywin Lannister (INTJ).

Man könnte schnell zur Vermutung kommen, dass sie introvertiertes Intuieren nutzt, aber dafür denkt sie zu pragmatisch, sucht nicht nach Symbolen oder versteckten Bedeitungen, sondern nimmt Dinge eher wörtlich. Sie verlässt sich lieber auf Erfahrung als auf Ahnungen und bei all ihrer Planung wird das auch bemerkbar. Selbst bei ihrem, wenn man es so sehen will, größtem Coup, als sie ihre Rivalin Maegary und den High Sparrow buchstäblich in die Luft jagt, hat sie diesen Schachzug im Grunde genommen von ihrem verhassten Bruder Tyrion übernommen und auf ihre Situation angewandt: eine Falle mit Wildfeuer. Sie zitiert häufig die „klugen Sprüche“ ihres Vaters und auch, wenn sie zu seinen Lebzeiten nicht immer einer Meinung mit ihm war, akzeptierte sie ihn stets als höchste Autoritätsperson, während ihr kleiner Bruder immer das „kleine Monster“ blieb. Diese Form des unflexiblen Schubladendenkens ist auch ein Anzeichen von einer ungesunden Entwicklung bei ESFJs, in diesem Falle speziell einer ungesunden Entwicklung des introvertierten Empfindens.

Dritte Funktion – Extrovertiertes Intuieren

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Auch, wenn es nicht ihre am stärksten ausgeprägteste Funktion ist, hilft das extrovertierte Intuieren Cersei dabei, hier und dort auch zwischen den Zeilen lesen zu können – hätte sie diese Fähigkeit überhaupt nicht, würde sie nicht so lange vom Nektar der Macht kosten können. Die Erfahrungen, die ihr  introvertiertes Empfinden sammelt, sowie die Eindrücke ihrer Umwelt durch extrovertiertes Fühlen werden durch ihr extrovertiertes Intuieren miteinander verknüpft und auf die gegenwärtige Situation angewendet. In vielerlei Hinsicht agieren sie und ihr kleiner Bruder (ENTP), der sie selben Funktionen hat, wie sie, gar nicht mal so sehr unterschiedlich, nur bezieht sich Cersei mehr auf ihre Erfahrungen und versucht es, das Risiko so weit wie es geht zu meiden. Auf der anderen Seite zeigt sich allerdings auch ihre dritte Funktion als nicht gesund ausbalanciert und häufig schleicht sich daher auch eine gewisse NE-geschuldete Paranoia in ihr Urteil, so sieht sie in fast jedem Unheil, das ihr widerfährt, die Finger von Tyrion.

Vierte Funktion – Introvertiertes Denken

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Cersei versucht verzweifelt, genauso ruhig kalkulierend wie ihr Vater vorzugehen und ausgerechnet ihre schwächste Funktion, das introvertierte Denken, ist ihr dabei noch die größte Hilfe. Problematisch wird es nur, wenn ihr narzisstisches extrovertiertes Fühlen in den Weg kommt und objektive Analysen dadurch verfälscht. Sie braucht viel Zeit für sich alleine, um ihre Gedanken ordnen und letztlich auch formulieren zu können. Nicht in jeder Hinsicht steht das extrovertierte Fühlen dem introvertierten Denken jedoch im Weg, so ist Cersei relativ geschickt darin, die Motive von ihren Mitmenschen zu erkennen und auszunutzen.

Es ist wahrscheinlich kein Zufall, dass sie später einen absolut archetypischen INTP-Nerd, den exilierten Maester Qyburn, zu ihrem wichtigsten Berater ernennt. Tatsächlich wurde sie seitdem gefühlt um einiges gefährlicher, da der Maester ihre schwächste Funktion durch seine Ratschläge und Ideen ausgleicht, bzw. unterstützt.

Die 16 Typen und typische Berufe (J)

Nachdem jetzt schon mehrere Male die Frage aufkam, welche Berufe denn zu welchem Typ passen, wage ich mich an das zugegebenermaßen sehr ambitionierte Projekt, jedem Persönlichkeitstyp verschiedene Beispiel(!)berufe zuzuordnen, die typisch für sie sind. Mitsamt einer knappen Erklärung, wie ich darauf komme.

Ich will hier noch kurz betonen, dass es sich nicht um eine Empfehlung handelt, dafür bin ich definitiv nicht der richtige Ansprechspartner. Man muss bedenken, dass sich alle Menschen, auch diejenigen, die den gleichen Typ haben, voneinander unterscheiden, andere Hintergründe und Eigenarten haben, so dass es durchaus vorkommen kann, dass sich ein Typ entgegen aller Erwartungen sehr wohl an einem für ihn „untypischen“ Arbeitsplatz fühlt. Ich bin zum Beispiel sehr glücklich mit meinem Job als Musiklehrer, der permanent Umgang mit Mitmenschen erfordert, obwohl das laut meiner Typenbeschreibung als sehr anstrengend und daher ungünstig gilt. Es ist eine Herausforderung, aber nichts woran ich mich persönlich nicht gewöhnen konnte und vor allem etwas, woran ich wachsen konnte und immer noch kann. Wenn also ein INTJ gerne Krankenpfleger oder ein ISFP Philosophiestudent werden will, dann werde ich nicht sagen: „Um Gottes Willen, bloß nicht!“. Ich würde dann auf die Herausforderungen deuten, aber hinterher auch betonen: „Mach dir bewusst, dass es dich auf die Probe stellen wird, aber wenn es dein Traum ist, dann versuch es auf jeden Fall!“

In diesem Falle. Viel Spaß beim Lesen!

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Typologie – Typische Feindbilder

Man müsste ja eigentlich meinen, dass einen Fühlertypen vor allem Denkertypen aufregen, und Empfindertypen gerade Intuitiven gegenüber Unverständnis entgegenbringen.

Der amerikanische Psychologe John Beebe hat die Theorie aufgestellt, dass das jeweils extrovertierte/introvertierte Pendant der ersten Funktion ein gewisses Feindbild in uns weckt. Er nannte es den „Antagonisten“. Ich will auf diese Theorie ein wenig tiefer eingehen und sie von meinem Blickpunkt aus beleuchten.

Man kann den Konflikt zwischen der extrovertierten und der jeweils entsprechenden introvertierten Funktion auch Flügelkampf nennen. Nehmen wir zum Beispiel das Fühlen. Sowohl introvertiert als auch extrovertiert beachtet es vor allem emotionale Komponente und legt Wert auf rücksichtsvollen Umgang miteinander. Nur sind die Mittel, wie man das eigentlich gemeinsame Ziel erreicht eben sehr unterschiedlich.

Dabei kann man grundsätzlich festhalten, dass die introvertierte Funktion der extrovertierten misstraut, sie für vorschnell, unvorsichtig und oberflächlich abtut. So könnte es einen introvertierten Intuierer beispielsweise stören, dass der extrovertierte Intuierer bei einem eigentlich interessanten Gespräch, ständig das Thema wechselt und so verhindert, dass man über ein Thema eingehend und detailliert diskutieren kann. Im Gegensatz dazu empfindet die extrovertierte Funktion die introvertierte als zu träge, überkritisch und pingelig. So stört es einen extrovertierten Denker beispielweise schnell, wenn der introvertierte ihn bei der Auslegung eines Planes ständig unterbricht und auf die Makel hinweist, die in den Augen des extrovertierten Denkers von vollkommen trivialer und irrelevanter Natur sind. Der introvertierte Denker hingegen muss alleine schon gegen das Verlangen ankämpfen, nicht bereits aus Prinzip auf Ungereimtheiten und Verallgemeinerungen hinzuweisen.

Es ist schwer zu hassen, was man nicht versteht, man kann höchstens Angst davor haben oder verwirrt sein. Das Prinzip kennen wir aus der Fiktion. Wenn der Antagonist ein fremdes Wesen aus dem All ist, das nicht mal unsere Sprache spricht oder eine grässliche Geistererscheinung, dann wünschen wir ihm zwar nichts Gutes, aber von Hass zu sprechen, wäre zu viel. Viel mehr hassen wir den tyrannischen Despoten, der seine Macht zu seinem eigenen Wohle ausnutzt und seine Untergebenen missbraucht. Den sadistischen Mörder, der Freude daran hat, seine Opfer zu quälen. Hier finden wir allerdings einen Kontext, für das Handeln, das wir verurteilen, das wir nachvollziehen können. Wir verstünden – rein theoretisch, warum wir so handeln könnten, entscheiden uns aber dagegen. Die Fähigkeit, sich dagegen zu entscheiden sprechen wir auch dem entsprechenden Antagonisten zu und das ist in der Regel die Quelle für wahre Antipathie.

Ich will damit nicht sagen, dass ein Denker etwa nicht dazu in der Lage sei, einen Fühler nachvollziehen zu können, aber diese Tendenz steht ihm nicht so nahe. Wenn ich als INTP höre, dass jemand eine geniale Serie nicht sehen will, weil sie ihn emotional zu sehr aufwirbelt, dann ist es nicht so, dass ich diese Begründung nicht begreife. Ich kann sie nur nicht nachempfinden und daher rechtfertigt der Denkprozess „ich bin eben anders“ die Begründung. Wenn jetzt aber jemand sagt: „Ich mag diese Serie nicht, weil sie sich mit langweiligen Details aufhält und nicht zur Sache kommt“, obwohl ich gerade die Tatsache mag, dass sie nicht oberflächlich ist und sich Zeit lässt, den Plot zu entwickeln, dann gibt es für mich eher einen Grund, Einspruch zu erheben, weil das genau der Punkt ist, weshalb ich sie schätze.

Für alle, die Listen mögen, hier eine Zusammenfassung, welche Typen nach dieser Theorie in der Regel besonders aufpassen müssen, nicht mit dem entsprechend anderen Typ in einen Konflikt zu geraten:

INTP / ISTP mit ENTJ / ESTJ

INFP / ISFP mit ENFJ / ESFJ

INTJ / INFJ mit ENTP / ENFP

ISTJ / ISFJ mit ESTP / ESFP

Das können wir in abgeschwächter Form auch bei unserer zweiten Funktion bemerken. Wenn zum Beispiel ein ESTJ, dessen zweite Funktion introvertiertes Empfinden ist, das grundsätzlich eher zu Vorsicht rät und auf die Erfahrung der Vergangenheit zurückgreifen will, mit einem ESTP zusammenarbeiten muss, dessen primäre Funktion das extrovertierte Empfinden ist, das im Moment lebt, aktiv, risikofreudig und manchmal ungeduldig ist, dann kann das auch schnell zu Konflikten führen.

Wie geht es euch damit? Ich persönlich merke jedenfalls, dass ich als INTP häufiger mit extrovertiertem Denken als mit Fühlertendenzen anecke. Wenn ihr Fragen dazu habt oder mit dieser Aussage nicht ganz einverstanden habt, lasst mich beides wissen!