Die herausragendsten (eher positiven) Eigenschaften der 16 Typen

Häufig gibt es zwischen den 16 Typen Überschneidungen bei Qualitäten und Schwächen. Aber welche sind die Eigenschaften, die bei den Typen jeweils ausgeprägter sind, als bei allen anderen? Mit diesem Thema habe ich mich auseinandergesetzt und bin zu interessanten (und streitbaren) Schlüssen gekommen. Natürlich sind die Eigenschaften nicht exklusiv – auch ein INFJ kann höflich und ein ESFP abenteuerlustig sein, aber hier soll es wirklich um die jeweilige Nummer 1 gehen: auf welchen Typen trifft diese Eigenschaft am meisten zu?

ISTJ: Gründlich
Wenn ein ISTJ eine Aufgabe annimmt, wird er ihr in der Regel aufs Wort genau nachgehen. Kaum ein Typ hat solch ein Auge für Details, wie ein ISTJ. Mit dem typisch starken Pflichtbewusstsein ausgestattet wird der ISTJ auch bei langwierigen Aufgaben Kleinigkeiten beachten. Für ihn gibt es kein „ein bisschen falsch“, sondern nur ein „korrekt erledigt“ oder „unfertig“.

ESTJ: Fleißig
Vielleicht nicht ganz so gründlich, aber dafür umso eifriger, wird ein ESTJ sich an die Arbeit machen. Dieser Typ hat vielleicht nicht immer ein langfristiges Ziel vor Augen, aber wenn er sich etwas vorgenommen hat, dann wird es auch durchgezogen – und wenn noch so viel Schweiß und Tränen fließen müssen. Work hard, play hard.

ISFJ: Höflich
Immer darauf bedacht, niemandem auf den Schlips zu treten, überlegen sich ISFJs in aller Regel zweimal, welche Worte in welcher Situation am angemessensten sind. Von allen Typen kennen sie sich in der Regel am besten mit sozialer Etikette aus und verstehen es wie kein anderer, anständig und respektvoll und zugleich herzlich zu sein.

ESFJ: Hilfsbereit
Bei vielen ESFJs könnte man meinen, dass „Helfen“ für sie ein ganz allgemeines Hobby ist. Selbst, wenn für sie nichts (außer einem guten Gefühl im Herzen) dabei herausspringt, werden sie Umwege gehen, um auch fremde Menschen zu unterstützen. Wenn es sich bei den Hilfsbedürftigen dann auch noch um Freunde/Familie handelt, kennt ihre Selbstlosigkeit nur wenige Grenzen.

INTJ: Ehrgeizig
Kaum ein Typ steckt sich so hohe Ziele wie der INTJ. Vielleicht haben sie nicht dieselbe Energie wie ESTJs oder ENTJs, aber ihre Ausdauer, an einem Ziel festzuhalten, das andere möglicherweise noch gar nicht begreifen können und ihre sorgfältige Planung, wie ihre anspruchsvollen Maßstäbe zu erreichen sind, machen das mehr als wett.

ENTJ: Willensstark
Durchsetzungsfähig, autoritär und optimistisch sind ENTJs nicht selten geborene Führungspersönlichkeiten. Sie sind Meister darin, die Effizienz in anderen Menschen und Dingen einordnen und so einsetzen zu können, dass ihr Vorhaben verwirklicht werden kann. Man kann sich über die Sinnhaftigkeit ihrer Ziele streiten, aber zumindest werden sie eines: erfüllt.

INFJ: Visionär
Ähnlich wie INTJs stecken sich INFJs anspruchsvolle Ziele, jedoch sind die der INFJs von eher transzendenterer und idealistischerer Natur. Sie sehen die Zusammenhänge vor allem in gesellschaftlichen Aspekten und verbinden ihren Weitblick mit ihrer Fähigkeit, Stimmungen aufzugreifen und sich zu Nutze zu machen. Ihre Pläne gehen weit über ihre eigene Person hinaus.

ENFJ: Motivierend
ENFJs sehen das Beste in ihren Mitmenschen und brauchen diesen Blogpost dementsprechend wahrscheinlich gar nicht. Nicht nur das, sie sind auch besonders fähig darin, die Stärken in anderen zu aktivieren, zu fördern und in die richtigen Bahnen zu weisen, indem sie mit ihrem Optimismus von den Schwächen ablenken und die Gedanken auf ein gemeinsames Ziel richten.

ISTP: Cool
Wenn alles in Flammen steht, in Chaos versinkt und Panik ausbricht, werden ISTPs immer noch einen kühlen Kopf bewahren. Kaum etwas lässt sie aus der Ruhe bringen. Während selbst ISTJs bei nie dagewesenen Konflikten ins Schwitzen geraten, sehen ISTPs darin häufig eher eine Herausforderung. Analysieren, anpacken, überwältigen – fertig. Niemand macht das so lässig wie ein ISTP.

ESTP: Mutig
Während andere Risiken eher aus dem Weg gehen, sucht der ESTP danach. Anpassungsfähig und aufmerksam finden ESTPs besser als jeder andere Persönlichkeitstyp selbst in turbulenten Situationen die vielversprechendsten Möglichkeiten und gehen auch direkt darauf ein. Andere gehen vielleicht überlegter vor, aber wohin sie auch gehen: ein ESTP war immer vor ihnen da.

ISFP: Verspielt
Es gibt zwar mit Sicherheit Typen, die als schrulliger gelte, aber mit verspielt beziehe ich mich darauf, dass ISFPs am ehesten in den Aktivitäten, die sie tun, eine Art Spiel, schon fast eine Art Hobby-/Freizeitbeschäftigung sehen können. So können sie selbst für die banalsten Dinge eine kindliche Freude aufbringen und sich immer wieder auf neue „Abenteuer“ einlassen und ihren Horizont erweitern.

ESFP: Ausdrucksstark
Man könnte es auch als „natürliches Charisma“ bezeichnen: ESFPs verstellen sich (in der Regel) nicht, sondern bringen ihre Gefühle ganz authentisch nach außen. Man muss nicht einmal die selbe Sprache wie sie sprechen, alleine schon mit Ton, Gestik, Mimik und Körperhaltung können sie ihre Emotionen nach außen kanalisieren – nicht selten findet man ESFPs daher auch auf der Bühne vor.

INTP: Skeptisch
INTPs sind bekannt dafür, kritische Fragen zu stellen – zum einen, weil sie sich tatsächlich interessieren und zum anderen, weil sie sich trauen, auch gesellschaftlich sensiblere Themen anzusprechen. Dabei bleiben sie in der Regel objektiv nüchtern und können dadurch auch sehr reflektierte und unvoreingenommene Entscheidungen treffen.

ENTP: Listig
ENTPs sind Meister darin, Fakten plausibel umzuinterpretieren und die Wahrheit so sehr zu verbiegen, ohne, dass man ihnen anhängen könnte, zu lügen. Kombiniert mit ihrem Einfallsreichtum und ihren (nicht nach außen offensichtlichen) empathischen Fähigkeiten macht das ENTPs zum listigsten aller Typen.

INFP: Eigenartig
Während man „eigenartig“ vielleicht nicht allgemein als eine positive Beschreibung durchgehen lässt, tun das INFPs schon: sie wollen nicht so sein, wie andere und tun das auch sehr erfolgreich. Eines kann man von INFPs dementsprechend nicht behaupten: dass sie so sind, wie alle anderen und nur eine billige Kopie. INFPs stehen dazu, wer sie sind, so seltsam sie auch sein mögen.

ENFP: Mitreißend
ENFPs haben ein sensibles Gespür für Möglichkeiten – ob sie jetzt praktisch umsetzbar sind oder nur Traumschlösser sind, ihre Fantasie hat einen ansteckenden Charakter, dem man sich nur kaum entziehen kann. ENFPs haben ein Händchen dafür, selbst in ihren nüchternsten Mitmenschen einen Funken von Interesse für Neues zu wecken.

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Warum Online-(MBTI-)Tests kritisch zu betrachten sind

Das Thema kam in den Kommentaren jetzt schon häufiger vor, daher habe ich beschlossen, einen Beitrag dazu zu verfassen.

Online-Tests zum MBTI sind meistens unsere ersten Berührungspunkte mit dem Thema gewesen, zumindest war es bei mir so. Man liest etwas über diese 16 Typen, ist sich aber in der Regel zunächst zu bequem, sich da wirklich ernsthaft einzulesen – verständlich, da man ja noch nicht weiß, was man überhaupt von diesem ganzen Konzept halten soll.

Meistens liegen die Tests auch nicht komplett daneben, zumindest nicht, wenn man im Nachhinein sagt: „Naja, nur ein Buchstabe hat nicht gepasst“. Ich habe ihn mal als 17-jähriger gemacht, da kam INFP heraus, vergessen und gute drei Jahre später nochmal gemacht und INTJ als Ergebnis erhalten. Zumindest das mit dem introvertiert und intuitiv schien also gestimmt zu haben. Aber das ist auch das Problem – es geht um Buchstaben, nicht wirklich um die Funktionen.

Um mein Problem an meinem Beispiel zu erklären: Mein Testergebnis als INTJ war sich ziemlich sicher darüber, dass ich „I“, „N“ und „T“ war, das „J“ war da schon etwas schwieriger: da ich Tendenzen zur Unordnung habe, aber diese immer wieder angehe und zeitweise „überwinde“, konnte ich – zumindest zu diesem Zeitpunkt – viele Fragen, bei denen es eben um Ordnung geht, eine „J“-Antwort geben – ich war dann ungefähr „53% Judging“ laut Test.

Und hier fängt der Blödsinn meiner Meinung nach an. Die Fragen gehen nur in zwei Richtungen und dazu noch in die Falschen. Nehmen wir ein Beispiel aus der relativ bekannten Seite „16personalities“: „Organisiert zu sein ist Ihnen wichtiger, als anpassungsfähig zu sein.“

Hier kann man nun angeben, wie sehr die Antwort zutrifft, sogar in sieben Abstufungen. Die geben dir aber am Ende einfach nur eine Unterschiedliche Anzahl an Punkten auf dein „J“ oder dein „P“-Konto. Wenn du hier z.B. „Ja +3“ angibst, gibt es einfach 3 Punkte auf dein „J“, wenn du „Nein -1“ angibst, gibt es 1 Punkt auf dein „P“.

Die erste Schwierigkeit, die ich hier sehe, fangen schon da an, dass die Frage falsch interpretiert werden kann. Was genau versteht man hier als anpassungsfähig und in welchem Kontext? Ich hätte jetzt „Ja“ angegeben, weil ich „anpassungsfähig“ aus meinem Bauchgefühl in sozialen Kontext gesetzt hätte, was definitiv nicht der Fall bei mir ist. Ich habe darauf nie sonderlich großen Wert gelegt und kann das auch nicht so gut. Organisiert sein hingegen will ich, auch, wenn ich damit auch hin und wieder Probleme habe. So ausgelegt könnte man sagen, gäbe diese Frage „T“ -oder „F“-Punkte. Jemand anderes könnte die Frage so auslegen, wie sie (wahrscheinlich) gemeint ist: hältst du dich lieber an stramme Abläufe und Routine oder bist du lieber flexibel und entscheidest spontan?

Nehmen wir an, das ist die Interpretation, die sich der Autor gedacht hat, kommen wir zum nächsten Problem: gerade, was „Judging“ und „Perceiving“ angeht, sind wir oft das eine, streben aber nach dem anderen. J-Personen sind zwar oft organisiert, aber sehnen sich danach, manchmal auch einfach mal etwas entspannter zu sein. „P“-Personen leben meistens in den Tag hinein, viele ihrer Konflikte entstehen aber auch aus ihrer laissez fairen Haltung und wenn sie ein wenig reflektiert sind, versuchen sie auch dagegen zu arbeiten. Darüber hinaus bestimmen „J und P“ im Grunde genommen nicht nur über eine Funktion, sondern gleich über alle, weil es letztlich festlegt, ob die Funktionen introvertiert oder extrovertiert sind.

Ich bin ein INTP (eine gute Frage wäre hier: „Wieso bist du dir da so sicher?“, aber dazu später) und habe daher die Funktionen „Introvertiertes Denken“, „Extrovertiertes Intuieren“, „Introvertiertes Empfinden“ und „Extrovertiertes Fühlen.“. Wie erwähnt war mein Ergebnis allerdings „INTJ“, was bedeutet, dass mein Denken extrovertiert, mein Intuieren introvertiert, mein Empfinden extrovertiert und mein Fühlen introvertiert war. Es stimmte also keine einzige Funktion. Dieser kleine Buchstabe „J“ machte also im Grunde genommen alles falsch.

Das dritte Problem ist die Sache mit der Ehrlichkeit. Am Ende sind zwar alle Typen gleich viel wert und keiner ist besser als der andere (nur subjektiv, nicht wahr, Marcel?), aber viele Leute sind doch sehr stark durch ihr Umfeld und ihre Geschichte geprägt, wenn es um Tugenden geht. Wenn man in einer Familie aus Geisteswissenschaftlern aufwächst, ist es sehr gut möglich, dass vor allem intuitive Funktionen geschätzt und gefördert wurden, wenn man vor allem Sportler als Freunde hat (warum auch immer, vielleicht gab es einfach zufälligerweise keine anderen), kann man wiederum den Eindruck vermittelt bekommen, extrovertiertes Empfinden sei „die wichtigste Funktion“. Man könnte noch weitere Beispiele aufführen, aber ich denke, der Kern der Problematik ist klar: wenn wir die Fragen beantworten, kann es sein, dass wir in bestimmte Richtungen tendieren zu antworten, weil wir (eventuell unterbewusst) das Gefühl haben, unsere Gesellschaft will, dass wir uns nach einem bestimmten Schema verhalten und dem beugen wir uns – oder auch nicht und wir klicken genau deshalb das andere Ergebnis an, selbst, wenn es eigentlich falsch ist.

Jetzt brennt wahrscheinlich die Frage: wie soll es denn dann gehen? Durch ein Verstehen der acht Funktionen. Dadurch werden im Grunde genommen die drei Probleme umgangen. Man hat hier eigentlich gar keine Möglichkeit, die Funktionen in falschem Kontext zu sehen, weil sie allgemeingültige Konzepte sind. Klar, wenn du z.B. ein ENFP bist und dich über die denkenden Funktionen informierst, dann könnte es sein, dass du beide komisch findest, dich bei beiden gleichermaßen wiederfindest oder eben überhaupt nicht, aber spätestens, wenn du über extrovertiertes Intuieren, deine erste Funktion liest, sollte der große: „Moment Mal, das bin doch ich!“-Effekt kommen. Ich bin jetzt einfach mal so arrogant und behaupte, wenn man jeden meiner Artikel über die einzelnen Funktionen gelesen hat und sich in keinem davon verstärkt wiederfinden konnte, dann man die ganze Sache mit den Funktionen noch nicht richtig verstanden.

So ging es mir dann auch, als ich immer wieder „INTJ“- und „INTP-„Ergebnisse, je nach Tagesform erhielt und daraufhin einfach mal Jungs‘ „Typologie“ gelesen habe: ich habe festgestellt, dass ich bei der Beschreibung von introvertiertem Denken ständig kichern musste, weil es so zutreffend war und bei der Beschreibung von extrovertiertem Denken häufiger die Nase rümpfen musste, weil mir die Art, so zu urteilen überhaupt nicht zusagte. Wohlgemerkt habe ich zu dem Zeitpunkt noch nicht gewusst, welche Funktion mit welchem Typ genau verknüpft war, ich habe also bewertet, aber nur die Funktion an sich, nicht in irgendeinem voreingenommenen Kontext.

Wenn man eine Funktion entdeckt hat, die wie die Faust aufs Auge passt, ist der Weg zur vollständigen Analyse nicht weit – war es eine introvertierte Funktion, ist die zweite eben extrovertiert und andersherum, selbes gilt für urteilend und wahrnehmend. In meinem Fall gab es also nur noch zwei Optionen für meine zweite Funktion, die da waren: extrovertiertes Intuieren und extrovertiertes Empfinden, was mir sehr leicht viel, zu sagen, was eher auf mich zutraf. Ein ehemaliger Bandkollege (ESTP) hat öfters mal die Bemerkung und Anspielung zu Obelix, der als Kind in den Zaubertrank gefallen ist, fallen lassen, ich sei als Kind in einen LSD-Topf gefallen, weil ich ständig so „seltsame Ideen“ hätte – bei der Anekdote will ich noch erwähnen, dass Fremdwahrnehmungen zwar nicht immer treffend sein müssen, aber die Eigenwahrnehmung in vielen Fällen gut ergänzen können. Ich habe als Kind schon immer gerne eigene (Karten-)Spiele entwickelt, Romane geschrieben und Musikstücke komponiert, was eher weniger für extrovertiertes Empfinden steht – hätte ich das gehabt, wäre ich wohl viel mehr draußen gewesen, Sport gemacht und hätte zwar vielleicht nicht unbedingt Musikstücke komponiert, aber dafür bei meiner Leidenschaft für Musik wahrscheinlich viel mehr gespielt.

Wenn die beiden Funktionen und ihre Reihenfolge geklärt sind, ist automatisch auch der Typ geklärt. Die Methode ist natürlich auch nicht perfekt und man kann immer noch ziemlich daneben liegen (TI/FI und TE/FE sind erfahrungsgemäß häufig noch Unsicherheitsquellen in der Selbstanalyse, da sich diese Funktionen ähnlicher sind, als man annehmen würde), aber man fährt sicherer als bei ominösen Onlinetests, die auf sehr viele verschiedene Weisen ausgelegt werden können und hinterher eigentlich noch nichts erklärt haben.

Ich fürchte, ich habe noch nicht alles abgedeckt, aber dafür gibt es ja die Kommentarfunktion. Gerne lasse ich mich – wie immer – auf Diskussionen mit euch zu diesem Thema ein 😉

Intovertiertes Fühlen

Dieser Blogeintrag ist anders. Denn er wird nicht von Sam, sondern von mir,
seiner Frau geschrieben. Das ist auch der Grund dafür, dass er erst so spät
auftaucht. Sam dachte aber, dass es passender sei diesen Eintrag von einem
introvertierten Fühler schreiben zu lassen, in diesem Fall von einer INFP.
Introvertiertes Fühlen, oder kurz FI (englisch: Feeling Introverted) ist die
Funktion, welche sich auf die eigene Emotionalität bezieht. Sie ist am meisten
ausgeprägt bei den Typen ISFP und INFP und steht an zweiter Stelle bei den
extrovertierten Pendants: ESFP und ENFP.

Individualität des FI

„Menschliche Leidenschaften haben mysteriöse Wege, bei Kindern und
Erwachsenen. Diejenigen, die von ihnen betroffen sind, können sie nicht erklären,
und diejenigen, die sie nicht kennen, haben gar kein Verständnis dafür.“
-Michael Ende, Die Unendliche Geschichte

Das schwierige daran FI zu erklären ist, dass jeder Introvertierte Fühler sein
eigenes FI so individuell wahrnimmt. Es fällt Ihnen daher schwer ihre Gefühle
nach außen zu übersetzen. Das heißt nicht, dass sie keine Emotionalität nach
außen tragen. Emotionalen Reaktionen können sehr heftig und überraschend,
sowohl für den Gegenüber als auch für den FI’ler selbst, herausbrechen. Es
genügt FI’lern aber häufig nicht einfach zu sagen: „Ich bin traurig“. Viel eher
wird er oder sie ihren Gemütszustand vielleicht beschreiben mit: „Heute fühle
ich ich mich als wäre es ein grauer Herbsttag. Eigentlich noch nicht richtig
kalt, aber weil es so farblos ist, friert man trotzdem.“ So wie im oben
angeführten Zitat von Michael Ende fällt es schwer, sich dem introvertierten
Fühlen zu nähern, das eher einem Flaschengarten, einem geschlossenen
Ökosystem ähnelt. Darin wachsen Leidenschaft, Moralvorstellungen und
Mitgefühl.
Dieses Ökosystem macht jeden FI’ler sozusagen zu einer eigenen Kreatur. Die
in seinem Innern verankerten Moralvorstellungen kann der FI’ler selbst so
schwer überwinden, wie ein Fisch einen Baum hochklettern kann. Zwar
werden manche von ihnen durch Lebensumstände dazu gezwungen ihren,
oftmals sehr anspruchsvollen Moralkodex zu verbiegen. Das stellt für sie
jedoch einen enormen emotionalen Stress dar.
Gleichzeitig entfacht FI aber auch das, was man als Leidenschaften bezeichnen
kann. Das kann eine ausgeprägte Liebe zu Romanen, Märchen und
Lyrik (typisch für INFP) oder zur Kunst, Tanz, Musik (typisch für ISFP) sein.
Neben diesen dem Klischee entsprechenden Beispielen kann FI aber auch
Leidenschaft für alle möglichen Themen entwickeln. Selbst für Dinge, die
anderen absolut mondän erscheinen. So kenne ich etwa eine ISFP, die sich für
Metallbearbeitung begeistert. Für die glänzenden Formen und wie
unterschiedlich Materialien sich verhalten, wenn sie aufeinander treffen. Sie
könnte tagtäglich darüber sprechen, wie kleinste Zahnräder sich in einer
Maschine bewegen und sich dann ein Fräser über mehre Ecken zu ihnen
bewegt. An sich könnte man sagen, es sei ein recht uninteressantes Thema.
Aber ihre Faszination, wenn Sie darüber spricht. lässt mich immer gespannt
zuhören.
Man könnte also vielleicht sagen, das man FI in einer Person am Besten
beobachten kann. wenn man sie über ihre Leidenschaften sprechen oder sie
direkt ausleben lässt.

Ähnlichkeit zu Introvertiertes Denken
Introvertiertes Denken nimmt die sachlichen Kategorien, mit der unsere Welt
oberflächlich geordnet wird auseinander und prüft sie auf ihre logische
Konsistenz. Introvertiertes Fühlen nimmt die gesellschaftlichen Kategorien
mit der unsere Sozialstruktur oberflächlich geordnet ist auseinander und prüft
sie auf ihre moralische Konsistenz. Insofern haben TI und FI eben doch viel
gemeinsam. So zum Beispiel, dass sie von ihrem extrovertiertem Gegenpart
gerne als nerviger, pedanter Klotz am Bein wahrgenommen werden.

Unterschied zu extrovertiertem Fühlen
Die größten, schmerzhaften und am längsten andauernden Konflikte hatte ich
nicht mit Denkern, sondern mit FE’lern. Ein FE und ein FI Benutzer können
jahrelang Bekannte, Freunde, ja sogar Familienmitglieder sein ohne, dass ein
Konflikt zwischen ihren entsteht. Wenn allerdings der Tag kommt, an welchemder
ahnungslose FE’ler über die unsichtbare Grenze der Moralvorstellung des
FI’lers tritt, wird er sich wohl vorkommen, als sei er gerade auf einer Tretmine
gelandet. Nun wird diese extrovertierte Person unverständlich reagieren, wenn
ihr sonst so einfühlsames, ruhiges und aufopferungsbereites Gegenüber sich
in eine Art wilde Bestie verwandelt, die einen bestimmten Standpunkt
bitterlich verteidigt, ohne auf die Gefühle irgendeiner anwesenden Person zu
achten. Das passiert, wenn ein FI’ler bisher nur nebulöse oder gar keine
Informationen über bestimmte Teile seiner inneren Gefühlswelt preisgegeben
hat.
Es kann aber auch zu Problemen zwischen FI und FE kommen, wenn offen
über Gefühle, Leidenschaft, Moral und Empathie gesprochen wird. Das liegt
daran, dass FI und FE sich wie magnetische Pole verhalten, die an sich beide zu
einem Gegenstand gehören, sich aber gegenseitig abstoßen. Sowohl FI als
auch FE fühlen intensiv mit anderen Menschen. Während FE sehr gut darin ist,
die Stimmung in Gruppen aufzufassen und zu verändern, kann sich FI in einen
einzelnen Menschen quasi hinein graben und dabei alles andere ausblenden.
FE versteht unter Aufopferungsbereitschaft individuelle Bedürfnisse zu
Gunsten der Gemeinschaft zurückzustecken. FI versteht darunter, mit aller
Kraft Gemeinschaft aufzubrechen, wo sie dem einzelnen keinen Freiraum für
Individualität lässt. Der Albtraum von FE ist, dass jeglicher sozialer
Zusammenhalt verloren geht und die Welt im Chaos versinkt (zB. „The Road“
von Cormac McCarthy). Dagegen ist die absolute Horrorvorstellung von FI ein
totalitärer Überwachungsstaat in dem kein Patz für Individualität bleibt (zB.
„1984“ von George Orwell.)

Ist FI egozentrisch?
Das werden FI Benutzer nicht gerne hören. Auch ich habe lange Zeit mit der
ehrlichen Antwort auf diese Frage gekämpft. Denn ja, FI ist egozentrisch. Und
wie! Lasst mich erklären.
Wie alle introvertierte Funktionen ist FI zutiefst subjektiv. Am leichtesten fällt
es mir vielleicht, introvertiertes Fühlen mit einer kleinen Analogie zu beschreiben. In unserem Wohnzimmer hängen mehrere Akustikgitarren. Wenn über unsere Boxen ein
bestimmter Ton abgespielt wird, gibt es in diesen Gitarren eine Resonanz und
sie beginnen selbst zu schwingen. Dabei geben sie einen eigenen Ton von sich
der natürlich von ihrem eigenem Resonanzkörper geprägt ist. Er wurde zwar
durch die Boxen ausgelöst, was aber in ihm für ein Ton entsteht, ist etwas ganz
eigenes.
Ähnlich verhält es sich mit FI. Es greift Gefühle auf, nimmt sie wahr und
reagiert darauf. Was FI dann aber fühlt, sind eigene Gefühle, nicht die des
Anderen. Daher kann FI auch nur Fühlen, was innerhalb der eigenen Palette
von Gefühlen existiert und reagiert mit völligem Unverständnis darauf wenn
jemand anders etwas fühlt, das außerhalb dieser Palette liegt (besonders oft
kommt das bei tertiären und quartären FI’lern vor). Da introvertierte
Fühler (primäre und sekundäre) zwar häufig eine sehr ausgeprägte Gefühlswelt
aufweisen, fällt das nur selten auf. Wenn es jedoch passiert, ist der Fall häufig
umso gravierender, da von ihnen eine ausgeprägte Einfühlsamkeit erwartet
wird.
Was ist daran egozentrisch? Nun, im Grunde genommen wird ein FI Benutzer
im Zweifelsfall zunächst seine eigenen Gefühle wahrnehmen. Wenn, um auf das Beispiel mit der Gitarre zurückzugreifen, das Instrument bereits selbst schwingt, wird es nur schwer einen anderen Ton resonieren können. Außerdem neigen introvertierte Fühler
dazu, wortwörtlich alles, was ihnen ein anderer Mensch erzählt, an sich selbst
und den eigenen Erfahrungen zu messen. In diesen Situationen zeigt sich die
egozentrische Natur eines FI Benutzers deutlich.
Warum haben FI Benutzer ein Problem damit egozentrisch zu sein? Das liegt
daran, was introvertierte Fühler eigentlich erreichen möchten.

Was wünscht sich FI?
Introvertiertes Fühlen möchte in erster Linie das eigene Fühlen entdecken und
ausleben. Gleichzeitig möchte es dieses Fühlen dann in der Welt für sich und
andere teilen und sichtbar machen. Es strebt aber nicht nur nach der eigenen
Individualität, sondern möchte diese auch in Anderen unterstützen. Wenn nun
also behauptet wird FI sei egozentrisch, stößt das introvertierten Benutzer aus
diesem Grund natürlich sauer auf. Denn sie möchten zwar einen Platz für ihre
eigene Gefühlswelt einnehmen, aber sie wollen das auch für andere. Daher ist
FI zwar egozentrisch, das ist aber eine Art unnötiges Übel und ehrlich und
absolut für alle Menschen einen Platz schaffen zu können in dem sie sich als
Ganzes ausleben können. Sie geben also dem Egozentrischen Dasein an sich einen
Sinn.

Nachteile von FI
Bereits angesprochen wurde das Problem von Introvertierten Fühlern, ihr
Innenleben nach außen zu transportieren. Es gibt verschiedene Faktoren die
dieses Problem noch verschärfen. Zum einen haben es vor allem tertiäre und quartäre
FI’ler natürlich schwieriger, ihr FI zu verstehen und zu übersetzen. Zum
Anderen gibt es auch Äußere Einflüsse, die das Problem verstärken können.
Etwa wenn ein Introvertierter Fühler in einem Land aufwächst, in dem seine
Muttersprache nicht gesprochen wird oder seine Art zu kommunizieren (zB.
durch Musik und Kunst), von seinem sozialem Umfeld unterdrückt wird. Sollte
dieses Problem der Kommunikation zu groß werden, kann das bei einem
Introvertiertem Fühler Depressionen oder auch Aggressionen auslösen.
Überhaupt können introvertierte Fühler ihre Gefühle schlecht kontrollieren. So
kann es zu unpassenden Zeiten passieren, dass ihnen der Gesichtsausdruck
entgleist oder ihre Gefühle plötzlich aus Ihnen herausbrechen, wie das Wasser
aus einem berstenden Staudamm. Gerade im professionellem Kontext stellt
das ein großes Hindernis da. Denn im Zweifelsfall werden FI´ler nach einem
solchem Ereignis nicht mehr Ernst genommen. Im schlimmsten Fall gelten
introvertierte Fühler sowohl in ihrem professionellem als auch in ihrem
privaten Umfeld als emotionale Wracks, denen keine Verantwortung anvertraut
werden darf und die selbst eher als ein „Pflegefall“ der Gemeinschaft gelten.

Vorteile von FI
Die Leidenschaftlichkeit von Introvertierten Fühlern ist einzigartig,
unabhängig und authentisch. Diese Eigenschaften machen sie attraktiv und
wirken inspirierend und ansteckend auf Andere. Ihr Introvertiertes Fühlen gibt
vor allem primären und sekundären FI’lern ein Durchhaltevermögen und eine
Integrität, die anderen Persönlichkeitstypen oftmals fehlt. Gerade was Moral
angeht, bleiben Introvertierte Fühler unbrüchig bis zu Äußersten. So war zB.
Sophie Scholl, Mitglied der Weißen Rose eine Widerstandsbewegung im
Dritten Reich, wahrscheinlich eine introvertierte Fühlerin, die ihre
Überzeugung selbst bis zu ihrer Hinrichtung gelebt hat.
FI Benutzer sind von Natur aus oft neugierige Menschen. Sie erkunden ihr
Leben lang ihre eigene Gefühlswelt. Mit derselben Neugier nehmen sie auch
jeden Menschen um sich herum wahr und können daher mit einer ehrlichen
Anteilnahme aufwarten. Dabei müssen sie nicht an den Interessen von
anderen Menschen anknüpfen. Sie sind vielmehr an den Gefühlen über diese
Interessen interessiert, was ihnen quasi universale Möglichkeiten für
menschliche Interaktionen eröffnet.
Introvertiertes Fühlen an den verschiedenen Stellen

Erste/Zweite Funktion FI (ISFP,INFP,ESFP,ENFP)
„Tut mir Leid, dass ich gerade so emotional bin aber ich kann gerade nicht anders.“

„Ich weiß genau was du meinst! Genauso habe ich mich auch gefühlt als ich
damals…“

„Das Gesetz ändert sich. Das Gewissen nicht.“

„Ja, ich weiß, dass es nicht so viel Sinn gemacht hat, aber ich habe mich nun mal danach gefühlt. Lass mich.“

„Das… fühlt sich nicht richtig an. Ich will das nicht tun.“

Dritte/Vierte Funktion FI (ISTJ,INTJ,ESTJ,ENTJ)

„Wenn du was Konkretes brauchst, bin ich für dich da.“

„Das ist dein Projekt, lass dir da nicht reinreden.“

„Ich habe hart für mein Geld gearbeitet. Jetzt ist es nur richtig das ich selber
bestimmen kann was damit gemacht wird.“

„Meine Überzeugungen sind sehr stark, aber ich denke auch nicht häufig über sie nach.“

„Es fällt mir schwer, irgendjemanden bedingungslos zu mögen, sofern er sich nicht zuerst meinen Respekt verdient hat.“

post scriptum
Danke an Alle, die diesen langen Post durchgelesen haben. Wenn ihr noch
Fragen habt, schickt sie gern an Sam. Vielleicht komme ich dazu, nochmal
etwas zu diesem Blog beizutragen. Wie wäre es mit: Mein INFP ist kaputt xD

Extrovertiertes Fühlen

Extrovertiertes Fühlen, oder kurz FE (englisch: Feeling Extroverted) ist die Funktion, welche sich in erster Linie auf die eigene Emotionalität bezieht. Die Funktion ist am ausgeprägtesten bei den Typen ENFJ und ESFJ und steht an zweiter Stelle bei deren introvertierten Pendants: INFJ und ISFJ .

Der Unterschied zu Denkern
In vielerlei Hinsicht ist das der offensichtlichste Unterschied zwischen allen Funktionen: während Denker ihre Entscheidungen (versuchen möglichst) unparteiisch und nüchtern zu fällen, sind Fühler allgemein emotional sehr voreingenommen. Wenn ein Denker in einer Führungsposition, insbesondere ein extrovertierter Denker, es mit einem inkompetenten Angestellten zu tun hat, wird er in der Regel wenig Scheu zeigen, diesen zu entlassen, wenn es zum Besten für das Unternehmen ist. Der extrovertierte Fühler tut sich damit um einiges Schwerer, weil er stark mitfühlend und auf persönlicher Ebene wohlwollend ist.

Was sich von dieser Perspektive als Schwäche zeigt, ist auf rein zwischenmenschlicher Seite jedoch meistens eine große Stärke. Andere Menschen fühlen sich insbesondere zu extrovertierten Fühlern stärker hingezogen, als zu Denkern, da FE nach außen hin wie bereits erwähnt wohlwollend, aber auch menschlich, Anteil nehmend wirkt. Man fühlt sich vielleicht nicht zwangsweise verstanden, aber zumindest nicht alleine gelassen. Auch die negativen Stimmungen werden jedoch viel vehementer nach außen getragen. Die Laune eines extrovertierten Fühlers füllt oftmals ganze Räume aus, während der emotionale Zustand eines Denkers häufig im Verborgenen bleibt.

Während TE Effizienz verlangt und TI die Wahrheit, strebt FE vor allem Harmonie an. „Aim to please“ trifft also am ehesten auf extrovertierte Fühler an, was auch daran liegt, dass sie die Stimmung in einer Gruppe viel stärker erfassen und empfinden als jeder andere Typ – selbst introvertierte Fühler fühlen sich häufig überfordert, wenn sie mit mehr als nur einer anderen Person konfrontiert werden. Extrovertierte Fühler lernen durch diese Ausprägung relativ gut, ihre Mitmenschen zumindest oberflächlich zu lesen: hat die andere Person Angst? Ist sie entspannt? Ist sie interessiert, gelangweilt, traurig? Der extrovertierte Fühler wird vielleicht nicht wissen, weshalb sein Gegenüber sich in jenem Zustand befindet, aber zumindest wird er denselben ebenfalls spüren – etwas, das Denkern, insbesondere extrovertierten Denkern schwer fällt.

FE priorisiert dementsprechend Zwischenmenschliches ganz klar vor Effizienz und Logik. Würde man drei Teams miteinander vergleichen, von denen eines von einem extrovertierten Fühler, das zweite von einem extrovertierten Denker und das dritte von einem introvertierten Denker geleitet wird, kann man sich sicher sein, dass das TE-Team, das Team wahrscheinlich schneller erreichen wird, es FE-Team aber genauso wahrscheinlich eine bessere Stimmung/Moral geben wird. Das TI-Team wird während dessen möglicherweise weder ganz fertig noch über einen besonderes ausgeprägten Teamgeist verfügen, aber introvertierte Denker gelten auch nicht als die besten Teamleiter.

Der Unterschied zu introvertierten Fühlern
Während extrovertierte Fühler mitfühlend sind, sind introvertierte Fühler einfühlsam. FE nimmt einen sehr genauen Abdruck der Stimmung seines Gegenübers war und wird ihn auf sich selbst übertragen können, aber immer noch versuchen müssen, zu verstehen, warum sich das Gegenüber so fühlt, wobei die vierte Funktion, TI, hier eine unterstützende Rolle spielt. FI hingegen kann oft nicht anders, als sich automatisch direkt in die Lage des anderen zu versetzen und die Situation aus genau derselben Perspektive zu betrachten. Die emotionale Reaktion kann daher zwar abweichen, aber der introvertierte Fühler wird eher Verständnis aufbringen, als Sympathie (wobei letzteres natürlich nicht ausgeschlossen werden muss).

Extrovertierte Fühler haben also eher eine Einstellung: „Egal, wer du bist, was du durchgemacht hast und wieso – du bist traurig, also bin ich auch traurig“ und bringen, sofern sie ausgeglichene Persönlichkeiten sind, auch eher ein gewisses Grundmaß an Freundlichkeit und Wohlwollen mit, während introvertierte Fühler hier etwas anders eingestellt sind: „Ich kann mich in dich hineinversetzen und erahne, wer du bist, was du durchgemacht hast und kann verstehen, weshalb – du bist traurig und ich weiß, weshalb.“ Ob der introvertierte Fühler nun auch angesteckt wird von der Emotion seines Gegenübers, hängt vom eigenen Wesen und der eigenen Stimmung ab. Die Emotionen sind für introvertierte Fühler nicht unbedingt ansteckend.

Da gerade über diesen Unterschied häufig Unklarheit herrscht, kommt es auch schnell zwischen intro- und extrovertierten Fühlern zu Konflikten: extrovertierte Fühler werfen ihren introvertierten Pendants oft vor, kalt zu sein, da sie nicht die eigentlich erwartete emotionale Reaktion bekommen, während introvertierte Fühler ihnen wiederum vorwerfen, „unecht“ zu sein und deren Gefühle als vorgeheuchelt empfinden. Beide Empfindungen sind jedoch falsch, da der introvertierte Fühler so stark fühlt, wie kein anderer Typ und ihm häufig nur die Fähigkeit fehlt, seine Emotionen auch nach außen hin zu kommunizieren, während der extrovertierte Fühler die Gefühle seiner Umgebung wahrhaftig empfindet. Als triviales, aber dennoch aussagekräftiges Beispiel, kann man aufführen, dass extrovertierte Fühler am ehesten dazu neigen, bei Filmen zu weinen (sofern die Schauspieler überzeugend genug sind) und man ihnen wohl kaum vorwerfen wird, dass das nur gespielt sei.

Die Vorteile extrovertierten Fühlens
Extrovertierte Fühler können Gefühle hervorragend nach außen kommunizieren – auch, wenn sie nicht zwangsläufig selbst empfunden werden. Das macht sie in sozialen Situationen sehr flexibel – sie können sich, sofern sie sich dabei nicht selbst zu sehr unter Stress setzen, stets selbst neu erfinden und diverse Rollen einnehmen, wobei sie dabei durch ihr Harmoniebedürfnis auch eingeschränkt werden. Sie nehmen eher ungern die Rolle des Anklägers, des Spötters oder des Zweiflers ein, sind allerdings umso mehr in ihrem Element, wenn sie andere verteidigen, zwischen Parteien vermitteln oder einfach nur für eine angenehme Stimmung sorgen wollen.

Selbstverständlich kommt ihnen auch die Fähigkeit zu Gute, die Gefühle anderer schnell und präzise zu erfassen und sich dementsprechend auf ihre Umgebung anzupassen. Extrovertierte Fühler sind dementsprechend soziale Chamäleons, welche sich nicht nur ihrer Umgebung anpassen können, sondern ihre Farbmuster auch besonders detailliert erkennen können. Darüber hinaus macht ihre positive Art sie häufig zu kompetenten Motivatoren und durch ihr Gruppenverständnis haben sie ein ausgeprägtes Bewusstsein für Etikette.

Die Nachteile extrovertierten Fühlens
Das starke Harmoniebedürfnis von FE trübt selbstredend das objektive, nüchterne Urteilsvermögen und nicht selten kann es deshalb vorkommen, dass auf lange Sicht falsche Entscheidungen zugunsten von temporärer emotionaler Befriedigung getroffen wurden. Das kann dazu führen, dass das wohlwollende Wesen extrovertierter Fühler schnell ausgenutzt werden kann oder aber sich anderen zu sehr aufdrängt, die eigentlich gar keine Hilfe – oder zumindest nicht die des extrovertierten Fühlers wollen. Extrovertierte Fühler haben das Bedürfnis, von ihrer Umgebung gemocht zu werden und geben viel auf die Meinung anderer – bis zu einem Punkt, dass sie sich selbst emotional abhängig machen können und/oder manipulativ, süchtig nach Aufmerksamkeit und eitel erscheinen oder gar werden können.

Extrovertiertes Fühlen Fühlen an den verschiedenen Stellen

Erste/Zweite Funktion FE (ENFJ, ESFJ, INFJ, ENFJ): 
„Lass uns das gemeinsam machen – zusammen macht es doch auch einfach mehr Spaß!“

„Beruhig dich. Ich bin bei dir, gemeinsam schaffen wir das, okay?“

„Hey, du bist richtig gut darin – voll das Naturtalent, oder?“

„Ich finde, dass du mehr Rücksicht auf andere geben solltest und ich denke, eine Entschuldigung wäre jetzt wirklich angebracht.“

„Ich meine es doch nur gut mit dir, warum siehst du das denn nicht und weist mich ab?“

Dritte/Vierte Funktion FE (ENTP, ESTP, INTP, ISTP): 

„Oh, das… ist scheiße. Ich würde dir ja echt gerne helfen, wenn ich könnte, aber ich weiß nicht wie.“

„Ich verstehe ja, dass du wütend bist, aber nicht, warum du deshalb deinen Verstand ausschaltest und nur noch idiotische Dinge tust.“

„Doch, doch. Ich mag dich. Bist in Ordnung. So und nun genug der Gefühlsduselei, wo waren wir?“

„Wenn du jemanden zum Reden brauchst – ich bin da. Erwarte nicht, dass ich mit dir weinen werde, aber reden ist auf jeden Fall drin, okay?“

„Die Leute halten mich anfangs immer für freundlich und sympathisch – bis sie mich besser kennen lernen, habe ich den Eindruck.“

Introvertiertes Denken

Introvertiertes Denken, oder kurz TI (englisch: Thinking Introverted) ist die Funktion, die uns dabei hilft, zu analysieren, Konzepte zu erfassen und Daten zu sortieren. Die Funktion ist am ausgeprägtesten bei den Typen INTP und ISTP und steht an zweiter Stelle bei deren extrovertierten Pendants: ENTP und ESTP.

Der Unterschied zu Fühlern
Das Ziel von TI ist es, die Welt zu verstehen. Um dabei jedoch zu einem möglichst objektiven und damit vertrauenswürdigem Ergebnis zu kommen, ist es erforderlich, dass sich der introvertierte Denker als neutraler Beobachter von der Welt ein Stück weit distanziert. TI schert sich insofern wenig für Gefühle und Meinungen, die nicht auf guten Argumenten beruhen und hinterfragt prinzipiell alles. Während Fühler auf gewisse Sicht „involvierter“ sind und ihre Gefühle entweder in die Welt bringen, um diese danach zu formen oder ihre Gefühle von den Einflüssen der Umwelt geformt werden, versucht TI sich von jeglicher Emotionalität zu distanzieren, um rational und logisch zu bleiben. Gleichzeitig versucht TI auch, die eigene, sehr genaue Art auf die Umwelt zu übertragen, was sich zum Beispiel in möglicherweise sehr kleinkarierten Korrekturen und Anmerkungen widerspiegelt. Introvertierte Denker haben damit die Absicht, für Klarheit zu sorgen und auch Mitmenschen ein nüchternes, nicht von Emotionen „vernebeltes“ Bild zu schaffen, bewirken dabei jedoch auch oft, insbesondere bei Fühlern, das Gegenteil: durch Berichtigungen entsteht der Eindruck, der introvertierte Denker versteht alles besser und durch die Hingabe zu objektiven Fakten, nicht aber zu persönlichen Details, werden sie eher wie kalte Maschinen wahrgenommen, weniger als Menschen, denen man zuhören möchte.

Der Unterschied zu extrovertiertem Denken 
TI ist deduktiv – der Begriff „Deduktion“ stammt aus dem Lateinischen und heißt so viel wie „Ableiten“. In der Praxis bedeutet das, dass TI vom Allgemeinen auf das Einzelne ableitet. Dafür ist jedoch zunächst eine allgemeine Regel erforderlich, von der man Ableiten kann. Um es mit einem Beispiel zu beschreiben: eine allgemeine Regel lautet, dass alle Menschen sterblich sind. Sofern Chuck Norris (der Einzelne) ein Mensch ist, ist er demzufolge sterblich. Extrovertiertes Denken funktioniert genau anders herum und will diese allgemeinen Regeln aufstellen, indem es vom Einzelnen auf das Allgemeine ableitet. Dadurch entstehen häufiger Konflikte zwischen Anwendern von TI und Anwendern von TE (Thinking Extroverted).

TI versucht sich aufgrund von Erkenntnissen ein in sich stimmiges Logiksystem aufzubauen. Sobald neue Informationen aufgenommen werden, müssen diese zunächst einmal anhand dieses internen Logiksystems auf ihren Wahrheitsgehalt überprüft werden. Ist das nicht möglich, wird die neue Information als unnütz abgetan, gliedert sie sich jedoch ein, in anderen Worten: macht sie für den introvertierten Denker Sinn im Kontext mit all dem, was er bisher gelernt hat, wird diese neue Information mit ins interne Logiksystem aufgenommen und wird dadurch auch als das „Allgemeine“ wahrgenommen. In den Augen von TE-Anwendern ist dieses Verfahren oft zu pingelig und kleinkariert – dadurch dass alles zunächst auseinander genommen und überprüft werden muss, kommt man zu keinem Ergebnis. Der introvertierte Denker hingegen hält die Urteilsweise von TE für unzuverlässig und ungenau. Zumal ist TI nicht unbedingt so sehr an Ergebnissen und Erfolgen orientiert, sondern vielmehr an objektiven Wahrheiten, während das bei TE genau andersherum ist.

Die Vorteile introvertiertem Denkens
Introvertierte Denker sind neugierig und wollen verstehen, wie Dinge funktionieren. Das sorgt für eine relativ hohe Auffassungsgabe. Mit einem gut ausgeprägten TI versteht man Prinzipien und Konzepte schneller und kann sie sich gut vor dem geistigen Auge verbildlichen. Will man etwas möglichst genau und mit allen Facetten verstehen, macht man selten einen Fehler damit, einen introvertierten Denker zu befragen, der sich im Thema der Wahl gut auskennt.

TI ist zwar nicht so praktisch veranlagt wie das extrovertierte Pendant, da es sich nicht auf vorher festgelegte Ziele konzentriert, aber die Informationen, die durch die deduktive Denkweise erschlossen werden können, haben an sich viel praktisches Potenzial: wenn man Ursache und Wirkung erkannt hat, kann man bis zu einem gewissen Punkt vorhersagen, was bestimmte Handlungen für Konsequenzen haben werden, noch bevor sie ausgeführt wurden.

Die Nachteile introvertiertem Denkens
Eben genannter Vorteil kann sich allerdings auch als Nachteil manifestieren: der introvertierte Denker fühlt sich häufig erst dann sicher zu handeln, wenn er weiß, was er mit seiner Handlung auslösen wird und handelt deshalb manchmal überhaupt nicht, selbst, wenn es eigentlich erforderlich gewesen wäre. In manchen Fällen kann diese Passivität noch als Energieeffizienz abgetan werden, aber auch nur dann, wenn der introvertierte Denker tatsächlich noch rechtzeitig die erforderliche Leistung erbringt, indem er eine bessere Methode dafür verwendet hat.

Durch die unkonventionelle Art, die TI mit sich bringt, geraten introvertierte Denker häufig auch in persönliche Konflikte, die sie paradoxerweise möglichst zu vermeiden wollen: neue Theorien und Methoden werden häufig besonders von eher traditionsbewussten, konservativen Typen abgelehnt, was schnell zu Frust führt, welcher dazu führen kann, dass sich introvertierte Denker von ihrer Umwelt abkapseln, die für sie als „unlogisch“ und „denkfaul“ wahrgenommen wird. Auch erwecken sie wie eingangs erwähnt mit ihrer eher kühlen, sachlichen Art, nicht schnell Sympathien und haben in der Regel wenig Zeit damit verbracht, ihre sozialen Fähigkeiten auszubauen.

Introvertiertes Denken an den verschiedenen Stellen

Erste/Zweite Funktion TI (INTP, ISTP, ENTP, ESTP): 
„Alles lässt sich irgendwie begründen. Es gibt nur Dinge, die wir einfach noch nicht verstehen, weil uns die nötigen Informationen fehlen.“

„Warum machst du das? Das ist doch komplett sinnlos, da steckt überhaupt keine Logik dahinter…“

„Im Grunde genommen ist das ziemlich simpel. Ich kann dir in drei Sätzen die darunterliegenden Prinzipien erklären, worauf das basiert.“

„Och komm. Sei nicht beleidigt. Ja, ich halte deine Idee/Meinung für absoluten Blödsinn, aber das darfst du doch nicht persönlich nehmen!“

„Gib mir nur ein wenig Zeit und ich werde herausfinden, wie das funktioniert.“

Dritte/Vierte Funktion TI (INFJ, ISFJ, ENFJ, ESFJ): 
„Wenn du dich vielleicht etwas genauer ausdrücken könntest, vielleicht verstehe ich dann, was du meinst.“

„Ich habe mich schon immer für verschiedene Sprachen interessiert. Ich wünschte, ich würde mehr von ihnen beherrschen, damit ich mehr Menschen verstehen kann.“

„Ich interessiere mich für Methoden, die meine Arbeitsweise noch effizienter machen.“

„Auch, wenn es manchmal sehr unangenehm ist, bin ich bereit, ein Problem beim Namen zu nennen und zu analysieren, um es zu beheben.“

„Meine Erfahrungen / Ideen würden mir auch nichts nutzen, würde ich mir nicht ab und an die Zeit nehmen, darüber zu reflektieren.“

Extrovertiertes Denken

Extrovertiertes Denken, oder kurz TE (englisch: Thinking Extroverted) ist die Funktion, die uns dabei hilft, zu organisieren, nach Effizienz zu ordnen und Projekte zum Abschluss zu bringen. Die Funktion ist am ausgeprägtesten bei den Typen ENTJ und ESTJ und steht an zweiter Stelle bei deren introvertierten Pendants: INTJ und ISTJ.

Der Unterschied zu Fühlern
Menschen, bei denen diese Funktion sehr stark ausgeprägt ist, haben meistens die Fähigkeit, ihre Entscheidungen objektiv und unpersönlich zu treffen. Je nachdem, von welchem Licht aus man sie betrachtet, wirken sie damit gerecht oder kalt (oder beides auf einmal). Bei jedem Entschluss, den wir treffen, spielt auch unser Bauchgefühl eine Rolle, unter Umständen auch Beziehungen zu eventuell betroffenen Personen. TE hilft dabei, diese subjektiven Elemente von den Fakten zu trennen und so zu einem „nüchternen Ergebnis“ zu kommen, das auf Logik basiert. Gerade Menschen, die eher Fühlertypen sind und „persönlich“ denken, haben des Öfteren ein Problem damit, mit dieser Art zurecht zu kommen und halten stark ausgeprägtes TE häufig für Unfreundlichkeit. Damit hat das nichts zu tun, viel mehr geht es darum, das bestmöglichste Ergebnis zu erzielen und jeden gerecht zu behandeln. Extrovertierte Denker ergreifen in den meisten Fällen nur dann Partei, wenn sie der Meinung sind, dass es so am besten für alle ist. Natürlich spielt es auch für sie eine Rolle, ob sie damit unter Umständen Freunden, Nachbarn, Kollegen und/oder Familienangehörigen auf den Schlips treten, aber sie stecken das, sollte es der Fall sein, von allen Typen noch am ehesten weg. Viel mehr würden sie sich schlecht fühlen, wenn sie Entscheidungen aufgrund von Emotionalität statt aufgrund logischer Fakten getroffen hätten.

Der Unterschied zu introvertiertem Denken 
TE ist induktiv – induktives Denken könnte man auch als verallgemeinerndes Denken bezeichnen: TE leitet vom Einzelnen auf das Allgemeine ab. Besser verständlich wird das durch ein Beispiel: Stellen wir uns vor, wir würden als Expeditionsteam durch ein bislang so gut wie unerforschtes Dschungelgebiet streifen und dort einen Affen einer bislang unbekannte Affengattung antreffen, die grün-schwarz gestreift ist. Angenommen dieser Affe wäre höchst aggressiv, würde uns sofort angreifen und wir würden den nächsten, grün-schwarz gestreiften Affen, auch, wenn er vielleicht davon abgesehen etwas anders aussieht  gleich mit einem Betäubungsgewehr niederschießen, dann wäre das eine Handlung durch induktives Denken gewesen. Wir haben durch induktiven Erkenntnisgewinn (grün-schwarz gestreifte Affen sind gefährlich) eine neue Regel aufgestellt (bei grün-schwarz gestreiften Affen sofort defensiv reagieren).

Im Gegenteil dazu steht deduktives, beziehungsweise introvertiertes Denken. Hätten wir deduktiv geurteilt, hätten wir gesagt: „EIN schwarz-grün gestreifter Affe war aggressiv, aber das muss nicht auf alle schwarz-grün gestreiften Affen zutreffen. Lass uns beobachten, wie dieser auf uns reagiert.“
Durch diese unterschiedlichen Denkweisen entstehen auch schnell Konflikte. Der extrovertierte Denker hält deduktives Denken an und für sich zwar auch für sinnvoll, aber nur in begrenztem Maße. In dem letzten von mir genannten Beispiel wäre es wahrscheinlich, dass der extrovertierte Denker kritisieren würde, die Sicherheit der Expedition zu gefährden. Er ist zwar bereit dazu, seine Meinung und seine Regeln zu ändern, aber nur, wenn es auch handfeste Fakten, sprich: Beweise gibt, die ihn dazu veranlassen.

Die Vorteile extrovertiertem Denkens
Dadurch, dass TE Details nur dann Aufmerksamkeit schenkt, wenn sie für das System als Ganzes relevant sind, arbeitet er in der Regel sehr effizient und zielorientiert. Gibt man verschiedenen Typen dieselbe Aufgabe, ist es wahrscheinlich, dass ein extrovertierter Denker die Aufgabe als erstes abschließt. Das heißt nicht, dass er schlampig arbeitet, viel mehr lässt er sich nicht von Kleinigkeiten aufhalten. „Just do it“ ist ein typisches TE-Motto.

Wie bereits angedeutet bedeutet ein stark ausgeprägtes TE auch häufig, dass der Gerechtigkeitssinn entsprechend ausgeprägt ist. Das bedeutet in diesem Sinne, dass Leute nach ihren Taten behandelt werden, nicht danach, ob man sie gut leiden kann oder nicht. Ein Kind mit stark ausgeprägtem TE, das im Schulsport eine Fußballmannschaft zusammenstellt, sucht sich wohl eher die besten Fußballer und nicht die besten Freunde aus, weil es will, dass das eigene Team gewinnt, nicht unbedingt, dass im Team eine freundschaftliche Atmosphäre herrscht und in den meisten Fällen geht diese Rechnung dann auch auf.

Die Nachteile extrovertiertem Denkens
Wie man sich bereits denken kann, ist TE nicht die optimalste Funktion, wenn es um zwischenmenschliche Angelegenheiten geht. Viele Eltern mit ausgeprägtem TE haben, um es bildlich zu halten, Schwierigkeiten damit, ihr Kind zu trösten und auch, wenn sie es gut meinen, hört man von ihnen häufig Sprüche wie: „Komm schon, so schlimm ist das nicht!“ oder „Hör auf zu weinen, Jungen weinen nicht!“. Das klingt hart, ist aber in den meisten Fällen nicht böse gemeint. Im Gegenteil versuchen sie damit sogar zu helfen und wenn sie, nachdem ihr Einsatz keine positive Wirkung zeigt gereizt sind, dann ärgern sie sich, sofern sie sich über ihre Schwäche bewusst sind, eher über ihre eigene Unzulänglichkeit, als über das weinende Kind.

TE will Struktur und Ordnung schaffen und wenn es das mit dem Anwender getan hat, dann neigt es dazu, den extrovertierten Denker dazu zu drängen, dasselbe auch mit seiner Umwelt zu tun. Nur gibt es Menschen, die sich ungern etwas von anderen sagen lassen und manchmal weiß der extrovertierte Denker es eben auch nicht besser und sollte vielleicht lieber seine Meinung für sich behalten. Neben dem Ordnungsdrang kann auch die Regeltreue und übermäßiges induktives Denken ein Hindernis von TE sein: nur, weil etwas bereits zehnmal funktioniert hat, darf man sich nicht unbedingt darauf verlassen, dass es auch ein elftes Mal funktioniert. Der Ärger ist häufig groß, wenn eine Regel, die man für unumstößlich gehalten hat und auf die man baute, sich plötzlich als fehlerhaft erweist und man in dem ein oder anderen Fall dem pingeligen introvertierten Denker Recht geben muss, als er meinte: „Das kannst du nicht so verallgemeinern“.

Extrovertiertes Denken an den verschiedenen Stellen

Erste/Zweite Funktion TE (ENTJ, ESTJ, INTJ, ISTJ): 
„Das sind die Fakten, hier ist mein Plan. Macht, was ich euch sage und wir bekommen das ohne Probleme hin.“

„Beherrsche deine Emotionen und du kannst alles schaffen oder lernen. Zu schwierig oder zu kompliziert gibt es nicht.“

„Das ist meine Verantwortung, das kannst du nicht übernehmen, weil man diese Arbeit von mir erwartet.“

„Der Erfolg unseres Produkts wird an Zahlen gemessen, nicht daran, ob die Leute es mögen oder nicht.“

„Drei Stunden habe ich bereits gearbeitet und bin nun zur Hälfte fertig. Ich bin also in drei weiteren Stunden damit fertig. Spätestens. Du kannst dich darauf verlassen – wie immer.“

Dritte/Vierte Funktion TE (ENFP, ESFP, INFP, ISFP): 
„Ich weiß, dass es so ist oder zumindest darüber gehört/gelesen zu haben, aber ich kann mich beim besten Willen nicht erinnern, woher ich diese Information habe.“

„Nein. So nicht. Das fühlt sich falsch an, das geht anders. Ich kann dir nicht sagen, wie es richtig geht, aber so jedenfalls nicht.“

„Naja, ganz so unorganisiert bin ich nicht. Schau, ich habe meine Kleidung nach Farben sortiert!“

„Entweder Yetis existieren oder sie existieren nicht. Und momentan sprechen die Fakten dafür, dass es keine gibt, also sollten wir davon ausgehen, dass sie nicht existieren. Außerdem ist diese ganze Diskussion sinnlos.“

„Wahrscheinlich sollte ich mir einen Terminplan machen, auch, wenn ich so etwas hasse und Schwierigkeiten habe, ihn einzuhalten. Aber wenn ich es nicht zumindest versuche, gehe ich noch in all dem Chaos unter.“