Die herausragendsten (eher positiven) Eigenschaften der 16 Typen

Häufig gibt es zwischen den 16 Typen Überschneidungen bei Qualitäten und Schwächen. Aber welche sind die Eigenschaften, die bei den Typen jeweils ausgeprägter sind, als bei allen anderen? Mit diesem Thema habe ich mich auseinandergesetzt und bin zu interessanten (und streitbaren) Schlüssen gekommen. Natürlich sind die Eigenschaften nicht exklusiv – auch ein INFJ kann höflich und ein ESFP abenteuerlustig sein, aber hier soll es wirklich um die jeweilige Nummer 1 gehen: auf welchen Typen trifft diese Eigenschaft am meisten zu?

ISTJ: Gründlich
Wenn ein ISTJ eine Aufgabe annimmt, wird er ihr in der Regel aufs Wort genau nachgehen. Kaum ein Typ hat solch ein Auge für Details, wie ein ISTJ. Mit dem typisch starken Pflichtbewusstsein ausgestattet wird der ISTJ auch bei langwierigen Aufgaben Kleinigkeiten beachten. Für ihn gibt es kein „ein bisschen falsch“, sondern nur ein „korrekt erledigt“ oder „unfertig“.

ESTJ: Fleißig
Vielleicht nicht ganz so gründlich, aber dafür umso eifriger, wird ein ESTJ sich an die Arbeit machen. Dieser Typ hat vielleicht nicht immer ein langfristiges Ziel vor Augen, aber wenn er sich etwas vorgenommen hat, dann wird es auch durchgezogen – und wenn noch so viel Schweiß und Tränen fließen müssen. Work hard, play hard.

ISFJ: Höflich
Immer darauf bedacht, niemandem auf den Schlips zu treten, überlegen sich ISFJs in aller Regel zweimal, welche Worte in welcher Situation am angemessensten sind. Von allen Typen kennen sie sich in der Regel am besten mit sozialer Etikette aus und verstehen es wie kein anderer, anständig und respektvoll und zugleich herzlich zu sein.

ESFJ: Hilfsbereit
Bei vielen ESFJs könnte man meinen, dass „Helfen“ für sie ein ganz allgemeines Hobby ist. Selbst, wenn für sie nichts (außer einem guten Gefühl im Herzen) dabei herausspringt, werden sie Umwege gehen, um auch fremde Menschen zu unterstützen. Wenn es sich bei den Hilfsbedürftigen dann auch noch um Freunde/Familie handelt, kennt ihre Selbstlosigkeit nur wenige Grenzen.

INTJ: Ehrgeizig
Kaum ein Typ steckt sich so hohe Ziele wie der INTJ. Vielleicht haben sie nicht dieselbe Energie wie ESTJs oder ENTJs, aber ihre Ausdauer, an einem Ziel festzuhalten, das andere möglicherweise noch gar nicht begreifen können und ihre sorgfältige Planung, wie ihre anspruchsvollen Maßstäbe zu erreichen sind, machen das mehr als wett.

ENTJ: Willensstark
Durchsetzungsfähig, autoritär und optimistisch sind ENTJs nicht selten geborene Führungspersönlichkeiten. Sie sind Meister darin, die Effizienz in anderen Menschen und Dingen einordnen und so einsetzen zu können, dass ihr Vorhaben verwirklicht werden kann. Man kann sich über die Sinnhaftigkeit ihrer Ziele streiten, aber zumindest werden sie eines: erfüllt.

INFJ: Visionär
Ähnlich wie INTJs stecken sich INFJs anspruchsvolle Ziele, jedoch sind die der INFJs von eher transzendenterer und idealistischerer Natur. Sie sehen die Zusammenhänge vor allem in gesellschaftlichen Aspekten und verbinden ihren Weitblick mit ihrer Fähigkeit, Stimmungen aufzugreifen und sich zu Nutze zu machen. Ihre Pläne gehen weit über ihre eigene Person hinaus.

ENFJ: Motivierend
ENFJs sehen das Beste in ihren Mitmenschen und brauchen diesen Blogpost dementsprechend wahrscheinlich gar nicht. Nicht nur das, sie sind auch besonders fähig darin, die Stärken in anderen zu aktivieren, zu fördern und in die richtigen Bahnen zu weisen, indem sie mit ihrem Optimismus von den Schwächen ablenken und die Gedanken auf ein gemeinsames Ziel richten.

ISTP: Cool
Wenn alles in Flammen steht, in Chaos versinkt und Panik ausbricht, werden ISTPs immer noch einen kühlen Kopf bewahren. Kaum etwas lässt sie aus der Ruhe bringen. Während selbst ISTJs bei nie dagewesenen Konflikten ins Schwitzen geraten, sehen ISTPs darin häufig eher eine Herausforderung. Analysieren, anpacken, überwältigen – fertig. Niemand macht das so lässig wie ein ISTP.

ESTP: Mutig
Während andere Risiken eher aus dem Weg gehen, sucht der ESTP danach. Anpassungsfähig und aufmerksam finden ESTPs besser als jeder andere Persönlichkeitstyp selbst in turbulenten Situationen die vielversprechendsten Möglichkeiten und gehen auch direkt darauf ein. Andere gehen vielleicht überlegter vor, aber wohin sie auch gehen: ein ESTP war immer vor ihnen da.

ISFP: Verspielt
Es gibt zwar mit Sicherheit Typen, die als schrulliger gelte, aber mit verspielt beziehe ich mich darauf, dass ISFPs am ehesten in den Aktivitäten, die sie tun, eine Art Spiel, schon fast eine Art Hobby-/Freizeitbeschäftigung sehen können. So können sie selbst für die banalsten Dinge eine kindliche Freude aufbringen und sich immer wieder auf neue „Abenteuer“ einlassen und ihren Horizont erweitern.

ESFP: Ausdrucksstark
Man könnte es auch als „natürliches Charisma“ bezeichnen: ESFPs verstellen sich (in der Regel) nicht, sondern bringen ihre Gefühle ganz authentisch nach außen. Man muss nicht einmal die selbe Sprache wie sie sprechen, alleine schon mit Ton, Gestik, Mimik und Körperhaltung können sie ihre Emotionen nach außen kanalisieren – nicht selten findet man ESFPs daher auch auf der Bühne vor.

INTP: Skeptisch
INTPs sind bekannt dafür, kritische Fragen zu stellen – zum einen, weil sie sich tatsächlich interessieren und zum anderen, weil sie sich trauen, auch gesellschaftlich sensiblere Themen anzusprechen. Dabei bleiben sie in der Regel objektiv nüchtern und können dadurch auch sehr reflektierte und unvoreingenommene Entscheidungen treffen.

ENTP: Listig
ENTPs sind Meister darin, Fakten plausibel umzuinterpretieren und die Wahrheit so sehr zu verbiegen, ohne, dass man ihnen anhängen könnte, zu lügen. Kombiniert mit ihrem Einfallsreichtum und ihren (nicht nach außen offensichtlichen) empathischen Fähigkeiten macht das ENTPs zum listigsten aller Typen.

INFP: Eigenartig
Während man „eigenartig“ vielleicht nicht allgemein als eine positive Beschreibung durchgehen lässt, tun das INFPs schon: sie wollen nicht so sein, wie andere und tun das auch sehr erfolgreich. Eines kann man von INFPs dementsprechend nicht behaupten: dass sie so sind, wie alle anderen und nur eine billige Kopie. INFPs stehen dazu, wer sie sind, so seltsam sie auch sein mögen.

ENFP: Mitreißend
ENFPs haben ein sensibles Gespür für Möglichkeiten – ob sie jetzt praktisch umsetzbar sind oder nur Traumschlösser sind, ihre Fantasie hat einen ansteckenden Charakter, dem man sich nur kaum entziehen kann. ENFPs haben ein Händchen dafür, selbst in ihren nüchternsten Mitmenschen einen Funken von Interesse für Neues zu wecken.

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Warum Online-(MBTI-)Tests kritisch zu betrachten sind

Das Thema kam in den Kommentaren jetzt schon häufiger vor, daher habe ich beschlossen, einen Beitrag dazu zu verfassen.

Online-Tests zum MBTI sind meistens unsere ersten Berührungspunkte mit dem Thema gewesen, zumindest war es bei mir so. Man liest etwas über diese 16 Typen, ist sich aber in der Regel zunächst zu bequem, sich da wirklich ernsthaft einzulesen – verständlich, da man ja noch nicht weiß, was man überhaupt von diesem ganzen Konzept halten soll.

Meistens liegen die Tests auch nicht komplett daneben, zumindest nicht, wenn man im Nachhinein sagt: „Naja, nur ein Buchstabe hat nicht gepasst“. Ich habe ihn mal als 17-jähriger gemacht, da kam INFP heraus, vergessen und gute drei Jahre später nochmal gemacht und INTJ als Ergebnis erhalten. Zumindest das mit dem introvertiert und intuitiv schien also gestimmt zu haben. Aber das ist auch das Problem – es geht um Buchstaben, nicht wirklich um die Funktionen.

Um mein Problem an meinem Beispiel zu erklären: Mein Testergebnis als INTJ war sich ziemlich sicher darüber, dass ich „I“, „N“ und „T“ war, das „J“ war da schon etwas schwieriger: da ich Tendenzen zur Unordnung habe, aber diese immer wieder angehe und zeitweise „überwinde“, konnte ich – zumindest zu diesem Zeitpunkt – viele Fragen, bei denen es eben um Ordnung geht, eine „J“-Antwort geben – ich war dann ungefähr „53% Judging“ laut Test.

Und hier fängt der Blödsinn meiner Meinung nach an. Die Fragen gehen nur in zwei Richtungen und dazu noch in die Falschen. Nehmen wir ein Beispiel aus der relativ bekannten Seite „16personalities“: „Organisiert zu sein ist Ihnen wichtiger, als anpassungsfähig zu sein.“

Hier kann man nun angeben, wie sehr die Antwort zutrifft, sogar in sieben Abstufungen. Die geben dir aber am Ende einfach nur eine Unterschiedliche Anzahl an Punkten auf dein „J“ oder dein „P“-Konto. Wenn du hier z.B. „Ja +3“ angibst, gibt es einfach 3 Punkte auf dein „J“, wenn du „Nein -1“ angibst, gibt es 1 Punkt auf dein „P“.

Die erste Schwierigkeit, die ich hier sehe, fangen schon da an, dass die Frage falsch interpretiert werden kann. Was genau versteht man hier als anpassungsfähig und in welchem Kontext? Ich hätte jetzt „Ja“ angegeben, weil ich „anpassungsfähig“ aus meinem Bauchgefühl in sozialen Kontext gesetzt hätte, was definitiv nicht der Fall bei mir ist. Ich habe darauf nie sonderlich großen Wert gelegt und kann das auch nicht so gut. Organisiert sein hingegen will ich, auch, wenn ich damit auch hin und wieder Probleme habe. So ausgelegt könnte man sagen, gäbe diese Frage „T“ -oder „F“-Punkte. Jemand anderes könnte die Frage so auslegen, wie sie (wahrscheinlich) gemeint ist: hältst du dich lieber an stramme Abläufe und Routine oder bist du lieber flexibel und entscheidest spontan?

Nehmen wir an, das ist die Interpretation, die sich der Autor gedacht hat, kommen wir zum nächsten Problem: gerade, was „Judging“ und „Perceiving“ angeht, sind wir oft das eine, streben aber nach dem anderen. J-Personen sind zwar oft organisiert, aber sehnen sich danach, manchmal auch einfach mal etwas entspannter zu sein. „P“-Personen leben meistens in den Tag hinein, viele ihrer Konflikte entstehen aber auch aus ihrer laissez fairen Haltung und wenn sie ein wenig reflektiert sind, versuchen sie auch dagegen zu arbeiten. Darüber hinaus bestimmen „J und P“ im Grunde genommen nicht nur über eine Funktion, sondern gleich über alle, weil es letztlich festlegt, ob die Funktionen introvertiert oder extrovertiert sind.

Ich bin ein INTP (eine gute Frage wäre hier: „Wieso bist du dir da so sicher?“, aber dazu später) und habe daher die Funktionen „Introvertiertes Denken“, „Extrovertiertes Intuieren“, „Introvertiertes Empfinden“ und „Extrovertiertes Fühlen.“. Wie erwähnt war mein Ergebnis allerdings „INTJ“, was bedeutet, dass mein Denken extrovertiert, mein Intuieren introvertiert, mein Empfinden extrovertiert und mein Fühlen introvertiert war. Es stimmte also keine einzige Funktion. Dieser kleine Buchstabe „J“ machte also im Grunde genommen alles falsch.

Das dritte Problem ist die Sache mit der Ehrlichkeit. Am Ende sind zwar alle Typen gleich viel wert und keiner ist besser als der andere (nur subjektiv, nicht wahr, Marcel?), aber viele Leute sind doch sehr stark durch ihr Umfeld und ihre Geschichte geprägt, wenn es um Tugenden geht. Wenn man in einer Familie aus Geisteswissenschaftlern aufwächst, ist es sehr gut möglich, dass vor allem intuitive Funktionen geschätzt und gefördert wurden, wenn man vor allem Sportler als Freunde hat (warum auch immer, vielleicht gab es einfach zufälligerweise keine anderen), kann man wiederum den Eindruck vermittelt bekommen, extrovertiertes Empfinden sei „die wichtigste Funktion“. Man könnte noch weitere Beispiele aufführen, aber ich denke, der Kern der Problematik ist klar: wenn wir die Fragen beantworten, kann es sein, dass wir in bestimmte Richtungen tendieren zu antworten, weil wir (eventuell unterbewusst) das Gefühl haben, unsere Gesellschaft will, dass wir uns nach einem bestimmten Schema verhalten und dem beugen wir uns – oder auch nicht und wir klicken genau deshalb das andere Ergebnis an, selbst, wenn es eigentlich falsch ist.

Jetzt brennt wahrscheinlich die Frage: wie soll es denn dann gehen? Durch ein Verstehen der acht Funktionen. Dadurch werden im Grunde genommen die drei Probleme umgangen. Man hat hier eigentlich gar keine Möglichkeit, die Funktionen in falschem Kontext zu sehen, weil sie allgemeingültige Konzepte sind. Klar, wenn du z.B. ein ENFP bist und dich über die denkenden Funktionen informierst, dann könnte es sein, dass du beide komisch findest, dich bei beiden gleichermaßen wiederfindest oder eben überhaupt nicht, aber spätestens, wenn du über extrovertiertes Intuieren, deine erste Funktion liest, sollte der große: „Moment Mal, das bin doch ich!“-Effekt kommen. Ich bin jetzt einfach mal so arrogant und behaupte, wenn man jeden meiner Artikel über die einzelnen Funktionen gelesen hat und sich in keinem davon verstärkt wiederfinden konnte, dann man die ganze Sache mit den Funktionen noch nicht richtig verstanden.

So ging es mir dann auch, als ich immer wieder „INTJ“- und „INTP-„Ergebnisse, je nach Tagesform erhielt und daraufhin einfach mal Jungs‘ „Typologie“ gelesen habe: ich habe festgestellt, dass ich bei der Beschreibung von introvertiertem Denken ständig kichern musste, weil es so zutreffend war und bei der Beschreibung von extrovertiertem Denken häufiger die Nase rümpfen musste, weil mir die Art, so zu urteilen überhaupt nicht zusagte. Wohlgemerkt habe ich zu dem Zeitpunkt noch nicht gewusst, welche Funktion mit welchem Typ genau verknüpft war, ich habe also bewertet, aber nur die Funktion an sich, nicht in irgendeinem voreingenommenen Kontext.

Wenn man eine Funktion entdeckt hat, die wie die Faust aufs Auge passt, ist der Weg zur vollständigen Analyse nicht weit – war es eine introvertierte Funktion, ist die zweite eben extrovertiert und andersherum, selbes gilt für urteilend und wahrnehmend. In meinem Fall gab es also nur noch zwei Optionen für meine zweite Funktion, die da waren: extrovertiertes Intuieren und extrovertiertes Empfinden, was mir sehr leicht viel, zu sagen, was eher auf mich zutraf. Ein ehemaliger Bandkollege (ESTP) hat öfters mal die Bemerkung und Anspielung zu Obelix, der als Kind in den Zaubertrank gefallen ist, fallen lassen, ich sei als Kind in einen LSD-Topf gefallen, weil ich ständig so „seltsame Ideen“ hätte – bei der Anekdote will ich noch erwähnen, dass Fremdwahrnehmungen zwar nicht immer treffend sein müssen, aber die Eigenwahrnehmung in vielen Fällen gut ergänzen können. Ich habe als Kind schon immer gerne eigene (Karten-)Spiele entwickelt, Romane geschrieben und Musikstücke komponiert, was eher weniger für extrovertiertes Empfinden steht – hätte ich das gehabt, wäre ich wohl viel mehr draußen gewesen, Sport gemacht und hätte zwar vielleicht nicht unbedingt Musikstücke komponiert, aber dafür bei meiner Leidenschaft für Musik wahrscheinlich viel mehr gespielt.

Wenn die beiden Funktionen und ihre Reihenfolge geklärt sind, ist automatisch auch der Typ geklärt. Die Methode ist natürlich auch nicht perfekt und man kann immer noch ziemlich daneben liegen (TI/FI und TE/FE sind erfahrungsgemäß häufig noch Unsicherheitsquellen in der Selbstanalyse, da sich diese Funktionen ähnlicher sind, als man annehmen würde), aber man fährt sicherer als bei ominösen Onlinetests, die auf sehr viele verschiedene Weisen ausgelegt werden können und hinterher eigentlich noch nichts erklärt haben.

Ich fürchte, ich habe noch nicht alles abgedeckt, aber dafür gibt es ja die Kommentarfunktion. Gerne lasse ich mich – wie immer – auf Diskussionen mit euch zu diesem Thema ein 😉

Introvertiertes Intuieren

Introvertiertes Intuieren, oder kurz NI (englisch: Intuition Introverted) ist die Funktion, die uns dabei hilft, die Zukunft gedanklich zu verbildlichen und tiefere Bedeutungen zu erkennen. Die Funktion ist am ausgeprägtesten bei den Typen INTJ und INFJ und steht an zweiter Stelle bei deren extrovertierten Pendants: ENTJ und ENFJ.

Der Unterschied zu Empfindern
Während Empfinder sich sehr auf ihre Sinne und Erfahrungen, also auf Gegenwärtiges und Vergangenes beziehen, konzentrieren sich introvertierte Intuierer in erster Linie auf die Zukunft. Nun muss man hier jedoch noch weiter differenzieren, denn auch die konservativen, stets zurückblickenden introvertierten Empfinder planen viel für die Zukunft. Während SI (Sensing Introverted = introvertiertes Empfinden) jedoch eher versucht, sich zu wappnen und den Eindruck hat, „Die Zukunft wird mir passieren“, betrachtet NI die Zukunft in der Regel optimistischer und in einer aktiveren, gestalterischen Rolle: „Ich werde der Zukunft passieren“. Dementsprechend haben introvertierte Intuierer ein ausgeprägtes Bestreben, die Zukunft selbst zu prägen und sind idealistischer und verträumter als ihre empfindenden Gegenparts. Sie verzichten auf momentane Genüsse und Privilegien, wenn es ihren Plänen dienlich ist, arbeiten auf etwas zu, das in ihren Augen Bestand hat, während sich Empfinder meistens damit zufrieden geben, wenn alle Bedürfnisse gestillt sind und die Zukunft keine Sorgen für sie bereit hält. In der Schule unterscheiden sich introvertierte Intuierer eher von extrovertierten Empfindern, die lieber in Bewegung sind, als auf der Schulbank still sitzen und lernen zu müssen, als von introvertierten Empfindern, die in der Regel auch sehr aufmerksam dem Unterricht folgen und fleißig lernen, auch, wenn es unangenehm ist.

Der Unterschied wird nach der Schulzeit deutlicher, wenn introvertierte Intuierer von ihren Mühen tatsächlich auch Veränderungen verlangen, die über ihr eigenes Leben hinaus gehen. Symbolik und Sinnhaftigkeit spielen für NI ein großes Thema – wenn ein introvertierter Intuierer etwas Zeitaufwändiges tut, dann hat es meistens eine tiefere Bedeutung, zumindest einen klar definierten und nicht materiellem Zweck. Einfach nur zu arbeiten, um in relativem Wohlstand zu leben, reicht nicht aus, weshalb viele introvertierte Intuierer sich häufig Politik, Religion oder Wissenschaft verschreiben, während Empfinder sich lieber mit praktischeren Dingen beschäftigen. Es muss nicht einmal sein, dass ein introvertierter Intuierer ein idealistischer Weltverbesserer ist, was man N-Typen gemeinhin zuschreibt – es kann ihnen auch um Macht, Einfluss und ihren Ruf gehen, beides kann nicht komplett ausgeschlossen werden.

NI verleiht mehr Weitsicht als SE (Sensing Extroverted = Extrovertiertes Empfinden) und gleichzeitig mehr Antrieb und Kreativität als SI, auf der anderen Hinsicht fehlt häufig der Aktionismus von SE und das Auge fürs Detail von SI. Konflikte mit SI passieren weniger in der Ausführung eines Plans und mehr bei der Planung, während Konflikte mit SE eben eher bei der Ausführung des Plans vorkommen.

Der Unterschied zu extrovertiertem Intuierern
Wenn man introvertierte Intuierer wie oben als verträumt bezeichnet, dann gilt das nicht in Relation zu ihren extrovertierten Pendants. NE (iNtuition Extroverted = Extrovertiertes Intuieren) stecken fast permanent in Tagträumereien und Gedankenspielen, während die Vorstellungen von NI weniger „zufällig“ und zielgerichteter sind. Es ist gut möglich, dass ein extrovertierter Intuierer einem introvertiertem Intuierer Engstirnigkeit vorwerfen könnte, während andersherum der Eindruck entstehen könnte, dass NE zu sprunghaft sei. Extrovertiertes Intuieren fehlt in der Regel der lange Atem, eine Idee vollständig ins Praktische zu übertragen, während introvertiertes Intuieren die Tendenz hat, krampfhaft an einer Idee festzuhalten und dabei Scheuklappen aufzusetzen.

NE zieht Eindrücke, Gedanken und Möglichkeiten aus der Umwelt, lässt sich also von außen inspirieren, knüpft direkte Verbindungen und ist flexibel, während man die Eindrücke von NI, der vielleicht unergründlichsten aller Funktionen, schon fast eher als Visionen bezeichnen kann. Sie werden weniger extern bestimmt, kommen viel mehr aus dem Inneren heraus, als subjektive Ahnungen, die schwer von Außenstehenden nachvollziehbar sind.

Extrovertierte Intuierer kann man gemeinhin als Freigeister bezeichnen, die Spaß am Entdecken und Denken an sich haben, während introvertierte Intuierer zwar auch insofern „Freigeister“ sind, dass sie auch originelle Ideen haben, diese aber viel zielgerichteter und weniger breit gefächert sind. Die klassische Vorstellung eines zerstreuten Intellektuellen, der immer wieder neue Sichtweisen bietet entspricht eher dem extrovertierten Intuierer, während der introvertierte Intuierer eher dem Bildnis eines visionären Machers entspricht. So unterscheiden sich auch die Lebensstile zwischen extrovertierten und introvertierten Intuierern: während der eine eher mit klaren Vorstellungen, viel Disziplin, aber gleichzeitig auch einer gewissen Verkrampftheit durchs Leben geht, lebt der andere in den Tag hinein, ist vergleichsweise viel offener für Neues und fremde Gedanken, aber hat weniger Triebkraft.

Die Vorteile introvertiertem Intuierens
Große Pläne erfordern Aufopferungsbereitschaft und davon haben introvertierte Intuierer in der Regel zu Genüge. Sie haben viel Ausdauer und Engagement, können letzteres auch häufig gut auf andere übertragen – da sie selbst von ihren Plänen überzeugt sind und dafür brennen, so fern sie auch zu scheinen mögen, kann diese Leidenschaft sich auch auf andere auswirken. Nicht selten fühlen sich daher auch andere Menschen zu introvertierten Intuierern hingezogen und das mag nicht einmal so sehr an Sympathien liegen. Viel mehr haftet introvertierten Intuierern ein gewisses Versprechen von Erfolg an und gerade jene, die unzufrieden mit den derzeitigen Zuständen sind, scharen sich um jene, die Veränderungen personifizieren. Da NI wie bereits erwähnt ein Auge für Bedeutungen und Symbolik hat, können introvertierte Intuierer dementsprechend gut mit Bildern spielen und damit auch andere Menschen mobilisieren.

In Bezug auf andere Menschen sind introvertierte Intuierer nicht nur gut darin, diese zu beeinflussen, sondern auch relativ resistent gegenüber fremder Beeinflussung. Da sie selbst so stark ausgeprägte Motive haben, verfügen sie auch über ein sensibles Gespür, was die Intentionen ihrer Mitmenschen angeht.

Die Nachteile introvertiertem Intuierens
Während allen Intuierern ein Stück weit Rastlosigkeit zuzurechnen ist, trifft dies ganz besonders auf introvertierte Intuierer zu. NE mag den Nachteil haben, dass man den Kopf nicht mehr abschalten kann, doch NI kann im schlechten Fall dafür sorgen, dass man die eigenen Bedürfnisse komplett hinter das Ziel stellt, schon gar nicht mehr wahrnimmt und sich komplett überarbeitet.

Darüber hinaus muss NI immer wieder durch neues, externes Input gefüttert werden, um prüfen zu können, ob die Richtung noch stimmt oder den äußeren Umständen angepasst werden muss. Nicht selten zerschellen die Träume introvertierter Intuierer an der harten Wand der Realität, die zu lange außer Blick gelassen wurde: Details wurden übersehen, die sich angehäuft haben, Regeln haben sich geändert und bestimmte Blickpunkte, die man von einem anderen Standpunkt aus gesehen hätte, außer Acht gelassen. Die Hartnäckigkeit, die mit NI kommt, kann auch stumpfe Sturheit werden, weshalb introvertierte Intuierer immer offen für guten Rat sein sollten, auch – oder besser vor allem, wenn er ihnen anfangs nicht unbedingt gut schmeckt.

Achso – und die meisten dieser nervigen Motivationstrainer, deren Sprüche man an jeder zweiten Pinnwand (vor allem in sozialen Netzwerken) sieht, sind auch introvertierte Intuierer.

Introvertiertes Intuieren an den verschiedenen Stellen

Erste/Zweite Funktion NI (INTJ, INFJ, ENTJ, ENFJ): 
„Ich weiß ganz genau, was ich tue, vertrau mir.“

„Ich habe einen Plan – ich sehe ihn ganz klar vor meinen Augen, jeden einzelnen Schritt von hier bis zum Ziel.“

„Gib dich nicht einfach zufrieden, es gibt so viel mehr! Träume groß! Setze dir Ziele und jage ihnen nach, damit dein Leben nicht sinnlos ist!“

„Ich brauche keine jahrelange Ausbildung, um das zu verstehen oder zu können. Manchmal fliegt es mir auch einfach zu.“

„Jetzt lachst du noch, weil du das große Bild nicht erkennen kannst. Später wirst du meinen Namen darunter sehen.

Dritte/Vierte Funktion NI (ISTP, ISFP, ESTP, ESFP): 
„Irgendetwas sagt mir, dass das eine ziemlich dumme Idee ist. Lass es uns trotzdem tun.“

„Kennst du das? Manchmal… manchmal, da kommen einem die ganz großen Fragen auf! Wie zum Beispiel, was der Sinn des Lebens ist.“

„Ich weiß, was ich will. Und ich bin schon auf halber Strecke, es zu bekommen, weil ich auch etwas dafür tue.“

„Wie ich diese Kunstwerke erschaffen habe? Ich weiß es auch nicht so richtig. Diese Ideen flogen mir einfach zu, ich kann auch nicht beschreiben, woher sie kamen.“

„Es ist nicht so, dass ich nicht an die Zukunft denke, weil ich Risiken eingehe. Ich gehe Risiken ein, damit ich möglicherweise eine bessere Zukunft haben werde!“

Extrovertiertes Fühlen

Extrovertiertes Fühlen, oder kurz FE (englisch: Feeling Extroverted) ist die Funktion, welche sich in erster Linie auf die eigene Emotionalität bezieht. Die Funktion ist am ausgeprägtesten bei den Typen ENFJ und ESFJ und steht an zweiter Stelle bei deren introvertierten Pendants: INFJ und ISFJ .

Der Unterschied zu Denkern
In vielerlei Hinsicht ist das der offensichtlichste Unterschied zwischen allen Funktionen: während Denker ihre Entscheidungen (versuchen möglichst) unparteiisch und nüchtern zu fällen, sind Fühler allgemein emotional sehr voreingenommen. Wenn ein Denker in einer Führungsposition, insbesondere ein extrovertierter Denker, es mit einem inkompetenten Angestellten zu tun hat, wird er in der Regel wenig Scheu zeigen, diesen zu entlassen, wenn es zum Besten für das Unternehmen ist. Der extrovertierte Fühler tut sich damit um einiges Schwerer, weil er stark mitfühlend und auf persönlicher Ebene wohlwollend ist.

Was sich von dieser Perspektive als Schwäche zeigt, ist auf rein zwischenmenschlicher Seite jedoch meistens eine große Stärke. Andere Menschen fühlen sich insbesondere zu extrovertierten Fühlern stärker hingezogen, als zu Denkern, da FE nach außen hin wie bereits erwähnt wohlwollend, aber auch menschlich, Anteil nehmend wirkt. Man fühlt sich vielleicht nicht zwangsweise verstanden, aber zumindest nicht alleine gelassen. Auch die negativen Stimmungen werden jedoch viel vehementer nach außen getragen. Die Laune eines extrovertierten Fühlers füllt oftmals ganze Räume aus, während der emotionale Zustand eines Denkers häufig im Verborgenen bleibt.

Während TE Effizienz verlangt und TI die Wahrheit, strebt FE vor allem Harmonie an. „Aim to please“ trifft also am ehesten auf extrovertierte Fühler an, was auch daran liegt, dass sie die Stimmung in einer Gruppe viel stärker erfassen und empfinden als jeder andere Typ – selbst introvertierte Fühler fühlen sich häufig überfordert, wenn sie mit mehr als nur einer anderen Person konfrontiert werden. Extrovertierte Fühler lernen durch diese Ausprägung relativ gut, ihre Mitmenschen zumindest oberflächlich zu lesen: hat die andere Person Angst? Ist sie entspannt? Ist sie interessiert, gelangweilt, traurig? Der extrovertierte Fühler wird vielleicht nicht wissen, weshalb sein Gegenüber sich in jenem Zustand befindet, aber zumindest wird er denselben ebenfalls spüren – etwas, das Denkern, insbesondere extrovertierten Denkern schwer fällt.

FE priorisiert dementsprechend Zwischenmenschliches ganz klar vor Effizienz und Logik. Würde man drei Teams miteinander vergleichen, von denen eines von einem extrovertierten Fühler, das zweite von einem extrovertierten Denker und das dritte von einem introvertierten Denker geleitet wird, kann man sich sicher sein, dass das TE-Team, das Team wahrscheinlich schneller erreichen wird, es FE-Team aber genauso wahrscheinlich eine bessere Stimmung/Moral geben wird. Das TI-Team wird während dessen möglicherweise weder ganz fertig noch über einen besonderes ausgeprägten Teamgeist verfügen, aber introvertierte Denker gelten auch nicht als die besten Teamleiter.

Der Unterschied zu introvertierten Fühlern
Während extrovertierte Fühler mitfühlend sind, sind introvertierte Fühler einfühlsam. FE nimmt einen sehr genauen Abdruck der Stimmung seines Gegenübers war und wird ihn auf sich selbst übertragen können, aber immer noch versuchen müssen, zu verstehen, warum sich das Gegenüber so fühlt, wobei die vierte Funktion, TI, hier eine unterstützende Rolle spielt. FI hingegen kann oft nicht anders, als sich automatisch direkt in die Lage des anderen zu versetzen und die Situation aus genau derselben Perspektive zu betrachten. Die emotionale Reaktion kann daher zwar abweichen, aber der introvertierte Fühler wird eher Verständnis aufbringen, als Sympathie (wobei letzteres natürlich nicht ausgeschlossen werden muss).

Extrovertierte Fühler haben also eher eine Einstellung: „Egal, wer du bist, was du durchgemacht hast und wieso – du bist traurig, also bin ich auch traurig“ und bringen, sofern sie ausgeglichene Persönlichkeiten sind, auch eher ein gewisses Grundmaß an Freundlichkeit und Wohlwollen mit, während introvertierte Fühler hier etwas anders eingestellt sind: „Ich kann mich in dich hineinversetzen und erahne, wer du bist, was du durchgemacht hast und kann verstehen, weshalb – du bist traurig und ich weiß, weshalb.“ Ob der introvertierte Fühler nun auch angesteckt wird von der Emotion seines Gegenübers, hängt vom eigenen Wesen und der eigenen Stimmung ab. Die Emotionen sind für introvertierte Fühler nicht unbedingt ansteckend.

Da gerade über diesen Unterschied häufig Unklarheit herrscht, kommt es auch schnell zwischen intro- und extrovertierten Fühlern zu Konflikten: extrovertierte Fühler werfen ihren introvertierten Pendants oft vor, kalt zu sein, da sie nicht die eigentlich erwartete emotionale Reaktion bekommen, während introvertierte Fühler ihnen wiederum vorwerfen, „unecht“ zu sein und deren Gefühle als vorgeheuchelt empfinden. Beide Empfindungen sind jedoch falsch, da der introvertierte Fühler so stark fühlt, wie kein anderer Typ und ihm häufig nur die Fähigkeit fehlt, seine Emotionen auch nach außen hin zu kommunizieren, während der extrovertierte Fühler die Gefühle seiner Umgebung wahrhaftig empfindet. Als triviales, aber dennoch aussagekräftiges Beispiel, kann man aufführen, dass extrovertierte Fühler am ehesten dazu neigen, bei Filmen zu weinen (sofern die Schauspieler überzeugend genug sind) und man ihnen wohl kaum vorwerfen wird, dass das nur gespielt sei.

Die Vorteile extrovertierten Fühlens
Extrovertierte Fühler können Gefühle hervorragend nach außen kommunizieren – auch, wenn sie nicht zwangsläufig selbst empfunden werden. Das macht sie in sozialen Situationen sehr flexibel – sie können sich, sofern sie sich dabei nicht selbst zu sehr unter Stress setzen, stets selbst neu erfinden und diverse Rollen einnehmen, wobei sie dabei durch ihr Harmoniebedürfnis auch eingeschränkt werden. Sie nehmen eher ungern die Rolle des Anklägers, des Spötters oder des Zweiflers ein, sind allerdings umso mehr in ihrem Element, wenn sie andere verteidigen, zwischen Parteien vermitteln oder einfach nur für eine angenehme Stimmung sorgen wollen.

Selbstverständlich kommt ihnen auch die Fähigkeit zu Gute, die Gefühle anderer schnell und präzise zu erfassen und sich dementsprechend auf ihre Umgebung anzupassen. Extrovertierte Fühler sind dementsprechend soziale Chamäleons, welche sich nicht nur ihrer Umgebung anpassen können, sondern ihre Farbmuster auch besonders detailliert erkennen können. Darüber hinaus macht ihre positive Art sie häufig zu kompetenten Motivatoren und durch ihr Gruppenverständnis haben sie ein ausgeprägtes Bewusstsein für Etikette.

Die Nachteile extrovertierten Fühlens
Das starke Harmoniebedürfnis von FE trübt selbstredend das objektive, nüchterne Urteilsvermögen und nicht selten kann es deshalb vorkommen, dass auf lange Sicht falsche Entscheidungen zugunsten von temporärer emotionaler Befriedigung getroffen wurden. Das kann dazu führen, dass das wohlwollende Wesen extrovertierter Fühler schnell ausgenutzt werden kann oder aber sich anderen zu sehr aufdrängt, die eigentlich gar keine Hilfe – oder zumindest nicht die des extrovertierten Fühlers wollen. Extrovertierte Fühler haben das Bedürfnis, von ihrer Umgebung gemocht zu werden und geben viel auf die Meinung anderer – bis zu einem Punkt, dass sie sich selbst emotional abhängig machen können und/oder manipulativ, süchtig nach Aufmerksamkeit und eitel erscheinen oder gar werden können.

Extrovertiertes Fühlen Fühlen an den verschiedenen Stellen

Erste/Zweite Funktion FE (ENFJ, ESFJ, INFJ, ENFJ): 
„Lass uns das gemeinsam machen – zusammen macht es doch auch einfach mehr Spaß!“

„Beruhig dich. Ich bin bei dir, gemeinsam schaffen wir das, okay?“

„Hey, du bist richtig gut darin – voll das Naturtalent, oder?“

„Ich finde, dass du mehr Rücksicht auf andere geben solltest und ich denke, eine Entschuldigung wäre jetzt wirklich angebracht.“

„Ich meine es doch nur gut mit dir, warum siehst du das denn nicht und weist mich ab?“

Dritte/Vierte Funktion FE (ENTP, ESTP, INTP, ISTP): 

„Oh, das… ist scheiße. Ich würde dir ja echt gerne helfen, wenn ich könnte, aber ich weiß nicht wie.“

„Ich verstehe ja, dass du wütend bist, aber nicht, warum du deshalb deinen Verstand ausschaltest und nur noch idiotische Dinge tust.“

„Doch, doch. Ich mag dich. Bist in Ordnung. So und nun genug der Gefühlsduselei, wo waren wir?“

„Wenn du jemanden zum Reden brauchst – ich bin da. Erwarte nicht, dass ich mit dir weinen werde, aber reden ist auf jeden Fall drin, okay?“

„Die Leute halten mich anfangs immer für freundlich und sympathisch – bis sie mich besser kennen lernen, habe ich den Eindruck.“

Extrovertiertes Empfinden

Extrovertiertes Empfinden, oder kurz SE (englisch: Sensing Extroverted) ist die Funktion, die uns dabei hilft, die Umwelt möglichst objektiv und in ihren Details wahrzunehmen. Die Funktion ist am ausgeprägtesten bei den Typen ESTP und ESFP steht an zweiter Stelle bei deren introvertierten Pendants: ISTP und ISFP.

Der Unterschied zu Intuierern
Während Intuierer sich vor allem mit Abstraktem beschäftigen, da sich sowohl extrovertiertes als auch introvertiertes Intuieren sehr auf Konzepte und Theoretisches konzentriert, ist das extrovertierte Empfinden sehr praktisch veranlagt. Das liegt daran, dass extrovertiertes Empfinden sich vor allem auf die Dinge fixiert, die sinnlich wahrnehmbar sind. Dementsprechend bewusst und aufmerksam nehmen Menschen mit stark ausgeprägtem SE ihre Umwelt wahr. Dabei fallen ihnen häufig auch Details auf, die anderen, insbesondere eben Intuierern entgehen.

Die Unterschiede werden besonders dann deutlich, wenn man extrovertierte Empfinder mit introvertierten Intuierern vergleicht: erstere sind energisch, voller Tatendrang und gehen mit einer „Das Leben geht weiter“-Einstellung eher unbekümmert durchs Leben, während introvertierte Intuierer sorgfältig die meisten Schritte in ihrem Leben planen und auf alles Vorbereitet sein wollen. In den Augen extrovertierter Empfinder sind solche Menschen eher zu langsam, zu vorsichtig und vor allem viel zu ernst.

Extrovertierte Empfinder und extrovertierte Intuierer wirken auf den ersten Blick häufig relativ ähnlich: beide lassen sich schnell von Neuem begeistern, brauchen viel Abwechslung und wirken locker und umgänglich. Die Unterschiede liegen hier eher im Detail: SE ist aus auf physische Stimuli – körperliche Aktivitäten und Eindrücke statt „geistige“ Aktivitäten, nach denen NE eher sucht. Um ein Beispiel zu nennen: jemand mit stark ausgeprägtem SE wird eher daran interessiert sein, mal Paragliding auszuprobieren oder Tiefseetauchen zu gehen, als ein neues Pen & Paper Spielsystem auszuprobieren. SE ist eher körperlich aktiv als „nerdy“, bei NE ist es genau andersherum. Und wie gesagt – hierbei handelt es sich um Tendenzen. Natürlich gibt es auch Rollenspiel spielende ESTPs und Taucher-ENFPs.

Der Unterschied zu introvertiertem Empfinden
Darauf bin ich bereits auf meiner Beschreibung von introvertiertem Empfinden eingegangen, weshalb ich mich hier etwas kürzer fassen werde. Einer der Hauptunterschiede ist, dass man mit starkem extrovertiertes Empfinden sehr opportunistisch agiert, während introvertiertes Empfinden eher die Vorsicht prägt. S-Typen sind beide sehr aufmerksam und nehmen viele Details in der Welt wahr. Generell gilt für introvertierte Tendenzen (nicht nur auf das Empfinden bezogen), dass sie einen Hang zum Pessimismus haben, die Welt eher als feindselig wahrnehmen, während Extroversion ein eher positives Weltbild fördert und die Lust darauf, mit der Welt zu „verschmelzen“. Das zeigt sich auch beim Empfinden – jemand mit stark ausgeprägtem SE sieht eine Gelegenheit und empfindet sie als einladend und wird eher darauf eingehen, als jemand mit stark ausgeprägtem SI. Solch eine Person erkennt die Situation möglicherweise auch, wird jedoch eher skeptisch sein und sich erst mit gutem Gefühl darauf einlassen können, wenn es bereits Erfahrungen gibt, die der momentanen Situation stark ähneln. Dementsprechend lassen sich extrovertierte Empfinder häufiger auf Risiken ein als introvertierte Empfinder. Ein weiterer Unterschied ist der, dass extrovertierte Empfinder einfach sehr viel neugieriger sind – ohne bösen Absichten (oder über bloße Neugierde hinaus überhaupt irgendwelchen), provozieren extrovertierte Empfinder andere Menschen beispielsweise gerne, einfach, um zu sehen, wie sie reagieren.

Extrovertierte Empfinder müssen ihre introvertierten Pendants wahrscheinlich als sehr merkwürdig erachten: „Wenn ihr Erfahrungen doch genauso sehr schätzt, wie wir – warum habt ihr dann so große Angst davor, neue zu machen?“

Die Vorteile extrovertiertem Empfindens
Menschen, bei denen diese Funktion stark ausgeprägt ist, sind aktiv und aufmerksam. Ersteres bedeutet, dass sie nicht erst stundenlang herum theorisieren, bevor sie etwas anfangen – sie sind auf aus neue Erfahrungen und lernen auch schnell daraus. Folglich leisten sie in vielen Bereichen Pioniersarbeit – sie probieren einfach gerne neue Dinge aus, vor allem, wenn sie aufregend und/oder lukrativ klingen. Da extrovertierte Empfinder sich generell eher weniger mit akademischen Dingen befassen, machen sie häufig einen ungebildeten Eindruck und bei vielen trifft dieser Eindruck auch voll ins Schwarze. Man darf jedoch Bildung nicht mit Intelligenz verwechseln. Extrovertiertes Empfinden fördert die Auffassungsgabe, was dazu führt, dass seine Anwender schnell lernen und extrem anpassungsfähig sind.

Die Anpassungsfähigkeit ist dabei auch der Aufmerksamkeit geschuldet. Auch bei sozialer Interaktion fallen extrovertierten Empfindern schnell die kleinsten Details in Körperhaltung und Mimik auf. Ein zuckendes Augenlid, der Stand, der etwas lockerer wird – all das nimmt der extrovertierte Empfinder genauso wahr, wie die Worte seines Gegenübers.

Die Nachteile extrovertiertem Empfindens
Aller Aktivismus schützt nicht vor Fehlschlägen – statistisch gesehen dürfte ein extrovertierter Empfinder metaphorisch (wahrscheinlich auch wörtlich) viel häufiger in seinem Leben auf die Schnauze fallen, als Typen mit einer anderen bevorzugten Wahrnehmungsfunktion. Sie rappeln sich zwar schnell wieder auf und lassen sich durch Niederlagen nicht entmutigen, aber es darf bezweifelt werden, ob sie immer daraus lernen – und es gibt eben auch Fehltritte, die macht man nur einmal im Leben. Danach kann man sie rein technisch nicht mehr wiederholen.

Extrovertiertes Empfinden scannt zudem zwar äußerst präzise die Oberfläche ab und ist dabei so detailliert wie keine andere wahrnehmende Funktion, aber dementsprechend hoch ist auch die Gefahr, dass seine Anwender auch oberflächlich nach oberflächlichem Maßstab denken. Sind die ausgleichenden Funktionen nicht stark genug ausgeprägt, liegt es nahe, dass ein extrovertierter Empfinder Menschen zum Beispiel vor allem nach Äußerlichkeiten bewertet und/oder (vor allem politisch) leicht manipulierbar ist.

Extrovertiertes Empfinden an den verschiedenen Stellen

Erste/Zweite Funktion SE (ESTP, ESFP, ISTP, ISFP): 
„Bestimmt kann ich das. Schau her – voillá! War gar nicht schwer.“

„Okay, ich hab die Spielregeln verstanden, den Rest lerne ich während dem Spiel. Lass uns aber endlich anfangen!“

„Er ist super angepisst. Hast du sein Gesicht in dem Moment nicht gesehen?“

„Mal sehen, wie die Leute reagieren, wenn ich heute Abend… dieses Kleid anziehen werde!“

„Diese Sportart klingt spannend. Keine Ahnung, ob mein Körper dafür fit genug ist – ein Grund mehr, sie auszuprobieren, nicht wahr?“

Dritte/Vierte Funktion SE (ENTJ, ENFJ, INTJ, INFJ): 
„Das sind zu viele Leute auf einmal… mir entgehen so viele Dinge, weil ich all die Eindrücke nicht schnell genug verarbeiten kann!“

„Sicher, dieser Whiskey ist unverschämt teuer. Aber wenn du ihn probiert hast, wirst du verstehen, warum ich ihn mir dennoch gekauft habe.“

 

„Ich habe eine Vision – und ich werde sie nicht erreichen, indem ich untätig herumsitze. An die Arbeit!“

„Bei all den Gedanken, die ich mir immer mache, brauche ich Bewegung einfach als Ausgleich. Ich fühle mich manchmal erst dadurch richtig lebendig.“

„Ich bin nicht gerne in diesem Restaurant. Das Essen ist zwar gut, aber die Einrichtung jagt mich förmlich nach draußen.“

Die 16 Typen und typische Berufe (J)

Nachdem jetzt schon mehrere Male die Frage aufkam, welche Berufe denn zu welchem Typ passen, wage ich mich an das zugegebenermaßen sehr ambitionierte Projekt, jedem Persönlichkeitstyp verschiedene Beispiel(!)berufe zuzuordnen, die typisch für sie sind. Mitsamt einer knappen Erklärung, wie ich darauf komme.

Ich will hier noch kurz betonen, dass es sich nicht um eine Empfehlung handelt, dafür bin ich definitiv nicht der richtige Ansprechspartner. Man muss bedenken, dass sich alle Menschen, auch diejenigen, die den gleichen Typ haben, voneinander unterscheiden, andere Hintergründe und Eigenarten haben, so dass es durchaus vorkommen kann, dass sich ein Typ entgegen aller Erwartungen sehr wohl an einem für ihn „untypischen“ Arbeitsplatz fühlt. Ich bin zum Beispiel sehr glücklich mit meinem Job als Musiklehrer, der permanent Umgang mit Mitmenschen erfordert, obwohl das laut meiner Typenbeschreibung als sehr anstrengend und daher ungünstig gilt. Es ist eine Herausforderung, aber nichts woran ich mich persönlich nicht gewöhnen konnte und vor allem etwas, woran ich wachsen konnte und immer noch kann. Wenn also ein INTJ gerne Krankenpfleger oder ein ISFP Philosophiestudent werden will, dann werde ich nicht sagen: „Um Gottes Willen, bloß nicht!“. Ich würde dann auf die Herausforderungen deuten, aber hinterher auch betonen: „Mach dir bewusst, dass es dich auf die Probe stellen wird, aber wenn es dein Traum ist, dann versuch es auf jeden Fall!“

In diesem Falle. Viel Spaß beim Lesen!

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Adolf Hitler – INFJ

Dieser Beitrag könnte nun einigen INFJ sauer aufstoßen, weil sie sich in ein schlechtes Licht gerückt fühlen könnten, aber im Grunde genommen ist es nur konsequent, wenn man verdeutlicht bekommt, dass jeder Persönlichkeitstyp auch seine schwarzen Schafe hervorbringt. Ich könnte ja auch darüber schreiben, wie toll Mahatma Gandhi oder Martin Luther King, beide höchstwahrscheinlich INFJs waren, aber ganz ehrlich, zum einen ist es hilfreich, die Funktionen auch in Personen zu erkennen, für die man keine Sympathien übrig hat, zum anderen ist das manchmal – und wie ich finde, auch in diesem Falle – interessanter.

Also. Here we go. Hitler war ein INFJ und hier ist meine Analyse. Wenn jemand nicht zustimmt, bin ich gespannt auf Argumente.

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Typologie – Typische Feindbilder

Man müsste ja eigentlich meinen, dass einen Fühlertypen vor allem Denkertypen aufregen, und Empfindertypen gerade Intuitiven gegenüber Unverständnis entgegenbringen.

Der amerikanische Psychologe John Beebe hat die Theorie aufgestellt, dass das jeweils extrovertierte/introvertierte Pendant der ersten Funktion ein gewisses Feindbild in uns weckt. Er nannte es den „Antagonisten“. Ich will auf diese Theorie ein wenig tiefer eingehen und sie von meinem Blickpunkt aus beleuchten.

Man kann den Konflikt zwischen der extrovertierten und der jeweils entsprechenden introvertierten Funktion auch Flügelkampf nennen. Nehmen wir zum Beispiel das Fühlen. Sowohl introvertiert als auch extrovertiert beachtet es vor allem emotionale Komponente und legt Wert auf rücksichtsvollen Umgang miteinander. Nur sind die Mittel, wie man das eigentlich gemeinsame Ziel erreicht eben sehr unterschiedlich.

Dabei kann man grundsätzlich festhalten, dass die introvertierte Funktion der extrovertierten misstraut, sie für vorschnell, unvorsichtig und oberflächlich abtut. So könnte es einen introvertierten Intuierer beispielsweise stören, dass der extrovertierte Intuierer bei einem eigentlich interessanten Gespräch, ständig das Thema wechselt und so verhindert, dass man über ein Thema eingehend und detailliert diskutieren kann. Im Gegensatz dazu empfindet die extrovertierte Funktion die introvertierte als zu träge, überkritisch und pingelig. So stört es einen extrovertierten Denker beispielweise schnell, wenn der introvertierte ihn bei der Auslegung eines Planes ständig unterbricht und auf die Makel hinweist, die in den Augen des extrovertierten Denkers von vollkommen trivialer und irrelevanter Natur sind. Der introvertierte Denker hingegen muss alleine schon gegen das Verlangen ankämpfen, nicht bereits aus Prinzip auf Ungereimtheiten und Verallgemeinerungen hinzuweisen.

Es ist schwer zu hassen, was man nicht versteht, man kann höchstens Angst davor haben oder verwirrt sein. Das Prinzip kennen wir aus der Fiktion. Wenn der Antagonist ein fremdes Wesen aus dem All ist, das nicht mal unsere Sprache spricht oder eine grässliche Geistererscheinung, dann wünschen wir ihm zwar nichts Gutes, aber von Hass zu sprechen, wäre zu viel. Viel mehr hassen wir den tyrannischen Despoten, der seine Macht zu seinem eigenen Wohle ausnutzt und seine Untergebenen missbraucht. Den sadistischen Mörder, der Freude daran hat, seine Opfer zu quälen. Hier finden wir allerdings einen Kontext, für das Handeln, das wir verurteilen, das wir nachvollziehen können. Wir verstünden – rein theoretisch, warum wir so handeln könnten, entscheiden uns aber dagegen. Die Fähigkeit, sich dagegen zu entscheiden sprechen wir auch dem entsprechenden Antagonisten zu und das ist in der Regel die Quelle für wahre Antipathie.

Ich will damit nicht sagen, dass ein Denker etwa nicht dazu in der Lage sei, einen Fühler nachvollziehen zu können, aber diese Tendenz steht ihm nicht so nahe. Wenn ich als INTP höre, dass jemand eine geniale Serie nicht sehen will, weil sie ihn emotional zu sehr aufwirbelt, dann ist es nicht so, dass ich diese Begründung nicht begreife. Ich kann sie nur nicht nachempfinden und daher rechtfertigt der Denkprozess „ich bin eben anders“ die Begründung. Wenn jetzt aber jemand sagt: „Ich mag diese Serie nicht, weil sie sich mit langweiligen Details aufhält und nicht zur Sache kommt“, obwohl ich gerade die Tatsache mag, dass sie nicht oberflächlich ist und sich Zeit lässt, den Plot zu entwickeln, dann gibt es für mich eher einen Grund, Einspruch zu erheben, weil das genau der Punkt ist, weshalb ich sie schätze.

Für alle, die Listen mögen, hier eine Zusammenfassung, welche Typen nach dieser Theorie in der Regel besonders aufpassen müssen, nicht mit dem entsprechend anderen Typ in einen Konflikt zu geraten:

INTP / ISTP mit ENTJ / ESTJ

INFP / ISFP mit ENFJ / ESFJ

INTJ / INFJ mit ENTP / ENFP

ISTJ / ISFJ mit ESTP / ESFP

Das können wir in abgeschwächter Form auch bei unserer zweiten Funktion bemerken. Wenn zum Beispiel ein ESTJ, dessen zweite Funktion introvertiertes Empfinden ist, das grundsätzlich eher zu Vorsicht rät und auf die Erfahrung der Vergangenheit zurückgreifen will, mit einem ESTP zusammenarbeiten muss, dessen primäre Funktion das extrovertierte Empfinden ist, das im Moment lebt, aktiv, risikofreudig und manchmal ungeduldig ist, dann kann das auch schnell zu Konflikten führen.

Wie geht es euch damit? Ich persönlich merke jedenfalls, dass ich als INTP häufiger mit extrovertiertem Denken als mit Fühlertendenzen anecke. Wenn ihr Fragen dazu habt oder mit dieser Aussage nicht ganz einverstanden habt, lasst mich beides wissen!

Funktionen bei anderen erkennen (Teil 1 von 2)

Typologie sollte jedoch nicht ausschließlich dabei helfen, die eigene Persönlichkeit besser kennen zulernen und einschätzen zu können, sondern auch die von Mitmenschen. Zum einen hilft das, zu erkennen, was wir eigentlich bei unserem Gegenüber so sehr zu schätzen wissen. Oder im Gegenteil: mit welchen konkreten Eigenschaften wir uns überfordert oder abgestoßen fühlen. Zum anderen kann ein besseres Verständnis Missverständnisse vermeiden und bessere Zusammenarbeit ermöglichen. Wie erkennen wir aber die Funktionen bei unseren Mitmenschen, wenn wir uns schon so schwer damit tun, sie bei uns selbst eindeutig zu finden?

Manchen fällt es sogar leichter, Funktionen bei anderen als bei sich selbst zu entdecken. Fremdbeobachtung setzt immer andere Maßstäbe als Eigenbeobachtung voraus und ein kritischer Blick auf sich selbst kann sich tatsächlich bei der ein oder anderen Person als schwieriger erweisen, als der auf andere. Dennoch sollte man keine voreiligen Schlüsse ziehen. Wenn man vorschnell eine Person einem bestimmten Typen zuordnet, kann das sogar für noch mehr Missverständnisse sorgen und damit für mehr Frustration. Daher empfehle ich, beim Einordnen von anderen Personen sehr vorsichtig und langsam vorzugehen.

Dabei gilt, dass introvertierte Funktionen in der Regel um einiges schwieriger zu erkennen sind, als extrovertierte. Die Erklärung dafür liegt auf der Hand – introvertierte Funktionen spielen sich im Inneren der Person ab, während sie durch ihre extrovertierte Funktion in der Welt in Aktion treten. Wer gut hinhört, kann in den Aussagen eines anderen auch introvertierte Funktionen heraushören, aber einfacher ist es in der Regel damit, zumindest bei der extrovertierten Funktion anzusetzen.

Extrovertiertes Denken (ESTJ, ISTJ, ENTJ, INTJ)
Extrovertiertes Denken erkennt man gut daran, dass die Person wenig Scheu an den Tag legt. Zwar mag es (z.B. im Falle von ISTJ und INT) sein, dass sie als Introverten prinzipiell zurückgezogen sind, aber das liegt weniger daran, dass sie etwa schüchtern wären, als viel mehr daran, dass sie den Sinn darin, mit der Außenwelt in Kontakt zu treten, im Moment nicht sehen oder noch am überlegen sind, wie sie ihre Gedanken am besten formulieren könnten. Ist die Funktion besonders stark ausgeprägt, kann man ziemlich sicher davon ausgehen, dass die Person ihre Meinung frei äußern wird und keine Angst vor Widerspruch hat. Sollte ihr jemand Gegenargumente liefern, sind häufige Reaktionen darauf entweder weitere Punkte, die ihren eigenen Standpunkt weiter unterstützen oder ein rigoroses Abschmettern der Gegenargumentation.

Extrovertierte Denker beziehen sich häufig darauf, was allgemein als anerkannt gilt und was Leute, die sie im betroffenen Fachgebiet als kompetent einordnen ihrerseits für eine Meinung abgegeben haben. Letzteres trifft besonders auf extrovertierte Denker mit introvertiertem Denker zu. Ein Beispielzitat wäre: „Nein, das ist nicht so. Mein Onkel ist Professor für dieses Fach und unterrichtet das an der Universität. Er sagt selbst, dass es sich anders verhält, als du behauptest. Was sagst du da? Ja, schön, deine Begründung mag für dich Sinn ergeben, aber ich wage doch sehr stark zu bezweifeln, dass du dich mit dem Thema besser auskennst als mein Onkel, der das studiert hat.“

Extrovertierte Denker sind sehr an Zahlen und Fakten interessiert. Abstrakten Denkvorgängen, Ausflüge ins Hypothetische misstrauen sie eher. Wenn eine junge Frau ihrem TE-Vater mitteilt, sie habe jemanden kennengelernt, ist eine typische Reaktion von diesem, dass er zunächst fragt, wie alt die Person sei und als was sie arbeitet. Sie sind weniger daran interessiert, wie Personen reagieren, viel mehr daran, wie sie in Aktion treten. Sie sind weniger am Prozess interessiert, sondern mehr am Ergebnis. Sie sind stolz auf Errungenschaften, die nicht nur für sie selbst, sondern auch für den Rest der Welt ersichtlich sind, weshalb sie beispielsweise viel Wert auf Titel, Auszeichnungen und Preise legen.

Weitere typische TE-Zitate:

  • „Du hast dich angestrengt, sagst du? Deine Note sagt da aber etwas ganz Anderes.“
  • „Lass mich das mal machen, ich weiß, wie das geht.“
  • „Das kann doch nicht so schwierig sein – tu’s einfach!“
  • „Weißt du, entweder, man kann stundenlang darüber nachdenken und nichts tun, oder man macht es einfach und erreicht dabei sogar etwas.“
  • „Geld regiert die Welt – das ist die hässliche Wahrheit.“
  • „Die Welt ist nicht so kompliziert, wie du glaubst.“
  • „Erst die Arbeit, dann das Vergnügen.“
  • „Die Leute müssen lernen, mehr Verantwortung zu übernehmen.“
  • „Nur, weil es sich unangenehm anfühlt, bedeutet das nicht, dass es sich ändern muss.“
  • „Es gibt nur eine Richtung. Vorwärts.“

Extrovertiertes Fühlen (ESFJ, ISFJ, ENFJ, INFJ)
Diese Funktion ist möglicherweise am einfachsten zu erkennen, wenn man weiß, wo man hinschauen muss. Während zwar alle extrovertierten Fühlertypen sich für Herzlichkeit auszeichnen (also auch ESFPs und ENFPs), tun das extrovertierte Fühler vor allem aus einer Verpflichtung heraus, die sie in sich spüren. Sie haben den Eindruck, dass es zum guten Ton gehört und von ihnen erwartet wird, freundlich und höflich zu sein, während das bei ESFPs und ENFPs eher aus einer Laune heraus passiert. So sind extrovertierte Fühle eher noch dazu in der Lage, freundlich zu bleiben, auch, wenn sie selbst unfreundlich behandelt werden, als introvertierte Fühler.

FE hat den starken Drang, andere zu erfreuen. Das Prinzip des Schenkens wird daher vor allem von extrovertierten Fühlern sehr hoch geschätzt – nicht nur, was materielle Geschenke angeht, sondern auch, die Investition von Zeit und Mühen in eine Person. Das bemerkt man vor allem dann, wenn der extrovertierte Fühler dadurch gekränkt ist, dass er nicht helfen kann, oder, schlimmer noch, seine Hilfe nicht erwünscht ist. Den Spruch: „Ich will doch nur dein Bestes!“, darf man extrovertierten Fühlern in der Regel glauben und kommt meistens auch von ihnen. Was dabei „das Beste“ ist, wird meistens von dem gesellschaftlichen Umfeld des extrovertierten Fühlers bestimmt.

Extrovertierte Fühler haben einen starken Sinn für Gemeinschaft und das bemerkt man vor allem im privaten Umfeld. Wenn sie nicht unbedingt selbst ein wichtiges Gespräch unter vier Augen führen müssen, werden sie auf einer Familienfeier eher unglücklich damit sein, wenn sich Grüppchen bilden, die sich voneinander abspalten. Sie sind selbst bereit, Kompromisse einzugehen und sich auf Dinge einzulassen, die sie selbst nicht so sehr mögen, wenn sie dadurch die Gruppe zusammenhalten.

Typische FE-Zitate:

  • „Freundschaft/Familie ist das Wichtigste im Leben.“
  • „Die Sorgen anderer sind auch meine Sorgen.“
  • „Warum fällt es diesen Leuten so schwer, freundlich zu sein?“
  • „Eine Hand wäscht die andere!“
  • „Lass uns das doch gemeinsam machen! Zusammen sind wir stark!“
  • „Wie kann man sich nur über so viele andere Menschen hinwegsetzen?“
  • „Danke für die Einladung! Wer kommt noch alles?“
  • „Es ist mir sehr wichtig, dass ihr euch wohl fühlt.“
  • „Denk doch nicht immer nur an dich!“
  • „Meinst du, ich habe einen guten Eindruck bei ihnen hinterlassen? Meinst du, sie mögen mich?“

Link zu Teil 2

Selbsterkenntnis ist der erste Schritt zur Besserung (Teil 2)

Extrovertiertes Empfinden / Introvertiertes Intuieren
Der extrovertierte Empfinder ist ein kühner Draufgänger, der vor wenig zurückschreckt. Er betritt neue Pfade, die vor ihm noch niemand ging und leistet damit für die Gesellschaft wertvolle Pionierarbeit. Sein Fokus liegt auf dem Gegenwärtigen und dementsprechend kann er sich gut auf das, was sich im Moment abspielt konzentrieren. Es verhält sich bildlich gesprochen wie mit einem Kurzsichtigen. Denn so klar das Hier und Jetzt auch sein mag, so unbedeutend ist für den extrovertierten Empfinder die Zukunft, wenn sich seine Persönlichkeit ungesund entwickelt hat. Er geht Geschäfte ein, bei denen er zwar jetzt profitieren mag, ihn aber später unverhältnismäßig viel kosten werden. Da ihm seine Freiheit so wichtig ist, will er sich nicht durch Zukünftiges einschränken lassen. Dieses reaktionäre Verhalten kann im schlimmsten Falle dazu führen, dass er seine Zukunft komplett verbaut. Ironischerweise wird er sich dann in einer Situation wiederfinden, in der der extrovertierte Empfinder fast überhaupt keine Handlungsfreiheit besitzt. Während es auf der einen Hand zwar ein Segen ist, die Gegenwart in vollen Zügen genießen zu können, kann sich ungezügelter Hedonismus oder furchtlose Risikobereitschaft auf lange Sicht als enorm kostspielig erweisen. Die unterdrückte Funktion ist hier das introvertierte Intuieren, das sich mit der Vorhersehung von Ereignissen beschäftigt, die noch nicht passiert sind. Ein extrovertierter Empfinder, der diese Funktion zu stark unterdrückt, hat schlicht keine Geduld und/oder sieht den Sinn darin nicht, Gegenwärtiges für die Zukunft aufzugeben. Ganz wie in der Fabel vom Grashüpfer, der sich im Sommer über die hart arbeitenden Ameisen lustig macht, die sich auf den Winter vorbereiten und in selbigem erfriert, da er sich nicht vorbereitet hat.

Während der extrovertierte Empfinder bildlich gesehen einen Unfall baut, weil er das Stop-Schild nicht beachtet hat, ist das Dilemma des introvertierten Intuierer, dass er Angst davor hat, überhaupt weiterzufahren. Überhaupt haben introvertierte Intuierer einen engen Bezug zu Symbolik und sind demnach abstrakte Denker, die keine Schwierigkeiten damit haben, Dinge miteinander zu verknüpfen. Dementsprechend sind sie auch sehr auf die Zukunft fixiert, ähnlich wie die Ameise aus besagter Fabel, die ihr gegenwärtiges Wohl zugunsten ihrer Zukunft ausgibt. Wenn das introvertierte Intuieren zu unausgeglichen entwickelt ist, dass das extrovertierte Empfinden zu sehr unterdrückt wird, dann haben wir jedoch das Bild von der Ameise, die an Überanstrengung stirbt und es dadurch nicht einmal lebend in den Winter schafft. Man kann also sagen, wo der extrovertierte Empfinder Gefahr läuft kurzsichtig zu sein, ist der introvertierte Intuierer dem Risiko ausgesetzt, an Weitsichtigkeit zu leiden. Die Tragik bei seiner Zukunftszentriertheit ist, dass er die Früchte seiner Vorbereitungen nicht genießen werden kann, wenn er seinem extrovertierten Empfinden nicht ein wenig Platz zum Entwickeln lässt. Denn, ist er in der Zukunft angekommen, hat sich diese in die Gegenwart verwandelt, die zugunsten der nächsten Zukunft aufgegeben werden muss. Introvertierten Intuierern, die sich ungesund entwickelt haben, ist nicht bewusst, dass alles im Leben – und auch das Leben selbst, ein Verfallsdatum besitzt. Und wenn sie nicht lernen, sich auch mal gehen lassen zu können, werden all ihre Anstrengungen letztlich vergebens sein.

Extrovertiertes Intuieren / Introvertiertes Empfinden
Der extrovertierte Intuierer hat ein besonderes Talent dafür, Möglichkeiten zu entdecken. Dementsprechend ist er besonders begabt darin, zwischen den Zeilen lesen zu können und immer eine weitere Alternative zu finden, wenn andere glauben, es geht nicht mehr weiter. Seine größte Stärke ist jedoch auch seine größte Schwäche, wenn er sich nicht auf seine schwächer ausgeprägten Funktionen einlässt. Denn dann wird der extrovertierte Intuierer stets den Weg des geringsten Widerstands wählen. Was sich zunächst wie ein weiterer Vorteil anhören mag, kann sich bei näherem Hinsehen als ausgesprochen fatal erweisen: dass der einfachste Weg nicht immer der beste ist, liegt auf der Hand. Beachtet man die Tatsache, dass der extrovertierte Intuierer fast immer etwas Anderes zu tun findet, als das, was er im Moment eigentlich tun sollte, lässt sich schnell ableiten, dass es nicht von ungefähr kommt, dass extrovertierte Intuierer Schwierigkeiten damit haben, Projekte abzuschließen. Sie springen von einer Tätigkeit zur nächsten. Solange die Funktionen noch ausgeglichen entwickelt sind, mag das zu gesunder Abwechslung führen, aber es passiert schnell, dass jene Sprunghaftigkeit zur Gewohnheit wird und letztlich echten Fortschritt verwehrt. Die unterdrückte Funktion ist hier das introvertierte Empfinden, das ein Bestreben nach Beständigkeit entwickelt. Der extrovertierte Intuierer, der diese Funktion unterdrückt, ist jedoch zu schnell von Dingen, die dauerhaft sind gelangweilt – zu schnell erregen Nebensächlichkeiten seine Aufmerksamkeit. Ausdauer ist hier das Stichwort. Wenn der extrovertierte Intuierer seinem introvertierten Empfinden keinen Raum zur Entfaltung bietet, wird er im schlimmsten Fall nicht einmal den Sinn darin sehen, an einer Aufgabe festzuhalten.

Dem introvertierten Empfinder hingegen ist Sprunghaftigkeit schon fast ein Fremdwort. Er legt großen Wert auf Nachhaltigkeit, ähnlich wie der introvertierte Intuierer. Jedoch ist der introvertierte Empfinder eher auf die Vergangenheit fixiert – er lernt aus Erfahrungen und ist mit einem Baum zu vergleichen, der tiefe Wurzeln schlägt, um sicher in die Höhe wachsen zu können. Problematisch wird es nur, wenn der introvertierte Empfinder nur noch damit beschäftigt ist, Wurzeln schlagen zu lassen, aber sich nicht über die Oberfläche traut, aus Angst vor Neuem und Veränderung. Unterdrückt er sein extrovertiertes Intuieren, steht er Neuem gegenüber so skeptisch gegenüber, dass er es überhaupt nicht mehr zulässt. In diesem Fall stellt sich ein lähmender Stillstand in seinem Leben ein, da er ohne neuem Input eben auch keine weiteren Erfahrungen machen kann. Und während introvertierte Empfinder zwar viel Zeit und Rückzug brauchen, um neue Erfahrungen verarbeiten zu können, wachsen sie letztlich daran. Wie eine Pflanze darf man sie nicht mit Wasser ersticken, aber führt man einer Pflanze überhaupt keines mehr zu, verkümmert sie. Paradoxerweise müssen sie also ihrem extrovertierten Intuieren, welches neue Erfahrungen sammeln und die Dinge aus verschiedenen Perspektiven betrachten will, zumindest einige Freiheiten einräumen, damit ihre bevorzugte Funktion überhaupt ordentlich arbeiten kann. Im schlimmsten Falle wird aus dem introvertierten Empfinder sonst jemand, der wie ein Ertrinkender an der Vergangenheit festhält und nicht bereit dazu ist, unvermeidliche Veränderungen zu akzeptieren.

Letztendlich kann man sagen, dass ein wichtiger Schritt zur Selbstoptimierung der ist, vor allem die schwächer ausgeprägten Funktionen zu akzeptieren. Warum das uns manchmal so schwer fällt, liegt daran, dass wir Angst davor haben. Jene Funktionen fühlen sich unserem Wesen in vielen Fällen so entgegengesetzt an, dass wir fast schon physisches Unwohlsein beim bloßen Gedanken daran empfinden, uns auf sie einzulassen. Dabei ist genau das erforderlich, um sich ausgewogen entwickeln zu können. Konflikte entstehen seltener dadurch, dass wir nicht in der Lage sind, andere zu verstehen, sondern, weil wir sie nicht verstehen wollen. Denn das würde in einem Extremfall bedeuten, dass wir unsere Prinzipien zu einem Teil aufgeben müssten. Es ist hier schwierig, direkt bei sich selbst anzusetzen und zu versuchen, sich komplett aus eigener Kraft zu verändern. Der Verstand wird in Form der übermächtigen Funktion immer wieder Gründe finden, sich nicht zu verändern, die sich plausibel anhören. Einfacher geht es vor allem durch Wertschätzung. Dem INTJ, dem es schwer fällt, die Gegenwart zu genießen, wird dies leichter fallen, wenn er sieht, wie sehr der ESFP seine Freizeit genießen kann, während dieser Bewunderung für das beständige Durchhaltevermögen des INTJs aufbringen kann. Dem ISTP wird es möglicherweise leichter fallen, sich aus seiner Isolation herauszuziehen, wenn er erkennt, wie der ENFJ den Alltag seiner Mitmenschen durch aufrichtige Herzlichkeit ein wenig aufzuhellen vermag, während der ENFJ vom ISTP lernen kann, dass sich die Suche nach grundlegenden Wahrheiten lohnen kann, wenn er sieht, wie praktisch diese Wahrheiten in der Realität umzusetzen sind.