Die 16 Typen und typische Berufe (J)

Nachdem jetzt schon mehrere Male die Frage aufkam, welche Berufe denn zu welchem Typ passen, wage ich mich an das zugegebenermaßen sehr ambitionierte Projekt, jedem Persönlichkeitstyp verschiedene Beispiel(!)berufe zuzuordnen, die typisch für sie sind. Mitsamt einer knappen Erklärung, wie ich darauf komme.

Ich will hier noch kurz betonen, dass es sich nicht um eine Empfehlung handelt, dafür bin ich definitiv nicht der richtige Ansprechspartner. Man muss bedenken, dass sich alle Menschen, auch diejenigen, die den gleichen Typ haben, voneinander unterscheiden, andere Hintergründe und Eigenarten haben, so dass es durchaus vorkommen kann, dass sich ein Typ entgegen aller Erwartungen sehr wohl an einem für ihn „untypischen“ Arbeitsplatz fühlt. Ich bin zum Beispiel sehr glücklich mit meinem Job als Musiklehrer, der permanent Umgang mit Mitmenschen erfordert, obwohl das laut meiner Typenbeschreibung als sehr anstrengend und daher ungünstig gilt. Es ist eine Herausforderung, aber nichts woran ich mich persönlich nicht gewöhnen konnte und vor allem etwas, woran ich wachsen konnte und immer noch kann. Wenn also ein INTJ gerne Krankenpfleger oder ein ISFP Philosophiestudent werden will, dann werde ich nicht sagen: „Um Gottes Willen, bloß nicht!“. Ich würde dann auf die Herausforderungen deuten, aber hinterher auch betonen: „Mach dir bewusst, dass es dich auf die Probe stellen wird, aber wenn es dein Traum ist, dann versuch es auf jeden Fall!“

In diesem Falle. Viel Spaß beim Lesen!

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Typologie – Typische Feindbilder

Man müsste ja eigentlich meinen, dass einen Fühlertypen vor allem Denkertypen aufregen, und Empfindertypen gerade Intuitiven gegenüber Unverständnis entgegenbringen.

Der amerikanische Psychologe John Beebe hat die Theorie aufgestellt, dass das jeweils extrovertierte/introvertierte Pendant der ersten Funktion ein gewisses Feindbild in uns weckt. Er nannte es den „Antagonisten“. Ich will auf diese Theorie ein wenig tiefer eingehen und sie von meinem Blickpunkt aus beleuchten.

Man kann den Konflikt zwischen der extrovertierten und der jeweils entsprechenden introvertierten Funktion auch Flügelkampf nennen. Nehmen wir zum Beispiel das Fühlen. Sowohl introvertiert als auch extrovertiert beachtet es vor allem emotionale Komponente und legt Wert auf rücksichtsvollen Umgang miteinander. Nur sind die Mittel, wie man das eigentlich gemeinsame Ziel erreicht eben sehr unterschiedlich.

Dabei kann man grundsätzlich festhalten, dass die introvertierte Funktion der extrovertierten misstraut, sie für vorschnell, unvorsichtig und oberflächlich abtut. So könnte es einen introvertierten Intuierer beispielsweise stören, dass der extrovertierte Intuierer bei einem eigentlich interessanten Gespräch, ständig das Thema wechselt und so verhindert, dass man über ein Thema eingehend und detailliert diskutieren kann. Im Gegensatz dazu empfindet die extrovertierte Funktion die introvertierte als zu träge, überkritisch und pingelig. So stört es einen extrovertierten Denker beispielweise schnell, wenn der introvertierte ihn bei der Auslegung eines Planes ständig unterbricht und auf die Makel hinweist, die in den Augen des extrovertierten Denkers von vollkommen trivialer und irrelevanter Natur sind. Der introvertierte Denker hingegen muss alleine schon gegen das Verlangen ankämpfen, nicht bereits aus Prinzip auf Ungereimtheiten und Verallgemeinerungen hinzuweisen.

Es ist schwer zu hassen, was man nicht versteht, man kann höchstens Angst davor haben oder verwirrt sein. Das Prinzip kennen wir aus der Fiktion. Wenn der Antagonist ein fremdes Wesen aus dem All ist, das nicht mal unsere Sprache spricht oder eine grässliche Geistererscheinung, dann wünschen wir ihm zwar nichts Gutes, aber von Hass zu sprechen, wäre zu viel. Viel mehr hassen wir den tyrannischen Despoten, der seine Macht zu seinem eigenen Wohle ausnutzt und seine Untergebenen missbraucht. Den sadistischen Mörder, der Freude daran hat, seine Opfer zu quälen. Hier finden wir allerdings einen Kontext, für das Handeln, das wir verurteilen, das wir nachvollziehen können. Wir verstünden – rein theoretisch, warum wir so handeln könnten, entscheiden uns aber dagegen. Die Fähigkeit, sich dagegen zu entscheiden sprechen wir auch dem entsprechenden Antagonisten zu und das ist in der Regel die Quelle für wahre Antipathie.

Ich will damit nicht sagen, dass ein Denker etwa nicht dazu in der Lage sei, einen Fühler nachvollziehen zu können, aber diese Tendenz steht ihm nicht so nahe. Wenn ich als INTP höre, dass jemand eine geniale Serie nicht sehen will, weil sie ihn emotional zu sehr aufwirbelt, dann ist es nicht so, dass ich diese Begründung nicht begreife. Ich kann sie nur nicht nachempfinden und daher rechtfertigt der Denkprozess „ich bin eben anders“ die Begründung. Wenn jetzt aber jemand sagt: „Ich mag diese Serie nicht, weil sie sich mit langweiligen Details aufhält und nicht zur Sache kommt“, obwohl ich gerade die Tatsache mag, dass sie nicht oberflächlich ist und sich Zeit lässt, den Plot zu entwickeln, dann gibt es für mich eher einen Grund, Einspruch zu erheben, weil das genau der Punkt ist, weshalb ich sie schätze.

Für alle, die Listen mögen, hier eine Zusammenfassung, welche Typen nach dieser Theorie in der Regel besonders aufpassen müssen, nicht mit dem entsprechend anderen Typ in einen Konflikt zu geraten:

INTP / ISTP mit ENTJ / ESTJ

INFP / ISFP mit ENFJ / ESFJ

INTJ / INFJ mit ENTP / ENFP

ISTJ / ISFJ mit ESTP / ESFP

Das können wir in abgeschwächter Form auch bei unserer zweiten Funktion bemerken. Wenn zum Beispiel ein ESTJ, dessen zweite Funktion introvertiertes Empfinden ist, das grundsätzlich eher zu Vorsicht rät und auf die Erfahrung der Vergangenheit zurückgreifen will, mit einem ESTP zusammenarbeiten muss, dessen primäre Funktion das extrovertierte Empfinden ist, das im Moment lebt, aktiv, risikofreudig und manchmal ungeduldig ist, dann kann das auch schnell zu Konflikten führen.

Wie geht es euch damit? Ich persönlich merke jedenfalls, dass ich als INTP häufiger mit extrovertiertem Denken als mit Fühlertendenzen anecke. Wenn ihr Fragen dazu habt oder mit dieser Aussage nicht ganz einverstanden habt, lasst mich beides wissen!

Funktionen bei anderen erkennen (Teil 1 von 2)

Typologie sollte jedoch nicht ausschließlich dabei helfen, die eigene Persönlichkeit besser kennen zulernen und einschätzen zu können, sondern auch die von Mitmenschen. Zum einen hilft das, zu erkennen, was wir eigentlich bei unserem Gegenüber so sehr zu schätzen wissen. Oder im Gegenteil: mit welchen konkreten Eigenschaften wir uns überfordert oder abgestoßen fühlen. Zum anderen kann ein besseres Verständnis Missverständnisse vermeiden und bessere Zusammenarbeit ermöglichen. Wie erkennen wir aber die Funktionen bei unseren Mitmenschen, wenn wir uns schon so schwer damit tun, sie bei uns selbst eindeutig zu finden?

Manchen fällt es sogar leichter, Funktionen bei anderen als bei sich selbst zu entdecken. Fremdbeobachtung setzt immer andere Maßstäbe als Eigenbeobachtung voraus und ein kritischer Blick auf sich selbst kann sich tatsächlich bei der ein oder anderen Person als schwieriger erweisen, als der auf andere. Dennoch sollte man keine voreiligen Schlüsse ziehen. Wenn man vorschnell eine Person einem bestimmten Typen zuordnet, kann das sogar für noch mehr Missverständnisse sorgen und damit für mehr Frustration. Daher empfehle ich, beim Einordnen von anderen Personen sehr vorsichtig und langsam vorzugehen.

Dabei gilt, dass introvertierte Funktionen in der Regel um einiges schwieriger zu erkennen sind, als extrovertierte. Die Erklärung dafür liegt auf der Hand – introvertierte Funktionen spielen sich im Inneren der Person ab, während sie durch ihre extrovertierte Funktion in der Welt in Aktion treten. Wer gut hinhört, kann in den Aussagen eines anderen auch introvertierte Funktionen heraushören, aber einfacher ist es in der Regel damit, zumindest bei der extrovertierten Funktion anzusetzen.

Extrovertiertes Denken (ESTJ, ISTJ, ENTJ, INTJ)
Extrovertiertes Denken erkennt man gut daran, dass die Person wenig Scheu an den Tag legt. Zwar mag es (z.B. im Falle von ISTJ und INT) sein, dass sie als Introverten prinzipiell zurückgezogen sind, aber das liegt weniger daran, dass sie etwa schüchtern wären, als viel mehr daran, dass sie den Sinn darin, mit der Außenwelt in Kontakt zu treten, im Moment nicht sehen oder noch am überlegen sind, wie sie ihre Gedanken am besten formulieren könnten. Ist die Funktion besonders stark ausgeprägt, kann man ziemlich sicher davon ausgehen, dass die Person ihre Meinung frei äußern wird und keine Angst vor Widerspruch hat. Sollte ihr jemand Gegenargumente liefern, sind häufige Reaktionen darauf entweder weitere Punkte, die ihren eigenen Standpunkt weiter unterstützen oder ein rigoroses Abschmettern der Gegenargumentation.

Extrovertierte Denker beziehen sich häufig darauf, was allgemein als anerkannt gilt und was Leute, die sie im betroffenen Fachgebiet als kompetent einordnen ihrerseits für eine Meinung abgegeben haben. Letzteres trifft besonders auf extrovertierte Denker mit introvertiertem Denker zu. Ein Beispielzitat wäre: „Nein, das ist nicht so. Mein Onkel ist Professor für dieses Fach und unterrichtet das an der Universität. Er sagt selbst, dass es sich anders verhält, als du behauptest. Was sagst du da? Ja, schön, deine Begründung mag für dich Sinn ergeben, aber ich wage doch sehr stark zu bezweifeln, dass du dich mit dem Thema besser auskennst als mein Onkel, der das studiert hat.“

Extrovertierte Denker sind sehr an Zahlen und Fakten interessiert. Abstrakten Denkvorgängen, Ausflüge ins Hypothetische misstrauen sie eher. Wenn eine junge Frau ihrem TE-Vater mitteilt, sie habe jemanden kennengelernt, ist eine typische Reaktion von diesem, dass er zunächst fragt, wie alt die Person sei und als was sie arbeitet. Sie sind weniger daran interessiert, wie Personen reagieren, viel mehr daran, wie sie in Aktion treten. Sie sind weniger am Prozess interessiert, sondern mehr am Ergebnis. Sie sind stolz auf Errungenschaften, die nicht nur für sie selbst, sondern auch für den Rest der Welt ersichtlich sind, weshalb sie beispielsweise viel Wert auf Titel, Auszeichnungen und Preise legen.

Weitere typische TE-Zitate:

  • „Du hast dich angestrengt, sagst du? Deine Note sagt da aber etwas ganz Anderes.“
  • „Lass mich das mal machen, ich weiß, wie das geht.“
  • „Das kann doch nicht so schwierig sein – tu’s einfach!“
  • „Weißt du, entweder, man kann stundenlang darüber nachdenken und nichts tun, oder man macht es einfach und erreicht dabei sogar etwas.“
  • „Geld regiert die Welt – das ist die hässliche Wahrheit.“
  • „Die Welt ist nicht so kompliziert, wie du glaubst.“
  • „Erst die Arbeit, dann das Vergnügen.“
  • „Die Leute müssen lernen, mehr Verantwortung zu übernehmen.“
  • „Nur, weil es sich unangenehm anfühlt, bedeutet das nicht, dass es sich ändern muss.“
  • „Es gibt nur eine Richtung. Vorwärts.“

Extrovertiertes Fühlen (ESFJ, ISFJ, ENFJ, INFJ)
Diese Funktion ist möglicherweise am einfachsten zu erkennen, wenn man weiß, wo man hinschauen muss. Während zwar alle extrovertierten Fühlertypen sich für Herzlichkeit auszeichnen (also auch ESFPs und ENFPs), tun das extrovertierte Fühler vor allem aus einer Verpflichtung heraus, die sie in sich spüren. Sie haben den Eindruck, dass es zum guten Ton gehört und von ihnen erwartet wird, freundlich und höflich zu sein, während das bei ESFPs und ENFPs eher aus einer Laune heraus passiert. So sind extrovertierte Fühle eher noch dazu in der Lage, freundlich zu bleiben, auch, wenn sie selbst unfreundlich behandelt werden, als introvertierte Fühler.

FE hat den starken Drang, andere zu erfreuen. Das Prinzip des Schenkens wird daher vor allem von extrovertierten Fühlern sehr hoch geschätzt – nicht nur, was materielle Geschenke angeht, sondern auch, die Investition von Zeit und Mühen in eine Person. Das bemerkt man vor allem dann, wenn der extrovertierte Fühler dadurch gekränkt ist, dass er nicht helfen kann, oder, schlimmer noch, seine Hilfe nicht erwünscht ist. Den Spruch: „Ich will doch nur dein Bestes!“, darf man extrovertierten Fühlern in der Regel glauben und kommt meistens auch von ihnen. Was dabei „das Beste“ ist, wird meistens von dem gesellschaftlichen Umfeld des extrovertierten Fühlers bestimmt.

Extrovertierte Fühler haben einen starken Sinn für Gemeinschaft und das bemerkt man vor allem im privaten Umfeld. Wenn sie nicht unbedingt selbst ein wichtiges Gespräch unter vier Augen führen müssen, werden sie auf einer Familienfeier eher unglücklich damit sein, wenn sich Grüppchen bilden, die sich voneinander abspalten. Sie sind selbst bereit, Kompromisse einzugehen und sich auf Dinge einzulassen, die sie selbst nicht so sehr mögen, wenn sie dadurch die Gruppe zusammenhalten.

Typische FE-Zitate:

  • „Freundschaft/Familie ist das Wichtigste im Leben.“
  • „Die Sorgen anderer sind auch meine Sorgen.“
  • „Warum fällt es diesen Leuten so schwer, freundlich zu sein?“
  • „Eine Hand wäscht die andere!“
  • „Lass uns das doch gemeinsam machen! Zusammen sind wir stark!“
  • „Wie kann man sich nur über so viele andere Menschen hinwegsetzen?“
  • „Danke für die Einladung! Wer kommt noch alles?“
  • „Es ist mir sehr wichtig, dass ihr euch wohl fühlt.“
  • „Denk doch nicht immer nur an dich!“
  • „Meinst du, ich habe einen guten Eindruck bei ihnen hinterlassen? Meinst du, sie mögen mich?“

Link zu Teil 2

Selbsterkenntnis ist der erste Schritt zur Besserung (Teil 2)

Extrovertiertes Empfinden / Introvertiertes Intuieren
Der extrovertierte Empfinder ist ein kühner Draufgänger, der vor wenig zurückschreckt. Er betritt neue Pfade, die vor ihm noch niemand ging und leistet damit für die Gesellschaft wertvolle Pionierarbeit. Sein Fokus liegt auf dem Gegenwärtigen und dementsprechend kann er sich gut auf das, was sich im Moment abspielt konzentrieren. Es verhält sich bildlich gesprochen wie mit einem Kurzsichtigen. Denn so klar das Hier und Jetzt auch sein mag, so unbedeutend ist für den extrovertierten Empfinder die Zukunft, wenn sich seine Persönlichkeit ungesund entwickelt hat. Er geht Geschäfte ein, bei denen er zwar jetzt profitieren mag, ihn aber später unverhältnismäßig viel kosten werden. Da ihm seine Freiheit so wichtig ist, will er sich nicht durch Zukünftiges einschränken lassen. Dieses reaktionäre Verhalten kann im schlimmsten Falle dazu führen, dass er seine Zukunft komplett verbaut. Ironischerweise wird er sich dann in einer Situation wiederfinden, in der der extrovertierte Empfinder fast überhaupt keine Handlungsfreiheit besitzt. Während es auf der einen Hand zwar ein Segen ist, die Gegenwart in vollen Zügen genießen zu können, kann sich ungezügelter Hedonismus oder furchtlose Risikobereitschaft auf lange Sicht als enorm kostspielig erweisen. Die unterdrückte Funktion ist hier das introvertierte Intuieren, das sich mit der Vorhersehung von Ereignissen beschäftigt, die noch nicht passiert sind. Ein extrovertierter Empfinder, der diese Funktion zu stark unterdrückt, hat schlicht keine Geduld und/oder sieht den Sinn darin nicht, Gegenwärtiges für die Zukunft aufzugeben. Ganz wie in der Fabel vom Grashüpfer, der sich im Sommer über die hart arbeitenden Ameisen lustig macht, die sich auf den Winter vorbereiten und in selbigem erfriert, da er sich nicht vorbereitet hat.

Während der extrovertierte Empfinder bildlich gesehen einen Unfall baut, weil er das Stop-Schild nicht beachtet hat, ist das Dilemma des introvertierten Intuierer, dass er Angst davor hat, überhaupt weiterzufahren. Überhaupt haben introvertierte Intuierer einen engen Bezug zu Symbolik und sind demnach abstrakte Denker, die keine Schwierigkeiten damit haben, Dinge miteinander zu verknüpfen. Dementsprechend sind sie auch sehr auf die Zukunft fixiert, ähnlich wie die Ameise aus besagter Fabel, die ihr gegenwärtiges Wohl zugunsten ihrer Zukunft ausgibt. Wenn das introvertierte Intuieren zu unausgeglichen entwickelt ist, dass das extrovertierte Empfinden zu sehr unterdrückt wird, dann haben wir jedoch das Bild von der Ameise, die an Überanstrengung stirbt und es dadurch nicht einmal lebend in den Winter schafft. Man kann also sagen, wo der extrovertierte Empfinder Gefahr läuft kurzsichtig zu sein, ist der introvertierte Intuierer dem Risiko ausgesetzt, an Weitsichtigkeit zu leiden. Die Tragik bei seiner Zukunftszentriertheit ist, dass er die Früchte seiner Vorbereitungen nicht genießen werden kann, wenn er seinem extrovertierten Empfinden nicht ein wenig Platz zum Entwickeln lässt. Denn, ist er in der Zukunft angekommen, hat sich diese in die Gegenwart verwandelt, die zugunsten der nächsten Zukunft aufgegeben werden muss. Introvertierten Intuierern, die sich ungesund entwickelt haben, ist nicht bewusst, dass alles im Leben – und auch das Leben selbst, ein Verfallsdatum besitzt. Und wenn sie nicht lernen, sich auch mal gehen lassen zu können, werden all ihre Anstrengungen letztlich vergebens sein.

Extrovertiertes Intuieren / Introvertiertes Empfinden
Der extrovertierte Intuierer hat ein besonderes Talent dafür, Möglichkeiten zu entdecken. Dementsprechend ist er besonders begabt darin, zwischen den Zeilen lesen zu können und immer eine weitere Alternative zu finden, wenn andere glauben, es geht nicht mehr weiter. Seine größte Stärke ist jedoch auch seine größte Schwäche, wenn er sich nicht auf seine schwächer ausgeprägten Funktionen einlässt. Denn dann wird der extrovertierte Intuierer stets den Weg des geringsten Widerstands wählen. Was sich zunächst wie ein weiterer Vorteil anhören mag, kann sich bei näherem Hinsehen als ausgesprochen fatal erweisen: dass der einfachste Weg nicht immer der beste ist, liegt auf der Hand. Beachtet man die Tatsache, dass der extrovertierte Intuierer fast immer etwas Anderes zu tun findet, als das, was er im Moment eigentlich tun sollte, lässt sich schnell ableiten, dass es nicht von ungefähr kommt, dass extrovertierte Intuierer Schwierigkeiten damit haben, Projekte abzuschließen. Sie springen von einer Tätigkeit zur nächsten. Solange die Funktionen noch ausgeglichen entwickelt sind, mag das zu gesunder Abwechslung führen, aber es passiert schnell, dass jene Sprunghaftigkeit zur Gewohnheit wird und letztlich echten Fortschritt verwehrt. Die unterdrückte Funktion ist hier das introvertierte Empfinden, das ein Bestreben nach Beständigkeit entwickelt. Der extrovertierte Intuierer, der diese Funktion unterdrückt, ist jedoch zu schnell von Dingen, die dauerhaft sind gelangweilt – zu schnell erregen Nebensächlichkeiten seine Aufmerksamkeit. Ausdauer ist hier das Stichwort. Wenn der extrovertierte Intuierer seinem introvertierten Empfinden keinen Raum zur Entfaltung bietet, wird er im schlimmsten Fall nicht einmal den Sinn darin sehen, an einer Aufgabe festzuhalten.

Dem introvertierten Empfinder hingegen ist Sprunghaftigkeit schon fast ein Fremdwort. Er legt großen Wert auf Nachhaltigkeit, ähnlich wie der introvertierte Intuierer. Jedoch ist der introvertierte Empfinder eher auf die Vergangenheit fixiert – er lernt aus Erfahrungen und ist mit einem Baum zu vergleichen, der tiefe Wurzeln schlägt, um sicher in die Höhe wachsen zu können. Problematisch wird es nur, wenn der introvertierte Empfinder nur noch damit beschäftigt ist, Wurzeln schlagen zu lassen, aber sich nicht über die Oberfläche traut, aus Angst vor Neuem und Veränderung. Unterdrückt er sein extrovertiertes Intuieren, steht er Neuem gegenüber so skeptisch gegenüber, dass er es überhaupt nicht mehr zulässt. In diesem Fall stellt sich ein lähmender Stillstand in seinem Leben ein, da er ohne neuem Input eben auch keine weiteren Erfahrungen machen kann. Und während introvertierte Empfinder zwar viel Zeit und Rückzug brauchen, um neue Erfahrungen verarbeiten zu können, wachsen sie letztlich daran. Wie eine Pflanze darf man sie nicht mit Wasser ersticken, aber führt man einer Pflanze überhaupt keines mehr zu, verkümmert sie. Paradoxerweise müssen sie also ihrem extrovertierten Intuieren, welches neue Erfahrungen sammeln und die Dinge aus verschiedenen Perspektiven betrachten will, zumindest einige Freiheiten einräumen, damit ihre bevorzugte Funktion überhaupt ordentlich arbeiten kann. Im schlimmsten Falle wird aus dem introvertierten Empfinder sonst jemand, der wie ein Ertrinkender an der Vergangenheit festhält und nicht bereit dazu ist, unvermeidliche Veränderungen zu akzeptieren.

Letztendlich kann man sagen, dass ein wichtiger Schritt zur Selbstoptimierung der ist, vor allem die schwächer ausgeprägten Funktionen zu akzeptieren. Warum das uns manchmal so schwer fällt, liegt daran, dass wir Angst davor haben. Jene Funktionen fühlen sich unserem Wesen in vielen Fällen so entgegengesetzt an, dass wir fast schon physisches Unwohlsein beim bloßen Gedanken daran empfinden, uns auf sie einzulassen. Dabei ist genau das erforderlich, um sich ausgewogen entwickeln zu können. Konflikte entstehen seltener dadurch, dass wir nicht in der Lage sind, andere zu verstehen, sondern, weil wir sie nicht verstehen wollen. Denn das würde in einem Extremfall bedeuten, dass wir unsere Prinzipien zu einem Teil aufgeben müssten. Es ist hier schwierig, direkt bei sich selbst anzusetzen und zu versuchen, sich komplett aus eigener Kraft zu verändern. Der Verstand wird in Form der übermächtigen Funktion immer wieder Gründe finden, sich nicht zu verändern, die sich plausibel anhören. Einfacher geht es vor allem durch Wertschätzung. Dem INTJ, dem es schwer fällt, die Gegenwart zu genießen, wird dies leichter fallen, wenn er sieht, wie sehr der ESFP seine Freizeit genießen kann, während dieser Bewunderung für das beständige Durchhaltevermögen des INTJs aufbringen kann. Dem ISTP wird es möglicherweise leichter fallen, sich aus seiner Isolation herauszuziehen, wenn er erkennt, wie der ENFJ den Alltag seiner Mitmenschen durch aufrichtige Herzlichkeit ein wenig aufzuhellen vermag, während der ENFJ vom ISTP lernen kann, dass sich die Suche nach grundlegenden Wahrheiten lohnen kann, wenn er sieht, wie praktisch diese Wahrheiten in der Realität umzusetzen sind.

Kinder & Typologie

Interessant ist die Frage, inwiefern Kinder, deren Persönlichkeit sich erst entwickelt und gefestigt werden muss, überhaupt einzuordnen sind – oder ob man sie überhaupt einordnen kann. In der Regel kann man das bis zu einem gewissen Punkt, aber, wenn man sich schon bei Erwachsenen nie absolut sicher sein kann, sollte man das bei Kindern noch viel weniger sein. Inwiefern lässt sich die Typologie also auch auf Kinder anwenden?

Wie bereits erwähnt, verfügt jeder Mensch über einen sogenannten Primaten, also die Funktion, die am stärksten ausgeprägt ist und dementsprechend häufig und natürlich zum Einsatz kommt. In meiner pädagogischen Tätigkeit habe ich bei einigen Kindern, mit denen ich arbeite, auch den Primaten ausmachen können.

Extrovertiertes Denken
Kinder mit stark ausgeprägtem extrovertierten Denken sind sehr lebendig, laut und alles andere als schüchtern. Zwar erscheinen sie häufig als frech, aber tun sie das eher, um auszuloten, was sie sich bei verschiedenen Personen erlauben können, beziehungsweise, um hierarchische Gesellschaftsstrukturen erkennen zu können und weniger, um einfach nur Spaß an Dreistigkeiten zu haben. Sie nehmen in Kindergruppen häufig die Rolle des Anführers an oder versuchen das zumindest. Sie zeichnen sich durch einen starken Willen aus und man weiß bei ihnen schnell, woran man ist, was sie wollen und wie die Welt ihrer Meinung nach tickt. Sie schauen zu Erwachsenen hoch und sind, trotz des manchmal rebellischen Verhaltens in gewisser Weise sehr autoritätsgläubig, insofern, dass sie Dinge, die ein (ernst zu nehmender) Erwachsener sagt, nur sehr selten in Frage stellen.

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Geschlechterrollen & Typologie

Man kann und sollte nicht abstreiten, dass wir auch heute in Europa, das sich generell gerne als aufgeklärt und modern betrachtet, trotz aller emanzipatorischen Bewegungen immer noch klar definierte Geschlechterrollen haben. Wie stark, das hängt von verschiedenen Faktoren ab, so ist die Rolle der Frau, die sich um die Kinder und das Heim kümmert, zum Beispiel tendenziell eher in einem schwäbischen Dorf ausgeprägt, als in Berlin.

Dennoch dürfte immer noch jeder verstehen, was, in Bezug auf Persönlichkeit die Klischees von Mann & Frau ausmachen. Stereotypische Aussagen, wie: „Frauen sind einfach empathischer als Männer“ oder „Männer können besser einparken“ müsste ja jeder schon einmal gehört haben. Meine Frau wurde zum Beispiel mal gefragt, ob sie mal bei einer großen Veranstaltung, bei der ich mitgewirkt habe, auf eine Gruppe von Kindern aufpassen könne, mit der Begründung: „das könne sie ja bestimmt gut“. Der Veranstalter, die sie angefragt hat konnte sich bei der Begründung allerdings nicht auf irgendwelche Erfahrungen berufen, meine Frau und er kannten sich nämlich kaum. Er ging einfach mal davon aus – und ich vermute stark, das lag an der Kombination, dass meine Frau zum einen eher in sich gekehrt ist, also nicht unbedingt eine Persönlichkeit, die Kinder erschreckt und zum anderen eben eine Frau ist.

Isabel Myers, die gemeinsam mit ihrer Mutter die MBTI-Theorie aufgestellt hat, hat viele Statistiken erstellt, unter anderem auch, wie die Verhältnisse in der Typologie zwischen den Geschlechtern aussehen. Interessant ist dabei, dass in jenen Statistiken alle Präferenzen ziemlich ausgeglichen sind, außer der Fühler/Denker-Präferenz. So sind unter Frauen deutlich mehr Fühler ausgemacht worden und unter Männern mehr Denker. Ich will mich nicht so weit aus dem Fenster lehnen und die Statistiken grundsätzlich in Frage stellen – auch, wenn es gute Gründe dafür gibt, denn Tests in solchen Massen kann ich einfach nicht als wissenschaftliche Fakten ansehen. Ich glaube, um seinen Typen zu finden, benötigt es schon mehr, als 50 Ja/Nein Fragen. Aber, um zurück zum Thema zu kommen, es gibt traditionelle Bilder von Männern und Frauen und sollten die Statistiken wahr sein, dann würden diese die klassischen Persönlichkeitsrollen unterstützen: die Frau als mitfühlende Seele, die den Mann aufpeppelt und versteht, die gut und gefühlsbetont mit Kindern umgehen kann und dem Mann, der zwar nicht so gut in zwischenmenschlichem Quarks und Gefühlszeug ist, aber davon Ahnung vom „Rest der Welt“ hat und mit diesen Kenntnissen Frau und Kinder ernährt.

Solche Klischees haben allerdings Potential überaus schädlich zu sein für Männer mit Fühler-Präferenz und Frauen mit Denker-Präferenz. Es kann in ihnen das Gefühl entstehen, dass sie nicht normal seien, bzw dem Anspruch, den die Gesellschaft an sie hat, nicht gerecht werden. Jene Männer haben das Gefühl, sie müssen ihre Emotionen zurückstellen und die Frauen werden auf geschäftlicher Ebene nicht richtig ernst genommen. Glücklicherweise gibt es einige gesellschaftliche und wirtschaftliche Veränderungen, die gerade letzteres Problem etwas auszuhebeln versuchen, aber das Bild bleibt trotzdem in dem Archetyp der Frau verwurzelt. Eine unsichere Denkerfrau kann, selbst, wenn sie es zum Beispiel in eine einflussreiche Führungsetage geschafft hat, immer noch glauben, sie sei keine richtige Frau, weil sie „gewisse weibliche Seiten“ nicht habe.

Ich vermute, dass das Problem vor allem bei SJ-Typen auftritt. Zur kurzen Erklärung: SJ-Typen (ISFJ, ESFJ, ISTJ und ESTJ) sind Typen, die allgemein als „Bewahrer“ angesehen werden können und konservative Züge haben, das heißt, dass sie dazu neigen, bewährtes zu Bestätigen und Traditionen, Werte und Normen ihrer Eltern, bzw ihres akzeptierten Erziehungsumfeldes zu übernehmen. Dementsprechend greifen traditionelle Rollen noch stärker bei diesen Typen, da nach innen gerichtetes Empfinden (die S-Präferenz bei SJ) in verschiedene Kategorien einordnet, während nach außen gerichtetes Urteilen, sowohl Fühlen als auch Denken, sich an Normen orientiert. Insbesondere diese Typen kommen also, wenn sie eine geschlechteruntypische Fühler- oder Denkertendenz haben, in einen Rollenkonflikt. So wird Leistungsorientierung und Durchsetzungsvermögen eher maskulin eingeordnet, was zum Beispiel eigentlich natürliche Persönlichkeitszüge einer ESTJ-Frau wären. Da sie aber vom Bild geprägt sein könnte, Frauen müssten einfühlsam sein und gefühlsbetont, kann es dazu führen, dass sie krampfhaft versucht, ihre eigentlich schwach ausgeprägte Seite, in ihrem Fall das introvertierte Fühlen nach außen zu kehren. Das mag zwar auf der einen Seite auch positiv klingen, da besagte Frau an ihrer „natürlichen Schwäche“ feilt, aber eine Persönlichkeit – und dem wird jeder Psychologe zustimmen, egal, was er von der Typologie hält – kann sich nur gesund entwickeln, wenn sie nicht unterdrückt wird, alleine schon, weil es einem ESTJ viel mehr Energie kostet, die fühlende Seite herauszukehren, als die Fakten orientierte und vorwärtsgerichtete. Es kann demnach passieren, dass sich viele STJ-Frauen auf ersten Blick eher in einem Typ wiederfinden, der introvertiertes Fühlen repräsentiert, also zum Beispiel ISFP oder INFP, sich darin dann auch noch bestätigt fühlen und weiter in den Identitäts-Teufelskreislauf geraten. Noch ein Grund mehr, Online-Tests, die einfach nur auf maschinell ausgewerteten Analysen basieren, eher zu misstrauen.

Ich könnte nun auch noch Beispiele zu umgekehrten Fällen, wie männlichen ESFJs erklären, aber ich denke, die Problematik dürfte klar sein. Außerdem möchte ich nicht ausschließen, dass auch andere Typen, nicht nur SJs von diesem Rollenkonflikt betroffen sind – nur dieser wahrscheinlich am intensivsten. Ich mache mich womöglich etwas unbeliebt mit dieser These, deshalb will ich vorweg versichern, dass das nicht wertend gemeint ist: ich vermute, dass es auch einige Homosexuelle und Transvestiten gibt, die eventuell eine andere sexuelle Ausrichtung hätten, wenn sie nicht ständig von der Gesellschaft vermittelt bekommen hätten, was als „typisch weiblich“ und als „typisch männlich“ gilt. Ich denke nämlich auch, dass es kein Zufall ist, dass zum Beispiel viele schwule Männer recht emotional wirken, viele diese Seite ja geradezu zelebrieren, während Lesben im Ruf stehen, häufig einen auf „dicke Hose“ zu machen und (zumindest meiner beschränkten Erfahrung nach) recht selbstbewusst auftreten. Man sollte mich auch nicht falsch verstehen – ich bin nicht der Meinung, dass jede/r Homosexuelle in dieses Muster passt. So wird es beispielsweise bestimmt auch zB Lesben mit Fühler- und Schwule mit Denkertendenz geben und sicherlich hat es auch noch andere Gründe für Homosexualität. Ich glaube nur, dass es zumindest nicht wenige „Rollenflüchtige“ gibt, die sich aufgrund gesellschaftlicher Normen in einer bestimmten sexuellen Orientierung „zuhause“ fühlen und das Gefühl haben, sich dort auch richtig entfalten zu können.

Um mit einem weniger brisanten Fazit zu schließen, dem sich wohl jeder anschließen kann, bin ich der Meinung, dass es wichtig ist, über sich selbst nachzudenken, sich selbst besser kennen und verstehen zu versuchen und letztlich auch zu akzeptieren. Bringen wir dem Karpfen doch nicht bei zu fliegen und der Amsel zu schwimmen. Traditionelle Rollenverteilungen mögen damals in vielerlei Hinsicht ihre Gründe gehabt haben, man kann ja auch nicht leugnen, dass Mann und Frau sich auch biologisch schlicht und einfach unterscheiden, aber gerade in unserer heutigen Gesellschaft müssen wir uns nicht mehr darauf festsetzen. Wenn ein Mann Emotionen zeigt und eine Frau sachorientierte Objektivität, ist das nicht unmännlich oder unweiblich. Es sollte aber auch nicht lobend auf den Podest gestellt werden, weil damit wieder die „Besonderheit“ von etwas hervorgehoben wird, was mittlerweile eigentlich als absolute Normalität gelten sollte. Typologisches Denken sollte genau so wenig zum Monopol der Männer gemacht werden, wie typologisches Fühlen zu dem der Frauen.

ISFJ – Der Beschützer

Allgemeine Beschreibung & Klischees
Liebevolle Helfer. Spießige Vernunftsmenschen. Engstirnige Spielverderber. Bewahrer der Werte. Das ist die übrigens die pädagogische Sandwich-Methode, wie man Kritik am besten verpackt. Das soll zwar keine Kritik sein, nur eine Auflistung von Klischees, aber ich will ein möglichst ausgeglichenes Bild schaffen, dass sich kein ISFJ (oder jemand, der bestimmte ISFJs besonders gern hat) auf den Schlips getreten fühlt.

Jetzt hatten wir die typischen Bilder, mit denen man einen ISFJ abstempeln könnte, wenn man faul ist, aber wie immer steckt viel mehr dahinter und erfordert auch eine Begründung, um zu verstehen, warum eben genannte positive und negative Eigenschaften denn nun tatsächlich zutreffen.

Erste Funktion – Introvertiertes Empfinden („Sensing Introverted, kurz SI“)
Fangen wir also mit der am stärksten ausgeprägtesten Funktion, dem introvertierten Empfinden, kurz SI an, das S im ISFJ. Wenn man eine allgemeine und oberflächliche Erklärung dafür will, dann kann man „SI“ als eine Art Festplatte betrachten, auf der sämtliche Daten gespeichert werden. Kennt ihr Leute, die sich jeden Blödsinn merken können, bis ins Detail? Ob sie wollen oder nicht? Wird wahrscheinlich jemand mit stark ausgeprägtem SI sein. Was man nun genau unter „jedem Blödsinn“ versteht, ist zwar auch davon abhängig, ob man ein Fühler oder ein Denker ist, aber prinzipiell müsste die Idee klar sein. Jetzt könnte man natürlich auch empört fragen: „Willst du jetzt behaupten, alle SI-Typen haben ein besseres Gedächtnis als die anderen?“

Da kann ich euch beruhigen: nein, nicht zwangsläufig. Wie auch andere SI-Typen misst der ISFJ Erinnerungen, Erfahrungen und gesammelten Fakten tendenziell mehr Bedeutung zu. Zwar ist das introvertierte Denken (TI) als dritte Funktion auch vorhanden, um die gesammelten Daten zu analysieren, aber man verlässt sich mehr auf offensichtliche Wahrheiten, als auf jene, die in der Theorie Sinn machen, aber eventuell unrealistisch umzusetzen sind. Das macht ISFJs vor allem zu Realisten, die versuchen wollen, Idealisten mit ihren verrückten Visionen in die Schranken zu weisen, es sei denn, sie haben wirklich überzeugende Argumente. Daher der Ruf vom „spießigen Vernunftsmenschen“. Es fällt intuitiven Menschen folglich manchmal schwer, den Sinn in diesem Konservatismus zu sehen, allerdings gibt es auch gute Gründe für jenen. Wenn beispielsweise jeder Handwerkslehrling seine Arbeit von Grund auf neu aufgezogen hätte, ohne das Wissen seines Meisters zu berücksichtigen, würden wir wahrscheinlich wesentlich unzufriedener mit unseren Möbeln sein. Um Fortschritt und Weiterentwicklung überhaupt erreichen zu können, ist nämlich zunächst das Etablieren von Standards notwendig, auf dessen Basis dann weitergearbeitet werden kann. Da der ISFJ als Fühler jedoch eher Gefühls- als Sachorientiert ist, trifft das bei ihm in allem Maße auf gesellschaftliche Normen zu, daher das Klischee vom „Bewahrer der Werte“.

Zweite Funktion – Extrovertiertes Fühlen („Feeling Extroverted, kurz FE“)
Die Präferenz zum Fühlen macht sich in der zweiten Funktion, dem extrovertierten Fühlen, kurz FE deutlich. So sind die Regeln und Sitten, die der ISFJ sowohl sich selbst, als auch häufig anderen auferlegt, stets darauf aus, dass sich jeder wohl fühlen kann. Ein reflektierter ISFJ berücksichtigt dabei auch die Tatsache, dass sein Empfinden dabei nicht das Maß der Dinge ist. Wenn zB ein ISFJ, der liebend gern Steak ist, mit einer Gruppe nach einem gemeinsamen Restaurant sucht, wird er seinen Wunsch in ein von ihm sehr geschätztes indisches Restaurant zu gehen, sicherlich nach hinten stellen, wenn sich dabei heraus stellt, dass jemand aus der Gruppe kein Indisch mag. Zum Beispiel ein anderer ISFJ, der schon einmal indisch essen war, das Essen grauenhaft schmeckte und er damit diesen kulinarischen Sektor bereits mit seinem SI bewertet hat. Selbst, wenn sie anderer Meinung sind, halten sich ISFJs allerdings aufgrund ihrer eher vorsichtigen, skeptischen Natur zurück und vermeiden Diskussionen, die aufgrund ihrer FE-Präferenz, die darum bemüht ist, Harmonie zu schaffen und zu bewahren, sehr anstrengend für sie sein können. Sollte es jedoch notwendig sein, so kann man sich darauf einlassen, dass ein ISFJ seine Argumente mittels seines analytischen Denkens (TI) und präziser Aufzählung von Fakten (SI) ein fähiger Diskussionspartner sein kann.

Notwendigkeit entsteht vor allem dann, wenn die Werte, die ein ISFJ als heilig ansieht, angegriffen werden. Welche Werte das sind, wird typischerweise durch das äußere Umfeld bestimmt. Extrovertiertes Fühlen beobachtet wie gesagt scharf die emotionale Umgebung und daher ist ein ISFJ sehr aufmerksam, wenn es darum geht, zu erkennen, wie andere Menschen reagieren. So habe ich beispielsweise beobachten können, dass eine langjährige Freundin von mir, eine ISFJ, die mit Videospielen eigentlich gar nichts abgewinnen kann, sich dennoch auf mehrere gemeinsame Runden Prügelspiele an der Konsole eingelassen hat, da jeder andere anwesende im Freundeskreis seinen Spaß daran hatte. Tatsächlich machte ihr das letztlich (zumindest dem Anschein nach) auch Spaß und sie wurde sogar recht gut darin. Hier liegt die Krux an der ganzen Sache: das eher unterdrückte extrovertierte Intuieren (NE), die vierte Funktion, will tendenziell neue Erfahrungen machen, die dann ebenfalls bewertet und einsortiert werden können, aber durch die konservative Skepsis muss sich der ISFJ genau so wie der ISTJ erst aktiv dazu überwinden. Wenn der Punkt jedoch erreicht ist, kann eine geradezu kindhafte Freude am Neuen geweckt werden, die man vom eher ruhigen Naturell des ISFJs gar nicht gewohnt ist. Es dürfte klar sein, dass dies so gut wie nie außerhalb eines geschützten sozialen Rahmens passiert, weshalb es für den ISFJ umso wichtiger ist, dass er ein stabiles Familienumfeld und gute Freunde hat.

Fazit & Beispiele
Um das zu gewährleisten gibt der ISFJ häufig einen Teil seiner eigenen Identität auf – das gemeinschaftliche Wohl steht über dem individuellen, wenn es keine offensichtliche Alternative gibt. Das mag den Anschein wecken, dass ISFJs häufig Mitläufer sind, jedoch muss man beachten, dass sie auch nur so lange mit dem Strom schwimmen, bis die Meinung der Masse von ihrer eigenen abweicht. Nicht selten entwickelt ein ISFJ daher erst mit steigendem Alter deutlich traditionelle und konservative Züge, da die Werte, für die er einsteht zunächst noch gebildet werden müssen – und die Zeit, in der das passiert ist, mit den Leuten, die ihm zu dem Zeitpunkt wichtig waren, werden ihm stets eine wichtige Erinnerung und Prägung bleiben.

Demnach lässt sich ableiten, dass ISFJler wohl zu den loyalsten der 16 Typen gehören, für die Verbindlichkeit und Bodenständigkeit enorm wichtig sind. Aufgrund ihrer nach außen fühlenden Tendenz sind sie extrem aufopferungsbereit, allerdings tut man gut daran, sich für die Unterstützung eines ISFJs auch dankbar zu zeigen oder ihm klar deutlich zu machen, dass seine Hilfe nicht benötigt wird, aber man das Angebot schätzt. Damit zeigt man, dass man den ISFJ, der sehr sensibel gegenüber der Meinung anderer sein kann und sich dementsprechend auch zum Selbstschutz ab und an isoliert, auch wirklich wahrnimmt und achtet. Jeder braucht Anerkennung und besonders jene, die so viel für die Allgemeinschaft tun (die meisten Menschen, die in der Pflege arbeiten, sind ISFJs), verdienen sie auch.

Hier einige Beispiele von mehr oder weniger bekannten Personen aus Fiktion und der realen Welt:

  • Mutter Theresa (Heiliggesprochene Nonne)
  • Fluttershy (My Little Pony)
  • Kate Middleton (Britische Herzogin, Gattin von Prince William)
  • Sansa Stark (Game of Thrones)
  •  Jorah Mormont (Game of Thrones)
  • Chewbacca… glaube ich zumindest… (Star Wars)
  • John Watson (BBC’s Sherlock)
  • Night Owl (Alan Moore’s Watchmen)
  • Triss Merigold (Die Hexer-Saga)
  • Maid Marian (Disney’s Robin Hood)
  • Jerry Gergich (Parks & Recreation)
  • Ann Perkins (Parks & Recreation)

ISTJ – Der Detektiv

Allgemeine Beschreibung & Klischees

Mich fasziniert ja jeder Persönlichkeitstyp. Aber aufgrund der Tatsache, dass ich verhältnismäßig viele Bekannte, Freunde und Verwandte habe, die dem ISTJ-Typen angehören, finde ich vor allem hier immer wieder erstaunliche Dinge heraus, die mir im Laufe der Zeit ein klareres Bild über den „Detektiv“ gemacht haben. Genausosehr fasziniert mich dementsprechend die Tatsache, wie das allgemeine, teilweise sehr verzerrte Bild in der MBTI-Community über den ISTJ aussieht:
ISTJ ist der Typ, der gemeinsam mit seinem fühlenden Gegenpart, dem ISFJ, wohl der ist, der am loyalsten, zuverlässigsten, fleißigsten und… langweiligsten gilt. Woher diese Klischees stammen, was daran so Wahres dran ist und ob es vielleicht bestimmte Eigenschaften gibt, die viel mehr noch auf den ISTJ-Typus zutreffen, werdet ihr nun selbst erfahren können.

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