Introvertiertes Empfinden

Introvertiertes Empfinden, oder kurz SI (englisch: Sensing Introverted) ist die Funktion, die uns dabei hilft, Eindrücke abzuspeichern und darauf zurückzugreifen, demzufolge also auch Informationen aus der Gegenwart mit denen der Vergangenheit zu vergleichen. Die Funktion ist am ausgeprägtesten bei den Typen ISTJ und ISFJ und steht an zweiter Stelle bei deren extrovertierten Pendants: ESTJ und ESFJ.

Der Unterschied zu Intuierern
Das Ziel von SI ist es, die Welt so zu erfassen, wie sie ist und sich zu erinnern, wie sie war. Intuierer hingegen konzentrieren sich vor allem auf das, was sein könnte, also nicht unbedingt so sehr auf die Realität. Im direkten Vergleich wirken Intuierer viel bodenständiger und sachlicher, man könnte auch sagen: nüchterner. Um die wahrnehmenden Funktionen zu beschreiben, ist es sinnvoll, sie bildlich zu vergleichen: während das extrovertierte Intuieren, das sehr auf die Möglichkeiten und verschiedenen Blickwinkel fixiert ist, eher einem Kaleidoskop gleicht, welches die Realität stark verzerrt, ähnelt das introvertierte Intuieren eher einer distanzierten Satellitenansicht, welche ein „Big Picture“, aber keine Details liefert. SI hingegen entspricht eher einem Landschaftsgemälde: es entspringt zwar der direkten Wahrnehmung des Künstlers und ein fremder Beobachter wird die Vorlage nach Betrachten des Bildes wohl auch wieder erkennen, aber es bleibt dennoch ein subjektives Empfinden, das nicht absolut der Realität entspricht. So bleiben auch beim introvertierten Empfinden bestimmte Details hängen, teilweise als harte Fakten, teilweise auch als subjektive Eindrücke.

Dadurch entsteht eine starke: „Ich weiß, was ich gesehen habe!“-Mentalität, die oft in Konflikt gerät mit der Einstellung von Intuierern, die rein sinnlichen Eindrücken eher misstrauen, bzw dazu tendieren, sie im Vergleich zu Ideen und hypothetischen Möglichkeiten gering zuschätzen. Neue Situationen – oder eben auch besagte Ideen und Möglichkeiten bergen für SI immer ein Risiko: auf der einen Seite natürlich die innere Datenbank zu erweitern, auf der anderen Seite die Gefahr, das man in der neuen Situation eben nichts hat, worauf man zurückgreifen kann. Pionierarbeit überlassen Nutzer eines stark ausgeprägten SIs tendenziell lieber anderen. Sobald sie der Meinung sind, genug Erfahrung in einem bestimmten Fachbereich gesammelt zu haben, treten sie in diesem Aspekt jedoch recht selbstbewusst auf.

Der Unterschied zu extrovertiertem Empfinden
Wenn introvertiertes Empfinden ein Maler, bzw sein Gemälde ist, dann widerspiegelt extrovertiertes Empfinden der Linse einer Fotokamera und dem damit geschossenen Bild. Ich behaupte, dass extrovertierte Empfinder das wahrscheinlich realistischste Bild der Ist-Situationen wahrnehmen. Der große Unterschied zum introvertierten Empfinder besteht hauptsächlich daran, dass sie aktiv neue Erfahrungen sammeln wollen, während ihr introvertierter Gegenpart eher dazu neigt, Gewohntes neu-, bzw. wieder entdecken zu wollen. Während SI also eher darauf aus ist, sich in einem vertrauten Umfeld zu bewegen und in diesem zu arbeiten, es zu optimieren und zu pflegen, stürzt sich SE in neue Erlebnisse, ist immer auf der Suche nach frischen Erfahrungen.

Beide Wahrnehmungstypen sind also pragmatisch veranlagt und auf Erfahrungen aus, aber in unterschiedlicher Form. Ein eher alltägliches Beispiel wäre, wenn die SE-Frau ihren Ehemann dazu überreden will, mal in Indien Urlaub zu machen, weil sie es einfach leid ist, jedes Jahr nach Spanien zu fliegen, während ihr SI-Ehemann gerade das so erholsam empfindet: er weiß jedes Jahr, worauf er sich einlässt, muss sich nicht auf ein anderes Klima, anderes Essen, eine andere Sprache und eine andere Kultur einlassen. SI kann in dieser Hinsicht auch stur sein, aber früher oder später wird es sich, wenn die anderen Funktionen ebenfalls gesund entwickelt sind, auch mal auf neue Erfahrungen einlassen, um die Erfahrungsdatenbank auszubauen. Wird ein primärer SI-Nutzer jedoch permanent dazu gezwungen, sich auf neue Dinge einzulassen, kann ihm das sehr auf die Essenz gehen.

Die Vorteile introvertiertem Empfindens
Mit den gut abgespeicherten Informationen besitzen introvertierte Empfinder folglich in der Regel ein gutes Gedächtnis. Da sie Beständigkeit mögen, sind sie Routine nicht abgeneigt und dementsprechend ausdauernd, wenn es darum geht, bestimmte Fähigkeiten und Wissensgebiete auszubauen, bzw. zu vertiefen.

SI ist es wichtig, dass die Dinge richtig angegangen werden, wobei „richtig“ in der Regel auch nicht auf irgendeinem Bauchgefühl, sondern auf üblicherweise vertrauenswürdigen Erfahrungen beruht. Dementsprechend leisten SI häufig einen wertvollen Beitrag in der Gesellschaft, um funktionierende Systeme weiterhin am Laufen zu halten, weil sie die nötige Expertise und Ernsthaftigkeit dafür aufweisen. Was viele andere Typen häufig vergessen: nur, weil man etwas schon oft getan hat, bedeutet das nicht, dass man es deshalb weniger sorgfältig machen muss. In der Regel geben sich introvertierte Empfinder demzufolge nicht mit geringeren Leistungen als „damals“ zufrieden.

In vielerlei Hinsicht bilden primäre SI-Nutzer aus dieser Sicht die Säulen unserer Gesellschaft, die uns bei all den Veränderungen, die auf uns zukommen, einen sicheren Halt bieten können.

Die Nachteile introvertiertem Empfindens
Doch genauso positiv die gerade genannten Aspekte anmuten können, so können sie auch ins Gegenteil verkehren: Konservatismus ist nur solange gut, bis er die Neuerungen blockiert, die tatsächlich Gutes schaffen würden. Bei stark ausgeprägtem SI muss man stets darauf achten, nicht „aus Prinzip“ alles neumodische zu verteufeln und Altes zu lobpreisen. Wie ich schon oben geschildert habe, zeigt das auf Impressionen basierende Bild des Malers nur eine abstrakte Version der Wirklichkeit, nicht jedoch die Wirklichkeit, wie sie tatsächlich ist. So kann es auch sein, dass zwei SI-Nutzer von ein und derselben Erfahrung ein komplett unterschiedliches Bild gemacht haben und sich trotz derselben Funktion der Meinung sind, das der jeweils andere eine völlig falsche Vorstellung von dem habe, was sich „damals“ ereignet hat.

Bei einem zu stark ausgeprägtem SI läuft man zudem Gefahr, sich neuen Erfahrungen komplett abzuschotten und sich in die eigene Welt zurückzuziehen, in der man nur die Informationen (oder Meinungen anderer) akzeptiert, die ins eigene Weltbild passen.

Dementsprechend tut man sich als primärer Empfinder gut daran, sich auch ab und an auf neue Erfahrungen und vor allem auch auf neue Gedankengänge, Ansichten und Ideen einzulassen, auch, wenn es zunächst sehr befremdlich erscheint. Man darf dabei nie vergessen, dass jede geliebte Erfahrung, jede akzeptierte Ideologie und Weltsicht an einem Zeitpunkt im Leben noch etwas komplett Fremdes und Neues war.

Introvertiertes Denken an den verschiedenen Stellen

Erste/Zweite Funktion SI (ISTJ, ISFJ, ESTJ, ESFJ): 
„So haben wir es damals gemacht, so machen wir es heute und werden es auch in Zukunft tun – und damit endet die Diskussion.“

„Moment. Als ich dich vor vier Jahren das letzte Mal besucht habe, hatte dieses Bild noch einen anderen Rahmen.“

„Ich fühle mich dann erst wirklich glücklich, wenn ich mich an die Dinge im Leben halten kann, die wichtig und nachhaltig sind, wie Familie, Freunde und Glaube.“

„Wenn ein Profi es auf diesen Weg macht und damit Erfolg hatte, warum sollte ich es dann anders machen? Ich habe mir jetzt bereits jeden einzelnen Schritt auswendig gemerkt.“

„Solange ich nicht mehr Informationen darüber bekomme, werde ich mich nicht darauf einlassen.“

 

Dritte/Vierte Funktion SI (INTP, INFP, ENTP, ENFP): 
„Wenn wir nicht aus den Fehlern unserer Vergangenheit lernen, werden wir sie nur wiederholen.“

„Oha… diese Straße kenne ich doch! Hier war ich vor vielen Jahren schon einmal und habe genau dieses und jenes getan, ich weiß sogar noch, wie das Wetter war!“

„Ich weiß nicht genau wieso, aber… ich kann und will mich auch eigentlich nicht davon trennen.“

„Weißt du noch, wie es damals war, wenn man als Kind Weihnachten gefeiert hat? Manchmal vermisse ich dieses Gefühl…“

„Wo habe ich nur wieder meinen Schlüssel hingelegt? Ich sollte mir wirklich mal einen regulären Platz dafür überlegen…“

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Extrovertiertes Denken

Extrovertiertes Denken, oder kurz TE (englisch: Thinking Extroverted) ist die Funktion, die uns dabei hilft, zu organisieren, nach Effizienz zu ordnen und Projekte zum Abschluss zu bringen. Die Funktion ist am ausgeprägtesten bei den Typen ENTJ und ESTJ und steht an zweiter Stelle bei deren introvertierten Pendants: INTJ und ISTJ.

Der Unterschied zu Fühlern
Menschen, bei denen diese Funktion sehr stark ausgeprägt ist, haben meistens die Fähigkeit, ihre Entscheidungen objektiv und unpersönlich zu treffen. Je nachdem, von welchem Licht aus man sie betrachtet, wirken sie damit gerecht oder kalt (oder beides auf einmal). Bei jedem Entschluss, den wir treffen, spielt auch unser Bauchgefühl eine Rolle, unter Umständen auch Beziehungen zu eventuell betroffenen Personen. TE hilft dabei, diese subjektiven Elemente von den Fakten zu trennen und so zu einem „nüchternen Ergebnis“ zu kommen, das auf Logik basiert. Gerade Menschen, die eher Fühlertypen sind und „persönlich“ denken, haben des Öfteren ein Problem damit, mit dieser Art zurecht zu kommen und halten stark ausgeprägtes TE häufig für Unfreundlichkeit. Damit hat das nichts zu tun, viel mehr geht es darum, das bestmöglichste Ergebnis zu erzielen und jeden gerecht zu behandeln. Extrovertierte Denker ergreifen in den meisten Fällen nur dann Partei, wenn sie der Meinung sind, dass es so am besten für alle ist. Natürlich spielt es auch für sie eine Rolle, ob sie damit unter Umständen Freunden, Nachbarn, Kollegen und/oder Familienangehörigen auf den Schlips treten, aber sie stecken das, sollte es der Fall sein, von allen Typen noch am ehesten weg. Viel mehr würden sie sich schlecht fühlen, wenn sie Entscheidungen aufgrund von Emotionalität statt aufgrund logischer Fakten getroffen hätten.

Der Unterschied zu introvertiertem Denken 
TE ist induktiv – induktives Denken könnte man auch als verallgemeinerndes Denken bezeichnen: TE leitet vom Einzelnen auf das Allgemeine ab. Besser verständlich wird das durch ein Beispiel: Stellen wir uns vor, wir würden als Expeditionsteam durch ein bislang so gut wie unerforschtes Dschungelgebiet streifen und dort einen Affen einer bislang unbekannte Affengattung antreffen, die grün-schwarz gestreift ist. Angenommen dieser Affe wäre höchst aggressiv, würde uns sofort angreifen und wir würden den nächsten, grün-schwarz gestreiften Affen, auch, wenn er vielleicht davon abgesehen etwas anders aussieht  gleich mit einem Betäubungsgewehr niederschießen, dann wäre das eine Handlung durch induktives Denken gewesen. Wir haben durch induktiven Erkenntnisgewinn (grün-schwarz gestreifte Affen sind gefährlich) eine neue Regel aufgestellt (bei grün-schwarz gestreiften Affen sofort defensiv reagieren).

Im Gegenteil dazu steht deduktives, beziehungsweise introvertiertes Denken. Hätten wir deduktiv geurteilt, hätten wir gesagt: „EIN schwarz-grün gestreifter Affe war aggressiv, aber das muss nicht auf alle schwarz-grün gestreiften Affen zutreffen. Lass uns beobachten, wie dieser auf uns reagiert.“
Durch diese unterschiedlichen Denkweisen entstehen auch schnell Konflikte. Der extrovertierte Denker hält deduktives Denken an und für sich zwar auch für sinnvoll, aber nur in begrenztem Maße. In dem letzten von mir genannten Beispiel wäre es wahrscheinlich, dass der extrovertierte Denker kritisieren würde, die Sicherheit der Expedition zu gefährden. Er ist zwar bereit dazu, seine Meinung und seine Regeln zu ändern, aber nur, wenn es auch handfeste Fakten, sprich: Beweise gibt, die ihn dazu veranlassen.

Die Vorteile extrovertiertem Denkens
Dadurch, dass TE Details nur dann Aufmerksamkeit schenkt, wenn sie für das System als Ganzes relevant sind, arbeitet er in der Regel sehr effizient und zielorientiert. Gibt man verschiedenen Typen dieselbe Aufgabe, ist es wahrscheinlich, dass ein extrovertierter Denker die Aufgabe als erstes abschließt. Das heißt nicht, dass er schlampig arbeitet, viel mehr lässt er sich nicht von Kleinigkeiten aufhalten. „Just do it“ ist ein typisches TE-Motto.

Wie bereits angedeutet bedeutet ein stark ausgeprägtes TE auch häufig, dass der Gerechtigkeitssinn entsprechend ausgeprägt ist. Das bedeutet in diesem Sinne, dass Leute nach ihren Taten behandelt werden, nicht danach, ob man sie gut leiden kann oder nicht. Ein Kind mit stark ausgeprägtem TE, das im Schulsport eine Fußballmannschaft zusammenstellt, sucht sich wohl eher die besten Fußballer und nicht die besten Freunde aus, weil es will, dass das eigene Team gewinnt, nicht unbedingt, dass im Team eine freundschaftliche Atmosphäre herrscht und in den meisten Fällen geht diese Rechnung dann auch auf.

Die Nachteile extrovertiertem Denkens
Wie man sich bereits denken kann, ist TE nicht die optimalste Funktion, wenn es um zwischenmenschliche Angelegenheiten geht. Viele Eltern mit ausgeprägtem TE haben, um es bildlich zu halten, Schwierigkeiten damit, ihr Kind zu trösten und auch, wenn sie es gut meinen, hört man von ihnen häufig Sprüche wie: „Komm schon, so schlimm ist das nicht!“ oder „Hör auf zu weinen, Jungen weinen nicht!“. Das klingt hart, ist aber in den meisten Fällen nicht böse gemeint. Im Gegenteil versuchen sie damit sogar zu helfen und wenn sie, nachdem ihr Einsatz keine positive Wirkung zeigt gereizt sind, dann ärgern sie sich, sofern sie sich über ihre Schwäche bewusst sind, eher über ihre eigene Unzulänglichkeit, als über das weinende Kind.

TE will Struktur und Ordnung schaffen und wenn es das mit dem Anwender getan hat, dann neigt es dazu, den extrovertierten Denker dazu zu drängen, dasselbe auch mit seiner Umwelt zu tun. Nur gibt es Menschen, die sich ungern etwas von anderen sagen lassen und manchmal weiß der extrovertierte Denker es eben auch nicht besser und sollte vielleicht lieber seine Meinung für sich behalten. Neben dem Ordnungsdrang kann auch die Regeltreue und übermäßiges induktives Denken ein Hindernis von TE sein: nur, weil etwas bereits zehnmal funktioniert hat, darf man sich nicht unbedingt darauf verlassen, dass es auch ein elftes Mal funktioniert. Der Ärger ist häufig groß, wenn eine Regel, die man für unumstößlich gehalten hat und auf die man baute, sich plötzlich als fehlerhaft erweist und man in dem ein oder anderen Fall dem pingeligen introvertierten Denker Recht geben muss, als er meinte: „Das kannst du nicht so verallgemeinern“.

Extrovertiertes Denken an den verschiedenen Stellen

Erste/Zweite Funktion TE (ENTJ, ESTJ, INTJ, ISTJ): 
„Das sind die Fakten, hier ist mein Plan. Macht, was ich euch sage und wir bekommen das ohne Probleme hin.“

„Beherrsche deine Emotionen und du kannst alles schaffen oder lernen. Zu schwierig oder zu kompliziert gibt es nicht.“

„Das ist meine Verantwortung, das kannst du nicht übernehmen, weil man diese Arbeit von mir erwartet.“

„Der Erfolg unseres Produkts wird an Zahlen gemessen, nicht daran, ob die Leute es mögen oder nicht.“

„Drei Stunden habe ich bereits gearbeitet und bin nun zur Hälfte fertig. Ich bin also in drei weiteren Stunden damit fertig. Spätestens. Du kannst dich darauf verlassen – wie immer.“

Dritte/Vierte Funktion TE (ENFP, ESFP, INFP, ISFP): 
„Ich weiß, dass es so ist oder zumindest darüber gehört/gelesen zu haben, aber ich kann mich beim besten Willen nicht erinnern, woher ich diese Information habe.“

„Nein. So nicht. Das fühlt sich falsch an, das geht anders. Ich kann dir nicht sagen, wie es richtig geht, aber so jedenfalls nicht.“

„Naja, ganz so unorganisiert bin ich nicht. Schau, ich habe meine Kleidung nach Farben sortiert!“

„Entweder Yetis existieren oder sie existieren nicht. Und momentan sprechen die Fakten dafür, dass es keine gibt, also sollten wir davon ausgehen, dass sie nicht existieren. Außerdem ist diese ganze Diskussion sinnlos.“

„Wahrscheinlich sollte ich mir einen Terminplan machen, auch, wenn ich so etwas hasse und Schwierigkeiten habe, ihn einzuhalten. Aber wenn ich es nicht zumindest versuche, gehe ich noch in all dem Chaos unter.“

 

Die 16 Typen und typische Berufe (P)

Den ersten Teil hatten wir ja bereits hier abgehandelt. Nun geht es um die Beobachter-Typen (Perceiving Types „P“).

ISTP & ESTP
STPs sehen durch ihr stark ausgeprägtes extrovertiertes Empfinden (SE) die Dinge noch am ehesten, wie sie im Hier und Jetzt sind und können durch ihre nüchterne Art auch in brenzligen Situationen einen kühlen Kopf bewahren. Das können unter Umständen zwar auch STJs sehr gut, aber im Gegensatz zu diesen können STPs auch mit ungewohnten, neuen Konflikten in der Regel gut umgehen. Ihr hoch ausgeprägtes SE verleiht ihnen einen Gespür für Gelegenheiten, für Details, die sonst nur wenige wahrnehmen und so ist es nicht ganz so erstaunlich, dass es auch viele STP-Unternehmer gibt. Auch unter Profisportlern findet man viele STPs, aber auch SFPs, da im Sport das extrovertierte Empfinden ausgelebt werden kann.

Es gibt allerdings mehr ESTPs unter diesen, die eher als People-Pleaser gelten als ihr introvertierter Geschwistertyp. Dementsprechend sind ESTPs auch besser darin, ihre Produkte, bzw sich selbst als Person zu vermarkten. Wie auch die ISTPs sind sie sehr gut geeignet für technische Berufe, in denen man direkt Hand anlegen kann, bevorzugen in der Regel aber Berufe, in denen man mit anderen Menschen arbeitet. Wie auch ESFPs sind ESTPs gerne dort, wo wirklich etwas los ist. Da sie dabei gleichzeitig auch einen kühlen Kopf bewahren können, sind sie zum Beispiel bei der Feuerwehr oder im Militär geschätzte Mitarbeiter, also bei Berufen, wo die meisten anderen schnell mal den Kopf verlieren. Wichtig ist hierbei nur, dass der ESTP sich Disziplin antrainiert.

Der ISTP hingegen arbeitet generell lieber alleine und genießt seine Unabhängigkeit. Viele ISTPs sind Freiberufler – Techniker und Analytiker sind zum Beispiel Berufe, die ihnen von Natur aus liegen. Interessant ist für ISTPs auch der Beruf des Piloten, der viel von der Welt sieht, hauptsächlich mit einer Maschine kommuniziert und dafür auch noch recht gut bezahlt wird.

INTP & ENTP
NTPs haben hohe Ansprüche, was ihre Arbeit angeht – sie muss abwechslungsreich sein, weil ihr extrovertiertes Intuieren (NE) sonst nicht mitmacht, dabei muss sie gleichzeitig eine Herausforderung darstellen, aber nicht zu viel Zeit einnehmen, da NTPs viel Wert auf Unabhängigkeit legen, und am besten ist es, wenn sie gleichzeitig auch noch ein Interessensgebiet anspricht. Klingt unmöglich, ist es aber nicht, da NTPs eine Menge Interessen haben. Die anderen drei Elemente (Abwechslung, Herausforderung, Unabhängigkeit) können zwar in der Regel nicht allesamt vollkommen befriedigt werden, aber es gibt einige Jobs, die das dennoch erlauben.

ENTPs haben soziale Fertigkeiten, die ihrem introvertierten Geschwistertypen eher fehlt, weshalb man auch häufiger ENTPs als Unternehmer antrifft. Ihre visionären Ideen hören sich aus ihrem Munde oftmals sehr erfolgsversprechend an und können es – wenn man genug Durchhaltevermögen mitbringt und natürlich das nötige Quäntchen Glück, sogar erfolgreich sein. Da sie von Natur aus neugierig, gesprächig und scharfsinnig sind, sollte man sich auch nicht wundern, dass der Job des Journalisten/Reporters viele ENTPs angezogen hat. Auch Anwälte können viel mit den Fähigkeiten eines ENTPs anfangen, die versuchen müssen, die Wahrheit von einem für ihren Mandanten möglichst positiven Licht erscheinen zu lassen.

INTPs strengt der Umgang mit anderen Menschen mehr an, weshalb sie eher nach Arbeit suchen, die sich mehr auf Dinge konzentriert. Gerade im geisteswissenschaftlichen Bereich findet man sie häufig in der Forschung, aber auch ab und an als Dozent. Denn, wenn sie ihre sozialen Hemmungen überwunden haben, können INTPs auch hervorragende Lehrer sein, vorausgesetzt, sie haben beim ausüben ihrer Tätigkeit genügend Freiraum für eigene Ideen. In der MBTI-Community wird der INTP auch Architekt genannt – was in Anbetracht der Anforderung von logischem, systematischem Denken (TI) und Vorstellungskraft (NE) ebenfalls Sinn macht. Während ENTPs eher gut im Reden sind, ziehen es INTPs eher vor, im Stillen zu schreiben.

ISFP & ESFP
„Künstler“ gibt es zwar bei jedem Persönlichkeitstyp, aber keiner spiegelt den Archetyp eines Künstlers so treffend wieder, wie der ISFP und der ESFP. Sie drücken ihre Gefühlswelt eher mit ihrem Körper, ihren Händen, ihrer Stimme aus, als mit Worten. Ihr extrovertiertes Empfinden gibt ihnen einen direkten Draht zur physischen Welt um sie herum und stattet sie mit einem praxisbezogenen Einfallsreichtum aus.

ESFPs stehen gerne im Rampenlicht – allerdings weniger, um sich zu profilieren, sondern eher, um ihre positive Energie mit anderen zu teilen. Sie wollen den Moment auskosten, genießen – und es wäre doch dämlich, wenn man das nicht auch mit anderen teilen könnte, nicht wahr? Dementsprechend findet man beispielsweise unter Musikern viele ESFPs. Nicht wenige suchen auch in der Karriere als Sportler ihr Glück – beispielsweise als Tänzer. Da sie gerne auf andere Menschen zugehen und einen ansteckenden Optimismus haben, eignen sie sich auch gut als Verkäufer.

ISFPs haben zwar auch einen Hang zu Musik, sind aber nicht unbedingt die geborenen „Rampensäue“. Ihnen ist es zwar auch wichtig, handgreiflich aktiv zu werden, aber dafür brauchen sie nicht unbedingt viele Menschen, mit denen sie dabei interagieren können. Der Beruf des Designers oder des Kunstmalers sind beispielsweise typische ISFP-Berufe, denn hier können sie ihrem introvertierten Fühlen direkt in der physischen Welt Ausdruck verleihen. Ihre praktische Art, gepaart mit ihrem sensiblen und einfühlsamen Wesen gibt ihnen hier ähnliche berufliche Vorlieben wie von ISFJs: auch in Pflegeberufen oder in der Kinderbetreuung sind häufig ISFPs zu finden.

INFP & ENFP
Weil es mir ehrlich gesagt schwer fällt, NFPs Berufen zuzuordnen – was auch der Grund ist, warum ihr so lange auf diesen Beitrag warten musstet – fass ich mich lieber kurz, bevor ihr gar nichts bekommt. Meine Schwierigkeit, NFPs Berufen zuzuordnen, liegt darin, dass sie auf der einen Seite sehr begeisterungsfähig, auf der anderen allerdings wieder äußerst sprunghaft sind. In meinen Augen sind sie daher am schwierigsten auf bestimmte Berufe festzunageln, weil man NFPs auch häufig Berufe ausüben sieht, die man tendenziell eher als unüblich für die Persönlichkeit erachten würde.

Was jedoch ein wieder kehrendes Muster ist: NFPs werden nicht zu Unrecht diplomatische Fähigkeiten zugesprochen, was zum einen an ihrem NE-bedingten Einfallsreichtum und zum anderen an ihrem FI-geschuldeten Einfühlungsvermögen liegt. Beide Typen können für gewöhnlich gut mit Worten umgehen – viele Autoren sind beispielsweise NFPs (Hemingway, Tolkien). Auch Musik, die tendenziell eher Text lastig ist, stammt oft von NFP-Musikern. Man findet sie aber häufig auch in Geisteswissenschaftlichen Bereichen.

ENFPs sind Projektmenschen, das heißt, sie verabscheuen Routine und arbeiten gerne an unterschiedlichen Dingen, mit unterschiedlichen Menschen. Sie sind eher gut im Konzipieren, als darin, Projekte auch selbst in die Hand zu nehmen und auch langweilige Details zu Ende zu führen. INFPs hingegen arbeiten lieber alleine oder zumindest mit wenigen Menschen. Sie fühlen sich häufig überfordert, wenn sie mit vielen verschiedenen Menschen auf einmal interagieren müssen. Beide Typen haben, wie bereits erwähnt auch einen Hang für die Sprache, wobei ENFPs lieber reden, INFPs hingegen Wörter lieber schreiben.

 

 

Die 16 Typen und typische Berufe (J)

Nachdem jetzt schon mehrere Male die Frage aufkam, welche Berufe denn zu welchem Typ passen, wage ich mich an das zugegebenermaßen sehr ambitionierte Projekt, jedem Persönlichkeitstyp verschiedene Beispiel(!)berufe zuzuordnen, die typisch für sie sind. Mitsamt einer knappen Erklärung, wie ich darauf komme.

Ich will hier noch kurz betonen, dass es sich nicht um eine Empfehlung handelt, dafür bin ich definitiv nicht der richtige Ansprechspartner. Man muss bedenken, dass sich alle Menschen, auch diejenigen, die den gleichen Typ haben, voneinander unterscheiden, andere Hintergründe und Eigenarten haben, so dass es durchaus vorkommen kann, dass sich ein Typ entgegen aller Erwartungen sehr wohl an einem für ihn „untypischen“ Arbeitsplatz fühlt. Ich bin zum Beispiel sehr glücklich mit meinem Job als Musiklehrer, der permanent Umgang mit Mitmenschen erfordert, obwohl das laut meiner Typenbeschreibung als sehr anstrengend und daher ungünstig gilt. Es ist eine Herausforderung, aber nichts woran ich mich persönlich nicht gewöhnen konnte und vor allem etwas, woran ich wachsen konnte und immer noch kann. Wenn also ein INTJ gerne Krankenpfleger oder ein ISFP Philosophiestudent werden will, dann werde ich nicht sagen: „Um Gottes Willen, bloß nicht!“. Ich würde dann auf die Herausforderungen deuten, aber hinterher auch betonen: „Mach dir bewusst, dass es dich auf die Probe stellen wird, aber wenn es dein Traum ist, dann versuch es auf jeden Fall!“

In diesem Falle. Viel Spaß beim Lesen!

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„Mein INTP funktioniert nicht mehr“ – Warum dieser Persönlichkeitstyp so „socially awkward“ ist

Es liegt nicht daran, dass wir INTPs nicht etwa an anderen Menschen interessiert sind. Wir interessieren uns nur von einem anderen Standpunkt aus, der allerdings von den meisten Mitmenschen nicht wahrgenommen oder falsch verstanden wird. Wir halten uns ungern mit Höflichkeitsformeln und Etikette auf, etwas, was wir eher als lästig und durch und durch als oberflächlich betrachten. Als ich meine Tätigkeit als Musikschullehrer begann, war ich dazu gezwungen, meine Smalltalk-Fähigkeiten zumindest auszubauen und mehr auf soziale Normen zu achten. Daher bin ich jetzt dazu in der Lage, diesen Konfliktpunkt – INTPs und Kommunikation – etwas differenzierter anzugehen.

Ich weiß, ihr liebt alle Beispiele und die folgen auch noch, aber bevor ich welche bringe, werde ich erstmal die grundsätzlichen Schwierigkeiten schildern, die ein INTP im sozialen Umgang hat.

Wir sind Denkertypen und das ganz schön ausgeprägt. Wir sind uns manchmal selbst nicht darüber bewusst, wie wichtig uns Logik ist. Alles muss Sinn ergeben, alles muss erklärbar sein. Wir sind neugierig, wenn wir etwas nicht verstehen, also stellen wir unangenehme Fragen, ohne uns über die emotionalen Konsequenzen, die in der Frage mitschwingen könnten, Gedanken zu machen. Das bedeutet auch umgekehrt, dass wir emotionalen Kontext oft einfach übersehen oder tatsächlich sogar knallhart ignorieren, wenn wir merken, dass unser Gegenüber nicht dazu in der Lage oder im Stande ist, diesen verständlich zu erklären. Wir wollen zum Kern der Sache.

Das heißt nicht, dass wir eiskalte, unempathische Wesen sind! Wenn wir dazu in der Lage sind und wir sehen, dass es auch wirklich sinnvoll ist, helfen wir unseren Mitmenschen gerne, auch, wenn, was uns selbst angeht, allerhöchstens das Gewissen davon profitieren könnte. Aber im „wenn es auch wirklich sinnvoll ist“ liegt der Hase begraben. Wir sind nicht dazu bereit, Anstrengungen auf uns zu nehmen, wenn wir nicht wirklich wissen, wozu eigentlich. Und „Anstrengungen“ sind für uns selbst nette Gesten wie Umarmungen.

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Die Area-of-Effect-Lösung für’s Umarmen: einfach winken!

Weil ich weiß, wie kurz die Aufmerksamkeitsspanne des gemeinen Lesers sein kann, komme ich direkt zum praktischen Beispiel. Damit ihr aber auch wirklich davon etwas habt, bzw. die INTPs in eurem Umfeld, gebe ich unter jedem Beispiel auch noch eine Erklärung, warum sich der INTP wahrscheinlich so, wie im Beispiel verhalten hat.

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Adolf Hitler – INFJ

Dieser Beitrag könnte nun einigen INFJ sauer aufstoßen, weil sie sich in ein schlechtes Licht gerückt fühlen könnten, aber im Grunde genommen ist es nur konsequent, wenn man verdeutlicht bekommt, dass jeder Persönlichkeitstyp auch seine schwarzen Schafe hervorbringt. Ich könnte ja auch darüber schreiben, wie toll Mahatma Gandhi oder Martin Luther King, beide höchstwahrscheinlich INFJs waren, aber ganz ehrlich, zum einen ist es hilfreich, die Funktionen auch in Personen zu erkennen, für die man keine Sympathien übrig hat, zum anderen ist das manchmal – und wie ich finde, auch in diesem Falle – interessanter.

Also. Here we go. Hitler war ein INFJ und hier ist meine Analyse. Wenn jemand nicht zustimmt, bin ich gespannt auf Argumente.

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„Mein INTP funktioniert nicht mehr“ – Warum dieser Persönlichkeitstyp als faul gilt

Ich wollte unbedingt mal wieder etwas posten, aber habe gerade absolut keinen Nerv für Prosa, daher darf ich euch mit einem weiteren INTP-Artikel beglücken. „Na toll!“, mag nun der ein oder andere sagen. „Ich weiß doch gar nicht mehr wirklich (wenn ich es jemals wusste), was ein INTP ist!“

Kurze Erklärung – ein INTP , das ist einer von 16  Persönlichkeitstypen, zu dem ich mich zähle. Und da es uns leider nur sehr selten gibt und wir zumal eher zurückhaltende Menschen (?) sind, werden wir häufig missverstanden.

Da ich zur Zeit enooorm frustriert darüber bin, wie häufig das passiert und Situationen, die für alle Beteiligten blöd sind vermieden werden könnten, wenn man mich besser verstehen würde, fange ich jetzt einfach mal mit einer Serie „Mein INTP funktioniert nicht mehr“ an. Weil ich sehr egozentrisch bin. Und bevor Vorwürfe kommen – die Situationen könnten natürlich auch vermieden werden, wenn ich andere besser verstehen würde, das ist doch auch klar. Was glaubt ihr, warum ich mich so intensiv mit dem Thema beschäftige?

Also. Zur Titelfrage: warum gelten wir INTPs als faul?

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Typologie – Typische Feindbilder

Man müsste ja eigentlich meinen, dass einen Fühlertypen vor allem Denkertypen aufregen, und Empfindertypen gerade Intuitiven gegenüber Unverständnis entgegenbringen.

Der amerikanische Psychologe John Beebe hat die Theorie aufgestellt, dass das jeweils extrovertierte/introvertierte Pendant der ersten Funktion ein gewisses Feindbild in uns weckt. Er nannte es den „Antagonisten“. Ich will auf diese Theorie ein wenig tiefer eingehen und sie von meinem Blickpunkt aus beleuchten.

Man kann den Konflikt zwischen der extrovertierten und der jeweils entsprechenden introvertierten Funktion auch Flügelkampf nennen. Nehmen wir zum Beispiel das Fühlen. Sowohl introvertiert als auch extrovertiert beachtet es vor allem emotionale Komponente und legt Wert auf rücksichtsvollen Umgang miteinander. Nur sind die Mittel, wie man das eigentlich gemeinsame Ziel erreicht eben sehr unterschiedlich.

Dabei kann man grundsätzlich festhalten, dass die introvertierte Funktion der extrovertierten misstraut, sie für vorschnell, unvorsichtig und oberflächlich abtut. So könnte es einen introvertierten Intuierer beispielsweise stören, dass der extrovertierte Intuierer bei einem eigentlich interessanten Gespräch, ständig das Thema wechselt und so verhindert, dass man über ein Thema eingehend und detailliert diskutieren kann. Im Gegensatz dazu empfindet die extrovertierte Funktion die introvertierte als zu träge, überkritisch und pingelig. So stört es einen extrovertierten Denker beispielweise schnell, wenn der introvertierte ihn bei der Auslegung eines Planes ständig unterbricht und auf die Makel hinweist, die in den Augen des extrovertierten Denkers von vollkommen trivialer und irrelevanter Natur sind. Der introvertierte Denker hingegen muss alleine schon gegen das Verlangen ankämpfen, nicht bereits aus Prinzip auf Ungereimtheiten und Verallgemeinerungen hinzuweisen.

Es ist schwer zu hassen, was man nicht versteht, man kann höchstens Angst davor haben oder verwirrt sein. Das Prinzip kennen wir aus der Fiktion. Wenn der Antagonist ein fremdes Wesen aus dem All ist, das nicht mal unsere Sprache spricht oder eine grässliche Geistererscheinung, dann wünschen wir ihm zwar nichts Gutes, aber von Hass zu sprechen, wäre zu viel. Viel mehr hassen wir den tyrannischen Despoten, der seine Macht zu seinem eigenen Wohle ausnutzt und seine Untergebenen missbraucht. Den sadistischen Mörder, der Freude daran hat, seine Opfer zu quälen. Hier finden wir allerdings einen Kontext, für das Handeln, das wir verurteilen, das wir nachvollziehen können. Wir verstünden – rein theoretisch, warum wir so handeln könnten, entscheiden uns aber dagegen. Die Fähigkeit, sich dagegen zu entscheiden sprechen wir auch dem entsprechenden Antagonisten zu und das ist in der Regel die Quelle für wahre Antipathie.

Ich will damit nicht sagen, dass ein Denker etwa nicht dazu in der Lage sei, einen Fühler nachvollziehen zu können, aber diese Tendenz steht ihm nicht so nahe. Wenn ich als INTP höre, dass jemand eine geniale Serie nicht sehen will, weil sie ihn emotional zu sehr aufwirbelt, dann ist es nicht so, dass ich diese Begründung nicht begreife. Ich kann sie nur nicht nachempfinden und daher rechtfertigt der Denkprozess „ich bin eben anders“ die Begründung. Wenn jetzt aber jemand sagt: „Ich mag diese Serie nicht, weil sie sich mit langweiligen Details aufhält und nicht zur Sache kommt“, obwohl ich gerade die Tatsache mag, dass sie nicht oberflächlich ist und sich Zeit lässt, den Plot zu entwickeln, dann gibt es für mich eher einen Grund, Einspruch zu erheben, weil das genau der Punkt ist, weshalb ich sie schätze.

Für alle, die Listen mögen, hier eine Zusammenfassung, welche Typen nach dieser Theorie in der Regel besonders aufpassen müssen, nicht mit dem entsprechend anderen Typ in einen Konflikt zu geraten:

INTP / ISTP mit ENTJ / ESTJ

INFP / ISFP mit ENFJ / ESFJ

INTJ / INFJ mit ENTP / ENFP

ISTJ / ISFJ mit ESTP / ESFP

Das können wir in abgeschwächter Form auch bei unserer zweiten Funktion bemerken. Wenn zum Beispiel ein ESTJ, dessen zweite Funktion introvertiertes Empfinden ist, das grundsätzlich eher zu Vorsicht rät und auf die Erfahrung der Vergangenheit zurückgreifen will, mit einem ESTP zusammenarbeiten muss, dessen primäre Funktion das extrovertierte Empfinden ist, das im Moment lebt, aktiv, risikofreudig und manchmal ungeduldig ist, dann kann das auch schnell zu Konflikten führen.

Wie geht es euch damit? Ich persönlich merke jedenfalls, dass ich als INTP häufiger mit extrovertiertem Denken als mit Fühlertendenzen anecke. Wenn ihr Fragen dazu habt oder mit dieser Aussage nicht ganz einverstanden habt, lasst mich beides wissen!

Funktionen bei anderen erkennen (Teil 2 von 2)

Extrovertiertes Empfinden (ESFP, ISFP, ESTP, ISTP)
Von allen extrovertierten Funktionen erkennt man SE am wenigsten an den Worten und am meisten an den Taten. Sie sind oft diejenigen, die sich als erstes vom Platz erheben, die sich am gemeinsamen Esstisch als erstes bedienen, die als erstes etwas tun, wenn alle andere noch am überlegen sind, wie etwas getan werden sollte. Wagemut ist etwas, was man dem extrovertierten Empfinder von allen anderen Typen am ehesten zuschreiben kann.

Wenn man sie jedoch anhand von Worten erkennen will, dann hat man damit am ehesten Glück, dass sie einfach sagen, was ihnen in den Sinn kommt. Sie denken nicht lange darüber nach, wie ihre Worte von anderen empfunden werden könnten, sondern machen ihre Gedanken für andere klar ersichtlich. Klarheit ist hierbei das treffende Stichwort: so, wie sie auch selbst versuchen, das Leben möglichst klar zu sehen und zu erleben, wollen sie auch selbst für andere sein.

Anders als extrovertierte Denker sind sie nicht so sehr am Ergebnis interessiert, sondern mehr am Entstehungsprozess. Eine Eigenschaft, die sie sich mit extrovertierten Intuierern teilen, ist die Kreativität. Diese bezieht sich allerdings mehr auf das, was sich unmittelbar in Zeit und Raum befindet, während extrovertierte Intuierer ihre Kreativität mehr mit Ideen und Wörtern ausdrücken. Beide kommen mit den verrücktesten Ideen an, aber Empfinden bezieht sich dabei mehr auf die materielle Ebene.

Typische SE-Zitate:

  • „Ja, Mann! Lass uns das bauen!“
  • „Du weißt erst dann wirklich, dass es unmöglich ist, wenn du es versucht hast.“
  • „Viel Spaß beim Reden, wir sehen uns am Ziel.“
  • „Lebe den Moment!“
  • „Darf ich mal? Kann ich jetzt?“
  • „Der Weg ist das Ziel!“
  • „Ich übe nicht, weil ich besser werden will, sondern weil es mir Spaß macht!“
  • „Mir ist langweilig, lass uns was machen.“
  • „Wollen wir jetzt uns jetzt nur darüber unterhalten oder tatsächlich auch etwas tun?“
  • „Man muss das Leben auch genießen können.“

Extrovertiertes Intuieren (ENFP, INFP, ENTP, INTP)
Man erkennt extrovertierte Intuierer, vor allem die eher in sich gekehrten von ihnen (INFP & INTP) an ihrer häufigen Geistesabwesenheit. Sie sind oft unaufmerksam, verträumt und wirken, vor allem, wenn sie sich in einem sicheren, privaten Rahmen befinden, in dem sie sich wohl fühlen, oft sehr kindisch. Während jedoch auch extrovertierte Empfinder häufig einen kindischen, verspielten Eindruck machen, sind extrovertierte Intuierer hingegen Idealisten, während der andere Typ eher den Realisten einzuordnen ist. Wie auch extrovertierten Empfindern spricht man ihnen Einfallsreichtum zu, allerdings weniger, was praktische, sofort umsetzbare Ideen angeht, sondern mehr jene auf intellektueller Schiene.

Fängt man an, von Themen zu sprechen, die den extrovertierten Intuierer interessiert, leuchten seine Augen auf und er hat plötzlich eine ganze Menge (mehr) zu sagen, manchmal sogar zu dem Ausmaß, dass er überhaupt nicht mehr aufhört, zu reden. Von allen Funktionen ist NE am meisten an Konzepten interessiert, selbst, wenn diese schwammig sind und nur wenig mit der Realität zu tun haben. Bei Denkern äußert sich das insbesondere im Aufstellen absurd wirkender Theorien, bei Fühlern in leidenschaftlichem Idealismus.

Auch wecken NE-Typen schnell das Bild einer schusseligen, geistesabwesenden Person, was aber auch eine gewisse Liebenswürdigkeit weckt. Ihre Gedanken sind stetig in Bewegung und nicht selten machen sie dadurch einen hibbeligen Eindruck. Sie haben häufig damit zu kämpfen, Termine einzuhalten, Ordnung zu bewahren und sich an Details zu erinnern. Wenn im Urlaub jemand die Zahnbürste vergessen, aber sonst allen möglichen Unsinn eingepackt hat – die Chancen stehen gut, dass es ein extrovertierter Intuierer ist.

Typische NE-Zitate:

  • „Es ist zwar völlig unrealistisch, aber stell dir mal vor, […]“
  • „Verdammt, ich habe schon wieder vergessen, was ich dir eigentlich sagen wollte…“
  • „Lass uns etwas Neues ausprobieren!“
  • „Man muss aber auch die andere Seite betrachten!“
  • „Ich kann mich nicht entscheiden! Soll ich Erdbeere und Stracciatella oder Stracciatella und Málaga nehmen? Und welche Kugel soll nach unten?“
  • „Ich hoffe, ich werde nie so ein langweiliger Spießer…“
  • „Das ist keine Unordnung, das ist geordnetes Chaos.“
  • „Wo habe ich schon wieder meinen Schlüssel hingelegt?“
  • „Wenn du dir eine Superfähigkeit aussuchen könntest, welche wäre das dann?“
  • „Ich habe eine Idee, willst du mir sagen, was du davon hältst?“

 

The Sopranos – Tony Soprano (ESTJ)

In der Hoffnung, gleichzeitig ein wenig Werbung für diese geniale, aber in Deutschland leider unterschätzte Serie zu machen, habe ich mir Tony Soprano als nächste Charakteranalyse vorgenommen.

Wer die Serie noch nicht kennt – anschauen! Ich weiß, dass sich auf meiner Seite gerne Hobbyautoren tummeln, gerade für euch ist die Serie ein Leckerbissen. Wenn ihr wissen wollt, wie geniale Dialoge aussehen können, dann gebt der Mafiaserie eine Chance. Außerdem bricht sie aus gewohnten Erzählformen aus – der Plot ist zweitrangig, im Vordergrund stehen Charaktere, die es in dieser Tiefe in momentan keiner anderen Serie je gegeben hat. Das ist es, was die Serie so revolutionär gemacht hat. Aber nun kommen wir zu unserem Protagonisten, dem Patriarch der Sopranos: Tony.

Extrovertiertes Denken

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„I wipe my ass with your feelings!“

Tony ist ein Paradebeispiel für den klischeehaften extrovertierten Denker. Während der ganzen Serie hat er damit zu kämpfen, seinen Willen durchzusetzen, sei es nun im Berufsfeld oder in seiner Familie – er beugt sich nicht, kämpft mit harten Bandagen, berücksichtigt die Gefühle anderer nicht. Als Boss, das ist seine Meinung, kann man sich das ohnehin nicht leisten. Moral kann nicht immer eine übergeordnete Rolle spielen, oder, um es mit seinen Worten auszudrücken:“Wir sind Soldaten. Soldaten gehen nicht in die Hölle. Wir befinden uns in Situationen, in denen sich jeder Betroffene der Risiken bewusst ist und, wenn du diese Risiken kennst, wirst du bestimmte Dinge eben tun. So läuft das Geschäft.“

Nur ein starker Wille setzt sich durch. Und Tony weiß, wie man sich durchsetzt. Und wenn es nicht anders geht, dann auch mit Fäusten und Feuerwaffen.

Introvertiertes Empfinden

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„Not this much. I like the one that says some pulp.“

Tony hat nicht nur klare Vorstellungen darüber, wie die Welt zu funktionieren hat, sondern auch ein klares Bild von der Vergangenheit. Bei einem Streit mit seiner Tochter, Meadow, die sich nicht an seine Regeln und Traditionen halten will, erklärt er ihr, dass sie sich, solange sie sich in seinem Haus befindet, nicht in den 2000er-Jahren befindet, sondern hier noch die Werte von vergangenen Zeiten gelten und geachtet werden müssen. Ein großes Problem von Tony ist, dass er zu sehr in der Vergangenheit festhängt und sich daher nicht weiterentwickeln kann. Seine Panikattacken werden durch Impressionen getriggert, die bestimmte Bilder in ihm freisetzen, welche ihn mit seiner ruppigen Vergangenheit konfrontieren.

Jedoch merkt man deutlich, dass Tonys extrovertiertes Denken die Überhand hat. Sobald Effizienz gegen Traditionen trifft, entscheidet er sich in der Regel für Ersteres. So hat er letzten Endes kein persönliches Problem damit, dass einer seiner Spitzenverdiener homosexuell ist, obwohl diese Neigung in den konservativ-altmodischen katholischen Kreisen, in denen Tony verkehrt, mehr als nur verpönt ist. Er belässt es dabei, sich darüber lustig zu machen, lässt dem Mann aber das Amt des Capos, da dieser gute Arbeit leistet.

Extrovertiertes Intuieren

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Obgleich Tony sich häufig intolerant, engstirnig und traditionsvernarrt zeigt, ist es nicht so, dass er nicht auch ab und an über den Tellerrand hinausschauen kann. Alleine, dass er aus freiem Willen psychologische Hilfe aufsucht – dazu auch noch bei einer Frau – zeigt, dass er bereit ist, auch Pfade zu betreten, die für ihn so eigentlich nicht vorgesehen wären. Wenn es um Problemlösungen geht, benutzt Tony nicht immer den direktesten Weg, ab und an macht er sich auch darüber Gedanken, welche Alternativen es gibt. Neuen Ideen ist er nicht prinzipiell abgeneigt, sofern er erkennt, dass sie wirklich profitabel sein könnten, was hin und wieder auch zu Problemen mit seiner Familie (beiden) führt, ihm aber letztlich oft genug einen Ausweg aus der Bredouille bietet.

Introvertiertes Fühlen

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Obgleich Tony ganz offen zugibt, dass er keinen Wert auf die Gefühle anderer gibt, kommt er nicht darum hinweg, seine eigenen völlig zu verdrängen. Immer wieder zeigen sich Zweifel, die ihn dazu veranlassen, sich vor sich zu rechtfertigen. Sein unterdrücktes introvertiertes Fühlen macht ihn anfällig für Kritik – obwohl man von einem Mann von solch selbstsicherem Auftreten erwarten sollte, dass er eine dicke Haut hat, ist Tony verwundbarer, als er zugeben würde.

Seine sensible Seite zeigt sich unter anderem in seiner Tierliebe. Dadurch, dass er seine empathischen Tendenzen so sehr unterdrückt, wenig bis gar keine Anteilnahme an anderen Menschen zeigt und sogar soweit geht, kaltblütig zu morden, benötigt er einen Ausgleich, damit das introvertierte Fühlen nicht komplett erstickt. So hat er eine ganz besondere Beziehung zu Enten und wird sogar zu einem regelrechten Pferdefreund. Im Laufe der Serie wird Tonys „Beziehung“ zum introvertierten Fühlen, also sein Bezug zu Moral und Sinnfragen immer mehr zu einem zentralen Thema.