Der Herr der Ringe – Gandalf (INTJ)

INTJs werden, insbesondere, wenn es um fiktive Charaktere geht, gerne die Rollen der fiesen Schurken zugewiesen, die finstere Pläne schmieden, um die Weltherrschaft an sich zu reißen. Um dieses Klischee zu brechen, habe ich mich dazu entschieden, unseren liebsten, pfeiferauchenden Magier als Gegenbeispiel zu verwenden: Gandalf. Egal, ob grau oder weiß, auch, wenn er nach seinem Date mit dem Balrog hier und dort ein wenig anderes drauf ist – selbst eine Reinkarnation spült einen Persönlichkeitstypen offensichtlich nicht fort.

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„Mein INTP funktioniert nicht mehr“ – Warum dieser Persönlichkeitstyp so „socially awkward“ ist

Es liegt nicht daran, dass wir INTPs nicht etwa an anderen Menschen interessiert sind. Wir interessieren uns nur von einem anderen Standpunkt aus, der allerdings von den meisten Mitmenschen nicht wahrgenommen oder falsch verstanden wird. Wir halten uns ungern mit Höflichkeitsformeln und Etikette auf, etwas, was wir eher als lästig und durch und durch als oberflächlich betrachten. Als ich meine Tätigkeit als Musikschullehrer begann, war ich dazu gezwungen, meine Smalltalk-Fähigkeiten zumindest auszubauen und mehr auf soziale Normen zu achten. Daher bin ich jetzt dazu in der Lage, diesen Konfliktpunkt – INTPs und Kommunikation – etwas differenzierter anzugehen.

Ich weiß, ihr liebt alle Beispiele und die folgen auch noch, aber bevor ich welche bringe, werde ich erstmal die grundsätzlichen Schwierigkeiten schildern, die ein INTP im sozialen Umgang hat.

Wir sind Denkertypen und das ganz schön ausgeprägt. Wir sind uns manchmal selbst nicht darüber bewusst, wie wichtig uns Logik ist. Alles muss Sinn ergeben, alles muss erklärbar sein. Wir sind neugierig, wenn wir etwas nicht verstehen, also stellen wir unangenehme Fragen, ohne uns über die emotionalen Konsequenzen, die in der Frage mitschwingen könnten, Gedanken zu machen. Das bedeutet auch umgekehrt, dass wir emotionalen Kontext oft einfach übersehen oder tatsächlich sogar knallhart ignorieren, wenn wir merken, dass unser Gegenüber nicht dazu in der Lage oder im Stande ist, diesen verständlich zu erklären. Wir wollen zum Kern der Sache.

Das heißt nicht, dass wir eiskalte, unempathische Wesen sind! Wenn wir dazu in der Lage sind und wir sehen, dass es auch wirklich sinnvoll ist, helfen wir unseren Mitmenschen gerne, auch, wenn, was uns selbst angeht, allerhöchstens das Gewissen davon profitieren könnte. Aber im „wenn es auch wirklich sinnvoll ist“ liegt der Hase begraben. Wir sind nicht dazu bereit, Anstrengungen auf uns zu nehmen, wenn wir nicht wirklich wissen, wozu eigentlich. Und „Anstrengungen“ sind für uns selbst nette Gesten wie Umarmungen.

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Die Area-of-Effect-Lösung für’s Umarmen: einfach winken!

Weil ich weiß, wie kurz die Aufmerksamkeitsspanne des gemeinen Lesers sein kann, komme ich direkt zum praktischen Beispiel. Damit ihr aber auch wirklich davon etwas habt, bzw. die INTPs in eurem Umfeld, gebe ich unter jedem Beispiel auch noch eine Erklärung, warum sich der INTP wahrscheinlich so, wie im Beispiel verhalten hat.

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Funktionen bei anderen erkennen (Teil 2 von 2)

Extrovertiertes Empfinden (ESFP, ISFP, ESTP, ISTP)
Von allen extrovertierten Funktionen erkennt man SE am wenigsten an den Worten und am meisten an den Taten. Sie sind oft diejenigen, die sich als erstes vom Platz erheben, die sich am gemeinsamen Esstisch als erstes bedienen, die als erstes etwas tun, wenn alle andere noch am überlegen sind, wie etwas getan werden sollte. Wagemut ist etwas, was man dem extrovertierten Empfinder von allen anderen Typen am ehesten zuschreiben kann.

Wenn man sie jedoch anhand von Worten erkennen will, dann hat man damit am ehesten Glück, dass sie einfach sagen, was ihnen in den Sinn kommt. Sie denken nicht lange darüber nach, wie ihre Worte von anderen empfunden werden könnten, sondern machen ihre Gedanken für andere klar ersichtlich. Klarheit ist hierbei das treffende Stichwort: so, wie sie auch selbst versuchen, das Leben möglichst klar zu sehen und zu erleben, wollen sie auch selbst für andere sein.

Anders als extrovertierte Denker sind sie nicht so sehr am Ergebnis interessiert, sondern mehr am Entstehungsprozess. Eine Eigenschaft, die sie sich mit extrovertierten Intuierern teilen, ist die Kreativität. Diese bezieht sich allerdings mehr auf das, was sich unmittelbar in Zeit und Raum befindet, während extrovertierte Intuierer ihre Kreativität mehr mit Ideen und Wörtern ausdrücken. Beide kommen mit den verrücktesten Ideen an, aber Empfinden bezieht sich dabei mehr auf die materielle Ebene.

Typische SE-Zitate:

  • „Ja, Mann! Lass uns das bauen!“
  • „Du weißt erst dann wirklich, dass es unmöglich ist, wenn du es versucht hast.“
  • „Viel Spaß beim Reden, wir sehen uns am Ziel.“
  • „Lebe den Moment!“
  • „Darf ich mal? Kann ich jetzt?“
  • „Der Weg ist das Ziel!“
  • „Ich übe nicht, weil ich besser werden will, sondern weil es mir Spaß macht!“
  • „Mir ist langweilig, lass uns was machen.“
  • „Wollen wir jetzt uns jetzt nur darüber unterhalten oder tatsächlich auch etwas tun?“
  • „Man muss das Leben auch genießen können.“

Extrovertiertes Intuieren (ENFP, INFP, ENTP, INTP)
Man erkennt extrovertierte Intuierer, vor allem die eher in sich gekehrten von ihnen (INFP & INTP) an ihrer häufigen Geistesabwesenheit. Sie sind oft unaufmerksam, verträumt und wirken, vor allem, wenn sie sich in einem sicheren, privaten Rahmen befinden, in dem sie sich wohl fühlen, oft sehr kindisch. Während jedoch auch extrovertierte Empfinder häufig einen kindischen, verspielten Eindruck machen, sind extrovertierte Intuierer hingegen Idealisten, während der andere Typ eher den Realisten einzuordnen ist. Wie auch extrovertierten Empfindern spricht man ihnen Einfallsreichtum zu, allerdings weniger, was praktische, sofort umsetzbare Ideen angeht, sondern mehr jene auf intellektueller Schiene.

Fängt man an, von Themen zu sprechen, die den extrovertierten Intuierer interessiert, leuchten seine Augen auf und er hat plötzlich eine ganze Menge (mehr) zu sagen, manchmal sogar zu dem Ausmaß, dass er überhaupt nicht mehr aufhört, zu reden. Von allen Funktionen ist NE am meisten an Konzepten interessiert, selbst, wenn diese schwammig sind und nur wenig mit der Realität zu tun haben. Bei Denkern äußert sich das insbesondere im Aufstellen absurd wirkender Theorien, bei Fühlern in leidenschaftlichem Idealismus.

Auch wecken NE-Typen schnell das Bild einer schusseligen, geistesabwesenden Person, was aber auch eine gewisse Liebenswürdigkeit weckt. Ihre Gedanken sind stetig in Bewegung und nicht selten machen sie dadurch einen hibbeligen Eindruck. Sie haben häufig damit zu kämpfen, Termine einzuhalten, Ordnung zu bewahren und sich an Details zu erinnern. Wenn im Urlaub jemand die Zahnbürste vergessen, aber sonst allen möglichen Unsinn eingepackt hat – die Chancen stehen gut, dass es ein extrovertierter Intuierer ist.

Typische NE-Zitate:

  • „Es ist zwar völlig unrealistisch, aber stell dir mal vor, […]“
  • „Verdammt, ich habe schon wieder vergessen, was ich dir eigentlich sagen wollte…“
  • „Lass uns etwas Neues ausprobieren!“
  • „Man muss aber auch die andere Seite betrachten!“
  • „Ich kann mich nicht entscheiden! Soll ich Erdbeere und Stracciatella oder Stracciatella und Málaga nehmen? Und welche Kugel soll nach unten?“
  • „Ich hoffe, ich werde nie so ein langweiliger Spießer…“
  • „Das ist keine Unordnung, das ist geordnetes Chaos.“
  • „Wo habe ich schon wieder meinen Schlüssel hingelegt?“
  • „Wenn du dir eine Superfähigkeit aussuchen könntest, welche wäre das dann?“
  • „Ich habe eine Idee, willst du mir sagen, was du davon hältst?“

 

Selbsterkenntnis ist der erste Schritt zur Besserung (Teil 2)

Extrovertiertes Empfinden / Introvertiertes Intuieren
Der extrovertierte Empfinder ist ein kühner Draufgänger, der vor wenig zurückschreckt. Er betritt neue Pfade, die vor ihm noch niemand ging und leistet damit für die Gesellschaft wertvolle Pionierarbeit. Sein Fokus liegt auf dem Gegenwärtigen und dementsprechend kann er sich gut auf das, was sich im Moment abspielt konzentrieren. Es verhält sich bildlich gesprochen wie mit einem Kurzsichtigen. Denn so klar das Hier und Jetzt auch sein mag, so unbedeutend ist für den extrovertierten Empfinder die Zukunft, wenn sich seine Persönlichkeit ungesund entwickelt hat. Er geht Geschäfte ein, bei denen er zwar jetzt profitieren mag, ihn aber später unverhältnismäßig viel kosten werden. Da ihm seine Freiheit so wichtig ist, will er sich nicht durch Zukünftiges einschränken lassen. Dieses reaktionäre Verhalten kann im schlimmsten Falle dazu führen, dass er seine Zukunft komplett verbaut. Ironischerweise wird er sich dann in einer Situation wiederfinden, in der der extrovertierte Empfinder fast überhaupt keine Handlungsfreiheit besitzt. Während es auf der einen Hand zwar ein Segen ist, die Gegenwart in vollen Zügen genießen zu können, kann sich ungezügelter Hedonismus oder furchtlose Risikobereitschaft auf lange Sicht als enorm kostspielig erweisen. Die unterdrückte Funktion ist hier das introvertierte Intuieren, das sich mit der Vorhersehung von Ereignissen beschäftigt, die noch nicht passiert sind. Ein extrovertierter Empfinder, der diese Funktion zu stark unterdrückt, hat schlicht keine Geduld und/oder sieht den Sinn darin nicht, Gegenwärtiges für die Zukunft aufzugeben. Ganz wie in der Fabel vom Grashüpfer, der sich im Sommer über die hart arbeitenden Ameisen lustig macht, die sich auf den Winter vorbereiten und in selbigem erfriert, da er sich nicht vorbereitet hat.

Während der extrovertierte Empfinder bildlich gesehen einen Unfall baut, weil er das Stop-Schild nicht beachtet hat, ist das Dilemma des introvertierten Intuierer, dass er Angst davor hat, überhaupt weiterzufahren. Überhaupt haben introvertierte Intuierer einen engen Bezug zu Symbolik und sind demnach abstrakte Denker, die keine Schwierigkeiten damit haben, Dinge miteinander zu verknüpfen. Dementsprechend sind sie auch sehr auf die Zukunft fixiert, ähnlich wie die Ameise aus besagter Fabel, die ihr gegenwärtiges Wohl zugunsten ihrer Zukunft ausgibt. Wenn das introvertierte Intuieren zu unausgeglichen entwickelt ist, dass das extrovertierte Empfinden zu sehr unterdrückt wird, dann haben wir jedoch das Bild von der Ameise, die an Überanstrengung stirbt und es dadurch nicht einmal lebend in den Winter schafft. Man kann also sagen, wo der extrovertierte Empfinder Gefahr läuft kurzsichtig zu sein, ist der introvertierte Intuierer dem Risiko ausgesetzt, an Weitsichtigkeit zu leiden. Die Tragik bei seiner Zukunftszentriertheit ist, dass er die Früchte seiner Vorbereitungen nicht genießen werden kann, wenn er seinem extrovertierten Empfinden nicht ein wenig Platz zum Entwickeln lässt. Denn, ist er in der Zukunft angekommen, hat sich diese in die Gegenwart verwandelt, die zugunsten der nächsten Zukunft aufgegeben werden muss. Introvertierten Intuierern, die sich ungesund entwickelt haben, ist nicht bewusst, dass alles im Leben – und auch das Leben selbst, ein Verfallsdatum besitzt. Und wenn sie nicht lernen, sich auch mal gehen lassen zu können, werden all ihre Anstrengungen letztlich vergebens sein.

Extrovertiertes Intuieren / Introvertiertes Empfinden
Der extrovertierte Intuierer hat ein besonderes Talent dafür, Möglichkeiten zu entdecken. Dementsprechend ist er besonders begabt darin, zwischen den Zeilen lesen zu können und immer eine weitere Alternative zu finden, wenn andere glauben, es geht nicht mehr weiter. Seine größte Stärke ist jedoch auch seine größte Schwäche, wenn er sich nicht auf seine schwächer ausgeprägten Funktionen einlässt. Denn dann wird der extrovertierte Intuierer stets den Weg des geringsten Widerstands wählen. Was sich zunächst wie ein weiterer Vorteil anhören mag, kann sich bei näherem Hinsehen als ausgesprochen fatal erweisen: dass der einfachste Weg nicht immer der beste ist, liegt auf der Hand. Beachtet man die Tatsache, dass der extrovertierte Intuierer fast immer etwas Anderes zu tun findet, als das, was er im Moment eigentlich tun sollte, lässt sich schnell ableiten, dass es nicht von ungefähr kommt, dass extrovertierte Intuierer Schwierigkeiten damit haben, Projekte abzuschließen. Sie springen von einer Tätigkeit zur nächsten. Solange die Funktionen noch ausgeglichen entwickelt sind, mag das zu gesunder Abwechslung führen, aber es passiert schnell, dass jene Sprunghaftigkeit zur Gewohnheit wird und letztlich echten Fortschritt verwehrt. Die unterdrückte Funktion ist hier das introvertierte Empfinden, das ein Bestreben nach Beständigkeit entwickelt. Der extrovertierte Intuierer, der diese Funktion unterdrückt, ist jedoch zu schnell von Dingen, die dauerhaft sind gelangweilt – zu schnell erregen Nebensächlichkeiten seine Aufmerksamkeit. Ausdauer ist hier das Stichwort. Wenn der extrovertierte Intuierer seinem introvertierten Empfinden keinen Raum zur Entfaltung bietet, wird er im schlimmsten Fall nicht einmal den Sinn darin sehen, an einer Aufgabe festzuhalten.

Dem introvertierten Empfinder hingegen ist Sprunghaftigkeit schon fast ein Fremdwort. Er legt großen Wert auf Nachhaltigkeit, ähnlich wie der introvertierte Intuierer. Jedoch ist der introvertierte Empfinder eher auf die Vergangenheit fixiert – er lernt aus Erfahrungen und ist mit einem Baum zu vergleichen, der tiefe Wurzeln schlägt, um sicher in die Höhe wachsen zu können. Problematisch wird es nur, wenn der introvertierte Empfinder nur noch damit beschäftigt ist, Wurzeln schlagen zu lassen, aber sich nicht über die Oberfläche traut, aus Angst vor Neuem und Veränderung. Unterdrückt er sein extrovertiertes Intuieren, steht er Neuem gegenüber so skeptisch gegenüber, dass er es überhaupt nicht mehr zulässt. In diesem Fall stellt sich ein lähmender Stillstand in seinem Leben ein, da er ohne neuem Input eben auch keine weiteren Erfahrungen machen kann. Und während introvertierte Empfinder zwar viel Zeit und Rückzug brauchen, um neue Erfahrungen verarbeiten zu können, wachsen sie letztlich daran. Wie eine Pflanze darf man sie nicht mit Wasser ersticken, aber führt man einer Pflanze überhaupt keines mehr zu, verkümmert sie. Paradoxerweise müssen sie also ihrem extrovertierten Intuieren, welches neue Erfahrungen sammeln und die Dinge aus verschiedenen Perspektiven betrachten will, zumindest einige Freiheiten einräumen, damit ihre bevorzugte Funktion überhaupt ordentlich arbeiten kann. Im schlimmsten Falle wird aus dem introvertierten Empfinder sonst jemand, der wie ein Ertrinkender an der Vergangenheit festhält und nicht bereit dazu ist, unvermeidliche Veränderungen zu akzeptieren.

Letztendlich kann man sagen, dass ein wichtiger Schritt zur Selbstoptimierung der ist, vor allem die schwächer ausgeprägten Funktionen zu akzeptieren. Warum das uns manchmal so schwer fällt, liegt daran, dass wir Angst davor haben. Jene Funktionen fühlen sich unserem Wesen in vielen Fällen so entgegengesetzt an, dass wir fast schon physisches Unwohlsein beim bloßen Gedanken daran empfinden, uns auf sie einzulassen. Dabei ist genau das erforderlich, um sich ausgewogen entwickeln zu können. Konflikte entstehen seltener dadurch, dass wir nicht in der Lage sind, andere zu verstehen, sondern, weil wir sie nicht verstehen wollen. Denn das würde in einem Extremfall bedeuten, dass wir unsere Prinzipien zu einem Teil aufgeben müssten. Es ist hier schwierig, direkt bei sich selbst anzusetzen und zu versuchen, sich komplett aus eigener Kraft zu verändern. Der Verstand wird in Form der übermächtigen Funktion immer wieder Gründe finden, sich nicht zu verändern, die sich plausibel anhören. Einfacher geht es vor allem durch Wertschätzung. Dem INTJ, dem es schwer fällt, die Gegenwart zu genießen, wird dies leichter fallen, wenn er sieht, wie sehr der ESFP seine Freizeit genießen kann, während dieser Bewunderung für das beständige Durchhaltevermögen des INTJs aufbringen kann. Dem ISTP wird es möglicherweise leichter fallen, sich aus seiner Isolation herauszuziehen, wenn er erkennt, wie der ENFJ den Alltag seiner Mitmenschen durch aufrichtige Herzlichkeit ein wenig aufzuhellen vermag, während der ENFJ vom ISTP lernen kann, dass sich die Suche nach grundlegenden Wahrheiten lohnen kann, wenn er sieht, wie praktisch diese Wahrheiten in der Realität umzusetzen sind.

Kinder & Typologie

Interessant ist die Frage, inwiefern Kinder, deren Persönlichkeit sich erst entwickelt und gefestigt werden muss, überhaupt einzuordnen sind – oder ob man sie überhaupt einordnen kann. In der Regel kann man das bis zu einem gewissen Punkt, aber, wenn man sich schon bei Erwachsenen nie absolut sicher sein kann, sollte man das bei Kindern noch viel weniger sein. Inwiefern lässt sich die Typologie also auch auf Kinder anwenden?

Wie bereits erwähnt, verfügt jeder Mensch über einen sogenannten Primaten, also die Funktion, die am stärksten ausgeprägt ist und dementsprechend häufig und natürlich zum Einsatz kommt. In meiner pädagogischen Tätigkeit habe ich bei einigen Kindern, mit denen ich arbeite, auch den Primaten ausmachen können.

Extrovertiertes Denken
Kinder mit stark ausgeprägtem extrovertierten Denken sind sehr lebendig, laut und alles andere als schüchtern. Zwar erscheinen sie häufig als frech, aber tun sie das eher, um auszuloten, was sie sich bei verschiedenen Personen erlauben können, beziehungsweise, um hierarchische Gesellschaftsstrukturen erkennen zu können und weniger, um einfach nur Spaß an Dreistigkeiten zu haben. Sie nehmen in Kindergruppen häufig die Rolle des Anführers an oder versuchen das zumindest. Sie zeichnen sich durch einen starken Willen aus und man weiß bei ihnen schnell, woran man ist, was sie wollen und wie die Welt ihrer Meinung nach tickt. Sie schauen zu Erwachsenen hoch und sind, trotz des manchmal rebellischen Verhaltens in gewisser Weise sehr autoritätsgläubig, insofern, dass sie Dinge, die ein (ernst zu nehmender) Erwachsener sagt, nur sehr selten in Frage stellen.

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ESTP – Der Draufgänger

Allgemeine Beschreibung & Klischees
Gerissene Mistkerle. Und auch noch stolz darauf. Theoretisch könnten wir es dabei belassen, die ESTPs – die mich kennen würden das nicht mal als Beleidigung auffassen. Aber der Vollständigkeit halber – und weil ESTPs als klassische Extroverten kein Problem damit haben, im Rampenlicht zu stehen, will ich genauer auf den Typ eingehen.

Zunächst einmal klären wir schnell, für was die Kürzel in „ESTP“ überhaupt stehen.

E, das bedeutet Extrovertiert. Also eine Persönlichkeit, die sich tendenziell ihrer Umgebung öffnet und Energie in der Interaktion bezieht, nicht so viel Zeit für sich alleine braucht.

S, das steht für Sensing, also Empfindend. Empfindend heißt, dass die Persönlichkeit weniger in der Welt der Gedanken lebt, sondern im Hier und Jetzt fundiert ist. Also eher ein Realist, denn ein Idealist.

T steht kurz für Thinking, also Denkend. Der Denker fällt Urteile anhand dessen, was wahr und unwahr ist, weniger danach, was moralisch richtig und falsch ist. Anders ausgedrückt könnte man auch sagen, er interessiert sich eher für Dinge, als für Menschen und ist ein tendenziell objektiver Denker, während Fühler eher subjektiv denken.

P bedeutet Perceiving, der Charakter ist dementsprechend ein Beobachter. Im Gegensatz zu den Urteilertypen lässt er das Leben auf sich zukommen und handelt eher reaktionär, anstatt die Initiative zu ergreifen, bevor er überhaupt weiß, was genau los ist.

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ISFJ – Der Beschützer

Allgemeine Beschreibung & Klischees
Liebevolle Helfer. Spießige Vernunftsmenschen. Engstirnige Spielverderber. Bewahrer der Werte. Das ist die übrigens die pädagogische Sandwich-Methode, wie man Kritik am besten verpackt. Das soll zwar keine Kritik sein, nur eine Auflistung von Klischees, aber ich will ein möglichst ausgeglichenes Bild schaffen, dass sich kein ISFJ (oder jemand, der bestimmte ISFJs besonders gern hat) auf den Schlips getreten fühlt.

Jetzt hatten wir die typischen Bilder, mit denen man einen ISFJ abstempeln könnte, wenn man faul ist, aber wie immer steckt viel mehr dahinter und erfordert auch eine Begründung, um zu verstehen, warum eben genannte positive und negative Eigenschaften denn nun tatsächlich zutreffen.

Erste Funktion – Introvertiertes Empfinden („Sensing Introverted, kurz SI“)
Fangen wir also mit der am stärksten ausgeprägtesten Funktion, dem introvertierten Empfinden, kurz SI an, das S im ISFJ. Wenn man eine allgemeine und oberflächliche Erklärung dafür will, dann kann man „SI“ als eine Art Festplatte betrachten, auf der sämtliche Daten gespeichert werden. Kennt ihr Leute, die sich jeden Blödsinn merken können, bis ins Detail? Ob sie wollen oder nicht? Wird wahrscheinlich jemand mit stark ausgeprägtem SI sein. Was man nun genau unter „jedem Blödsinn“ versteht, ist zwar auch davon abhängig, ob man ein Fühler oder ein Denker ist, aber prinzipiell müsste die Idee klar sein. Jetzt könnte man natürlich auch empört fragen: „Willst du jetzt behaupten, alle SI-Typen haben ein besseres Gedächtnis als die anderen?“

Da kann ich euch beruhigen: nein, nicht zwangsläufig. Wie auch andere SI-Typen misst der ISFJ Erinnerungen, Erfahrungen und gesammelten Fakten tendenziell mehr Bedeutung zu. Zwar ist das introvertierte Denken (TI) als dritte Funktion auch vorhanden, um die gesammelten Daten zu analysieren, aber man verlässt sich mehr auf offensichtliche Wahrheiten, als auf jene, die in der Theorie Sinn machen, aber eventuell unrealistisch umzusetzen sind. Das macht ISFJs vor allem zu Realisten, die versuchen wollen, Idealisten mit ihren verrückten Visionen in die Schranken zu weisen, es sei denn, sie haben wirklich überzeugende Argumente. Daher der Ruf vom „spießigen Vernunftsmenschen“. Es fällt intuitiven Menschen folglich manchmal schwer, den Sinn in diesem Konservatismus zu sehen, allerdings gibt es auch gute Gründe für jenen. Wenn beispielsweise jeder Handwerkslehrling seine Arbeit von Grund auf neu aufgezogen hätte, ohne das Wissen seines Meisters zu berücksichtigen, würden wir wahrscheinlich wesentlich unzufriedener mit unseren Möbeln sein. Um Fortschritt und Weiterentwicklung überhaupt erreichen zu können, ist nämlich zunächst das Etablieren von Standards notwendig, auf dessen Basis dann weitergearbeitet werden kann. Da der ISFJ als Fühler jedoch eher Gefühls- als Sachorientiert ist, trifft das bei ihm in allem Maße auf gesellschaftliche Normen zu, daher das Klischee vom „Bewahrer der Werte“.

Zweite Funktion – Extrovertiertes Fühlen („Feeling Extroverted, kurz FE“)
Die Präferenz zum Fühlen macht sich in der zweiten Funktion, dem extrovertierten Fühlen, kurz FE deutlich. So sind die Regeln und Sitten, die der ISFJ sowohl sich selbst, als auch häufig anderen auferlegt, stets darauf aus, dass sich jeder wohl fühlen kann. Ein reflektierter ISFJ berücksichtigt dabei auch die Tatsache, dass sein Empfinden dabei nicht das Maß der Dinge ist. Wenn zB ein ISFJ, der liebend gern Steak ist, mit einer Gruppe nach einem gemeinsamen Restaurant sucht, wird er seinen Wunsch in ein von ihm sehr geschätztes indisches Restaurant zu gehen, sicherlich nach hinten stellen, wenn sich dabei heraus stellt, dass jemand aus der Gruppe kein Indisch mag. Zum Beispiel ein anderer ISFJ, der schon einmal indisch essen war, das Essen grauenhaft schmeckte und er damit diesen kulinarischen Sektor bereits mit seinem SI bewertet hat. Selbst, wenn sie anderer Meinung sind, halten sich ISFJs allerdings aufgrund ihrer eher vorsichtigen, skeptischen Natur zurück und vermeiden Diskussionen, die aufgrund ihrer FE-Präferenz, die darum bemüht ist, Harmonie zu schaffen und zu bewahren, sehr anstrengend für sie sein können. Sollte es jedoch notwendig sein, so kann man sich darauf einlassen, dass ein ISFJ seine Argumente mittels seines analytischen Denkens (TI) und präziser Aufzählung von Fakten (SI) ein fähiger Diskussionspartner sein kann.

Notwendigkeit entsteht vor allem dann, wenn die Werte, die ein ISFJ als heilig ansieht, angegriffen werden. Welche Werte das sind, wird typischerweise durch das äußere Umfeld bestimmt. Extrovertiertes Fühlen beobachtet wie gesagt scharf die emotionale Umgebung und daher ist ein ISFJ sehr aufmerksam, wenn es darum geht, zu erkennen, wie andere Menschen reagieren. So habe ich beispielsweise beobachten können, dass eine langjährige Freundin von mir, eine ISFJ, die mit Videospielen eigentlich gar nichts abgewinnen kann, sich dennoch auf mehrere gemeinsame Runden Prügelspiele an der Konsole eingelassen hat, da jeder andere anwesende im Freundeskreis seinen Spaß daran hatte. Tatsächlich machte ihr das letztlich (zumindest dem Anschein nach) auch Spaß und sie wurde sogar recht gut darin. Hier liegt die Krux an der ganzen Sache: das eher unterdrückte extrovertierte Intuieren (NE), die vierte Funktion, will tendenziell neue Erfahrungen machen, die dann ebenfalls bewertet und einsortiert werden können, aber durch die konservative Skepsis muss sich der ISFJ genau so wie der ISTJ erst aktiv dazu überwinden. Wenn der Punkt jedoch erreicht ist, kann eine geradezu kindhafte Freude am Neuen geweckt werden, die man vom eher ruhigen Naturell des ISFJs gar nicht gewohnt ist. Es dürfte klar sein, dass dies so gut wie nie außerhalb eines geschützten sozialen Rahmens passiert, weshalb es für den ISFJ umso wichtiger ist, dass er ein stabiles Familienumfeld und gute Freunde hat.

Fazit & Beispiele
Um das zu gewährleisten gibt der ISFJ häufig einen Teil seiner eigenen Identität auf – das gemeinschaftliche Wohl steht über dem individuellen, wenn es keine offensichtliche Alternative gibt. Das mag den Anschein wecken, dass ISFJs häufig Mitläufer sind, jedoch muss man beachten, dass sie auch nur so lange mit dem Strom schwimmen, bis die Meinung der Masse von ihrer eigenen abweicht. Nicht selten entwickelt ein ISFJ daher erst mit steigendem Alter deutlich traditionelle und konservative Züge, da die Werte, für die er einsteht zunächst noch gebildet werden müssen – und die Zeit, in der das passiert ist, mit den Leuten, die ihm zu dem Zeitpunkt wichtig waren, werden ihm stets eine wichtige Erinnerung und Prägung bleiben.

Demnach lässt sich ableiten, dass ISFJler wohl zu den loyalsten der 16 Typen gehören, für die Verbindlichkeit und Bodenständigkeit enorm wichtig sind. Aufgrund ihrer nach außen fühlenden Tendenz sind sie extrem aufopferungsbereit, allerdings tut man gut daran, sich für die Unterstützung eines ISFJs auch dankbar zu zeigen oder ihm klar deutlich zu machen, dass seine Hilfe nicht benötigt wird, aber man das Angebot schätzt. Damit zeigt man, dass man den ISFJ, der sehr sensibel gegenüber der Meinung anderer sein kann und sich dementsprechend auch zum Selbstschutz ab und an isoliert, auch wirklich wahrnimmt und achtet. Jeder braucht Anerkennung und besonders jene, die so viel für die Allgemeinschaft tun (die meisten Menschen, die in der Pflege arbeiten, sind ISFJs), verdienen sie auch.

Hier einige Beispiele von mehr oder weniger bekannten Personen aus Fiktion und der realen Welt:

  • Mutter Theresa (Heiliggesprochene Nonne)
  • Fluttershy (My Little Pony)
  • Kate Middleton (Britische Herzogin, Gattin von Prince William)
  • Sansa Stark (Game of Thrones)
  •  Jorah Mormont (Game of Thrones)
  • Chewbacca… glaube ich zumindest… (Star Wars)
  • John Watson (BBC’s Sherlock)
  • Night Owl (Alan Moore’s Watchmen)
  • Triss Merigold (Die Hexer-Saga)
  • Maid Marian (Disney’s Robin Hood)
  • Jerry Gergich (Parks & Recreation)
  • Ann Perkins (Parks & Recreation)

ENFJ – Der Anführer

Allgemeine Beschreibung & Klischees
Warum eigentlich immer die Klischees am Anfang, wenn so viele doch einfach total übertrieben sind? Weil man sich dann ein besseres Bild machen kann, da es beim Thema Typologie ja um Tendenzen geht. Die Klischees treffen also nicht alle unbedingt zu, sondern geben nur eine Vorstellung von dem, wie man diesen Typ oft wahrnimmt, nicht, wie er tatsächlich ist. Warum schreibe ich das ausgerechnet beim ENFJ? Weil dieser Typ die Tendenz hat, sich schnell angegriffen zu fühlen 🙂

Stereotypische ENFJs sind ständig beschäftigt, wollen 24/7 helfen, wenn es nach ihnen gänge sogar 25/8, sind dabei gleichzeitig ständig gut gelaunt, fröhlich und lieben alles und jeden – da das allerdings unrealistisch ist, wird ihnen gleichzeitig zugesprochen, dass sie bloß ausgesprochen gute Schauspieler sind, hinzu kommt noch das Bild vom Workaholic und dem Kontrollfreak. Solange, bis man mal wieder jemanden braucht, der einen aufpeppelt, den Glauben an die Menschheit und sich selbst wiederherstellt und sagt, wo’s langgeht. Dann sind ENFJs nämlich wieder die großen Vorbilder der gesamten Menschheit. Klingt das anstrengend? Ja? Ich bin so froh, kein ENFJ zu sein… aber ich bin froh, dass es sie gibt. Fangen wir an, zu verstehen, wie sie tendenziell (!!!!!1111einseinself) über die Welt urteilen und sie wahrnehmen.

Erste Funktion – Extrovertiertes Fühlen („Feeling Extroverted, kurz FE“)
Extrovertiertes Fühlen ist die erste Funktion, das heißt, der ENFJ hat einen hoch entwickelten Draht zur Stimmung seiner Mitmenschen um ihn herum. Während jemand mit niedrig entwickeltem FE vielleicht geradeso wahrnimmt, dass jemand traurig ist, weil er oder sie anfängt zu weinen, bemerken ENFJs die emotionale Gefühlslage schon an den kleinsten Nuancen in ihrer Stimme, Mimik und Haltung. Die dritte Funktion, das extrovertierte Empfinden (SE), welches dafür zuständig ist, die unmittelbare physische Welt wahrzunehmen, leistet dabei auch enorme Hilfe und ist möglicherweise der Grund, weshalb eher ENFJs den Ruf als Menschenkenner und „Hobbytherapeuten“ innehaben, denn ESFJs, die zwar ebenfalls ein ausgeprägtes FE haben, aber eher als gute Gastgeber und Versorger bekannt sind. Beide Typen teilen auch einen starken Gemeinschaftsdrang. Nach dem Motto „gemeinsam sind wir stark“, aber eigentlich auch „gemeinsam macht es einfach mehr Spaß“, suchen ENFJs aktiv nach der Gesellschaft anderer Menschen. Mal davon abgesehen, dass ENFJs in der Regel Philanthropen sind, die grundsätzlich zunächst einmal das Gute in ihren Mitmenschen sehen (oder danach suchen), hat das auch ganz praktische Gründe: gemeinsam erreicht man mehr. Und als Idealist ist es dem ENFJ auch wichtig, gemeinsam gesellschaftliche Basen zu errichten, in denen sich jeder wohlfühlen und entfalten kann. Um die (meist hochgestecken) Ziele zu erreichen, ist der ENFJ auch gewillt, einen Großteil seiner Zeit zu opfern, Unmengen von Energie einzubringen und unermüdlich weiter zu machen, selbst, wenn die Umstände noch so düster aussehen.

Hier liegt neben der großen Stärke allerdings auch eine Schwäche: der ENFJ hat diese hohen Erwartungen nicht nur an sich, sondern leider auch häufig an seine Mitmenschen. Es ist eine Sache, wenn er sich selbst völlig verausgabt, eine andere, wenn er auch von seinen Unterstützern verlangt – selbst, wenn das Ziel noch so edel und selbstlos ist. ENFJs wird auch öfters nachgesagt, manipulative und intrigante Züge zu haben. In der Tat haben sie ein Händchen dafür, nicht nur die Stimmung ihrer Mitmenschen zu erkennen, sondern sie auch aktiv zu beeinflussen, was sich alleine darin zeigt, dass ENFJs oft als sehr charmant und charismatisch empfunden werden. Dadurch ist es zwar möglich, schnell viele Mitmenschen auf „ihre Seite“, bzw zu „ihrer Sache“ zu bewegen, aber eine andere, nachhaltige Überzeugung zu schaffen, die ihnen selbst innewohnt. Glücklicherweise haben ENFJs auch eine analytische Seite, wenngleich diese als vierte Funktion relativ schwach ausgeprägt ist: das introvertierte Denken (TI). TI versucht die Dinge unpersönlich zu verstehen und einordnen zu können. Das ist allerdings schwer möglich, wenn sich der ENFJ zeitgleich in seinem aktiven „extrovertierten“ Modus befindet. ENFJs haben trotz ihrem Ruf als Powerbündel auch ein starkes Bedürfnis, sich für gewisse Zeiträume zurückzuziehen – und das ist auch gut so. Denn bei so viel „emotionalem Vorwärtsdenken“ ist es auch wichtig, immer wieder die Richtung zu justieren.

Zweite Funktion – Introvertiertes Intuieren („Intuition Introverted, kurz NI“)
Dazu ist auch das introvertierte Intuieren zuständig, das den Blick aufs ihrer Meinung nach Wesentliche richtet. Ihre zweite Funktion bringt vor allem das Visionäre im ENFJ heraus. Da das introvertierte Intuieren eher darauf fixiert ist, was sein könnte, denn auf das, was tatsächlich ist, lässt sich leicht erklären, weshalb ENFJs stets als Idealisten wahrgenommen werden und sich wahrscheinlich auch selbst als solche wahrnehmen. Diese Funktion ermöglicht es ihnen, Zukunftspläne zu vergegenwärtigen und ist gleichzeitig ein Antrieb für sie. Viele Aktivisten, wie Nelson Mandela oder Martin Luther King sind gute Beispiele, wie eine Vision durch Menschen, die nur stark genug daran glauben, Gestalt annehmen kann. Glaube ist ohnehin ein starkes Leitthema in der Persönlichkeit des ENFJs. Es muss nicht mal der Glaube im religiösen Kontext sein (wobei ich anmerken möchte, dass viele Leiter von Glaubensgemeinschaften ENFJs sind), sondern der Glaube daran, dass Ideale nicht nur im Kopf stattfinden, sondern auch Wirklichkeit werden können. Dieser Optimismus kann durchaus ansteckend sein und gepaart mit ihrer ersten Funktion, FE, ist es nicht verwunderlich, dass ENFJs häufig gute Mentoren und Anführer abgeben. Der gerade angesprochene Glaube zeigt sich auch in einer starken Affinität zu Symbolen. Ein ENFJ liest nicht nur im zwischenmenschlichen Kontext zwischen den Zeilen, sondern tut das auch in anderen Belangen. So haben zum Beispiel Träume für viele ENFJs eine höhere Bedeutung und sie suchen in Büchern, Filmen, Bildern und Musik nach einer tieferen Botschaft. Trotz ihrer sehr aktiven und energisch-fröhlichen Art, haben sie in dieser Hinsicht eine sehr sensible Seite, die sie Aufmerksam für Dinge, oder eher für Gedanken macht, die anderen nicht mal kommen.

Anders als die meisten INFJs, bei denen das introvertierte Intuieren noch stärker ausgeprägt ist, grenzen sich ENFJs allerdings selten für längere Zeit ab. Sowohl ihr extrovertiertes Fühlen, das ihnen das Bedürfnis nach Umgang mit anderen Menschen beschert, als auch das extrovertierte Empfinden, das einen Drang weckt, die physische Welt zu erleben, lässt sie nach einer Weile der Ruhe schnell wieder ausbrechen. Auch wenn gerade genannter Drang eher schwächer und unterbewusst ausgeprägt ist, ist er doch vorhanden und zeigt sich beispielsweise im Umgang mit anderen Menschen. Während zum Beispiel INFJs trotz der Wärme, die sie ebenfalls ausstrahlen eher zurückhaltend und tendenziell vorsichtig sind, sind ENFJs geradezu ein Inbegriff der Herzlichkeit – und dass die wenigsten von ihnen Scheu vor der physischen Welt haben, zeigt sich auch darin, dass sie den Kontakt auch körperlich zu ihren Mitmenschen aufbauen, indem sie zum Beispiel gerne und oft umarmen oder ihren Gesprächspartnern an Arm oder Schulter berühren. Es ist schon amüsant, dass solch gesellige Menschenkenner oft nicht merken, dass es auch Leute gibt, die sich dadurch in ihrer Privatsphäre beschnitten fühlen. Entweder das oder sie sind der Meinung, dass man so andere aus ihrem „Schneckenhaus“ bringen kann. Wer weiß.

Fazit & Beispiele
ENFJs sind vor allem eines: leidenschaftlich, vor allem für ihre Mitnenschen. Ob es nun die eigene Sportmannschaft ist, die politische Partei oder die Dorfgemeinschaft, man kann sich darauf verlassen, dass ein ENFJ dort, wo er aktiv wird, auch ernst an die Sache geht. Dabei muss er nur darauf achten, nicht alles so ernst zu nehmen – weder sich selbst, seine Mitmenschen oder die Umstände. Das kann sonst häufig dazu führen, dass selbst die kleinste Kritik, sei sie nun von außen oder von innen in Form von Zweifel, zu einer richtigen Krise führen kann. Zudem ist selbst die Energie eines ENFJ irgendwann einmal aufgebraucht und dann tut dieser Typ gut daran, mal nicht alles durchplanen zu wollen und auch anderen wenigstens zeitweise das Steuer zu überreichen. Für einen idealistischen Typen, können ENFJs nämlich auch gute Genießer sein und so ist es hin und wieder auch ganz entspannend, sich den ruhigeren Seiten des Lebens zu widmen und zu sehen, dass die Welt nicht untergeht, wenn man sich eine kurze Auszeit von den selbst auferlegten Pflichten nimmt.

Hier ein paar Beispielpersonen, die meiner Meinung nach dem ENFJ-Typen angehören:

  • Martin Luther King (Zivilrechtaktivist)
  • Margaery Tyrell (Game of Thrones)
  • Obi-Wan Kenobi (Star Wars)
  • Leslie Knope (Parks & Recreation)
  • Nelson Mandela (Zivilrechtaktivist / Präsident Südafrikas)
  • Oprah Winfrey (Talkshow Moderatorin)
  • Dr. Neil deGrasse Tyson (Wissenschaftler)
  • Rarity (My Little Pony)
  • Hans (Frozen)

ESFP – Der Partylöwe

Allgemeine Beschreibung & Klischees
Sie sind einerseits energiegeladene Stimmungsbomben und gleichzeitig scheinen sie manchmal die einzigen Menschen zu sein, die das Geheimnis, sich mal so richtig entspannen zu können, enthüllt haben. Dabei gelten sie zum einen als die unterhaltsamsten Spaßmacher und andererseits als die penetrantesten Nervensägen. Als unglaublich scharfsinnig und seltsamerweise auch als oberflächlich und einfach gestrickt. Was denn jetzt?

Versuchen wir mit dieser Analyse herauszufinden, woher all diese Widersprüche stammen und wie der Typ „ESFP“ sich erklären lässt.

Fangen wir mit den vier Lettern an. „E“ steht für extrovertiert, was bei keinem Typ so heraussticht, wie dem ESFP. Sie haben keine Angst vor fremden Menschen, neue Erfahrungen locken sie und sie sagen stets das, was sie gerade auf dem Herzen haben. „Was sie auf dem Herzen haben“ war die beabsichtigte Wortwahl, denn sie sind Fühler. Sie gehen danach, was sich richtig für sie anfühlt, nicht nach dem, was die Welt mit ihren Gesetzen und Regeln ihnen sagt, was man auch in ihrer laissez-fairen P-Präferenz erkennen kann: sie leben in den Tag hinein und schauen, was er so bringen wird, halten sich die Optionen offen, weil sie auf keinen Fall etwas verpassen wollen, indem sie sich an langweilige Pläne halten. Und das „S“ steht für „Sensing“, bedeutet, sie sind sensorische Menschen, die im Hier und Jetzt leben – das Leben findet in dieser Sekunde statt. Die Vergangenheit ist passé und wenn man sich auf die Zukunft fixiert, geht einem die Gegenwart flöten. Gehen wir am besten gleich genauer auf dieses „Sensing“ ein…

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ESTJ – Der Aufseher

Allgemeine Beschreibung & Klischees
ESTJs gelten als konservative Leistungsmenschen,  die sich akribisch an Regeln und Vorschriften halten, als Workaholics, die ihre Selbstkritik auch auf andere übertragen, man achtet sie als treue Seelen, Bewahrer von Traditionen, Loyalisten und verachtet sie als oberflächliche Wichtigtuer und paranoide Geizkragen. Was ist wahr daran? Wo verstehen wir sie (oder sie selbst sich) falsch? Diese Typenbeschreibung soll etwas Licht ins Dunkel bringen und erörtern, wie Wahrnehmung und Urteil dieses Typs zusammenarbeiten und sich von anderen unterscheidet.

Zunächst schauen wir uns an, was „ESTJ“ überhaupt bedeutet: „E“ es steht für extrovertiert, das heißt, er hat wenig Scheu vor anderen Menschen und braucht nicht so viel Zeit für sich alleine, wie Introverten, um sich geistig zu erholen. „S“ steht für „Sensing“, also „empfindend“ – er nimmt die Welt nüchtern mit seinen Sinnen wahr, so wie sie ist und kann als knallharter Pragmatiker mit verträumten Gedankenspielereien weniger anfangen. „T“ steht für „Thinking“, auf deutsch „denkend“, was ihn als jemanden kennzeichnet, der versucht, Entscheidungen eher unpersönlich und objektiv zu treffen, während „J“ = „Judging“, also „urteilend“ ihn zu den Typen erklärt, die klare Vorstellungen von der Welt, wie sie ist und wie sie sein sollte haben, anders, als die eher alles anzweifelnden P-Typen.

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