Wiedergeburt (Teil 3/3)

(Letzte Woche gab’s nichts, deshalb heute ein bisschen mehr… viel Spaß beim Abschluss der Geschichte!)

„Haut ab, ihr Idioten“, brummte Khyosei und Tsura konnte sich einen leisen Seufzer nicht verkneifen. Ein Wort, eine Geste von Khyosei und das hätte soeben sein letzter Atemzug gewesen sein können.
„Ich habe alles unter Kontrolle“, brummte der Hüne.
Der Druck an Tsuras Nacken ließ nach, doch davon abgesehen rührten sich die Räuber nicht.
„Wenn ihr noch einmal frei und ohne meinen direkten Anweisungen eingreift“, fuhr Khyosei mit leiser, aber scharfer Stimme fort. „Dann werde ich eure Herzen ausreißen, und mit den Hunden ein Festmahl zu mir nehmen!“
„Wie ihr befehlt!“, rief der Ninjatoträger mit militärischem Zack, doch es schwang auch etwas Unsicherheit in der Stimme mit. Tsura spürte, wie er schließlich das Stahl von seinem Hals entfernte. Dann vernahm er hinter sich Schritte, die sich von ihnen entfernten. Er ging davon aus, nur noch mit Khyosei auf der Straße zu sein, der seinen Kopf schüttelte.

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Wiedergeburt (Teil 2/3)

Die Prachtstraße von Shi-Zei war die einzige Straße, die durch und durch sauber war, nicht stank und durch die schönsten Häuser der Stadt oder zumindest dessen Frontfassaden geziert wurde. Auf eben jener Straße ging Khyosei mit gefesselten Händen vor Tsura Shin her, welcher, die linke Hand an der Schulter des Verbrechers, die andere am Knauf seines Schwertes. Khyosei hatte sich nicht gewehrt, als der im Vergleich zu ihm geradezu schmächtige Tsura ihm die Handfesseln angelegt hatte. Zuvor hatte er seine Kameraden angewiesen, die Stadt zu verlassen, mit der Begründung, er könne nicht für ihre Freiheit garantieren, aber da war etwas in Khyoseis Stimme, das Tsura hellhörig werden ließ. Der Schattengardist hatte einen Grund, weshalb er den Umweg zur Prachtstraße in Kauf genommen hatte – die Straßen hier waren selbst in der Nacht beleuchtet und durch Wachleute geschützt. Man konnte in dem dichten Nebel zwar keine zwanzig Schritte weit sehen, abgesehen von dem dämmrigen Licht der nächsten Straßenlaterne und daher schien selbst die Sicherheit der großen, breiten Straße trügerisch, aber bei jedem anderen Weg wären Tsura und sein Gefangener höchstwahrscheinlich gefährlichen Kriminellen über den Weg gelaufen. Und nicht einmal zwangsläufig Leuten von Khyosei.

Beide schwiegen den Weg über, Khyosei, der in stoischer Ruhe mit dem Blick sicheren Schrittes weiterging und Tsura, der vorsichtig in jeden Gasseneingang spähte, ab und an anhielt, wenn er entfernte Schritte hörte oder eine Person – bislang zu seinem Glück nur Einheiten der Garde – aus dem Nebel traten.

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Wiedergeburt (Teil 1/3)

Als Tsura Shin die Türe zum Gasthaus öffnete, kam ihm ein Schwall von Gestank entgegen. Alkohol, Schweiß, Fett und – es konnte auch noch von der Straße kommen – Pisse. An jedem der runden Tische waren alle Stühle besetzt, teilweise teilten sich auch die Dirnen einen mit den Tagelöhnern in ihren zerschlissenen Gewändern. Als Schattengardist  passte Tsura zwar nicht in diese Gesellschaft – niemand tat das, der hier ein anständiges paar Stiefel und einen eleganten Mantel tragen würde, aber durch die dunkle Farbe seiner Kleidung, stach er auch nicht aus der Menge heraus –
alles war hier grau, braun oder schwarz.
Tsura ging auf die Schankmagd, ein junges, knochiges Ding mit verschwitztem, schmalen Gesicht zu und hob fragend die Augenbraue. Er war sich kaum sicher, ob sie ihn überhaupt registriert hatte, aber sie machte eine knappe Kopfbewegung, mit der sie auf einen Nebenraum deutete. Ohne zu zögern bog Tsura nach links ab, schob den vergilbten Stoffvorhang zur Seite und betrat den Nebenraum.

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Donnel Drumpf & die Truhe des Bösen (Teil 1)

Kao wischte sich seufzend das Blut von der Klinge. Er hatte ein schlechtes Gewissen, dass es ihm schon fast Spaß gemacht hatte, die Gewerkschafter niederzumähen. Doch irgendwo im Gefecht begann bei ihm stets der Punkt, an dem er sich gehen ließ und die Bedeutung seiner Taten irgendwo in den Hinterkopf seines Meerschweinchenschädels zurückgedrängt wurden, während (etwas weiter vorne im Kopf) plötzlich bunte Clowns zu pulsierender Musik und rot blinkendem Licht „Töten! Töten!“ riefen und dazu atemberaubende Breakdance-Einlagen vollführten. Es war wie mit einer durchzechten Nacht. Zunächst hatte man Spaß, danach war das Gefühl der Reue da und der Mageninhalt war auf dem Boden verteilt. Nur war es nicht Kaos Mageninhalt. Und nicht nur der Inhalt. Er steckte sein Langschwert zurück in die Scheide und wandte sich schweren Herzens von der Fabrik ab.

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Abenteuer mit Drumpf! (Teil 6)

Es knarzte zuerst leise und kaum wahrnehmbar, doch das Geräusch entwickelte sich langsam, aber stetig zu einem klagendem Ächzen von Metall. Und während Kaos Magen sich ungefähr genau so verzog, wie die Angeln der Eingangstüre, wurde Donnels Lächeln immer breiter.
„So hat er sich das bestimmt nicht vorgestellt, der gute Mister Iks… jeden Moment müssten wir frei sein.“
Mitnichten. Denn als das Tor schließlich aus den Angeln gehoben wurde, Donnel die Beammaschinerie ausschaltete und die Luke öffnete, sah er unter sich eine Grube, gefüllt mit toten, nackten Leibern.
„Dieses Abenteuer wird ja immer besser“, jammerte das Meerschweinchen, das nun auch in den fleischigen Abgrund hinuntersah. „Boss, willst du da jetzt wirklich runter?“
„Gegenfrage, mein guter Kao – willst du hier oben versauern? Ich werde mich jetzt jedenfalls nacht unten wühlen. Aber wenn du nicht willst, dann schicke ich meinem tapferen Leibwächter gerne Hilfe zu, sobald ich mich um das Problem mit meinem verrückten Angestelten gekümmert habe.“
Kao massierte sich die Nagerschläfen und seufzte, als Donnel die Luke hinunterstieg. Es war ein merkwürdiger Anblick, wie dieser sich zwischen den Leibern nach unten wühlte.
„Na großartig“, murmelte Kao und kletterte hinterher.
Sie hatten beide vergessen, dass sich die Schließmuskeln und Blasen von Menschen – egal ob mit oder ohne Antenne nach dem Tod entspannten. Als sie schließlich vor dem Turm ankamen, versprachen sie sich gegenseitig nie wieder von diesem Ereignis zu sprechen.

Nach einem Bad in Rabensburg, das sie sehr dringend nötig hatten, trafen sich Donnel und Kao wieder im Schankraum des Gasthauses, das sie für die Nacht gebucht hatten.
„Boss… ich will mich ja nicht beschweren, aber ich muss schon sagen, ich bin etwas verwundert darüber, dass wir nicht sofort aufbrechen und versuchen, den Kerl dingfest zu machen. Er wollte doch alle Beammaschinerien zerstören, sagte er!“
Donnel, der während das Meerschweinchen sprach, eine Karte studierte, sah Kao nicht einmal an, als er antwortete.
„Das ist richtig…“, murmelte er.
„Vielleicht sollte er das auch!“, quiekte Kao empört. „Ob aus einer anderen Dimension oder nicht, das sind Menschen! Oder zumindest fühlende Lebewesen, die ebenfalls Schmerz empfinden können! Es… ist falsch sie zu essen…“
Donnel legte die Karte beiseite und sah nachdenklich aus dem Fenster hinaus.
„Ja, irgendwo hast du Recht“, pflichtete er seinem treuen Begleiter bei. „Vielleicht sollte er das auch. Aber wir haben doch beide dabei übereinstimmt, dass Fleisch einfach viel zu lecker ist, als dass man komplett darauf verzichten sollte, richtig?“
Kaos Mund zuckte unruhig. Die Frage behagte ihm nicht.
„Naja“, murmelte Kao. „Ja, schon… aber man sollte es nicht einfach so essen. Es sollte nichts vollkommen Gewöhnliches sein.“
„Ja, da muss ich dir zustimmen. Aber wie gelingt es uns, dieses Bewusstsein bei all den Konsumenten hervorzurufen?“
„Indem man ihnen verbietet, öfters als einmal in der Woche Fleisch zu essen? Vielleicht nur an Feiertagen?“
„Ach du meine Güte, Kao!“, rief Donnel schockiert. „Willst du denn die Freiheit des Volkes einschränken? Bist du des Wahnsinns?“
„Aber es wäre doch das Richtige!“
„Wo bleibt denn deine Moral? Der Weg zum Ziel muss genauso richtig sein, sonst ist das Richtige am Ende nicht mehr… ach, du weißt, was ich meine. Ich habe eine viel bessere Idee. Man erhöht den Preis für Fleisch.“
Kaos Miene erhellte sich.
„Ja, gute Idee! Dann essen sie das nicht mehr so häufig!“
„Genau!“
„Aber… die Konkurrenz?“
„Kaufen wir auf. Mister Iks hat nur einen geringen Vorsprung, außerdem sind wir zu zweit. Wir werden uns trennen und den nächsten Besitzern der Beammaschinerie ein unschlagbares Angebot unterbieten. Eines, bei dem sie denken würden, ich hätte völlig den Verstand verloren.“
Kao rümpfte die Nase.
„Und die anderen Beammaschinerien lässt du absichtlich von Mister Iks zerstören?“
Donnel konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen.
„Aber Boss! Das ist nicht unbedingt das, was ich mir unter Selbstlosigkeit vorgestellt habe!“
„Ich würde mir ja auch wünschen, dass es anders funktionieren würde, den Fleischkonsum einzudämmen. Aber fällt dir eine bessere Idee ein? Du warst doch erst derjenige, der mich dazu ermutigt hat, dafür einzustehen!“
Kao bekam Kopfschmerzen und stimmte Donnels Plan schließlich zu.

Drei Monate später ist Mister Iks schließlich bei einem schrecklichen Unfall ums Leben gekommen. Er ist von einem Turm gestürzt und hat sich dabei den Hals so sehr gebrochen, dass der Kopf dadurch, so glatt und sauber wie durch einen Schwerthieb vom Hals getrennt wurde. Natürlich fand das niemand komisch, denn die Fußballweltmeisterschaft fanden im Finale Vereinte Nationen der Meerjungfrauen gegen Kap Talis ihren Höhepunkt und da war fast überhaupt nichts komisch, weil man sich für überhaupt nichts anderes mehr interessierte. Auch nicht, dass etwa zum Zeitpunkt, an dem die Achtelfinalespiele begannen, plötzlich viele Beammaschinerien zerstört wurden, aber deren Existenz war ja den meisten Leuten ohnehin unbekannt. Seltsam fanden die Leute bloß, dass die Fleischpreise enorm stiegen. Die ganze Branche schien zu kollabieren und selbst die erfolgreiche Franchisekette MacMäntsch wurde aufgekauft von einem anderen Unternehmen, welches sich MacDonnels nannte.
Kao und vor allem Donnel waren sehr zufrieden, denn der Fleischkonsum ging tatsächlich sehr stark zurück, doch die Gewinne stiegen ins Astronomische, dass Donnel seinem Leibwächter eine satte Gehaltserhöhung gönnte. Immerhin waren die Preise für dessen Lieblingsgericht entsprechend gestiegen. So kam es, dass die beiden sich beim Verzehr von Hamburger-Burger über ihr nächstes Abenteuer unterhielten.

Abenteuer mit Drumpf! (Teil 5)

„Ein moralisches Grauen! Tagein, Tagaus purzeln unschuldige Menschen aus diesen Maschinen!“, wetterte Mister Iks.
„Sie haben keine Antennen, sie sind keine Menschen“, korrigierte Donnel.
„Na schön! Lebewesen! Kreaturen, die fühlen können! Die Empfindsam für Angst und Schmerzen sind!“
Die Stimme des Mannes überschlug sich. „Und wir TÖTEN sie, verspeisen sie! Mit welcher Berechtigung tun wir das, hä?“
„Sie fallen doch schon tot aus der Maschine, regt euch nicht so sehr darüber auf. Wer seid ihr überhaupt?“
„Nein, sie sterben dadurch, dass wir die Maschine benutzen!“, kreischte der Mann. „Und ich, Mister Iks, der so viel Schuld auf sich genommen hat, diese katzulischen Maschinen im Schuss zu halten, habe endlich einen Weg gefunden, diesn Makel abzuschalten!“
„Mister Iks! Aber… ich verstehe nicht! Ihr bekommt doch einen Batzen Geld als Gehalt!“
„Geld, pah!“, schnaubte Mister Iks verächtlich. „Damit kann man vieles zufrieden stellen, aber nicht das Gewissen!“

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Abenteuer mit Drumpf! (Teil 4)

Donnel klopfte an der Holztür des großen, finsteren Steinhauses. Es war nicht allzu schwierig gewesen, Mister Iks‘ Wohnung im Aristokratenviertel zu finden, blöd nur, dass ihr Besitzer nicht öffnete.
„Das ist ja merkwürdig…“, brummte Kao. „Niemand daheim?“
„Gut so! Dann ist er wohl arbeiten, so wie es sein sollte. Ich sollte nicht immer so misstrauisch sein und meinen Angestellten Faulheit vorwerfen.“
Kao sah kurz zu Donnel hoch und nickte zustimmend.
„Dann sollten wir wohl diese Beammaschinerie aufsuchen“, schlug das Meerschweinchen vor. „Was hat es eigentlich mit damit auf sich? Ich habe noch nie etwas davon gehört.“
Donnel klopfte noch einmal an, um sicherzugehen.
„Na, was gibt es da groß zu erzählen? Aus dem Beamapparat fällt das Fleisch heraus und es wird nach…“
„Da fallen Menschen heraus!“, unterbrach ihn Kao. „Und die sterben dann? Einfach so?“
„Ja“, antwortete Donnel knapp. „Ach, weißt du was? Du hast Recht. Hier ist niemand. Gehen wir.“
Kao ließ aber nicht vom Thema ab, als er Donnel hinterher hüpfte.
„Das hört sich aber nicht sehr… wissenschaftlich an! Wie funktioniert das denn?“
„Naja, mittels Beamtechnologie!“
„Und wie funktioniert die?“
„Soll ich denn alles wissen?“, antwortete Donnel gereizt. „Ich bin zwar Experte für eine ganze Menge, aber ich kann nicht von allem eine Ahnung haben. Deshalb suchen wir ja Mister Iks oder etwa nicht?“
Kao verzog seine Äuglein zu Schlitzen.
„Da ist aber keine… Magie im Spiel, oder, Boss?“
Donnel sah seinen Leibwächter gar nicht an, während sie sich in Richtung Steckenpferd-Stallung bewegten.
„Nein, nein.“
„Boss?“
„Nein! Und jetzt halt endlich die Klappe, du tanzendes Wollknäuel!“
„Tut mir leid“, gab Kao kleinlaut zurück. Weil Donnel und er eine eher kumpelhafte Beziehung hatten, vergaß er manchmal, professionell zu sein und keine Fragen zu stellen. Aber ein ungutes Gefühl blieb – jetzt erst recht.

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Abenteuer mit Drumpf! (Teil 3)

„Ich glaub‘, ich werd‘ nicht mehr! Kao! Unser Essen hat uns angegriffen!“
„Unser Essen?“, Kao sah zunächst Donnel und danach die toten Nackten verwirrt an. „Das… sind doch Menschen!“
Donnel rollte mit den Augen.
„Also ist es wahr, was die ganzen Verschwörungstheoretiker sagen?“
„Ja natürlich ist es wahr!“, antwortete Donnel. „Was glaubst du denn, von wo wir unser Fleisch bekommen?“
Kao kratzte sich am Kopf.
„Aus… dem Supermarkt?“
„Und woher bekommt der Supermarkt das Fleisch?“
„Äh… um so viele Ecken habe ich noch nie gedacht, Boss…“
„Ach Kao, das ist doch nur eine Ecke.“

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Abenteuer mit Drumpf! (Teil 1)

Donnel biss mit Elan in den Krautburger, dass das Fett nur so herausspritzte und sich auf seinem neuen, goldbestickten, langen grünen Gewand verteilte, welches ihm Mutter erst vor Kurzem zu seinem dreiunddreißigsten Geburtstag geschenkt hatte. Jetzt hatte er genau fünfzehn grüne, goldbestickte Gewänder. Mutter sagte immer, sie würden so gut zu seiner blonden Lockenpracht und den grünen Augen passen. Mutter sagte eine ganze Menge. Auch, dass er kleinere Bissen nehmen solle, da er sonst noch irgendwann an seinem Essen ersticken würde. Donnel grinste in sich hinein, als er einen weiteren Happen nahm und sich seine vollgefetteten Hände an der Kleidung abrieb. Ersticken, das wäre wohl die unwahrscheinlichste Todesursache, wegen der er ins Gras beißen würde. Wenn er nicht durch das Schwert, einen Armbrustbolzen, Untote oder Killerroboter umkommen würde, dann würde ihn diese vermaledeite Krankheit letztlich holen. An einem Krautburger ersticken, pah. Donnel schob sich den Rest seiner Mahlzeit in den Rachen und stand auf.

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Nächtlicher Besuch

Ermittler Jarvel schloss leise die Holztüre, durch die er gekommen war und sah sich verstohlen um. Die Kerze auf dem Holztisch im Erker, sowie das Licht, das unter der Türe zum Badezimmer durchstrahlte, waren die einzigen Lichtquellen im Wohnzimmer. Auf leisen Sohlen schlich er auf das Bad zu, der rote Teppich mit den goldenen Stickereien von Löwen und Schwertern dämpften seine Schritte.
Ein Lächeln huschte über das Gesicht des Ermittlers, denn diese Stickereien waren Symbole der Rondra, der Göttin des Krieges.
Es tut mir leid, göttliche Leuin, murmelte Jarvel. Ich weiß, du verabscheust Heimlichtuerei, aber es bietet sich einfach an, auf diesem Teppich zu schleichen.
Vor dem Badezimmer angekommen, presste Jarvel sein grobes, unrasiertes Gesicht an die Türe und spähte durch das Schlüsselloch. Er verspürte keine Scham mehr, als er zusah, wie die Herrin des Hauses sich vor dem Badezuber entkleidete, nur Herzrasen und ein Aufbegehren im Lendenbereich. Die Scham würde später kommen, das wusste Jarvel, aber es kümmerte ihn nicht. Er würde sie mit seinen Gedanken wieder tot argumentieren.
Seit ich nach Menzheim stationiert wurde, um diese mysteriösen Mordfälle aufzuklären, habe ich einfach keine Zeit mehr für ein Privatleben, würde er sich einreden oder
Ich kenne andere in meinem Berufsfeld, die sich der Flasche ergeben, immerhin funktioniert mein Verstand noch!

Als die Schlafstörungen angefangen haben, hatte Jarvel begonnen, nächtliche Spaziergänge durch die Straßen zu unternehmen, in der Hoffnung, dabei eventuell eine heiße Spur des Mörders zu finden, der in Menzheim und der Umgebung mittlerweile schon für fünf blutleere Leichen mit Kehlenschnitt verantwortlich war. Oh, und er hat etwas entdeckt: den Bäckerslehring zwischen den Beinen der Frau seines Meisters. Später die Frau des Bürgermeisters beim Umkleiden. Und dabei ging es ihm anfangs gar nicht einmal hauptsächlich um die Reize des Auges, sondern vielmehr um den Rausch des Augenblicks. Die Spannung, das Risiko, die Euphorie der schieren Entdeckung der Dinge, die nicht für sein Auge bestimmt waren. Aber was war schon nicht für das Auge eines Ermittlers bestimmt?

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