Mein kleiner Bär

Kuschelig. Flauschig. Mein kleiner Bär.
Eigentlich will ich dich ja gar nicht mehr.
Mit deinen süßen Augen guckst du mich anklagend an.
So gut man mit Knöpfen so gucken kann.
„Warum?“, fragen sie mich ganz empört.
„Warum willst du vergessen? Was hat dich so gestört?“

Und ich weigere mich, dir Antwort zu geben.
Ich habe schon genug Probleme im Leben
Das gefüllt ist mit den Zweifeln, die in mir wohnen
Und du bist ein Plüschtier, gefüllt nur mit Bohnen!

Also schau doch bitte irgendwo anders hin!
Als wenn du mir helfen kannst, da wo ich bin…
Ich meine, ich rede mit dir! Geht es noch schlimmer?
Und du? Starrst mich nur an, doch schweigst du noch immer.

Nun gut. Wenn du mich nicht lässt, dann vergelte ich’s dir:
Du bist eben nicht mehr mein Lieblingskuscheltier!
Ja, richtig! Das ist so! Darum brauch ich dich nicht!
…und trotzdem sitz ich hier, schreib über dich ein Gedicht…

So viel, wie ich kotzen will, könnt‘ ich nicht essen.
Und selbst Berge zu kotzen lässt mich nicht vergessen
Was du hervorbringst, wenn ich dich erblicke.
Doch werde ich dich los, entsteht dann ne‘ Lücke?

Wie die Erinnerung bist du ein Teil von mir
Wegen dir bin ich so, wie ich bin, stehe ich hier
Wo ich bin und ich bin auch zufrieden mit mir!
Eigentlich. Aber ich kommunizier‘ noch mit dir…

Du bist die Vergangenheit, doch die Zukunft liegt vorn
Und wenn wir ehrlich sind, hast du da auch nichts verloren.
Du kannst einfach nicht mit, ich… ich schäme mich zu sehr!
Ich bin ein erwachsener Mann (tu zumindest so) und du – ein Stoffbär.

Also, weg mit dir, du gemeines Biest!
Bevor du mir wieder die Laune vermiest!
Es geht nicht anders – ich muss mich von dir trennen.
Du kannst ab sofort in der Mülltonne pennen.
Du gehörst nicht mehr auf mein Lieblingsregal
Oder besser: in mein Leben, ist dir doch auch egal!
Denn du bist nur ein Stofftier ohne Emotion
Und wenn ich dich wegwerf‘, was kümmert’s dich schon.
Du hast doch eh‘ keine Liebe für mich.
Weg mit dir!

…oder?

Warum eigentlich?

Nein. Ich erkenne die Absurdität der Lage.
Und bevor ich mich später mit Reue plage
Dass ich dich wegwarf und nie wieder sehe…
Nie! Wie kann es sein, dass ich dich so sehr verschmähe?

Obwohl du mich stets getröstet hast?
Trugst meine ganze… naja… Körperlast
Als ich schluchzend und heulend auf dir lag
Wie kann ich nur sagen, dass ich dich nicht mehr mag?

Ich schaff’s einfach nicht: ich lass dich nicht gehn.
Das macht’s doch nicht besser. Wie sagt man so schön?
Das wahre Problem liegt bei mir, nicht bei dir
Wie wahr, kleiner Bär – du bleibst vorerst hier.

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Integrationshilfe: Typisch deutsch

Kapitalismus ist doof.
Kommunismus ist doof.
Anarchismus ist doof.

Rechts ist doof.
Links ist doof.
Die Mitte ist sowieso doof.

Islam ist doof.
Christen sind doof.
Atheisten sind doof.

Homos sind doof.
Transen sind doof.
Heteros sind doof.

Hauptschüler doof.
Realschüler doof.
Gymnasiasten sind doof.

Wenn’s warm ist, ist’s doof.
Wenn’s kalt ist, ist’s doof.
Wenn das Wetter oft wechselt, ist’s doof.

Das Neue ist doof.
Das Alte ist doof.
So wie es ist, ist es doof.

Deren Meinung ist doof.
Deine Meinung ist doof.
Meine Meinung ist doof.

Was sagen ist doof.
Nix sagen ist doof.
Untentschlossenheit? Doof.

Nichts ändern ist doof.
Etwas ändern ist doof.
Alles doof finden ist doof.

Vergiss es einfach

Vergiss es einfach. Ja. Schön. Klar – aber wie?
Wenn es nur peinlich genug ist, vergesse ich so was nie
Mein Hirn macht dann sofort eine Sicherheitskopie
Das ist halt so das Ding mit der Topophobie

Topophobie? Keine Sorge, ich erkläre dir das Wort:
Du hast Angst, da rauf zu gehen, willst eigentlich nur noch fort
Von all dem. Deine Prioritäten sind wie weggeweht:
Deine Musik zu präsentieren, oder erzählen, was bewegt.
Vortragen, was du eifrig vorbereitet hast.
Doch vor all den Leuten brichst du zusammen unter der Last.
Unter der Last ihres Urteils, Reaktionen, ihrer Blicke.
Doch vor allem einer bemerkt all deine Missgeschicke.

Er kennt dich gut, wahrscheinlich noch am besten von allen.
Und obwohl er so ein Arschloch ist, willst du ihm doch gefallen.
Er macht dich runter und es ist egal, was du machst.
Ein kleiner Fehltritt und du wirst von ihm ausgelacht.
Ein kleiner Versprecher, eine Taste daneben –
„Oh, mein Gott!“ ruft er dann. „Willst du wirklich noch leben?
Denn alles, was du anfasst, wird zu Scheiße statt zu Gold!
Der bescheuerte König Midas!“ – Ja, dieser Freund von mir? Ein Witzbold.

Und natürlich hast du ihn mit der Beschreibung schon erkannt:
„Innerer Kritiker“ wird er gerne mal genannt.
Ja, du fragst mich: „Wieso hörst du ihm denn überhaupt noch zu?
Wenn du ihn schön ignorierst, lässt er dich irgendwann in Ruh!“
Wenn du deinen so schnell los wirst, dann freut mich das ja für dich,
Doch die Regeln, die er für dich hat, gelten wohl nicht für mich.
Kann sein, dass du mich jetzt für ne‘ Mimose und so hältst.
Doch der Kritiker ist immer nur so klug, wie man selbst.
Wenn deiner also leicht zum Schweigen zu bringen ist,
So frage ich mich, ob du genau so ohne Rückgrat bist?

Ach, verdammt, entschuldigung: das war nicht so gemeint.
Was ich damit sagen wollt‘: auch wenn’s dir leicht erscheint,
Diese innere Stimme loszuwerden, dann ist das ja ganz schön,
Aber bei mir scheint das leider eben nicht so leicht zu gehen.
Denn was sie sagt, macht durchaus Sinn und selbst wenn sie übertreibt:
Sie ist aufmerksam und es gibt nichts, was un-analysiert bleibt.

Und wenn das schon alles wäre, wär das lange nicht so schlimm.
Blöd nur, dass ich nicht nur mit dem Kritiker gestraft bin:
Rasendes Herz, ein Blackout, Frosch im Hals, verschwitzte Hände,
Liderflattern, keine Luft und all das nimmt kein Ende.
Ich weiß zwar, dass ich’s kann, doch kann ich’s nur, wenn niemand zuhört.
Interessanterweise gibt’s dann auch nichts, was den inneren Kritiker stört.
Doch es bringt mir rein gar nichts, dir das alles fein zu schildern.
Ich kann es dir auch ausschmücken mit lauter bunten Bildern
Von Gefühlen, Emotionen, doch selbst wenn du mir es glaubst,
Werd‘ ich nicht mit mir zufrieden sein, wenn du Erwartungen zurückschraubst.

Und mit jedem Mal Versagen fällt es mir schwerer und schwerer.
Dabei sagt man sich so schön, Versagen sei der beste Lehrer.
Nur blöd, wenn dieser Lehrer mich nur Hemmungen lehrt
Und mit jeder seiner Lehren mehr zum Stillschweigen bekehrt,
Dass ich mich lieber gar nicht zeige, sondern schweige, wie ein Grab,
Als würd‘ ich nicht existieren, als wenn es mich niemals gab.
So siehst du, dass sich meine Lage einfach nur verschlimmert,
Weil mich dieser Lehrer an all meine Fehltritte erinnert.

Stets heißt es: „Bringe Leistung!“ und „Wer stehen bleibt, geht rückwärts“
Und wenn man dann nicht mehr kann, dann heißt’s: „Ein Indianer kennt keinen Schmerz!“
Mich motiviert’s nur gar nicht, Indianer wollt ich eh nie sein.
Nein, ich will doch bloß ich sein – ganz ohne Fassade, ohne Schein, Verstellung und Erwartung, nur authentisch und real,
Doch in der Leistungsgesellschaft ist das allen scheißegal.
Denn nur dafür gibt es Beifall, Anerkennung, Lob und Lohn:
Fürs Einhalten von Normen, von Gesetzen, Tradition.
Ich muss sein, was man erwartet, so auch das, was ich kreiere,
Nur blöd, dass bei all den Vorgaben den Blick ich hier verliere
Für das, was mir letztlich wichtig ist: die Meinung, Emotionen.
Doch statt dessen kommt nur Angst von mir und Zweifel, die hier wohnen
Werden dadurch nur gefüttert, denn das ist nicht, was man will.
Was ich zu bieten hab, ist falsch und anders: individuell.
Was ich habe, ist mit Makeln, menschlich, ehrlich und verdreckt.
Was man von mir will ist sauber, fehlerfrei, poliert, perfekt.

„Vergiss es einfach!“ – sag das meiner Stimme, meiner Hand,
Meinen Fingern, den Gedanken, alle steh’n sie in dem Bann
Der vergangenen Erfahrung, nicht zuletzt auch deiner selbst.
Deiner Meinung, deines Urteils, ob dir mein Werk auch gefällt.

Morgen dann… Revolution!

Endlich Urlaub, endlich frei. Jetzt habe ich Zeit, für alles, was da lauert, tief verborgen in Gedanken. Doch schnell, sonst ist die Zeit vorbei!

Aber ich bin müde, noch… vermutlich, da wir gestern tranken. Ein Bier zu viel vielleicht, jedoch: es half aus dem Ideen-Loch.

Wir diskutierten, laut und lang. Über große, tote Denker: Rosseau, Nietzsche, Kant. Den Aufstieg ihrer Weltansichten und über ihren Niedergang.

Und schließlich war auch ich am Zug. Ich, mit meinen Idealen, die ich tief im Bierkrug fand. Doch den anderen war das schnell genug.

Ich schieb’s auf fehlende Struktur. Die kommt nicht einfach so daher, das Zuhören fällt entsprechend schwer. Es sind keine Gedankengänge, viel mehr sind’s Sprünge und das rund um die Uhr.

Demnach ist’s vielleicht besser zu schreiben, als nur beim gesprochenen Wort zu bleiben. Doch ein weiteres Problem: nur gereimt klingt’s wirklich schön.

So sitz ich hier und denk an Reime nur. Stiere wie blöd auf meine Tastatur. Es ist nicht schwer, nen Reim zu finden, wohl eher, ihn in Form zu binden.

AABB, ABAB, die Metrik sollte dann auch stimmen, es sollte ja wohlklingend klingen. Und nun fang ich an, mich zu fragen: muss ich mich denn damit plagen?

Denn wie gesagt, ich habe nur begrenzt viel Zeit und so viele Gedanken. Ich kann sie alle verwerfen, die Frage ist, bin ich bereit, mir den Kopf darüber zu zerbrechen, was sich alles auf Gedanken reimt?

Muss ich mir Sorgen darüber machen, wann welcher Satz wie endet? Damit es in ein System passt, wie wir selbst auch? Man hat immerhin den Vorteil, dass die deutsche Sprache wieder etwas genauer erkundet wird, alte Wörter wieder verwendet. Doch ist mir das wichtig? Ehrlich gesagt, nein, da sehe ich meine Zeit nur verschwendet. 

Lass ich meinen Leser im Glauben, er läse ein Gedicht? Vielleicht füge ich ein paar – vom Reimen abgesehen nutzlose Wörter ein. Ganz zufällig. Lakritz-Konfekt, Auerochse, Soda. Oder ich locke ihn mit Reimen, ganz rar verteilt, dass er glaubt, er hört die meisten anderen einfach nicht? Anordnen, die Wörter in seltsam verdrehter, aber grammatikalisch, so man ein Auge, zwei oder drei zudrückt, doch noch annehmbarer Weise? Nein, das, ich besser lasse, sonst ich klinge noch wie Yoda.

Und man sieht’s erneut: wie sehr wir versuchen, uns in irgendeine Form zu pressen. Irgendjemand zu sein oder wie jemand zu sprechen, der wir in Wirklichkeit überhaupt nicht sind. Man sieht’s ja hier schon: kaum versuche ich mich, an Regeln und Konventionen zu halten, ist meine eigentliche Intention vergessen. Regeln sind nicht selten wie Scheuklappen und Scheuklappen machen uns für so vieles im Leben blind. Warum also wollen wir unbedingt alles so machen, wie es bisher getan wurde und warum sind wir so von Traditionen besessen? Wir halten uns daran, und doch: wir beschweren uns nur all zu oft, dass früher alles besser war. Warum sind wir immer drauf und dran das Gegenwärtige an der Vergangenheit zu messen? Wie wär’s, wenn wir anfangen würden, stattdessen die Möglichkeiten der Zukunft zu sehen? Wäre das nicht wunderbar?

Und ich schaue auf die Uhr: so viel Zeit bereits vergangen?

Ich reiße mich am Riemen, sollte endlich mal anfangen.

Denn wie gesagt, ich stecke voller revolutionärer Ideen und wenn man jetzt schön aufpasst, wird man sie auch gut verstehen.

Der Urlaub ist noch da und der Kater ist verschwunden, – doch Moment! Mein kreativer Geist kommt erst zu späteren Stunden.

Also – lasst uns doch noch warten, seid geduldig und bleibt hier. Und bis ich dann mal warm bin: wie wär’s mit einem Bier?