NPs – Gefangen zwischen Arroganz und selbstkritik-bedingter Untätigkeit?

Das stark ausgeprägte extrovertierte Intuieren ist für ENTPs, ENFPs, INTPs und INFPs Segen und Fluch zugleich. Auf der einen Seite rühmen wir uns für dafür, die Dinge leicht von verschiedenen Blickpunkten aus betrachten zu können. Wenn uns jemand für unser Improvisationstalent lobt, dann denken wir uns mit einem leicht verlegenen Lächeln: „Naja, stimmt, darin bin ich echt gut“. Und wir sprühen nur so vor genialen Ideen und wissen allgemein, so glauben wir zumindest, was ein gutes Konzept ausmacht. Egal, in welchem Fachbereich. Und meistens ist das tatsächlich so.

Jetzt müsste man ja zu dem Schluss kommen, dass wir abgehoben und vollkommen eingebildet seien, aber auf der anderen Seite werden wir durch all die Eindrücke, die wir sammeln auch blockiert. Das, was viele andere zu wenig haben, um produktiv zu sein, haben wir teilweise einfach zu viel, dass es uns fast erstickt. Wir sehen den Reiz in so vielen Hobbies, dass wir sie am liebsten alle gleichzeitig anfangen würden – und zumindest ausprobieren ist oft drin. Und dann entwickelt sich eine heiße, innige Liebe, welche dann jedoch häufig nur von kurzer Dauer ist. Die Gründe dafür sind oftmals dieselben, die uns überhaupt erst dazu gebracht haben, eine neue Tätigkeit, eine neue Idee anzugehen: wir betrachten sie von allen Seiten und sehen dadurch nicht nur potentielle Errungenschaften, sondern auch Möglichkeiten zum Scheitern, Makel an der Grundidee an sich und weshalb die Idee vielleicht gar nach hinten losgehen könnte. Mein letzter Blogeintrag ist schon über einen Monat her – das ist vielleicht der einzige Grund, weshalb ihr diesen hier überhaupt lesen werdet: langsam wird es wirklich einfach mal wieder Zeit, ein Lebenszeichen von mir hören zu lassen. Ich habe meinen inneren Kritiker ausgeschaltet, sonst würde er diesen Blogeintrag alleine schon bis hierher komplett zerrissen haben.

Für viele Nicht-NPs, vor allem für Sensoriker treffen wir mit dieser Problematik häufig auf wenig Verständnis: „Ja, wenn du eine gute Idee hast, dann mach doch einfach, anstatt bloß den ganzen Abend davon zu reden!“, heißt es zunächst, oder, wenn man sich besser kennt: „Wie wäre es, wenn du erst einmal den Plan, den du zuvor hattest durchziehst, bevor du dich auf einen neuen einlässt?“

Und diese konstruktive Kritiken sind beide durchaus berechtigt, aber so einfach ist es nicht. Ich wurde mittlerweile beispielsweise schon so häufig auf meinen Blogroman „Topophobie“ angesprochen und angeschrieben, warum, ich denn nicht weitermachen würde. Warum tue ich es nicht? Weil ich festgestellt habe, dass ich mich total in Nebenplots verrannt habe, das retardierende Moment zu schwach wäre, in dem Sinne, dass die meisten, wenn nicht alle Leser, dieses nicht als einen Wendepunkt wahrnehmen würden und ich schon zu viel Inhalt habe, den ich umschreiben müsste, um das Werk noch zu retten. Sprich: unter meiner Anleitung würde BER oder Stuttgart 21 nie fertig gebaut werden, sondern ich würde die Baustelle einfach verlassen, so, wie sie ist. Und jetzt kommt der springende Punkt: ich würde zu einer neuen Baustelle gehen, dort ein neues Projekt anfangen und die Fehler, die ich zuvor gemacht habe, nicht ein zweites Mal begehen. Dafür Neue. Und dieses Projekt höchstwahrscheinlich wieder verlassen. Und jetzt kommt meine steile Behauptung, was der Grund dafür ist: weil NPs sogar noch anspruchsvoller sind als NJs, die als Perfektionisten so berühmt-berüchtigt sind. Wir NPs sind noch viel schlimmer. Wir verlassen das Boot, noch bevor es überhaupt sinkt, weil es sinken könnte und machen uns an die Arbeit, ein neues zu bauen. Und am Ende sorgt unser Perfektionismus oft genug dafür, dass wir nicht einmal in See stechen.

Das ist dann natürlich enorm schade. Aber hier kommt der springende Punkt: früher oder später ist unser Schiff dann doch fertig. Und dann sind wir stolz darauf und finden keinen (für uns) nennenswerten Makel mehr daran. Wir haben ein wahres Meisterwerk geschaffen, weil wir uns nicht an einer Idee festgeklammert haben, sondern aus jeder nur das Beste behalten und am Ende eine furchterregende Schimäre glänzende Neuheit kreiert haben. NJs haben eine Vision und verfolgen sie bis zum Ende durch.

Jetzt wäre hier nur zu kritisieren, dass „früher oder später“ eigentlich immer „später“ heißt. Ein Problem: wenn wir Ideen mit Liebschaften vergleichen, wie oben, dann könnte man sagen, dass NPs wie draufgängerische Casanovas sind, die sich aber eigentlich nach der wahren Liebe sehnen. Wir lassen uns auf eine Liebschaft nach der anderen ein, hüpfen von Bett zu Bett, wieder zurück zu alten Affären und dann machen wir wieder eine neue, verführerische Bekanntschaft. Während dessen hat ein NJ bereits geheiratet und vier Kinder bekommen.

Und hier kommt eine weitere Komponente hinzu: man kann nur ein „draufgängerischer Casanova“ sein, wenn man sich nicht in seiner Wohnung einsperrt. Und zumindest ideentechnisch tun wir NPs das auch nicht: wir konsumieren Medien in der Regel wie Wasser. Bücher, Filme, Gemälde, Serien, Musik, Spiele – all das inspiriert uns. Und auf unserer Suche nach Inspiration verschlingen wir alles, was uns dabei helfen könnte. Demnach eignen wir uns auch eine regelrechte Bibliothek (unser kleines introvertiertes Empfinden lässt grüßen) an Erfahrungen an – und früher oder später meinen wir auch beurteilen zu können, welcher Film objektiv schlecht sei, warum der Plot eines Romans schlecht aufgebaut ist, warum bestimmte Seriencharaktere uninteressant sind, welche Spielmechaniken langweilig, welche Farben uninspiriert und welche Musik „weichgespülter Mainstreampop“. Schon mal ein Gespräch mit einer Person gehabt, die eure Lieblingsserie zerrissen hat und ihr wolltet nicht mehr weiter sprechen – und zwar, weil sie recht hatte und euch damit den Spaß daran genommen hätte, hättet ihr das Gespräch nicht abgebrochen? Wir NPs mögen tolerant gegenüber Menschen sein – aber wir sind das nicht gegenüber Ideen. Da können die Fetzen fliegen – ohne, dass wir die Absicht haben, dabei jemals persönlich zu werden.

Und nun ein schönes Bild zum Abschluss: stellt euch vor, ein gefürchteter Filmkritiker, der schon hunderte Filme mit seinen Rezensionen zerrissen hat und überall ein Haar in der Suppe findet, wagt sich auf einmal selbst an die Regie. Das sind wir. Und wir zittern wie Espenlaub.

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Wiedergeburt (Teil 3/3)

(Letzte Woche gab’s nichts, deshalb heute ein bisschen mehr… viel Spaß beim Abschluss der Geschichte!)

„Haut ab, ihr Idioten“, brummte Khyosei und Tsura konnte sich einen leisen Seufzer nicht verkneifen. Ein Wort, eine Geste von Khyosei und das hätte soeben sein letzter Atemzug gewesen sein können.
„Ich habe alles unter Kontrolle“, brummte der Hüne.
Der Druck an Tsuras Nacken ließ nach, doch davon abgesehen rührten sich die Räuber nicht.
„Wenn ihr noch einmal frei und ohne meinen direkten Anweisungen eingreift“, fuhr Khyosei mit leiser, aber scharfer Stimme fort. „Dann werde ich eure Herzen ausreißen, und mit den Hunden ein Festmahl zu mir nehmen!“
„Wie ihr befehlt!“, rief der Ninjatoträger mit militärischem Zack, doch es schwang auch etwas Unsicherheit in der Stimme mit. Tsura spürte, wie er schließlich das Stahl von seinem Hals entfernte. Dann vernahm er hinter sich Schritte, die sich von ihnen entfernten. Er ging davon aus, nur noch mit Khyosei auf der Straße zu sein, der seinen Kopf schüttelte.

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Wiedergeburt (Teil 2/3)

Die Prachtstraße von Shi-Zei war die einzige Straße, die durch und durch sauber war, nicht stank und durch die schönsten Häuser der Stadt oder zumindest dessen Frontfassaden geziert wurde. Auf eben jener Straße ging Khyosei mit gefesselten Händen vor Tsura Shin her, welcher, die linke Hand an der Schulter des Verbrechers, die andere am Knauf seines Schwertes. Khyosei hatte sich nicht gewehrt, als der im Vergleich zu ihm geradezu schmächtige Tsura ihm die Handfesseln angelegt hatte. Zuvor hatte er seine Kameraden angewiesen, die Stadt zu verlassen, mit der Begründung, er könne nicht für ihre Freiheit garantieren, aber da war etwas in Khyoseis Stimme, das Tsura hellhörig werden ließ. Der Schattengardist hatte einen Grund, weshalb er den Umweg zur Prachtstraße in Kauf genommen hatte – die Straßen hier waren selbst in der Nacht beleuchtet und durch Wachleute geschützt. Man konnte in dem dichten Nebel zwar keine zwanzig Schritte weit sehen, abgesehen von dem dämmrigen Licht der nächsten Straßenlaterne und daher schien selbst die Sicherheit der großen, breiten Straße trügerisch, aber bei jedem anderen Weg wären Tsura und sein Gefangener höchstwahrscheinlich gefährlichen Kriminellen über den Weg gelaufen. Und nicht einmal zwangsläufig Leuten von Khyosei.

Beide schwiegen den Weg über, Khyosei, der in stoischer Ruhe mit dem Blick sicheren Schrittes weiterging und Tsura, der vorsichtig in jeden Gasseneingang spähte, ab und an anhielt, wenn er entfernte Schritte hörte oder eine Person – bislang zu seinem Glück nur Einheiten der Garde – aus dem Nebel traten.

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Wiedergeburt (Teil 1/3)

Als Tsura Shin die Türe zum Gasthaus öffnete, kam ihm ein Schwall von Gestank entgegen. Alkohol, Schweiß, Fett und – es konnte auch noch von der Straße kommen – Pisse. An jedem der runden Tische waren alle Stühle besetzt, teilweise teilten sich auch die Dirnen einen mit den Tagelöhnern in ihren zerschlissenen Gewändern. Als Schattengardist  passte Tsura zwar nicht in diese Gesellschaft – niemand tat das, der hier ein anständiges paar Stiefel und einen eleganten Mantel tragen würde, aber durch die dunkle Farbe seiner Kleidung, stach er auch nicht aus der Menge heraus –
alles war hier grau, braun oder schwarz.
Tsura ging auf die Schankmagd, ein junges, knochiges Ding mit verschwitztem, schmalen Gesicht zu und hob fragend die Augenbraue. Er war sich kaum sicher, ob sie ihn überhaupt registriert hatte, aber sie machte eine knappe Kopfbewegung, mit der sie auf einen Nebenraum deutete. Ohne zu zögern bog Tsura nach links ab, schob den vergilbten Stoffvorhang zur Seite und betrat den Nebenraum.

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Pen & Paper – Was ist das für ein Hobby?

Aufgepasst, liebe Leser – vor allem liebe Co-Autoren. Also zumindest dann, wenn euch der Begriff „Pen & Paper“ nichts sagt, vor allem, wenn ihr gleichzeitig auch noch gerne Fiktion schreibt. Dieses Hobby müsste eigentlich ziemlich interessant für euch sein. Deshalb – und weil ich in diesem Blog meine narzisstischen Züge ausleben kann, würde ich euch diese interessante Freizeitbeschäftigung gerne näher erklären. Und wenn ihr bereits mit dem Thema vertraut seid, würde es mich total interessieren, welche Rollenspielerfahrungen ihr bereits so gemacht habt.

„Pen & Paper“, auf deutsch also Stift & Papier ist ein Hobby, das man (normalerweise) in einer Gruppe aus 3-6 Personen spielt und neben gerade aufgezählten Materialien braucht man ansonsten im Grunde genommen nur noch Würfel und eine Menge Fantasie und Zeit.

Um was geht es?

Das hängt ganz davon ab, für welches Modul, also für welche Rollenspielwelt und Regelsystem man sich entscheidet. Es gibt mittlerweile unzählige Module, welche alle möglichen fiktive Szenarien abdecken. Das geht von klassischen Fantasyszenarien in Mittelaltersetting (Dungeons & Dragons, Pathfinder, Das Schwarze Auge) über Sci-Fi (Shadowrun, Warhammer 40K, Star Wars) bis hin zu Horror (Call of Cthulhu, Vampires: The Masquerade). Das ist nur ein kleiner Ausschnitt der Möglichkeiten. Jedes dieser Module besitzt über eigene Hintergrundgeschichten und Spielregeln, wobei beides den individuellen Bedürfnissen und Vorstellungen der Spielgruppe angepasst werden kann.

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Donnel Drumpf & die Truhe des Bösen (Teil 1)

Kao wischte sich seufzend das Blut von der Klinge. Er hatte ein schlechtes Gewissen, dass es ihm schon fast Spaß gemacht hatte, die Gewerkschafter niederzumähen. Doch irgendwo im Gefecht begann bei ihm stets der Punkt, an dem er sich gehen ließ und die Bedeutung seiner Taten irgendwo in den Hinterkopf seines Meerschweinchenschädels zurückgedrängt wurden, während (etwas weiter vorne im Kopf) plötzlich bunte Clowns zu pulsierender Musik und rot blinkendem Licht „Töten! Töten!“ riefen und dazu atemberaubende Breakdance-Einlagen vollführten. Es war wie mit einer durchzechten Nacht. Zunächst hatte man Spaß, danach war das Gefühl der Reue da und der Mageninhalt war auf dem Boden verteilt. Nur war es nicht Kaos Mageninhalt. Und nicht nur der Inhalt. Er steckte sein Langschwert zurück in die Scheide und wandte sich schweren Herzens von der Fabrik ab.

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Der Herr der Ringe – Gandalf (INTJ)

INTJs werden, insbesondere, wenn es um fiktive Charaktere geht, gerne die Rollen der fiesen Schurken zugewiesen, die finstere Pläne schmieden, um die Weltherrschaft an sich zu reißen. Um dieses Klischee zu brechen, habe ich mich dazu entschieden, unseren liebsten, pfeiferauchenden Magier als Gegenbeispiel zu verwenden: Gandalf. Egal, ob grau oder weiß, auch, wenn er nach seinem Date mit dem Balrog hier und dort ein wenig anderes drauf ist – selbst eine Reinkarnation spült einen Persönlichkeitstypen offensichtlich nicht fort.

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„Mein INTP funktioniert nicht mehr“ – Warum dieser Persönlichkeitstyp so „socially awkward“ ist

Es liegt nicht daran, dass wir INTPs nicht etwa an anderen Menschen interessiert sind. Wir interessieren uns nur von einem anderen Standpunkt aus, der allerdings von den meisten Mitmenschen nicht wahrgenommen oder falsch verstanden wird. Wir halten uns ungern mit Höflichkeitsformeln und Etikette auf, etwas, was wir eher als lästig und durch und durch als oberflächlich betrachten. Als ich meine Tätigkeit als Musikschullehrer begann, war ich dazu gezwungen, meine Smalltalk-Fähigkeiten zumindest auszubauen und mehr auf soziale Normen zu achten. Daher bin ich jetzt dazu in der Lage, diesen Konfliktpunkt – INTPs und Kommunikation – etwas differenzierter anzugehen.

Ich weiß, ihr liebt alle Beispiele und die folgen auch noch, aber bevor ich welche bringe, werde ich erstmal die grundsätzlichen Schwierigkeiten schildern, die ein INTP im sozialen Umgang hat.

Wir sind Denkertypen und das ganz schön ausgeprägt. Wir sind uns manchmal selbst nicht darüber bewusst, wie wichtig uns Logik ist. Alles muss Sinn ergeben, alles muss erklärbar sein. Wir sind neugierig, wenn wir etwas nicht verstehen, also stellen wir unangenehme Fragen, ohne uns über die emotionalen Konsequenzen, die in der Frage mitschwingen könnten, Gedanken zu machen. Das bedeutet auch umgekehrt, dass wir emotionalen Kontext oft einfach übersehen oder tatsächlich sogar knallhart ignorieren, wenn wir merken, dass unser Gegenüber nicht dazu in der Lage oder im Stande ist, diesen verständlich zu erklären. Wir wollen zum Kern der Sache.

Das heißt nicht, dass wir eiskalte, unempathische Wesen sind! Wenn wir dazu in der Lage sind und wir sehen, dass es auch wirklich sinnvoll ist, helfen wir unseren Mitmenschen gerne, auch, wenn, was uns selbst angeht, allerhöchstens das Gewissen davon profitieren könnte. Aber im „wenn es auch wirklich sinnvoll ist“ liegt der Hase begraben. Wir sind nicht dazu bereit, Anstrengungen auf uns zu nehmen, wenn wir nicht wirklich wissen, wozu eigentlich. Und „Anstrengungen“ sind für uns selbst nette Gesten wie Umarmungen.

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Die Area-of-Effect-Lösung für’s Umarmen: einfach winken!

Weil ich weiß, wie kurz die Aufmerksamkeitsspanne des gemeinen Lesers sein kann, komme ich direkt zum praktischen Beispiel. Damit ihr aber auch wirklich davon etwas habt, bzw. die INTPs in eurem Umfeld, gebe ich unter jedem Beispiel auch noch eine Erklärung, warum sich der INTP wahrscheinlich so, wie im Beispiel verhalten hat.

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Funktionen bei anderen erkennen (Teil 2 von 2)

Extrovertiertes Empfinden (ESFP, ISFP, ESTP, ISTP)
Von allen extrovertierten Funktionen erkennt man SE am wenigsten an den Worten und am meisten an den Taten. Sie sind oft diejenigen, die sich als erstes vom Platz erheben, die sich am gemeinsamen Esstisch als erstes bedienen, die als erstes etwas tun, wenn alle andere noch am überlegen sind, wie etwas getan werden sollte. Wagemut ist etwas, was man dem extrovertierten Empfinder von allen anderen Typen am ehesten zuschreiben kann.

Wenn man sie jedoch anhand von Worten erkennen will, dann hat man damit am ehesten Glück, dass sie einfach sagen, was ihnen in den Sinn kommt. Sie denken nicht lange darüber nach, wie ihre Worte von anderen empfunden werden könnten, sondern machen ihre Gedanken für andere klar ersichtlich. Klarheit ist hierbei das treffende Stichwort: so, wie sie auch selbst versuchen, das Leben möglichst klar zu sehen und zu erleben, wollen sie auch selbst für andere sein.

Anders als extrovertierte Denker sind sie nicht so sehr am Ergebnis interessiert, sondern mehr am Entstehungsprozess. Eine Eigenschaft, die sie sich mit extrovertierten Intuierern teilen, ist die Kreativität. Diese bezieht sich allerdings mehr auf das, was sich unmittelbar in Zeit und Raum befindet, während extrovertierte Intuierer ihre Kreativität mehr mit Ideen und Wörtern ausdrücken. Beide kommen mit den verrücktesten Ideen an, aber Empfinden bezieht sich dabei mehr auf die materielle Ebene.

Typische SE-Zitate:

  • „Ja, Mann! Lass uns das bauen!“
  • „Du weißt erst dann wirklich, dass es unmöglich ist, wenn du es versucht hast.“
  • „Viel Spaß beim Reden, wir sehen uns am Ziel.“
  • „Lebe den Moment!“
  • „Darf ich mal? Kann ich jetzt?“
  • „Der Weg ist das Ziel!“
  • „Ich übe nicht, weil ich besser werden will, sondern weil es mir Spaß macht!“
  • „Mir ist langweilig, lass uns was machen.“
  • „Wollen wir jetzt uns jetzt nur darüber unterhalten oder tatsächlich auch etwas tun?“
  • „Man muss das Leben auch genießen können.“

Extrovertiertes Intuieren (ENFP, INFP, ENTP, INTP)
Man erkennt extrovertierte Intuierer, vor allem die eher in sich gekehrten von ihnen (INFP & INTP) an ihrer häufigen Geistesabwesenheit. Sie sind oft unaufmerksam, verträumt und wirken, vor allem, wenn sie sich in einem sicheren, privaten Rahmen befinden, in dem sie sich wohl fühlen, oft sehr kindisch. Während jedoch auch extrovertierte Empfinder häufig einen kindischen, verspielten Eindruck machen, sind extrovertierte Intuierer hingegen Idealisten, während der andere Typ eher den Realisten einzuordnen ist. Wie auch extrovertierten Empfindern spricht man ihnen Einfallsreichtum zu, allerdings weniger, was praktische, sofort umsetzbare Ideen angeht, sondern mehr jene auf intellektueller Schiene.

Fängt man an, von Themen zu sprechen, die den extrovertierten Intuierer interessiert, leuchten seine Augen auf und er hat plötzlich eine ganze Menge (mehr) zu sagen, manchmal sogar zu dem Ausmaß, dass er überhaupt nicht mehr aufhört, zu reden. Von allen Funktionen ist NE am meisten an Konzepten interessiert, selbst, wenn diese schwammig sind und nur wenig mit der Realität zu tun haben. Bei Denkern äußert sich das insbesondere im Aufstellen absurd wirkender Theorien, bei Fühlern in leidenschaftlichem Idealismus.

Auch wecken NE-Typen schnell das Bild einer schusseligen, geistesabwesenden Person, was aber auch eine gewisse Liebenswürdigkeit weckt. Ihre Gedanken sind stetig in Bewegung und nicht selten machen sie dadurch einen hibbeligen Eindruck. Sie haben häufig damit zu kämpfen, Termine einzuhalten, Ordnung zu bewahren und sich an Details zu erinnern. Wenn im Urlaub jemand die Zahnbürste vergessen, aber sonst allen möglichen Unsinn eingepackt hat – die Chancen stehen gut, dass es ein extrovertierter Intuierer ist.

Typische NE-Zitate:

  • „Es ist zwar völlig unrealistisch, aber stell dir mal vor, […]“
  • „Verdammt, ich habe schon wieder vergessen, was ich dir eigentlich sagen wollte…“
  • „Lass uns etwas Neues ausprobieren!“
  • „Man muss aber auch die andere Seite betrachten!“
  • „Ich kann mich nicht entscheiden! Soll ich Erdbeere und Stracciatella oder Stracciatella und Málaga nehmen? Und welche Kugel soll nach unten?“
  • „Ich hoffe, ich werde nie so ein langweiliger Spießer…“
  • „Das ist keine Unordnung, das ist geordnetes Chaos.“
  • „Wo habe ich schon wieder meinen Schlüssel hingelegt?“
  • „Wenn du dir eine Superfähigkeit aussuchen könntest, welche wäre das dann?“
  • „Ich habe eine Idee, willst du mir sagen, was du davon hältst?“

 

The Sopranos – Tony Soprano (ESTJ)

In der Hoffnung, gleichzeitig ein wenig Werbung für diese geniale, aber in Deutschland leider unterschätzte Serie zu machen, habe ich mir Tony Soprano als nächste Charakteranalyse vorgenommen.

Wer die Serie noch nicht kennt – anschauen! Ich weiß, dass sich auf meiner Seite gerne Hobbyautoren tummeln, gerade für euch ist die Serie ein Leckerbissen. Wenn ihr wissen wollt, wie geniale Dialoge aussehen können, dann gebt der Mafiaserie eine Chance. Außerdem bricht sie aus gewohnten Erzählformen aus – der Plot ist zweitrangig, im Vordergrund stehen Charaktere, die es in dieser Tiefe in momentan keiner anderen Serie je gegeben hat. Das ist es, was die Serie so revolutionär gemacht hat. Aber nun kommen wir zu unserem Protagonisten, dem Patriarch der Sopranos: Tony.

Extrovertiertes Denken

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„I wipe my ass with your feelings!“

Tony ist ein Paradebeispiel für den klischeehaften extrovertierten Denker. Während der ganzen Serie hat er damit zu kämpfen, seinen Willen durchzusetzen, sei es nun im Berufsfeld oder in seiner Familie – er beugt sich nicht, kämpft mit harten Bandagen, berücksichtigt die Gefühle anderer nicht. Als Boss, das ist seine Meinung, kann man sich das ohnehin nicht leisten. Moral kann nicht immer eine übergeordnete Rolle spielen, oder, um es mit seinen Worten auszudrücken:“Wir sind Soldaten. Soldaten gehen nicht in die Hölle. Wir befinden uns in Situationen, in denen sich jeder Betroffene der Risiken bewusst ist und, wenn du diese Risiken kennst, wirst du bestimmte Dinge eben tun. So läuft das Geschäft.“

Nur ein starker Wille setzt sich durch. Und Tony weiß, wie man sich durchsetzt. Und wenn es nicht anders geht, dann auch mit Fäusten und Feuerwaffen.

Introvertiertes Empfinden

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„Not this much. I like the one that says some pulp.“

Tony hat nicht nur klare Vorstellungen darüber, wie die Welt zu funktionieren hat, sondern auch ein klares Bild von der Vergangenheit. Bei einem Streit mit seiner Tochter, Meadow, die sich nicht an seine Regeln und Traditionen halten will, erklärt er ihr, dass sie sich, solange sie sich in seinem Haus befindet, nicht in den 2000er-Jahren befindet, sondern hier noch die Werte von vergangenen Zeiten gelten und geachtet werden müssen. Ein großes Problem von Tony ist, dass er zu sehr in der Vergangenheit festhängt und sich daher nicht weiterentwickeln kann. Seine Panikattacken werden durch Impressionen getriggert, die bestimmte Bilder in ihm freisetzen, welche ihn mit seiner ruppigen Vergangenheit konfrontieren.

Jedoch merkt man deutlich, dass Tonys extrovertiertes Denken die Überhand hat. Sobald Effizienz gegen Traditionen trifft, entscheidet er sich in der Regel für Ersteres. So hat er letzten Endes kein persönliches Problem damit, dass einer seiner Spitzenverdiener homosexuell ist, obwohl diese Neigung in den konservativ-altmodischen katholischen Kreisen, in denen Tony verkehrt, mehr als nur verpönt ist. Er belässt es dabei, sich darüber lustig zu machen, lässt dem Mann aber das Amt des Capos, da dieser gute Arbeit leistet.

Extrovertiertes Intuieren

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Obgleich Tony sich häufig intolerant, engstirnig und traditionsvernarrt zeigt, ist es nicht so, dass er nicht auch ab und an über den Tellerrand hinausschauen kann. Alleine, dass er aus freiem Willen psychologische Hilfe aufsucht – dazu auch noch bei einer Frau – zeigt, dass er bereit ist, auch Pfade zu betreten, die für ihn so eigentlich nicht vorgesehen wären. Wenn es um Problemlösungen geht, benutzt Tony nicht immer den direktesten Weg, ab und an macht er sich auch darüber Gedanken, welche Alternativen es gibt. Neuen Ideen ist er nicht prinzipiell abgeneigt, sofern er erkennt, dass sie wirklich profitabel sein könnten, was hin und wieder auch zu Problemen mit seiner Familie (beiden) führt, ihm aber letztlich oft genug einen Ausweg aus der Bredouille bietet.

Introvertiertes Fühlen

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Obgleich Tony ganz offen zugibt, dass er keinen Wert auf die Gefühle anderer gibt, kommt er nicht darum hinweg, seine eigenen völlig zu verdrängen. Immer wieder zeigen sich Zweifel, die ihn dazu veranlassen, sich vor sich zu rechtfertigen. Sein unterdrücktes introvertiertes Fühlen macht ihn anfällig für Kritik – obwohl man von einem Mann von solch selbstsicherem Auftreten erwarten sollte, dass er eine dicke Haut hat, ist Tony verwundbarer, als er zugeben würde.

Seine sensible Seite zeigt sich unter anderem in seiner Tierliebe. Dadurch, dass er seine empathischen Tendenzen so sehr unterdrückt, wenig bis gar keine Anteilnahme an anderen Menschen zeigt und sogar soweit geht, kaltblütig zu morden, benötigt er einen Ausgleich, damit das introvertierte Fühlen nicht komplett erstickt. So hat er eine ganz besondere Beziehung zu Enten und wird sogar zu einem regelrechten Pferdefreund. Im Laufe der Serie wird Tonys „Beziehung“ zum introvertierten Fühlen, also sein Bezug zu Moral und Sinnfragen immer mehr zu einem zentralen Thema.