„Ist das Leben nicht schön?“

Ich weiß ja nicht wie’s euch geht, aber wenn mir jemand sagt, wie schön doch das Leben ist und dabei selbstgefällig lächelt, dann weiß ich nicht, ob ich wütend oder verdammt wütend sein soll. Nicht unbedingt deshalb, weil es sein kann, dass das Gegenüber gerade vielleicht einfach eine scheiß Zeit durchmacht und es einfach nur ein bisschen rücksichtslos und selbstbezogen daherkommen könnte. Sondern weil das Leben generell nicht schön ist.

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Die moralische Zwickmühle als Blogger

„Im Übrigen bin ich dafür , den Islam in Deutschland (Europa) zu verbieten und alle Muslime auszuweisen“

„mal ganz ehrlich, sind nicht alle Moslems psychisch krank???“

„Angst. Ich finde es so dermaßen zum K ot zen, dass man als „normaler“ Mensch inzwischen auf der Straße schon fast zusammenzuckt, wenn einem dunkelhäutige Menschen, vorzugsweise junge Männer, entgegen kommen.“

Diese Kommentare kursieren heutzutage auf Yahoo News und erhalten fast ausschließlich Upvotes. Was ist mit unserer Gesellschaft los? Mal davon abgesehen, dass man mit solchen Einstellungen Terrororganisationen direkt in die Hände spielt und Deutschland schlicht und ergreifend einfach nicht mehr funktionieren wird, wären alle Moslems plötzlich weg, was ist das bitte für eine Einstellung seinen Mitmenschen – seinen Nachbarn gegenüber? Aber ich will gar nicht weiter auf diesen Punkt eingehen.

Wenn ich so etwas lese, vor allem, wenn ich eigentlich vorhatte, an meinem Roman weiterzuschreiben, spüre ich schon fast körperliches Unwohlsein. Wie kann ich jetzt anfangen, seichte Unterhaltung zu schreiben? Die Geschichte von irgendeinem Musiker erzählen, der an Bühnenangst leidet und mit einem Auftritt zu kämpfen hat, während so viele meiner Mitbürger so sehr mit ihrer eigenen Dummheit kämpfen müssen? Und von den Menschen, die darunter tatsächlich zu leiden haben ganz zu schweigen.

Ich bekomme kein Geld für’s Bloggen, werde ich auch nicht, und habe es nicht vor. Ich mache das aus rein idealistischen Gründen, wie viele von uns. Wenn es anders wäre, könnte ich mich auch besser rechtfertigen. Aber so? Wenn ich an besagter Geschichte weiterschreibe, kommt es mir so vor, als würde ich an einem ertrinkenden Kind vorbeilaufen, mit der Begründung, ich will mir noch ein Eis kaufen und die Eisdiele hat nur noch fünf Minuten offen.

Man kann sich jetzt darüber streiten, ob ich mich tatsächlich gut mit Worten ausdrücken kann. Ich rede es mir jedenfalls gerne ein, auch, dass ich, zumindest, wenn ich schreibe, Emotionen im Leser entfachen kann. Dann kommt es mir wie eine Verschwendung von Zeit und Mühen vor, wenn ich nicht wenigstens versuche, meine Mitmenschen zu mehr Solidarität anzuregen! Oder wenigstens ein klein wenig zu eigenständigem Denken.

Keine Sorge. Wie in meinem Vorwort versprochen, für die wenigen, die Gefallen an meinem Blogroman finden – und letztlich ja auch für mich – werde ich Topophobie weiterschreiben und auch weiterhin Kurzgeschichten verfassen. Ich habe nicht die Verantwortung, die Welt zur Besinnung zu bringen, so überheblich bin ich nicht. Mir ist total klar, dass ich selbst oft genug nicht richtig nachdenke und ich Denkzettel wie jeder andere auch benötige und das muss ich, das muss sich jeder auch vor Augen halten. Es ist gut, wenn man die Welt auch mit „schönen Künsten“ bereichert. Außerdem kann ein Unterhaltungsblog nicht alles gleichzeitig sein.

Aber ich wollte nur nochmal daran erinnern, dass jeder von uns – insbesondere diejenigen, die gut mit Worten umgehen können – eine Verantwortung trägt, die Gesellschaft kritisch zu hinterfragen! Wenn man die Gabe hat, dann sollte man sie auch für etwas Gutes einsetzen. Diejenigen, die hasserfüllte Parolen durchs Land posaunen, Prediger der Panik und rassistische Demagogen gibt es viel zu viele. Es ist schon lange, lange an der Zeit, dass sich Gegenstimmen erheben. Die Meinungen, die ihr öffentlich kund tut, beeinflussen auch eure Mitmenschen. Eure Meinungen machen einen Unterschied. Bezieht Stellung!

Ist hier irgendjemand Istanbul?

Oder ist nur euer soziales Netzwerk kaputt? Möglicherweise seht ihr hinter einer roten Flagge einfach nicht so gut aus. Das passt nicht so schön zu eurem Teint, wie wenn auch noch etwas blau und weiß dazugemischt wird, was? Ja, geht mir auch so… wobei mir auch die französische Flagge nicht steht, das war ja der Grund, warum ich das auch schon damals nicht getan habe und mich bis heute dafür schäme, weil es ja wirklich einen großen Unterschied macht, wie das Profilbild auf Facebook aussieht.
Aber wo sind all die tollen Leute, die bei dieser sinnvollen Aktion schon immer dabei waren? Die ihre Solidarität mit ihren bunten Avatar ausdrücken wollten?

Ich glaube, während der EM 2016 gibt es aber auch wirklich wichtigere Themen. Ich meine, hallo? Island hat England geschlagen, wie krass ist das denn? Darüber sollte man schreiben. Nicht über unschuldige Türken, die zerfetzt über den ganzen Flughafen verteilt liegen. Damit verderbe ich euch doch allerhöchstens nur den Appetit. Denken wir an die niedergeschlagenen englischen Fans! Wie gedemütigt sie sein müssen, eigentlich müssten wir nun britische Flaggen in unser Profilbild integrieren. Ja. Wir denken an dich, England. Unsere Gebete widmen wir dir.

Mal ganz ehrlich, wie komme ich nur dazu, uns aufzufordern, an die Türkei zu denken? Tut mir leid. Ich meine, Frankreich ist unser direkter Nachbar! Das war was ganz anderes! Wisst ihr wieso? Je weiter die Menschen weg von uns sind, desto wertloser sind sie. Es sei denn, sie sind schwul. Boah, was für ein Glück, dass keine Deutschen unter den Opfer waren, gell? Und nein, wir sind natürlich keine Heuchler.

Geständnis einer Krankenschwester

Mein Idealismus ist es, der mich einsam macht. Meine Hoffnung, mein Glaube an eine bessere Welt. Und vor allem meine Wut. Man könnte meinen, ich hätte genügend Wege gefunden, meinen Zorn zu kanalisieren, mich auszutoben, aber dem ist nicht so. Mit jeder weiteren Tat, die ich hasserfüllt begehe, erhitze ich nur die Flammen der lodernden Abscheu, die ich gegen unsere Gesellschaft begehe. Und es wird immer schwieriger. Ich weiß nicht mehr, wer dazu gehört und wer in die Rolle gedrängt wurde. Aber das ist egal. Es muss mir egal sein. Sonst kann ich nicht weitermachen.

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