Bist du ein mündiger Verbraucher?

Die Frage ist bewusst provokativ – und um nicht vom hohen Ross herabzupredigen, will ich gleich Eines vorwegnehmen: ich bin es jedenfalls nicht. Ich mache eine Menge falsch. Viel unbewusst und viel auch in wissentlich. Kann man mich dafür tadeln? Nunja, wer ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein. Mich höflich und frei von Wertung auf bestimmte Fehltritte hinweisen ist wiederum ist eine ganz andere Geschichte. Dinge, die ich heute bewusst falsch mache, nagen eventuell lange genug an meinem Gewissen, dass ich sie morgen richtig (oder zumindest richtiger) angehe. Oder ich habe am nächsten Tag genug Kraft und/oder Zeit dafür, mich besser zu verhalten und mache eine gute Angewohnheit daraus. Aber ich muss erst einmal wissen, um nach neuen Erkenntnissen handeln zu können. Viele Dinge überraschen und sind alleine, weil sie so erstaunlich sind bereits wissenswert. Hier sind einige solcher Informationen:

Wusstest du, dass in einem Kilogramm Rindfleisch, mal ganz abgesehen von der benötigten Weidefläche und der Arbeit, die ein Farmer zu leisten hat, um die 15.000 Liter Wasser erforderlich sind? Bei so hohen Zahlen fällt es einem schwer, sich vorzustellen, wie viel das eigentlich ist: mehr als zehn gefüllte Badewannen Wasser. Und das ist nur das Wasser. Weideland, Getreide und Arbeitskraft braucht das Kilogramm Rindfleisch ebenfalls.

Wusstest du, dass Kohlekraftwerke für 7% des gesamten Wasserverbrauchs verantwortlich sind? Davon könnte man eine Milliarde Menschen mit Wasser versorgen. Wusstest du, dass du standardmäßig Strom über einen Kohlekraftanbieter erhältst, bis du auf eine Alternative wechselst?

Wusstest du, dass jährlich über 200 Millionen Tonnen Plastik hergestellt werden? Auf einer Fläche, so groß wie Zentraleuropa schwimmt im Pazifik ein Meer aus Plastik. Müssen wir tatsächlich in Plastik abgepacktes Obst und Gemüse kaufen? Plastikflaschen? Plastik scheint uns überall im Alltag zu begleiten, aber es gibt in der Regel genügend alternative Optionen, bei denen wir die Nachfrage an Plastikprodukten verringern können.

Wusstest du, dass der durchschnittliche deutsche Haushalt jährlich mittlerweile mindestens 21 Kilogramm Elektroschrott wegwirft? Wir können auch versuchen, Dinge zu reparieren, statt sie wegzuwerfen. Nicht immer auf das neueste Mobilfunkgerät anspringen, wenn das alte doch auch noch funktionstüchtig ist. Oder Haushaltsgeräte kaufen, die vielleicht ein wenig teurer sind, aber dafür langlebiger. Am Ende ist es doch so auch weniger umständlich. Vor allem, wenn man weiter und global denkt.

Es geht weiter. Es gibt viele Dinge, die ich hier noch aufzählen könnte, aber ich will dich nicht mit Informationen erschlagen. Ich will dir zeigen, dass es sich lohnt, über alles, was du tust, nachzudenken. Was brauchst du tatsächlich? Wo kannst du besser investieren? Worauf kannst du verzichten?

Wir tappen im Dunkeln, gehen naiv wie Kinder durch den Supermarkt und wissen die meiste Zeit gar nicht, welchen Schaden wir anrichten. Unmündig eben. Aber wir können zumindest anfangen, erwachsen zu werden, auch, wenn der Prozess es erfordert, inne zuhalten und zu reflektieren. Sich zu bilden. Auf Dinge zu verzichten. Aber es lohnt sich. Wir haben keine Ersatz-Erde übrig, auf die wir zugreifen können, wenn wir diese zerstört haben. Um zu mündigen Vebrauchern zu werden, zu reifen Konsumenten, müssen wir nicht perfekt sein – aber wir können alleine schon beim Versuch, es zu werden, eine unglaubliche Menge erreichen!
Das Argument „wir können nicht alles richtig machen, also versuch ich es erst gar nicht“ zieht nicht. Wenn zwei Leute, die monatlich z.B. 500 Gramm Rindfleisch essen auf die Hälfte verzichten, dann ist das von den Zahlen her genau so, als hätte einer von beiden gänzlich auf Rindfleisch verzichtet.
Hoffentlich versuchst du gemeinsam mit mir gemeinsam das Ideal anzustreben. Wir werden Fehler machen, wir werden hier und dort mal nachgeben und uns wieder aufrappeln müssen – aber hoffentlich nie aufgeben. Und am Ende werden wir zu denjenigen gehören, die gekämpft haben.

Quellen:
https://www.welt.de/wissenschaft/article6012574/Ein-Kilo-Rindfleisch-kostet-15-000-Liter-Wasser.html

https://www.greenpeace.de/presse/presseerklaerungen/greenpeace-report-kohlekraftwerke-verbrauchen-trinkwasser-fuer-eine

https://www.verbraucherzentrale.de/kunststoffe?i=6

https://www.welt.de/wissenschaft/article701251/Riesige-Flaeche-Plastikmuell-schwimmt-im-Pazifik.html

https://de.statista.com/infografik/2278/elektroschrott-aufkommen-in-ausgewaehlten-laendern/

Projekt: Vegetarismus (6. Monat)

Der aufmerksame Leser hat vielleicht bemerkt, dass das „Pseudo“ aus dem Pseudo-Vegetarismus mittlerweile verschwunden ist. Nachdem mich Cordula (Hier ihr Blog) dazu angeregt hat, mich mal darüber zu erkundigen, was Fischfang mit unserem Planeten macht und wie grausam man mit den Fischen umgeht (was mir eigentlich schon immer klar war), habe ich auch einfach keine Lust mehr auf Fisch gehabt.

Es tut mir wirklich leid, dass ich nicht schon früher zu diesem Thema weiter geschrieben habe, irgendwo war’s doch auch recht spannend und auch ab und an eine Herausforderung, aber erstens habe ich meistens vergessen darüber zu schreiben und wenn ich gerade mal daran gedacht habe, dann hatte ich entweder keine Zeit oder… ich geb’s zu, oder ich war zu bequem. So, hier aber meine gefühlte Zusammenfassung über das vergangene halbe Jahr (so in etwa) in Bezug auf meine Fleischabstinenz.

Nur soviel vorweg, damit es auch jeder weiß, auch diejenigen, die es eigentlich nicht interessiert und diesen Beitrag nur überfliegen: es war leichter als erwartet.

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Abenteuer mit Drumpf! (Teil 6)

Es knarzte zuerst leise und kaum wahrnehmbar, doch das Geräusch entwickelte sich langsam, aber stetig zu einem klagendem Ächzen von Metall. Und während Kaos Magen sich ungefähr genau so verzog, wie die Angeln der Eingangstüre, wurde Donnels Lächeln immer breiter.
„So hat er sich das bestimmt nicht vorgestellt, der gute Mister Iks… jeden Moment müssten wir frei sein.“
Mitnichten. Denn als das Tor schließlich aus den Angeln gehoben wurde, Donnel die Beammaschinerie ausschaltete und die Luke öffnete, sah er unter sich eine Grube, gefüllt mit toten, nackten Leibern.
„Dieses Abenteuer wird ja immer besser“, jammerte das Meerschweinchen, das nun auch in den fleischigen Abgrund hinuntersah. „Boss, willst du da jetzt wirklich runter?“
„Gegenfrage, mein guter Kao – willst du hier oben versauern? Ich werde mich jetzt jedenfalls nacht unten wühlen. Aber wenn du nicht willst, dann schicke ich meinem tapferen Leibwächter gerne Hilfe zu, sobald ich mich um das Problem mit meinem verrückten Angestelten gekümmert habe.“
Kao massierte sich die Nagerschläfen und seufzte, als Donnel die Luke hinunterstieg. Es war ein merkwürdiger Anblick, wie dieser sich zwischen den Leibern nach unten wühlte.
„Na großartig“, murmelte Kao und kletterte hinterher.
Sie hatten beide vergessen, dass sich die Schließmuskeln und Blasen von Menschen – egal ob mit oder ohne Antenne nach dem Tod entspannten. Als sie schließlich vor dem Turm ankamen, versprachen sie sich gegenseitig nie wieder von diesem Ereignis zu sprechen.

Nach einem Bad in Rabensburg, das sie sehr dringend nötig hatten, trafen sich Donnel und Kao wieder im Schankraum des Gasthauses, das sie für die Nacht gebucht hatten.
„Boss… ich will mich ja nicht beschweren, aber ich muss schon sagen, ich bin etwas verwundert darüber, dass wir nicht sofort aufbrechen und versuchen, den Kerl dingfest zu machen. Er wollte doch alle Beammaschinerien zerstören, sagte er!“
Donnel, der während das Meerschweinchen sprach, eine Karte studierte, sah Kao nicht einmal an, als er antwortete.
„Das ist richtig…“, murmelte er.
„Vielleicht sollte er das auch!“, quiekte Kao empört. „Ob aus einer anderen Dimension oder nicht, das sind Menschen! Oder zumindest fühlende Lebewesen, die ebenfalls Schmerz empfinden können! Es… ist falsch sie zu essen…“
Donnel legte die Karte beiseite und sah nachdenklich aus dem Fenster hinaus.
„Ja, irgendwo hast du Recht“, pflichtete er seinem treuen Begleiter bei. „Vielleicht sollte er das auch. Aber wir haben doch beide dabei übereinstimmt, dass Fleisch einfach viel zu lecker ist, als dass man komplett darauf verzichten sollte, richtig?“
Kaos Mund zuckte unruhig. Die Frage behagte ihm nicht.
„Naja“, murmelte Kao. „Ja, schon… aber man sollte es nicht einfach so essen. Es sollte nichts vollkommen Gewöhnliches sein.“
„Ja, da muss ich dir zustimmen. Aber wie gelingt es uns, dieses Bewusstsein bei all den Konsumenten hervorzurufen?“
„Indem man ihnen verbietet, öfters als einmal in der Woche Fleisch zu essen? Vielleicht nur an Feiertagen?“
„Ach du meine Güte, Kao!“, rief Donnel schockiert. „Willst du denn die Freiheit des Volkes einschränken? Bist du des Wahnsinns?“
„Aber es wäre doch das Richtige!“
„Wo bleibt denn deine Moral? Der Weg zum Ziel muss genauso richtig sein, sonst ist das Richtige am Ende nicht mehr… ach, du weißt, was ich meine. Ich habe eine viel bessere Idee. Man erhöht den Preis für Fleisch.“
Kaos Miene erhellte sich.
„Ja, gute Idee! Dann essen sie das nicht mehr so häufig!“
„Genau!“
„Aber… die Konkurrenz?“
„Kaufen wir auf. Mister Iks hat nur einen geringen Vorsprung, außerdem sind wir zu zweit. Wir werden uns trennen und den nächsten Besitzern der Beammaschinerie ein unschlagbares Angebot unterbieten. Eines, bei dem sie denken würden, ich hätte völlig den Verstand verloren.“
Kao rümpfte die Nase.
„Und die anderen Beammaschinerien lässt du absichtlich von Mister Iks zerstören?“
Donnel konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen.
„Aber Boss! Das ist nicht unbedingt das, was ich mir unter Selbstlosigkeit vorgestellt habe!“
„Ich würde mir ja auch wünschen, dass es anders funktionieren würde, den Fleischkonsum einzudämmen. Aber fällt dir eine bessere Idee ein? Du warst doch erst derjenige, der mich dazu ermutigt hat, dafür einzustehen!“
Kao bekam Kopfschmerzen und stimmte Donnels Plan schließlich zu.

Drei Monate später ist Mister Iks schließlich bei einem schrecklichen Unfall ums Leben gekommen. Er ist von einem Turm gestürzt und hat sich dabei den Hals so sehr gebrochen, dass der Kopf dadurch, so glatt und sauber wie durch einen Schwerthieb vom Hals getrennt wurde. Natürlich fand das niemand komisch, denn die Fußballweltmeisterschaft fanden im Finale Vereinte Nationen der Meerjungfrauen gegen Kap Talis ihren Höhepunkt und da war fast überhaupt nichts komisch, weil man sich für überhaupt nichts anderes mehr interessierte. Auch nicht, dass etwa zum Zeitpunkt, an dem die Achtelfinalespiele begannen, plötzlich viele Beammaschinerien zerstört wurden, aber deren Existenz war ja den meisten Leuten ohnehin unbekannt. Seltsam fanden die Leute bloß, dass die Fleischpreise enorm stiegen. Die ganze Branche schien zu kollabieren und selbst die erfolgreiche Franchisekette MacMäntsch wurde aufgekauft von einem anderen Unternehmen, welches sich MacDonnels nannte.
Kao und vor allem Donnel waren sehr zufrieden, denn der Fleischkonsum ging tatsächlich sehr stark zurück, doch die Gewinne stiegen ins Astronomische, dass Donnel seinem Leibwächter eine satte Gehaltserhöhung gönnte. Immerhin waren die Preise für dessen Lieblingsgericht entsprechend gestiegen. So kam es, dass die beiden sich beim Verzehr von Hamburger-Burger über ihr nächstes Abenteuer unterhielten.

Projekt: Pseudo-Vegetarismus (1. Monat)

In gewisser Hinsicht ist mein Leben eine Abfolge von verschiedenen Projekten, dieser Blog ist ein schönes Schaubild dafür. Nun ein weiteres ehrgeiziges Projekt: ich will aufhören, Fleisch zu essen. Vegetarier werden.

Ich habe etwas über einem Monat damit angefangen, aber um es nicht unnötig kompliziert zu machen, sage ich jetzt einfach: ab November habe ich aufgehört, Fleisch zu essen. Ich habe davor auch schon meinen Fleischkonsum stark eingedämmt, aber ungefähr drei Mal die Woche Gerichte mit Fleisch (Flammkuchen mit Speck, Maultauschen, Brot mit Pfefferbeißern) genommen, ungefähr alle zwei Woche ein gutes Stück Rindersteak. Ich bin ganz ehrlich. Alleine, wenn ich das alles aufzähle, läuft mir wieder das Wasser im Mund zusammen. Das habe ich von heute auf morgen eingestellt – eine ziemliche Herausforderung, sehr spannend für mich. Vielleicht auch für euch, deshalb dokumentiere ich das auch. Eventuell spielt auch jemand von euch Lesern mit den Gedanken, auf Fleisch zu verzichten und wir können uns diese Gewohnheit gemeinsam abgewöhnen, bzw. es hilft, wenn man sieht, dass man da gerade nicht alleine durchgeht.

Wieso eigentlich? Ehrlich gesagt, alleine mein letzter Satz mit Phrasen wie „da muss man durchgehen“, ist abscheulich. Ich bin 26 Jahre alt und habe mein ganzes Leben Fleisch gegessen. Mir war klar, dass Tiere dafür sterben mussten, aber das nahm ich in Kauf. Jeder in meiner Familie tat das selbe. Es war also eine Art Gewohnheit, die man nicht hinterfragte und dazu verdammt lecker schmeckt. Mit 19 habe ich meine Ehefrau kennen gelernt, die schon ewig Vegetarierin ist. Sie hat mich nie versucht, ebenfalls dazu zu bringen, mich auch nie verurteilt dafür, dass ich Fleisch esse. Manchmal habe ich mich ein klein wenig über sie lustig gemacht. Nie ernsthaft, sie hat es mir auch nicht wirklich übel genommen. Ich habe sie auch andererseits offen für ihren Vegetarismus bewundert, da ja eigentlich nichts verwerflich daran ist – aber ich war der Meinung, es sei doch schon „etwas extrem“. Offen gestanden schäme ich mich heute für mein Verhalten. Auch sich „ein bisschen“ über Vegetarismus lustig zu machen, ist absolut heuchlerisch, vor allem, wenn man Fleisch aus der Massentierhaltung isst, was ich getan habe. Dazu gehört nicht nur das halbe Kilo Putenfleisch für 2,50€, sondern natürlich auch in der Regel die Salami und der Schinken vom Pizzabelag oder die Weißwurst. Jetzt habe ich immer noch nicht wirklich die Frage beantwortet: während ich an meiner Kurzgeschichte „Abenteuer mit Drumpf“ schrieb, welche sich, wenn auch nur scherzhaft, mit der Frage beschäftigt, ob es gerechtfertigt ist, Menschen zu essen, wenn diese aus einer anderen, unbekannten Dimension stammen und sich nicht mitteilen können, habe ich mich gefragt: mit welcher Berechtigung töten wir noch Tiere? In Indien ernährt sich fast die gesamte Bevölkerung vegetarisch und die ist im Schnitt gesünder als wir, reichen, verwöhnten Deutschen! Wir sind lange über den Punkt hinaus, an dem wir auf Tierverzehr angewiesen sind. Wie rechtfertigen wir diese Massentötung? Ich will kein Teil mehr an dieser grausamen und obendrein umweltzerstörerischen Industrie mehr sein. Als Konsument bin ich mit verantwortlich.

Also keine Sorge. Das wird kein „ihr Fleischesser seid doch alle Scheiße“-Post, in der Position befinde ich mich gar nicht. Zumal ich immer noch Fisch esse, was dem ein oder anderen immer noch als sehr heuchlerisch anmuten mag, sind Fische doch auch Tiere. Aber erstens, ich denke, ich fange schon ziemlich direkt an und irgendwo sollte man sich auch realistische Ziele setzen. Wir sprechen hier davon, jahrzehntelange (Ess-)Gewohnheiten zu bekämpfen. Zweitens schadet die Fischzucht der Umwelt nicht so stark, wie die Viehzucht (was sich als falsch erwiesen hat – danke für die Info, Cordula!). Und drittens, zugegeben ein sehr schwacher Punkt, kenne ich einfach noch nicht so viele vegetarische Gerichte, die mir schmecken, mit denen ich mich auch ausgewogen ernähren kann. Das wird aber mit der Zeit kommen, es werden bereits immer mehr. Alleine in der indischen und der libanischen Küche habe ich bisher schon viele richtig leckere Gerichte für mich entdecken können, die der fleischhaltigen Küche in Nichts nachstehen.

Richtig schwierig wurde es, als ich mit meiner Mutter, die aus Japan zu Besuch kam, indisch essen war. Sie hat sich Lammfleisch bestellt und hatte Probleme damit, ihre Portion aufzuessen. Ich habe mir eigentlich nur vorgenommen, insofern auf Fleisch zu verzichten, als dass ich die Nachfrage nicht erhöhen würde. Hätte ich von ihr gegessen, hätte ich das dadurch nicht getan. Das Lamm war ohnehin bereits bestellt. Allerdings wollte ich nicht „rückfällig“ werden, ihr wisst, was ich meine. Es würde mir ja immer noch sehr gut schmecken und beim nächsten Gang durch den Supermarkt würde ich mir dann evtll. eher denken: „Meine Güte, jetzt kaufste dir halt mal ein Lammfilet, als wenn das groß was ändern würde! Schmeckt doch gut und du isst es ja nicht mehr so häufig!“
In diesem Bewusstsein habe ich abgelehnt und meiner Mutter vorgeschlagen, dass ich den Rest ihres Fladenbrotes und Gemüses esse. Es war wirklich nur noch ein Happen, eigentlich ziemlich lächerlich und so wurde alles verputzt, ohne dass ich wieder Tier gegessen habe.

Ansonsten war es erstaunlich einfach. Der Kampf findet meistens im Supermarkt statt, oder wenn ich auswärts essen muss. Aber glücklicherweise habe ich in Ludwigsburg diesen tollen libanesischen Imbiss (El-Mina Falafel, Seestraße 9) entdeckt, dass Letzteres kein Problem darstellt. Und im Supermarkt muss ich einfach nur genauer hinschauen. Hatte schonmal Blätterteig mit Käse-Schinken-Füllung in den Händen (ich brauche jetzt ein bisschen mehr zu essen und bei meiner Figur kann ich’s mir erlauben, abends noch einen Snack zu mir zu nehmen), bis ich merkte, dass der Schinken da drin ja auch Fleisch war. Wie blöd eigentlich. Aber es ist wirklich nicht ganz so leicht. Wenn man aber wirklich bewusst einkaufen geht und sich stets die Frage stellt: „Warum eigentlich?“, dann geht das. Ich kann also sagen, der erste Monat war erstaunlich easy. Jetzt kommt allerdings die Weihnachtssaison. Wo Verwandte en masse Fleisch einkaufen und erwarten, dass alles gegessen wird. Ich freue mich schon auf die Telefonate, in denen ich Bescheid gebe, dass ich mir meinen eigenen Fraß mitbringe. Ich kann ja so gut und rücksichtsvoll mit Menschen umgehen… Hilfe.