Introvertiertes Intuieren

Introvertiertes Intuieren, oder kurz NI (englisch: Intuition Introverted) ist die Funktion, die uns dabei hilft, die Zukunft gedanklich zu verbildlichen und tiefere Bedeutungen zu erkennen. Die Funktion ist am ausgeprägtesten bei den Typen INTJ und INFJ und steht an zweiter Stelle bei deren extrovertierten Pendants: ENTJ und ENFJ.

Der Unterschied zu Empfindern
Während Empfinder sich sehr auf ihre Sinne und Erfahrungen, also auf Gegenwärtiges und Vergangenes beziehen, konzentrieren sich introvertierte Intuierer in erster Linie auf die Zukunft. Nun muss man hier jedoch noch weiter differenzieren, denn auch die konservativen, stets zurückblickenden introvertierten Empfinder planen viel für die Zukunft. Während SI (Sensing Introverted = introvertiertes Empfinden) jedoch eher versucht, sich zu wappnen und den Eindruck hat, „Die Zukunft wird mir passieren“, betrachtet NI die Zukunft in der Regel optimistischer und in einer aktiveren, gestalterischen Rolle: „Ich werde der Zukunft passieren“. Dementsprechend haben introvertierte Intuierer ein ausgeprägtes Bestreben, die Zukunft selbst zu prägen und sind idealistischer und verträumter als ihre empfindenden Gegenparts. Sie verzichten auf momentane Genüsse und Privilegien, wenn es ihren Plänen dienlich ist, arbeiten auf etwas zu, das in ihren Augen Bestand hat, während sich Empfinder meistens damit zufrieden geben, wenn alle Bedürfnisse gestillt sind und die Zukunft keine Sorgen für sie bereit hält. In der Schule unterscheiden sich introvertierte Intuierer eher von extrovertierten Empfindern, die lieber in Bewegung sind, als auf der Schulbank still sitzen und lernen zu müssen, als von introvertierten Empfindern, die in der Regel auch sehr aufmerksam dem Unterricht folgen und fleißig lernen, auch, wenn es unangenehm ist.

Der Unterschied wird nach der Schulzeit deutlicher, wenn introvertierte Intuierer von ihren Mühen tatsächlich auch Veränderungen verlangen, die über ihr eigenes Leben hinaus gehen. Symbolik und Sinnhaftigkeit spielen für NI ein großes Thema – wenn ein introvertierter Intuierer etwas Zeitaufwändiges tut, dann hat es meistens eine tiefere Bedeutung, zumindest einen klar definierten und nicht materiellem Zweck. Einfach nur zu arbeiten, um in relativem Wohlstand zu leben, reicht nicht aus, weshalb viele introvertierte Intuierer sich häufig Politik, Religion oder Wissenschaft verschreiben, während Empfinder sich lieber mit praktischeren Dingen beschäftigen. Es muss nicht einmal sein, dass ein introvertierter Intuierer ein idealistischer Weltverbesserer ist, was man N-Typen gemeinhin zuschreibt – es kann ihnen auch um Macht, Einfluss und ihren Ruf gehen, beides kann nicht komplett ausgeschlossen werden.

NI verleiht mehr Weitsicht als SE (Sensing Extroverted = Extrovertiertes Empfinden) und gleichzeitig mehr Antrieb und Kreativität als SI, auf der anderen Hinsicht fehlt häufig der Aktionismus von SE und das Auge fürs Detail von SI. Konflikte mit SI passieren weniger in der Ausführung eines Plans und mehr bei der Planung, während Konflikte mit SE eben eher bei der Ausführung des Plans vorkommen.

Der Unterschied zu extrovertiertem Intuierern
Wenn man introvertierte Intuierer wie oben als verträumt bezeichnet, dann gilt das nicht in Relation zu ihren extrovertierten Pendants. NE (iNtuition Extroverted = Extrovertiertes Intuieren) stecken fast permanent in Tagträumereien und Gedankenspielen, während die Vorstellungen von NI weniger „zufällig“ und zielgerichteter sind. Es ist gut möglich, dass ein extrovertierter Intuierer einem introvertiertem Intuierer Engstirnigkeit vorwerfen könnte, während andersherum der Eindruck entstehen könnte, dass NE zu sprunghaft sei. Extrovertiertes Intuieren fehlt in der Regel der lange Atem, eine Idee vollständig ins Praktische zu übertragen, während introvertiertes Intuieren die Tendenz hat, krampfhaft an einer Idee festzuhalten und dabei Scheuklappen aufzusetzen.

NE zieht Eindrücke, Gedanken und Möglichkeiten aus der Umwelt, lässt sich also von außen inspirieren, knüpft direkte Verbindungen und ist flexibel, während man die Eindrücke von NI, der vielleicht unergründlichsten aller Funktionen, schon fast eher als Visionen bezeichnen kann. Sie werden weniger extern bestimmt, kommen viel mehr aus dem Inneren heraus, als subjektive Ahnungen, die schwer von Außenstehenden nachvollziehbar sind.

Extrovertierte Intuierer kann man gemeinhin als Freigeister bezeichnen, die Spaß am Entdecken und Denken an sich haben, während introvertierte Intuierer zwar auch insofern „Freigeister“ sind, dass sie auch originelle Ideen haben, diese aber viel zielgerichteter und weniger breit gefächert sind. Die klassische Vorstellung eines zerstreuten Intellektuellen, der immer wieder neue Sichtweisen bietet entspricht eher dem extrovertierten Intuierer, während der introvertierte Intuierer eher dem Bildnis eines visionären Machers entspricht. So unterscheiden sich auch die Lebensstile zwischen extrovertierten und introvertierten Intuierern: während der eine eher mit klaren Vorstellungen, viel Disziplin, aber gleichzeitig auch einer gewissen Verkrampftheit durchs Leben geht, lebt der andere in den Tag hinein, ist vergleichsweise viel offener für Neues und fremde Gedanken, aber hat weniger Triebkraft.

Die Vorteile introvertiertem Intuierens
Große Pläne erfordern Aufopferungsbereitschaft und davon haben introvertierte Intuierer in der Regel zu Genüge. Sie haben viel Ausdauer und Engagement, können letzteres auch häufig gut auf andere übertragen – da sie selbst von ihren Plänen überzeugt sind und dafür brennen, so fern sie auch zu scheinen mögen, kann diese Leidenschaft sich auch auf andere auswirken. Nicht selten fühlen sich daher auch andere Menschen zu introvertierten Intuierern hingezogen und das mag nicht einmal so sehr an Sympathien liegen. Viel mehr haftet introvertierten Intuierern ein gewisses Versprechen von Erfolg an und gerade jene, die unzufrieden mit den derzeitigen Zuständen sind, scharen sich um jene, die Veränderungen personifizieren. Da NI wie bereits erwähnt ein Auge für Bedeutungen und Symbolik hat, können introvertierte Intuierer dementsprechend gut mit Bildern spielen und damit auch andere Menschen mobilisieren.

In Bezug auf andere Menschen sind introvertierte Intuierer nicht nur gut darin, diese zu beeinflussen, sondern auch relativ resistent gegenüber fremder Beeinflussung. Da sie selbst so stark ausgeprägte Motive haben, verfügen sie auch über ein sensibles Gespür, was die Intentionen ihrer Mitmenschen angeht.

Die Nachteile introvertiertem Intuierens
Während allen Intuierern ein Stück weit Rastlosigkeit zuzurechnen ist, trifft dies ganz besonders auf introvertierte Intuierer zu. NE mag den Nachteil haben, dass man den Kopf nicht mehr abschalten kann, doch NI kann im schlechten Fall dafür sorgen, dass man die eigenen Bedürfnisse komplett hinter das Ziel stellt, schon gar nicht mehr wahrnimmt und sich komplett überarbeitet.

Darüber hinaus muss NI immer wieder durch neues, externes Input gefüttert werden, um prüfen zu können, ob die Richtung noch stimmt oder den äußeren Umständen angepasst werden muss. Nicht selten zerschellen die Träume introvertierter Intuierer an der harten Wand der Realität, die zu lange außer Blick gelassen wurde: Details wurden übersehen, die sich angehäuft haben, Regeln haben sich geändert und bestimmte Blickpunkte, die man von einem anderen Standpunkt aus gesehen hätte, außer Acht gelassen. Die Hartnäckigkeit, die mit NI kommt, kann auch stumpfe Sturheit werden, weshalb introvertierte Intuierer immer offen für guten Rat sein sollten, auch – oder besser vor allem, wenn er ihnen anfangs nicht unbedingt gut schmeckt.

Achso – und die meisten dieser nervigen Motivationstrainer, deren Sprüche man an jeder zweiten Pinnwand (vor allem in sozialen Netzwerken) sieht, sind auch introvertierte Intuierer.

Introvertiertes Intuieren an den verschiedenen Stellen

Erste/Zweite Funktion NI (INTJ, INFJ, ENTJ, ENFJ): 
„Ich weiß ganz genau, was ich tue, vertrau mir.“

„Ich habe einen Plan – ich sehe ihn ganz klar vor meinen Augen, jeden einzelnen Schritt von hier bis zum Ziel.“

„Gib dich nicht einfach zufrieden, es gibt so viel mehr! Träume groß! Setze dir Ziele und jage ihnen nach, damit dein Leben nicht sinnlos ist!“

„Ich brauche keine jahrelange Ausbildung, um das zu verstehen oder zu können. Manchmal fliegt es mir auch einfach zu.“

„Jetzt lachst du noch, weil du das große Bild nicht erkennen kannst. Später wirst du meinen Namen darunter sehen.

Dritte/Vierte Funktion NI (ISTP, ISFP, ESTP, ESFP): 
„Irgendetwas sagt mir, dass das eine ziemlich dumme Idee ist. Lass es uns trotzdem tun.“

„Kennst du das? Manchmal… manchmal, da kommen einem die ganz großen Fragen auf! Wie zum Beispiel, was der Sinn des Lebens ist.“

„Ich weiß, was ich will. Und ich bin schon auf halber Strecke, es zu bekommen, weil ich auch etwas dafür tue.“

„Wie ich diese Kunstwerke erschaffen habe? Ich weiß es auch nicht so richtig. Diese Ideen flogen mir einfach zu, ich kann auch nicht beschreiben, woher sie kamen.“

„Es ist nicht so, dass ich nicht an die Zukunft denke, weil ich Risiken eingehe. Ich gehe Risiken ein, damit ich möglicherweise eine bessere Zukunft haben werde!“

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Extrovertiertes Intuieren

Extrovertiertes Intuieren, oder kurz NE (englisch: iNtuition Extroverted) ist die Funktion, die uns dabei hilft, die Welt so zu erfassen, wie sie sein könnte, Möglichkeiten wahrzunehmen und verschiedene Blickpunkte annehmen zu können. Die Funktion ist am ausgeprägtesten bei den Typen ENTP und ENFP steht an zweiter Stelle bei deren introvertierten Pendants: INTP und INFP.

Der Unterschied zu Empfindern
Um den Unterschied hervorzuheben, verwende ich statt dem Begriff „Empfinder“ auch gerne den Term „Sensoriker“. Sensoriker nehmen die Welt mit ihren Sinnen wahr: sie sehen, hören, riechen, fühlen und schmecken ihre Umwelt. Natürlich können das auch Intuierer, aber längst nicht so feinfühlig wie die S-Typen. Intuierer leben vielmehr in einer gedanklichen Welt. Das, was sie mit ihren Sinnen wahrnehmen ist für sie eher eine Art Stimulant, etwas, was ihre Vorstellungskraft anregt. Man könnte sagen, dass Sensoriker ihre Umwelt scannen, während die Aufmerksamkeit von Intuierern an einzelnen Dingen kleben bleibt und diese dann interpretiert. Demzufolge entgehen dem Intuierer viele Details, die dem Sensoriker auffallen, allerdings sieht er in den Details, die ihm auffallen, mehr Facetten.

Durch diese unterschiedliche Form der Wahrnehmung der materiellen Welt wird auch die Wahrnehmung der Zeit der verschiedenen Typen beeinflusst. Extrovertierte Sensoriker leben vor allem im Hier und Jetzt, introvertierte Sensoriker mehr in der Vergangenheit. Extrovertierte Intuierer leben sowohl in der Vergangenheit, als auch in der Zukunft, was bedeutet, dass sie zum einen externe Stimuli stets mit bereits aufgenommenen Daten vergleichen und zum anderen, welchen Impakt sie auf die Zukunft haben könnten. Sie sind dabei weniger fixiert auf das, was im unmittelbaren Moment passiert. Durch diese „verkopfte“ Art wirken extrovertierte Intuierer häufig verträumt, geistesabwesend und auch ein wenig skurril.

Durch diese unterschiedliche Wahrnehmung von Umwelt und Zeit ergibt sich häufig auch eine unterschiedliche Weltansicht und so ist es nicht verwunderlich, dass Sensoriker (insbesondere introvertierte Sensoriker) häufig eher konservativere Tendenzen haben, die sich an der Vergangenheit und Traditionen orientieren, bzw. eher leichtfüßig und gefühlt sorgenfrei (insbesondere extrovertierte Sensoriker) durchs Leben gehen, während extrovertierte Intuierer gesellschaftlich häufig eher liberaler eingestellt sind. Zwar hat ihre teils drollig anmutende Art auch häufig etwas Fröhliches an sich, aber verglichen mit Sensorikern neigen sie viel eher dazu, sich in Grübeleien zu verlieren, was im ungünstigen Fall auch zu Depressionen führen kann, für die Sensoriker nicht ganz so anfällig sind.

Der Unterschied zu introvertiertem Intuieren
Wie bereits erwähnt, haben extrovertierte Intuierer einen Hang dazu, sowohl in der Vergangenheit als auch in der Zukunft zu leben. Bei introvertierten Intuierern verschiebt sich das etwas weiter nach vorne, soll heißen, sie leben mehr in der Gegenwart, nehmen also materielle Eindrücke etwas intensiver wahr als ihre extrovertierten Pendants und hängen ihre Gedanken gleichzeitig viel mehr an die Zukunft, während die Vergangenheit eine eher untergeordnete Rolle spielt. Die stärker ausgeprägte Zukunftsbezogenheit macht introvertierte Intuierer zu besseren Langzeitplanern, die einem strikteren Tagesablauf folgen als extrovertierte Intuierer, die sich alle Optionen frei halten wollen.

Introvertierte Intuierer haben zwar auch ihre humorvolle Seite, wenn man sie aber mit extrovertierten Intuierern vergleicht, sind sie generell von eher ernsterem Charakter. Introvertierte Intuierer können prinzipiell zwar gut mit extrovertierten Intuierern umgehen und andersherum, sind jedoch schnell gereizt durch die Sprunghaftigkeit der extrovertierten Intuierer. Diese wiederum empfinden introvertierte Intuierer häufig als zu festgefahren und nicht selten als zu sehr von sich selbst überzeugt.

Gerade in letzterem Punkt liegt der Unterschied, der wahrscheinlich am bemerkbarsten ist: extrovertierte Intuierer halten es in der Regel für ungünstig oder gar gefährlich, eine all zu hohe Meinung von sich selbst zu haben. Sie leben nach dem Motto, dass man nie auslernt, dass es immer neue Blickwinkel zu entdecken gilt und ändern aus diesem Grund auch häufiger ihre Meinung. Introvertierte Intuierer hingegen wechseln langsamer, bzw. seltener ihre Meinung und haben meist mehr Selbstvertrauen. Um ihre nicht selten ambitionierten Pläne und sich selbst auferlegten Maßstäbe zu erreichen, müssen sie das jedoch auch sein, während extrovertierte Intuierer genau deshalb so scharfsinnige Beobachter sind, weil sie alles – einschließlich sich selbst – so kritisch hinterfragen.

Die Vorteile extrovertiertem Intuierens
Extrovertierte Intuierer sind einfallsreich und auf erfrischende Art und Weise unkonventionell. Sie sind gut darin, zwischen den Zeilen zu lesen, da sie aktiv nach versteckten Botschaften suchen und entdecken überall Möglichkeiten, wo andere keine oder nur begrenzte Alternativen sehen. Sie haben einen unternehmerischen Geist und können in einer kindlichen Art und Weise mit ihrer Euphorie auch sehr ansteckend wirken.

Dadurch, dass extrovertierte Intuierer versuchen, eine Situation immer von verschiedenen Winkeln aus zu betrachten, sind sie häufig etwas toleranter als andere Typen. Von Natur aus neugierig können sie sich für die verschiedensten Dinge interessieren, sind dementsprechend nicht selten relativ belesen und können auf eine Vielzahl diverser Hobbies zurückschauen. Sie sind recht anpassungsfähig, was ihre Umgebung angeht, da sie nicht sonderlich viel Wert auf materielle Äußerlichkeiten legen und eher in ihrer Gedankenwelt leben.

Sie sind relativ schwer zu täuschen, da ihr weiter Blickwinkel auch vor den Handlungen, bzw Intentionen ihrer Mitmenschen keinen Halt macht, weshalb sie, trotz ihrer eher liebenswürdigen, lockeren Erscheinung, häufig ein gewisses Misstrauen gegenüber den meisten ihrer Mitmenschen hegen.

Die Nachteile extrovertiertem Intuierens
Eben genannten Punkt kann man auch als Nachteil auslegen – nicht selten leben extrovertierte Intuierer in einem chaotischen Haushalt und tragen schmutzige und/oder abgetragene Kleidung, ohne, dass es ihnen groß auffallen würde. Sie können nur mit Mühe Ordnung halten und sind schlechte Organisatoren – da sie sich jede Option freihalten wollen, tun sie sich schwer damit, feste Termine zu setzen und manchmal sogar, diese einzuhalten.

Man könnte ihnen als Vorteil zusprechen, dass sie schwer zu berechnen sind, aber das gilt auch für sie selbst – sie tun sich schwer damit Entscheidungen zu treffen, wollen diese im Nachhinein oft ändern, weil sie das Gefühl haben, durch ihre Wahl etwas (besseres) verpasst zu haben und sind manchmal regelrecht perplex über ihr Verhalten, wenn sie es in retrospektive betrachten. Oftmals sind sie so überwältigt durch die vielen Optionen, die sich in manchen Augenblicken bieten, dass sie häufig zu gar keinem Entschluss kommen, weshalb es ihnen manchmal sogar hilft, wenn ihre Möglichkeiten nur eingeschränkt sind.

Ihnen fehlt häufig der lange Atem und die Überzeugung ihre oftmals eigentlich guten Ideen tatsächlich umzusetzen – entweder sie verlieren einfach das Interesse oder sie verlieren den Glauben daran, dass ihr Plan tatsächlich das angestrebte Ziel erfüllt. Das macht sie sprunghaft und in manchen Situationen regelrecht unzuverlässig.

Erste/Zweite Funktion NE (ENTP, ENFP, INTP, INFP): 
„Sorry, ich habe bei deinem letzten Satz nicht mehr richtig zugehört. Du hast mich auf eine tolle Idee für eine neue Geschichte gebracht.“

„Was du aber auch machen könntest…“

„Und es gibt wirklich keine andere Möglichkeit? Es muss doch noch eine andere Option geben, wie man das lösen kann…“

„Hm… wenn man lange genug darüber nachdenkt, ist der Antagonist aus diesem Film eigentlich gar nicht mal so böse. Eigentlich will er ja nur…“

„Was? Ich bin nicht kindisch! Das ist nur mein „Ich-hab’s-doch-gewusst“-Tanz! Ha! Ich hab’s doch gewusst!“

Dritte/Vierte Funktion NE (ESTJ, ESFJ, ISTJ, ISFJ): 
„Halt, halt, halt, halt… das sind zu viele Ideen auf einmal.“

„Verdammt! Ich wusste, dass das passieren würde! Nächstes mal sollte ich mich mehr auf mein Bauchgefühl verlassen.“

„Nein, so einfach ist das nicht. Das hängt alles irgendwie miteinander zusammen – wenn man bloß sagen könnte, wie genau…“

„Ja, das ist eine schöne Idee, aber das war’s dann auch schon. Eine schöne Idee, die aber niemals umgesetzt werden kann.“

„Ab und an brauche ich auch mal ein wenig Abwechslung, deshalb reise ich ab und zu – und wenn ich wieder zurück bin, freue ich mich, dass wieder alles wie gewohnt ist.“

Extrovertiertes Fühlen

Extrovertiertes Fühlen, oder kurz FE (englisch: Feeling Extroverted) ist die Funktion, welche sich in erster Linie auf die eigene Emotionalität bezieht. Die Funktion ist am ausgeprägtesten bei den Typen ENFJ und ESFJ und steht an zweiter Stelle bei deren introvertierten Pendants: INFJ und ISFJ .

Der Unterschied zu Denkern
In vielerlei Hinsicht ist das der offensichtlichste Unterschied zwischen allen Funktionen: während Denker ihre Entscheidungen (versuchen möglichst) unparteiisch und nüchtern zu fällen, sind Fühler allgemein emotional sehr voreingenommen. Wenn ein Denker in einer Führungsposition, insbesondere ein extrovertierter Denker, es mit einem inkompetenten Angestellten zu tun hat, wird er in der Regel wenig Scheu zeigen, diesen zu entlassen, wenn es zum Besten für das Unternehmen ist. Der extrovertierte Fühler tut sich damit um einiges Schwerer, weil er stark mitfühlend und auf persönlicher Ebene wohlwollend ist.

Was sich von dieser Perspektive als Schwäche zeigt, ist auf rein zwischenmenschlicher Seite jedoch meistens eine große Stärke. Andere Menschen fühlen sich insbesondere zu extrovertierten Fühlern stärker hingezogen, als zu Denkern, da FE nach außen hin wie bereits erwähnt wohlwollend, aber auch menschlich, Anteil nehmend wirkt. Man fühlt sich vielleicht nicht zwangsweise verstanden, aber zumindest nicht alleine gelassen. Auch die negativen Stimmungen werden jedoch viel vehementer nach außen getragen. Die Laune eines extrovertierten Fühlers füllt oftmals ganze Räume aus, während der emotionale Zustand eines Denkers häufig im Verborgenen bleibt.

Während TE Effizienz verlangt und TI die Wahrheit, strebt FE vor allem Harmonie an. „Aim to please“ trifft also am ehesten auf extrovertierte Fühler an, was auch daran liegt, dass sie die Stimmung in einer Gruppe viel stärker erfassen und empfinden als jeder andere Typ – selbst introvertierte Fühler fühlen sich häufig überfordert, wenn sie mit mehr als nur einer anderen Person konfrontiert werden. Extrovertierte Fühler lernen durch diese Ausprägung relativ gut, ihre Mitmenschen zumindest oberflächlich zu lesen: hat die andere Person Angst? Ist sie entspannt? Ist sie interessiert, gelangweilt, traurig? Der extrovertierte Fühler wird vielleicht nicht wissen, weshalb sein Gegenüber sich in jenem Zustand befindet, aber zumindest wird er denselben ebenfalls spüren – etwas, das Denkern, insbesondere extrovertierten Denkern schwer fällt.

FE priorisiert dementsprechend Zwischenmenschliches ganz klar vor Effizienz und Logik. Würde man drei Teams miteinander vergleichen, von denen eines von einem extrovertierten Fühler, das zweite von einem extrovertierten Denker und das dritte von einem introvertierten Denker geleitet wird, kann man sich sicher sein, dass das TE-Team, das Team wahrscheinlich schneller erreichen wird, es FE-Team aber genauso wahrscheinlich eine bessere Stimmung/Moral geben wird. Das TI-Team wird während dessen möglicherweise weder ganz fertig noch über einen besonderes ausgeprägten Teamgeist verfügen, aber introvertierte Denker gelten auch nicht als die besten Teamleiter.

Der Unterschied zu introvertierten Fühlern
Während extrovertierte Fühler mitfühlend sind, sind introvertierte Fühler einfühlsam. FE nimmt einen sehr genauen Abdruck der Stimmung seines Gegenübers war und wird ihn auf sich selbst übertragen können, aber immer noch versuchen müssen, zu verstehen, warum sich das Gegenüber so fühlt, wobei die vierte Funktion, TI, hier eine unterstützende Rolle spielt. FI hingegen kann oft nicht anders, als sich automatisch direkt in die Lage des anderen zu versetzen und die Situation aus genau derselben Perspektive zu betrachten. Die emotionale Reaktion kann daher zwar abweichen, aber der introvertierte Fühler wird eher Verständnis aufbringen, als Sympathie (wobei letzteres natürlich nicht ausgeschlossen werden muss).

Extrovertierte Fühler haben also eher eine Einstellung: „Egal, wer du bist, was du durchgemacht hast und wieso – du bist traurig, also bin ich auch traurig“ und bringen, sofern sie ausgeglichene Persönlichkeiten sind, auch eher ein gewisses Grundmaß an Freundlichkeit und Wohlwollen mit, während introvertierte Fühler hier etwas anders eingestellt sind: „Ich kann mich in dich hineinversetzen und erahne, wer du bist, was du durchgemacht hast und kann verstehen, weshalb – du bist traurig und ich weiß, weshalb.“ Ob der introvertierte Fühler nun auch angesteckt wird von der Emotion seines Gegenübers, hängt vom eigenen Wesen und der eigenen Stimmung ab. Die Emotionen sind für introvertierte Fühler nicht unbedingt ansteckend.

Da gerade über diesen Unterschied häufig Unklarheit herrscht, kommt es auch schnell zwischen intro- und extrovertierten Fühlern zu Konflikten: extrovertierte Fühler werfen ihren introvertierten Pendants oft vor, kalt zu sein, da sie nicht die eigentlich erwartete emotionale Reaktion bekommen, während introvertierte Fühler ihnen wiederum vorwerfen, „unecht“ zu sein und deren Gefühle als vorgeheuchelt empfinden. Beide Empfindungen sind jedoch falsch, da der introvertierte Fühler so stark fühlt, wie kein anderer Typ und ihm häufig nur die Fähigkeit fehlt, seine Emotionen auch nach außen hin zu kommunizieren, während der extrovertierte Fühler die Gefühle seiner Umgebung wahrhaftig empfindet. Als triviales, aber dennoch aussagekräftiges Beispiel, kann man aufführen, dass extrovertierte Fühler am ehesten dazu neigen, bei Filmen zu weinen (sofern die Schauspieler überzeugend genug sind) und man ihnen wohl kaum vorwerfen wird, dass das nur gespielt sei.

Die Vorteile extrovertierten Fühlens
Extrovertierte Fühler können Gefühle hervorragend nach außen kommunizieren – auch, wenn sie nicht zwangsläufig selbst empfunden werden. Das macht sie in sozialen Situationen sehr flexibel – sie können sich, sofern sie sich dabei nicht selbst zu sehr unter Stress setzen, stets selbst neu erfinden und diverse Rollen einnehmen, wobei sie dabei durch ihr Harmoniebedürfnis auch eingeschränkt werden. Sie nehmen eher ungern die Rolle des Anklägers, des Spötters oder des Zweiflers ein, sind allerdings umso mehr in ihrem Element, wenn sie andere verteidigen, zwischen Parteien vermitteln oder einfach nur für eine angenehme Stimmung sorgen wollen.

Selbstverständlich kommt ihnen auch die Fähigkeit zu Gute, die Gefühle anderer schnell und präzise zu erfassen und sich dementsprechend auf ihre Umgebung anzupassen. Extrovertierte Fühler sind dementsprechend soziale Chamäleons, welche sich nicht nur ihrer Umgebung anpassen können, sondern ihre Farbmuster auch besonders detailliert erkennen können. Darüber hinaus macht ihre positive Art sie häufig zu kompetenten Motivatoren und durch ihr Gruppenverständnis haben sie ein ausgeprägtes Bewusstsein für Etikette.

Die Nachteile extrovertierten Fühlens
Das starke Harmoniebedürfnis von FE trübt selbstredend das objektive, nüchterne Urteilsvermögen und nicht selten kann es deshalb vorkommen, dass auf lange Sicht falsche Entscheidungen zugunsten von temporärer emotionaler Befriedigung getroffen wurden. Das kann dazu führen, dass das wohlwollende Wesen extrovertierter Fühler schnell ausgenutzt werden kann oder aber sich anderen zu sehr aufdrängt, die eigentlich gar keine Hilfe – oder zumindest nicht die des extrovertierten Fühlers wollen. Extrovertierte Fühler haben das Bedürfnis, von ihrer Umgebung gemocht zu werden und geben viel auf die Meinung anderer – bis zu einem Punkt, dass sie sich selbst emotional abhängig machen können und/oder manipulativ, süchtig nach Aufmerksamkeit und eitel erscheinen oder gar werden können.

Extrovertiertes Fühlen Fühlen an den verschiedenen Stellen

Erste/Zweite Funktion FE (ENFJ, ESFJ, INFJ, ENFJ): 
„Lass uns das gemeinsam machen – zusammen macht es doch auch einfach mehr Spaß!“

„Beruhig dich. Ich bin bei dir, gemeinsam schaffen wir das, okay?“

„Hey, du bist richtig gut darin – voll das Naturtalent, oder?“

„Ich finde, dass du mehr Rücksicht auf andere geben solltest und ich denke, eine Entschuldigung wäre jetzt wirklich angebracht.“

„Ich meine es doch nur gut mit dir, warum siehst du das denn nicht und weist mich ab?“

Dritte/Vierte Funktion FE (ENTP, ESTP, INTP, ISTP): 

„Oh, das… ist scheiße. Ich würde dir ja echt gerne helfen, wenn ich könnte, aber ich weiß nicht wie.“

„Ich verstehe ja, dass du wütend bist, aber nicht, warum du deshalb deinen Verstand ausschaltest und nur noch idiotische Dinge tust.“

„Doch, doch. Ich mag dich. Bist in Ordnung. So und nun genug der Gefühlsduselei, wo waren wir?“

„Wenn du jemanden zum Reden brauchst – ich bin da. Erwarte nicht, dass ich mit dir weinen werde, aber reden ist auf jeden Fall drin, okay?“

„Die Leute halten mich anfangs immer für freundlich und sympathisch – bis sie mich besser kennen lernen, habe ich den Eindruck.“

NPs – Gefangen zwischen Arroganz und selbstkritik-bedingter Untätigkeit?

Das stark ausgeprägte extrovertierte Intuieren ist für ENTPs, ENFPs, INTPs und INFPs Segen und Fluch zugleich. Auf der einen Seite rühmen wir uns für dafür, die Dinge leicht von verschiedenen Blickpunkten aus betrachten zu können. Wenn uns jemand für unser Improvisationstalent lobt, dann denken wir uns mit einem leicht verlegenen Lächeln: „Naja, stimmt, darin bin ich echt gut“. Und wir sprühen nur so vor genialen Ideen und wissen allgemein, so glauben wir zumindest, was ein gutes Konzept ausmacht. Egal, in welchem Fachbereich. Und meistens ist das tatsächlich so.

Jetzt müsste man ja zu dem Schluss kommen, dass wir abgehoben und vollkommen eingebildet seien, aber auf der anderen Seite werden wir durch all die Eindrücke, die wir sammeln auch blockiert. Das, was viele andere zu wenig haben, um produktiv zu sein, haben wir teilweise einfach zu viel, dass es uns fast erstickt. Wir sehen den Reiz in so vielen Hobbies, dass wir sie am liebsten alle gleichzeitig anfangen würden – und zumindest ausprobieren ist oft drin. Und dann entwickelt sich eine heiße, innige Liebe, welche dann jedoch häufig nur von kurzer Dauer ist. Die Gründe dafür sind oftmals dieselben, die uns überhaupt erst dazu gebracht haben, eine neue Tätigkeit, eine neue Idee anzugehen: wir betrachten sie von allen Seiten und sehen dadurch nicht nur potentielle Errungenschaften, sondern auch Möglichkeiten zum Scheitern, Makel an der Grundidee an sich und weshalb die Idee vielleicht gar nach hinten losgehen könnte. Mein letzter Blogeintrag ist schon über einen Monat her – das ist vielleicht der einzige Grund, weshalb ihr diesen hier überhaupt lesen werdet: langsam wird es wirklich einfach mal wieder Zeit, ein Lebenszeichen von mir hören zu lassen. Ich habe meinen inneren Kritiker ausgeschaltet, sonst würde er diesen Blogeintrag alleine schon bis hierher komplett zerrissen haben.

Für viele Nicht-NPs, vor allem für Sensoriker treffen wir mit dieser Problematik häufig auf wenig Verständnis: „Ja, wenn du eine gute Idee hast, dann mach doch einfach, anstatt bloß den ganzen Abend davon zu reden!“, heißt es zunächst, oder, wenn man sich besser kennt: „Wie wäre es, wenn du erst einmal den Plan, den du zuvor hattest durchziehst, bevor du dich auf einen neuen einlässt?“

Und diese konstruktive Kritiken sind beide durchaus berechtigt, aber so einfach ist es nicht. Ich wurde mittlerweile beispielsweise schon so häufig auf meinen Blogroman „Topophobie“ angesprochen und angeschrieben, warum, ich denn nicht weitermachen würde. Warum tue ich es nicht? Weil ich festgestellt habe, dass ich mich total in Nebenplots verrannt habe, das retardierende Moment zu schwach wäre, in dem Sinne, dass die meisten, wenn nicht alle Leser, dieses nicht als einen Wendepunkt wahrnehmen würden und ich schon zu viel Inhalt habe, den ich umschreiben müsste, um das Werk noch zu retten. Sprich: unter meiner Anleitung würde BER oder Stuttgart 21 nie fertig gebaut werden, sondern ich würde die Baustelle einfach verlassen, so, wie sie ist. Und jetzt kommt der springende Punkt: ich würde zu einer neuen Baustelle gehen, dort ein neues Projekt anfangen und die Fehler, die ich zuvor gemacht habe, nicht ein zweites Mal begehen. Dafür Neue. Und dieses Projekt höchstwahrscheinlich wieder verlassen. Und jetzt kommt meine steile Behauptung, was der Grund dafür ist: weil NPs sogar noch anspruchsvoller sind als NJs, die als Perfektionisten so berühmt-berüchtigt sind. Wir NPs sind noch viel schlimmer. Wir verlassen das Boot, noch bevor es überhaupt sinkt, weil es sinken könnte und machen uns an die Arbeit, ein neues zu bauen. Und am Ende sorgt unser Perfektionismus oft genug dafür, dass wir nicht einmal in See stechen.

Das ist dann natürlich enorm schade. Aber hier kommt der springende Punkt: früher oder später ist unser Schiff dann doch fertig. Und dann sind wir stolz darauf und finden keinen (für uns) nennenswerten Makel mehr daran. Wir haben ein wahres Meisterwerk geschaffen, weil wir uns nicht an einer Idee festgeklammert haben, sondern aus jeder nur das Beste behalten und am Ende eine furchterregende Schimäre glänzende Neuheit kreiert haben. NJs haben eine Vision und verfolgen sie bis zum Ende durch.

Jetzt wäre hier nur zu kritisieren, dass „früher oder später“ eigentlich immer „später“ heißt. Ein Problem: wenn wir Ideen mit Liebschaften vergleichen, wie oben, dann könnte man sagen, dass NPs wie draufgängerische Casanovas sind, die sich aber eigentlich nach der wahren Liebe sehnen. Wir lassen uns auf eine Liebschaft nach der anderen ein, hüpfen von Bett zu Bett, wieder zurück zu alten Affären und dann machen wir wieder eine neue, verführerische Bekanntschaft. Während dessen hat ein NJ bereits geheiratet und vier Kinder bekommen.

Und hier kommt eine weitere Komponente hinzu: man kann nur ein „draufgängerischer Casanova“ sein, wenn man sich nicht in seiner Wohnung einsperrt. Und zumindest ideentechnisch tun wir NPs das auch nicht: wir konsumieren Medien in der Regel wie Wasser. Bücher, Filme, Gemälde, Serien, Musik, Spiele – all das inspiriert uns. Und auf unserer Suche nach Inspiration verschlingen wir alles, was uns dabei helfen könnte. Demnach eignen wir uns auch eine regelrechte Bibliothek (unser kleines introvertiertes Empfinden lässt grüßen) an Erfahrungen an – und früher oder später meinen wir auch beurteilen zu können, welcher Film objektiv schlecht sei, warum der Plot eines Romans schlecht aufgebaut ist, warum bestimmte Seriencharaktere uninteressant sind, welche Spielmechaniken langweilig, welche Farben uninspiriert und welche Musik „weichgespülter Mainstreampop“. Schon mal ein Gespräch mit einer Person gehabt, die eure Lieblingsserie zerrissen hat und ihr wolltet nicht mehr weiter sprechen – und zwar, weil sie recht hatte und euch damit den Spaß daran genommen hätte, hättet ihr das Gespräch nicht abgebrochen? Wir NPs mögen tolerant gegenüber Menschen sein – aber wir sind das nicht gegenüber Ideen. Da können die Fetzen fliegen – ohne, dass wir die Absicht haben, dabei jemals persönlich zu werden.

Und nun ein schönes Bild zum Abschluss: stellt euch vor, ein gefürchteter Filmkritiker, der schon hunderte Filme mit seinen Rezensionen zerrissen hat und überall ein Haar in der Suppe findet, wagt sich auf einmal selbst an die Regie. Das sind wir. Und wir zittern wie Espenlaub.

Extrovertiertes Empfinden

Extrovertiertes Empfinden, oder kurz SE (englisch: Sensing Extroverted) ist die Funktion, die uns dabei hilft, die Umwelt möglichst objektiv und in ihren Details wahrzunehmen. Die Funktion ist am ausgeprägtesten bei den Typen ESTP und ESFP steht an zweiter Stelle bei deren introvertierten Pendants: ISTP und ISFP.

Der Unterschied zu Intuierern
Während Intuierer sich vor allem mit Abstraktem beschäftigen, da sich sowohl extrovertiertes als auch introvertiertes Intuieren sehr auf Konzepte und Theoretisches konzentriert, ist das extrovertierte Empfinden sehr praktisch veranlagt. Das liegt daran, dass extrovertiertes Empfinden sich vor allem auf die Dinge fixiert, die sinnlich wahrnehmbar sind. Dementsprechend bewusst und aufmerksam nehmen Menschen mit stark ausgeprägtem SE ihre Umwelt wahr. Dabei fallen ihnen häufig auch Details auf, die anderen, insbesondere eben Intuierern entgehen.

Die Unterschiede werden besonders dann deutlich, wenn man extrovertierte Empfinder mit introvertierten Intuierern vergleicht: erstere sind energisch, voller Tatendrang und gehen mit einer „Das Leben geht weiter“-Einstellung eher unbekümmert durchs Leben, während introvertierte Intuierer sorgfältig die meisten Schritte in ihrem Leben planen und auf alles Vorbereitet sein wollen. In den Augen extrovertierter Empfinder sind solche Menschen eher zu langsam, zu vorsichtig und vor allem viel zu ernst.

Extrovertierte Empfinder und extrovertierte Intuierer wirken auf den ersten Blick häufig relativ ähnlich: beide lassen sich schnell von Neuem begeistern, brauchen viel Abwechslung und wirken locker und umgänglich. Die Unterschiede liegen hier eher im Detail: SE ist aus auf physische Stimuli – körperliche Aktivitäten und Eindrücke statt „geistige“ Aktivitäten, nach denen NE eher sucht. Um ein Beispiel zu nennen: jemand mit stark ausgeprägtem SE wird eher daran interessiert sein, mal Paragliding auszuprobieren oder Tiefseetauchen zu gehen, als ein neues Pen & Paper Spielsystem auszuprobieren. SE ist eher körperlich aktiv als „nerdy“, bei NE ist es genau andersherum. Und wie gesagt – hierbei handelt es sich um Tendenzen. Natürlich gibt es auch Rollenspiel spielende ESTPs und Taucher-ENFPs.

Der Unterschied zu introvertiertem Empfinden
Darauf bin ich bereits auf meiner Beschreibung von introvertiertem Empfinden eingegangen, weshalb ich mich hier etwas kürzer fassen werde. Einer der Hauptunterschiede ist, dass man mit starkem extrovertiertes Empfinden sehr opportunistisch agiert, während introvertiertes Empfinden eher die Vorsicht prägt. S-Typen sind beide sehr aufmerksam und nehmen viele Details in der Welt wahr. Generell gilt für introvertierte Tendenzen (nicht nur auf das Empfinden bezogen), dass sie einen Hang zum Pessimismus haben, die Welt eher als feindselig wahrnehmen, während Extroversion ein eher positives Weltbild fördert und die Lust darauf, mit der Welt zu „verschmelzen“. Das zeigt sich auch beim Empfinden – jemand mit stark ausgeprägtem SE sieht eine Gelegenheit und empfindet sie als einladend und wird eher darauf eingehen, als jemand mit stark ausgeprägtem SI. Solch eine Person erkennt die Situation möglicherweise auch, wird jedoch eher skeptisch sein und sich erst mit gutem Gefühl darauf einlassen können, wenn es bereits Erfahrungen gibt, die der momentanen Situation stark ähneln. Dementsprechend lassen sich extrovertierte Empfinder häufiger auf Risiken ein als introvertierte Empfinder. Ein weiterer Unterschied ist der, dass extrovertierte Empfinder einfach sehr viel neugieriger sind – ohne bösen Absichten (oder über bloße Neugierde hinaus überhaupt irgendwelchen), provozieren extrovertierte Empfinder andere Menschen beispielsweise gerne, einfach, um zu sehen, wie sie reagieren.

Extrovertierte Empfinder müssen ihre introvertierten Pendants wahrscheinlich als sehr merkwürdig erachten: „Wenn ihr Erfahrungen doch genauso sehr schätzt, wie wir – warum habt ihr dann so große Angst davor, neue zu machen?“

Die Vorteile extrovertiertem Empfindens
Menschen, bei denen diese Funktion stark ausgeprägt ist, sind aktiv und aufmerksam. Ersteres bedeutet, dass sie nicht erst stundenlang herum theorisieren, bevor sie etwas anfangen – sie sind auf aus neue Erfahrungen und lernen auch schnell daraus. Folglich leisten sie in vielen Bereichen Pioniersarbeit – sie probieren einfach gerne neue Dinge aus, vor allem, wenn sie aufregend und/oder lukrativ klingen. Da extrovertierte Empfinder sich generell eher weniger mit akademischen Dingen befassen, machen sie häufig einen ungebildeten Eindruck und bei vielen trifft dieser Eindruck auch voll ins Schwarze. Man darf jedoch Bildung nicht mit Intelligenz verwechseln. Extrovertiertes Empfinden fördert die Auffassungsgabe, was dazu führt, dass seine Anwender schnell lernen und extrem anpassungsfähig sind.

Die Anpassungsfähigkeit ist dabei auch der Aufmerksamkeit geschuldet. Auch bei sozialer Interaktion fallen extrovertierten Empfindern schnell die kleinsten Details in Körperhaltung und Mimik auf. Ein zuckendes Augenlid, der Stand, der etwas lockerer wird – all das nimmt der extrovertierte Empfinder genauso wahr, wie die Worte seines Gegenübers.

Die Nachteile extrovertiertem Empfindens
Aller Aktivismus schützt nicht vor Fehlschlägen – statistisch gesehen dürfte ein extrovertierter Empfinder metaphorisch (wahrscheinlich auch wörtlich) viel häufiger in seinem Leben auf die Schnauze fallen, als Typen mit einer anderen bevorzugten Wahrnehmungsfunktion. Sie rappeln sich zwar schnell wieder auf und lassen sich durch Niederlagen nicht entmutigen, aber es darf bezweifelt werden, ob sie immer daraus lernen – und es gibt eben auch Fehltritte, die macht man nur einmal im Leben. Danach kann man sie rein technisch nicht mehr wiederholen.

Extrovertiertes Empfinden scannt zudem zwar äußerst präzise die Oberfläche ab und ist dabei so detailliert wie keine andere wahrnehmende Funktion, aber dementsprechend hoch ist auch die Gefahr, dass seine Anwender auch oberflächlich nach oberflächlichem Maßstab denken. Sind die ausgleichenden Funktionen nicht stark genug ausgeprägt, liegt es nahe, dass ein extrovertierter Empfinder Menschen zum Beispiel vor allem nach Äußerlichkeiten bewertet und/oder (vor allem politisch) leicht manipulierbar ist.

Extrovertiertes Empfinden an den verschiedenen Stellen

Erste/Zweite Funktion SE (ESTP, ESFP, ISTP, ISFP): 
„Bestimmt kann ich das. Schau her – voillá! War gar nicht schwer.“

„Okay, ich hab die Spielregeln verstanden, den Rest lerne ich während dem Spiel. Lass uns aber endlich anfangen!“

„Er ist super angepisst. Hast du sein Gesicht in dem Moment nicht gesehen?“

„Mal sehen, wie die Leute reagieren, wenn ich heute Abend… dieses Kleid anziehen werde!“

„Diese Sportart klingt spannend. Keine Ahnung, ob mein Körper dafür fit genug ist – ein Grund mehr, sie auszuprobieren, nicht wahr?“

Dritte/Vierte Funktion SE (ENTJ, ENFJ, INTJ, INFJ): 
„Das sind zu viele Leute auf einmal… mir entgehen so viele Dinge, weil ich all die Eindrücke nicht schnell genug verarbeiten kann!“

„Sicher, dieser Whiskey ist unverschämt teuer. Aber wenn du ihn probiert hast, wirst du verstehen, warum ich ihn mir dennoch gekauft habe.“

 

„Ich habe eine Vision – und ich werde sie nicht erreichen, indem ich untätig herumsitze. An die Arbeit!“

„Bei all den Gedanken, die ich mir immer mache, brauche ich Bewegung einfach als Ausgleich. Ich fühle mich manchmal erst dadurch richtig lebendig.“

„Ich bin nicht gerne in diesem Restaurant. Das Essen ist zwar gut, aber die Einrichtung jagt mich förmlich nach draußen.“

Introvertiertes Empfinden

Introvertiertes Empfinden, oder kurz SI (englisch: Sensing Introverted) ist die Funktion, die uns dabei hilft, Eindrücke abzuspeichern und darauf zurückzugreifen, demzufolge also auch Informationen aus der Gegenwart mit denen der Vergangenheit zu vergleichen. Die Funktion ist am ausgeprägtesten bei den Typen ISTJ und ISFJ und steht an zweiter Stelle bei deren extrovertierten Pendants: ESTJ und ESFJ.

Der Unterschied zu Intuierern
Das Ziel von SI ist es, die Welt so zu erfassen, wie sie ist und sich zu erinnern, wie sie war. Intuierer hingegen konzentrieren sich vor allem auf das, was sein könnte, also nicht unbedingt so sehr auf die Realität. Im direkten Vergleich wirken Intuierer viel bodenständiger und sachlicher, man könnte auch sagen: nüchterner. Um die wahrnehmenden Funktionen zu beschreiben, ist es sinnvoll, sie bildlich zu vergleichen: während das extrovertierte Intuieren, das sehr auf die Möglichkeiten und verschiedenen Blickwinkel fixiert ist, eher einem Kaleidoskop gleicht, welches die Realität stark verzerrt, ähnelt das introvertierte Intuieren eher einer distanzierten Satellitenansicht, welche ein „Big Picture“, aber keine Details liefert. SI hingegen entspricht eher einem Landschaftsgemälde: es entspringt zwar der direkten Wahrnehmung des Künstlers und ein fremder Beobachter wird die Vorlage nach Betrachten des Bildes wohl auch wieder erkennen, aber es bleibt dennoch ein subjektives Empfinden, das nicht absolut der Realität entspricht. So bleiben auch beim introvertierten Empfinden bestimmte Details hängen, teilweise als harte Fakten, teilweise auch als subjektive Eindrücke.

Dadurch entsteht eine starke: „Ich weiß, was ich gesehen habe!“-Mentalität, die oft in Konflikt gerät mit der Einstellung von Intuierern, die rein sinnlichen Eindrücken eher misstrauen, bzw dazu tendieren, sie im Vergleich zu Ideen und hypothetischen Möglichkeiten gering zuschätzen. Neue Situationen – oder eben auch besagte Ideen und Möglichkeiten bergen für SI immer ein Risiko: auf der einen Seite natürlich die innere Datenbank zu erweitern, auf der anderen Seite die Gefahr, das man in der neuen Situation eben nichts hat, worauf man zurückgreifen kann. Pionierarbeit überlassen Nutzer eines stark ausgeprägten SIs tendenziell lieber anderen. Sobald sie der Meinung sind, genug Erfahrung in einem bestimmten Fachbereich gesammelt zu haben, treten sie in diesem Aspekt jedoch recht selbstbewusst auf.

Der Unterschied zu extrovertiertem Empfinden
Wenn introvertiertes Empfinden ein Maler, bzw sein Gemälde ist, dann widerspiegelt extrovertiertes Empfinden der Linse einer Fotokamera und dem damit geschossenen Bild. Ich behaupte, dass extrovertierte Empfinder das wahrscheinlich realistischste Bild der Ist-Situationen wahrnehmen. Der große Unterschied zum introvertierten Empfinder besteht hauptsächlich daran, dass sie aktiv neue Erfahrungen sammeln wollen, während ihr introvertierter Gegenpart eher dazu neigt, Gewohntes neu-, bzw. wieder entdecken zu wollen. Während SI also eher darauf aus ist, sich in einem vertrauten Umfeld zu bewegen und in diesem zu arbeiten, es zu optimieren und zu pflegen, stürzt sich SE in neue Erlebnisse, ist immer auf der Suche nach frischen Erfahrungen.

Beide Wahrnehmungstypen sind also pragmatisch veranlagt und auf Erfahrungen aus, aber in unterschiedlicher Form. Ein eher alltägliches Beispiel wäre, wenn die SE-Frau ihren Ehemann dazu überreden will, mal in Indien Urlaub zu machen, weil sie es einfach leid ist, jedes Jahr nach Spanien zu fliegen, während ihr SI-Ehemann gerade das so erholsam empfindet: er weiß jedes Jahr, worauf er sich einlässt, muss sich nicht auf ein anderes Klima, anderes Essen, eine andere Sprache und eine andere Kultur einlassen. SI kann in dieser Hinsicht auch stur sein, aber früher oder später wird es sich, wenn die anderen Funktionen ebenfalls gesund entwickelt sind, auch mal auf neue Erfahrungen einlassen, um die Erfahrungsdatenbank auszubauen. Wird ein primärer SI-Nutzer jedoch permanent dazu gezwungen, sich auf neue Dinge einzulassen, kann ihm das sehr auf die Essenz gehen.

Die Vorteile introvertiertem Empfindens
Mit den gut abgespeicherten Informationen besitzen introvertierte Empfinder folglich in der Regel ein gutes Gedächtnis. Da sie Beständigkeit mögen, sind sie Routine nicht abgeneigt und dementsprechend ausdauernd, wenn es darum geht, bestimmte Fähigkeiten und Wissensgebiete auszubauen, bzw. zu vertiefen.

SI ist es wichtig, dass die Dinge richtig angegangen werden, wobei „richtig“ in der Regel auch nicht auf irgendeinem Bauchgefühl, sondern auf üblicherweise vertrauenswürdigen Erfahrungen beruht. Dementsprechend leisten SI häufig einen wertvollen Beitrag in der Gesellschaft, um funktionierende Systeme weiterhin am Laufen zu halten, weil sie die nötige Expertise und Ernsthaftigkeit dafür aufweisen. Was viele andere Typen häufig vergessen: nur, weil man etwas schon oft getan hat, bedeutet das nicht, dass man es deshalb weniger sorgfältig machen muss. In der Regel geben sich introvertierte Empfinder demzufolge nicht mit geringeren Leistungen als „damals“ zufrieden.

In vielerlei Hinsicht bilden primäre SI-Nutzer aus dieser Sicht die Säulen unserer Gesellschaft, die uns bei all den Veränderungen, die auf uns zukommen, einen sicheren Halt bieten können.

Die Nachteile introvertiertem Empfindens
Doch genauso positiv die gerade genannten Aspekte anmuten können, so können sie auch ins Gegenteil verkehren: Konservatismus ist nur solange gut, bis er die Neuerungen blockiert, die tatsächlich Gutes schaffen würden. Bei stark ausgeprägtem SI muss man stets darauf achten, nicht „aus Prinzip“ alles neumodische zu verteufeln und Altes zu lobpreisen. Wie ich schon oben geschildert habe, zeigt das auf Impressionen basierende Bild des Malers nur eine abstrakte Version der Wirklichkeit, nicht jedoch die Wirklichkeit, wie sie tatsächlich ist. So kann es auch sein, dass zwei SI-Nutzer von ein und derselben Erfahrung ein komplett unterschiedliches Bild gemacht haben und sich trotz derselben Funktion der Meinung sind, das der jeweils andere eine völlig falsche Vorstellung von dem habe, was sich „damals“ ereignet hat.

Bei einem zu stark ausgeprägtem SI läuft man zudem Gefahr, sich neuen Erfahrungen komplett abzuschotten und sich in die eigene Welt zurückzuziehen, in der man nur die Informationen (oder Meinungen anderer) akzeptiert, die ins eigene Weltbild passen.

Dementsprechend tut man sich als primärer Empfinder gut daran, sich auch ab und an auf neue Erfahrungen und vor allem auch auf neue Gedankengänge, Ansichten und Ideen einzulassen, auch, wenn es zunächst sehr befremdlich erscheint. Man darf dabei nie vergessen, dass jede geliebte Erfahrung, jede akzeptierte Ideologie und Weltsicht an einem Zeitpunkt im Leben noch etwas komplett Fremdes und Neues war.

Introvertiertes Empfinden an den verschiedenen Stellen

Erste/Zweite Funktion SI (ISTJ, ISFJ, ESTJ, ESFJ): 
„So haben wir es damals gemacht, so machen wir es heute und werden es auch in Zukunft tun – und damit endet die Diskussion.“

„Moment. Als ich dich vor vier Jahren das letzte Mal besucht habe, hatte dieses Bild noch einen anderen Rahmen.“

„Ich fühle mich dann erst wirklich glücklich, wenn ich mich an die Dinge im Leben halten kann, die wichtig und nachhaltig sind, wie Familie, Freunde und Glaube.“

„Wenn ein Profi es auf diesen Weg macht und damit Erfolg hatte, warum sollte ich es dann anders machen? Ich habe mir jetzt bereits jeden einzelnen Schritt auswendig gemerkt.“

„Solange ich nicht mehr Informationen darüber bekomme, werde ich mich nicht darauf einlassen.“

 

Dritte/Vierte Funktion SI (INTP, INFP, ENTP, ENFP): 
„Wenn wir nicht aus den Fehlern unserer Vergangenheit lernen, werden wir sie nur wiederholen.“

„Oha… diese Straße kenne ich doch! Hier war ich vor vielen Jahren schon einmal und habe genau dieses und jenes getan, ich weiß sogar noch, wie das Wetter war!“

„Ich weiß nicht genau wieso, aber… ich kann und will mich auch eigentlich nicht davon trennen.“

„Weißt du noch, wie es damals war, wenn man als Kind Weihnachten gefeiert hat? Manchmal vermisse ich dieses Gefühl…“

„Wo habe ich nur wieder meinen Schlüssel hingelegt? Ich sollte mir wirklich mal einen regulären Platz dafür überlegen…“

„Mein INTP funktioniert nicht mehr“ – Warum dieser Persönlichkeitstyp so viel Unsinn hortet

Es fällt mir teilweise unglaublich schwer, mich von unnützem Krimskrams zu trennen, was dazu führt, dass unser Lagerraum geradezu überquillt. Das Paradoxe an der ganzen Sache: wir INTPs rühmen uns doch dafür, relativ asketisch zu leben, in materieller Hinsicht genügsam. Warum also haben wir so ein Problem damit, unsere Zimmer mit unbrauchbaren Gegenständen vollzumüllen?

In Anbetracht dieses Problemchens: willkommen bei einem weiteren Beitrag zur Serie „Mein INTP funktioniert nicht mehr“! Vielleicht kann ich etwas Aufklärungsarbeit leisten und erklären, warum wir uns in dieser Hinsicht so seltsam verhalten.

Zunächst einmal sollten wir uns ansehen, was INTPs denn eigentlich so horten: bei mir handelt es sich fast ausschließlich um Kinderspielzeug, alte Fachzeitschriften, Briefe, CDs, die ich schon lange nicht mehr höre und Postkarten. Gemeinsamkeiten? Ein Wort: Nostalgie. Jetzt mag man sagen: Moment mal, das „Problem“, wenn man es denn so nennen will, haben doch vor allem auch xSFJ-Typen! Kann sein. Aber eher nicht in dem Ausmaß, dass der Kram in einer Ecke steht und verstaubt, so gut wie nie das Tageslicht erblickt. SJ-Typen haben aufgrund ihres stark ausgeprägten introvertierten Empfindens ebenfalls einen starken Sinn für das Nostalgische. Allerdings viel bewusster und ausgeprägter: sie haben in der Regel einen ausgewählten Platz für ihre Andenken, könnten sofort sagen, wo sich all die Dinge befinden.

Bei INTPs ist das introvertierte Empfinden nicht so stark ausgeprägt, noch weniger ihr Sinn für Hausordnung. Dennoch heben sie ihren Kram auf. Warum? Sie sehen in all den Gegenständen einen Teil ihrer Identität. Würden sie all das wegwerfen, hätten sie die irrationale Angst, ihre Identität und Erinnerungen ebenfalls wegzuwerfen. Mit den eigentlich schwachen, aber überzeugenden Argumenten: „Was? Du wirst doch nicht so herzlos sein und das Stofftier wegwerfen, das dich in deiner Kindheit vom Regal aus beschützt hat!“ oder: „Wenn du dieses alte Schulheft weg wirfst, wirst du vergessen, wie du dich damals im Chemieunterricht gefühlt hast!“, behalten sie ihre Andenken, selbst, wenn sie mit negativen Erinnerungen behaftet sind.

Hier geht introvertiertes Empfinden interessanterweise Hand in Hand mit dem extrovertierten Intuieren: der INTP fragt sich, wenn er sich eventuell überwinden sollte, doch in Betracht zu ziehen, etwas wegzuwerfen, ob man den Gegenstand nicht doch vielleicht noch benötigen könnte? Vielleicht will mein Sohn ja dieses Spielzeug. Vielleicht will ich ja doch nochmal versuchen, Comicfiguren zeichnen zu lernen. Eventuell mache ich mir eine Fotocollage mit alten Kinotickets (als ob ich das je tun würde!).

Auch INFPs teilen dieses Problem ein stückweit, denn auch sie haben oben genannte Funktionen an genau denselben Stellen. Allerdings verfügen sie auch noch über extrovertiertes Denken – sie urteilen häufiger nach dem Nutzen eines Gegenstandes, als man annehmen würde. INTPs analysieren zwar mittels ihres introvertierten Denkens, aber die Erkenntnis alleine, dass man Gegenstände aus irrationalen, praktisch unsinnigen Gründen aufbewahrt, bringt nichts. Im Gegensatz zu TE scheut sich TI eher in die Umwelt einzugreifen und so bekommen INFPs das Problem eher in den Griff als INTPs.

Und gerade, weil es relativ unterbewusst ist und/oder der INTP es möglicherweise abstreiten würde, aus sentimentalen Gründen, Dinge aufzubewahren, kann er hier nicht so klar urteilen, wie SJ-Persönlichkeiten, die ganz klar wissen, was in welcher Hinsicht tatsächlich zu ihrer Identität gehört und Erinnerungen noch deutlicher, noch bildlicher abspeichern und materielle Andenken in gewisser Hinsicht überflüssig machen.

Wichtig ist es also zunächst, sich als INTP über diese Schwäche bewusst zu werden und dementsprechende Schlüsse zu ziehen: wenn wir es so fürchten, die Zeit zu vergessen, an die wir uns jetzt mittels Gegenstände klammern, dann sollten wir uns fragen, ob wir hier nicht vielleicht gerade von Sensorikern lernen können, uns mehr auf das Gegenwärtige zu konzentrieren und das Leben wie es ist zu genießen. Überlegen wir uns: welchen Gegenstand werden wir benötigen, um uns an die Zeit, in der wir hier und jetzt leben, zu erinnern? Oder brauchen wir gar keinen Gegenstand dafür? Solange unser Kopf noch richtig funktioniert, sollte das Erlebnis an sich doch Erinnerung genug sein. Wir INTPs können uns eine Menge vorwerfen, aber nicht, dass wir uns keine Gedanken über Konsequenzen machen oder zu wenig überlegen. In diesem Sinne: Carpe Diem!

„Mein INTP funktioniert nicht mehr!“ – Warum wir Probleme haben, uns emotional auszudrücken

Stell dir vor, du ziehst als Kind mit deinen Eltern um und kommst in eine Schule , in der es Gesangsunterricht seit der ersten Klasse gibt. Die meisten deiner Mitschüler konnten daher ziemlich gut singen und jetzt kommst du, der neue Viertklässler, und musst zum ersten Schultag dein Lieblingslied vorsingen. Zum Kennenlernen, ist die Erklärung. Das sei hier ganz normal und niemand würde dich bewerten.

Es ist nicht so, dass du noch nie gesungen hättest, nur erstens nicht sonderlich viel, zweitens ist es dir auch unangenehm vor anderen Personen zu singen, weil du es auf irrationale Art und Weise als zu intim empfindest und drittens hältst du Singen in der Regel sowieso für ziemlich unnötig. Wenn du etwas mitzuteilen hast, dann kannst du es doch auch einfach sagen, oder noch besser: schreiben.

Jetzt bist zu aber zum Vorsingen gezwungen. Niemand beurteilt dich? Als deine Stimme etwas abknickt, du zu einer ganz blöden Stelle einen kratzigen Hals bekommst und den Text vor lauter Aufregung vergisst, siehst du ein paar vorgehaltene Hände unter deinen Klassenkameraden und sich verengende Augenpaare darüber.

Ungefähr so fühlen sich viele INTPs, wenn es um das Ausdrücken von Emotionen geht. Wir sind uns unserer Emotionen nicht einmal sonderlich bewusst – wie sollen wir etwas ausdrücken, was uns fremd erscheint? Zumal Emotionalität und die von uns so heißgeliebte (was für ein Paradoxon…) Rationalität sich oftmals gegenseitig zu blockieren scheinen, wollen wir lieber gar nichts damit zu tun haben und fühlen uns unwohl, wenn Leute um uns herum anfangen, ihren Gefühlen Ausdruck zu verleihen – zu singen. Erst recht, wenn sie dann erwarten, dass wir in den Chor mit einsteigen.

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Introvertiertes Denken

Introvertiertes Denken, oder kurz TI (englisch: Thinking Introverted) ist die Funktion, die uns dabei hilft, zu analysieren, Konzepte zu erfassen und Daten zu sortieren. Die Funktion ist am ausgeprägtesten bei den Typen INTP und ISTP und steht an zweiter Stelle bei deren extrovertierten Pendants: ENTP und ESTP.

Der Unterschied zu Fühlern
Das Ziel von TI ist es, die Welt zu verstehen. Um dabei jedoch zu einem möglichst objektiven und damit vertrauenswürdigem Ergebnis zu kommen, ist es erforderlich, dass sich der introvertierte Denker als neutraler Beobachter von der Welt ein Stück weit distanziert. TI schert sich insofern wenig für Gefühle und Meinungen, die nicht auf guten Argumenten beruhen und hinterfragt prinzipiell alles. Während Fühler auf gewisse Sicht „involvierter“ sind und ihre Gefühle entweder in die Welt bringen, um diese danach zu formen oder ihre Gefühle von den Einflüssen der Umwelt geformt werden, versucht TI sich von jeglicher Emotionalität zu distanzieren, um rational und logisch zu bleiben. Gleichzeitig versucht TI auch, die eigene, sehr genaue Art auf die Umwelt zu übertragen, was sich zum Beispiel in möglicherweise sehr kleinkarierten Korrekturen und Anmerkungen widerspiegelt. Introvertierte Denker haben damit die Absicht, für Klarheit zu sorgen und auch Mitmenschen ein nüchternes, nicht von Emotionen „vernebeltes“ Bild zu schaffen, bewirken dabei jedoch auch oft, insbesondere bei Fühlern, das Gegenteil: durch Berichtigungen entsteht der Eindruck, der introvertierte Denker versteht alles besser und durch die Hingabe zu objektiven Fakten, nicht aber zu persönlichen Details, werden sie eher wie kalte Maschinen wahrgenommen, weniger als Menschen, denen man zuhören möchte.

Der Unterschied zu extrovertiertem Denken 
TI ist deduktiv – der Begriff „Deduktion“ stammt aus dem Lateinischen und heißt so viel wie „Ableiten“. In der Praxis bedeutet das, dass TI vom Allgemeinen auf das Einzelne ableitet. Dafür ist jedoch zunächst eine allgemeine Regel erforderlich, von der man Ableiten kann. Um es mit einem Beispiel zu beschreiben: eine allgemeine Regel lautet, dass alle Menschen sterblich sind. Sofern Chuck Norris (der Einzelne) ein Mensch ist, ist er demzufolge sterblich. Extrovertiertes Denken funktioniert genau anders herum und will diese allgemeinen Regeln aufstellen, indem es vom Einzelnen auf das Allgemeine ableitet. Dadurch entstehen häufiger Konflikte zwischen Anwendern von TI und Anwendern von TE (Thinking Extroverted).

TI versucht sich aufgrund von Erkenntnissen ein in sich stimmiges Logiksystem aufzubauen. Sobald neue Informationen aufgenommen werden, müssen diese zunächst einmal anhand dieses internen Logiksystems auf ihren Wahrheitsgehalt überprüft werden. Ist das nicht möglich, wird die neue Information als unnütz abgetan, gliedert sie sich jedoch ein, in anderen Worten: macht sie für den introvertierten Denker Sinn im Kontext mit all dem, was er bisher gelernt hat, wird diese neue Information mit ins interne Logiksystem aufgenommen und wird dadurch auch als das „Allgemeine“ wahrgenommen. In den Augen von TE-Anwendern ist dieses Verfahren oft zu pingelig und kleinkariert – dadurch dass alles zunächst auseinander genommen und überprüft werden muss, kommt man zu keinem Ergebnis. Der introvertierte Denker hingegen hält die Urteilsweise von TE für unzuverlässig und ungenau. Zumal ist TI nicht unbedingt so sehr an Ergebnissen und Erfolgen orientiert, sondern vielmehr an objektiven Wahrheiten, während das bei TE genau andersherum ist.

Die Vorteile introvertiertem Denkens
Introvertierte Denker sind neugierig und wollen verstehen, wie Dinge funktionieren. Das sorgt für eine relativ hohe Auffassungsgabe. Mit einem gut ausgeprägten TI versteht man Prinzipien und Konzepte schneller und kann sie sich gut vor dem geistigen Auge verbildlichen. Will man etwas möglichst genau und mit allen Facetten verstehen, macht man selten einen Fehler damit, einen introvertierten Denker zu befragen, der sich im Thema der Wahl gut auskennt.

TI ist zwar nicht so praktisch veranlagt wie das extrovertierte Pendant, da es sich nicht auf vorher festgelegte Ziele konzentriert, aber die Informationen, die durch die deduktive Denkweise erschlossen werden können, haben an sich viel praktisches Potenzial: wenn man Ursache und Wirkung erkannt hat, kann man bis zu einem gewissen Punkt vorhersagen, was bestimmte Handlungen für Konsequenzen haben werden, noch bevor sie ausgeführt wurden.

Die Nachteile introvertiertem Denkens
Eben genannter Vorteil kann sich allerdings auch als Nachteil manifestieren: der introvertierte Denker fühlt sich häufig erst dann sicher zu handeln, wenn er weiß, was er mit seiner Handlung auslösen wird und handelt deshalb manchmal überhaupt nicht, selbst, wenn es eigentlich erforderlich gewesen wäre. In manchen Fällen kann diese Passivität noch als Energieeffizienz abgetan werden, aber auch nur dann, wenn der introvertierte Denker tatsächlich noch rechtzeitig die erforderliche Leistung erbringt, indem er eine bessere Methode dafür verwendet hat.

Durch die unkonventionelle Art, die TI mit sich bringt, geraten introvertierte Denker häufig auch in persönliche Konflikte, die sie paradoxerweise möglichst zu vermeiden wollen: neue Theorien und Methoden werden häufig besonders von eher traditionsbewussten, konservativen Typen abgelehnt, was schnell zu Frust führt, welcher dazu führen kann, dass sich introvertierte Denker von ihrer Umwelt abkapseln, die für sie als „unlogisch“ und „denkfaul“ wahrgenommen wird. Auch erwecken sie wie eingangs erwähnt mit ihrer eher kühlen, sachlichen Art, nicht schnell Sympathien und haben in der Regel wenig Zeit damit verbracht, ihre sozialen Fähigkeiten auszubauen.

Introvertiertes Denken an den verschiedenen Stellen

Erste/Zweite Funktion TI (INTP, ISTP, ENTP, ESTP): 
„Alles lässt sich irgendwie begründen. Es gibt nur Dinge, die wir einfach noch nicht verstehen, weil uns die nötigen Informationen fehlen.“

„Warum machst du das? Das ist doch komplett sinnlos, da steckt überhaupt keine Logik dahinter…“

„Im Grunde genommen ist das ziemlich simpel. Ich kann dir in drei Sätzen die darunterliegenden Prinzipien erklären, worauf das basiert.“

„Och komm. Sei nicht beleidigt. Ja, ich halte deine Idee/Meinung für absoluten Blödsinn, aber das darfst du doch nicht persönlich nehmen!“

„Gib mir nur ein wenig Zeit und ich werde herausfinden, wie das funktioniert.“

Dritte/Vierte Funktion TI (INFJ, ISFJ, ENFJ, ESFJ): 
„Wenn du dich vielleicht etwas genauer ausdrücken könntest, vielleicht verstehe ich dann, was du meinst.“

„Ich habe mich schon immer für verschiedene Sprachen interessiert. Ich wünschte, ich würde mehr von ihnen beherrschen, damit ich mehr Menschen verstehen kann.“

„Ich interessiere mich für Methoden, die meine Arbeitsweise noch effizienter machen.“

„Auch, wenn es manchmal sehr unangenehm ist, bin ich bereit, ein Problem beim Namen zu nennen und zu analysieren, um es zu beheben.“

„Meine Erfahrungen / Ideen würden mir auch nichts nutzen, würde ich mir nicht ab und an die Zeit nehmen, darüber zu reflektieren.“

Extrovertiertes Denken

Extrovertiertes Denken, oder kurz TE (englisch: Thinking Extroverted) ist die Funktion, die uns dabei hilft, zu organisieren, nach Effizienz zu ordnen und Projekte zum Abschluss zu bringen. Die Funktion ist am ausgeprägtesten bei den Typen ENTJ und ESTJ und steht an zweiter Stelle bei deren introvertierten Pendants: INTJ und ISTJ.

Der Unterschied zu Fühlern
Menschen, bei denen diese Funktion sehr stark ausgeprägt ist, haben meistens die Fähigkeit, ihre Entscheidungen objektiv und unpersönlich zu treffen. Je nachdem, von welchem Licht aus man sie betrachtet, wirken sie damit gerecht oder kalt (oder beides auf einmal). Bei jedem Entschluss, den wir treffen, spielt auch unser Bauchgefühl eine Rolle, unter Umständen auch Beziehungen zu eventuell betroffenen Personen. TE hilft dabei, diese subjektiven Elemente von den Fakten zu trennen und so zu einem „nüchternen Ergebnis“ zu kommen, das auf Logik basiert. Gerade Menschen, die eher Fühlertypen sind und „persönlich“ denken, haben des Öfteren ein Problem damit, mit dieser Art zurecht zu kommen und halten stark ausgeprägtes TE häufig für Unfreundlichkeit. Damit hat das nichts zu tun, viel mehr geht es darum, das bestmöglichste Ergebnis zu erzielen und jeden gerecht zu behandeln. Extrovertierte Denker ergreifen in den meisten Fällen nur dann Partei, wenn sie der Meinung sind, dass es so am besten für alle ist. Natürlich spielt es auch für sie eine Rolle, ob sie damit unter Umständen Freunden, Nachbarn, Kollegen und/oder Familienangehörigen auf den Schlips treten, aber sie stecken das, sollte es der Fall sein, von allen Typen noch am ehesten weg. Viel mehr würden sie sich schlecht fühlen, wenn sie Entscheidungen aufgrund von Emotionalität statt aufgrund logischer Fakten getroffen hätten.

Der Unterschied zu introvertiertem Denken 
TE ist induktiv – induktives Denken könnte man auch als verallgemeinerndes Denken bezeichnen: TE leitet vom Einzelnen auf das Allgemeine ab. Besser verständlich wird das durch ein Beispiel: Stellen wir uns vor, wir würden als Expeditionsteam durch ein bislang so gut wie unerforschtes Dschungelgebiet streifen und dort einen Affen einer bislang unbekannte Affengattung antreffen, die grün-schwarz gestreift ist. Angenommen dieser Affe wäre höchst aggressiv, würde uns sofort angreifen und wir würden den nächsten, grün-schwarz gestreiften Affen, auch, wenn er vielleicht davon abgesehen etwas anders aussieht  gleich mit einem Betäubungsgewehr niederschießen, dann wäre das eine Handlung durch induktives Denken gewesen. Wir haben durch induktiven Erkenntnisgewinn (grün-schwarz gestreifte Affen sind gefährlich) eine neue Regel aufgestellt (bei grün-schwarz gestreiften Affen sofort defensiv reagieren).

Im Gegenteil dazu steht deduktives, beziehungsweise introvertiertes Denken. Hätten wir deduktiv geurteilt, hätten wir gesagt: „EIN schwarz-grün gestreifter Affe war aggressiv, aber das muss nicht auf alle schwarz-grün gestreiften Affen zutreffen. Lass uns beobachten, wie dieser auf uns reagiert.“
Durch diese unterschiedlichen Denkweisen entstehen auch schnell Konflikte. Der extrovertierte Denker hält deduktives Denken an und für sich zwar auch für sinnvoll, aber nur in begrenztem Maße. In dem letzten von mir genannten Beispiel wäre es wahrscheinlich, dass der extrovertierte Denker kritisieren würde, die Sicherheit der Expedition zu gefährden. Er ist zwar bereit dazu, seine Meinung und seine Regeln zu ändern, aber nur, wenn es auch handfeste Fakten, sprich: Beweise gibt, die ihn dazu veranlassen.

Die Vorteile extrovertiertem Denkens
Dadurch, dass TE Details nur dann Aufmerksamkeit schenkt, wenn sie für das System als Ganzes relevant sind, arbeitet er in der Regel sehr effizient und zielorientiert. Gibt man verschiedenen Typen dieselbe Aufgabe, ist es wahrscheinlich, dass ein extrovertierter Denker die Aufgabe als erstes abschließt. Das heißt nicht, dass er schlampig arbeitet, viel mehr lässt er sich nicht von Kleinigkeiten aufhalten. „Just do it“ ist ein typisches TE-Motto.

Wie bereits angedeutet bedeutet ein stark ausgeprägtes TE auch häufig, dass der Gerechtigkeitssinn entsprechend ausgeprägt ist. Das bedeutet in diesem Sinne, dass Leute nach ihren Taten behandelt werden, nicht danach, ob man sie gut leiden kann oder nicht. Ein Kind mit stark ausgeprägtem TE, das im Schulsport eine Fußballmannschaft zusammenstellt, sucht sich wohl eher die besten Fußballer und nicht die besten Freunde aus, weil es will, dass das eigene Team gewinnt, nicht unbedingt, dass im Team eine freundschaftliche Atmosphäre herrscht und in den meisten Fällen geht diese Rechnung dann auch auf.

Die Nachteile extrovertiertem Denkens
Wie man sich bereits denken kann, ist TE nicht die optimalste Funktion, wenn es um zwischenmenschliche Angelegenheiten geht. Viele Eltern mit ausgeprägtem TE haben, um es bildlich zu halten, Schwierigkeiten damit, ihr Kind zu trösten und auch, wenn sie es gut meinen, hört man von ihnen häufig Sprüche wie: „Komm schon, so schlimm ist das nicht!“ oder „Hör auf zu weinen, Jungen weinen nicht!“. Das klingt hart, ist aber in den meisten Fällen nicht böse gemeint. Im Gegenteil versuchen sie damit sogar zu helfen und wenn sie, nachdem ihr Einsatz keine positive Wirkung zeigt gereizt sind, dann ärgern sie sich, sofern sie sich über ihre Schwäche bewusst sind, eher über ihre eigene Unzulänglichkeit, als über das weinende Kind.

TE will Struktur und Ordnung schaffen und wenn es das mit dem Anwender getan hat, dann neigt es dazu, den extrovertierten Denker dazu zu drängen, dasselbe auch mit seiner Umwelt zu tun. Nur gibt es Menschen, die sich ungern etwas von anderen sagen lassen und manchmal weiß der extrovertierte Denker es eben auch nicht besser und sollte vielleicht lieber seine Meinung für sich behalten. Neben dem Ordnungsdrang kann auch die Regeltreue und übermäßiges induktives Denken ein Hindernis von TE sein: nur, weil etwas bereits zehnmal funktioniert hat, darf man sich nicht unbedingt darauf verlassen, dass es auch ein elftes Mal funktioniert. Der Ärger ist häufig groß, wenn eine Regel, die man für unumstößlich gehalten hat und auf die man baute, sich plötzlich als fehlerhaft erweist und man in dem ein oder anderen Fall dem pingeligen introvertierten Denker Recht geben muss, als er meinte: „Das kannst du nicht so verallgemeinern“.

Extrovertiertes Denken an den verschiedenen Stellen

Erste/Zweite Funktion TE (ENTJ, ESTJ, INTJ, ISTJ): 
„Das sind die Fakten, hier ist mein Plan. Macht, was ich euch sage und wir bekommen das ohne Probleme hin.“

„Beherrsche deine Emotionen und du kannst alles schaffen oder lernen. Zu schwierig oder zu kompliziert gibt es nicht.“

„Das ist meine Verantwortung, das kannst du nicht übernehmen, weil man diese Arbeit von mir erwartet.“

„Der Erfolg unseres Produkts wird an Zahlen gemessen, nicht daran, ob die Leute es mögen oder nicht.“

„Drei Stunden habe ich bereits gearbeitet und bin nun zur Hälfte fertig. Ich bin also in drei weiteren Stunden damit fertig. Spätestens. Du kannst dich darauf verlassen – wie immer.“

Dritte/Vierte Funktion TE (ENFP, ESFP, INFP, ISFP): 
„Ich weiß, dass es so ist oder zumindest darüber gehört/gelesen zu haben, aber ich kann mich beim besten Willen nicht erinnern, woher ich diese Information habe.“

„Nein. So nicht. Das fühlt sich falsch an, das geht anders. Ich kann dir nicht sagen, wie es richtig geht, aber so jedenfalls nicht.“

„Naja, ganz so unorganisiert bin ich nicht. Schau, ich habe meine Kleidung nach Farben sortiert!“

„Entweder Yetis existieren oder sie existieren nicht. Und momentan sprechen die Fakten dafür, dass es keine gibt, also sollten wir davon ausgehen, dass sie nicht existieren. Außerdem ist diese ganze Diskussion sinnlos.“

„Wahrscheinlich sollte ich mir einen Terminplan machen, auch, wenn ich so etwas hasse und Schwierigkeiten habe, ihn einzuhalten. Aber wenn ich es nicht zumindest versuche, gehe ich noch in all dem Chaos unter.“