INTP – Der Grübler

 

Allgemeine Beschreibung & Klischees

Nerd, Innovator, zerstreuter Professor, Philosoph, realitätsferner Theoretiker, Gedankenarchitekt und Internetjunkie. In meiner Serie über die Typen ist der INTP tatsächlich ein ziemlich besonderer Typ. Nicht, weil er an sich wichtiger oder generell besonderer als alle anderen ist, sondern, weil ich selbst diesem Typen angehöre. Ich habe mir ja überlegt, ob ich das komplett geheim halten soll, aber eigentlich würde das meiner Philosophie komplett widersprechen, dass die Typologie dabei helfen soll, dass wir uns gegenseitig besser verstehen. Deshalb: ICH BIN EIN INTP! Und das ist auch voll okay!

So, eines vorneweg: der Post ist länger als die über die anderen Typen. Warum ist das so? Nun, einfach, weil ich diesen Typen am besten kenne und daher am meisten darüber schreiben kann. Könnte ich über andere Typen nicht noch mehr schreiben? Ja, das könnte ich. Aber ich glaube, dann wären die Beiträge zu lang. Aber dieses eine Mal will ich zeigen, wie detailliert eine Typenanalyse sein kann. Und welcher Typ bietet sich dafür besser an, als der eigene? Ich habe mir dafür auch einige externe Quellen zu Hilfe gezogen, um einfach noch weitere Facetten einzublenden. Aber das mache ich ja bei dem Thema allgemein. Also, bevor ich hier die Lorbeeren dafür einheimse, wie detailliert und komplex das alles ist, will ich nochmal erwähnen: diese ganzen Theorien stammen (leider) nicht von mir!

Ich hoffe, dass sich in kommender Zeit ein weiterer INTP hierher verirrt und dann mit Capslock bezeugen kann: „JA MANN! DAS BIN SOWAS VON ICH!“ – um zu beweisen, dass das nicht einfach nur eine Beschreibung von mir selbst ist, sondern tatsächlich allgemeingültig auf INTPs, so sauer das auch einigen Personen aufstoßen mag. Glaubt mir. Bei all den Details, die ich hier auffahren werde, ist immer noch so unendlich viel Platz für Individualität vorhanden, das ist kein böses Schubladendenken. Selbst, wenn ihr nicht viel von dem ganzen Typologie-Zeug haltet – für die Fiktionsschreiber unter euch, ihr könnt diese Konzepte auch einfach als Inspiration für Charakterkonzepte benutzen. Oder aber, vielleicht findet ihr auch einfach nur den Autor dieses Blogs interessant und wollt mehr über ihn und seine narzisstischen Züge wissen. Okay, es wird Zeit, anzufangen.

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Mein kleiner Bär

Kuschelig. Flauschig. Mein kleiner Bär.
Eigentlich will ich dich ja gar nicht mehr.
Mit deinen süßen Augen guckst du mich anklagend an.
So gut man mit Knöpfen so gucken kann.
„Warum?“, fragen sie mich ganz empört.
„Warum willst du vergessen? Was hat dich so gestört?“

Und ich weigere mich, dir Antwort zu geben.
Ich habe schon genug Probleme im Leben
Das gefüllt ist mit den Zweifeln, die in mir wohnen
Und du bist ein Plüschtier, gefüllt nur mit Bohnen!

Also schau doch bitte irgendwo anders hin!
Als wenn du mir helfen kannst, da wo ich bin…
Ich meine, ich rede mit dir! Geht es noch schlimmer?
Und du? Starrst mich nur an, doch schweigst du noch immer.

Nun gut. Wenn du mich nicht lässt, dann vergelte ich’s dir:
Du bist eben nicht mehr mein Lieblingskuscheltier!
Ja, richtig! Das ist so! Darum brauch ich dich nicht!
…und trotzdem sitz ich hier, schreib über dich ein Gedicht…

So viel, wie ich kotzen will, könnt‘ ich nicht essen.
Und selbst Berge zu kotzen lässt mich nicht vergessen
Was du hervorbringst, wenn ich dich erblicke.
Doch werde ich dich los, entsteht dann ne‘ Lücke?

Wie die Erinnerung bist du ein Teil von mir
Wegen dir bin ich so, wie ich bin, stehe ich hier
Wo ich bin und ich bin auch zufrieden mit mir!
Eigentlich. Aber ich kommunizier‘ noch mit dir…

Du bist die Vergangenheit, doch die Zukunft liegt vorn
Und wenn wir ehrlich sind, hast du da auch nichts verloren.
Du kannst einfach nicht mit, ich… ich schäme mich zu sehr!
Ich bin ein erwachsener Mann (tu zumindest so) und du – ein Stoffbär.

Also, weg mit dir, du gemeines Biest!
Bevor du mir wieder die Laune vermiest!
Es geht nicht anders – ich muss mich von dir trennen.
Du kannst ab sofort in der Mülltonne pennen.
Du gehörst nicht mehr auf mein Lieblingsregal
Oder besser: in mein Leben, ist dir doch auch egal!
Denn du bist nur ein Stofftier ohne Emotion
Und wenn ich dich wegwerf‘, was kümmert’s dich schon.
Du hast doch eh‘ keine Liebe für mich.
Weg mit dir!

…oder?

Warum eigentlich?

Nein. Ich erkenne die Absurdität der Lage.
Und bevor ich mich später mit Reue plage
Dass ich dich wegwarf und nie wieder sehe…
Nie! Wie kann es sein, dass ich dich so sehr verschmähe?

Obwohl du mich stets getröstet hast?
Trugst meine ganze… naja… Körperlast
Als ich schluchzend und heulend auf dir lag
Wie kann ich nur sagen, dass ich dich nicht mehr mag?

Ich schaff’s einfach nicht: ich lass dich nicht gehn.
Das macht’s doch nicht besser. Wie sagt man so schön?
Das wahre Problem liegt bei mir, nicht bei dir
Wie wahr, kleiner Bär – du bleibst vorerst hier.

Topophobie – Sehr unromantisch

„Wie viele Bassisten braucht man, um eine Glühbirne zu wechseln?“
„Ach, halt die Klappe“, raunte Tillmann, Bassist der Major Five, aber Manfred, oder Manni, wie er lieber genannt werden wollte, plapperte munter weiter.
„Fünf! Einer hält die Glühbirne fest und die anderen trinken Bier, bis die Decke sich dreht!“
Mir entzog sich der Sinn, weshalb es ausgerechnet vier Biertrinker sein mussten, aber mir kam es ohnehin so vor, dass niemand mehr Mannis Bassistenwitzen sonderlich viel Aufmerksamkeit schenkte. Ein Kommentar von mir wäre also genau so irrelevant gewesen. Der beleibte Trompetist kicherte dennoch über seinen Witz und Richard, der am Steuer des Minibusses war, drehte die Musik lauter. Ich hatte schon jetzt, nach einer Stunde Fahrt keine Lust mehr auf Bassistenwitze oder Charlie Parkers Saxophongedüdel. Dazu kam die Tatsache, dass ich zwischen Manni und Lukas auf der Rückbank ziemlich gequetscht saß, es ziemlich heiß war und mir von der Klimaanlage schlecht wurde. Die Fahrt war unangenehm, aber dennoch eine willkommene Fluchtmöglichkeit. Als ich am vorigen Abend gut angetrunken nach Hause kam, es war bereits kurz vor Mitternacht, lag Nayara schon im Bett und schlief. Ich habe versucht, auf dem Sofa zur Ruhe zu kommen, konnte aber lange kein Auge zumachen. Ich habe vielleicht drei Stunden Schlaf bekommen, wachte dann inmitten der Nacht wieder auf und wälzte mich nur noch hin und her, bis ich mich dazu entschied, schon etwas früher meinen Koffer zu packen und mich schon zum vereinbarten Abfahrtspunkt aufzumachen. Ich hielt es einfach nicht mehr daheim aus. Ich wollte um keinen Preis noch im Haus sein, wenn Nayara aufwachte, wusste nicht, wie ich mich ihr gegenüber hätte verhalten sollen. In diesem Moment hätte ich viel dafür gegeben, einfach mit Felix darüber sprechen zu können. Man konnte ja über Alina sagen, was man wollte, aber sie und er hatten wenigstens eine Beziehung, die nicht von solch enormen Hochs und Tiefs geprägt war, wie die zwischen Nayara und mir und ich hätte einen guten Ratschlag gerne gehört. Oder gerne einfach nur eine Weile herumgejammert. Doch mit Felix schien mich auch nichts mehr zu verbinden und Leon war definitiv nicht die richtige Person, mit der man über solcherlei Dinge sprechen wollte. Erst auf halber Strecke zum Treffpunkt, fiel mir auf, dass ich mein Handy vergessen habe. Ich überlegte mir, kehrt zu machen, um es mitzunehmen, immerhin hatte ich noch genug Zeit dafür, entschied mich jedoch dagegen. Ich kannte mich. Nach spätestens drei Tagen hätte ich versucht, meine Vielleicht-Noch-Freundin anzurufen, hätte mich entschuldigen wollen und meiner eigenen Würde damit einen Tritt in die Eier verpasst. Zum ersten Mal war ich glücklich darüber, dass ich unsere Telefonnummer nach all der Zeit immer noch noch nicht auswendig konnte, so waren auch öffentliche Telefone keine Option.
Ich war jetzt auf Tour, hatte keine Verbindung mehr nach Hause und würde mich voll und ganz auf die Musik konzentrieren können – zumindest nahm ich mir das vor. Ich nahm mir vor, die Person zu sein, die ich schon seit meinem neunten Lebensjahr sein sollte: ein Musiker. Jemand, der davon lebt, andere Leute mit seiner Musik zu unterhalten. Ein Künstler.

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Topophobie – Kein Eis für Tanja

Der Film war richtig, richtig mies und selbst das IMDb-Rating von Fünf Komma Neun Punkten war noch viel zu gut für diesen billigen Streifen. Er hatte keinen nennenswerten Plot und die Dialoge waren so bescheuert, dass man den Schauspielern ihre Lustlosigkeit schon beinahe verzeihen mochte. Tanja lachte mehrmals trocken auf, wenn irgendwelche Szenen eigentlich hätten dramatisch sein müssen und niemand der anderen elf Kinobesucher beschwerte sich darüber. Einige gingen schon nach der ersten halben Stunde. Zu etwa dieser Zeit begann Nayara die Fehler des Films zu kommentieren, etwas, was normalerweise ich tat. Nur hatte ich zu diesem Zeitpunkt das Gefühl, dass ich mir das nicht erlauben konnte, war ich doch derjenige gewesen, der „unbedingt“ den Film ansehen wollte.

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Topophobie – Die Waffen einer Frau

„Mettelbach, hallo?“, ertönte eine säuselnde Frauenstimme blechern aus der Sprechanlage des vierstöckigen Blockhauses.
„Wir sind’s. Oder besser gesagt ich.“
Das unfreundliche „NÄÄÄÄÄÄ“, signalisierte, dass die Eingangstüre ins Treppenhaus bereits entriegelt wurde, bevor ich den zweiten Satz beenden konnte. Seufzend drehte ich mich noch einmal zu Nayara um, die immer noch, wild gestikulierend auf der Straße stand und mit dem Mann diskutierte. Nein, zankte, wem will ich etwas vormachen. Meine Hoffnung, dass sie diesen albernen Streit einfach beenden würde, hatte sich in die Hoffnung verwandelt, dass niemand die Polizei rufen würde.
Ich öffnete schließlich die Türe und betrat das Gebäude, das nach Putzmittel roch. Ich überlegte für einen kurzen Moment, ob es schneller wäre, zu Fuß oder mit dem Aufzug in den zweiten Stock zu kommen, aber schließlich siegte meine Faulheit.
Als sich die Türe des Lifts öffnete, stand Alina bereits mit einem breiten, falschen Lächeln in der Türschwelle. Ich lächelte fast genauso breit, aber mindestens genau so falsch zurück.

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Topophobie – Unerwarteter Besuch

Bis 18:00 Uhr hätte ich normalerweise noch im Musikladen gearbeitet. Bis dahin machte ich mir Gedanken darüber, ob ich Nayara einfach erzählen sollte, dass ich meinen Job schon wieder verloren habe, oder es einfach für mich behielt. Es war nicht so, dass sie mir jemals einen spontanen Überraschungsbesuch bereitet hat, da sie selbst zu ähnlichen Zeiten arbeiten war. Und nachdem ich für die vergangenen drei Stunden einen Straßenmusiker beobachtet und immer mal wieder mit Stielaugen das Geld in seinem Gitarrenkoffer gezählt hatte, kam ich zu dem Ergebnis, dass sich das Gehalt eines Straßenkünstlers nur marginal von dem eines Instrumentenfachhändlers unterschied. Natürlich würde ich das Geld auch noch durch zwei teilen müssen, allerdings würden der alte Robert und ich auch doppelt so gut spielen und singen, als mein Beobachtungsobjekt. Und dementsprechend, hoffentlich, auch doppelt so viel Geld bekommen. Ich kam zu dem Entschluss, dass ich zumindest für den Rest des Monats, den ich ja noch bezahlt wurde, nichts sagen würde. Vielleicht lief es gut, vielleicht musste Nayara überhaupt nichts davon erfahren. Ich hatte etwas Bauchschmerzen bei dem Gedanken, ihr das zu verheimlichen, gerade ich, der sich stets für Ehrlichkeit und Direktheit rühmte. Aber ein schlimmeres Gefühl als nur Bauchschmerzen überkamen mich, wenn ich daran dachte, ihr zu erzählen, dass ich einen weiteren Job losgeworden bin. Schon wieder versagt habe. Ich nahm mir vor, mich ab dem nächsten Tag auch nach einem anderen Job zu erkundigen. Sollte es mit dem Straßenmusizieren nicht funktionieren, konnte ich einfach mit etwas anderem anfangen und Nayara erzählen, ich hätte für einen besseren Job den alten im Musikladen gekündigt. Im Idealfall würde es einfach mit den Major Five funktionieren. Es war mittlerweile 19:00 Uhr und ich machte mich auf zur S-Bahnhaltestelle. Ich seufzte, als ich mich auf die kalte Holzbank setzte. So viel zum Thema Ehrlichkeit, dachte ich mir. Ich versuchte mir einzureden, dass ich kein schlechtes Gewissen zu haben brauchte, wenn ich meine Freundin ja nicht anlog. Ich enthielt ihr lediglich Informationen vor, die vollkommen irrelevant waren, wenn sich unterm Strich nichts ändern würde.

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Topophobie – Der Wilde Vagabund

Wir saßen im Dubliner, unserer Lieblingskneipe in der ganzen Stadt, nicht zuletzt, weil die rustikale Einrichtung mit den ganzen alten Holzmöbeln, die dämmrige Beleuchtung, sowie die irische Folkmusik zu einer gemütlichen Atmosphäre beitrugen, sondern auch, weil die Auswahl an Biersorten betrachtlich und die Preise erstaunlich fair waren. Ehrlich gesagt wunderte ich mich, dass Leon mit in den Irish Pub kam. Erstens trank er keinen Alkohol und zweitens unternahm er in der Regel abseits der Bandprobe nie etwas mit uns. Er unternahm grundsätzlich selten irgendetwas, das nicht irgendeinem höheren Zweck diente und Besuche in die Kneipe gehörten grundsätzlich dazu. Wir lernten uns damals noch während dem Studium kennen, als er bereits im vierten und ich im zweiten Semester war. Nachdem er mich zufälligerweise einmal an der Universität üben gehört hat, kam er auf den Gedanken, mit mir eine Band zu gründen und hat mir seine Idee gleich vorgeschlagen. Eine Art Poprock/Klassikband. Coversongs mit klassischem Einschlag, um das Studium mit Gigs besser finanzieren zu können. Mit nichts, so sagte er damals, macht man schneller leichte Kohle, wie mit billigen Coversongs. Und wenn man die auch noch originell präsentieren würde, sowieso. Ich habe darin eine Gelegenheit gesehen, meinen besten Freund Felix wieder etwas regelmäßig zu sehen, der schon mit sieben Jahren angefangen hatte, Schlagzeug zu spielen. Zwar nur als Hobby, aber dafür solide. Wir nahmen noch Florian, einen Kommilitonen von Leon als Sänger mit an Bord, wobei Leon ihn nach einem halben Jahr wieder aus der Band warf. Florian verlangte, mit der Begründung, er sei der Sänger und damit der Frontmann, einen größeren Anteil unserer Gage für sich, was für Leon schon Grund genug war, ihn rauszuwerfen. Ich hatte kein Problem damit, da ich Florian ohnehin nicht gut leiden konnte und im Nachhinein hatte ich schon doppelt kein Problem damit, da wir während der Suche nach einem neuen Sänger auf Nayara trafen. Sie brachte zwar das Problem mit, dass sie sich nach einem Jahr weigerte, Cover zu machen, weil sie selbst leidenschaftliche Songwriterin war, aber da ihre Lieder wirklich gut waren und keine Lust auf einen neuen Sängerwechsel hatten, akzeptierten wir das.

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